Die Ölbergrede in Matthäus 24 und 25 (2)
Matthäus 24,45–25,30

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 05.03.2022, aktualisiert: 16.04.2022

2  |  Das Kommen des Herrn für die Christenheit (Mt 24,45–25,30)

Wenn wir mit diesem Abschnitt beginnen, sehen wir eine deutliche Veränderung in den Ausdrücken des Herrn über sein Kommen. Diese Veränderung deutet darauf hin, dass Er nicht von denselben Menschen spricht wie im vorherigen Abschnitt. J.N. Darby sagte, dass dieser Teil der Rede eigentlich eine Klammer ist. Ich nehme an, dass man in gewissem Sinn von Matthäus 24,44 zu Matthäus 25,31 übergehen könnte, wo das Thema der Ankunft des Sohnes des Menschen fortgesetzt wird.

Einige der Unterschiede in diesem Abschnitt sind:

  • Die Ankunft des Herrn wird nicht als die Ankunft des Sohnes des Menschen bezeichnet.
  • Das Kommen des Herrn (die Entrückung) wird dreimal erwähnt.
  • Es wird keine alttestamentliche Prophezeiung zitiert.
  • Es werden keine irdischen Zeichen gegeben.
  • Jerusalem und der Tempel werden nicht erwähnt.
  • Der Sabbat wird nicht erwähnt.
  • Christus als der Messias wird nicht erwähnt („Christus“ bedeutet „Messias“; Joh 1,41).

Diese Dinge zeigen, dass das Thema, das wir jetzt vor uns haben, nicht mit den Juden zu tun hat, sondern mit einer anderen Gruppe von Menschen. Bei näherer Betrachtung wird deutlich: Der Herr spricht von seinem Kommen in Verbindung mit jenen auf der Erde, die das Licht des Evangeliums der Gnade Gottes, das heute gepredigt wird, empfangen haben; es ist der christianisierte Teil der Erde, manchmal auch Christentum genannt. Es geht also um die christliche Verantwortung in dieser gegenwärtigen Zeit, in der Israel in den Wegen Gottes verworfen und der Herr abwesend ist.

Drei Gleichnisse

Dieser Abschnitt besteht aus drei Gleichnissen:

  1. Das erste Gleichnis findet sich in Matthäus 24,45-51. Der Schwerpunkt liegt auf der Treue in der Zeit der Abwesenheit des Herrn.
  2. Das zweite Gleichnis steht in Matthäus 25,1-13. Der Schwerpunkt liegt auf der Wachsamkeit in der Zeit der Abwesenheit des Herrn.
  3. Das letzte Gleichnis findet sich in Matthäus 25,14-30. Es betont die Nützlichkeit im Dienst in der Zeit der Abwesenheit des Herrn.

Wir könnten die drei Gleichnisse als Treue, Wachsamkeit und Nützlichkeit zusammenfassen.

Es ist bezeichnend, dass die Ankunft des Herrn für die Gläubigen (die Entrückung) in allen drei Gleichnissen erwähnt wird (Mt 24,46; 25,10; 25,19), während auffällt, dass sie im ersten Teil abwesend ist. Auch die Erscheinung Christi wird in diesem Abschnitt erwähnt (Mt 24,50; 25,26-30), aber sie wird nie als die Ankunft des Sohnes des Menschen bezeichnet.

Gleichnis I: Treue in der Zeit der Abwesenheit Christi (Mt 24,45-51)

Mt 24,45-51: Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, ihnen die Nahrung zu geben zur rechten Zeit? Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, damit beschäftigt finden wird! Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn über seine ganze Habe setzen. Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr bleibt noch aus, und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und isst und trinkt mit den Betrunkenen, so wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil geben mit den Heuchlern: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Konzentrieren wir uns nun auf einige Details im ersten Gleichnis. Es handelt sich um eine Szene, in der der Herr des Hauses abwesend ist und die Diener auf ihre Treue hin geprüft werden. Das Gleichnis deutet darauf hin, dass es im Haus zwei Arten von Dienern gibt, die gleichzeitig existieren: einen „treuen und klugen Knecht“ und einen „bösen Knecht“. In der Zeit der Abwesenheit des Herrn wird das Haus Gottes von einer solchen Vermischung geprägt sein: von denen, die echt sind, und denen, die nicht echt sind.

