Das Evangelium nach Lukas (1)
Kapitel 1

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 06.12.2025, aktualisiert: 01.07.2026

DAS VORWORT ZUM EVANGELIUM (Lk 1,1-4)

Verse 1-2

Lk 1,1-2: Da es ja viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen zu verfassen, die unter uns völlig geglaubt werden, 2 so wie es uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, …

Lukas beginnt damit, zu erklären, warum er sein Evangelium über den Herrn Jesus Christus schreibt: Es sollte die Fakten über das Leben, den Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt des Herrn genau darstellen, um den Glauben seines Freundes Theophilus zu stärken. Der Heilige Geist, der Lukas inspirierte, hat sicherlich beabsichtigt, dass dies die Wirkung sein sollte auf alle, die es lesen. 

Die ersten vier Verse sind ein Vorwort zum Buch und führen uns in die damaligen Umstände ein, unter denen Lukas das Buch geschrieben hat. Er schreibt, dass es damals „viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen zu verfassen, die unter uns völlig geglaubt werden“, was das Leben des Herrn Jesus Christus betrifft. Sie hatten ihre Informationen zusammengetragen, indem sie diejenigen befragt hatten, „die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen“ waren. Nachdem sie ihre Berichte verfasst hatten, „überlieferten“ sie sie in gutem Glauben der christlichen Gemeinschaft („uns“) mit dem Ziel, alle zu erbauen (Kelly-Übersetzung).

Lukas unterstellt diesen Bemühungen keine bösen Absichten oder Falschheit. Diese Berichte waren sicherlich mit den besten Motiven geschrieben worden, und die Schreiber mögen durchaus vom Geist dazu geleitet worden sein. Aber sie waren nicht inspiriert, und daher waren ihre Erzählungen unzureichende Dokumente über das Leben und den Tod des Herrn und bestenfalls die Frucht menschlicher Arbeit. Die christliche Gemeinschaft und die Welt brauchten etwas Authentischeres; es bedurfte eines  göttlich inspirierten Berichtes über diese heiligen Dinge. William Kelly sagt:

Diese „vielen“ Biographen, von denen Lukas spricht, waren nicht vom Geist Gottes autorisiert. Sie traten ihre selbstgestellte Aufgabe vielleicht mit den besten Motiven an, und in einigen von ihnen oder in allen mag der Geist Gottes gewesen sein (d.h. Christen), aber sie waren nicht mehr inspiriert als jemand, der das Evangelium predigt oder die Gläubigen zu erbauen sucht. Es besteht ein gewichtiger Unterschied zwischen der allgemeinen Leitung des Geistes, bei der das Fleisch die dargelegte Wahrheit mehr oder weniger beeinträchtigen kann, und der Inspiration des Geistes, die nicht nur jeden Irrtum ausschließt, sondern auch gibt, was nie zuvor gegeben worden war.[1]

Verse 3-4

Deshalb sagt Lukas ganz bescheiden:

Lk 1,3-4: … hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben, 4 damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.

Wie natürlich und normal ist so eine Äußerung und doch göttlich inspiriert! Das griechische Wort für „von Anfang an“ [griech.: anothen] kann mit „von oben“ übersetzt werden, und so wird es auch in Johannes 3,3.7 „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ „Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ und in Johannes 19,11 „Jesus antwortete ihm: Du hättest keinerlei Gewalt gegen mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, der mich dir überliefert hat, größere Sünde.“ wiedergegeben.[2] Wenn es hier in Lukas 1,3 „hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, vortrefflichster Theophilus, der Reihe nach zu schreiben,“ so wiedergegeben werden könnte, würde es auf verschleierte Weise darauf hinweisen, dass das, was Lukas schreiben wollte, durch göttliche Eingebung von Gott kam. In seiner zurückhaltenden Art erwähnt Lukas dies beiläufig, um die Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst und auf diese Tatsache zu lenken.

So unterscheidet sich Lukas hinsichtlich seiner Quelle von den anderen Schreibern. Deren Berichte beruhten auf dem mündlichen Zeugnis von Augenzeugen unter den Menschen, seine dagegen auf göttlicher Inspiration von Gott. Wenn Lukas sagt, dass „es auch ihm gut geschienen hat“, dann haben wir es mit göttlicher Nötigung zu tun, die auf unergründliche Weise mit menschlicher Entscheidung verschmilzt. Lukas war also der menschliche Autor, während der Heilige Geist der göttliche Autor war. Beides ist wahr.

