Das Evangelium nach Johannes (14)
Kapitel 14

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 30.05.2026

Welchen Nutzen würden die Jünger davon haben, dass der Herr zum Vater zurückkehrte und den Heiligen Geist sandte (Joh 14)?

Dieses Kapitel besteht aus zwei Teilen, die die beiden großen Gegenstände des Christentums kennzeichnen:

  1. der Weg des Herrn zum Vater (Joh 14,1-14)
  2. das Kommen des Geistes, um in den Gläubigen auf der Erde zu wohnen (Joh 14,15-31)

In Apostelgeschichte 1 und 2 sehen wir, wie dies erfüllt wurde: In Kapitel 1 fährt der Herr zum Vater im Himmel auf, und in Kapitel 2 wird der Heilige Geist herabgesandt, um [in den Gläubigen] auf der Erde zu wohnen (vgl. Joh 7,39 „Dies aber sagte er von dem Geist, den die an ihn Glaubenden empfangen sollten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“).

Der Herr hatte seinen Jüngern angekündigt, dass Er sie verlassen und zu seinem Vater zurückkehren würde (Joh 13). Er wusste, dass ihr Herz „bestürzt“ würde (Joh 14,1 „Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!“), wenn Er sie verließ, und deshalb versuchte Er, sie zu trösten, indem Er ihnen all das vor Augen führte, was sie gewinnen würden, wenn Er wegginge und der Vater den Heiligen Geist senden würde [Joh 14,16.26 „und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit,“ „Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“].

Wir können die Bestürzung der Jünger gut verstehen. Sie erwarteten, dass der Herr das Reich aufrichten würde, wie es in den Schriften der alttestamentlichen Propheten verheißen worden war. Aber nun, da Er fortgehen würde, waren all ihre Pläne und Hoffnungen zunichtegemacht. Um dem zu begegnen, richtete der Herr ihre Herzen nach oben und sprach von nicht weniger als zwölf Dingen, die sie gewinnen würden, wenn Er wegginge, und die dem überlegen waren, was sie in Ihm als ihrem Messias auf der Erde hatten. Diese besseren christlichen Dinge würden ihnen nicht zuteilwerden, wenn Er bei ihnen bliebe. Daher war es notwendig, dass Er wegging. Das sollte ihre aufgewühlten Herzen beruhigen und ihnen das Vertrauen geben, dass das, was der Herr tat, das Beste für sie war.

1. Sie würden den Herrn auf eine bessere Weise erkennen (V. 1)

Vers 1

Der Herr sagte:

Joh 14,1: Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!

Was sie im Judentum kannten, war der Glaube an Gott, aber der Glaube an den Herrn Jesus ist das, was das Christentum auszeichnet. Es bedeutet, an Ihn als Gegenstand des Glaubens zu glauben.[1] So wie sie in alttestamentlichen Zeiten an Gott, den sie nicht sehen konnten, geglaubt hatten, so sollten sie jetzt, da der Herr wegging, an Ihn glauben, den sie dann ebenfalls nicht mehr sehen würden.

Ihn als einen Menschen in der Herrlichkeit zu kennen, würde bedeuten, eine Beziehung zu Ihm zu haben, die gesegneter war als alles, was die Jünger von Ihm als ihrem Messias auf der Erde erhoffen konnten. Deshalb sollten sie ihre irdische Beziehung zu Ihm zugunsten einer neuen, besseren, himmlischen Beziehung aufgeben. Der Apostel Paulus weist darauf hin, wenn er schreibt: „Daher kennen wir von nun an niemand dem Fleisch nach; und wenn wir Christus dem Fleisch nach gekannt haben, kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so.  Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2Kor 5,16-17). Den Herrn in der Höhe als das verherrlichte Haupt der neuen Schöpfung zu kennen, ist also besser, als Ihn auf der Erde als Messias zu haben.

2. Sie würden einen Platz haben, der für sie oben im Haus des Vaters vorbereitet ist (V. 2-3)

Vers 2

Der Herr fuhr fort und sagte:

Joh 14,2: In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. 

