Wie lange, o Herr?
Wenn Gott schweigt ...

Philip Nunn

© SoundWords, online seit: 19.04.2011, aktualisiert: 01.10.2018

Leitverse: Psalm 6,3.4

Ps 6,3.4: Sei mir gnädig, HERR, denn ich bin dahingewelkt. Heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind bestürzt. Und sehr bestürzt ist meine Seele – und du, HERR, bis wann?

Vor vier Wochen unterzog sich unser Sohn Edward einer Operation zur Wiederherstellung seines Herzens. Er befindet sich jetzt [Mai 2010] immer noch auf der Intensivstation. Die Heilung ist nicht wie erwartet fortgeschritten. Unsere letzte Krise ist [jetzt] fünf Tage her. Nachts um viertel nach zwei Uhr sprang sein Herzrhythmus auf fast 180 Schläge pro Minute und blieb auf diesem Level während des ganzen Tages. Es ist anstrengend. Er bleibt an einer Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, und seine Lungen sondern viel Schleim und Flüssigkeit ab. Nahezu den ganzen Tag über saß ich in seiner Nähe, hörte sein geräuschvolles Atmen, sein Husten und das Absaugen der Flüssigkeit aus seinen Lungen – ungefähr alle halbe Stunde. Von Zeit zu Zeit bat er mich, seine Hand zu halten. Dann, gegen acht Uhr an diesem Abend, begann Edward zu weinen. Ich bemerkte, wie die Tränen über seine Wangen flossen. Er zog sich näher zu mir heran und flüsterte: „Papa, ich kann nicht mehr. Ich möchte sterben.“ Ich umarmte ihn, so gut ich konnte, und er setzte sich im Bett auf, verbunden mit all den Schläuchen und Kabeln. Wir weinten zusammen. Während ich weinte, betete ich über ihm. „Danke, Herr, dass Du hier bei uns bist. Herr, Du bist der Fels und unsere Stärke. Gerade jetzt brauchen wir Dich. Herr, bitte hilf dem Edward und stärke ihn.“ Ich machte Edward Mut, nicht aufzugeben. „Unser geliebter Herr“, sprach ich, „wird Dir die Kraft zum Weitermachen schenken.“ – „Aber ich fühle nichts davon“, gab er flüsternd zur Antwort. Bald danach gab ihm die Krankenschwester Morphium und irgendein anderes Schlafmittel. Er schlief. Sein geräuschvolles Atmen ging weiter und ebenso sein hoher Pulsschlag. Völlig erschöpft verließ ich ihn. Als ich zum Gästehaus zurückging, betete ich erneut: „Wie lange, o Herr, wie lange?“

Haben Sie dieses göttliche Schweigen in Augenblicken verzweifelter Not schon erlebt? Ich kann mir vorstellen, dass Martha und Maria ähnlich empfunden haben, als ihr Bruder Lazarus im Sterben lag. „Herr“, sagte Maria, „wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben“ (Joh 11,32). Warum diese schmerzvolle Verzögerung?

Warten auf ein Wunder

Nach wochenlangem Aufenthalt in einem Krankenhaus werden die biblischen Berichte über wundersame Heilungen sehr anziehend. Wir lesen, dass Jesus „in ganz Galiläa umherzog, in ihren Synagogen lehrte und das Evangelium des Reiches predigte und jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volk heilte“ (Mt 4,23). Kein Fall war für Ihn zu schwierig. „Große Volksmengen folgten ihm, und er heilte sie alle“ (Mt 12,15). Niemand, der mit ihm zusammenkam, kehrte krank zurück. „Und als die Männer jenes Ortes ihn erkannten, schickten sie in jene ganze Gegend und brachten alle Leidenden zu ihm; und sie baten ihn, dass sie nur die Quaste seines Gewandes anrühren dürften; und alle [engl. NIV-Übersetzung], die ihn anrührten, wurden völlig geheilt“ (Mt 14,35.36). Gleiches wird von den Aposteln berichtet (Apg 5,15.16). Können Sie sich die Erleichterung und Freude der Geheilten und ihrer Familien vorstellen? Es war in doppelter Hinsicht ein Segen: die Heilung selbst und die Schnelligkeit dieser Heilung.

