Einige kurze Gedanken über Dienst in der Gemeinde (2)
Die Botschaft des Herrn

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 09.11.2018, aktualisiert: 29.09.2019

Ist korrektiver Dienst schriftgemäß?

Es schaudert mich, wenn ich Leute sagen höre: „Lieber Herr Soundso“. Es ist vielleicht ansonsten von Freundlichkeit und Achtung begleitet, aber ich glaube nicht, dass sie so von Paulus oder Apollos – obwohl sie sie um ihrer Arbeit willen in Liebe sehr geschätzt hätten – gesprochen hätten, wenn Gnade und heilige Kraft, die das Gewissen in die Gegenwart Christi stellen, wirksam waren.[1]

Paulus schreibt in seinem letzten Brief, als sich der Abfall bereits eingenistet hatte: „Predige das Wort“ (2Tim 4,2). Doch was ist dieses Wort? Und was sind seine Merkmale?

  • 2Tim 3,16.17: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.

Diese vier Funktionen des Wortes Gottes [Lehre, Überführung, Zurechtweisung, Unterweisung] sind notwendig, damit der Mensch Gottes vollkommen befähigt ist. Natürlich haben wir diese vier Anwendungen des Wortes Gottes auf uns selbst nötig. Wir alle haben es nötig, dass dieses Wort an uns wirkt, während wir es lesen und studieren. Und falls es Freiheit im Geist zur Verkündigung des Wortes gibt, dann leitet uns die Anweisung des Apostels „Predige das Wort“ auch dazu an, dass die Verkündigung Überführung, Zurechtweisung und Unterweisung in der Gerechtigkeit beinhaltet.

Leider gibt es Christen, die korrektiven Dienst, der das Gewissen durchforscht, nicht hören wollen. Und andere, die das Wort predigen, meinen, es sei das Beste, „Christus zu predigen“ (vergleiche mit: „Predige das Wort“) und seine Liebe – in der Annahme, dass dies für das Bedürfnis [der Gläubigen] ausreichend sei. Ich glaube, dass die Schrift, wenn wir sie auf die Art des Dienstes untersuchen, eine derartige Sichtweise nicht unterstützt. Es ist wichtig, dass wir Gottes Gedanken kennen, wie den Nöten und dem Zustand der Gläubigen zu begegnen ist, denn sonst bekommt Gott nicht die Ehre, die Ihm zusteht, und der Niedergang, der schon überall offensichtlich ist, wird noch weiter fortschreiten.

Wir lernen aus Johannes 4, dass das Gewissen „das Einfallstor der Wahrheit“ ist. Jeder Dienst sollte dies im Blick haben. J.N. Darby sagte:

Gott wirkt wahre Autorität über das Gewissen. Die Wahrheit ist Autorität. Aber die Menschen wollen lieber etwas, was ihnen die Übung auf Herz und Gewissen vor Gott erspart. Wenn der Mensch in seiner eigenen Autorität predigt, bleibt das Gewissen fern von Gott, und der Mensch ist von Gott unabhängig. Dies aber erniedrigt den Menschen auf eine Stufe, die unterhalb dessen liegt, was er sein soll, denn seine wahre Stellung ist es, von Gott abhängig zu sein. Das ist die wahre Herrlichkeit des Menschen. Das Gewissen muss mit Gott in Kontakt gebracht werden. Und jeder Dienst, der das erreicht, ist echter Dienst. Jeder Dienst, der nicht genau das tut oder zum Ziel hat, ist nicht von Gott, weil er etwas zwischen die Seele und Gott stellt. Falls ein Dienst echt ist, dann bringt er Gott mittels des Wortes unmittelbar zu dem Gewissen. Dahingegen steht ein falscher Dienst zwischen Gott und dem Gewissen. Wenn wir das beachten, werden wir fähig sein, den Unterschied festzustellen und sofort zu erkennen, ob ein Dienst unecht oder echt ist.[2]

In Anhang 1 werden einige Gedanken, die korrektiven Dienst beiseiteschieben wollen, genauer betrachtet.

