Wie man es schafft, von der Sünde zu lassen
1. Petrus 4,1.2

James Butler Stoney

© SoundWords, online seit: 20.08.2006, aktualisiert: 06.07.2019

Leitverse: 1. Petrus 4,1.2

1Pet 4,1.2: Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat, so waffnet auch ihr euch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, ruht von der Sünde, um die im Fleisch noch übrige Zeit nicht mehr den Lüsten der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben.

Was ist Sünde?

Bevor wir den Gegenstand des Ruhens von der Sünde richtig behandeln können, müssen wir erst einmal verstehen, was Sünde ist. Sünde ist Gesetzlosigkeit. Sünde ist die Handlung oder die Absicht, nach meinem eigenen Willen zu handeln. „Wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde“ [Jak 1,15]. Die Sünde wurde eingeführt, als Eva, entgegen dem Wort Gottes, in Übereinstimmung mit ihrem eigenen Urteil und Willen handelte. Es war nicht so, dass sie etwas tat, was moralisch erniedrigend gewesen wäre; und es schmälert nicht die Tatsache, dass es eine Sünde gewesen ist, denn Evas Handlung würde sehr zu ihrem eigenen Vorteil beitragen und sie im Schöpfungsrang erheben. Es ist wichtig, zu sehen, dass Sünde nicht auf Unmoralisches beschränkt ist oder auf irgendetwas Niederträchtiges. Es ist ganz einfach etwas, was dem Willen Gottes entgegenläuft, und es kann sein, dass schwere Sünde vorliegt, wo vom menschlichen Standpunkt aus gesehen alles nett und vorteilhaft aussieht. Saulus von Tarsus lebte mit ganz gutem Gewissen und war tadellos, was die Gerechtigkeit betrifft, die im Gesetz gefunden wird, und doch war er der größte aller Sünder, weil er trotz seines moralischen Ansehens in Wille und Tat Gott entgegengesetzt war.

Ein törichter Gedanke ist Sünde. Was nicht aus Glauben ist, ist Sünde; in einem Wort: „Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht“ (Röm 8,7); „In mir, das ist in meinem Fleisch, wohnt nichts Gutes“ (Röm 7,18); „Die Gesinnung des Fleisches ist der Tod“ (Röm 8,6); „Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“ (Röm 8,8). Weil es im Fleisch nichts gibt, was gut ist, wenn ihm erlaubt wird zu denken oder zu handeln, ist die Sünde da. So ist es egal, ob es das edelste Benehmen oder das schändlichste ist, es ist einfach Unabhängigkeit von Gott und im Grunde ein Bevorzugen des eigenen Weges vor dem Weg Gottes. Und in der Tat, da es nicht mehr als einen einzigen richtigen Weg geben kann, ist es klar, dass es Sünde ist, wenn das Fleisch für sich selbst handelt oder denkt.

Abgrenzung von Sünde zu natürlichen Bedürfnissen

Wir müssen natürlich unterscheiden zwischen den Ansprüchen der Natur wie Hunger, Kälte usw., so wie der Schöpfer den Menschen geschaffen hat, und den Wünschen des Fleisches und des Geistes, die Erfindungen des Menschen sind. Gott hat „den Menschen aufrichtig geschaffen; sie aber haben viele Ränke gesucht“ (Pred 7,29). Wenn der Wille des Menschen irgendeine solche Ideen verfolgt, ist das Sünde; denn obwohl sie in sich selbst nicht böse sein mag, so macht doch die Tatsache, dass es in Unabhängigkeit von Gott gesucht oder genossen wird, daraus Sünde.