Eine kranke Frau näherte sich Jesus, um von Ihm geheilt zu werden. Sie „trat von hinten herzu und rührte die Quaste seines Gewandes an; und sofort kam ihr Blutfluss zum Stillstand“. Sie war nicht nur geheilt, sie war „sofort geheilt worden“ (Lk 8,44.47). Das ist besonders anziehend für solche, die dringend um eine Lösung flehen. Aber bevor sie die Situation verklären, beachten Sie, dass es viele Jahre des Leidens und Schmerzes gab, bevor viele dieser Wunder geschahen. Diese Frau zum Beispiel hatte „seit zwölf Jahren Blutfluss“ (Lk 8,43). Können Sie sich vorstellen, wie sie sich während dieser zwölf Jahre gefühlt hat? War sie ein Single, würde es ihre Chancen auf eine Ehe betreffen; war sie verheiratet, würde es ihr Liebesleben beeinträchtigen. Markus fügt hinzu: Sie „hatte von vielen Ärzten vieles erlitten und ihre ganze Habe verwandt und keinen Nutzen davon gehabt – es war vielmehr schlimmer geworden“ (Mk 5,26). Mit der Zeit muss sie ein Gefühl der Verzweiflung gehabt haben. Wie lange, o Herr, wie lange? Fühlen Sie, dass Ihre Einsamkeit, Krankheit oder Krise zu lange andauert? Wird es schlimmer?

Leiden, wo liegen die Ursachen?

Die Bibel enthält eine Anzahl Berichte über blinde Menschen. In manchen Fällen können wir einen möglichen Grund für solch eine Prüfung entdecken. Paulus wurde „für drei Tage“ vom Herrn blind gemacht, um ihn zur Ruhe kommen zu lassen und darauf vorzubereiten, neue Weisungen zu empfangen (Apg 9,8.9). Elymas wurde „eine Zeit lang“ mit Blindheit bestraft, weil versucht hatte, „die geraden Wege des Herrn umzukehren“ (Apg 13,9-11). Wir wissen, dass manchem Krankheit und Prüfungen begegnen, weil „Gott sich nicht spotten lässt! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7). Andere wiederum leiden einfach deshalb, weil sie als Christen leben (1Pet 4,16). Haben Sie je gelitten? Da gibt es noch eine Menge Leid drumherum. Manches ist sichtbar und mag für eine Weile unser Mitgefühl wecken. Aber manches Leid wird nicht bemerkt oder von anderen vergessen, weil es schon so lange andauert.

Jesus traf einen Blindgeborenen und heilte ihn. Es muss ein phantastisches Erlebnis gewesen sein, zum ersten Mal sehen zu können. Es muss auch für seine Eltern ein sehr emotionaler Augenblick gewesen sein. Sie müssen über die Jahre gelitten haben. Zuerst der Schreck, als sie entdeckten, dass ihr Baby blind war. Dann die Schwierigkeiten beim Großziehen eines solchen Kindes. Die quälenden Sorgen über die Zukunft ihres Sohnes. Die Jünger wollten – wie Sie und ich – die Gründe für solch eine langanhaltende Übung wissen. Sie fragten Jesus: „Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“ (Joh 9,2). Der Herr gab zur Antwort: „Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern“ (Joh 9,3). Die direkte Ursache für dieses lange und schmerzvolle Leiden war – wie im Falle von Gehasi (2Kön 5,24-27) – nicht Sünde. Auch war es nicht das Werk Satans oder von Dämonen, wie es im Fall Hiobs und des Knaben in Markus 9,17-27 war, die schwere Erschütterungen erlitten (Hiob 2,1-7). Jesus erklärte, dass dies geschah, „damit die Werke Gottes in seinem Leben offenbart würden“ (Joh 9,3; engl. NIV-Übersetzung). Wurden diese „Werke Gottes“ nur an dem Tag offenbart, als er geheilt wurde? Gewiss wirkte Gott während dieser langanhaltenden Übung täglich an den Seelen des Leidenden, seiner Familie und solcher, die ihn kannten.

