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Leitverse: 1. Korinther 12; 14; Markus 16,20; Apostelgeschichte 2,3-21;
10,46; 19,6
Inhalt
1. Erwähnung im NT 2. Bedeutung des Wortes 3. Wesen und Merkmale der
„Sprachen“ 4. Sinn und Ziel der
„Sprachen“ 5. Behauptungen 6. Gibt es auch heute noch Reden in Sprachen? 7. Schlussfolgerung
Ehe wir uns mit der Frage beschäftigen, ob es auch heute noch das Reden in
Sprachen gibt, wollen wir uns anhand der Heiligen Schrift über Wesen und Ziel
des vielfach sogenannten „Zungenredens“ klarwerden und auch gewisse
Behauptungen prüfen, die diesbezüglich aufgestellt werden.
Über das Reden in Sprachen wird nur an folgenden Stellen des NT
gesprochen:
- Markus 16,17
- Apostelgeschichte 2,3-21; 10,46; 19,6;
- 1. Korinther 12,10.28; 13,1; 14.
Das griechische Wort für „Sprachen“ (glossa) bedeutet:
- „Zunge“ (als Organ des Redens): vgl. Lukas 16,24; Markus 7,33;
Römer 3,13; Philipper 2,11 u.a.
- „Sprache“ (oft im Sinn von „Mundart“): vgl.
Apostelgeschichte 2,11 mit 2,8; Offenbarung 5,9;
7,9 u.a.
Es handelt sich bei „Arten von Sprachen“ ebenso wie bei „Auslegung der
Sprachen“
um geistliche Gnadengaben (1Kor 12,8-10), die allerdings in der Rangfolge von
1. Korinther 12,28-31 an letzter Stelle stehen, also von untergeordneter Bedeutung
sind.
Diese Sprachen wurden — wie Apostelgeschichte 2 zeigt — von den Menschen
verschiedener Sprachgebiete verstanden. Es waren nicht unartikulierte,
unverständliche Worte und Reden, die in einem Zustand „geistlicher Ekstase“
hervorgebracht worden wären. Das eigentlich Wunderbare, Übernatürliche lag auch nicht bei den Hörenden,
sondern bei den Redenden: „wie der Geist ihnen gab, auszusprechen“.
Wenn in Markus 16,17 von „neuen“ (kainos) und in Apostelgeschichte 2,4 von
„anderen“ (heteros) Sprachen die Rede ist, so erhellt aus Apostelgeschichte 2,
dass es nicht andere oder neue Sprachen im absoluten Sinne waren, Sprachen oder
Mundarten also, die es zuvor noch nicht gegeben hatte. Sie waren, wie die
angeführten Stellen zeigen, neu und anders nicht für die Hörenden, sondern für
die Redenden, also für die Apostel: Sie hatten sie nie gelernt.
Zu bemerken ist noch, dass sich die Sprachen in Korinth in ihrem Wesen nicht von
den Sprachen zu Pfingsten unterscheiden konnten. Allerdings bestand dieser
Unterschied: Es war niemand dort, der sie verstand. Deswegen schränkt der
Apostel Paulus den Gebrauch dieser Gabe ein, es sei denn, dass ein Ausleger
(übrigens nicht nur: Übersetzer) da war, damit es zur Auferbauung gereichte. Der
Apostel erkennt durchaus die Macht des Heiligen Geistes in der Gabe des
Sprachenredens an; wenn sie aber nur der persönlichen Eitelkeit und
Selbstbefriedigung und nicht der Auferbauung der Versammlung diente, unterbindet
er sie.
Am Tag der Pfingsten wurde das Reden in Sprachen als Zeichen und Beweis der
Herniederkunft des Heiligen Geistes gegeben. Es steht also in enger Verbindung
mit dem Beginn der Versammlung. Ebenso verhält es sich bei den beiden anderen
Begebenheiten in der Apostelgeschichte, in denen von dem Reden in Sprachen
gesprochen wird: In Kapitel 10 werden die aus den Nationen, in Kapitel 19 solche, die
bislang nur Jünger Johannes des Täufers waren, der Versammlung Gottes
hinzugefügt.
Das Reden in Sprachen war zudem eine außerordentliche Hilfe bei der Verbreitung
des Evangeliums durch die Predigt der Apostel und ein Zeichen der sie
begleitenden Macht Gottes. Gott hatte seit Babel die Sprache der Menschen
verwirrt und dadurch ihrer Verständigung untereinander und ihren Vorhaben
Grenzen gesetzt. Israel besaß nur eine der Sprachen, vielleicht sogar die
ursprüngliche. Die wahre Kenntnis Gottes war über Jahrtausende auf Israel
beschränkt. Als aber das Christentum seinen Anfang nahm, übersprang gleichsam
die Gnade Gottes diese Barrieren und begrüßte die Heiden dort, wo sie waren — in
Dunkel und Finsternis, ohne sie unter das jüdische Joch zu zwingen. Wie passend
war es da und wie sehr zeugte es von der Gnade Gottes, wenn Gott das Evangelium
zu jedem Einzelnen von ihnen in seiner eigenen Sprache oder Mundart reden ließ
(Apg 2,8-11)! „Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht den Glaubenden,
sondern den Ungläubigen“ (1Kor 14,22).