Wie in der Einleitung erwähnt, schreibt Lukas „der Reihe nach“, und zwar nicht chronologisch, sondern moralisch. Wie wir noch sehen werden, nimmt er Dinge oft aus ihrer geschichtlichen Abfolge heraus, um seine Themen in eine moralische Reihenfolge zu bringen, die der moralischen Unterweisung dient. „Moralisch“ in diesem Sinne hat mit dem zu tun, was zu unserem Wandel und unseren Wegen gehört.

Lukas spricht seinen Freund mit „vortrefflichster Theophilus“ an. Dass ein Titel an seinen Namen angehängt wird, weist darauf hin, dass Theophilus ein hochrangiger römischer Beamter war. (Siehe Apostelgeschichte 23,26; 24,3; 26,25 (23:26) Klaudius Lysias dem vortrefflichsten Statthalter Felix seinen Gruß!“ „(24:3) so erkennen wir es in jeder Weise und überall, vortrefflichster Felix, mit aller Dankbarkeit an.“ „(26:25) Paulus aber spricht: Ich bin nicht von Sinnen, vortrefflichster Festus, sondern ich rede Worte der Wahrheit und der Besonnenheit.“.) Der Überlieferung nach hatte er ein Amt in Antiochia inne. Interessanterweise redet Lukas ihn später, als er die Apostelgeschichte schreibt, nicht mit diesem Titel an, sondern nennt ihn einfach „Theophilus“ (Apg 1,1). Dies deutet möglicherweise darauf hin, dass er nicht mehr in diesem öffentlichen Amt tätig war. Lukas erklärt nicht, warum, aber vielleicht war Theophilus in seinem Verständnis der Wahrheit gewachsen und hatte erkannt, dass es mit seiner christlichen Berufung unvereinbar war, als Christ ein Amt in der Regierung zu bekleiden, und dass er deshalb zurücktrat.

Lukas schließt seine Vorbemerkungen, indem er Theophilus seine Absicht mitteilt, diesen Bericht über den Herrn zu schreiben: „damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist“. 

DIE GEBURT DES HERRN, SEINE KINDHEIT UND JUGEND SOWIE VORBEREITUNG ZUM DIENST (Lk 1,5–4,13)

Ein grundlegendes Thema in diesem Evangelium ist der Segen, der durch Christus zu den Heiden kommt. Im Laufe der vierundzwanzig Kapitel weist der Geist Gottes Lukas an, zu zeigen, wie dies geschehen würde. Einfach ausgedrückt: Israel (insbesondere die Juden) würde Gottes Gnade in Christus zurückweisen, und folglich würde Gott seine Gunst den Heiden zuwenden. Dies war von den Propheten des Alten Testamentes vorhergesagt worden.

Deshalb beginnt Lukas seine Erzählung mit einem Rückblick auf die Zeit vor der Geburt Christi und der Geburt Johannes des Täufers, als Israel in einer göttlich bevorrechtigten Beziehung zu Gott stand, wenn auch in großer Schwachheit. Israel hatte viele Vorrechte erhalten: Ihnen „ist die Sohnschaft und die Herrlichkeit und die Bündnisse und die Gesetzgebung und der Dienst und die Verheißungen“ und ihnen „sind die Väter“ (Röm 9,4-5a). Vor allem aber waren sie Gottes auserwähltes Volk, aus dem der Messias/König und Erlöser in die Welt kommen würde: „aus denen, dem Fleisch nach, der Christus ist, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit“ (Röm 9,5b; vgl. Off 12,1-2 (1) Und ein großes Zeichen erschien in dem Himmel: Eine Frau, bekleidet mit der Sonne, und der Mond war unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupt war eine Krone von zwölf Sternen. (2) Und sie ist schwanger und schreit in Geburtswehen und in Schmerzen zu gebären.“).