Wer „webt“ ein Kind im Leib der Mutter?

Am letzte Freitag ging ich zusammen mit einem Mitbewohner vom Krankenhaus zurück zum Gästehaus. Er sah mutlos aus. „Wie war Ihr Tag?“, fragte ich ihn. „Schlecht. Die schlimmsten Nachrichten. Mir wurde heute gesagt, dass bei meiner sechs Monate alten Tochter eine seltene Form der Leukämie diagnostiziert wurde. Sie können ihr nicht helfen. Sie wollen sie am nächsten Montag für eine experimentelle Behandlungsart in ein Krankenhaus nach Rotterdam überführen.“ Dann murmelte er kopfschüttelnd: „Es ist nicht fair!“ Es gibt eine Zeit, zu reden, und eine Zeit, zuzuhören. Das sind Momente, wo wir nur zuhören. Es ist ein gewisser Trost, zu wissen, dass jemand anderes ein wenig von deinem Schmerz empfindet – oder es wenigstens versucht. Aber wo ist unser liebender Vater bei all dem?

Eine Strophe in einem Psalm Davids lesen wir: „Du wobst mich im Leib meiner Mutter“ (Ps 139,13). „Webt“ Gott nur die gesunden Kinder? Wer „webt“ die anderen? Als Mose sich über seine eingeschränkten Fähigkeiten zur Kommunikation beklagte, sagte der Herr zu ihm: „Wer hat dem Menschen den Mund gemacht? Oder wer macht stumm oder taub oder sehend oder blind? Nicht ich, der Herr?“ (2Mos 4,11). Gott spielt eine aktive Rolle. Aus irgendeinem guten Grund „webt“ Er auch die Blinden, die Tauben, die Behinderten, solche mit Leukämie, mit angeborenem Herzfehler …

Auf den ersten Blick scheint es so, als würden wir Gott beschuldigen, Böses zu tun. Ich kann den Wunsch gut verstehen, einem guten und liebenden Gott nur gesunde Babys zuzutrauen. Aber sollten wir das? Die Bibel tut das nicht. Es gibt noch viele weitere Bibelstellen, die zeigen, dass unser guter und liebender Gott manchmal aktiv Krankheit, Leiden und – aus unserer Perspektive – Katastrophen fördert. Letzte Woche bekam ich eine E-Mail von Freunden aus London, die Eltern eines behinderten Kindes sind. Sie lenkten meine Aufmerksamkeit auf 2. Mose 4,11. Sie berichteten, dass dieser Text eine Ermutigung für sie war, als ihr Kind geboren war, und dass er es mehr als zwanzig Jahre später immer noch ist. Was in diesem Vers könnte wohl eine Ermutigung für sie sein? Die Tatsache, dass das Unvermögen ihres Kindes kein unglücklicher Zufall war. Und es war auch nicht das Werk Satans. Vielmehr beschloss ihr weiser und liebender Vater, dieses Kind auf diese besondere Weise zu „weben“. Satan benutzt Schmerz und Leid, um zu zerstören. Unser liebender Vater benutzt diese Dinge zur Erlangung eines höheren Gutes.

