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Leitverse: 3. Mose 1
Inhalt
A. Der Hintergrund 1. Das Rufen des HERRN aus dem Zelt der Zusammenkunft 2. Ein Mensch von den Kindern Israel 3. Eine Opfergabe darbringen B. Die besonderen Kennzeichen des Brandopfers 1. Ein Feueropfer duftenden Wohlgeruchs 2. Ein Opfer zum Wohlgefallen 3. Es war das Opfer von Lebendigem 4. Es war ein Ganzopfer C. Die Stellung des Brandopfers unter den Opfern D. Das Opfer 1. Bestimmte Tiere 2. Unterschiedliche Opfertiere 3. Besondere Eigenschaften der Tiere E. Abstufungen in den unterschiedlichen Darbringungsformen 1. Wert und Größe des Tieres 2. Die Fähigkeit, ein Brandopfer zu sein 3. Die Menge des Blutes 4. Zerteilen in Stücke 5. Annähern an den Charakter des Sündopfers 6. Das Handauflegen 7. Die Tätigkeit des Opfernden 8. Die Vollkommenheit des Opfers
In diesem Artikel und in der nächsten Folge soll es um das in 3. Mose 1
beschriebene Brandopfer gehen. Zuerst wollen wir uns mit den Kennzeichen und der
Bedeutung des Brandopfers beschäftigen (auch im Unterschied zu dem Sünd- und
Schuldopfer) und dabei betrachten, welche Bedeutung diese Dinge auch für uns
heute haben. Dann in einem zweiten Teil wollen wir mehr auf den Opfernden und
die Priester eingehen.
Das 3. Buch Mose beginnt damit, dass uns berichtet wird, wie der HERR den
Mose ruft, um zu ihm zu reden. Das erste Mal, dass wir davon lesen, dass Gott
einen Menschen ruft, war im Garten Eden, als der Mensch sich dort vor Ihm versteckt hatte. Da rief Gott
den Menschen und sprach: „Wo bist du?“ (1Mo 3,9). Dies war nach dem Sündenfall,
durch den der Mensch von Gott getrennt war und vor Gott
geistlich tot. Das
zweite Mal finden wir, dass Gott vom Berg Sinai aus Mose ruft und ihm sagt, wie
das Volk Ihm auf der Grundlage des Gesetzes dienen könnte: „Wenn … ihr meinen
Bund halten werdet …“ (2Mo 19,3). Jetzt das dritte Mal, dass wir es lesen,
rief Gott wieder, und Er tat es, um den Menschen mitzuteilen, wie sie Ihm nahen
können.
Gott sprach nicht vom Sinai, wie Er es zuvor getan hatte. Das Volk hatte das
Gesetz gebrochen, und so hätte Gott, wenn Er weiter vom Sinai gesprochen hätte,
nur Gericht ausüben können. Jetzt hatte Er sich hinter den
Vorhang des Zeltes der Stiftshütte zurückgezogen — damit endet das 2. Buch Mose
— und konnte so mittels des Priestertums in Gnade mit dem Volk zusammenkommen.
Das 3. Buch Mose beginnt damit, dass Gott sich über Mose an das
Volk wendet. Es gab nämlich jetzt das ständige Brandopfer, das für Gott ein Duft
der Beruhigung war und Ihm grundsätzlich die Möglichkeit gab, dieses Volk als sein
Volk anzuerkennen und innerhalb dieses Volkes zu wohnen. Zum ersten Mal
lesen wir den Ausdruck „Zelt
der Zusammenkunft“, als Mose das Zelt außerhalb des Lagers
aufschlug und nun jeder, der den Herrn suchte und Ihm nahen wollte, aus dem
Lager zu diesem Zelt hinausging. Wenn nun der Mensch zu diesem Zelt hinkommt, um
dem HERRN zu nahen und Ihm etwas darzubringen, wird ihm aus diesem Zelt heraus
gesagt, was er tun soll.
Es heißt hier: „Wenn ein Mensch von euch …“ Es wird also nicht irgendein
besonderer Mensch — ein Priester, ein Levit, ein Fürst oder sonst jemand aus
einer besonderen Klasse — angesprochen, sondern jeder. Jeder Einzelne — auch der Ärmste, der Kleinste, der Geringste aus dem Volk
— wird hier angesprochen. Denn auch solch ein Mensch gehörte zu denen, die aus Ägypten erlöst worden waren, die
durch das Rote Meer hindurchgezogen waren, die das Lied der Erlösung gesungen
hatten, die durch das Gesetz mit Gott in Verbindung gekommen waren, die Gott in ihrer Mitte wohnen hatten.