Was wir bei dem treuen „Knecht“ finden, sollte jeden wahren Gläubigen im Haus Gottes heute kennzeichnen (Mt 24,45-47). Der treue Knecht erwartet, dass sein Herr jeden Augenblick wiederkommt, und das motiviert ihn, den Dienst für seinen Herrn treu zu tun. Dies bedeutet, dass wir das unmittelbare Kommen des Herrn (die Entrückung) vor Augen haben. Wenn es hell vor unseren Seelen ist, sind wir motiviert, in der Zeit seiner Abwesenheit treu für Ihn zu leben.

Der treue Knecht steht auf und gibt den Hausbewohnern „die Nahrung … zur rechten Zeit“. Das bedeutet, dass er mit dem Dienst am Wort Gottes beschäftigt ist. Liebe Mitchristen, genau das will Gott, dass wir es in der Zeit der Abwesenheit des Herrn tun. Aber wir sind nicht in der Lage, den Menschen geistliche Nahrung (die Wahrheit) zu geben, wenn wir sie nicht zuerst selbst gesammelt haben! Wir müssen also Zeit mit dem Wort Gottes verbringen, um Nahrung für unsere eigene Seele zu sammeln, damit wir sie anderen geben können.

Beachte auch: Es heißt, dass der treue Knecht jenen im Haus seines Herrn „zur rechten Zeit“ zu essen gab. Dies spricht davon, dass wir in Gemeinschaft mit dem Herrn stehen müssen, um zu wissen, wann wir das, was wir gesammelt haben, austeilen sollen. Es ist eine Sache, Fleisch im Haus zu haben, und eine andere, die Weisheit zu haben, zu wissen, wann und wie man es austeilt. Der Herr fügt hinzu, dass es für solche Treue eine Belohnung geben wird. Diejenigen, die auf diese Weise gedient haben, werden im Reich Gottes Herrschaftspositionen zugewiesen bekommen (Lk 19,16-19). Dies wird bei der Erscheinung des Herrn geschehen.

Dann spricht der Herr Jesus von dem „bösen Knecht“ in der Zeit seiner Abwesenheit. Aus dem letzten Vers des Kapitels (Mt 24,51) können wir erkennen, dass so jemand nur ein Bekenner und gar nicht errettet ist. Er ist im Haus und nimmt den Platz eines Dieners ein, aber er ist kein wahrer Gläubiger. Heute legen viele in der Christenheit in irgendeiner Weise ein Bekenntnis zum Christsein ab, sind aber nie errettet worden.

Drei Dinge kennzeichnen den bösen Knecht:

  • Erstens sagt er: „Mein Herr bleibt noch aus“ (Mt 24,48). Beachte: Er leugnet nicht die Tatsache der Ankunft seines Herrn, sondern vielmehr die Nähe der Ankunft. Er sagt nicht: „Mein Herr wird nicht kommen.“ Er sagt: „Es ist noch eine lange Zeit hin!“ Dies beschreibt die, die die Wahrheit über das Kommen des Herrn als Lehre zwar kennen, deren Leben jedoch zeigt, dass sie die Unmittelbarkeit des Kommens aufgegeben haben. Heute gehen viele böse Knechte noch weiter und geben die Lehre vom Kommen des Herrn (der Entrückung) auf. Sie sagen klar und deutlich, dass der Herr nicht käme – dass es ein Fehler wäre, zu glauben, dass Er kommt!
  • Zweitens beginnt der böse Knecht, „seine Mitknechte zu schlagen“ (Mt 24,49a). Dies beschreibt einen verurteilenden Geist, der die Knechte des Herrn angreift und sie vielleicht in ihrer Arbeit kritisiert. Er wird zum sprichwörtlichen „Sesselkritiker“. So ein Mensch ist voller Kritik an seinen Brüdern, tut aber selbst wenig oder nichts.
  • Drittens: Er „isst und trinkt mit den Betrunkenen“ (Mt 24,49b). Dies spricht von der Ablehnung der Absonderung vom Bösen. Er hat Gemeinschaft „mit“ den Menschen dieser Welt, die von den Vergnügungen der Welt „betrunken“ sind.