Jeder gottesfürchtige Jude strebte nach einem Platz im Reich des Messias auf der Erde, aber einen Platz im Haus des Vaters zu haben, übertrifft den besten Platz, den man auf der Erde haben kann. Die vielen „Wohnungen“, von denen der Herr spricht, sind ein Bild aus dem Tempel Salomos. Der Tempel wurde mit drei Stockwerken von Kammern gebaut, in denen die Priester, die Leviten usw. während ihrer Dienstzeit im Tempel wohnen konnten (1Kön 6). So wie der Tempel viele Kammern hatte, so hat auch das Haus des Vaters viele Wohnungen. Diese Kammern im Tempel ermöglichten es den Priestern, in der Gegenwart des HERRN zu verweilen, und so werden die Wohnungen im Haus des Vaters den Gläubigen einen besonderen Ort der Nähe zum Vater geben.

Der Eintritt des Herrn in das Haus des Vaters hat diesen Ort für uns vorbereitet. Er ist dort als verherrlichter Mensch, und so hat Er durch sein bloßes Eintreten in das Haus des Vaters den Weg für ein ganzes Geschlecht verherrlichter Menschen unter Ihm geöffnet,[2] damit sie Ihm dorthin folgen. Die Gläubigen, die gestorben sind und deren Seelen und Geister sich im Zwischenzustand befinden, sind beim Herrn im Himmel (Lk 23,43 „Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“; 2Kor 5,6-8 (6) So sind wir nun allezeit guten Mutes und wissen, dass wir, während wir einheimisch in dem Leib sind, von dem Herrn ausheimisch sind (7) (denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen); (8) wir sind aber guten Mutes und möchten lieber ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn sein.“; Phil 1,23 „Ich werde aber von beidem bedrängt, indem ich Lust habe, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser;“), doch sie sind noch nicht im Haus des Vaters – sie warten noch auf ihre Verherrlichung.

Vers 3

Der Herr spricht dann darüber, wann die Gläubigen in das Haus des Vaters eingehen werden:

Joh 14,3: Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.

Hier ist die Rede von der Entrückung (1Thes 4,15-18 (15) (Denn dieses sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. (16) Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; (17) danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. (18) So ermuntert nun einander mit diesen Worten.)“), bei der „dieses Verwesliche {die verstorbenen Heiligen} … Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche {die lebenden Heiligen} Unsterblichkeit anziehen“ wird. Diese Verherrlichung der Gläubigen wird „in einem Nu“ geschehen und es ihnen ermöglichen, dann in das Haus des Vaters einzugehen (1Kor 15,52-54 (52) in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. (53) Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. (54) Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: „Verschlungen ist der Tod in Sieg.““). Einfach ausgedrückt: Das Kreuz hat die Gläubigen auf den Ort vorbereitet, und die Himmelfahrt des Herrn hat den Ort für die Gläubigen vorbereitet.[3]

Dies ist das erste von drei Kommen des Herrn in diesem Kapitel, die sehr unterschiedlich sind:[4]

  • Er kommt, um die Gläubigen bei der Entrückung zu sich zu holen (Joh 14,3 „Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.“).
  • Er kommt in einer göttlichen Heimsuchung zu den Seinen kollektiv, wenn sie als Versammlung versammelt sind (Joh 14,18 „Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch.“ – „euch“ ist Plural).
  • Er kommt zu den Seinen, um ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf die Atmosphäre im Haus des Vaters zu geben, während sie darauf warten, dass der Herr sie dorthin ruft (Joh 14,23 „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“).

Natürlich ist das Wohnen in den Wohnungen im Haus des Vaters im Himmel ein unglaublicher Fortschritt gegenüber dem, was sie im Judentum hatten. Die Priester lebten ja nur vorübergehend in den Kammern, weil sie in ihren 24 Abteilungen dienten (jeder diente zwei Wochen im Jahr), doch die Wohnstätten im Haus des Vaters sind ewige Wohnstätten!