Äußerlich war Israel gesegnet. Lukas zeichnet die Geschichte des Volkes sorgfältig nach: wie es seinen Messias/König verwarf und kreuzigte, der doch von Gott gekommen war, um sie zu retten. Traurigerweise erfüllten sie damit die Prophezeiungen ihrer eigenen Propheten, die ihre Verwerfung vorausgesagt hatten (Jes 49,4; 50,4-8; 53,1-4 (49:4) Ich aber sprach: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verzehrt; doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.“ „(50:4) Der Herr, HERR, hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie solche, die belehrt werden. (50:5) Der Herr, HERR, hat mir das Ohr geöffnet, und ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen. (50:6) Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. (50:7) Aber der Herr, HERR, hilft mir; darum bin ich nicht zuschanden geworden, darum machte ich mein Angesicht wie einen Kieselstein und wusste, dass ich nicht würde beschämt werden. (50:8) Nahe ist, der mich rechtfertigt: Wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen hintreten! Wer hat eine Rechtssache gegen mich? Er trete her zu mir!“ „(53:1) Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des HERRN offenbar geworden? – (53:2) Und er ist wie ein Reis vor ihm aufgeschossen und wie ein Wurzelspross aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und keine Pracht; und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, dass wir ihn begehrt hätten. (53:3) Er war verachtet und verlassen von den Menschen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, und wie einer, vor dem man das Angesicht verbirgt; er war verachtet, und wir haben ihn für nichts geachtet. (53:4) Doch er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen. Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt;“; Dan 9,26 „Und nach den 62 Wochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben. Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein; und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen.“; Mich 5,1-3 (1) Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. (2) Darum wird er sie hingeben bis zur Zeit, da eine Gebärende geboren hat; und der Rest seiner Brüder wird zurückkehren zu den Kindern Israel. (3) Und er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Enden der Erde.“). Dieselben Propheten hatten ebenfalls prophezeit, dass Gott den Unglauben des Volkes und die Verwerfung seines Messias beantworten würde, indem Er sie vorübergehend beiseitesetzen und sich in Gnade den Heiden zuwenden würde (Jes 49,5-6 (5) Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet hat, um Jakob zu ihm zurückzubringen – und Israel ist nicht gesammelt worden; aber ich bin geehrt in den Augen des HERRN, und mein Gott ist meine Stärke geworden –, (6) ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde.“).

Die Erzählung nach Lukas beginnt also damit, dass das Volk Israel das ausschließliche Recht hat, Gottesdienst auszuüben, und alle damit verbundenen Vorrechte; doch sie endet damit, dass es dieses Recht einbüßt und folglich die frohe Botschaft zu „allen Nationen“ gesandt wird (Lk 24,47 „und in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden gepredigt werden sollten allen Nationen, angefangen von Jerusalem.“). Dieser neue Aufbruch Gottes zu den Heiden wird vom Apostel Paulus gelehrt (Röm 11,11-12 (11) Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen. (12) Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wie viel mehr ihre Vollzahl!“) und von ihm und seinen Mitstreitern in der Apostelgeschichte ausgeführt (Apg 13,46-48; 18,6; 28,28 (13:46) Und Paulus und Barnabas äußerten sich freimütig und sprachen: Zu euch musste notwendigerweise das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßt und euch selbst des ewigen Lebens nicht für würdig erachtet, siehe, so wenden wir uns zu den Nationen. (13:47) Denn so hat uns der Herr geboten: „Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, damit du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde.“ (13:48) Als aber die aus den Nationen es hörten, freuten sie sich und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten, so viele zum ewigen Leben bestimmt waren.“ „(18:6) Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er die Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut komme auf euren Kopf! Ich bin rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen.“ „(28:28) Es sei euch nun kund, dass dieses Heil Gottes den Nationen gesandt worden ist; sie werden auch hören.“).

Der gottesfürchtige Überrest in Israel zur Zeit der ersten Ankunft des Messias

Wie in Lukas 1 und 2 erwähnt, werden wir in ein jüdisches Umfeld eingeführt. Diese Kapitel malen ein Bild von dem treuen Überrest der jüdischen Gläubigen, die zur Zeit des ersten Kommens Christi auf die Erlösung Israels warteten. Sieben Personen werden namentlich erwähnt: Zacharias, Elisabeth, Johannes, Joseph, Maria, Simeon und Anna. Sie waren zwar nicht die Einzigen, die diesen Überrest bildeten, aber sie stehen stellvertretend für die Gläubigen jener Zeit.