Sollen wir uns mit unseren Versäumnissen aufhalten?

Man sagt: Wir wollen uns nicht mit unseren Versäumnissen aufhalten. – Meint man damit, dass man darüber nicht sprechen soll? Aber der Herr hat das getan. Weil wir von der ersten Liebe abgefallen sind, hat Er die Stellung eines Richters eingenommen. Dies ist eine Stellung, die Er beibehält, bis Er kommt, und es gibt keinen einzigen Moment, in dem Er diese nicht einnimmt und nicht danach trachtet, seine Diener zu korrigieren: „Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. … Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!“ (Off 3,19.22).

Man sagt: Wir wollen uns nicht mit unseren Versäumnissen aufhalten. Wenn wir unsere Versäumnisse (warum nennen wir sie eigentlich nicht Sünde, so wie Gott es tut?) vor Augen haben, macht uns das unglücklich und traurig, wo wir von unseren Zusammenkünften doch glücklich und zufrieden nach Hause gehen wollen. – Erkennen wir denn nicht, dass dahinter im Grunde genommen unser Ich steht? Unser Ich möchte glücklich und zufrieden sein, und zwar ohne auf „die Rute“ (Mich 6,9) und die Zurechtweisungen zu hören, die wir so dringend benötigen. Dies ist nicht die erste Liebe; diese zeichnet sich gerade dadurch aus, dass wir unser Ich vergessen und uns mit dem Objekt unserer Zuneigung beschäftigen. Der Herr hat die ganze Zeit zu uns gesprochen, aber wir hören nicht „auf die Rute“. Wir spüren vielleicht etwas, aber wir hören nicht die Botschaften.

In unser Haus kommen einige Zeitschriften oder wir hören durch prophetischen Dienst einiges über unseren Zustand und rufen: Es reicht! Das ist nicht Christus! Predige Christus und seine Liebe! – Wie traurig ist das. (Als ob das Predigen dessen, was Christus geziemt, nicht hieße, Christus zu predigen.) Kommt so eine Haltung daher, dass wir den Sinn des Herrn über Offenbarung 2 und 3 haben? Was ist unser wahrer Zustand, wenn wir Gottes Zurechtweisungen und Aufrufe zur Buße ablehnen mit der Ausrede, wir sollten Christus und sein Werk predigen, und wenn wir dabei den korrektiven Dienst, der das Gewissen durchforscht, beiseitesetzen? Je mehr wir darüber nachdenken, umso beunruhigter sollten wir werden bei dem Gedanken, wo wir geistlich stehen.

Edward Dennett bemerkte:

Oft steht man in der Versuchung – um in der Versammlung Diskussionen zu vermeiden –, Fragen lieber zu unterbinden oder gar Sünde zu verheimlichen oder um des lieben Friedens willen mehr die Gesichter von Menschen zu berücksichtigen als die Tatsache, dass Christus mit seinen Augen wie Feuerflammen alles durchdringt: „Alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben“ (Heb 4,13).[3]

Es gibt mehrere Wege, korrektiven Dienst zu verhindern. Einer davon ist, diesen Dienst „Gesetzlichkeit“ zu nennen. Das braucht uns aber nicht zu stören, denn viele reden so, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Gesetzlichkeit bedeutet, dass das Fleisch danach trachtet, die Vorschriften Gottes zu erfüllen. Wir befürworten das nicht, und ebenso wenig befürworten wir von Menschen aufgestellte Regeln, bloße fleischliche Angepasstheit oder unerforschte Herzen und Gewissen. Hingegen befürworten wir, dafür Vorsorge zu treffen, dass der Herr durch einen Dienst zu uns über unseren Wandel und über unseren Zustand reden kann. Wir meinen, dass es einer Ablehnung eines gnädigen Weges Gottes gleichkommt, wenn wir korrektiven Dienst beiseitesetzen oder verurteilen. Durch einen solchen Dienst möchte Gott ja zu uns reden und uns für seine Herrlichkeit und zu unserem Segen korrigieren. Wir sagen oft: Lasst uns Augensalbe auftragen (Off 3,18). – Aber wenn ein Prophet zu uns spricht, wie viele unter uns sind dann bereit, ihn „mit der Zunge zu schlagen“ (Jer 18,18)? Solche kommen immer schnell mit dem Wort „Gesetzlichkeit“.

