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Leitverse: Johannes 2
Inhalt
Der Ruin des Menschen und die Herrlichkeit Christi
Das Hochzeitsfest
(V. 1-12) Die Reinigung des Tempels
(V. 13-17) "Der Tempel seines Leibes"
(V. 18-22) Der natürliche Sinn des Menschen
(V. 23-25)
Wenn wir das Evangelium nach Johannes lesen, dann müssen wir uns daran
erinnern, dass es uns zeigt, wie die jüdische und irdische Segens-Ordnung
beiseitegesetzt wird, um das, was völlig neu, himmlisch und ewig in seinem
Charakter ist, einzuführen. Bevor diese neue Ordnung des Segens - das
Christentum mit der Offenbarung göttlicher Personen - eingeführt werden
konnte, musste das Wort Fleisch werden. Niemand anders als eine göttliche
Person ist groß genug, göttliche Personen zu offenbaren und die Ziele des
Herzens Gottes zu entfalten.
Im Christentum ist alles gegründet auf die Person des Sohnes. Daher können
wir verstehen, dass wir am Anfang des Evangelium zunächst die Herrlichkeit Seiner Person gezeigt bekommen. Damit wird die Grundlage gelegt für dauerhaften
Segen für den Menschen und für die Herrlichkeit Gottes. Bevor wir allerdings
in der Lage sind, durch die Offenbarung himmlischer Dinge zu profitieren, müssen
wir erst einmal von dem hoffnungslosen Zustand und dem völligen Ruin des
gefallenen Menschen überzeugt werden.
Diese notwendige Enthüllung des Menschen wird in diesem zweiten Kapitel vor
uns gebracht. Hier lernen wir:
-
dass der Mensch sein eigenes Glück in natürlichen und rechtmäßigen
Dingen nicht sicherstellen kann - der Wein geht zur Neige (V. 1-11);
-
dass der Mensch sich sich die Religion, die Gott ihm gegeben hat, um ihm den
Segen auf der Erde zu sichern, nicht zunutze machen kann - der Tempel ist
verdorben (V. 13-17);
-
dass der Mensch die Güte Gottes nicht wertschätzen kann, wenn Er auf die Erde
hinabsteigt, um voller Gnade und Wahrheit unter den Menschen zu wohnen -
Christus wird verworfen (V. 18-22);
-
letztens dass, der Mensch durch natürliche Vernunft Christus nicht
wertschätzen kann, denn obwohl er sogar zu einer richtigen Schlussfolgerung in
Bezug auf Christus kommt, bleibt er doch fern von Gott. Es gibt nichts in
dem gefallenen Menschen, auf das Gott Vertrauen setzen kann (V. 23-25).
Wenn uns dieses Kapitels nun etwas erzählt von dem Ruin des Menschen, dann
entfaltet es auch die Herrlichkeit Christi, der wahres Glück bringt, mit allem
Bösen handelt, die Macht des Todes überwindet und zu Sich Selbst hinzieht.
Joh 2,1-12: Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter
Jesu war daselbst. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit
geladen. Und als es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben
keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine
Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend
er euch sagen mag, tut. Es waren aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge
aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß
fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie
füllten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es
dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser
gekostet hatte, welches Wein geworden war (und er wusste nicht, woher er war,
die Diener aber, welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es), ruft der
Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den
guten Wein vor, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du
hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus
zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger
glaubten an ihn. Nach diesem ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter
und seine Brüder und seine Jünger; und daselbst blieben sie nicht viele Tage.
Sicherlich sagt uns diese Hochzeit in Kanaan auch etwas über die göttlichen
Haushaltungen und dann geht es in diesem Abschnitt über die Erneuerung der
Beziehungen Gottes zu Israel in der Zukunft. Aber es gibt auch eine große
moralische Lektion hierin, die uns lehrt, dass alle irdischen Dinge letztendlich
keine bleibende Freude bieten. Die Hochzeit ist das größte Ereignis im Leben
des natürlichen Menschen und es ist ganz in Ordnung, wenn er versucht, es zu
einer Zeit von Feiern und Freude zu machen. Ach! Der Wein der menschlichen
Freude geht irgendwann aus. Der Mensch ist unfähig, sein eigenes Glück
sicherzustellen. Unter außergewöhnlich günstigen Umständen mag einem
Menschen jedes Mittel zur Verfügung stehen, sein Glück zu sichern - wenn das
möglich wäre durch natürliche Mittel. Jugend, Reichtümer und Gesundheit
mögen zu seiner Verfügung stehen und er mag sie zum größtmöglichen Vorteil
auf eine rechtmäßige Art und Weise gebrauchen, wie z.B. bei einer Hochzeit.
Nichtsdestoweniger wird das Glück nicht andauern - der Wein geht zur Neige.