Diese drei Dinge kennzeichnen das falsche Bekenntnis in der heutigen Christenheit. Es ist traurig, doch viele liebe Christen sind von denselben Dingen gekennzeichnet, obwohl sie wahre Gläubige sind. Das zeigt, dass wir von dem großen Abfall betroffen sein können. Wahre Christen können niemals vom Glauben abfallen – d.h. das Bekenntnis zum Christentum völlig aufgeben –, aber sie können von der Strömung des Glaubensabfalls mitgerissen werden und bestimmte Lehren und Praktiken aufgeben. Zum Beispiel haben viele wahre Christen die Lehre angenommen, dass die Entrückung [vor der Drangsal] eine falsche Vorstellung wäre. Die Bundestheologen z.B. lehren dies – und die meisten von ihnen sind wahre Gläubige.

Gleichnis II: Wachsamkeit in der Zeit der Abwesenheit Christi
(Mt 25,1-13)

In diesem zweiten Gleichnis von den „zehn Jungfrauen“ spricht der Herr von seinem Kommen als „Bräutigam“. Es unterstreicht, dass es notwendig ist, während der Zeit seiner Abwesenheit wachsam zu sein. Nochmals: Es wird nicht erwähnt, dass Er als Sohn des Menschen kommt. […] Der Aspekt des Kommens des Herrn ist hier erneut die Entrückung.

In diesem Gleichnis erwähnt der Herr vier verschiedene Zeitabschnitte, die die Zeit seiner Abwesenheit in der heutigen Zeit kennzeichnen. Diese vier Perioden umspannen den gesamten Zeitraum der Geschichte der christlichen Kirche auf der Erde:

  • Sie „gingen aus“ (Mt 25,1). Dies bezieht sich auf die Zeit der Apostel, als die Gläubigen zum ersten Mal aus dem Lager des Judentums (Heb 13,13) und aus ihren weltlichen Verbindungen (1Thes 1,9) hinausgingen.
  • Sie „wurde alle schläfrig und schliefen ein“ (Mt 25,5). Dies markiert eine weitere Periode in der Kirchengeschichte, in der das gesamte christliche Bekenntnis im Hinblick auf die Ankunft des Herrn einschlief. Dies geschah kurz nach der Zeit der Apostel und setzte sich durch die Jahrhunderte hindurch bis ins finstere Mittelalter fort.
  • „Um Mitternacht aber erhob sich ein lauter Ruf“ (Mt 25,6). Dies bezieht sich auf eine Erweckung, die im 19. Jahrhundert stattfand, als es in der christlichen Welt ein Erwachen in Bezug auf das Wiederkommen des Herrn gab.
  • „Der Bräutigam kam“ (Mt 25,10). Dies ist der Moment, auf den wir (hoffentlich) alle warten: die Entrückung! Sie wird die Geschichte der christlichen Kirche in der Welt zum Abschluss bringen und wir werden in den Himmel entrückt.