  • 1Thes 5,19.20: Den Geist löscht nicht aus; Weissagungen verachtet nicht.

Denken wir, dass diese Warnung notwendig wurde, weil „Christus und seine Liebe“ gepredigt werden sollte? Ich glaube, dass Paulus mit seiner Warnung eine allgegenwärtige Gefahr im Blick hatte: die Gefahr, prophetischen Dienst, der unsere Herzen und unseren Zustand in der Gegenwart Gottes offenbar macht, geringzuschätzen.

Den Geist betrüben scheint sich auf das persönliche Verhalten des Einzelnen zu beziehen; aber den Geist auslöschen bezieht sich auf unser gemeinschaftliches Handeln, damit wir einen Dienst verhindern, der das zum Thema hat, was Christus geziemt und was nicht. Wir können den Geist auslöschen, indem wir dem Gebot des Herrn nicht gehorchen:

  • 1Kor 14,29: Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die anderen lasst urteilen.

  • 1Kor 14,37: Wenn jemand meint, ein Prophet zu sein oder geistlich, so erkenne er, dass das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist.

Es gibt allerdings nicht die erforderlichen Gaben, damit 1. Korinther 14,29 an jedem Ort ausgeübt wird. Jedoch gibt es viele Gelegenheiten, wo wir die göttliche Ordnung durch unsere Ordnung ersetzen.

„Zuerst das Herz gewinnen“

Man sagt: Zuerst muss das Herz gewonnen werden. – Diese Aussage ist wohl wert, dass wir sie einer ernsthafteren Betrachtung unterziehen. Wenn man mit dieser Aussage korrektiven Dienst beiseitesetzen möchte, dann wird sie im Gegensatz zum alttestamentlichen prophetischen Zeugnis in Zeiten des Verfalls verwendet und im Gegensatz zu der Methode der Apostel, sowohl bevor als auch nachdem der Verfall eingesetzt hatte; und ebenso im Gegensatz zu den letzten Botschaften unseres Herrn an die sieben Versammlungen (Off 2–3) in einer Zeit des Verfalls. Es ist uns wohl bewusst, dass ein Herz, das nicht gewonnen wurde, auf korrektiven Dienst nicht reagieren will. Doch es steht im völligen Gegensatz zu mehreren Beispielen in der Schrift, wenn man korrektiven Dienst so lange zu verhindern sucht, bis es einen allgemeinen Zustand gibt, den man mit den Worten beschreiben könnte: „Das Herz ist gewonnen.“ Kann man etwa aus dem Beispiel des Herrn in Offenbarung 2 und 3 eine derartige Ansicht über Dienst ableiten? Bedenken wir insbesondere den Brief an Laodizea. Wir täten gut daran, vom Beispiel des Herrn zu lernen und diesem Beispiel zu folgen. Damit ist nicht gemeint, dass jedes Mal, wenn ein Dienst getan wird, genau dieses Muster befolgt werden muss. Falls es wahre Freiheit im Geist gibt, dann wird die Gesamtheit aller Dienste in der Versammlung auch die verschiedenen Elemente der Briefe an die sieben Versammlungen beinhalten.