Es ist derselbe gottesfürchtige Überrest, der etwa vierhundert Jahre zuvor in Maleachi 3,16-18 (16) Da unterredeten sich miteinander, die den HERRN fürchten, und der HERR merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch wurde vor ihm geschrieben für die, die den HERRN fürchten und die seinen Namen achten. (17) Und sie werden mir, spricht der HERR der Heerscharen, zum Eigentum sein an dem Tag, den ich machen werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen Sohn verschont, der ihm dient. (18) Und ihr werdet wieder den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“ erwähnt wird. Seitdem war viel Zeit vergangen, aber bemerkenswerterweise hielt derselbe Überrest (der nun aus verschiedenen Personen bestand) immer noch treu an seinem Glauben fest und wartete auf das Kommen des Messias. Aber ihr Zeugnis war in großer Schwachheit. Das zeigt sich daran, dass die meisten der Genannten alt und schwach waren und somit ein Bild der Schwachheit und Hinfälligkeit abgeben:

  • Elisabeth war unfruchtbar, was auf einen Mangel an Kraft und Vitalität hindeutet (Lk 1,7 „Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen weit vorgerückt.“), und Zacharias war ein zweifelnder Gläubiger, was auf einen schwachen Glauben hindeutet (Lk 1,20 „Und siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, an dem dies geschieht, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden.“).
  • Joseph und Maria waren arm und konnten nur das Opfer eines armen Mannes bringen (3Mo 12,8 „Und wenn ihre Hand das zu einem Schaf Erforderliche nicht aufbringen kann, so soll sie zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben nehmen, eine zum Brandopfer und eine zum Sündopfer; und der Priester soll Sühnung für sie tun, und sie wird rein sein.“; Lk 2,24 „und ein Schlachtopfer zu geben nach dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.“).
  • Und Anna, die Prophetin, war eine Witwe, was auf Verlust und Trauer hindeutet. 

Sie waren alle von niedrigem sozialen Rang (Lk 1,52 „Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht.“).

In der ersten Szene werden uns ein älterer Priester („Zacharias“) und seine Frau („Elisabeth“) vorgestellt. Sie waren „gerecht“ vor Gott und „untadelig“ vor ihren Mitmenschen und „wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn“ (Lk 1,6). Obwohl sie in persönlicher Frömmigkeit wandelten, berichtet uns Lukas, dass dieses Paar nicht ohne Prüfungen war. Sie hatten einen Kummer in ihrem Leben, über den sie ständig gebetet hatten: Sie waren nicht in der Lage, eine Familie zu gründen. Das war für Elisabeth eine ständige „Schmach“ (Lk 1,25). Und nun, da sie „in ihren Tagen weit vorgerückt“ waren (Lk 1,7 „Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen weit vorgerückt.“), schien es unmöglich, dass sie Kinder bekamen.

Aber „unsere Verlegenheiten sind Gottes Gelegenheiten“, denn bei Gott ist nichts unmöglich (Lk 1,37 „denn bei Gott wird kein Ding unmöglich sein.“). Gott war dabei, seine Verheißung an sein Volk zu erfüllen, indem Er den Messias sandte (2Sam 7,12-17; Jes 9,6 „Die Mehrung der Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun.“), als „die Fülle der Zeit gekommen war“, in der Er seinen Sohn senden würde, der „von einer Frau, unter Gesetz, geboren“ würde (Gal 4,4 „als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz,“). Es war Gottes Plan, dass dieses gottesfürchtige Paar teilhaben sollte  an dem, was Er zu tun beabsichtigte. Die Heilige Schrift sagte voraus, dass der Messias einen Vorläufer haben würde, der sein Kommen in die Welt ankündigen würde (Jes 40,3 „Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN; ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!“; Mal 3,1 „Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt: Siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen.“), und Zacharias und Elisabeth waren auserwählt, in ihrem hohen Alter einen Sohn zu haben, der dieser Vorläufer sein würde. Die Bedeutung ihrer Namen erzählt die Geschichte von Gottes Treue in dieser Angelegenheit: „Zacharias“ bedeutet „Jahwe erinnert sich“, und „Elisabeth“ bedeutet „Der Eid Gottes“. Wenn wir beide Namen zusammenfügen, erhalten wir den Satz: „Jahwe gedenkt des Eides Gottes.“

Die Ankündigung der Geburt von Johannes dem Täufer (V. 5-25)

Verse 5-7

Lk 1,5-7: Es war in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, ein gewisser Priester, mit Namen Zacharias, aus der Abteilung Abijas; und seine Frau war von den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth. 6 Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn. 7 Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen weit vorgerückt. 

