Der Wert des Todes Christi (1)
Mehr als Sündentilgung?!

Dirk Schürmann

© SoundWords, online seit: 07.10.2003, aktualisiert: 28.09.2016

Leitverse: Johannes 10,17; 3. Mose 1

Joh 10,17: Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme.

Wie die Motive Christi in herrlicher Weise ans Licht traten

Dass jemand sein Leben bis in den Tod einsetzt für irgendein Ziel, sei es Liebe zum Vaterland, zum Freund, zum Ehegatten oder dergleichen, gilt allgemein als größtmöglicher Beweis der Hingabe an dieses Ziel oder an die Person. Aber als der Herr Jesus starb, um seinen Vater zu verherrlichen, indem Er die Sünden tilgte, die Sünde sühnte, den Menschen zu Gott zurückbrachte, die Macht Satans zerstörte, da standen die Macht Satans und der Welt und selbst das Gericht Gottes und der Tod unter diesem Gericht Ihm entgegen. Aber nicht nur diese Hingabe des Herrn, auch jeder andere Grundsatz und jedes Motiv seines Herzens, alle seine Gedanken und Gefühle wurden hier durch und durch getestet, und die Vollkommenheit und Wahrheit alles dessen, was darin für Gott war, wurde völlig offenbar, so dass Gott nicht anders konnte, als dies unendlich wertzuschätzen und anzunehmen.

Nehmen wir zum Beispiel seinen Gehorsam. Johannes 10,17 zeigt uns, dass sein Sterben auch ein Gebot Gottes war. Es konnte kein Gebot geben, das schwerer war als dieses Gebot. Hebräer 5,7.8 macht uns deutlich, wie schwer es dem Herrn geworden ist, diesem Gebot gehorsam zu sein. Hier lesen wir von starkem Geschrei und Tränen. In den Evangelien lesen wir von einem ringendem Kampf. Für Ihn, den Fleckenlosen und Reinen, war es furchtbar, zur Sünde gemacht zu werden. Und doch war Er gehorsam. Johannes 14,31 erklärt uns, was die Triebfeder dieses Gehorsams war: „Aber damit die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat.“ Seine Triebfeder war seine Liebe zu dem Vater. Und dieser Gehorsam bis in den Tod war der Beweis dieser tiefen Liebe.

Aber es waren nicht nur Hingabe, Gehorsam und Liebe, die am Kreuz in einer Weise offenbar wurden, wie sie nicht vollkommener offenbar werden konnten; auch die Heiligkeit des Herrn wurde in dem ringenden Kampf und dem starkem Geschrei und den Tränen aufs Höchste offenbar. Denn in diesem offenbarte Er auch, dass die Heiligkeit und Reinheit seiner Seele die Sünde in vollster Weise verabscheute. Gerade sein Zurückschrecken davor, zur Sünde gemacht zu werden, zeigt, wie groß seine Heiligkeit war. Das ist der Grund, warum das Brandopfer als erstes Opfer in der Liste der Opfer steht (3Mo 1). Es drückte nicht so sehr aus (obwohl wir in 3. Mose 1,4 auch von Sühnung lesen), was die Schuld und Sünde des Menschen erforderte (obwohl Christus – wie wir das im Sündopfer finden – auch diese Anforderungen in seinem Opfer erfüllte), sondern dass, wenn Christus sich opferte, es nicht anders sein konnte, als dass Er ein Großteil mehr tat und dem, dem Er sich opferte, eine Freude bereitete, die nie vergehen wird. Um das zu zeigen, wurde das Opfertier ganz auf dem Altar geräuchert und „ein Feueropfer lieblichen Geruchs für den HERRN“ genannt.

Das Brandopfer im Neuen Testament

In vielen Stellen des Neuen Testaments finden wir das Prinzip des Brandopfers:

  • „als er sein Angesicht feststellte, um nach Jerusalem zu gehen“, um sich dort zu opfern (Lk 9,51);
  • als Er „vor seinen Jünger hergeht auf dem Weg“, so dass sie Angst hatten (Mk 10,32-34);
  • als Er sich weiht für die Stunde der Leiden zur Verherrlichung Gottes (Joh 12,27-33);
  • als Er aufsteht und hinausgeht nach Gethsemane und sagt: „… damit die Welt wisse, dass ich den Vater liebe und wie er mir ein Gebot gegeben hat, also tue ich“ (Joh 14,31),
  • als Er sich denen freiwillig übergibt, die Ihn zum Gericht und zur Hinrichtung führen (Joh 18,4),

sowie an vielen anderen Stellen.