3. Sie würden den Vater durch das ewige Leben inniger kennenlernen (V. 4-11)

Verse 4-6

Der Herr sagte dann zu den Aposteln, die unter seinem Dienst standen, dass sie den Weg zum Vater kannten:

Joh 14,4-6: 4 Und wohin ich gehe, wisst ihr, und den Weg wisst ihr. 5 Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.

Er rechnete ihnen das zu, weil sie seine Worte wahrhaftig angenommen hatten, auch wenn sie nicht viel verstanden. Thomas dachte, dass der Herr den Weg zum Himmel meinte, und fragte: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, und wie können wir den Weg wissen?“ Der Herr erklärte seine Aussage mit den Worten: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ Viele Christen sehen diesen Vers als eine Aussage im Zusammenhang mit dem Evangelium. Sie denken, der Herr habe damit sagen wollen, dass es nur einen einzigen Weg für einen Menschen gibt, zu Gott zu kommen und gerettet zu werden, und zwar indem er Christus als seinen Retter annimmt. Das ist zwar richtig (Apg 4,12 „Und es ist in keinem anderen das Heil, denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen.“), aber das ist nicht das, worüber der Herr hier spricht. Er spricht nicht davon, wie wir im Sinne des Evangeliums errettet werden (denn die Elf waren bereits errettet), sondern davon, dass wir eine Beziehung zu Gott als unserem Vater haben. Das war für die Juden etwas völlig Neues. Sie kannten Gott als Jahwe, den Allmächtigen, usw., aber nicht als Vater.

Der Herr sagte, dass Er „der Weg“ zum Vater ist, denn bevor man Gott als Vater kennen kann, muss man Christus als den Sohn Gottes kennen. Er ist auch „die Wahrheit“ über den Vater, denn Er war gekommen, um den Vater zu offenbaren, das heißt die Person des Vaters und sein Wesen (Joh 1,18 „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.“). Ebenso ist Christus „das Leben“, das heißt die Lebenskraft, durch die wir die Wahrheit des Vaters genießen. Der Herr will mit seinen Worten deutlich machen, dass es keine andere Möglichkeit gibt, eine Beziehung zum Vater zu haben als nur durch den Sohn.

Verse 7-9

Joh 14,7-9: 7 Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns. 9 Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, und wie sagst du: Zeige uns den Vater?

Der Herr fuhr fort und sagte: „Wenn ihr mich erkannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Philippus dachte, dass der Herr davon sprach, dass sie den Vater mit ihren physischen Augen sehen würden, und sagte: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ Doch der Herr sagte: „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Mit diesen Worten machte der Herr deutlich, dass Er ihnen in seinem Leben und Dienst den Charakter und die Wege des Vaters offenbart hatte. Kein Mensch hat Gott in seinem innersten Wesen gesehen, und kein Mensch wird Ihn jemals in dieser Weise sehen (Joh 1,18 „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.“; 1Tim 6,16 „der allein Unsterblichkeit hat, der ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann, dem Ehre sei und ewige Macht! Amen.“). Doch der Herr Jesus hat Gott in seiner ganzen Vollkommenheit „kundgemacht“, und so ist alles, was Gott in seiner Person ist, offenbart worden.

Verse 10-11

Joh 14,10-11: 10 Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst aus; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke. 11 Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt mir um der Werke selbst willen.

Der Herr sprach dann von der vollkommenen Einheit, die zwischen Ihm und dem Vater besteht, und erklärte: „Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst aus; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke.“ In Anbetracht dieser großen Tatsache sagte er: „Glaubt mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist.“ Für den Fall, dass ihr Glaube damit Schwierigkeiten haben sollte, ergänzt Er: „So glaubt mir um der Werke selbst willen.“

Der Herr stellte durch seinen Dienst den Jüngern den Vater vor. In diesem Kapitel haben wir:

  • das Haus des Vaters (Joh 14,2 „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten.“)
  • die Werke des Vaters (Joh 14,10 „Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst aus; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke.“)
  • die Herrlichkeit des Vaters (Joh 14,13 „Und um was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn.“)
  • die Liebe des Vaters (Joh 14,23 „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“)
  • die Worte des Vaters (Joh 14,24 „Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht; und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.“)
  • die Größe des Vaters (Joh 14,28 „Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich.“)
  • das Gebot des Vaters (Joh 14,31 „aber damit die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und so tue, wie mir der Vater geboten hat. – Steht auf, lasst uns von hier weggehen!“)

4. Sie würden größere Werke tun als der Herr (V. 12)

Vers 12

Joh 14,12: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.

Noch eine andere Sache würden die Jünger haben, wenn der Herr wegginge und der Geist gesendet würde: Sie würden die Werke tun, die der Herr in seinem Dienst getan hatte, und sogar noch größere Werke! Er sagte: „Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue.“ Der Herr hatte die Tochter des Jarius von den Toten auferweckt [Lk 8,41-42.49-56], ebenso den Sohn der Witwe von Nain [Lk 7,11-17] und Lazarus [Joh 11,1-44]. Petrus hatte das nachgeahmt und Dorkas von den Toten auferweckt [Apg 9,36-41].

Der Herr fügt hinzu: „… und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ Einige Beispiele dafür:

  • Auf die Predigt des Petrus am Pfingsttag bekehrten sich dreitausend Menschen (Apg 2,41 „Die nun sein Wort aufnahmen, wurden getauft; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan.“).
  • Als Petrus durch die Straßen Jerusalems ging, wurden Kranke geheilt, wenn nur sein Schatten auf sie fiel (Apg 5,15 „so dass sie auch die Kranken auf die Straßen hinaustrugen und auf Betten und Lager legten, damit, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten einen von ihnen überschatten möge.“)!
  • Die „Schweißtücher“ des Paulus wurden auf die Kranken gelegt, woraufhin sie geheilt wurden (Apg 19,12 „so dass man sogar Schweißtücher oder Schürzen von seinem Leib weg auf die Kranken legte und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren.“)!

Wir lesen nicht, dass der Herr diese Dinge in seinem Dienst getan hätte. Der Herr hätte zwar die Macht dazu gehabt, doch Er unterließ es, damit die Apostel diese Machterweisungen zeigen konnten, nachdem der Geist gekommen war.

5. Sie würden eine neue Macht im Gebet haben (V. 13-14)

Verse 13-14

Darüber hinaus würden sie eine größere Macht im Gebet haben, weil sie Zugang zum Vater hatten. Er sagte:

Joh 14,13-14: 13 Und um was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. 14 Wenn ihr um etwas bitten werdet in meinem Namen, werde ich es tun.

Er gab den Jüngern die Verheißung, zu tun, worum sie Ihn baten, wenn sie in seinem Namen bitten würden. Das bedeutete nicht, dass ihnen automatisch alles gewährt würde, worum sie baten. Der Herr fügte eine Reihe von Einschränkungen hinzu: Es müsste etwas sein, was den Vater im Sohn verherrlicht und dem Charakter seiner Person entspricht, für den sein Name steht. Wir dürfen seinen Namen in unsere Gebete aufnehmen, aber das bedeutet weit mehr, als nur seinen Namen am Ende unseres Gebetes auszusprechen. Es bedeutet: Wir können nicht um etwas Fleischliches und Weltliches bitten und erwarten, dass wir es erhalten; solche Dinge entsprechen nicht dem Charakter der Person des Herrn (Jak 4,3 „ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Begierden vergeudet.“).

Vers 15

Die Dinge, die in der zweiten Hälfte des Kapitels folgen, haben viel mit Gehorsam zu tun, und deshalb sagt der Herr:

Joh 14,15: Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote; …

Die Liebe wird sich im Gehorsam zeigen.