Gott sandte einen Engel zu Zacharias, um ihm anzukündigen, dass er einen Sohn bekommen würde, der in Verbindung mit dem Kommen des Messias besonders gebraucht werden würde. Diese göttliche Botschaft durchbrach vierhundert Jahre prophetischen Schweigens zwischen Gott und seinem Volk. Es war eine Botschaft der Gnade und Barmherzigkeit, die zeigte, dass Gott sie nicht vergessen hatte; ihr Erlöser war im Begriff zu kommen!

Verse 8-13

Lk 1,8-13: Es geschah aber, als er in der Ordnung seiner Abteilung den priesterlichen Dienst vor Gott erfüllte, 9 dass ihn nach der Gewohnheit des Priestertums das Los traf, in den Tempel des Herrn zu gehen, um zu räuchern. 10 Und die ganze Menge des Volkes war betend draußen zur Stunde des Räucheropfers. 11 Es erschien ihm aber ein Engel des Herrn, der zur Rechten des Räucheraltars stand. 12 Und als Zacharias ihn sah, wurde er bestürzt, und Furcht befiel ihn. 13 Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Flehen ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen. 

An einem ganz gewöhnlichen Tag, als Zacharias „den priesterlichen Dienst vor Gott erfüllte“, indem er im Tempel Weihrauch verbrannte, „erschien ihm aber ein Engel des Herrn, der zur Rechten des Räucheraltars stand“. Als Zacharias „bestürzt“ war von dem, was er sah, sprach der Engel zu ihm: „Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Flehen ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen.“ Der Engel brachte tatsächlich eine gute Nachricht: Zacharias’ langjähriges Gebetsanliegen war von Gott positiv beantwortet worden.

Hier kommen wir zur ersten moralischen Lektion in diesem Buch: Gott schätzt praktische Rechtschaffenheit und persönliche Frömmigkeit in seinem Volk, und Er belohnt sie entsprechend zu seiner rechten Zeit. Wir sind vielleicht geneigt zu denken, dass Er von diesen Dingen in unserem Leben keine besondere Notiz nimmt, aber das stimmt nicht; Er ist sehr an unserem moralischen Charakter interessiert.

Verse 14-16

Lk 1,14-16: Und er wird dir zur Freude und zum Jubel sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen. 15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken und schon von Mutterleib an mit Heiligem Geist erfüllt werden. 16 Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.

Der Engel kündigte Zacharias an, dass der Sohn, den er bekommen sollte, der Vorläufer des Messias sein würde. Das bedeutete, dass die Zeit des Kommens des Messias nahe war! Der Engel beschrieb dann, was für ein Mensch Johannes sein würde: Er würde ein Nasiräer sein von der Zeit an, als er „im Mutterleib war“ (4Mo 6), und „schon von Mutterleib an mit Heiligen Geist erfüllt“. So würde er sich ganz dem Dienst des Herrn widmen. Die Folge seines Dienstes würde sein, dass er „viele der Söhne Israels zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren“ würde (Lk 1,16 „Und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.“). Dies zeigt, dass der moralische Zustand des Volkes als Ganzes zu dieser Zeit niedrig war (Mt 15,8-9 (8) „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. (9) Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.““).

Vers 17

Lk 1,17: Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft Elias, um die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren und Ungehorsame zur Einsicht von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten.

