Satan – und die Offenbarung des Sohnes Gottes (15)
1. Johannes 3,8

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 29.03.2005, aktualisiert: 26.07.2016

Leitvers: 1. Johannes 3,8

1Joh 3,8: Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an. Hierzu ist der Sohn Gottes offenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte.

Wir wollen die Betrachtung unseres überaus ernsten Gegenstandes mit einem erfreulicheren Ausblick beschließen. „Hierzu ist der Sohn Gottes offenbart worden, auf dass er die Werke des Teufels vernichte“ (1Joh 3,8). Wie wir gesehen haben, werden die Werke des Teufels nicht nur an einzelnen, besonders tief gefallenen Menschen sichtbar, sondern sie haben das ganze Menschengeschlecht in Mitleidenschaft gezogen. Wo immer ein menschliches Herz fern von Gott ist, ob im Palast oder in der Gosse, ob im Richterkollegium oder auf der Anklagebank, da zeigen sich die Werke des Teufels. Doch der Sohn Gottes ist offenbart worden, um die Werke des Teufels zu vernichten oder aufzulösen. In jedem Herzen, das den Sohn Gottes in Wahrheit erblickt, werden die Werke des Teufels für immer zunichtegemacht. Glaubst du das, mein Leser?

Doch wo hat sich der Sohn Gottes offenbart? Lasst uns zunächst die Höhen des Himmels durchforschen; lasst uns nach Ihm suchen unter den geistlichen Fürstentümern und Engelmächten. Der Sohn Gottes ist dort nicht zu finden: „Er hat sich fürwahr nicht der Engel angenommen“ (Heb 2). Begeben wir uns auf die Erde und durchsuchen die irdischen Paläste, die allein einigermaßen Seiner hohen Würde entsprechen könnten. Wir blicken in die marmornen Hallen und goldgetäfelten Gemächer des kaiserlichen Palastes, angefüllt mit all dem Reichtum dieser Welt. Der Sohn Gottes ist dort nicht auszumachen, vielmehr weist alles auf die Gegenwart des Feindes hin. Auch in den Häusern der Reichen und Edlen dieser Welt suchen wir Ihn vergebens. Wir steigen bis zu den Hütten der Armen hinab, denn Er hat Sich ja den Menschen offenbart und muss daher irgendwo zu finden sein; doch auch dort ist Er nicht.

Zuletzt gehen wir zu jener Herberge, die mit Durchreisenden überfüllt ist, und wenden uns sogleich dem bescheidensten ihrer Gebäude zu. Im Stall hören wir das Stampfen der Tiere vor den Futterkrippen. Der strenge Stallgeruch lässt uns zurückschrecken: Hier kann Er doch gewiss nicht sein! Wir blicken in eine der Krippen hinein: Da liegt das neugeborene Kindlein in aller Niedrigkeit! Viele unfehlbare Beweise bezeugen uns, dass dies der Sohn Gottes ist. Wir haben Ihn nun doch noch gefunden! Unsere Augen betrachten „Gott offenbart im Fleisch“! Sein Anblick müsste genügen, den Umherirrenden zur Selbstverurteilung und zur Buße zu bringen und die Bande Satans zu sprengen, die sein Herz gefangen halten.

Doch verfolgen wir den mühevollen Weg des Herrn über diese Erde noch ein wenig weiter. Aus gottgeweihter Kindheit tritt Er in ein gottgeweihtes Mannesalter. Dort am Jordanufer sehen wir Ihn inmitten einer bußfertigen Menge stehen, die sich taufen lässt, indem sie ihre Sünden bekennt. Johannes erkennt Ihn sofort als den Sohn Gottes und sagt in Demut: „Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?“ Doch Jesus antwortet: „Lass es jetzt so sein; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Mt 3,14.15). Dann steigt Er im Bilde hinab in den Tod für die Sünder, unter denen Er Seinen Platz eingenommen hat. Bei diesem Anblick werden die Himmel aufgerissen, um der großen göttlichen Freude und Anerkennung Ausdruck zu geben. Gottes Stimme erschallt, Er bekennt sich zu diesem Menschen als zu Seinem geliebten Sohn, an welchem Er Wohlgefallen gefunden hat. Nun steht es unumstößlich fest: Wir haben den Sohn Gottes gefunden.