Wie Christus Gott verherrlicht hat

Als Christus sich in den Tod übergab, wurden die Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes und die Majestät der göttlichen Anforderungen ans Licht gebracht, genauso wie die Heiligkeit, die restlos die Sünde abwies, in einem solchen Maß, dass Gott sein Angesicht von seinem eigenen Sohn abwandte, als Er diese Sünde trug. Wo wurde eine solche Liebe gefunden, und dann noch Menschen gegenüber, die seine Feinde waren (Röm 5,8.17), die bereit war, den eigenen Sohn zu opfern? Wo wurde eine solche Weisheit gefunden, die einen solchen Plan zur Rettung des Menschen ausdachte und umsetzte? Wo wurde eine solche Kraft offenbar wie am Kreuz – „uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft“ (1Kor 1,18) –, und das gerade zu dem Zeitpunkt, als die Unfähigkeit des Menschen, durch seine eigene Weisheit Gott zu finden, seine Hilflosigkeit und Schwachheit, selbst Gerechtigkeit zu erreichen, völlig offenbar wurde? Wo wurde eine solche Gerechtigkeit offenbar wie am Kreuz, wo Gott das Gericht ungeschmälert über seinen eigenen Sohn brachte, wenn Er die Sünden derer, die an Ihn glauben würden, auf sich genommen hatte? Auch nicht ein bisschen von dem Gericht wurde Ihm erspart. Wo wurde eine solche Heiligkeit Gottes offenbar wie da, wo Gott sein Angesicht von seinem geliebten Sohn abwandte, weil Er zur Sünde gemacht war? Wo wurde eine solche Gnade offenbar wie dort am Kreuz? Dort zeigte Gott nämlich, dass Er bereit war, das größte Geschenk, das Er geben konnte, dem Menschen zu geben. Als Mörder des Sohnes Gottes hatte der Mensch sicher alles andere als ein Geschenk verdient. Wo wäre die Barmherzigkeit Gottes mehr ans Licht gekommen als da, wo der Mensch sein größtes Elend bewies, als er seinen Retter ans Kreuz nagelte, und Gott sich über diese Menschen so erbarmte, dass Er eine Rettungsmöglichkeit gerade durch diesen Kreuzestod für ihn bewirkte? All diese Züge Gottes sind weder vorher noch nachher je so hell ans Licht getreten wie am Kreuz. Nie wurde der Vater mehr verherrlicht als durch das, was der Herr Jesus am Kreuz getan hat. Er hat die Vortrefflichkeiten Gottes dort in unendlich herrlicher Weise ans Licht gebracht.

Gnade und Wahrheit sind sich begegnet

Durch den Tod Christi für die Sünde wurde die ganze Herrlichkeit Gottes vollkommen vor aller Schöpfung ans Licht gebracht. Und das würde selbst dann der Fall gewesen sein, wenn kein Sünder geglaubt hätte und errettet worden wäre, denn sein Sohn war gestorben, um zu zeigen, was in Gott für den Menschen ist. Und Liebe, Heiligkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit usw. sind alle in harmonischer Weise sichtbar geworden und groß gemacht worden. Wenn das Opfer nicht gewesen wäre, dann wären Liebe und Gerechtigkeit in alle Ewigkeit ein Problem gewesen, denn die Offenbarung des einen wäre immer auf Kosten des anderen gegangen. Wäre die Gerechtigkeit in Erscheinung getreten, dann wären alle verdammt worden. Hätte die Liebe überragt (obwohl sie dann eigentlich Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde gewesen wäre), wo wäre dann die Gerechtigkeit geblieben? Der Tod Christi dagegen hat beide in ihrer Auswirkung zusammengeführt, und das zugunsten des Menschen.

Die Folgen betreffen auch uns

Aber dieses Opfer war auch für uns. Das Wohlgefallen an dem Opfer ging schon im Alten Testament auf den Opfernden über, der seine Hand auf den Kopf des Brandopfers legte (3Mo 1,4). Denn aufgrund dieses Opfers kann Gott die Menschen, die an den Herrn Jesus glauben, überragend segnen, weil Er den Herrn Jesus so überragend gesegnet hat aufgrund dessen, was Er Ihm für eine überragend große Freude in diesem Brandopfer bereitet hat.

Schlussbemerkungen

Der Herr Jesus verherrlichte Gott, seinen Vater, durch sein Opfer in einer unvergleichlichen Art und Weise. Er gab sich als Opfer, um Sühnung für unsere Sünden zu tun (das Sündopfer). Er gab sich hin, um mit seinem Tod für fremde Schuld zu bezahlen (das Schuldopfer). Er ging am Kreuz in den Tod, um Frieden zu machen, indem Er Feinde zu Kindern Gottes machte (das Friedensopfer). Und der Herr gab sich hin, indem Er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz (das Speisopfer). Aber dann gab Er sich eben auch als das Brandopfer – als dieses Opfer, das im Alten Testament eben auch ohne eine spezielle Sünde oder Schuld gebracht wurde. Ununterbrochen musste auf dem Altar ein Brandopfer geräuchert werden (2Mo 29). Der Herr stellte dieses Opfer, das ausschließlich nur für Gott bestimmt war, das zu einem duftenden Wohlgeruch Gottes vollständig geräuchert wurde. Der Herr Jesus starb, um sein Leben für seinen Gott und Vater in den Tod zu geben und um dabei einen Wohlgeruch aufsteigen zu lassen, der unvergleichlich ist. Und weil Er Gott auf diese Weise verherrlicht hat, gab Er Gott in diesem Opfer so viel mehr zurück, als wir Gott jemals mit unserem Ungehorsam und Sünde und Schuld geraubt haben.

Haben wir uns einmal gefragt, warum Gott uns so reich segnen kann, weshalb wir eine himmlische Herrlichkeit erwarten können? Wir hätten doch nicht mehr erwarten können, als dass Gott in seiner Gnade und durch das Opfer des Herrn Jesus uns die Sündenlast genommen, vom Tod befreit und in eine wiederhergestellte Schöpfung hineingestellt hätte, zurück in den Zustand, in den Adam und Eva waren. Aber Er schenkt uns noch viel mehr: Er macht uns zu Himmelsbürgern, zu seinen Kindern, ja sogar zu Söhnen Gottes, zu Erben Gottes und Miterben Christi. Warum kann Er das tun? Weil Christus in seinem Opfer, dem Brandopfer, Gott viel mehr zurückgegeben hat, als wir Ihm geraubt haben. Anbetungswürdiger Herr und Gott!

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