Johannes würde „in dem Geist und der Kraft Elias“ dienen und „die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren und Ungehorsame zur Einsicht von Gerechten“. Das große Ziel seines Dienstes war es, „dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten“. Dies würde er tun, indem er das Volk zur Umkehr aufrief. Das Volk sollte sich vorbereiten, indem es seine Herzen richtete und seine Wege korrigierte, um auf diese Weise Früchte der Buße hervorzubringen (Lk 3,8-14). Dies würde sie in den richtigen moralischen Zustand versetzen, um den Messias zu empfangen, und sie darauf vorbereiten, die Segnungen des Königreichs in Besitz zu nehmen, die Er bei seinem Kommen bringen würde. Leider nahm, wie Lukas uns gleich zeigen wird, nur ein Überrest des Volkes den Dienst des Johannes an und bereitete sich in echter Buße vor (Lk 7,29-30 (29) Und das ganze Volk, das zuhörte, und die Zöllner rechtfertigten Gott dadurch, dass sie mit der Taufe des Johannes getauft wurden; (30) die Pharisäer aber und die Gesetzgelehrten machten in Bezug auf sich selbst den Ratschluss Gottes wirkungslos, weil sie sich nicht von ihm taufen ließen.“).

Verse 18-25

Lk 1,18-25: Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran soll ich dies erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen. 19 Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft zu verkündigen. 20 Und siehe, du wirst stumm sein und nicht sprechen können bis zu dem Tag, an dem dies geschieht, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die sich zu ihrer Zeit erfüllen werden. 21 Und das Volk wartete auf Zacharias, und sie wunderten sich darüber, dass er im Tempel verweilte. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden, und sie erkannten, dass er im Tempel ein Gesicht gesehen hatte. Und er winkte ihnen zu und blieb stumm. 23: Und es geschah, als die Tage seines Dienstes erfüllt waren, dass er wegging in sein Haus. 24 Nach diesen Tagen aber wurde Elisabeth, seine Frau, schwanger und verbarg sich fünf Monate und sagte: 25 So hat mir der Herr getan in den Tagen, in denen er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen wegzunehmen.

Zacharias’ Antwort auf diese „gute Botschaft“ zeigt, dass er selbst nicht in der richtigen Verfassung war, um an diesen Dingen teilzuhaben. Er hätte Lobgesänge anstimmen sollen, aber stattdessen zweifelte er. Er zeigte seinen Unglauben, indem er den Engel um ein Zeichen bat, das beweisen sollte, dass sich diese Dinge tatsächlich ereignen würden. Er sagte: „Woran soll ich dies erkennen? Denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist weit vorgerückt in ihren Tagen.“ Zacharias sagte also gleichsam: „Welchen Beweis kannst du mir geben, so dass ich weiß, dass es wahr ist?“ Offensichtlich reichte es für sein ungläubiges Herz nicht aus, dass ihm ein Engel erschien und ihm eine Botschaft von Gott überbrachte. Der Engel antwortete ihm, er sei „Gabriel“, der in der Gegenwart Gottes stehe, und ein solcher Bote lüge nicht! Hätte er Zacharias die Unwahrheit gesagt, wäre er sofort aus dem Himmel geworfen worden so wie Satan vor langer Zeit. Der Engel wies Zacharias zurecht und sagte ihm, dass er als Folge seines Unglaubens stumm sein würde. Zacharias würde nicht sprechen können, bis sich die Dinge, die der Engel über die Geburt des Johannes gesagt hatte, „zu ihrer Zeit erfüllen“ würden. Und tatsächlich, Zacharias empfing das Zeichen; als er aus dem Tempel kam, war er „stumm“. Und als er zu Elisabeth nach Hause ging, wurde sie schwanger. Für Zacharias gab es damals keinen Zweifel, aber er musste die Folgen seines Unglaubens für die Dauer ihrer Schwangerschaft tragen.

Hier kommen wir zur zweiten großen moralischen Lektion im Lukasevangelium: Gott missbilligt Unglauben in seinem Volk und tadelt ihn, wenn er sich bei ihnen findet. Glaube vertraut Gott bei seinem Wort, und das ehrt und erfreut Ihn (Spr 3,5 „Vertraue auf den HERRN mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen Verstand.“; Joh 3,33 „Wer sein Zeugnis angenommen hat, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.“). Unglaube hingegen beleidigt Gott und unterstellt, dass Gott nicht bei seinem Wort genommen werden kann.

Die Ankündigung der Geburt Christi (V. 26-38)

Verse 26-34

Lk 1,26-34: Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa gesandt, mit Namen Nazareth, 27 zu einer Jungfrau, die mit einem Mann verlobt war, mit Namen Joseph, aus dem Haus Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und er kam zu ihr herein und sprach: Sei gegrüßt, Begnadete! Der Herr ist mit dir. 29 Sie aber wurde über das Wort bestürzt und überlegte, was für ein Gruß dies sei. 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden; 31 und siehe, du wirst im Leib empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen. 32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; 33 und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. 34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie kann das sein, da ich ja keinen Mann kenne? 