Schauen wir uns die ersten drei Verse an:

Mt 25,1-3: Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleich werden, die ihre Lampen nahmen und ausgingen, dem Bräutigam entgegen. Fünf von ihnen aber waren töricht und fünf klug. Denn die Törichten nahmen ihre Lampen und nahmen kein Öl mit sich;

Hier charakterisieren drei Dinge die frühe Kirche:

  • Erstens heißt es, dass sie „ihre Lampen nahmen“. Eine Lampe steht für das Bekenntnis. Das bezieht sich auf das helle Zeugnis, das sie damals vor der Welt hatten. Es war eine Manifestation ihres Glaubens.
  • Zweitens heißt es, dass sie „ausgingen“. Das spricht von Absonderung. Sie gingen aus dem Lager des Judentums und aus ihren weltlichen Verbindungen heraus (Heb 13,13; 1Thes 1,9).
  • Drittens heißt es, dass sie „dem Bräutigam entgegengingen“. Dies spricht von Erwartung. Sie hatten die Hoffnung auf das Kommen des Herrn vor ihrer Seele.

Es gab eine Manifestation, Absonderung und eine Erwartung. Das ist es, was die frühe Kirche kennzeichnete.

Es waren zehn Jungfrauen, „fünf von ihnen aber waren klug und fünf töricht“ (Mt 25,2). Die klugen Jungfrauen hatten „Öl“ in ihren Lampen, aber die anderen nicht. Das bedeutet: Einige waren gerettet und mit dem Geist versiegelt, andere aber nicht. Auch dies ist ein Beispiel für die Vermischung, die es heute unter Christen gibt.

Mt 25,4-6: Die Klugen aber nahmen Öl mit in den Gefäßen, zusammen mit ihren Lampen. Als aber der Bräutigam noch ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich ein lauter Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht aus, ihm entgegen!

Dieser glückliche Zustand hielt nicht lange an; sie alle wurden „schläfrig und schliefen ein“ (Mt 25,5). Die Kirche wurde müde, auf das Kommen des Herrn zu warten, und wurde von der Welt beeinflusst, was dazu führte, dass sie sein Kommen aus den Augen verlor. Man beachte: Sie wurden zuerst schläfrig und schliefen dann ein. Das zeigt, dass es sich um einen Zustand handelte, der die Kirche allmählich überkam.

Dann fand im 19. Jahrhundert ein souveränes Werk Gottes statt: Es kam zu einer Belebung der Wahrheit über das Kommen des Herrn und vieler damit zusammenhängender Wahrheiten. Um Mitternacht ertönte der Ruf: „Siehe, der Bräutigam!“ Die Menschen erwachten und erkannten, dass der Herr kommen würde! Es gab eine ziemliche Aufregung unter den Christen, und viele begannen, sich mit Prophetie zu beschäftigen. Als sie sich mit dem Thema zukünftiger Ereignisse im Wort Gottes beschäftigten, erfuhren sie, dass die Kirche nicht Bestandteil der Prophetie war. Sie erfuhren, dass die Kirche nicht zur Erde gehört, sondern dass sie eine himmlische Berufung und Bestimmung hat. Sie erkannten, dass der Herr jeden Moment kommen und die Kirche in den Himmel holen könnte, da es keine Prophezeiung gab, die vorher erfüllt werden musste.

In manchen Übersetzungen steht: „Siehe, der Bräutigam kommt!“ Allerdings wurde das Wort „kommt“ später hinzugefügt. Es macht sein Kommen eher zu einem Ereignis. Der Gedanke ist jedoch vielmehr, dass eine Person kommt: der Herr Jesus Christus! Es sollte einfach heißen: „Siehe, der Bräutigam!“ Das gibt den Geist der damaligen Zeit besser wieder. Die Menschen warteten nicht nur auf ein Ereignis, sondern auf das Kommen des Herrn! Der Ruf forderte sie auch auf: „Geht aus, ihm entgegen.“ Das bedeutet, dass es eine Übung gab, zu ihrer ursprünglichen Position zurückzukehren – außerhalb des Lagers und der Welt. Sie verließen alle kirchlichen und weltlichen Vereinigungen, mit denen sie in Verbindung gestanden hatten, und warteten auf das Kommen des Herrn.