Nichts Gutes im Fleisch

Wenn wir nun sehen, dass im Fleisch vom Scheitel bis zur Sohle nichts Gutes ist, wie können wir es dann schaffen, von der Sünde zu lassen? Es ist offensichtlich, dass nichts Gutes aus dem Fleisch hervorkommen kann, da in ihm nichts Gutes ist. Die Quelle ist verdorben, und so ist der einzige Weg, die Sünde zu unterbinden bzw. sie zu lassen, dass wir die Sünde im Fleisch dem Tod unterwerfen, d.h. Wirklichkeit werden lassen, was in der Schrift „tot der Sünde“ (Röm 6,11; 8,10) genannt wird. Der Punkt, an den ich zuerst hingelangen muss, ist der, dass nichts Gutes in meinem Fleisch ist und dass, wenn irgendetwas Gutes von mir kommen soll – irgendetwas, was Gott wohlgefällig ist –, es dann von außerhalb des Fleisches kommen muss, nämlich vom Geist Gottes. Der Leib mit einem [eigenen, unabhängigen] Willen darin: das ist das Fleisch; ohne einen [eigenen, unabhängigen] Willen ist er Christi Diener.

Das Fleisch im Tod halten

Mittels der Gnade habe ich durch Christus Vergebung meiner Sünden erhalten. Aber das Fleisch als das Prinzip der Sünde ist noch in mir, jedoch als in jemand, dem vergeben ist. Angenommen in Christus, mit einer neuen Natur und Leben in Ihm und als Tempel des Heiligen Geistes kann ich nicht meine neue Position genießen, wenn ich nicht von der Sünde lasse. „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst“ (1Joh 8), und doch verhalte ich mich nicht der Stellung gemäß, in welche die Gnade mich gesetzt hat, wenn ich nicht für die Sünde tot bin. Die Größe seiner Gnade ist mir offenbart, damit ich nicht sündige, wie Johannes sagt: „Ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt“ [1Jh 2,1]. Es ist nicht genug für mich, dass ich nach wahrer Heiligkeit verlange oder weiß, dass ich eine göttliche Natur habe. Ich muss das Fleisch im Tod halten. Ich muss mich mit „demselben Sinn“ wappnen – das ist der Tod –, „denn wer im Fleisch gelitten hat, ruht von der Sünde“ (1Pet 4,1).

Es gibt keinen Weg, das Fleisch zu bessern, es muss für tot gehalten werden. Ich muss als Erstes lernen, dass ich mit Christus gekreuzigt bin. Gott hat sozusagen den alten Menschen am Kreuz richterlich zu Ende gebracht, damit der Leib der Sünde abgetan sei. Ich bin deshalb vor Gott tot. „Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“ (Kol 3,3), aber ich bin lebendig in Christus, das Gesetz des Geistes hat mich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes. Trotzdem ist das Fleisch in mir und gelüstet wider den Geist; und doch triumphiert der Geist. Wenn ich im Geist wandle, so werde ich die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Die Lüste sind da, aber es wird ihnen nicht erlaubt, sich zu äußern. Wenn sie nicht da wären, gäbe es kein Gegeneinander-Gelüsten und keinen Erfolg des Geistes. Wie könnte es Erfolg geben, wenn kein Gegner da wäre? Ich bin nun in die Freiheit gesetzt – nein, ich bin berufen, so zu handeln –, mein Fleisch zu behandeln als etwas, dessen Schuldner ich nicht bin. Und nicht nur das, sondern wenn ich nach dem Fleisch lebe, so werde ich sterben, aber wenn ich durch den Geist die Handlungen des Leibes töte, werde ich leben.

Unbewusste Sünden

Nun, der erste Grund für die große Not bei vielen ist Unwissenheit über das, was Sünde ist. Sie wissen es nicht, und so sind sie auch nicht in der Lage, sie [in ihrem Leben] zu erkennen, denn das Gewissen kann sich nicht getroffen fühlen, wenn kein Empfinden von Unheiligkeit da ist. Dennoch kann es Schaden für die Seele geben, obwohl sie sich im Moment über den Grund für diesen Schaden nicht bewusst ist. Wir lesen: „Wenn jemand irgendetwas Unreines anrührt, sei es das Aas eines unreinen kriechenden Tieres …, – es ist ihm auch verborgen, so ist er unrein und schuldig“ (3Mo 5,2).