Sein weiterer Weg verläuft so deutlich und klar wie ein heller Lichtstrahl inmitten der umgebenden Finsternis. Wohin Er kommt, müssen Krankheit, Trauer und Tod fliehen. Der Teufel hat lange genug seinen Willen auf dieser Erde ausgeführt; Sünde, Unglück und Elend sind die Begleiterscheinungen seiner Herrschaft. Wo der Herr Jesus hinkommt, da finden wir Gottes Weg und Willen, denn Er geht „umher, Gutes tuend und heilend alle, die von dem Teufel überwältigt“ waren. Wenn wir sehen, wie Lahme wandeln, Blinde sehen, Aussätzige gereinigt werden, und wenn wir die Worte hören, die keiner als Gott Selbst zu dem gebeugten Sünder sprechen kann: „Deine Sünden sind dir vergeben!“, so können wir absolut sicher sein, den Sohn Gottes endlich gefunden zu haben.

Wenn solch ein Gott geweihtes Leben seinen Abschluss findet, wie muss dieses Ende dann aussehen? Er müsste doch, wie einst ein Henoch, von diesem unreinen Schauplatz hinweg entrückt werden, um in Seine Herrlichkeit zurückzukehren. Aber nein. Vielleicht werden feurige Wagen und Rosse Ihm das Geleit zum Himmel geben, wie einst bei einem Elia? Doch nichts Derartiges geschieht. Dann wird Er aber doch wenigstens das friedvolle Ende des „Unsträflichen“ und des „Aufrichtigen“ (Ps 37,37) erleben? Nein, nicht einmal das. Etwas Unfassbares tritt ein, vor dem alle anderen Wunder verblassen.

Drei Schandpfähle werden außerhalb der Heiligen Stadt auf einem Hügel aufgerichtet. An ihnen hängen drei Männer, alle angeblich Übertreter des Gesetzes. Du fragst nach dem Namen dessen zur Linken? Ich weiß ihn nicht. Und wer ist der zur Rechten Gehenkte? Auch ihn kenne ich nicht. Ich weiß nur, dass beide „mit Recht“ gerichtet werden, denn sie „empfangen, was ihre Taten wert sind“. Doch fragst du nach Demjenigen, der in der Mitte gekreuzigt ist, so kann ich dir die Antwort geben. Kannst du es begreifen? Es ist der Sohn Gottes, Sein eingeborener Sohn, Seine Wonne, Sein Isaak, den Er liebt. Wie ist es möglich, dass wir den Sohn Gottes in solcher Schmach wieder finden, hinausgestoßen aus der Welt und unter einem verschlossenen Himmel? Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, Fromme und Weltliche vereinigen sich, um ihren Hohn und Spott über Ihn auszuschütten. Kann das wirklich der Sohn Gottes sein?

Die Bosheit des Menschen, besonders in religiöser Hinsicht, die Hinterlist und Wut des Teufels und die Ratschlüsse Gottes wirken hier ausnahmsweise zusammen, wenn auch zu ganz verschiedenem Zweck und Ziel.

Gegen zwölf Uhr flaut der Sturm der Beschimpfungen ab. Am wolkenlosen Himmel hört die Sonne plötzlich auf zu scheinen. Dichte Finsternis bedeckt die Erde. Der Lärm menschlicher Stimmen verstummt, es tritt völlige Stille ein. Was geschieht? Ach, ein anderer Sturm fegt mit seinen Wogen und Wellen über jenes heilige Haupt dahin. Endlich, nach drei Stunden, durchbricht ein Schrei das Schweigen und die Finsternis: „Eli, Eli, lama sabachthani?“ Doch der Himmel bleibt jetzt verschlossen. Bedenke es, Sünder, aber auch du, lieber Bruder, liebe Schwester, im Glauben: An jenem Kreuz, allein und verlassen, wird der Sohn Gottes offenbart! Dort trägt Er deine und meine Sünden an Seinem eigenen Leibe auf dem Holze! Bei Seinem Anblick müssen die Ketten Satans von unseren Herzen und unserem Geist abfallen, und wir können nur als verlorene Söhne, die sich selbst verabscheuen, reumütig zu dem Gott und Vater zurückkehren, der Seinen eigenen Sohn uns nicht vorenthalten hat.