Selbst im schönsten Moment des Lebens wird es etwas geben, das das vollkommene
Glück beeinträchtigt und über die Freude des vorbeigehenden Tages hängt die
Drohung von dem, was der Morgen bringen mag. Die Umstände mögen sich ändern,
die Gesundheit kann versagen, und der Tod mag in das glücklichste Heim
eindringen und die engsten Beziehungen beenden.
Wenn auch die Hochzeitsszene das Versagen des Menschen in seiner besten
Situationen aufzeigt, so offenbart sie auch die Herrlichkeit Christi, die sich
über jeden Menschen und über alle Schwierigkeiten erhebt und ein Glück für
den Menschen sicherstellt, wie er es sich nicht selbst sichern kann. Wir werden
dazu gebracht zu lernen, dass es getrennt von Christus keine bleibende Freude
gibt.
Darüber hinaus ist es so, dass, wenn Christus wahres Glück sichert, Er das
tut als jemand, der völlig getrennt ist von Israel und der Welt. In Vers 1 sehen
wir ein gesellschaftliches Ereignis, mit der die Mutter Jesu verbunden ist. In
Vers 2 sehen wir Jesus und Seine Jünger einen separaten Kreis getrennt von der
Welt bilden. Sie werden zu der Hochzeit eingeladen, und als Antwort beehrt der
Herr dieses Fest mit Seiner Gegenwart. Dadurch heiligt Er diese von Gott
eingerichtete Beziehung der Ehe.
Trotzdem wird Er, wenn der Wein zur Neige geht, nicht einschreiten auf den
Wunsch Seiner Mutter hin. Er sagt: "Frau, was habe ich mit dir zu tun? Meine
Stunde ist noch nicht gekommen". Durch seine Mutter war der Herr mit
Israel und dem Gesetz verbunden. Indem Er Sich weigerte, in Verbindung mit Seiner Mutter zu
handeln, zeigte Er, dass alles, was Er tat, so wie es in diesem Evangelium
dargestellt wird, aus der Beziehung, die Er als Sohn mit dem Vater hatte, hervorkam
und nicht aus einer natürlichen Beziehung mit Seiner Mutter oder
einer gesetzlichen Beziehung mit Israel. In diesem Evangelium sehen wir den
Herrn immer außerhalb jeglicher irdischer Beziehungen als einen himmlischen
Menschen, der himmlische Dinge hineinbringt (Joh 3,12). So offenbarte Er Seine
Herrlichkeit als jemand, der in Beziehung war mit dem Vater, Seinen Willen
ausführte und schließlich die Freude für den Menschen sicherstellte.
Der Weg, den der Herr einschlägt, um den guten Wein zu liefern, ist
sicherlich bedeutsam. Er sorgte dafür, dass leere Wasserkrüge, die zur
Reinigung benutzt wurden, gefüllt werden sollten; und von diesen Wasserkrügen
wird der Wein genommen. Zeigt uns das nicht in einem Symbol, dass 'glücklich
sein' für den Menschen nur dann sichergestellt werden kann, wenn die
Heiligkeit beachtet wird?
Joh 2,13-17: Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Und
er fand im Tempel die Ochsen- und Schafe- und Taubenverkäufer, und die Wechsler
dasitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel
hinaus, sowohl die Schafe als auch die Ochsen; und die Münze der Wechsler
schüttete er aus, und die Tische warf er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmet dies weg von hier, machet
nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus. Seine Jünger aber
gedachten daran, dass geschrieben steht: "Der Eifer um dein Haus verzehrt
mich".
Wenn die Hochzeit zu Kana uns erzählt, dass der Mensch sein eigenes Glück
nicht sichern kann durch natürliche Hilfsmittel, die Gott eingerichtet hat, so
zeigt uns die zweite Szene zu Jerusalem, dass der Mensch die Religion, die Gott
gegeben hatte, sich nicht zunutze machen kann. Wenn Gott eine Religion zur
Verfügung stellt, die dem natürlichen Menschen, dem Menschen im Fleisch
angemessen ist, um sein Verhalten und seinen irdischen Segen sicherzustellen,
dann verdirbt der Mensch das sofort. Er macht daraus ein Mittel zum Gewinn. Das
"Haus des Gebets für alle Völker" wird eine Halle für Geldwechsler, die
das Vaterhaus in ein Kaufhaus verwandeln. Der Herr handelt mit diesem
großen Übel und rechtfertigt Seine richterliche Handlung, indem Er Seine
Beziehung zu Gott als Seinem Vater herausstellt und deutlich macht, dass der
Tempel das Haus Seines Vaters ist. So zeigt Er wieder aufs Neue Seine
Herrlichkeit vor Seinen Jüngern, indem Er als Sohn handelt im Eifer für die
Herrlichkeit des Hauses Seines Vaters. So hatte die Schrift schon gesagt:
"Der
Eifer um dein Haus hat mich verzehrt" (Ps 69,9). Jetzt, wo der Sohn
gekommen ist, hat dieser Psalm eine vollere und tiefere Bedeutung erfahren und
enthüllt uns, dass der verworfene Mensch, von dem der Psalmist spricht, niemand
geringeres ist als der Sohn.