Wir dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Dienste sehr wohl dem Kriterium „Zuerst muss das Herz gewonnen werden“ entsprochen haben. Und trotzdem hat die Weltförmigkeit zugenommen und wir sinken tiefer und tiefer. Leider sind wir uns dieser Tatsache nicht bewusst. Und gerade diese Tatsache als auch der Charakter des Dienstes, so wie er uns im Wort Gottes vorgestellt wird, ermutigen nicht gerade dazu, korrektiven und die Gewissen durchforschenden Dienst abzulehnen mit dem Argument, dass „zuerst das Herz gewonnen“ werden müsse. Bedeutet das nun, dass korrektiver Dienst dann gegeben werden wird, wenn das Herz gewonnen ist? Steckt dahinter nicht die unterschwellige Ansicht, dass, wenn das Herz gewonnen ist, alles in Ordnung und korrektiver Dienst gar nicht mehr nötig ist? So etwas läuft aber tatsächlich darauf hinaus, dass das Wort Gottes zur Zurechtweisung nicht benötigt wird (2Tim 3,16).

Selbstgericht ist nötig; nicht nur ganz persönlich, sondern auch gemeinschaftlich, und auch bei denen, die am Wort dienen, und bei denen, die Aufseherdienste ausüben. Wir müssen lernen, dass „wir gesündigt haben“. Es genügt nicht, wenn einige ihrem Dienst einen korrektiven Dienst hinzufügen. Nein, das genügt nicht. Wir alle müssen vor Gottes Angesicht niederfallen und unseren Zustand bekennen, und wir müssen unsere Götzen beiseiteschaffen und danach trachten, mit Hilfe der Befähigung durch den Herrn den Dienst, der uns verliehen ist, auch auszuführen und den Hirtendienst und die Korrektur zu tun, wo sie benötigt werden.

Über diese Dinge nachdenken?

Philipper 4,4-8 ist solcherart angeführt worden, wie um korrektiven Dienst zu untergraben. Wiederum steht geschrieben: „Ihr habt nicht vielmehr Leid getragen“ (1Kor 5,2). Der Zustand der Korinther stand im Gegensatz zu dem der Philipper, die von Paulus ermutigt wurden, dass ihre „Liebe noch mehr und mehr überströme“ (Phil 1,9). Ihr gemeinschaftlicher Zustand war so gut, dass er sie dazu ermutigte, einen kleinen „Fleck“ zu entfernen (verglichen mit dem, was die Versammlung in Korinth allgemein kennzeichnete): „Evodia ermahne ich, und Syntyche ermahne ich, gleichgesinnt zu sein im Herrn“ (Phil 4,2). Der Zustand der Korinther hingegen war schlecht; und zwar so schlecht, dass Paulus in seinen Eingangsworten nichts Lobendes über ihren Wandel schreibt. Es war seine Art, in seinen Begrüßungsworten etwas Lobendes zu erwähnen – wenn es denn etwas gab. Hier in Korinth jedoch gab es moralisch Böses. Eines allerdings lobte er in 1. Korinther 1: Er lobte das, was die Gnade Gottes ihnen verliehen hatte. Er lobte nichts, was ihren Wandel betraf. Es ist gut, einmal über diese Dinge nachzudenken. Paulus sagte ihnen jedenfalls, dass sie hätten trauern sollen. Er sagte ihnen nicht, dass sie sich immerfort freuen sollten. Er sagte ihnen nicht, dass sie über das nachdenken sollten, was wir in Philipper 4,8 finden. Vielmehr sollten sie über ihren üblen Zustand und über das Böse in ihrer Mitte nachdenken; und Paulus nannte viele dieser Dinge beim Namen.

Waren die Herzen der Korinther, allgemein gesprochen, in einem guten Zustand? Wie handelte Paulus mit ihnen? Er sandte ihnen geistgeleiteten, korrektiven Dienst. Der ganze Brief ist von Zurechtweisung gekennzeichnet, und er enthält auch Ironie. Besserte sich ihr Zustand daraufhin? Wie groß war seine Freude, als er durch Titus die guten Neuigkeiten erhielt. Und er freute sich nicht nur über die guten Neuigkeiten, sondern auch „über die Freude des Titus“ (2Kor 7,13).

