Gottes Auseinandersetzungen mit Israel (6)
Jesaja 45

Hamilton Smith

online seit: 04.01.2017, aktualisiert: 21.01.2018

Das 44. Kapitel endet mit einem Verweis auf den heidnischen König Kores, den Gott benutzen wollte, um Jerusalem wiederherzustellen. Im 45. Kapitel sehen wir, dass durch diesen König die Gerichtshandlungen Gottes über die götzendienerischen Nationen kommen würden (Jes 45,1-10) und das Volk Gottes würde aus der Unterdrückung befreit werden (Jes 45,11-13). Weiterhin deutet diese Errettung die zukünftige „ewige Erlösung“ Israels (Jes 45,14-19) und die endgültige Unterwerfung der Nation unter Jahwe (Jes 45,20-25) an.

Verse 1-3

Jes 45,1-3: 1 So spricht der HERR zu seinem Gesalbten, zu Kores, den ich bei seiner rechten Hand ergriffen habe, um Nationen vor ihm niederzuwerfen, und damit ich die Lenden der Könige entgürte, um Pforten vor ihm zu öffnen, und damit Tore nicht verschlossen bleiben. 2 Ich werde vor dir herziehen und werde das Höckerige eben machen; eherne Pforten werde ich zerbrechen und eiserne Riegel zerschlagen; 3 und ich werde dir verborgene Schätze und versteckte Reichtümer geben, damit du weißt, dass ich der HERR bin, der dich bei deinem Namen gerufen hat, der Gott Israels.

Der HERR sagt die siegreiche Regentschaft des persischen Königs Kores voraus. Diesen König würde Gott als Instrument benutzen, um die Nationen, die sein Volk bedrängt hatten, zu unterwerfen. Dieses Gericht Gottes würde in besonderer Weise Babylon treffen, das erste große Weltreich in der Zeit der Nationen, das das Volk Gottes unterdrückt hatte. Während der Belagerung Babylons würden die ehernen Tore der Stadt zerbrechen und die eisernen Riegel zerschlagen werden. Die Gürtel der Könige würden schrecklicher Angst gelockert und ihre verborgenen Schätze gefunden werden (Dan 5,6; Nah 2,6).

Verse 4.5

Jes 45,4.5: 4 Um Jakobs, meines Knechtes, und Israels, meines Auserwählten, willen rief ich dich bei deinem Namen. Ich gab dir einen Beinamen, und du kanntest mich nicht. 5 Ich bin der HERR, und sonst ist keiner, außer mir ist kein Gott; ich gürtete dich, und du kanntest mich nicht.

Wenn Kores berufen und befähigt wurde, die Nationen zu unterwerfen, dann  geschieht das alles um Israels willen, Gottes auserwähltem Volk. Zweihundert Jahre bevor Kores die Bühne betritt, kann Gott sagen: „Ich rief dich bei deinem Namen. Ich gab dir einen Beinamen“, und: „Ich gürtete dich, und du kanntest mich nicht.“

Verse 6-8

Jes 45,6-8: 6 … damit man vom Aufgang der Sonne und von ihrem Niedergang her weiß, dass außer mir gar keiner ist. Ich bin der HERR, und sonst ist keiner! 7 Der ich das Licht bilde und die Finsternis schaffe, den Frieden mache und das Unglück schaffe – ich, der HERR, bin es, der dies alles wirkt. 8 Träufelt, ihr Himmel droben, und Gerechtigkeit mögen rieseln die Wolken! Die Erde öffne sich, und es sprosse Heil, und sie lasse zugleich Gerechtigkeit hervorwachsen! Ich, der HERR, habe es geschaffen.

In der Erhebung des Kores sollen die Nationen erkennen, dass Er Gott ist und dass außer Ihm niemand ist. Die Wahrheit über Jahwe wird in Gegensatz zum zoroastrischen Glauben der Perser gestellt. Diese Religion war auf dem Denken gegründet, dass eine unbestimmte ewige Person zwei mächtige Wesen ins Dasein rief – das eine Wesen als Schöpfer alles Guten, das andere verantwortlich für alles Böse, das den Menschen heimsucht. Gott ist es, der das Licht bildet und die Dunkelheit schafft. Gott ist es, der Frieden unter den Nationen schafft, und Er ist es, der in seinen Regierungswegen Böses schafft im Sinne einer Bestrafung (s. Hiob 2,19; Jer 18,7-10). Der HERR ist es, der all diese Dinge tut. Er tut sie mit dem Endergebnis, dass vom Himmel her Segen ausströmen wird. Zu jener Zeit wird die Erde bereit sein, diesen Segen zu empfangen. Das wird dann keine Gerechtigkeit ohne Gnade sein noch Erlösung auf Kosten der Gerechtigkeit, sondern Heil und Gerechtigkeit werden „zugleich hervorwachsen“.