6. Der Geist würde bei und in den Jüngern sein (V. 16-17)

Verse 16-17

Der Herr fuhr fort, von einer anderen Sache zu sprechen, die die Jünger durch den Heiligen Geist haben würden, der sie mit dem Herrn selbst an dem neuen Ort verbindet, an den Er gehen würde:

Joh 14,16-17: … 16 und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Während der Herr bei den Jüngern gewesen war, hatte Er für all ihre Bedürfnisse gesorgt (Lk 22,35 „Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel und Tasche und Sandalen sandte, fehlte es euch wohl an etwas? Sie aber sagten: An nichts.“), aber nun, da Er zum Vater ginge, würde Er sie in die Hände der Person des Heiligen Geistes legen, der sich ebenfalls um sie kümmern würde, und zwar als ihr „Sachwalter/Tröster“ (life manager). 

Sie würden die Gegenwart des Geistes auf zweierlei Weise erfahren: „bei“ ihnen und „in“ ihnen. Dass der Geist bei ihnen gegenwärtig war, hatten sie in gewissem Maße bereits erfahren. Da der Geist bei der Taufe auf den Herrn gekommen war und sie mit dem Herrn gingen, während Er wirkte, hatten sie die Gegenwart des Geistes bei sich (Joh 1,32-33; 6,27 (1:32) Und Johannes zeugte und sprach: Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herniederfahren, und er blieb auf ihm. (1:33) Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf wen du den Geist herniederfahren und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft.“ „(6:27) Wirkt nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die bleibt ins ewige Leben, die der Sohn des Menschen euch geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott, versiegelt.“). Deshalb sagte der Herr: „Er {der Geist} bleibt bei euch.“ Aber dann würden sie noch etwas anderes in Verbindung mit der Gegenwart des Geistes haben: „Er wird in euch sein.“ Dies ist die Innewohnung des Heiligen Geistes, die sie bald erfahren würden.

Das Christentum ist dadurch gekennzeichnet, dass es den Geist auf beide Arten hat (vgl. Apg 2,2-4 (2) Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie von einem daherfahrenden, gewaltigen Wind, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. (3) Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen. (4) Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“). Am Pfingsttag „erfüllte der Geist das ganze Haus“, in dem sich die Apostel befanden, und auch sie wurden „mit dem Heiligen Geist erfüllt“. Im Christentum ruht der Geist „auf“ den Gläubigen (1Pet 4,14 „Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch.“) und wohnt auch „in“ den Gläubigen (1Joh 3,24 „Und wer seine Gebote hält, bleibt in ihm, und er in ihm; und hieran erkennen wir, dass er in uns bleibt, durch den Geist, den er uns gegeben hat.“). Im Judentum kam der Heilige Geist auf jemand herab, um ihn zu einem bestimmten Zweck zu bewegen, und verließ ihn dann wieder (2Pet 1,21 „Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Menschen Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geist.“), aber im Christentum ist der Geist bei uns und in uns „in Ewigkeit“!

7. Sie würden die Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte gemeinsam erleben (V. 18)

Vers 18

Mit der Gegenwart des Geistes ist darüber hinaus verbunden, dass der Herr regelmäßig in ihre Mitte kommen würde, wenn sie versammelt sind. Der Herr sagte:

Joh 14,18: Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch.

„Euch“ steht im Plural und bezieht sich also auf die Jünger als eine Gemeinschaft von Gläubigen. Dass der Herr zu ihnen kommt, wie Er hier sagt, geschieht nicht dadurch, dass Er leiblich gegenwärtig wäre, sondern im Geist. Matthäus spricht davon: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Dies ist so während der gesamten Zeit, wo der Herr leiblich abwesend ist. „Ich komme zu euch“ – dies deutet darauf hin, dass die Jünger die Gegenwart des Herrn unter ihnen genießen würden.

8. Sie würden aus seinem Leben in der Höhe leben (V. 19)

Vers 19

Weil der Geist kommen würde, würden sie das Auferstehungsleben des Herrn haben, weil sie durch den Geist mit dem Herrn verbunden sein würden. Der Herr sagte:

Joh 14,19: Noch eine kleine Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben. 