Mein Leben ist ein kleiner Teil von etwas Größerem

Um zugerüstet zu werden, musste Mose, ein gut ausgebildeter Mann, vierzig Jahre abseits jeglicher Zivilisation verbringen. Er verbrachte die Jahre, indem er weit unterhalb seiner Ausbildung und seiner Fähigkeiten in der Wüste die Schafe eines anderen hütete. Ich kann mir vorstellen, dass sein Frust ähnlich dem von Ingrid Betancourt gewesen sein muss, der 41 Jahre alten Präsidentschaftskandidatin, die am 23. Februar 2002 gekidnapped wurde und über sechs Jahre im Dschungel Kolumbiens an einen Baum gekettet wurde. Diese lange Isolation führte zu Frustration, Depression und dem ernsthaften Verlangen, Selbstmord zu begehen. Wie verzweifelt muss Mose gewesen sein? Sein Potential war nutzlos geworden. Ich kann mir leicht vorstellen, dass ein „Wie lange, o Herr, wie lange?“ von seinen Lippen geflossen ist. Kümmerte das Leiden eines einsamen Mose Gott nicht?

Nach vierzig Jahren des Wartens in der Wüste rief Gott Moses aus dem brennenden Dornbusch. Der Zeitpunkt dieses Rufes stand in Verbindung mit Entwicklungen anderswo. Mose musste lernen, dass er, obwohl er aus Gottes Sicht etwas Besonderes war, nur ein kleiner Ausschnitt auf einem großen Bild war. Gott sprach: „Gesehen habe ich das Elend meines Volkes, das in Ägypten ist, und sein Schreien wegen seiner Treiber habe ich gehört; denn ich kenne seine Schmerzen. Und ich bin herabgekommen, um es aus der Hand der Ägypter zu erretten“ (2Mos 3,7.8). Gottes gute und liebevolle Pläne für das Leben eines Mose waren verbunden mit seinen Plänen für das Volk Israel. Und Gottes Pläne für Israel standen in Beziehung zu den Entwicklungen in anderen Völkern (1Mos 15,16; 5Mos 9,5). Interessanterweise teilte Gott Abraham bereits mit, dass [die Ägypter] sie„vierhundert Jahre bedrücken“ würden (1Mos 15,13.14). Die Prüfungen eine Mose passten zu einem göttlichen Plan. Seine Leiden bildeten den Teil eines größeren Bildes. Vielleicht gilt das auch für uns.

In Augenblicken akuter Not und während lang anhaltender Prüfungen „sieht“ unser liebender Vater unsere Not und unser Elend. Er „hört“ das Schreien unserer Herzen. Er „weiß“, „fühlt“, und Er kann sich in unser Leid hineinversetzen. Diese [letzten] Wochen haben mich erneut gelehrt, dass es weh tut, einen geliebten Menschen leiden zu sehen. Was „fühlte“ Gott wohl, als Er das Leiden seines geliebten Volkes sah und sein Schreien hörte, als es 400 Jahre lang unterdrückt wurde? Er leidet mit uns.

Geistlich wachsen, indem wir Gottes Zeitplan vertrauen

Seit fast vier Wochen leben wir in einem Gästehaus in der Nähe des UMC-Krankenhauses hier in Holland. Wir teilen eine Küche, einen Speiseraum und einen Aufenthaltsraum mit 24 anderen Familien, jede mit einem Kind in kritischem Zustand, jede mit ihrem Schmerz und jede mit ihrer Geschichte, die sie zu erzählen hat. Manche gehen nach ein paar Tagen wieder nach Hause, andere bleiben über Wochen und sogar Monate. Wir lächeln mit einem Gefühl untergründigen Neids, wenn glückliche Familien nach Hause zurückkehren. Wann wird es für uns so weit sein? Als unser Sohn Edward operiert wurde, erwarteten wir, dass er eine Woche auf der Intensivstation bleiben müsste, gefolgt von einer oder zwei Wochen auf der Herzstation, bevor er wieder nach Hause könnte. Aber vier Wochen später liegt er immer noch auf der Intensivstation. Es fühlt sich an, als würde das Leben stillstehen. In dauernder Ungewissheit zu leben, macht müde. Wir tun den ganzen Tag über nur wenig, und doch gehen wir erschöpft zu Bett. Wir alle wünschen uns, nach Hause gehen und „mit dem Leben weitermachen“ zu können. Wie lange, o Herr? Warum zögerst Du?