Verse 9.10

Jes 45,9.10: 9 Wehe dem, der mit seinem Bildner rechtet – ein Tongefäß unter irdenen Tongefäßen! Darf wohl der Ton zu seinem Bildner sagen: Was machst du?, und dein Werk: Er hat keine Hände? 10 Wehe dem, der zum Vater spricht: Warum zeugst du?, und zur Frau: Warum gebierst du?

In Anbetracht der Gerichte, die über alles kommen werden, was mit Götzendienst zu tun hat, warnt Gott die Götzendiener. Indem sich der Mensch von Gott weg hin zu den Götzen wendet, ringt er mit seinem Schöpfer. Mögen die Menschen – die nicht mehr sind als Tonscherben – doch gegeneinander ankämpfen. Aber wehe ihnen, wenn sie Gottes Werk und Gottes Wege in Frage stellen.

Verse 11-13

Jes 45,11-13: 11 So spricht der HERR, der Heilige Israels und der es gebildet hat: Über das Zukünftige fragt mich; meine Kinder und das Werk meiner Hände lasst mir anbefohlen sein! 12 Ich habe die Erde gemacht und den Menschen auf ihr geschaffen; meine Hände haben die Himmel ausgespannt, und all ihr Heer habe ich bestellt. 13 Ich habe ihn erweckt in Gerechtigkeit, und alle seine Wege werde ich ebnen; er wird meine Stadt bauen und meine Weggeführten entlassen, nicht für Kaufgeld und nicht für ein Geschenk, spricht der HERR der Heerscharen.

Während Gott diejenigen warnt, die sich den Götzen zuwenden, ermutigt Er Israel, Ihn wegen all derer zu befragen, die eine Beziehung zu Ihm haben und auch über das Werk, das er in Bezug auf sie zu tun gedenkt. Der Gott, der die Erde und ihre Bewohner und auch die Himmel mit all ihren Heerscharen geschaffen hat, ist der Einzige, der ihr Schicksal voraussagen kann. Außerdem kann Gott die Wege der Menschen „lenken“ und sie dazu benutzen, seine Absichten auszuführen. Deswegen erweckt Gott den König Kores. Gott wird „alle seine Wege ebnen“ (d.h. Kores’ Wege), damit Gottes Absicht, Jerusalem wieder aufzubauen und seine Weggeführten in Freiheit zu setzen, erfüllt werden wird.

Verse 14-19

Jes 45,14-19: 14 So spricht der HERR: Der Reichtum Ägyptens und der Erwerb Äthiopiens und die Sabäer, Männer von hohem Wuchs, werden zu dir übergehen und dir gehören; sie werden dir nachfolgen, in Fesseln werden sie zu dir übergehen; und sie werden sich vor dir niederwerfen, werden zu dir flehen: Gewiss, Gott ist in dir; und sonst ist kein, gar kein Gott! 15 Ja, du bist ein Gott, der sich verborgen hält, du Gott Israels, du Erretter! 16 Sie alle werden beschämt und auch zuschanden, sie gehen insgesamt mit Schande dahin, die Götzenmacher. 17 Israel wird gerettet durch den HERRN mit ewiger Rettung; ihr werdet nicht beschämt und nicht zuschanden werden in alle Ewigkeiten. 18 Denn so spricht der HERR, der die Himmel geschaffen (er ist Gott), der die Erde gebildet und sie gemacht hat (er hat sie bereitet; nicht als eine Öde hat er sie geschaffen; um bewohnt zu werden, hat er sie gebildet): Ich bin der HERR, und sonst ist keiner! 19 Nicht im Verborgenen habe ich geredet, an einem Ort des Landes der Finsternis; ich sprach nicht zu den Nachkommen Jakobs: Sucht mich vergeblich. Ich bin der HERR, der Gerechtigkeit redet, Aufrichtiges verkündet.