Sie würden also (geistlich) leben, weil Er lebt. Außerdem würden sie durch seine Fürsprache in der Höhe in diesem Leben aufrechterhalten werden (Röm 5,10; 8,34 (5:10) Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.“ „(8:34) wer ist es, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der [auch] auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.“; Heb 7,25 „Daher vermag er diejenigen auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden.“).

9. Sie würden in Christus eine neue Stellung haben (V. 20)

Vers 20

Joh 14,20: An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

Sie würden in Christus vor Gott auch angenommen sein („ihr in mir“) und sein Charakter würde durch den Geist hier auf der Erde in ihnen geformt werden („ich in euch“). 

10. Sie würden Gemeinschaft mit Ihm und dem Vater genießen (V. 21-24)

Verse 21-24

Joh 14,21-24: 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. 22 Judas, nicht der Iskariot, spricht zu ihm: Herr, und was ist geschehen, dass du dich selbst uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. 24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht; und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.

Durch das Kommen des Geistes würden die Jünger innige Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Vater genießen können, auch wenn sie leiblich von Ihm getrennt sein würden. In diesen Versen wendet sich der Herr an die Jünger ganz persönlich, denn Gemeinschaft ist etwas Individuelles. Er hatte das Wort „ihr“ (Plural) verwendet; jetzt wechselt Er zu „ihn/ihm“ und „wer“: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren.“ Als Judas (nicht der Iskariot) dies hörte, fragte er, wie der Herr sich ihnen offenbaren würde, ohne dass die Welt es sehen würde. Der Herr beantwortete seine Frage jedoch nicht, denn die Jünger würden die Antwort nicht verstehen, bevor der Geist gekommen war. Er wies jedoch darauf hin, dass dieses wunderbare Vorrecht von ihrem Gehorsam abhängig wäre: „Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ Das bedeutet: Wir können nicht nachlässig und leichtfertig in dieser Welt wandeln und erwarten, Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn zu genießen (1Joh 2,15 „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm;“). Er kann uns diese Freude nicht gewähren, wenn wir auf Wegen der Ungerechtigkeit wandeln, denn das würde bedeuten, dass Er es billigen würde, wenn wir ein Leben nach dem Fleisch führen.

Der Herr verwendet in diesen Versen drei Ausdrücke, die eng miteinander verbundene Dinge im Zusammenhang mit Gehorsam bezeichnen:

  • „Gebote“ (Joh 14,21) 
    Bei diesen Geboten handelt es sich nicht um die zehn Gebote des mosaischen Gesetzes, sondern um die verbindlichen Lehren des Herrn, die Er in seinem Dienst gegeben hat. Er nennt diese Lehren „Gebote“, denn wenn der Herr seine Gedanken kundtut, haben sie für diejenigen, die Ihn lieben, die Kraft eines Gebots (2Sam 23,15-17 (15) Und David hatte ein Verlangen und sprach: Wer wird mir Wasser zu trinken geben aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist? (16) Da brachen die drei Helden durch das Lager der Philister und schöpften Wasser aus der Zisterne von Bethlehem, die am Tor ist, und trugen und brachten es zu David. Aber er wollte es nicht trinken und goss es dem HERRN als Trankopfer aus; (17) und er sprach: Fern sei es von mir, HERR, dass ich solches tue! Ist es nicht das Blut der Männer, die unter Lebensgefahr hingegangen sind? Und er wollte es nicht trinken. Das taten die drei Helden.“).
  • „Wort“ (Joh 14,23)
    Dies bezieht sich auf die konkreten Einzelheiten der Wahrheit.
  • „Worte“ (Joh 14,24)
    Das ist die allgemeine Bedeutung der Wahrheit als Ganzes.  