In solch einem Menschen war der Wunsch groß,
diesem Gott, der ihn erlöst hatte, etwas zu bringen. Nun ist Gott so
freundlich und sagt ihm, was Ihm angenehm ist, was Er gerne hat und wie man es
darbringt. Denn ein Geschenk hat nur dann Wert, wenn es dem gefällt, dem man es
schenkt.
Der Ausdruck „Wenn ein Mensch von euch“ zeigt auch, dass es eine ganz
persönliche Sache ist. Allerdings könnte man meinen, dass dieser Ausdruck
schon andeutet,
dass Gott gar nicht damit rechnet, dass es viele sind, die kommen würden. Doch Er freut
sich schon über einen Einzigen.
Das, was der Mensch hier tun soll, ist letztendlich der Ausdruck seines
Wunsches, dem Herrn zu nahen. Das Wort „darbringen“ kommt in seiner Wurzel von
„sich nähern“. Dasselbe gilt für das Wort „Opfergabe“. Das erste Mal, dass diese
Grundform karab in der Schrift vorkommt, ist in 1. Mose 20,4: „Abimelech
aber hatte sich ihr [Sara] nicht genaht.“ Damit wird deutlich, dass es sich bei
diesem Nahen um ein Nahen mit dem Ziel der innigen Gemeinschaft handelt. Wenn
jemand also Gemeinschaft mit Gott haben wollte, so musste er auch etwas bringen,
was in der Lage war, die Gemeinschaft herzustellen.
Das Brandopfer war ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den HERRN. Das
Feueropfer muss vor allen Dingen vom Sünd- und Schuldopfer unterschieden werden.
Vom Sünd- und Schuldopfer lesen wir nicht — mit einer ganz speziellen Ausnahme, wo das Fett auf den Altar kommt
—, dass es
zu einem duftenden Wohlgeruch war. Wir sehen daher ganz deutlich, dass es sich
bei dem Brandopfer um ein Opfer handelt, in dem es nicht in irgendeiner
Weise um die Sünde geht. In dem Brandopfer sehen wir, wie allein Vollkommenheiten,
Herrlichkeiten und Schönheiten zu Gott emporsteigen. Denn das
Räuchern als Feueropfer bedeutet ein „Aufsteigen in
Rauch“, so wie auch das Wort „Brandopfer“ (hebr. olah)
eigentlich „hinaufsteigen“ bedeutet. Dieses Räuchern steht im
deutlichen Gegensatz zu dem Verbrennen als Sündopfer, wo ein anderes Wort gebraucht wird.
Ein solches Feueropfer finden wir zum ersten Mal bei Noah in 1. Mose 8. Dort
lesen wir
auch davon, dass es zum duftenden Wohlgeruch für den Herrn war oder —
anders übersetzt — zum Duft der Beruhigung. Dieses Opfer stellte Gott vollständig
zufrieden. Das lesen wir auch in Epheser 5,2 lesen: „… wie auch der Christus
uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und
Schlachtopfer, Gott zu einem duftendem Wohlgeruch.“ Beim Sündopfer dagegen wird
das Opfer als etwas Abscheuliches außerhalb des Lagers verbrannt.
Auch dieses Kennzeichen steht ganz besonders im Gegensatz zu den Sünd- und
Schuldopfern. Wenn der Opfernde ein Brandopfer brachte, dann wurde ihm jedes
Mal von neuem bewusst, dass er wohlgefällig war vor Gott. In gleicher Weise ist
auch dem neutestamentlichen Anbeter bewusst, dass er vor Gott wohlgefällig ist,
wenn er mit dem zu Gott kommt, wovon das Brandopfer spricht (siehe Eph 5,2).
Für den Priester dagegen hat dies keine Bedeutung mehr; bei ihm wird es nicht erwähnt. Wir lesen
nicht, dass es ein Opfer des Wohlgefallens für den Priester ist. Der Priester
ist einmal bei seiner Salbung zum Priester wohlgefällig gemacht worden. Jetzt
ist er ständig in der Gegenwart Gottes beschäftigt. Da er weiß, dass er ein für
alle Mal vor Gott wohlgefällig gemacht worden ist, hat er es nicht
nötig, durch solch ein Opfer daran erinnert zu werden.