Stünde der Herr Jesus in dieser Weise stets vor unseren Augen, würde das nicht jedes Werk des Teufels an und in uns zunichtemachen? Stünde Sein Weg immer vor uns, der Weg der Selbstverleugnung und der immer tiefer werdenden Erniedrigung in den Augen der Menschen, so würden auch unsere Füße diesen Weg in kostbarer Gemeinschaft mit allen denen gehen, aus denen eine Gleichförmigkeit mit dem Sohne Gottes hervorstrahlt.

Doch Er ist nicht am Kreuz geblieben. Das Kreuz ist jetzt leer; deshalb wollen wir nicht dort stehenbleiben, sondern Seinen Pfad weiter verfolgen. Es ist der Weg, auf dem wir Ihn vorhin gesucht haben, nur diesmal in umgekehrter Richtung, vorbei an den Hütten der Armen, vorbei an den Palästen und der Herrlichkeit dieser Erde, auch an den Fürstentümern und Gewalten im Himmel. Wir steigen immer höher, bis in die höchste Höhe, bis zum Thron Gottes. Dort finden wir Ihn, der einst in der Finsternis auf Golgatha mit unseren Sünden beladen war. Hier gibt es keine Erinnerung mehr an die Sünde. Er ist mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt und hat den Ihm geziemenden Platz als der Sohn Gottes eingenommen. Doch wir brauchen uns nicht vor Ihm zu fürchten: Er ist dort als Sohn des Menschen, Er ist noch derselbe Mensch. Seine Wundenmale erinnern uns daran, dass Er unser abgrundtiefes Verlorensein kennt und dafür Sühnung getan hat. Seine Liebe ist so groß, dass es nur Seiner Gegenwart bedarf, um selbst jene Herrlichkeit zu einer Stätte zu machen, die „für uns bereitet ist“ – zum Vaterhaus, zu unserer ewigen Heimat.

Doch wir haben bei dem Verfolgen Seines Pfades die Erde unter der Herrschaft des Teufels zurückgelassen. Soll sie in diesem Zustand bleiben? O nein, denn der Herr Jesus muss nicht nur dem Glaubensauge, sondern auch der Welt geoffenbart werden. „Jedes Auge wird ihn sehen“ (Off 1,7); und als die „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 4,2) wird Er Seine Strahlen der Heilung über die ganze Erde senden und sie erleuchten. Finsternis und Todesschatten und alle damit zusammenhängenden Ängste werden fliehen. Die „Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von welchen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat“ (Apg 3), haben ihren Anfang genommen.

Wir haben die unumstößliche Zusage Gottes, dass wir mit Ihm in Herrlichkeit geoffenbart werden (Kol 3). Dazu ist es nötig, dass wir zunächst zu Ihm entrückt und mit Ihm vereinigt werden (1Thes 4).

Lieber Leser, möchten wir in Treue über unsere Herzen wachen, damit sich der Feind nicht erschleichen kann, damit die Hoffnung lebendig bleibt, damit der nach oben gerichtete Blick des Glaubens sich nicht zur Welt herabsenkt und die Erwartung Seines Kommens nicht eine kalte Form ohne praktische Kraft und Wirkung wird. Warten wir unbeirrt auf jenen herrlichen Augenblick, auf das Kommen des Sohnes Gottes aus den Himmeln. „Amen; komm, Herr Jesus!“

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Originaltitel: „Der Sohn Gottes geoffenbart – die Werke Satans vernichtet“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1982, S. 363–368


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