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Es wird behauptet, dass die in Korinth in Sprachen Redenden selbst
nicht verstanden hätten, was sie sagten. Das ist durchaus nicht so! Sie mochten
im Geiste Geheimnisse reden und sie redeten Gott, aber sie wurden von anderen
nicht verstanden (1Kor 14,2.23). Sie redeten gleichsam „in den Wind“ (V. 9),
weil ihre Rede den anderen unverständlich war. Die Worte in Vers 4: „Wer in
einer Sprache redet, erbaut sich selbst“, zeigen deutlich, dass die Redenden
selbst das Gesprochene wohl verstanden. Dass die Erbauung bei Unkenntnis dessen,
was geredet wurde, nicht einfach in dem Bewusstsein bestand, dass hier eine
göttliche Macht wirksam war, wird daran deutlich, dass dann schließlich auch die
Versammlung durch dieses Bewusstsein erbaut worden wäre, während jedoch der
Apostel unbedingt darauf besteht, dass das Gehörte durch einen Ausleger
verständlich gemacht würde, weil eben die Versammlung sonst nicht erbaut
würde
(V. 5.13.17.28). [Anm. d. Red.:
Der Apostel fordert allerdings auch nicht dazu auf, dann das Sprachenreden ganz zu
unterlassen, nur soll es nicht in der Gemeinde geschehen — siehe auch Vers 28,
wo der Apostel sagt: „… rede sich selbst und Gott“.]
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Man behauptet heute vielfach mit Blick auf 1. Korinther
13,1 in
Sprachen der Engel zu reden, wie es ja auch der Apostel Paulus getan habe.
Hierzu möchten wir zuerst bemerken, dass Paulus nicht eigentlich von sich
spricht, sondern die Sache gleichsam personifiziert darstellt, wie er es des Öfteren tut (vgl. 1Kor 9,26.27; Röm 7,7-25 auf dem Grundsatz von 1Kor 4,6).
Zweitens ist 1. Korinther 13,1 kein Aussagesatz (in diesem Falle müsste für
„wenn“ die griechische Partikel ei stehen), sondern ein hypothetischer Satz, der
mit eav = „gesetzt den Fall“ eingeleitet wird. „Gesetzt den Fall, ich würde in
Sprachen der Menschen reden, und (sogar) der Engel, hätte aber nicht Liebe …“, so könnte man wörtlich übersetzen. Selbst in diesem extremen Fall würde er
nur einem toten Gegenstand gleichen, einem tönenden Erz und einer schallenden
Zimbel. Dass er selbst oder andere in Sprachen der Engel geredet haben, ist aus
1. Korinther 13,1 nicht abzuleiten, obgleich der Apostel Paulus mehr in einer
Sprache redete als sie alle (1Kor 14,18).
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Die Behauptung, das Reden in Sprachen sei der Ausdruck eines
hohen geistlichen Zustandes, eines „Erfülltseins mit dem Geiste“, wird allein
schon durch den fleischlichen Zustand der Korinther selbst Lügen gestraft (1Kor 3,1-3).
Wir wollen, auf das bereits Gesagte aufbauend, im Folgenden darlegen, warum wir
nicht glauben, dass diese Gabe in unseren Tagen noch Bestand hat.
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Ebenso wie Sich der Herr Jesus durch mächtige Taten und Wunder
und Zeichen als der Sohn Gottes auswies (Apg 2,22; Röm 1,4), so wurde auch die
Herniederkunft des Heiligen Geistes als Person und damit der Beginn des
Christentums durch Wunderwerke begleitet und beglaubigt, „indem der Herr
mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen“ (Mk 16,20),
„indem Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und
mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen“
(Heb 2,4). Die Wunderwirkungen und damit auch die „Sprachen“ stehen also klar
mit dem Anfang des christlichen Zeugnisses in Verbindung, nicht mit dessen Ende
(2Tim 3).
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In der Heiligen Schrift finden wir keine Verheißungen über das
Bleiben dieser Gaben bis zur Ankunft des Herrn. Deswegen fehlen sie auch in
Epheser 4. [Anm. d. Red.: Dort in 1. Korinther 12,28 fehlen allerdings auch „Hilfeleistungen,
Regierungen“, die zwar in 1. Korinther 12 aufgezählt werden,
nicht jedoch in Epheser 4. Trotzdem wird allgemein davon ausgegangen, dass diese
Gaben heute noch existieren.]
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1. Korinther 13,8 sagt ausdrücklich, dass die Sprachen aufhören
werden. Der Wechsel des Ausdrucks von „weggetan werden“ (in Verbindung mit
Prophezeiungen und Erkenntnis) zu „werden aufhören“ (wenn es sich um die
Sprachen handelt) ist doch sehr bedeutsam. Damit wird wohl angedeutet, dass nur
die beiden Ersteren bleiben werden, bis „das Vollkommene gekommen sein wird“, d.
h. bis zur Ankunft des Herrn (V. 10).