Das, was hier Gott geopfert wurde, war Leben; es war das Letzte, was
überhaupt möglich war Gott zu geben (Joh 10,17). Hierin unterscheidet sich dieses Opfer hauptsächlich vom
Speisopfer, wo es
nicht darum geht, dass der Tod eintritt. Gott beansprucht das Leben
für sich. Aus diesem Grund musste auch das Blut für Gott sein und durfte nicht
mitgegessen werden.
Die erste Gesetzestafel umfasst die Pflichten des Menschen Gott gegenüber.
Zusammenfassend könnte man sagen, dass der Mensch sein Leben Gott weihen soll.
Und hier sehen wir im Bild jemanden, der sein Leben völlig Gott gibt. Wenn der
Herr Jesus das erste Gebot wiedergibt, dann sagt er: „Du sollst den Herrn deinen
Gott lieben mit deinem ganzen Herzen mit deiner ganzen Seele und mit deinem
ganzen Verstand.“
Wenn es nur einen einzigen Gedanken, einen einzigen Schritt in dem Wandel des Herrn
Jesus, eine einzige Empfindung gegeben hätte, die nicht ganz für Gott gewesen wären,
dann hätte Er nicht ein Brandopfer für Gott sein können. Aber der Herr Jesus gab
alles, Er hielt nichts zurück. In gleicher Weise wurde alles auf dem Altar für Gott verbrannt. Er
hat nichts für sich selbst, für sein eigenes Vergnügen oder für seine eigene
Bequemlichkeit oder seinen Nutzen verwandt. Und Gott hat dieses alles
wertgeschätzt. Es wird uns hier ganz deutlich gemacht, dass das Werk am Kreuz
für Gott war.
Es gab mehrere Möglichkeiten, eine Opfergabe darzubringen. Das erste Opfer,
das Gott
hier erwähnt, ist das Brandopfer. Man könnte sich fragen, warum Gott hier mit
dem Brandopfer beginnt. Denn eingedenk der Sünden, die der Mensch begangen hatte, und
der Schuld, die er auf sich geladen hatte, müsste der Mensch, der sich Gott nahen
will, doch zuerst mit dem Sündopfer kommen. Das Problem der Sünde und Schuld
muss zuerst gelöst werden. Dennoch beginnt Gott mit dem Brandopfer. Er
beginnt nämlich mit dem, was für Ihn am Wichtigsten und am Kostbarsten ist, und
nicht mit dem, was für den Menschen am Wichtigsten ist. Am wichtigsten
für Gott ist das
Brandopfer und nicht das Sündopfer. Außerdem handelt es sich hier nicht darum, wie ein Sünder zu Gott kommt, sondern wie ein
Erlöster aus dem Volk Gottes Gott nahen kann. Der Mensch wird hier vor Gott
wohlgefällig, indem er ein Brandopfer bringt.
Das Brandopfer musste ein Tier sein — etwas, was stellvertretend den Tod
erleiden könnte. Das sehen wir schon im Vergleich bei Abel und Kain. Abel
brachte von den besten Tieren seiner Herde ein Opfer dar, Kain dagegen vom
Getreide.
Doch nicht jedes Tier war für das Brandopfer geeignet. Selbstverständlich
konnten nur reine Tier geopfert werden. Zwar waren auch die Gazelle und der Hirsch
reine
Tiere, trotzdem durften sie nicht dargebracht werden, weil sie
wilde Tiere waren. Beim Brandopfer sollte vom Vieh geopfert werden. Das deutet
darauf hin, dass es Tiere sein mussten, die zahm waren. Auch Tauben waren
geeignet, da sie sehr verbreitet waren und überall schnell gefangen, bzw. sogar
leicht gehalten werden konnten. Für das Brandopfer kamen keine ungezähmten, unbändigen, wilden Tiere
in Frage. Das wäre kein passendes Vorbild von unserem Herrn gewesen, der sich sogar freiwillig hingab.