In den nächsten Versen sehen wir, was zu dieser Zeit im christlichen Zeugnis insgesamt geschah:

Mt 25,7-13: Da standen alle jene Jungfrauen auf und schmückten ihre Lampen. Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen erlöschen. Die Klugen aber antworteten und sagten: Keineswegs, damit es nicht etwa für uns und euch nicht ausreiche; geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst. Als sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam, und die, die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit; und die Tür wurde verschlossen. Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, tu uns auf! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. – Wacht also, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Es gab eine ziemliche Aufregung, um sich auf die Begegnung mit dem Bräutigam vorzubereiten. Viele entdeckten, dass sie „kein Öl“ in ihren Lampen hatten. Die Ermahnung der „Klugen“ an die „Törichten“ lautete: „Geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst.“ Dies bezieht sich auf die großen Anstrengungen, die unternommen wurden, um das Evangelium zu verkünden. Das Evangelium wurde frei gepredigt und viele wurden gerettet. Das Kaufen würde von einem persönlichen Glaubensakt mit dem Vater und dem Sohn sprechen, wodurch sie gerettet und mit dem innewohnenden Geist Gottes versiegelt würden, von dem das „Öl“ spricht (vgl. Jes 55,1-3). Den Törichten wurde gesagt: „Kauft für euch selbst.“ Jeder, der errettet wird, muss eine persönliche Beziehung mit dem Herrn selbst haben. Es ist nicht möglich, es für eine andere Person zu kaufen.

Dann kam der glückliche, aber feierliche Moment, als der Bräutigam kam, und „die bereit waren, gingen mit ihm ein zur Hochzeit; und die Tür wurde verschlossen“ (Mt 25,10). Diejenigen, die töricht und unvorbereitet waren, als der Bräutigam kam, gingen leer aus. Später kamen sie und riefen: „Herr, Herr, tu uns auf!“, aber es war zu spät (Mt 25,11)! Fünfmal finden wir in der Schrift den Ausdruck „Herr, Herr“; immer bezieht er sich auf leere Bekenntnisse (Mt 7,21; 7,22; 25,11; Lk 6,46; 13,25).

Gleichnis III: Nützlichkeit in der Zeit der Abwesenheit Christi (Mt 25,14-30)

Im ersten Gleichnis ging es um Treue, im zweiten Gleichnis um Wachsamkeit und im dritten Gleichnis um die Nützlichkeit des Dienstes. Wir wollen in der Zeit der Abwesenheit Christi treu, wachsam und nützlich sein.

Mt 25,14-30: Und einem gab er fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit; und sogleich reiste er außer Landes. Der die fünf Talente empfangen hatte, ging hin und handelte damit und gewann weitere fünf. Ebenso gewann der mit den zweien weitere zwei. Der aber das eine empfangen hatte, ging hin, grub die Erde auf und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und hält Abrechnung mit ihnen. Und der die fünf Talente empfangen hatte, trat herzu und brachte weitere fünf Talente und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir übergeben, siehe, weitere fünf Talente habe ich gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn. Aber auch der mit den zwei Talenten trat herzu und sprach: Herr, zwei Talente hast du mir übergeben; siehe, weitere zwei Talente habe ich gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn. Aber auch der das eine Talent empfangen hatte, trat herzu und sprach: Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast. Und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? So hättest du nun mein Geld den Wechslern geben sollen, und bei meinem Kommen hätte ich das Meine mit Zinsen zurückerhalten. Nehmt nun das Talent von ihm weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat; denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, weggenommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Im ersten Gleichnis ging es um den Dienst innerhalb des Hauses Gottes; in diesem Gleichnis geht es um den Dienst außerhalb des Hauses.

