Die moralische Herrlichkeit des Herrn Jesus (9)
Mehr als ein Wohltäter

John Gifford Bellett

© SoundWords, online seit: 14.07.2002, aktualisiert: 19.09.2018

Leitverse: Johannes 4

War der Herr Jesus ein Wohltäter?

Anmerkung der Redaktion
Wenn wir obige Frage stellen, dann geht es uns darum, aufzuzeigen, wie der Herr Jesus gewirkt hat. Natürlich steht für uns alle völlig außer Frage, dass Er „umherging, wohltuend und heilend alle, die von dem Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm“ (Apg 10,38). Doch bleibt die Frage, ob Er ein Wohltäter war in dem Sinn, wie wir heute Wohltäter kennen. Da veranstalten Musikgruppen ein Benefizkonzert für die Hinterbliebenen des 11. Septembers. Da geben weltweit bekannte Profimanager Millionen für eine medizinische Stiftung. Da spenden Konzerne ihre Produkte für Notleidende in der Welt. Aber sie bleiben dabei auf ihrem hohen und angesehenen Platz in der Gesellschaft stehen. Sie neigen sich zwar einmal herab für diese und jene Wohltat, aber sie bleiben die Band in den Top Ten, der Manager, um den sich die Unternehmen in der Branche reißen usw. Solcherart war die Wohltätigkeit des Herrn Jesus nicht. J.G. Bellett beleuchtet die Art und Weise der Wohltätigkeit des Herrn Jesus:

Es ist eine gewaltige Sache, zu sehen, in welche innige Verbindung mit sich selbst der Herr die Menschen bringt und in welches Vertrauen Er den gläubigen Sünder zieht. Er handelt mit uns nicht wie ein Gönner oder Wohltäter. Diese Welt ist voll von Wohltätern: „Die Gewalt über sie üben, werden Wohltäter genannt“ (Lk 22,25). Der Mensch ist oftmals nur zu gern bereit, Wohltaten in großzügiger Weise zu zeigen, indem er dabei den zurückhaltenden Platz einer bewussten und zugestandenen Überlegenheit einnimmt. Aber so handelt der Herr Jesus nicht; Er kann sagen: „Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch.“ Er bringt jeden, der Ihn liebt, ganz in seine Nähe, und Er lässt ihn wissen und fühlen, dass Er eher wie ein Freund und Verwandter als wie ein Wohltäter an ihm handelt. Das macht den ganzen Unterschied aus, und ich bin so frei, zu behaupten, dass der Himmel von diesem Unterschied abhängt. Der Himmel – auf den ein Gläubiger wartet und den er im Geist jetzt schon erleben kann, weil er jetzt schon in die himmlischen Örter versetzt ist – ist abhängig davon, dass der Herr Jesus mit uns nicht nach dem Grundsatz eines großzügigen Wohltäters handelt. Der Himmel wäre dann nur eine wohlgeordnete Welt menschlicher Grundsätze und Mildtätigkeiten. Und was wäre das!? Ist es die Herablassung eines Großen der Welt, die wir in Christus sehen? „Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende“, sagt Er. Jede Begebenheit berichtet davon. Er hatte nicht die Art eines Wohltäters noch kannte Er die Reserviertheit und das stolze Gehabe eines Gönners. Er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat Er auf sich geladen. Das tat kein Wohltäter je auf dieser Erde!

Schauen wir noch einmal auf Ihn, wie Er mit der samaritischen Frau an der Quelle saß! Sie hatte in diesem Augenblick sehr hohe Gedanken über Ihn. „Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Dies war ihre hohe und richtige Meinung von dem Messias. Sie wusste aber nicht, dass Er, zu dem sie von Angesicht zu Angesicht sprach, der war, der unmittelbar darauf zu ihr sagen konnte: „Ich bin’s, der mit dir redet.“ Aber wo war der „edle“ Wohltäter Christus in der ganzen Zeit? Am Rande der Quelle saß Er und redete mit ihr, seit Er dort mit ihr zusammengetroffen war, und Er sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken“, um ihr in seiner Gegenwart Ungezwungenheit zu geben. Denn zu dieser Zeit redete kein Jude mit einer samaritischen Frau. Christus tat es!

War dies Gönnerschaft nach Menschenweise? War das die kühle Herablassung eines Hochgestellten? War es Himmel oder Welt, Gott oder Mensch? Die Herablassung der Welt wird dir jede gewünschte Gunst erweisen, aber sie will ihre Stellung der Überlegenheit und die Zurückhaltung des Abhängigen respektiert und aufrechterhalten wissen. Die himmlische Liebe handelt nicht so – Gott sei Dank! Jesus, Gott offenbart im Fleisch, stellte sich auf die gleiche Stufe mit dem Sünder, denen Er Freundlichkeit und Barmherzigkeit erwies, und als solcher handelte Er auch, nicht wie ein Wohltäter. Er sucht, uns nahe zu sich zu bringen und unsere Herzen mit Ruhe und Vertrauen zu erfüllen. „Kommt her zu mir alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“ Er besucht uns, nein, Er kommt vielmehr auf unsere Einladung hin zu uns, wie Er zwei Tage bei den Samaritern blieb, die auf den Bericht der Frau hin herauskamen und seine Gemeinschaft suchten. Er erbittet einen Gefallen von uns, damit wir seine Gunst ohne Zurückhaltung aus seiner Hand nehmen. Er will aus unserem Wasserkrug trinken, um uns zu ermuntern, aus seinen Quellen zu trinken. Er isst von „unserem Kalb“ am Eingang des Zeltes, während Er uns ewige Geheimnisse offenbart (1Mo 18).

Sicherlich freuen wir uns darüber. Aber auch für Ihn bedeutet es große Freude auf diesem seinem Weg der Liebe, denn diese zwei Tage in Sichar waren für Ihn ein wenig Erntefreude, denn Er sagt in Johannes 4,36: „Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf dass beide, der da sät und der da erntet, zugleich sich freuen.“ Die Ernte, die der Herr Jesus in der Frau am Jakobsbrunnen eingefahren hat, bedeutete eine riesige Erfrischung und Freude aus unserer Hand für den ermüdeten Sohn Gottes auf dieser Erde. Hier fand Er etwas von dem strahlendsten Glauben, dem Er je auf Erden begegnete. Und es war allein der Glaube von Sündern, der Ihn hier erfreuen und erfrischen konnte. Nichts im Menschen vermochte dies zu tun als nur der Glaube, der den Menschen leer macht von sich selbst.

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Aus The Evangelist, S. 38ff.


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