Die Tatsache, dass unser himmlischer Vater seine weltumfassenden Pläne ausführt, bedeutet nicht, dass Er sich nicht um den Einzelnen kümmert. Uns wird gesagt, dass Er in all den Umständen zum Guten seiner Kinder wirkt (Röm 8,28). Während jener „öden“ Jahre in der Wüste und in den Schwierigkeiten, Gottes Volk zu führen, verwandelte Gott Mose von dem überzeugten „Yes-I-can“-Mann in einen sanftmütigen Mann, „sehr sanftmütig, mehr als alle Menschen, die auf dem Erdboden waren“ (4Mos 12,3). Auf welche Weise wird Edward sich ändern aufgrund des schwierigen Zustands seines Herzens? Warten Sie darauf, dass sich etwas ändert? Schreien Sie auch: „Wie lange, o Herr, wie lange?“? Könnte es sein, dass Er auch uns auf etwas vorbereitet?

Der Zeitplan des Herrn ist immer mit Bedacht gewählt. Zuweilen erhaschen wir einen flüchtigen Blick darauf, häufig [aber] werden wir im Dunkeln gelassen. Während wir warten, lernen wir sitzen zu bleiben, wenn wir gern gehen würden, zu gehen, wenn wir gern rennen, zu vertrauen, wenn wir gern verstehen würden.

Aufgerufen, im Heute zu leben

Der Herr Jesus weiß, dass es sehr schwer sein kann, in einer gefallenen Welt zum Wohlgefallen des Vaters zu leben. Manchmal können sich die Spannung, die Prüfungen, der Schmerz unerträglich anfühlen. Auf dem göttlichen Rezept ist das Schlüsselwort „heute“:

Die Sorgen des Heute: Der Herr Jesus lehrte seine Jünger, wie sie damit fertigwerden können: „So seid nun nicht besorgt für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug“ (Mt 6,34). Akzeptieren wir die Prüfung, heute gut zu leben. Vertrauen wir dem Herrn den morgigen Tag an. Merken Sie, dass Ihre augenblickliche Prüfung dabei ist, Sie zu zerbrechen, zu zerstören oder aufzubrauchen? Erinnern Sie sich daran, dass „es die Gütigkeiten des HERRN sind, dass wir nicht aufgerieben sind; denn seine Erbarmungen sind nicht zu Ende; sie sind alle Morgen neu, seine Treue ist groß“ (Klgl 3,22.23). Versuchen Sie nicht, die Last in eine ungewisse Zukunft zu verlagern. Sorgfältige Planung mag sehr wohl nötig sein, aber entscheiden Sie sich nicht, die Lasten auf diese Planungen zu schieben. Übergeben Sie Ihre Zukunft, Ihre Pläne, Ihre Sorgen bewusst in seine guten Hände. „… indem ihr all eure Sorge auf ihn werft; denn er ist besorgt für euch“ (1Pet 5,7). Das ist eine Einladung, auf die wir antworten sollten.

Die heutigen Bedürfnisse: Der Herr lehrte seine Jünger zu beten: „Unser nötiges Brot gib uns heute“ (Mt 6,11). Wir ziehen es vor, zu Hause Lebensmittel für eine Woche oder länger zu lagern. Wir schätzen Sicherheit. Gott, der Herr, sprach zu Mose: „Siehe, ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und den täglichen Bedarf an jedem Tag sammeln, damit ich es prüfe, ob es in meinem Gesetz wandeln wird oder nicht“ (2Mos 16,4). Erbitten und empfangen Sie vom Herrn die Nahrung und die Kraft, die Sie für heute brauchen. Machen Sie sich keine Sorgen wegen Gottes Vorsehung für morgen. Erst wenn das Morgen zum Heute wird, wird unser guter und treuer Vater für den Bedarf von morgen sorgen. Ja, Er möchte, dass wir Ihm vertrauen.

