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Ist
dir diese Frage schon einmal gestellt worden, ob Abtreibung Mord ist?
Andere Fragen in diesem Zusammenhang sind: Ab wann beginnt eigentlich das
Leben eines Menschen? Mit der Geburt? Oder ab einem bestimmten Monat nach
der Zeugung? Wenn ja, ab welchem Monat? Oder müssen wir schon ab dem
Augenblick der Zeugung von einem Menschen sprechen?
Im Augenblick der Zeugung eines Menschen - wenn sich der männliche Same
mit der weiblichen Eizelle verbindet - befindet sich eine Unmenge von
Informationen auf denkbar kleinstem Raum, der viel kleiner ist als der
Kopf einer Stecknadel. Jemand hat einmal geschrieben, dass die Menge
dieser geballten Informationen verglichen werden kann mit dem Inhalt von
500 Büchern à 1000 Seiten, die sehr eng beschrieben sind. Woran hat wohl
der Psalmdichter König David gedacht, als er niederschrieb: "Meinen
Keim sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle
eingeschrieben" (Ps. 139,16)?
Das Buch steht hier für "Informationsträger".
Sämtliche
Informationen, die zur Bildung eines Menschen nötig sind, sind im
Augenblick der Zeugung vorhanden, ob es nun um die Informationen für den
Körperbau geht, für die Haarfarbe, für das Geschlecht; alle Erbanlagen
sind vorhanden, leider auch die Erbanlagen, die zu späteren Krankheiten führen
können. Wir können nur staunen, wenn wir hier einen kleinen Einblick in
Gottes Werkstatt und somit Seine Weisheit und Allmacht als Schöpfer tun dürfen.
Weißt du, dass zwanzig Tage nach der Zeugung das Herz dieses "kleinen
Menschen" bereits einen halben Millimeter groß ist und zu schlagen
beginnt? Es ist dann bereits ein eigener abgeschlossener Blutkreislauf
vorhanden. In dieser Zeit formen sich übrigens auch schon die Wirbelsäule
und das Nervensystem. Außerdem bilden sich bereits die Nieren, die Leber
und der Verdauungstrakt. Am 26. Tag entstehen die Ärmchen wie Knospen;
erste Bewegungen finden statt. Am 28. Tag beginnen sich die Beinchen zu
bilden. Am 30. Tag bildet sich das Gehirn (man hat bereits am 40. Tag
Gehirnströme gemessen). Mit dem 30. Tag bilden sich Gesichtszüge aus;
Ohren, Nase und Lippen werden erkennbar. Ab dem 40. Tag beginnen
Muskelpakete mit dem Nervensystem zusammenzuarbeiten. Am 50. Tag sind die
Zahnkeime aller zwanzig Milchzähne vorhanden. Die Fingerabdrücke,
einmalig in ihrer Art, sind ausgebildet. Außerdem ist das Geschmacks- und
Geruchssystem angelegt. Nun befinden sich ebenfalls die Blutgefäße an
Ort und Stelle. Nach 60 Tagen ist der Mensch mit all seinen Gliedern,
Organen usw. gut geformt. Was sich in den nun folgenden Monaten lediglich
noch verändert, ist die Größe des Menschen. Er wächst heran.
Wenn man darüber nachdenkt, kann man ahnen, was David empfunden haben muss,
als er niederschrieb: "Denn du besaßest {o. bildetest} meine Nieren; du
wobest mich in meiner Mutter Leibe. Ich preise dich darüber, dass ich auf
eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine
Werke, und meine Seele weiß es sehr wohl. Nicht verhohlen war mein Gebein
vor dir, als ich gemacht ward im Verborgenen, gewirkt wie ein Stickwerk in
den untersten Örtern der Erde ...; während vieler Tage wurden sie
gebildet, als nicht eines von ihnen war" (Ps 139,13-16).
Auch uns geziemt es, still zu stehen vor einem solch großen Schöpfer,
der uns ins Leben gerufen hat. Der gläubige Mensch sollte Augenblicke
kennen, wo er Gott von Herzen dankt, dass Er ihm das natürliche Leben
gegeben hat. Damit haben wir überhaupt noch nicht nachgedacht über die
Geheimnisse der menschlichen Seele und des menschlichen Geistes. Der
Mensch ist die Krone der sichtbaren Schöpfung Gottes.
Dennoch
haben viele Menschen keine Achtung vor dem ungeborenen Leben. Sie werfen
es achtlos weg. Es gibt Schätzungen, wonach in der Bundesrepublik
Deutschland jährlich 500.000 Abtreibungen durchgeführt werden, weltweit
sollen es sogar 50 Millionen
sein, etwa so viele, wie Menschen im 2. Weltkrieg umgekommen sind. Das ist
eine erschreckende Bilanz.
