Es kommt darauf an, was du bist, nicht auf das, was du sagst
Epheser 5,8; Matthäus 6,22-23

James Butler Stoney

© SoundWords, online seit: 15.12.2009

Leitverse: Epheser 5,8; Matthäus 6,22.23

Eph 5,8: Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn.

Mt 6,22.23:
22 Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; 23 wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein.

Es ist eine große Gnade von Gott durch den Herrn Jesus Christus, dass ein jeder von uns in der Welt ein Licht sein kann, wo wir einst Finsternis waren und zu derselben beigetragen haben: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn“ (Eph 5,8). Abgesehen davon, dass der Leuchter, der das Licht der Gesamtheit darstellt (Off 2,5), weggenommen worden ist, dürfen wir immerhin Licht sein. Jetzt, wo der Leuchter nicht mehr da ist, ist unsere persönliche Verantwortlichkeit gegenüber der Gnade, die der Herr uns geschenkt hat, um so größer.

Das Licht besitzt die besondere Eigenschaft, dass es alles in seinem wahren Charakter gemäß den Gedanken Gottes erscheinen lässt. Wenn nun vom Licht die Rede ist, so müssen wir bei uns selbst zuerst anfangen. „Wenn dein Auge einfältig“, d.h. auf Christus gerichtet ist, so dass Christus dein Gegenstand ist, „so ist der ganze Leib Licht und hat keinen finsteren Teil.“ Wir erscheinen, ein jeder für sich, in einem ganz anderen Licht. Es kommt nicht bloß auf das an, was wir sagen, sondern darauf, was wir sind. Einer, der Licht von Gott empfangen hat, erfährt allmählich, wie wenig er alles in demselben göttlichen Licht betrachtet hat. Während er in dem Licht wandelt, muss er jetzt manches verurteilen, worüber er früher hinwegsah.

Die erste praktische Wirkung des Lichtes, wie wir in Johannes 9 sehen, besteht darin, uns von den menschlichen Begriffen von Gott zu befreien. Nur in dem Bereich des Lichtes erfreuen wir uns des Herrn selbst, als der Quelle desselben (Joh 9,35-38). Das Licht bringt uns in erster Linie in Verbindung mit Gott, und zeigt uns, wie wir Ihm wohlgefällig sein können. Wir haben zu lernen, dass alle religiösen Verbindungen, die nicht im Geist bestehen, Gott nicht wohlgefällig sind und nicht mit dem Licht übereinstimmen. Absonderung von all dem, was in unseren Beziehungen zu Ihm, nicht nach seinen Gedanken, ist, kennzeichnet die erste Wirksamkeit des Lichts, und dies wird gewiss in unseren irdischen und häuslichen Verhältnissen zum Ausdruck kommen. Wir werden uns dann von dem fernhalten, was uns einst harmlos und zulässig erschien. Aber je mehr wir die neue Stellung verstehen, worin wir uns befinden, desto tiefer ist das Gefühl unserer Verantwortlichkeit, den besonderen Charakter dieser großen Gnade, die uns zuteilgeworden ist, festzuhalten. Um dieses in Abhängigkeit von dem Herrn zu tun, werden wir von Ihm ermutigt, damit wir nicht allein den Gedanken Gottes in Bezug auf unsern Platz in der Gemeinde entsprechen, sondern auch in dem Irdischen Ihm wohlgefällig sind. Nur in dem Maße, in dem wir im Irdischen treu sind, werden wir unsere Mitmenschen beeinflussen können.

Es ist auffallend, wie jemand, der nach dem Licht sucht, sich zu dem hingezogen fühlt, der solches besitzt. Aber je mehr er zu einem solchen, der Licht hat, hingezogen wird, desto eingehender prüft er ihn und seine ganze Umgebung, um zu sehen, ob er wirklich seinem Licht gemäß handelt und wandelt. Als ich vor vielen Jahren einen Vortrag über Apostelgeschichte 16 gehalten hatte, sagte mir ein guter Freund: „Dein Vortrag sprach sehr an, doch es bemerkte jemand, dass er gerne wissen möchte, was für ein Mann du in deinem Hause bist.“