Das Gericht über Babylon und die teilweise Erlösung des Volkes Gottes unter Kores sind jedoch nur Vorschattungen des weltweiten Gerichtes über die Nationen und der Sammlung Israels unter der Regierung des Christus. Der Geist Gottes wendet sich nun den letzten Tagen zu. Er sagt durch den Propheten voraus, dass diejenigen, die Israel in Knechtschaft gehalten haben, selbst Untertanen Israels sein werden. In der Vergangenheit hatte Israel seine ägyptischen Peiniger angefleht, aber die Zeit wird kommen, wenn die Ägypter Israel um Gnade anflehen werden. Statt wie in den alten Tagen zu sagen: „Wer ist der HERR?“ (2Mo 5,2), werden sie dann bekennen: „Gewiss, Gott ist in dir; und sonst ist kein, gar kein Gott!“ Es mag sein, dass Gott sich in seinen Regierungswegen mit seinem Volk für eine gewisse Zeit verbirgt, dennoch ist Er‚der Gott Israels, der Erretter, der über alle Menschen und Ereignisse verfügt. Er tut das, um seine eigene Herrlichkeit zu zeigen und so die Nationen, die den Götzen dienen, zu beschämen und zu verwirren und darüber hinaus sein Volk Israel mit „ewiger Rettung“ zu segnen – eine Rettung von den Feinden und der Schmach, durch die das Volk jahrhundertelang überschattet war.

Verse 20-25

Jes 45,20-25: 20 Versammelt euch und kommt, nähert euch insgesamt, ihr Entronnenen der Nationen! Keine Erkenntnis haben die, die das Holz ihres geschnitzten Bildes tragen und zu einem Gott flehen, der nicht retten kann. 21 Tut kund und bringt herbei; ja, beraten mögen sie sich miteinander! Wer hat dies von alters her hören lassen, lange zuvor es verkündet? Nicht ich, der HERR? Und es ist sonst kein Gott außer mir; ein gerechter und rettender Gott ist keiner außer mir! 22 Wendet euch zu mir und werdet gerettet, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Gott und keiner sonst. 23 Ich habe bei mir selbst geschworen, aus meinem Mund ist ein Wort in Gerechtigkeit hervorgegangen, und es wird nicht rückgängig gemacht werden, dass jedes Knie sich vor mir beugen, jede Zunge mir schwören wird. 24 Nur in dem HERRN, wird man von mir sagen, ist Gerechtigkeit und Stärke. Zu ihm wird man kommen, und alle, die gegen ihn entbrannt waren, werden beschämt werden. 25 In dem HERRN wird gerechtfertigt werden und sich rühmen alle Nachkommenschaft Israels.

Weiterhin sehen wir, dass, wenn Gott Israel durch einen gottesfürchtigen Überrest segnet, es auch Segen für die „Entronnenen der Nationen“ geben wird. Das sind die, die durch Gottes Gericht hindurchgebracht wurden. Im Blick auf diese Rettung finden wir folgende Punkte:

  1. Der Prophet legt die Unwissenheit und Dummheit derer offen, die ein Götzenbild aufstellen und zu einem Gott beten, der nicht retten kann.

  2. Er stellt Gott als den einen Gott dar – „ein gerechter und rettender Gott“ –, ein Gott, der in Gerechtigkeit mit der Sünde handelt und doch den Sünder retten kann.

  3. Im Anschauen der Dummheit und Bosheit des Götzendienstes und des Segens des wahren Gottes ruft der Prophet die Enden der Erde auf, auf Gott zu schauen und gerettet zu werden.

  4. Alle Menschen, die nicht auf Gott schauen und gerettet werden, werden durch den Propheten gewarnt, dass eine Zeit kommen würde, wenn sie durch Gericht dazu gezwungen sein würden, die Rechte Gottes anzuerkennen. Der folgende Ausspruch ging in Gerechtigkeit vom Herrn aus und wird nicht zurückgenommen werden: „… dass jedes Knie sich vor mir beugen und jede Zunge mir schwören wird.“

  5. Uns wird berichtet, welche Folgen dieser Aufruf haben wird: Auf der einen Seite wird es diejenigen geben, die zu Gott kommen und bekennen werden, dass sie „nur in dem HERRN … Gerechtigkeit und Stärke“ haben; anderseits wird es leider solche geben, die sich gegen Gott empören und beschämt werden. Israel wird letztendlich unter denen gefunden werden, die bekennen, dass sie „in dem HERRN“ gerechtfertigt sind und sich so in Ihm rühmen!

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Übersetzt aus God’s Controversies with Israel. Isaiah 40 to 57. A Brief Exposition, 1941
Quelle: www.stempublishing.com

Übersetzung: Philipp-Richard Schulz


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