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Mit fortschreitender Zeit, d. h. in den späteren Briefen des NT
und mit Vollendung des Wortes Gottes (Kol 1,25), hören wir immer weniger von
Wunderwerken des Geistes und schon gar nichts mehr von dem Reden in Sprachen.
Auch im AT waren Wunder nur vorübergehende Erscheinungen, jeweils zu Beginn
eines neuen Werkes Gottes.
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Durch Unordnung, Zersplitterung und Auflehnung gegen Gottes Wort
wird in der bekennenden Christenheit heute der Heilige Geist betrübt und an
Seiner freien Wirksamkeit gehindert, der Herr Jesus wird zutiefst verunehrt.
Wäre es nicht geradezu eine Billigung dieses traurigen Zustandes, wenn Gott noch
durch Zeichen und Wunder wirkte? Setzte Er damit nicht gleichsam Sein Siegel
unter unsere Untreue?
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Wenn wir nun noch kurz einen Blick auf die Praktiken jener
werfen, die da vorgeben, in Sprachen zu reden, so erkennen wir, dass diese nicht
nur in einem Punkte den Aussagen der Schrift glatt zuwiderlaufen:
Im Gegensatz zu Pfingsten wird überhaupt nicht in irgendeiner menschlichen
Sprache oder Mundart gesprochen, die irgendjemand verstehen könnte:
- Im Gegensatz zu der in 1. Korinther 14,27 angegebenen Ordnung,
nacheinander und höchstens zwei oder drei reden zu lassen, beten oder reden
fast immer mehrere Personen zur gleichen Zeit.
- Entgegen den Worten in 1. Korinther 14,5.13.27-28 ist gewöhnlich kein
Ausleger da, der das Gesprochene verständlich machen könnte; sie reden oder
beten aber dennoch.
- Entgegen dem eigentlichen Betätigungsfeld (1Kor 14,22) wird das Reden
in Sprachen fast durchweg vor den Gläubigen, nicht vor den Ungläubigen
ausgeübt.
- Die „Sprachen“ bringen niemandem wirklichen Nutzen oder Auferbauung („alles geschehe zur
Erbauung“!); eine Botschaft oder Mitteilung an
irgendjemanden enthalten sie offenbar nicht.
- Obwohl die Schrift sagt: „Eure Frauen sollen schweigen in den
Versammlungen“ (1Kor 14,34), sind es oft gerade Frauen, die in Sprachen
reden oder beten.
- Es ist bemerkenswert, dass das sogenannte Zungenreden vielfach in
solchen religiösen Sekten und Gemeinschaften gefunden wird, die grobe Irrlehren
haben. Ein Beispiel mag für viele andere stehen: Anfang des vorigen Jahrhunderts
lehrte ein gewisser Edward Irving die Wiederherstellung des Zungenredens und
betete öffentlich dafür. Nach seinen eigenen Aussagen empfing er die „Gabe“
lange Zeit nicht, „weil da nichts war, was der Heilige Geist hätte bezeugen
können“. Erst als er die (lästerliche!) Lehre von der Sündhaftigkeit der Natur
Jesu verbreitete, sei ihm die „Gabe“ verliehen worden, als Bestätigung des
Heiligen Geistes für diese Lehre.
Nach alledem, was gesagt wurde, sind wir völlig davon überzeugt, dass Personen,
die heute das Zungenreden praktizieren, sich selbst und andere täuschen und
betrügen. Wir wollen uns davon fernhalten, wie geschrieben steht: „Von aller
Art des Bösen haltet euch fern.“ [Anm. d. Red.: Wenn auch die Redaktion die
obigen
Argumente für sehr überdenkenswert hält, geht sie im Urteil doch nicht so
weit, grundsätzlich jedes Zungenreden als per se Böse anzusehen, da sie das in
der Schrift nicht eindeutig finden kann. Obwohl die Redaktion auf der
einen Seite nicht über die
Schrift hinausgehen will, möchte sie auf der anderen Seite dennoch jeden, der die Zungengabe
praktiziert, bitten, obige Gedanken ernstlich zu erwägen.]
Wenn wir auch Wunderwirkungen und „Sprachen“ nicht mehr haben, so besitzen wir
doch aufgrund des Werkes Christi etwas weitaus Größeres und Herrlicheres: die
Person des Heiligen Geistes Selbst, der in uns, den Gläubigen, und in der
Versammlung wohnt; diesen Tröster und Fürsprecher, den der Herr Jesus uns vom
Vater herabsandte, dass Er bei uns sei in Ewigkeit; diesen Geist der Wahrheit,
der die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und von Gericht überführt, uns aber in die
ganze Wahrheit leitet, das Kommende verkündigt und die Person Christi
verherrlicht.
Wie geeignet und gnädig auch die Gabe der „Sprachen“ zu ihrer Zeit war, die
Gabe und Innewohnung des Heiligen Geistes ist die charakteristische und
bleibende Segnung wahren Christentums. Dafür sei Gott gepriesen!
aus der Monatszeitschrift Ermunterung und
Ermahnung 1975; S. 27
www.csv-verlag.de
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