Zum Dritten möchte ich hier auf den Diener zu sprechen kommen. Wenn ein Diener in irgendeiner Weise den verdorbenen Neigungen dieser Welt nachgibt, so verdirbt er nur das Licht und zerstört mit eigener Hand seinen Einfluss als Diener, weil er „einen finstern Teil“ hat. Vielleicht hindert ihn nur eine natürliche, nicht überwundene Neigung, der Ausdruck des Lichtes zu sein. Dieser finstre Teil ist wirklich ein Prüfstein für jeden Gläubigen und lässt sich nicht dadurch beseitigen, dass man in sich kehrt oder mit anderen Worten sich mit dem alten Menschen beschäftigt. Dies würde nur Unwissenheit über die Grundwahrheiten des Werkes Christi verraten. Wie kann ich mich mit dem beschäftigen, was vor den Augen Gottes hinweggetan worden ist? Der finstre Teil, die Frucht der Wirksamkeit des Fleisches, wird sicherlich nicht dadurch entfernt, sondern vielmehr durch das Säen für den Geist (Gal 6,8). Wir wissen alle, was es heißt, für das Fleisch zu säen. Man sät in Erwartung auf eine gute Ernte. Menschen, die nach dem Licht verlangen, werden immer mehr nach demselben suchen, und da, wo Licht ist, wird auch die Absonderung sein, die mit Gott beginnt. Ich habe einen Prediger sagen hören, dass die Neubekehrten nicht länger als ein oder zwei Jahre in seiner Gemeinde blieben. Sie gehen dann, so erzählte er, anderswohin, um mehr Licht zu finden. Dem Herrn gefällt es, das Licht zu schenken. Es ist noch hier, und derjenige, der es zu schätzen weiß, erlangt es; er mag so unbekannt und bescheiden sein wie er will.

Ein Diener des Herrn, der wirklich Licht von Ihm empfangen hat, wird ganz besonders dadurch gekennzeichnet, dass er auf der positiven Wahrheit besteht. Er legt nicht allein groben Nachdruck darauf, dass der alte Mensch vor Gott hinweggetan worden ist, sondern er betont auch die Wahrheit von unserer Annahme bei Gott, deren wir uns jetzt schon durch den Geist erfreuen dürfen. Wir sind in Christus durch den Geist imstande, diese unsere Annahme zu genießen, wie wir es in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn sehen.

Bedenken wir, dass es mehr darauf ankommt, was ein Diener ist, als was er sagt; denn wenn etwas Dunkles an ihm ist, so wird dies seinen Dienst entkräftigen und ihm persönlich schaden. Er darf keinen „finstern Teil“ haben. Die Worte eines Dieners können andere nur in dem Maße beeinflussen, indem sie auf ihn selbst eingewirkt haben. Sein eigenes Leben muss vor allem von der Wahrheit dessen, was er lehrt, Zeugnis ablegen. Auch muss er eingedenk sein, dass diejenigen, die durch ihn bekehrt werden, ein gewisses Gepräge von ihrem geistlichen Vater empfangen. Man mag wohl imstande sein, die Wahrheit auszulegen, weil man sie studiert hat; aber wer von der Wahrheit selbst beherrscht wird, stellt sie lebendig dar. Wiederum, wenn dem Licht widerstanden und es verworfen wird, so ist der Widerstand da am hartnäckigsten, wo es am meisten nötig ist; denn „jeder, der Arges tut, hasst das Licht“.

Indes kann vielleicht jemand vorgeben, das Licht zu besitzen, da es doch nicht der Fall ist. Man kann einen solchen aber nicht dadurch zurechtweisen, dass man ihm widersteht, sondern indem man ihm aus der Schrift beweist, worin eigentlich das Licht besteht; dies wird ihn viel eher seinen Irrtum erkennen lassen. Auf diese Weise überführte Abel seinen Bruder Kain.

Es ist leicht, jemandem zu sagen: Du bist im Irrtum; aber es ist viel wichtiger, zu zeigen, was das Richtige ist; und wir können es nicht beweisen, wenn wir nicht selbst Licht sind. Freuen wir uns, dass der Herr das Licht ist, und wenn wir die Brüder lieben, so wandeln wir im Licht und kein Ärgernis ist in uns (1Joh 2,10). Wir sollen sein wie die Kinder Issaschar, „welche Einsicht hatten in die Zeiten, um zu wissen, was Israel tun sollte“ (1Chr 12,33). „Der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, das stets heller leuchtet bis zur Tageshöhe“ (Spr 4,18).


Aus dem Jahr 1896

Letzte Aktualisierung: 21.08.2016


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