Das Wort „Wohnung“ in Johannes 14,23 „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“ ist dasselbe Wort, das in Johannes 14,2 „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten.“ für „Wohnungen“ verwendet wird. Das bedeutet: Der Vater und der Sohn geben dem Gläubigen auf dem Weg der persönlichen Gemeinschaft einen Vorgeschmack auf die Freuden des Hauses des Vaters, während er noch durch diese Welt geht! So wird der gehorsame Gläubige den Himmel genießen, bevor er dort ankommt! Auf diese Weise würden die Jünger durch den Heiligen Geist mit dem Himmel in Verbindung bleiben.

11. Sie würden eine größere Entfaltung der Wahrheit haben (V. 25-26)

Verse 25-26

Der Herr hatte den Aposteln noch mehr Wahrheit mitzuteilen, tat es aber nicht, weil Er wusste, dass sie nicht in der Lage sein würden, sie aufzunehmen. Wenn jedoch der Geist käme, würde dieser sie befähigen, die Wahrheit zu empfangen (Joh 16,12-14 (12) Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. (13) Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. (14) Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen.“; 1Kor 2,13-16 (13) die wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel. (14) Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird; (15) der geistliche aber beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt; (16) denn „wer hat den Sinn des Herrn erkannt, der ihn unterweise?“ Wir aber haben Christi Sinn.“). Deshalb sagte der Herr:

Joh 14,25-26: 25 Dies habe ich zu euch geredet, während ich bei euch bin. 26 Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Was der Herr in seinem Dienst in den synoptischen Evangelien lehrt, ist vorwiegend die Wahrheit des Reiches; Er bringt nicht die Lehre des Paulus und nicht die Wahrheit des Geheimnisses. Der Schreiber des Hebräerbriefs nennt das, was der Herr in seinem irdischen Dienst lehrte, „das Wort von dem Anfang des Christus“ (Heb 6,1). Dies weist eindeutig darauf hin, dass es noch mehr Wahrheit zu verkündigen gab. Der Herr bezieht sich auf seinen irdischen Dienst, wenn Er sagt: „Dies habe ich zu euch geredet“, aber wenn der Geist käme, würde dieser den Jüngern „die ganze Wahrheit“ offenbaren (Joh 16,13 „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“). „Die ganze Wahrheit“ würde eine vollständige Offenbarung der Lehre des Paulus und der Lehre des Geheimnisses sein. Wenn der Geist käme, würden sie also eine größere Entfaltung der Wahrheit erfahren. Gott würde ihnen dann nicht nur mehr Wahrheit offenbaren, sondern der Geist würde sie auch an die Dinge erinnern, die der Herr sie gelehrt hatte, und ihnen auch ein klares Verständnis davon geben.

12. Sie würden seinen Frieden mit sich haben (V. 27)

Vers 27

Zum Abschluss seiner Rede fügte der Herr noch hinzu, was die Jünger darüber  hinaus haben würden, wenn Er wegginge und der Geist gesendet würde: Er würde ihnen seinen Frieden geben, während sie durch diese böse Welt gingen.

Joh 14,27: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.

Die Ruhe und Gelassenheit, mit der der Herr Widerstand und Verfolgung begegnete, würde auch ihnen zuteilwerden. Das zeigt, dass Er nicht wollte, dass sie in Angst lebten, während Er fort war. Dieser Friede, den der Herr geben würde, würde daraus resultieren, dass die Jünger wussten, dass alles in seiner Hand lag, und sie sich allem unterwarfen, was Gott in ihrem Leben zuließ, denn „sein Weg ist vollkommen“ (Ps 18,31). Der Herr schloss seine Rede mit den Worten, mit denen Er sie begonnen hatte: „Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.“

Verse 28-31

Joh 14,28-31: 28 Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich. 29 Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit, wenn es geschieht, ihr glaubt. 30 Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir; 31 aber damit die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und so tue, wie mir der Vater geboten hat. – Steht auf, lasst uns von hier weggehen!