Der Apostel hatte den Korinthern ein inspiriertes Wort gesandt. Seine Gefühle darüber werden in 2. Korinther 7 ausgedrückt: Er war besorgt, dass sein Brief zu einer Entfremdung führen könnte, denn er kannte sehr wohl das Gewicht dieses Briefes und die Wirkung, die er auf das Gewissen haben sollte (das ja immer die Führung durch Gottes Wort in der Kraft des Geistes benötigt). Gott benutzte diesen Brief, um die Korinther auf den Weg der Wiederherstellung zu führen, obwohl vieles zunächst ungeordnet blieb (2Kor 12,21).

Dies ist also das Merkmal des ersten Korintherbriefes. Wir finden dort natürlich auch objektive Wahrheiten. Aber in seiner Art ist dieser Brief äußerst korrektiv. Wir benötigen beides: lehrmäßige Erklärungen und korrektiven Dienst (Tit 2,15; 1Tim 6,3; 2Tim 4,2).

Die meisten der Briefe enthalten mehr oder weniger beides: sowohl korrektiven Dienst als auch Lehre. Je mehr die Zeit fortschritt, desto mehr nahm der Abfall zu, und der Geist selbst übernahm die Aufgabe, zu korrigieren und zu ermahnen. Denken wir nur an Judas: Er schreibt uns, dass es seine Absicht war, mit „allem Fleiß … über unser gemeinsames Heil zu schreiben“. Das ist gut und wir brauchen dies auch. Aber obwohl dies seine Absicht war, hatte der Geist Gottes etwas anderes im Sinn. Deshalb fuhr Judas fort: „Ich war genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen“ (Jud 3).

Offenbarung 2–3

Wir lassen die Briefe hinter uns und wollen unser besonderes Augenmerk noch einmal auf Offenbarung 1–3 richten. Die Existenz des Buches der Offenbarung ist ein fortwährender Zeuge dafür, dass sich das Gefäß des Zeugnisses [die Versammlung] im Verfall befindet. Versagen ist Anlass für Prophezeiung. Und die Existenz dieses prophetischen Buches, das den neutestamentlichen Kanon abschließt, ist ein Hinweis auf das allgemeine Abweichen. Hier sehen wir Christus in der Position eines Richters, der sich auf unterschiedliche Weisen darstellt, um so auf den jeweiligen Zustand jeder einzelnen Versammlung einzugehen.

Dennoch ermutigte Er sie, rief sie wiederholt zur Buße auf und stellte den Überwindern Segen vor. Hier ist es der Dienst von Christus selbst, wie Er inmitten der Versammlungen wandelt. Er folgte nicht dem Maßstab „Predige Christus“, wie es oft heißt. Seine Botschaft war Christus und das, was Christus gebührt und was nicht gemäß Christus ist.

Nun wollen wir uns zwei Beispielen aus dem Alten Testament zuwenden, die uns zum besseren Verständnis helfen, denn diese Dinge sind ja zu unserer Belehrung aufgeschrieben worden.

Haggai und Sacharja

Haggai und Sacharja sind zwei hervorragende Beispiele für prophetischen Dienst. Ihr jeweiliger Dienst hatte zwar unterschiedliche Schwerpunkte, doch ihr Dienst hatte das gleiche Ziel, und der Dienst des einen ergänzte den des anderen.

Haggai hatte einen korrektiven Dienst. Deshalb wird er auch oftmals „Prophet“ genannt, viel öfter als Sacharja. Er wird sogar „der Bote des Herrn“ mit „der Botschaft des Herrn“ genannt. Gott weiß, dass wir korrektiven Dienst nicht mögen – und gerade deshalb wird dieser Diener besonders der Prophet Gottes genannt.