Wenn das Brandopfer beschrieben wird, so werden hier drei
Gruppen von Tieren genannt, die geopfert werden konnten, und es werden drei
Abschnitte gegeben, in denen diese drei Gruppen beschrieben werden, die uns
unterschiedliche Charakterzüge des Herrn Jesus als das Brandopfer vorstellen.
Die Rinder, das Kleinvieh (Schafe und Ziegen) und als dritte Gruppe die
Turteltauben und die jungen Tauben.
Das Rind
In dem Rind sehen wir ganz besonders die Aktivität, die Kraft, aber auch die
Ausdauer, Energie und Willigkeit des Dienstes, die durch alle Schwierigkeiten
hindurch vorwärtsdrängt. Die Stiere wurden vor allen Dingen als Zugtiere
gebraucht. Durch alle Schwierigkeiten hindurch zogen sie den Pflug
gerade über den Acker. Vor keiner Schwierigkeit oder Unebenheit machten sie halt. Andererseits wird der Stier auch als ein Bild des dienenden Tieres in der
Schrift gebraucht. Und er ist ein Bild der Kraft: „Wo keine Rinder sind, ist
die Krippe rein, aber viel Ertrag ist durch die Kraft des Stieres“, heißt es in
Sprüche 14,4.
Den Charakter des Rindes finden wir ganz deutlich im Johannesevangelium:
- Der Herr sagt in Johannes 11,7-9 zu den Jüngern: „Lasst uns
wieder nach Judäa gehen! Die Jünger sagen zu ihm: Rabbi, eben suchten die Juden
dich zu steinigen, und wieder gehst du dahin? Jesus antwortete: Hat der Tag
nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tage wandelt, so stößt er nicht an.“
Die Jünger hatten Ihn vor der Gefahr gewarnt, die Ihm in Jerusalem drohte.
Dennoch ging der Herr dorthin, ebenso wie ein Stier damals als Zugtier durch
jedes Hindernis hindurch gerade seinen Weg ging.
- In Johannes 14,31 sagt Er: „Steht auf, lasst uns von hier weggehen.“
- In
Johannes 18,1.8 heißt es: „Als Jesus dies gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern
hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron, wo ein Garten war, in den in hineinging, er und
seine Jünger … Ich habe euch gesagt, dass ich es bin; wenn ihr
nun mich sucht, so lasst diese gehen.“ Er trat immer hervor, Er war der Aktive,
sich auf diesen Weg zu begeben.
- In Johannes 19,5.17 heißt es: „Jesus nun ging hinaus,
die Dornenkrone und das Purpurgewand tragend … Und sein Kreuz
tragend ging er hinaus zu der Stätte, genannt Schädelstätte, die auf hebräisch
Golgatha heißt, wo sie ihn kreuzigten.“
Immer ergreift Er die Initiative. Er ist es,
der diesen Weg standhaft bis zum Ende geht. „… dass er sein Angesicht
feststellte, nach Jerusalem zu gehen“, heißt es in Lukas 9,51. Das ist dieser
Charakter des Rindes. Er war willig, das zu tun, was das Gebot des Vaters war,
auch durch alles Schwierigkeiten und Hindernisse hindurch. Das ist auch der hauptsächliche Charakter des Brandopfers, und deswegen eignet
sich das Rind am besten, um das Brandopfer zu charakterisieren.
Das Schaf
In dem Schaf sehen wir mehr die Freiwilligkeit und die passive Hingabe, in
Sanftmut das Beschlossene über sich
ergehen zu lassen, ohne zu murren oder irgendetwas einzuwenden. Dies lesen wir vor allen Dingen in Jesaja
53,7: „Er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur
Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern;
und er tat seinen Mund nicht auf“, oder in Jeremia 11,19, wo es heißt: „Und
ich war wie ein zahmes Lamm, das zum Schlachten geführt wird.“ Dieses Sich-freiwillig-Beugen und
-Hingeben für das, was beschlossen war, finden wir ganz besonders
bei dem Herrn Jesus, und auch das wird im Johannesevangelium dargestellt: „Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, sollte ich den nicht trinken?“
(Joh 18,11), und: „Dieses
Gebot habe ich von meinem Vater empfangen“ (Joh 10,18).