Unsere Aufgaben heute: Was ist das Geheimnis, ein nützlicher Christ zu sein? Entschließen wir uns, unseren eigenen Träumen, Ambitionen und Plänen zu sterben. Ist es nicht [genau] das, was es heißt, unser Leben Jesus zu übergeben? „Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2Kor 5,15). Nur nach oben geöffnete Hände können etwas vom Herrn empfangen. Es ist buchstäblich ein„Sterben“, das bei der Bekehrung stattfindet. Wir übergeben uns ganz und gar Christus. Aber wie leicht vergessen wir, wem unser Leben gehört. Wenn wir wünschen, dass Gott heute in uns und durch uns wirkt, dann muss diese Übergabe wirklich sein. Unsere Selbstverleugnung muss fest gewurzelt sein. Jesus sagte: „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf und folge mir nach“ (Lk 9,23). Wenn wir unser Kreuz aufnehmen, wenn wir uns all unseren menschlichen Plänen und Zielen für gestorben halten, dann ändern sich unsere Prioritäten. Wir sind frei gemacht, um Ihm heute zu folgen.

Nur „eine kurze Zeit“

Wie lange, o Herr? Normalerweise wird uns nicht gesagt, wie lange [etwas dauert]. Wir lernen täglich zu vertrauen. Für die Zeit auf dieser Erde hat unser liebender Vater versichert, dass beides, glückliche wie leidvolle Zeiten, begrenzt sind. Sie sind zeitlich. Er erinnert uns daran, dass wir uns ihrer eine „kurze Zeit“ erfreuen oder sie eine „kurze Zeit“ ertragen müssen. Er hat uns die Wiedergeburt in eine lebendige Hoffnung hinein geschenkt, Er hat uns ein Erbteil gegeben, das niemals verderben oder verschwinden kann. Aber „ihr frohlockt, die ihr jetzt eine kurze Zeit, wenn es nötig ist, betrübt seid durch mancherlei Versuchungen; damit die Bewährung eures Glaubens, viel kostbarer als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, befunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“ (1Pet 1,3-7). Die „kurze Zeit“ mag wenige Stunden oder auch wenige Jahre andauern (1Pet 5,10). Die „kurze Zeit“ mag den Rest unseres Lebens auf dieser Erde betreffen (Heb 10,37), aber die Prüfung wird definitiv nach einer „kurzen Zeit“ zu einem Ende kommen. Der Herr weiß, wann. Vertrauen wir Ihm!

Schluss

Zuweilen ist es der Wille des Herrn, dass wir Leid aushalten sollen. Zuweilen ist dieses Leid unerträglich akut oder frustrierend anhaltend. Wenn unser himmlischer Vater schweigt, bedeutet das nicht, dass Er sich nicht kümmert. Er sieht unsere Lage und hört unser Schreien. Weil Er uns unendlich liebt. Es schmerzt Ihn, wenn es uns schmerzt. Wenn Er sich dazu entschließt, zu verziehen, dann weil es der einzige Weg ist, sein gutes, von Liebe geprägtes und vollkommenes Ziel zu erreichen. Und was sollten wir tun, während wir warten? „Daher sollen … die, die nach dem Willen Gottes leiden, einem treuen Schöpfer ihre Seelen anbefehlen im Gutestun“ (1Pet 4,19).

Postscriptum: Wie bei dem vorangegangenen Artikel „Tiefe Wasser“ schreibe und verbreite ich diese Gedanken, während sich unser Sohn Edward noch auf der Intensivstation erholt. Sie spiegeln unsere augenblickliche Prüfung wider, alles, was wir sehen, fühlen, denken und glauben, miteinander in Einklang zu bringen. Es ist das Wort Gottes, das uns helfen kann, die Wirklichkeit richtig zu interpretieren, unser Denken zu korrigieren und jene Stürme, die zuweilen in unseren Emotionen toben, zu beruhigen. Vielleicht mag manches in diesem Bericht auch Ihnen zum Segen und zur Ermunterung dienen.


Originaltitel: „How long, o Lord?“
Quelle: www.philippnunn.com

Übersetzung: Hans-Robert Klenke

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