Briefe zu verschiedenen Fragen
Themen: Ehe, Umgang mit Geld, Erfolg im Dienst, Hauptinteresse Christi, das Herz des Überrestes

James Butler Stoney

© SoundWords, online seit: 07.01.2007, aktualisiert: 11.09.2018

Erfolg im Dienst und Gottes Willen akzeptieren!

Das erste Kennzeichen eines Dieners Gottes

Das erste Kennzeichen eines Dieners Gottes ist „viel Geduld“ – der stete Tropfen „höhlt den Stein“. Ich empfinde, obwohl ich Diener, die Erfolg als Auftrieb für ihren Dienst brauchen, verurteile, dass ich selbst immer noch häufig entmutigt bin, weil ich keine Ergebnisse sehe; aber das beweist, dass ich für Lohn arbeite und nicht einfach für meinen Meister, indem ich seinen Willen tue. Es gibt in dieser Hinsicht etwas sehr Schönes auf dem Weg von Christus als Diener. Er kann Gott danken, auch wenn er da, wo er sich am meisten abgemüht hat, keinen Erfolg sieht. Das ist das „Joch“, das Er uns zu tragen aufgetragen hat; und wir werden „Ruhe“ (eine Wohnung) für unsere Seelen finden. Es mag zwei Klassen von Eigenwilligkeit in einem Diener geben:

Die erste ist, für sich selbst zu bestimmen, was man zu tun hat, und dieses stürzt einen schließlich in einen unüberwindbaren Abgrund; die zweite ist, Gott das zu diktieren, was Er zu tun hat. Um dies zu heilen, muss hier eine Art Austrocknung unseres Eigenwillens stattfinden, so dass Gott die einzige Quelle für das Herz sein kann. Selbstverständlich hat Christus weder mit dem ersten noch mit dem zweiten zu tun gehabt, obwohl er vielleicht auf das zweite Anspruch gehabt hätte, aber im Gegensatz dazu hatte Er keinen Willen außer Gottes, und Er dankt und sagt: „Ja, Vater.“ Die vollständige und freudige Annahme des Willens Gottes ist das, was göttliche Ruhe gibt und man denkt nicht an seine Enttäuschung, sondern an seinen Willen, und wenn dem so ist, gibt es keine Erschöpfung der Energie noch Depressionen. Ich bin sicher, dass es vieles gibt, das dich entmutigen könnte – aber je größer die Kraft des Widersachers, desto mehr können wir sicher sein, wenn wir auf den Herrn warten, dass Er demgegenüber ein Schutzschild aufbauen wird. Ich bin sehr froh, dass du dort bist. Je weiter ich meinen Weg gehe, desto mehr sehe ich die Tiefgründigkeit des Christentums und die Tendenz, durch die Macht, die gegen uns ist, von der Einfachheit abgelenkt werden, so, wie die Schlage Eva verführte. Ich empfinde eine große Gnade in allem, was uns geschickt wird, auch wenn es schmerzt, damit jede einsetzende Abkehr von der Wahrheit im Keim erstickt wird. Die Knospen des „Nörgel-Baums“ müssen entfernt werden. Glücklich, wenn wir dies freudig akzeptieren und dann mit noch mehr Energie weitergehen.[1]

 

Vom richtigen Umgang mit Geld auch beim Spenden

Ich erkenne, dass es nicht meine Aufgabe ist zu prüfen, was ich spenden, sondern vielmehr, was ich entbehren kann. Ich finde, dass die Untersuchung dessen und die dazugehörige Praxis mich in jeder kleinsten Hinsicht davon abhält, mich um zeitliche Dinge zu sorgen. Was die Verwaltung betrifft, ist es eine Tatsache, dass dein Eigentum dem Herrn gehört, wie man das in Lukas 16 sehen kann. Der Jude war der Verwalter, der sich als untreu erwies. Der in diesem Sinne Nichtjude ist nie ein Verwalter gewesen und hat nie Anspruch auf Eigentum besessen. Der Jude hatte Anspruch, ist aber durch Untreue auf das Niveau der Nichtjuden beschränkt worden. Was die rechtlichen Fakten betrifft, gehört das Eigentum dem Herrn und ist deswegen für den Bekehrten ein Geschenk: Petrus sagt: „… je nachdem ein jeder eine Gnadengabe empfangen hat.“ Sie ist ihm gegeben worden und wie bei jeder anderen Gabe verlangt ihr Gebrauch Treue. Die Gnade des Herrn ist besonders mit dieser Gabe verknüpft, denn – obwohl der Herr der Eigentümer ist, wie man in Lukas 16 sehen kann – wenn du spendest, so dass du dir Freunde damit machst (andere mit diesen Mitteln erfreuen und unterstützen), dann gewinnst du durch die Mittel, die nicht wirklich dir gehören, sondern dem Herrn. Der ganze Gewinn gehört dir, wenngleich das Eigentum rechtlich gesehen dem Herrn gehört und deswegen wird ergänzt: „Wenn ihr in dem Fremden nicht treu gewesen sein, wer wird euch das Eurige geben?“ Die geistliche Gabe ist die, die uns gehört. Die zeitliche Gabe wird gemäß der Vorsehung Gottes gegeben, und ihre richtige Anwendung bestimmt, ob derjenige, der die Gabe empfängt, in größeren Gaben treu sein würde. Ich glaube, dass es in gewisser Hinsicht keine Gabe gibt, die, was den richtigen Gebrauch betrifft, schwieriger zu handhaben ist als Geld. Ein Spender zu sein, erfordert eine enge und sorgfältige Bekanntschaft mit der Person und dessen Wegen, der ich spende. Wenn ich sie weltlich fördere oder ihr Möglichkeiten biete, sich Dinge zu leisten, die sie sich ohne meine Gabe nicht leisten könnte, verletzte ich sie. Ich finde es erforderlich und diszipliniert, bescheiden zu sein, ob ich viel oder wenig habe, und obwohl es mir vielleicht nicht gegeben oder bis jetzt nicht bekannt ist, ein Spender zu sein, erlaubt es mir der Herr zu helfen, wenn ich mit einer Zwangssituation konfrontiert werde.