Wir kommen in Kontakt mit manchem, was unheilig ist, und obwohl es den Heiligen Geist in uns betrüben mag, gibt es keinen Schmerz für unser Gewissen, weil wir kein Licht darüber haben, und so bleibt unsere Freimütigkeit zu Gott, unser Herz verurteilt uns nicht (s. 1Joh 3,20.21). Jemand mag unter viel Eigensinn leiden oder viel Kontakt mit einer „toten“ Person haben und ist sich dessen nicht bewusst. Wenn er sich dessen bewusst wäre und trotzdem diesen Eigenwillen nicht verurteilen und ablegen würde, würde das ein schlechtes Gewissen bedeuten und alle Gemeinschaft würde unterbrochen sein. Es sind nur die bewussten Sünden, von denen das Gewissen Notiz nehmen kann, aber die unbewussten schaden der Seele, und je geistlicher man ist, desto mehr ist man auf der Hut, nicht mit der Sünde in Berührung zu kommen.

Im Geist leben

Die Fähigkeit, zu sehen, was Sünde ist, besteht nur im selben Verhältnis, wie ich im Geist lebe, und so erkenne ich es auch durch den Gegensatz. Wie oft hat man später herausgefunden, dass etwas Sünde war, wovon man damals gar keine Ahnung hatte.

Zwei wichtige Schritte

  1. Der erste Schritt zu wahrer Erkenntnis ist, sich selbst als völlig verdorben zu verabscheuen und als unfähig, etwas Gott gemäß zu tun oder zu suchen.
  2. Der zweite Schritt ist dann, wenn ich eine Sünde entdeckt habe, sie zu lassen, indem ich im Fleisch leide.

Die Begierden

Um ein bisschen besser die falschen Wege klarzumachen, auf denen wir oft versuchen von der Sünde zu lassen, werde ich einige spezielle Sünden nennen. Es gibt zwei Gruppen von Sünden: (1) Begierden, die getötet werden müssen; (2) Verhaltensweisen, die wir ablegen müssen. Habgier zum Beispiel ist eine Begierde, und zwar eine, die die gewöhnlichste und häufig die am meisten entschuldigte Sünde ist. Ein unkontrolliertes Begehren, irgendetwas zu erlangen, ist Götzendienst. Wenn eine Seele in diesem Zustand ist, hat die Begierde empfangen, und es ist Sünde, obwohl das Begehren vielleicht gar nicht erfüllt wurde oder zur Ausübung gekommen ist.

Nun, die Art und Weise, davon zu lassen, besteht nicht einfach nur im Beten, selbst mit der größten Entschlossenheit, dass das Begehren weggenommen wird. Auch reicht es nicht, den Gegenstand oder die Situationen zu vermeiden, die die Begierde nähren. Obwohl wir eine solche Angelegenheit nicht deutlich genug vor den Herrn bringen können und nicht sorgfältig genug jeden Platz oder Umstand vermeiden können, wo das Begehren angeregt wird – dennoch kann sich dies so Jahr für Jahr hinziehen, ohne dass man wirklich davon lässt. Im Gegenteil, es kann sein, dass gerade diese Übungen, obwohl sie so weit richtig sind, uns das Maß an Befreiung geben, was das Gewissen für einen Moment beruhigt, aber es wird sicher darauf eine noch tiefere Begierde folgen. Es ist kein Lassen von der Sünde. Es gibt auch keinen Sieg über die Sünde nur durch Glauben. Wenn das der Fall wäre, dann würde es, so wie Rechtfertigung aus Glauben ist, keine Übung des Lebens durch den Geist in mir geben, kein Umhertragen des Sterbens Jesu, damit das Leben Jesu in meinem Leib offenbar würde [2Kor 4,10].