Joh 2,18-22: Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen zeigst du
uns, dass du diese Dinge tust? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet
diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Da sprachen die
Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst
ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als
er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies
gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Worte, welches Jesus
gesprochen hatte.
Die Juden trachten nach einem Zeichen, womit sie erneut Gelegenheit gaben zu
zeigen, was in dem Herzen des Menschen ist. Der Herr zeigt in Seiner Antwort an,
dass dadurch, dass Er Mensch geworden war, Sein Leib nun der wahre Tempel oder
Wohnplatz Gottes ist. Der Tempel zu Jerusalem war leer und würde sehr bald
"ihr
Haus" genannt werden und der Zerstörung übergeben werden. (Mt 23,38; 24,2). Der Tempel zu Jerusalem konnte verdorben und zerstört werden; bei
dem Tempel des Leibes des Herrn war kein Verderben möglich, obwohl die Menschen
mit Gewalt versuchen konnten, Seinen Leib zu zerstören. Wieder und wieder
versuchten sie, den Herrn zu steinigen und zuletzt als die Stunde gekommen war,
wurde es ihnen erlaubt, den Tempel Seines Leibes abzubrechen. Die Bosheit des
Menschen würde eine weitere Gelegenheit für die Offenbarung Seiner
Herrlichkeit als der Sohn sowie auch Seiner Oberhoheit über alle anderen sein. Der
Mensch mag zerstören, aber er kann nicht aus dem Tode auferwecken. Christus
sagte sozusagen: "Auch wenn ihr das Schlimmste getan haben werdet, wenn ihr
den Tempel meines Leibes abgebrochen haben werdet, dann werde ich ihn
auferwecken". Seine Auferstehung wird die Erklärung in Macht dafür sein, dass
Er der Sohn Gottes ist.
Joh 2,23-25: Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Feste, glaubten viele an
seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber
vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht bedurfte, dass
jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen
war.
Die Schlussverse zeigen die weitere wichtige Wahrheit, dass obwohl der Mensch
durch seinen natürlichen Verstand gewisse richtige Schlussfolgerungen ziehen
kann durch Beweise, die vor ihn kommen, so werden ihn doch die Schlussfolgerungen
des natürlichen Verstandes fern von Gott lassen. So lesen
wir, dass viele in Jerusalem "an seinen Namen glaubten, als sie die Zeichen
sahen, die er tat". Aufgrund der sichtbaren Beweise führte ihr natürlicher
Verstand sie zu der Schlussfolgerung, dass Christus alles das war, was Er zu
sein behauptete. Aber damit endete auch schon die Angelegenheit. Sie hatten kein
Bewusstsein davon, dass sie Christus brauchten. Es war keine Übung in ihrem
Gewissen da, die sie zu Christus brachte. Es gab einen Glauben an Christus
gegründet auf das Sehen, keinen Glauben an Christus, der sie zu Ihm Selbst zog.
Solchen vertraute Christus Sich nicht an. Das offenbart wieder die
Herrlichkeit Christi. Er ist derjenige, der "alle Menschen kennt".
"Er wusste,
was in den Menschen war", und hatte nicht nötig wie andere, dass man
ihm Zeugnis gebe von den Menschen. Er ist der allwissende Gott.
Was für ein genaues Bild von dem Menschen und der Welt, wird uns in diesem
Kapitel gezeigt: Natürliche Dinge können kein dauerndes Glück zu bringen. Die
Dinge Gottes werden verdorben. Derjenige, der die Gnade Gottes bringt, wird
abgewiesen. Der natürliche Verstand des Menschen, selbst wenn er richtig schlussfolgert,
belässt ihn in Entfernung von Gott.
Doch die Enthüllung dessen, was der Mensch ist, macht den Weg frei für die
Offenbarung der Herrlichkeit Christi. So macht dieses Kapitel in schöner Weise
klar, dass Christus die Hilfsquelle des Gläubigen ist. Wenn wir sehen, wie alle
irdischen Dinge versagen, wenn wir belastet sind mit einem Gefühl von all dem
Bösen, das in die Dinge Gottes eingedrungen ist, wenn wir den Tod auf allem
liegen sehen und merken, dass unsere natürliche Gedankenwelt unfähig ist,
Gott zu erreichen, wenn wir so uns umgeben fühlen von dem ganzen Versagen und
Ruin des Menschen, dann finden wir Christus als denjenigen, der das Herz mit
Freude erfüllen kann, der mit all dem Bösen handeln kann, der die Macht des
Todes brechen kann und der zu Sich Selbst zieht.
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