Gott hat mit der Zeugungsfähigkeit dem Menschen eine großartige Gabe
geschenkt. Er hat den Menschen bei der Erschaffung gesegnet und ihm den
Auftrag gegeben, sich zu vermehren (1Mo 1,28). Die gesamte Bibel ist
allerdings ein beredtes Zeugnis dafür, dass dieser Auftrag nur innerhalb
der von Gott vorgezeichneten Grenzen geschehen darf. Eine Missachtung kann
nicht ohne Folgen bleiben. Wenn Ehe und Familie in einem Volk nicht mehr
geachtet werden, ist die unausweichliche Folge die Aushöhlung und der
Untergang der Gesellschaft. Gott wird die Menschen einmal für ihr Tun zur
Verantwortung ziehen. Viele tragen jetzt schon an den Folgen ihres
falschen Handelns.
Wenn wir darüber nachdenken, dass jedes Jahr so viele ungeborene Menschen
abgetrieben werden, dann fragen wir uns, wie lange Gott dem gewissenlosen
Treiben der Menschen wohl noch zusieht. Dabei schmerzt es, in welche Not
alle die Menschen kommen, die nicht nach Gott fragen und daher unter den
üblen Folgen der Sünde zu leiden haben, oft schon in dieser Zeit, doch
erst recht in der Ewigkeit.
Andererseits
tröstet der Gedanke, dass alle Abgetriebenen für Gott nicht verloren
sind. Wir können es uns - bei aller Vorsicht, mit der wir diesen Gedanken
äußern - nicht anders vorstellen, als dass das nichtgeborene Leben für
Gott erhalten bleibt.
Damit
kommen wir zu der Frage zurück, ob Abtreibung Mord ist. Ohne Wenn und
Aber müssen wir diese Frage ganz deutlich bejahen. Sicher ist dieses
harte Urteil für manchen unangenehm, zumal in den Medien ständig das
Gegenteil behauptet wird. Aber auch eine tausendfach vorgetragene Lüge
wird durch die Menge der Wiederholungen nicht zur Wahrheit. Wir wollen es
in dieser Sache ähnlich wie Johannes der Täufer tun. Im Blick auf das
unmoralische Verhalten des Königs Herodes, bringt er die Sache auf den
Punkt: "Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben" (Mt 14,4). Keine
große Polemik, keine Rundbriefe - aber das, was gesagt werden musste,
wurde gesagt. "Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben" - diese
wenigen Worte haben den König schließlich so gewurmt und gestachelt, dass
er den lästigen Mahner umbrachte. - Wir brauchen sicher keine
Demonstrationen gegen Abtreibung zu organisieren. Kommt aber das Thema in
unserer Gegenwart auf den Tisch, dann wollen auch wir immer und immer
wieder die ganze Wahrheit sagen: "Abtreibung ist Mord."
Wollen
wir denn hier den großen Zeigefinger auf Menschen richten, die
abgetrieben haben? Nein, überhaupt nicht. Sondern wir wollen, wenn es
irgend geht, helfen.
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Es ist bekannt, dass Frauen, die abgetrieben haben, noch Jahre danach
an Schuldgefühlen litten und sich Vorwürfe machten. Lasst uns diesen
Frauen (bzw. den Männern, die oft einen großen Teil der Schuld tragen)
den Weg zeigen, wie diese Schuld wirklich ausgeräumt werden kann - den
Weg zum Kreuz.
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Vielleicht führt uns der Herr Jesus auch mit Menschen zusammen, die vor
der Entscheidung stehen abzutreiben. Dann lasst uns sie eindringlich davor
warnen. Auf jeden Fall sollten wir versuchen, ihnen das Einzigartige eines
kleinen Menschen vorzustellen.
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Schließlich ist auch die Möglichkeit, das Kind auszutragen und zur
Adoption freizugeben, eine echte Alternative zur Kindestötung im
Mutterleib, wenn man meint, das Kind aus sozialen Gründen nicht großziehen
zu können.
Die
ganze Problematik zeigt nur zu deutlich, wohin der moderne und aufgeklärte
Mensch des 20. Jahrhunderts gekommen ist. Durch die ständige Lüge, die
wir täglich hören -"Mein Bauch gehört mir" -, wollen wir uns
unser Urteil nicht verbiegen lassen, sondern es immer wieder an der
Schrift selbst schärfen.
Klaus Güntzschel/Werner Mücher
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