Die Sünde muss zu einer Sache erklärt werden, die man nicht zulassen kann. Die Existenz ihrer Wurzel, das Fleisch, darf weder geduldet noch anerkannt werden. So ist es nicht nur eine seziellee Sünde, die ich abweise, sondern ich bestehe darauf, dass das Fleisch, der Nährboden aller Sünde, tot sein muss, so wie es für mich tot ist vor Gott. Es muss Leiden im Fleisch geben oder es wird kein Lassen von der Sünde da sein.

Was ist Leiden im Fleisch?

Wenn ich Obst sehe und Vergnügen empfinde, wenn ich herausfinde, dass ich es nehmen könnte, ohne entdeckt zu werden, dann habe ich gesündigt, selbst wenn ich es nicht genommen habe; die Begierde hat empfangen. Aber wenn ich ein Gefühl des Schmerzes anstatt des Vergnügens habe, sobald ich sehe, was ich tun könnte, dann leide ich im Fleisch: Ich habe von der darin gelegenen Sünde gelassen.

Eins ist selbstverständlich: Wir werden nur dann ein Gefühl für die Finsternis oder Unheiligkeit irgendeiner Begierde haben, wenn wir ein wenig den großen Kontrast zu der vollkommenen Natur gesehen haben, die in Christus war.[1] Seine heilige Natur ließ sich auch von dem verlockendsten Angebot, zu dem Er als Mensch kein Recht hatte, nicht verführen; und wir wissen, dass Er selbst das, wozu Er ein Recht hatte, nicht von irgendjemand anders annehmen wollte als von Gott, der allein gut ist.[2]

Die Verhaltensweisen des Fleisches

Als Nächstes geht es um die Verhaltensweisen des Fleisches. Es ist nicht genug, sie zu verurteilen, wenn sie emporkommen, sondern sie müssen abgelegt, nicht verbessert werden, damit die Gnade Christi an ihrer Stelle erscheint.

Die bösen Gedanken

Zum Schluss zu den Gedanken, die zweifellos das am meisten Quälende und Ansteckende von allem ist, weil sie der Anfang alles Bösen sind. Denn jede Versuchung beginnt mit einem Gedanken. Wenn es Satan gelungen ist, unsere Aufmerksamkeit für seinen Vorschlag zu bekommen, dann ist der Boden für ihn zubereitet, um uns zur bösen Handlung zu helfen. Daher muss die Begierde empfangen, bevor sie Sünde wird. Der Gedanke schlägt ein wie ein Blitz, aber wenn wir im Fleisch gelitten haben, treiben wir ihn weg, wie wir eine Wespe wegtreiben. Wenn ich mich aber mit dem Gedanken beschäftige, ist es Sünde. Verbindungen, Bücher, Geschichten und Umstände neigen alle dazu, unserem Geist Gedanken ihrer eigenen Art darzubieten. Deswegen ist es nötig, in Bezug auf alle diese Dinge wachsam zu sein, denn es hat keinen Zweck, zu sagen, das Fleisch müsse im Tod gehalten werden, während wir ihm gleichzeitig auf so eine Art und Weise dienen.

 

Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Das heißt: Wenn ich nicht sehe, wie heilig Christus ist, gibt es kein Erschrecken über die Unheiligkeit meines eigenen Tuns oder meiner eigenen Gedanken. Je mehr ich mich aber mit Christus und seinem Wesen beschäftige, umso mehr trifft mich meine Sündhaftigkeit und umso mehr erschrecke ich über mich selbst.

[2] Anm. d. Red.: Was könnte eine größere, einladendere Versuchung für einen Menschen sein, als alle Reiche der Welt angeboten zu bekommen? Mehr kann er sich nicht vorstellen. Diese Versuchung konnte aber die Natur des Herrn nicht zum Bösen abziehen. Was ist die kleinste Sache? Ein Stück Brot. Selbst das war für den Herrn keine Versuchung zum Bösen hin, denn Er wollte auch selbst das nur von Gott entgegennehmen (s. Lk 4).


Originaltitel: „How to ceace from Sin“
aus Ministry by James Butler Stoney, New Series, Bd. 10, S. 221–225


Hinweis der Redaktion:

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