Gottes Auseinandersetzungen mit Israel (11)
Jesaja 50

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 10.12.2017

In diesem Kapitel wird die Verwerfung des jüdischen Volkes vorhergesagt. Es wird verworfen, weil es Christus abgelehnt hatte; und doch gibt es einen gottesfürchtigen Überrest, der ermutigt wird, Gott zu vertrauen und auf die Stimme seines Knechtes Jesus zu hören.

Vers 1

Jes 50,1: So spricht der HERR: Wo ist der Scheidebrief eurer Mutter, mit dem ich sie entließ? Oder welchem von meinen Gläubigern habe ich euch verkauft? Siehe, um eurer Ungerechtigkeiten willen seid ihr verkauft, und um eurer Übertretungen willen ist eure Mutter entlassen.

Auch wenn Israel zerstreut ist und von den Nationen unterdrückt wird, heißt das nicht, dass Gott leichtfertig mit seinem Volk gehandelt hätte. Jahwe erinnert Israel daran, dass Er sich ihm gegenüber nicht wie ein hartherziger Mann, der seine Frau entlässt, verhalten hat. Auch nicht wie ein heidnischer Vater, der sein Kind verkauft, um seine Schulden begleichen zu können. Nein, der Grund für die Verwerfung Israels liegt nicht darin, dass Jahwe sein Volk nicht liebte, sondern in ihren eigenen Sünden. Ihre eigenen Ungerechtigkeiten hatten sie von Jahwe entfernt und in die Knechtschaft gebracht.

Verse 2.3

Jes 50,2.3: 2 Warum bin ich gekommen, und kein Mensch war da, habe gerufen, und niemand antwortete? Ist meine Hand etwa zu kurz zur Erlösung? Oder ist in mir keine Kraft, um zu erretten? Siehe, durch mein Schelten trockne ich das Meer aus, mache Ströme zu einer Wüste. Ihre Fische stinken, weil kein Wasser da ist, und sie sterben vor Durst. 3 Ich kleide die Himmel in Schwarz und mache Sacktuch zu ihrer Decke.

Der Prophet hatte bereits auf die Sünden des Volkes durch ihre Hinwendung zu den Götzen hingewiesen. Jetzt sagt er ihre weit größere Sünde voraus, die sie begehen würden, indem sie Christus verwerfen. Das führt den Propheten dahin, in rührender Weise das erste Kommen Christi vorzustellen. In die Zukunft schauend hören wir Christus sagen: „Ich kam“, und: „Ich rief.“ Als Er dann aber kam, war niemand da, der Ihn empfing, und niemand, der auf sein Rufen antwortete. Er lebte voll Gnade und Wahrheit unter den Menschen. Er sprach, wie nie ein Mensch gesprochen hatte. Er rief sie mit zärtlicher Liebe und Gnade. Er bot den Erschöpften an, zu Ihm zu kommen, denn Er wollte ihnen Ruhe geben. Als Er in das Seine kam, empfingen sie Ihn nicht; als Er sie rief, da waren sie taub für sein hingebungsvolles Rufen.

Aber wer ist er denn, der in die Mitte Israels kam? Der erste Vers beginnt mit den Worten: „So spricht der HERR.“ Es ist Jahwe, der sagt: „Ich kam“, und: „Ich rief.“ Der Jesus des Neuen Testamentes ist der Jahwe des Alten Testaments. Hatte denn seine Hand keine Macht, das Volk in seiner tiefen Bedürftigkeit zu erreichen? Konnte Er sie nicht aus der Hand ihrer Feinde befreien? War nicht Jahwe derjenige, der alle Macht über die Himmel und die Erde hatte? Hatte Er nicht in den vergangenen Tagen seine Macht gezeigt, als Er Israel vor dessen Feinden rettete und es aus der Hand der Ägypter befreite? Auf sein Wort hin trocknete das Meer aus und machte eine „Wolke und Finsternis“ die Ägypter blind (2Mo 14,18-22).

Als Er dann in demütiger Gnade inmitten seines Volkes war, wurden seine Hand und sein Wort wieder in all ihrer herrlichen Macht gesehen: Denn durch seine Berührung wurde der Aussätzige gesund, Kranke geheilt, Tote auferweckt, und durch sein gebietendes Wort fuhren Dämonen aus und wurden Stürme gestillt.

