Die moralische Herrlichkeit des Herrn Jesus (12)
In dem, was Ihn erquickte

John Gifford Bellett

© SoundWords, online seit: 03.01.2006, aktualisiert: 25.01.2018

Leitverse: Johannes 4; Markus 4

Die Engel freuen sich über die Buße der Sünder. „Es ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ Welch ein Glück für uns, dass uns dieses Geheimnis des Himmels offenbart ist und dass wir davon in der Schrift eine bildliche Erläuterung nach der anderen finden, wie dies zum Beispiel in Lukas 15 der Fall ist! Aber es gibt noch mehr als das. Obwohl sie im Himmel ist, ist die Freude öffentlich; sie äußert sich und findet ihren Widerhall. Es geziemt sich, dass es so ist. Es geziemt sich, dass das ganze Haus an der Freude Anteil hat und sie als eine allgemeine Freude empfindet. Das ist noch nicht alles, es gibt noch mehr. Es gibt ebenso wohl eine Freude des göttlichen Herzens wie eine Freude des Himmels. Die Freude des Himmels finden wir in Lukas 15, die des göttlichen Herzens in Johannes 4,31-34.

Joh 4,31-34: In der Zwischenzeit aber baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet. Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.

Und es wird kaum nötig sein zu bemerken, dass die Freude des göttlichen Herzens die tiefste ist. Sie ist vollkommen, geräuschlos und persönlich, sie macht keinen Anspruch darauf, durch andere hervorgerufen oder unterhalten zu werden. „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet“, das ist die Sprache des Herzens Christi im Genuss dieser Freude. Der Gute Hirte hatte eben erst das von der Herde abgeirrte Schaf nach Hause gebracht, indem Er es mit Freuden auf seine Schultern legte, und noch war die Freude ganz und gar nicht auf Ihn allein beschränkt. Das Haus war noch nicht zusammengerufen worden, als die samaritische Frau, gerettet und glücklich, Ihn verließ. Die Jünger fühlten den eigentümlichen Charakter des Augenblicks. Das für den Altar Gottes bestimmte Fett, der reichste, vornehmste Teil des Festes, „die Speise Gottes“, war zubereitet; und die Jünger traten schweigend zur Seite. Es war in der Tat ein wunderbarer Augenblick, man findet nicht viele seinesgleichen. Die tiefe, unaussprechliche Freude des göttlichen Herzens offenbart sich hier, wie in Lukas 15 die öffentliche Freude des Himmels.

Aber Er, der auf solche Weise festlich gespeist werden konnte, war bisweilen müde, hungrig und durstig. Wir sehen das in demselben Kapitel (Joh 4) wie auch in Markus 4, jedoch mit dem Unterschied, dass Jesus in Markus 4 durch den Schlaf gestärkt und erquickt wird, während dies in Johannes 4 ohne irgendein äußeres Mittel geschieht. Und warum dieser Unterschied? In Markus hatte der Herr einen mühevollen Tag zurückgelegt und am Abend fühlte Er sich müde und erschöpft, wie dies bei der menschlichen Natur nach einem schweren Tagewerk der Fall ist. „Der Mensch geht aus an sein Werk und an seine Arbeit, bis zum Abend“ (Ps 104,25). Dann ist der Schlaf für ihn vorgesehen, damit er für den Dienst des wiederkehrenden Tages gestärkt und erquickt werde. Jesus erprobte alle diese Dinge. Er war im Schiff auf einem Kopfkissen eingeschlafen.

In Johannes 4 ist Er ebenfalls ermüdet und hat zugleich Hunger und Durst. Er setzt sich wie ein müder Reisender an dem Brunnen nieder und wartet auf die Rückkehr der Jünger mit Speise aus der benachbarten Stadt. Doch als diese zurückkehrten, finden sie den Herrn erquickt und ausgeruht, und zwar ohne dass Er gegessen oder getrunken oder geschlafen hätte. Seine Müdigkeit hatte eine Erfrischung gefunden, die Ihm der Schlaf nicht hätte verschaffen können. Er war dadurch glücklich gemacht worden, dass Er in der Seele einer armen Sünderin eine Frucht seiner Arbeit gefunden hatte; die Frau war fortgegangen in der Freiheit des Heils Gottes. In Markus aber findet sich keine samaritische Frau, und der Herr macht deshalb in seiner Müdigkeit von einem Kopfkissen Gebrauch.

Wie wahr und wie übereinstimmend ist dies alles mit den Erfahrungen unserer menschlichen Natur! Wir fassen es sehr leicht. In Johannes 4 war, wenn ich mich so ausdrücken darf, das Herz des Herrn fröhlich, während in Markus 4 nichts vorhanden war, was Ihn hätte fröhlich stimmen können; und die Heilige Schrift sagt (und unsere Erfahrungen bestätigen die Wahrheit dieses Wortes): „Ein fröhliches Herz bringt gute Besserung, aber ein zerschlagener Geist vertrocknet das Gebein“ (Spr 17,22). Der Herr konnte daher in dem einen Fall sagen: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt“, während Er in dem anderen von einem Kopfkissen Gebrauch machte, das liebende Sorge für seine Ermüdung herbeigeschafft hatte.

Wie vollkommen in allen ihren Empfindungen war die durch den Sohn Gottes angenommene Menschheit! Gewiss, es war ganz und gar die menschliche Natur, nur ohne Sünde.

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Aus The Moral Glory of the Lord Jesus Christ


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