Die Ziege
Dagegen finden wir in der Ziege, die hier nach dem Schaf genannt wird,
obwohl sie in derselben Gruppe des Kleinviehs erwähnt wird, mehr den Charakter
des Sündopfers. Das finden wir in 3. Mose 4,27-31 bestätigt. Dort wird es als Sündopfer erster Wahl für
jedermann aus dem Volk genannt; ebenso in 3. Mose
16, wo wir die Böcke des Sündopfers für das Volk finden. Trotzdem ist es hier
kein Sündopfer, sondern ein Brandopfer. Doch die Tatsache, dass es eine Ziege
ist, weist darauf hin, dass der Herr Jesus die Fähigkeit hatte, das Sündopfer
zu werden. Er hatte die Fähigkeit, die Frage der Sünde zu behandeln. In Johannes
1,29 lesen wir: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt.“ Es
gab nur einen, der fähig war, die Frage der Sünde zu ordnen, und das war der
Herr Jesus. Es gab manche, die Willigkeit hatten; Paulus wollte für sein
Volk sterben und ebenso auch Mose. Doch obwohl sie die Willigkeit dazu
hatten — der
Charakter des Schafes —, hatten sie dennoch nicht die Fähigkeit dazu. Das hatte
allein der Herr Jesus. Die Ziege ist auch im Gegensatz zu dem Schaf ein
einzelgängerisches Tier. Auch dies finden wir bei dem Herrn Jesus. Auch Er
war der Einsame, und sein Weg wurde immer einsamer bis zum Kreuz. „Siehe, die
Stunde kommt und ist gekommen, dass ihr zerstreut werdet, jeder in das Seine, und mich allein
lasst“, sagt
Er in Johannes 16,32.
Vögel
Der am Himmel fliegende Vogel deutet darauf hin, dass der Herr Jesus der
Mensch vom Himmel war — ein einsamer Fremdling hier auf dieser Erde, der vom
Himmel herabgekommen war, um hier auf dieser Erde als
Fremdling das Werk für Gott zu vollbringen. Sein ganzer Charakter war himmlisch.
Auch das finden wir im Johannesevangelium, z.B. in Kapitel 3, wo von dem,
„der
aus dem Himmel herabgestiegen ist“, gesprochen wird. In einem weiteren Kapitel
nennt Er sich „das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6,41).
Speziell werden hier die Turteltaube und die junge Taube genannt.
Die Taube wird in der Schrift zum ersten Mal genannt, als Noah sie nach der
Sintflut aus der Arche fliegen lässt. Sie kehrt mit einem Olivenblatt im
Schnabel zur Arche zurück und zeigt damit an, dass nach
dem Gericht der Frieden eingetreten ist. Sie wird
aber auch als Bild von der Einfalt gebraucht. „Seid einfältig wie die Tauben“,
sagt der Herr Jesus. Auch die Augen, die des Öfteren — vor allen Dingen im Hohelied
— mit Tauben verglichen werden, zeugen von dieser Einfalt, von einfältiger
Hingabe. Der Blick ist nur auf eine einzige Sache gerichtet und diese wird verfolgt
— der Wille des Vaters. Insoweit waren auch die Tauben geeignet,
das Brandopfer darzustellen.
Männlich
Es musste ein männliches Tier sein; das bedeutet, das Opfertier musste stark sein, Kraft
haben. Der Mann ist das Haupt der Schöpfung, und deswegen zeugt das Männliche von Verantwortlichkeit, aber auch
von der Energie, mit der die Stellung, in die Gott uns gebracht hat, verwirklicht wird.
Unsere Stellung (davon
spricht das Weibliche in der Schrift) ist tadellos, wenn Gott uns in eine solche
versetzt hat, aber wenn wir nicht dieser
Stellung gemäß unseren Weg gehen, ist unser Zeugnis verdorben und der Herr Jesus
wird verunehrt.
Ohne Fehl
Der Opfernde konnte nicht jedes Tier bringen. Er musste wissen, welches Tier er
darbrachte,
und es musste das beste Tier sein. In Maleachi muss der HERR klagen, dass sie
Ihm Tiere brachten, die ein Gebrechen hatten. Er zeigt ihnen, dass das
eine Unhöflichkeit und eine Undankbarkeit und eine unehrerbietige Sache war,
dass sie Ihm das Beste vorenthielten.