Vers 4

Jes 50,4: Der Herr, HERR, hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie solche, die belehrt werden.

All diese Macht Jahwes wird in dem dargestellt, der „Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist“ [Phil 2,7]. Damit Er uns in all unserer Bedürftigkeit nahekommen konnte, erniedrigte Er sich selbst und wurde ein bedürftiger, durstiger, einsamer Mann; so  konnte Er einer müden Sünderin am Brunnen ein Wort zur rechten Zeit sagen. In seinem vollkommenen Menschsein ging Er den Weg in völliger Unterordnung unter den Vater. Das war notwendig, um den Dienst der Liebe auszuführen. Jeden Morgen nahm Er den Platz eines Schülers ein, um den Willen des Vaters zu verstehen. Wir lesen von diesem vollkommenen Diener: „Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus; und er ging hin an einen öden Ort und betete dort“ (Mk 1,35).

Verse 5.6

Jes 50,5.6: 5 Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöffnet, und ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen. 6 Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

Während der Prophet die Herrlichkeit seiner Person bewahrt, stellt er Ihn in all seiner Demut und Gnade vor. Blind für die Herrlichkeit seiner Person und trotz der Werke und Worte der Macht wurde seine Erniedrigung für die Menschen leider der Grund, seine Ansprüche abzulehnen und Ihn sogar mit schweren Beschimpfungen zu überhäufen. Sie schlugen Ihn, rissen Ihm die Barthaare aus und spien Ihm ins Angesicht. Doch die Beschimpfungen der Menschen dienten nur dazu, die Vollkommenheit des Herrn ans Licht zu bringen. Er begegnete diesem allem im Geist vollkommener Unterordnung. Kein Wort der Widerrede kam über seine Lippen, und kein böser Blick überschattete das Gesicht, in das die Menschen spien. Der Herr ertrug das alles im Geist völliger Unterordnung, der auch dann noch sagen konnte: „Ja Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir“ [Mt 11,26].

Falscher Eifer mag einen Jünger dazu getrieben haben, das Schwert zu nehmen, um seinen Meister gegen die Gewalt der Menschen zu verteidigen, aber von dem Herrn lesen wir: „Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde, ging hinaus“ (Joh 18,4), um dort auf seine Feinde zu treffen. Deswegen kann Er hier sagen: „Ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen. Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden.“

Verse 7-9

Jes 50,7-9: 7 Aber der Herr, HERR, hilft mir; darum bin ich nicht zuschanden geworden, darum machte ich mein Angesicht wie einen Kieselstein und wusste, dass ich nicht würde beschämt werden. 8 Nahe ist, der mich rechtfertigt: Wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen hintreten! Wer hat eine Rechtssache gegen mich? Er trete her zu mir! 9 Siehe, der Herr, HERR, wird mir helfen: Wer ist es, der mich für schuldig erklären könnte? Siehe, allesamt werden sie zerfallen wie ein Kleid, die Motte wird sie fressen.

Auch dann, als Er von den Menschen verachtet und abgelehnt war, als Er sich demütig unter jede Beschimpfung beugte, die über Ihm aufgehäuft wurde, war Er nicht ohne Hilfe; denn Er kann sagen: „Aber der Herr, HERR, wird mir helfen.“ Wohl mag Er von den Menschen gekränkt werden, aber Er wird unter keinen Umständen vor den Menschen beschämt werden. Petrus kann später über den Herrn sagen, dass Er, als die Menschen Ihn beschimpften, „sich dem übergab, der gerecht richtet“ [1Pet 2,23]. Indem Er so auf den Herrn schaut und in dem Wissen, dass der Herr Ihn aus all den bösen Anklagen heraus rechtfertigen wird, welche die Menschen gegen Ihn vorgebracht hatten, kann Er sein Angesicht hart wie einen Kieselstein machen. Er macht sein Gesicht hart, um in den Tod zu gehen, und weiß dabei, dass, während die Menschen Beschimpfung auf Beschimpfung häufen, Er doch nicht beschämt werden wird. Und wenn Gott Ihn rechtfertigt, wer sollte Ihn verdammen? Wir wissen, dass die Auferweckung Gottes Antwort war auf all die Anschuldigungen, die Menschen gegen Ihn vorbrachten, und auf die Scham, die sie auf Ihn häuften. Die Worte, die hier auf den Herrn Jesus angewendet werden, gebraucht der Apostel Paulus im Neuen Testament durch den Geist auch für solche, für die Christus gestorben ist (Röm 8,33.34). Wenn Er gerechtfertigt ist, so sind es auch die, für die Er starb. So wie alle gegen Ihn vorgebrachten Anklagen sich als unhaltbar erwiesen, so gibt es auch keine rechtmäßige Anklage gegen die, deren Gericht Er getragen hat.