Dieses Gleichnis hat mit der Ausübung unserer Gabe während der Zeit der Abwesenheit des Herrn zu tun. Der „Mensch, der außer Landes reiste“, ist der Herr selbst, der durch den Tod von diesem Schauplatz weggenommen und in den Himmel aufgefahren ist (Apg 1,9-11). Bei seiner Abreise gab der Mensch dem „einem … fünf Talente, einem anderen zwei, einem anderen eins, jedem nach seiner eigenen Fähigkeit“ (Mt 25,15). In seiner Abwesenheit sollten sie damit Handel treiben, und wenn er zurückkehrte, würde er über ihre Arbeit Rechenschaft fordern.

Hier gibt es zwei Dinge: „Fähigkeit“ und „Talente“. „Fähigkeiten“ sind unsere natürlichen intellektuellen Fähigkeiten, die Gott uns von Geburt an schenkt und in unsere Persönlichkeit einprägt. Gott wählt jeden Einzelnen von uns durch seine Vorsehung aus und gestaltet ihn auf diese Weise, lange bevor wir errettet werden.

Wenn wir errettet werden, gibt uns der Heilige Geist eine geistliche Gabe, damit wir dem Herrn an dem Platz dienen können, an den Er uns gestellt hat. Die „Talente“ sprechen von diesen geistlichen Gaben. Es kann eine Gabe für die Evangelisation, den Hirtendienst oder in der Lehre sein (Eph 4,11), vielleicht aber auch etwas weniger Ausgeprägtes wie die „Hilfeleistungen“ (1Kor 12,28) oder das Ausüben von „Barmherzigkeit“ (Röm 12,8).

Wir sehen hier die souveräne Weisheit des Meisters, der die Gaben so verteilt, dass sie den natürlichen Fähigkeiten des Dieners entsprechen. Jemand, der von Natur aus kontaktfreudig und gesprächig ist, könnte z.B. die Gabe des Evangelisten gegeben werden. Es ist unwahrscheinlich, dass der Herr eine solche Gabe jemand gibt, der von Natur aus zurückhaltend ist und dem es an Kommunikationsfähigkeit mangelt.

In 1. Petrus 4,10.11 finden wir diese Unterscheidung wieder: „Je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dient einander damit als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes. Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit ist und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

Ich erwähne das, weil viele Christen heute nicht verstehen, was eine Gabe ist, und sie mit natürlichen Fähigkeiten verwechseln. Nehmen wir z.B. jemand, der einen Football sehr weit werfen kann. Die Leute werden ihm sagen: „Oh, das ist deine Gabe!“ So kommt er auf die Idee, dass er berufen ist, Profifootballer zu werden, um dem Herrn zu dienen. Vielleicht kann ein anderer Christ sehr gut singen oder Musik machen. Die Leute werden ihm sagen: „Das ist deine Gabe, Bruder!“ So wird er ermutigt, in die Unterhaltungsbranche zu gehen und dort Karriere zu machen. Das Ergebnis: Wir sehen, wie Christen in alle möglichen Unternehmungen verwickelt sind, von denen ich nicht glaube, dass der Herr sie dorthin führen wollte. Wir haben Christen in Hollywood, wir haben Christen in der Super-Bowl-Liga usw. Sie helfen dem Weltsystem nur dabei, die Menschen abzulenken und zu unterhalten, während sie auf dem Weg zur Hölle sind! Wie kann ein rechtschaffener christlicher Musiker in einer Tanzkapelle spielen, die Menschen dabei hilft, einen Abend lang fröhlich in die Hölle zu tanzen?

Es ist unglaublich: Echte Gläubige werden darauf reduziert, die Menschen dieser Welt zu unterhalten, während sie gedankenlos in eine verlorene Ewigkeit schreiten! Das erinnert mich an Gehasi, der sich als habgierig erwies und aus seinem Dienst für den Herrn entlassen wurde (2Kön 5,20-27). Später unterhielt er den gottlosen König mit Geschichten über die erstaunlichen Dinge, die Elisa getan hatte (2Kön 8,4.5)! Das passiert heute in der christlichen Welt, und zwar wegen schlechter Belehrung und vielleicht auch wegen einer Menge Eigenwillen und Ruhmsucht.