Dann kam Er auf sein Weggehen und sein Wiederkommen zurück. Er sagte, dass sie, wenn sie Ihn wirklich lieben und verstehen würden, was sein Weggehen bedeutete, sich freuen würden, denn es bedeutete, dass die Zeit seines Leidens vorbei war und Er in die Gegenwart des Vaters im Haus des Vaters zurückkehren würde. Dann fügte Er hinzu: „Denn der Vater ist größer als ich.“ Der Vater war in seiner Stellung größer als der Herr, denn als der Herr als Mensch in diese Welt kam, nahm Er einen Platz der Unterordnung ein, der für den Menschen im Verhältnis zu Gott richtig und angemessen ist. Aber wir dürfen nicht denken, dass Er mit seiner Menschwerdung aufhörte, weniger zu sein, als Er als Gott war. Der Herr war Gott, dem Vater, in seiner göttlichen Natur gleich (Joh 5,30 „Ich kann nichts von mir selbst aus tun; so, wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“; Phil 2,6 „der, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein,“). Der Vater war also in seiner Stellung größer als der Herr, aber nicht persönlich größer.

Dann kündigte der Herr an, dass „der Fürst der Welt“ kommen würde, um Ihn zu verführen. Er sagte es den Jüngern, bevor es geschah, um ihren Glauben an seine Gottheit zu stärken, denn nur Gott weiß die Dinge, bevor sie geschehen (Joh 14,29 „Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit, wenn es geschieht, ihr glaubt.“): „Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir.“ Satan (der Fürst dieser Welt) war dem Herrn zu Beginn seines Dienstes entgegengetreten mit dem Ziel, Ihn davon abzuhalten, Gottes Willen zu tun – nämlich hinauszugehen, um zu predigen, zu lehren und zu heilen. Da ihm dies nicht gelungen war, wich Satan von Ihm „für eine Zeit“ (Lk 4,1-13). Dies war die gesamte Dauer des öffentlichen Dienstes des Herrn. Während dieser Zeit trat Satan Ihm nicht öffentlich entgegen, obwohl der Herr auf seinem Weg des Dienstes auf viel Widerstand von Dämonen (Satans Abgesandten) stieß. Doch nun, da sein öffentlicher Dienst beendet war und Er kurz davor stand, ans Kreuz zu gehen, kehrte Satan zurück mit dem Ziel, den Herrn davon abzubringen, den Willen des Vaters zu tun, indem Er ans Kreuz ging, um für die Sünde zu sühnen. Mit den Worten „Der Fürst der Welt hat nichts in mir“ bezieht der Herr sich darauf, dass es in Ihm nichts gab (keine gefallene sündige Natur), womit Satan arbeiten konnte. Die Schrift sagt: „Sünde ist nicht in ihm“ (1Joh 3,5). Es gab im Herrn also nichts, was auf die Versuchungen Satans reagieren konnte.

Der Herr spricht davon, dass seine Liebe zum Vater so groß ist, dass sie sich in seinem Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters zeigt: „Ich liebe den Vater und tue so, wie mir der Vater geboten hat.“


Originaltitel: „Things the disciples gained by the Lord going back to the father and sending the Holy Spirit“ 
in The Gospel of John. The Lord Jesus Christ, God Incarnate. 
Hamer Bay: Christian Truth Publishing, 2024.

Übersetzung: Stephan Isenberg

Anmerkungen

[1] Darby-Übersetzung, Fußnote zu 2. Timotheus 1,12: “Followed by eis with an accusative, as frequently in John, it is to believe on a person as an object of faith, as John 14:1.”

[2] Anm. d. Red.: H. Smith schreibt: 

Am Kreuz machte Er sein Volk für diese Stätte bereit und seine Gegenwart in der Herrlichkeit macht diese Stätte für sein Volk bereit. (H. Smith, Das wahrhaftige Licht. Eine Auslegung des Johannesevangeliums, Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung, 2018, S. 347)

[3] „Ich werde wiederkommen“, wie es in der King-James-Bibel heißt, lässt sich besser übersetzen mit: „So komme ich wieder“ (so wie es die CSV- Elberfelder wiedergibt; Anm. d. Red.), was unterstreicht, dass sein Kommen unmittelbar bevorsteht.

[4] Precious Things, Jg. 9, 1964, S. 176.

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