In all diesen wunderbaren Abschnitten offenbart sich das Herz des Retters, enthüllt sich das Herz der Sünder und zeigt sich das vollkommene Vorbild für Gläubige. Der Apostel Petrus konnte in dem, was der Herr von Menschenhand erduldete, sehen, dass der Herr uns so ein Beispiel hinterlassen hat, „damit wir seinen Fußtapfen nachfolgen“. Was sind das für Fußstapfen! Gutes tun, dafür leiden und darin geduldig ausharren (1Pet 2,20.21).

Vers 10

Jes 59,10: Wer unter euch fürchtet den HERRN? Wer hört auf die Stimme seines Knechtes? Der in Finsternis wandelt und dem kein Licht glänzt, vertraue auf den Namen des HERRN und stütze sich auf seinen Gott.

Wir erfahren jetzt, dass, obwohl die Nation Christus abgelehnt hat, doch ein gläubiger Überrest in ihrer Mitte gefunden wird. Dieser Überrest wird Gott fürchten und auf die Stimme seines Knechtes, Jesus, hören. In den Evangelien können wir entdecken, wie die Gegenwart des Herrn in Israel einen solchen Überrest ans Licht brachte. Er konnte von ihnen sagen: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir“ (Joh 10,27). Sie befinden sich inmitten einer in tiefer Finsternis versunkenen Nation. Doch der Herr kann sagen: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe“ (Joh 12,46). Die gottesfürchtige Seele, die sich selbst von geistlicher Finsternis umgeben sieht und kein Licht für ihren Weg hat, wird auf diese Weise ermutigt, auf den Namen des HERRN zu vertrauen und sich auf ihren Gott zu stützen.

Der Mensch unter Verantwortung versagt immer! So wie damals in der jüdischen Haushaltung, so verderbte sich auch im christlichen Zeitalter der überwiegende Teil der Bekenner mehr und mehr. Doch egal wie groß die Verderbtheit auch sein mag, Gott bewahrt in jeder Haushaltung einen gläubigen Überrest auf, der den Herrn fürchtet und seiner Stimme gehorcht. Selbst in den Tagen Maleachis gab es solche, die den Herrn fürchteten und seines Namens gedachten (Mal 3,16). Der Herr sagt uns, dass auch inmitten der verderbten Christenheit bis zum Ende einige wenige gefunden werden, die mit kleiner Kraft das Wort des Christus festhalten und seinen Namen nicht verleugnen (Off 3,8). Und auch in der immer größer werdenden Dunkelheit haben wir den Herrn als unsere nie versiegende Quelle. Wie dunkel auch die Tage sein mögen, wie klein unsere Kraft auch sei, wir können stark sein „in der Gnade, die in Christus Jesus ist“ (2Tim 2,1).

So wird der gläubige Überrest ermahnt, den Fußstapfen des vollkommenen Dieners, Jesus, zu folgen. Im Angesicht von Leiden und Schmach fand Er seine Hilfe in dem Herrn, seinem Gott (Jes 50,7). Genauso kann auch der Gottesfürchtige heute, trotz zunehmender moralischer Finsternis, auf den HERRN vertrauen und sich auf seinen Gott stützen.

Vers 11

Jes 50,11: Siehe, ihr alle, die ihr ein Feuer anzündet, mit Brandpfeilen euch rüstet: Hinweg in die Glut eures Feuers und in die Brandpfeile, die ihr angesteckt habt! Das geschieht euch von meiner Hand; in Herzeleid sollt ihr daliegen.

Der größte Teil der Nation, der die Worte und Taten Christi ablehnt und den Weg nach seinen eigenen Gedanken und Überlegungen geht, wird „in Herzeleid daliegen“. Wie groß das Herzeleid war, davon hat die Geschichte der Juden durch alle Jahrhunderte hindurch ein ernstes Zeugnis abgelegt.

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Übersetzt aus God’s Controversies with Israel. Isaiah 40 to 57. A Brief Exposition, 1941
Quelle: www.stempublishing.com

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz


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