Die treuen Diener gingen hin und „handelten“ mit ihren Talenten und „gewannen“ mehr hinzu (Mt 25,16.17). Das bedeutet nicht, dass wir noch eine Gabe hinzubekommen, wenn wir dem Herrn mit unserer Gabe dienen, sondern dass unsere Gabe entwickelt werden muss. Je mehr wir unsere Gabe ausüben, desto stärker wird sie wachsen und desto effektiver werden wir in unserem Dienst sein.

Dann heißt es: „Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte“ (Mt 25,19). Die „lange Zeit“ bezieht sich auf die gesamte Zeit der Abwesenheit des Herrn – die Zeit der christlichen Kirche von etwa zweitausend Jahren. Die Wiederkunft des Meisters spricht natürlich von der Ankunft des Herrn: von der Entrückung. Dann werden die Diener versammelt und zur Rechenschaft gezogen. Dies spricht vom Richterstuhl Christi, wenn unser Leben und unser Dienst überprüft wird und wir entsprechend belohnt werden (Röm 14,10; 1Kor 3,12-15; 4,5; 2Kor 5,10). Das Großartige daran ist, dass der Herr nicht nach der Größe der Gabe belohnt. Das wäre nicht fair, denn einige haben von vornherein mehr Talente erhalten als andere. Sie werden danach belohnt, wie bereitwillig und fleißig sie das eingesetzt haben, was ihnen in die Hände gegeben war. Wenn sie das, was sie erhalten haben, vervielfachen, werden sie entsprechend belohnt werden. Jeder, der nach den Fähigkeiten gearbeitet hat, die der Herr ihm gegeben hatte, erhält sein Lob: „Da sprach sein Herr zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn“ (Mt 25,21.23).

Der Mensch, der sein Talent in der Erde „verbarg“, ist nur ein falscher Bekenner im christlichen Zeugnis. Wir können es daran erkennen, dass er nicht errettet war, weil er in die „äußerste Finsternis“ geworfen wurde (Mt 25,30). Eine Schwierigkeit, die einige damit haben, ist, dass ihm ein Talent (eine Gabe) gegeben worden war. Aber die Wahrheit ist: Gott gibt allen, die im Haus Gottes sind, bestimmte äußere Manifestationen des Geistes, ob sie nun errettet sind oder nicht. In diesem Sinn ist allen im Haus Gottes eine Gabe gegeben worden. Denke daran, dass der Geist Gottes heute nicht nur in den Gläubigen wohnt, sondern auch unter ihnen (Joh 14,17; Apg 2,1-4). Der Geist Gottes ist im Haus Gottes, wo es eine Mischung aus Gläubigen und Ungläubigen gibt; und die bloßen Bekenner, die sich dort befinden, haben äußerlich Anteil am Geist Gottes (Heb 6,4).

Der Herr gibt in Matthäus 7,21-23 ein Beispiel für jemand, der eine Gabe hatte, aber nicht errettet war. Auch Judas ist ein Beispiel dafür (Apg 1,17): Er predigte, trieb Dämonen aus und heilte Menschen, aber er ging verloren (Joh 6,70; Apg 1,25). Der Herr des Hauses hält solche Menschen für verantwortlich, weil sie sich durch ihr Bekenntnis als Diener ausgegeben haben und als solche angesehen werden, obwohl sie nicht errettet sind. Das größte Gericht wird über die kommen, die das größte Maß an Licht und Vorrechten hatten, doch nicht darauf reagiert haben (Lk 12,47.48)!

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Übersetzt aus The Olivet Discourse (Matthew 24–25): The Lord’s Coming in Relation to Israel, Christendom, and the Gentile Nations,  
E-Book-Version 1.1, August 2019;
nach einem Vortrag in Regina, Saskatchewan (Kanada), August 2006

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