Ich glaube, dass es eine große Sache für einen Spender ist, dem andern nicht in einem Maß oder einer Art zu geben, dass dieser aus dem Glauben oder der Abhängigkeit herauskommt. Gott sendet Regen und fruchtvolle Zeiten, aber wenn sie kommen, kommen sie niemals auf dieselbe Weise oder etwa jedes Jahr.

Und ich erkenne diese Gesetzmäßigkeit, dass dann, wenn ich etwas benötige, es immer aus einer Richtung kommt, die ich nicht erwartet hatte; und aus der Richtung, woher es vorher kam, kommt es jetzt nicht. So lenkt Gott die Augen auf Ihn selbst und nicht auf den Spender.[2]

 

Das Hauptinteresse Christi

Ist es auch für den Diener das Wichtigste?

Ich wünschte, ich könnte ein Gespräch mit dir haben. Ich denke, dass wir viel von Davids Helden in den Tagen seiner Verwerfung lernen können. Sie waren durch unbeirrbare Hingabe David gegenüber gekennzeichnet. Die Nation profitierte von ihren Diensten, die eigentlich für David waren. Ich empfinde, dass du mit deinem Licht und deiner Gabe bestimmt bist, mehr für Christus und sein Hauptinteresse in dieser Welt da zu sein. Diesem Hauptinteresse, der Kirche, ist jedes andere Interesse untergeordnet. Glauben wir, dass Christi Schatz auf der Erde ist? Arbeiten wir so, dass „alle Welt es sehen“ kann? Mein Eindruck ist – und ich bin sicher, dass du nicht denkst, dass ich zu viel gebiete oder mir etwas anmaße, wenn ich das sage –, dass du vom Herrn dazu berufen bist, für sein Hauptinteresse hier zu sein. Du kannst entgegnen, dass das Evangelium ein Teil seines Interesses ist. Das gebe ich auch durchaus zu. Paulus war der größte Evangelist, aber er war in herausragender Weise für die Kirche da. Die Frage ist, was das Größte ist? Ich weiß, was mich betrifft (und sage es traurigerweise), dass ich das Ziel meines Dienstes verfehlte, wenn ich nicht nahe genug beim Herrn war, sozusagen in seinem Kabinett. Ich meine, so nah beim Herrn, in seinem Vertrauen zu sein und so von Ihm aus zu handeln. Alles, was ich von dir fordere ist, „achtzuhaben auf den Dienst, den du vom Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst“. Die ganze Zeit seit der Plymouth-Tage habe ich gesehen, dass, wenn Schwierigkeiten in der Versammlung auftreten, die Tendenz die ist, den Dienst auf den Nutzen des Menschen zu beschränken und das Zeugnis für Christus zu übersehen.

Es ist offensichtlich, dass Gnade für den Verlorenen bis hin zur Fülle von Gottes Liebe da ist, aber du darfst nicht übersehen, dass hier auch Gnade (gewaltig in ihrem Charakter) und Kraft für Christus da ist. Ich bin sicher, dass je mehr einer im vertrauten Umgang mit dem Herrn ist, desto mehr wird sein Dienst mit dem Herzen Christi in Verbindung sein. Ich bin nicht dagegen, dass du das Evangelium verkündigst, wenngleich deine Gabe nicht die eines Evangelisten ist; aber ich denke, du solltest Beziehungen vermeiden, die deinen Dienst kompromittieren.