Das Tier musste vor allen Dingen auch ohne Fehl, also vollkommen sein. Das deutet ganz eindeutig darauf hin, dass es
sich hier um ein Bild des Herrn Jesus handelt, wie Er vollkommen war in allem.
Es war keine Sünde in Ihm, Er tat keine Sünde, Er kannte keine Sünde, alle seine
Handlungen waren vollkommen. In 1. Petrus 1,19 heißt es, dass wir erlöst sind,
durch das Blut „eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“. Dies geht sogar noch
über die Vorschrift hier hinaus. Auch diesen Charakter der Sündlosigkeit, der
Vollkommenheit, finden wir deutlich im Johannesevangelium, dem Evangelium des Brandopfers. In Johannes 8,46 fragt der
Herr: „Wer von euch überführt mich der Sünde“, und in 14,30: „Der Fürst der Welt
kommt und hat nichts in mir.“
Die erste Gruppe ist das Rind. Das ist das größte Opfer, denn Schafe und
Ziegen sind kleiner, und die Tauben und Turteltauben sind noch wesentlich
kleiner. Es besteht ein sehr großer Unterschied zwischen dem Rind und der Taube.
Es soll darin sicher die Wertschätzung des Opfernden deutlich werden,
der dieses Brandopfer brachte und der unterschiedliche Einsichten in das
Wert des Brandopfers hatte. Vielleicht war der Opfernde nicht so reich, dass er ein Rind bringen
konnte, oder es war ihm vielleicht nicht so viel wert. Doch ist Gott auch mit
einer Taube als Brandopfer zufrieden, wenn es nur etwas ist, was von seinem
Sohn redet und von dem, was Er für Gott war. Auch ein Gläubiger kann eine sehr
verschiedene Wertschätzung von dem Opfer des Herrn haben. Es kann sein, dass er
nicht so viel Einsicht hat in das Wert des Brandopfers des Herrn, dass er Ihn
nur als den erkennt, der — wie die Taube — vom Himmel herabgekommen ist. Diese
unterschiedliche Wertschätzung kann mehrere Gründe haben. Erstens kann es sein,
dass er erst kurz vorher zum Glauben gekommen war, so dass er noch gar nicht so
viel Zeit hatte, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Oder aber er ist
gezwungen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, so dass er keine Zeit
hat. Im traurigsten Fall ist er zu bequem und träge, sich damit zu beschäftigen, oder
hat größeres Interesse an anderen Dingen. Gott weiß jedoch sicherlich, welches Opfer
wir bringen könnten.
In diesen Opfertieren finden wir auch eine absteigende Linie in Hinsicht darauf,
dass das Opfertier geeignet hat, die Gedanken Gottes in Bezug auf das
Brandopfer darzustellen. Bei dem Rind heißt es: „Es ist ein Brandopfer.“ Bei dem
Kleinvieh heißt es: „Es ist zum Brandopfer“, und bei den Tauben finden wir nur:
„seine Opfergabe“.
Ein weiterer großer Unterschied bei diesen Gruppen (Rind, Kleinvieh, Taube) liegt auch
im Blut. Bei den ersten beiden Gruppen wurde das Blut rings um den Altar gesprengt.
Beim Rind wird ausdrücklich noch darauf hingewiesen, dass dieser Altar am Eingang
des Zeltes der Zusammenkunft stand, d.h. dort, wohin man zuerst kommt, wenn man
zum Zelt der Zusammenkunft ging. Wenn man also an den Ort kam, wo man mit
Gott zusammenkommen konnte, sah man an diesem Eingang den Altar, um den
ringsherum das Blut gesprengt war. Das Blut gab Zeugnis davon, dass alles, was mit der
Sünde zu tun hat, göttlich geordnet und die Sühnung vollbracht ist. Bei der zweiten Gruppe
— dem Kleinvieh — wird dies nicht mehr besonders hervorgehoben; trotzdem wird das Blut noch
ringsum an den Altar gesprengt. Bei der dritten Gruppe — den Vögeln — gibt es nicht mehr so
viel Blut, dass noch ein Sprengen möglich ist. Es wird nur an die Wand des
Altars ausgedrückt.