Sacharjas Dienst hatte die kommende Herrlichkeit zum Inhalt. So etwas mögen wir. Aber wir entnehmen aus Sacharja 1,1-6, dass er korrektiven Dienst nicht scheute, und auch, dass er sich mit dem Dienst Haggais identifizierte. Sacharja gab seine Ermahnungen weiter, noch bevor Haggai seinen Dienst beendete. Von der Herrlichkeit hingegen sprach Sacharja [erst], nachdem Haggais Dienst beendet war. Ich denke, dass irgendetwas nicht stimmt, wenn ein Prediger sich nicht mit solchen identifiziert, die korrektiven Dienst ausüben. Sucht er etwa einen leichten, beliebten Weg? Hat er vielleicht darüber einfach nicht nachgedacht? Jemandes Dienst mag „objektive“ Dinge betonen (so wie Sacharja, der sich dennoch nicht scheute, auch korrektiven Dienst zu tun). Aber identifiziert er sich auch mit solchen, die einen ähnlichen Dienst tun wie Haggai, so wie Sacharja sich mit Haggai identifizierte?

Ja, die Herzen des Überrests mussten gewonnen werden. Aber es wäre eine üble Sache gewesen, hätte man aus diesem Grund versucht, Haggais Dienst zu beenden oder anzuprangern. Tatsächlich wurden ihre Herzen gerade durch Haggais ursprünglichen Dienst zurückgebracht. Gott ist weiser als wir. Der Überrest gedieh „durch die Weissagung Haggais, des Propheten, und Sacharjas“ (Esra 6,14). Unsere Verantwortung ist es, die Dienste, die Gott uns anvertraut hat, auszuüben beziehungsweise anzunehmen und es Gott zu überlassen, die Herzen zu gewinnen. Gläubige sind weder ganz Herz noch ganz Gewissen. Und es ist gleichermaßen schlecht, „Herzens“-Dienst und „Gewissens“-Dienst abzulehnen und anzuprangern: „Den Geist löscht nicht aus; Weissagungen verachtet nicht“ (1Thes 5,19.20) .

Maleachi

Was für ein Buch ist doch das Buch Maleachi; es macht jede Selbstzufriedenheit zunichte! Auf die Forderungen und Zurechtweisungen Gottes folgte die mehrfach wiederholte freche Frage „Worin …?“ – insgesamt sechsmal. Maleachi übte einen vollmächtigen korrektiven Dienst aus. Führte dieser auch zu einem guten Ergebnis? Nicht bei vielen, aber bei einigen: „Da unterredeten sich miteinander, die den Herrn fürchteten“ (Mal 3,16). Wann war dieses „da“? Als die Zurechtweisungen des Herrn durch seinen Knecht Maleachi ihre Gewissen durchforschten und diese Gläubigen sich darunter beugten und sich Gott nahten. Es war ein Tag des Verfalls, und dies war der dafür notwendige Dienst.

„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2Tim 3,16).

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Anmerkungen

[1] Aus „A few remarks connected with the Presence and Operation of the Spirit of God in the Body, the Church“ aus Collected Writings of J.N. Darby, Bd. 3, S. 319.

[2] J.N. Darby, aus „Try the Spirits—Christ the Test. 1 John iv“ in The Girdle of Truth, Jg. 2, 1857, S. 260–261. [Unter dem Titel „Nine Lectures on the First Epistle of John“ 1882 herausgegeben von W.H. Broom, London; auch in Collected Writings of J.N. Darby, S. 57.]

[3] E. Dennett, aus „Revelation 2,2.3“ in The Visions of John in Patmos: being Notes on the Apocalypse.


Originaltitel: „Part 2: The Lord’s Message“,
in A Few Thoughts on Ministry in the Assembly, 1985, Present Truth Publishers, S. 15–21

Übersetzung: Frank Cisonna


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