Ich denke sagen zu dürfen, dass kein Bruder sich mehr um dein Wohlergehen und deinen Gewinn sorgt oder mehr für dich betet als ich.[3]

 

Das Herz des Überrestes

„Komm!“

Ich bin höchst überrascht, dass der Überrest (ein Überrest muss ein Teil des Originals sein) in seinem eigenen Kreis stark sein muss, bevor er in der Welt ein Zeugnis sein kann. Die Kirche sollte der Leuchter sein, hat aber ihre erste Liebe verloren und schließlich ihr Zeugnis. Dann, in Thyatira, wurde die Verheißung des „Morgensterns“ gegeben. Der Überrest hält Ausschau nach der Wiederkunft des Herrn und nicht nach der Wiederherstellung der Kirche. „Ich komme bald, … damit niemand deine Krone nehme.“ Der Überrest sucht nicht die Stellung auf der Erde wiederzuerhalten, die die Kirche verloren hat, sondern ist im Herzen und im Wandel für Christus da, damit der Ruf„Komm“ der einzige Wunsch der Braut ist. Ihr Wunsch nach der Wiederkunft des Herrn ist nicht aufgrund der Leiden hier, sondern weil nichts weniger das Herz der Braut befriedigen kann, die als Zeugnis mit geputzten Lampen Ihm mit den Worten „Siehe, der Bräutigam“ entgegengeht.

Ich meine, dass der momentane Dienst mehr dazu da ist, die Heiligen für Christus bereit zu machen, als die Stellung des Zeugnisses in der Welt wiederzugewinnen. Natürlich ist da, wo Hingabe an Christus ist, ein Schein des Lichts an diesem dunklen Ort vorhanden, aber ich glaube, dass es der Gegenstand des Geistes jetzt ist, unsere Herzen zu Christus hinzuziehen, so dass alles Unpassende für Ihn aufgegeben wird, und je besser wir Ihn kennen, desto passender werden wir für Ihn sein. Unsere Aufgabe heute ist nicht nur bloßes Evangelisieren noch irgendein Maß an Nützlichkeit. Der vorherrschende Gedanke ist „der helle Morgenstern“. Ich hoffe, dass du meinen Gedanken erkennst. Ich empfinde, dass dies uns zu größerem Eifer für Christus in der Versammlung anreizt, denn wenn wir nicht die Größe unserer Beziehung zu Christus in der Versammlung erreichen, können wir nicht die Gedanken und Empfindungen als Braut haben oder befähigt sein, Ihm zu sagen: „Komm.“[4]

 

Der Diener muss abgesondert sein, wenn er andere in die Absonderung leiten will

Das Gewissen mag ein sehr guter Bewahrer sein, ist allerdings kein richtiger Führer. Man muss sehr nahe beim Herrn sein, um von Ihm geführt zu werden. Ein Diener muss einen sehr abgesonderten Platz einnehmen, denn du kannst nicht jemanden von etwas wegführen, wo du selbst bist. Für die Tage der Schwachheit musst du ein Nasiräer sein. Ich bin sehr froh, „dass der Herr selbst und das Wohlergehen seines Volkes“ – wie du sagst – dir am Herzen liegen. Der Herr steigere dies bei dir mehr und mehr, und mein ganzes Herz wünscht dir und den Deinen Segen. Ich habe Mose vor Augen, wie er viele Jahre im Hintergrund in der Wüste war, bevor er in der Lage war, das Volk aus Ägypten zu führen. Ich kann nicht irgendjemanden auffordern, etwas hinter sich zu lassen, was ich nicht selbst hinter mir gelassen habe. Elia war vollständig auf Gott geworfen, bevor er dem Volk Gottes helfen konnte. Nicht der, der die Fehler sieht, sondern der, der – wie Nehemia – diese entfernt, tut das Werk des Herrn. Du kannst die Lumpen des Verlorenen abgenommen haben, lange bevor du die Arbeit des Dieners tun könntest, ihm das beste Kleid anzuziehen.[5]

 

Der Ehepartner – kein Hindernis im Dienst

Ich bin sehr froh und dankbar zu hören, dass der Herr für dich eine passende Gehilfin gefunden hat, und ich vertraue darauf, dass dieser Gefallen aus seiner Hand in keiner Weise dazu führt, dich von seinem Dienst, für den Er dich für gut befunden hat, abzulenken. Er freut sich, uns einen Gefallen zu tun, und es ist gewiss traurig, wenn wir Ihm aufgrund eines besonderen Geschenkes mit weniger Hingabe vergelten, als bevor wir es erhalten haben. Du wirst es als einen völlig anderen Weg empfinden, und alles wird davon abhängen, wie du ihn beginnst. Möge der Herr dein Herz befestigen, dass Er genügt, um dich in seiner Gnade zu erhalten – als Manna, auf jedem Schritt des Weges. Sammle es im Glauben auf, bevor der Tag anfängt. Der Herr hat großes Interesse an den geliebten Kindern von … gezeigt. Ich vertraue darauf, dass ihr euch beide stark und vertrauensvoll darauf stützen könnt.[6]

 

Anmerkungen

[1] Letters from J.B. Stoney, Bd. 1, S. 33.

[2] Letters from J.B. Stoney, Bd. 1, S. 87.

[3] Letters from J.B. Stoney, Bd. 1, S. 53.

[4] Letters from J.B. Stoney, Bd. 1, S. 73.

[5] Letters from J.B. Stoney, Bd. 1, S.142.

[6] Letters from J.B. Stoney, Bd. 1, S. 32.


Übersetzung: Stephan Winterhoff


Hinweis der Redaktion:

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