Auch in Bezug auf das Zerteilen des Opfertieres gibt es Unterschiede. Von dem
Rind lesen wir, dass die Söhne Aarons, die Priester, die Stücke zurichten
sollen. Bei dem Kleinvieh wird dies nicht mehr in allen Einzelheiten
geschildert. Und bei den Tauben ist es gar nicht mehr möglich; dort heißt es sogar ganz
ausdrücklich,
dass sie zwar an den Flügeln eingerissen, aber nicht zertrennt werden durften.
Hier sind keine Stücke einzeln zu sehen, und deswegen sollte die Taube auch nicht
zertrennt werden. Die einzelnen Herrlichkeiten des Herrn werden immer weniger
unterschieden.
Bei der Ziege denken wir bereits an das Sündopfer, denn sie war das Tier,
das kennzeichnend war für das Sündopfer (s. 3Mo 16). Und wenn wir die
Opfergabe der Tauben mit dem Sündopfer der Tauben in 3. Mose 5,7-10
vergleichen, dann finden wir darin sehr viele Ähnlichkeiten. Daher können wir
hier daran denken, dass ein Gläubiger, der nicht in vollem Maß die Bedeutung
des Brandopfers versteht, ein Opfer darbringt, das sehr viel von dem Charakter
des Sündopfers trägt. Das können wir auch oft in Gemeindestunden erleben, die
davon geprägt sind, was Christus für uns getan hat, wie Er für uns zur Sünde
gemacht wurde und dass Er für unsere Sünden die Strafe erduldet hat.
Das Kleinvieh musste an der Nordseite des Altars geschlachtet werden. Norden
hat die Bedeutung von „verborgen, dunkel“ und vermittelt einen
negativen Eindruck. „Von
Norden her wird das Unglück losbrechen“ (Jer 1,14). Hierbei kann man an
Gericht denken. Vom Norden her kamen immer die Feinde Israels. Im
Norden scheint die Sonne nicht. Der Assyrer ist der König des Nordens. Auch das
ist eine Andeutung des Gerichtes über die Sünde.
Die Handauflegung finden wir nur beim größten Opfertier, dem
Rind. Das Handauflegen finden wir bei dem Brandopfer, dem Friedensopfer und dem
Sündopfer. Es spricht in allen Fällen von einer Einsmachung des Opfernden mit
dem Opfer, wenn auch in völlig unterschiedlicher Weise. Beim Sündopfer gehen
mit dem Bekennen der Sünden durch das Auflegen der Hände die Sünden des
Opfernden auf das Opfer über. Beim Brand- und beim Friedensopfer geht die
Wohlgefälligkeit des Opfers dagegen auf den Opfernden über. Nur wenn der Gläubige mit dieser höchsten Form des Brandopfers
kommt, versteht er diesen wunderbaren Gedanken der Einsmachung mit dem
vollkommen Opfer.
Die Tätigkeiten des Opfernden nehmen mit der Größe des Opfertiers ab. Bei der Taube muss
praktisch jede Tätigkeit der Priester selbst ausüben. Selbst die Tötung der Tauben muss
er übernehmen, obwohl er normalerweise damit nichts zu tun hat: Der Priester schlachtet
nicht. So kann es auch in einer Gemeindestunde geschehen, dass ein Bruder wohl einen
Gedanken zum Ausdruck bringt — z.B. in einem Lied, einem Gebet oder einem
Bibelwort —, jedoch erst andere Brüder (die in praktischer
priesterlicher Nähe zu Gott stehen) dann diesen Gedanken zu seiner Schönheit entfalten.
Bei dem schwächsten Opfertier — der
Taube — ist davon die Rede, dass etwas da ist, was nicht
dem Charakter des Brandopfers entspricht. Beim Brandopfer sollte alles, das Ganze, auf
dem Altar geräuchert werden sollte; es sollte nichts da sein, was irgendwie
unpassend wäre. Dieser Gedanke ist bei dem Opfer der Tauben nicht mehr
da, denn hier muss der Kropf mit seinem Unrat weggeworfen werden, an den Ort der
Fettasche, was von dem vollzogenen Gericht spricht. Dieser Teil war nicht
passend, um ein Brandopfer zu sein oder mit dem anderen als Brandopfer geräuchert
zu werden. So ist auch bei unserer Anbetung oft etwas da, was nicht würdig ist,
was weggetan werden muss.
Im zweiten Teil dieses Artikels soll es um
die Person des Opfernden und des Priesters
gehen sowie um ihre Tätigkeiten.
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