Dann wurde der Engel Gabriel nach Nazareth gesandt, um die größte Botschaft zu überbringen, die je ein Engel zu überbringen hatte: Sie hatte mit der jungfräulichen Geburt des Messias von Israel zu tun. Dies war in der Tat ein großer Augenblick in der Geschichte der Welt; der Sohn Gottes war im Begriff, der Sohn Davids zu werden (Röm 1,3 „über seinen Sohn (der aus dem Geschlecht Davids gekommen ist dem Fleisch nach“), indem Er die Menschheit mit seiner Person vereinte und Mensch wurde, und durch seinen Tod würde Er allen, die an Ihn glauben, die Erlösung sichern. Die Botschaft hatte also mit der Menschwerdung Christi zu tun.

Maria war – bei allem, was wir wissen – eine unbedeutende Frau aus dem Haus David, aber Gott hatte sie schon lange zuvor als sein auserwähltes Gefäß ausgesondert, durch das der Retter in die Welt kommen würde. Gabriel wurde gesandt, um ihr diese große Tatsache zu verkünden. Als sie bei seinem Erscheinen beunruhigt war, zerstreute der Engel schnell ihre Furcht und sagte: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden; und siehe, du wirst im Leib empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen.“

Der Engel nannte drei Dinge, die ihren Sohn von allen anderen Menschen unterscheiden würden:

  1. „Dieser wird groß sein“ (Lk 1,32a). Das heißt, Er würde die höchste Autorität über die gesamte Schöpfung haben, sowohl in den Himmeln als auch auf der Erde (Mt 28,18 „Und Jesus trat herzu und redete zu ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde.“).

  2. Er würde „der Sohn des Höchsten“ genannt werden (Lk 1,32b „Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben;“). Dies zeigt, dass Er eine göttliche Person ist!

  3. „Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben“ (Lk 1,32c-33). Das zeigt, dass Er kein anderer als der verheißene Messias/König Israels sein würde, dessen Reich sich über die ganze Welt erstrecken würde (Ps 72,8 „Und er wird herrschen von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.“; Sach 14,9 „Und der HERR wird König sein über die ganze Erde; an jenem Tag wird der HERR einer sein und sein Name einer.“).

Was für eine wunderbare Nachricht war das! Gott war im Begriff, sein Volk in der Person seines Sohnes zu besuchen und zu erfüllen, was Er in der Heiligen Schrift verheißen hatte – und Maria würde die von Gott auserwählte „Begnadete“ sein, die Ihn zur die Welt bringen sollte. 

Anders als Zacharias bat Maria nicht um ein Zeichen, denn sie „glaubte“ den Worten des himmlischen Boten (Lk 1,45 „Und glückselig, die geglaubt hat, denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!“). Sie bat allerdings um eine Erklärung und fragte den Engel: „Wie kann das sein, da ich ja keinen Mann kenne?“ Der Engel antwortete ihr, sie würde „im Leib empfangen“ – nicht von Joseph, der sie erst nach der Geburt des Kindes erkannte (Mt 1,25 „und er erkannte sie nicht, bis sie [ihren erstgeborenen] Sohn geboren hatte; und er nannte seinen Namen Jesus.“) –, sondern vom Heiligen Geist: „Der Heilige Geist wird auf dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35). Damit würde sich die Verheißung des Propheten Jesaja erfüllen, dass eine Jungfrau auf wundersame Weise gebären würde. Er hatte prophezeit: „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen“ (Jes 7,14; Mt 1,23 „„Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emmanuel nennen“, was übersetzt ist: Gott mit uns.“). Maria bat nicht um ein Zeichen, aber Gott gab ihr trotzdem eines!

Skeptiker der historisch-kritischen Methode argumentieren, das Wort „Jungfrau“ in Jesaja 7,14 „Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen.“ bedeute einfach eine „unverheiratete Frau“, nicht unbedingt eine Jungfrau. Doch Jesaja sagt uns, dass es sich um ein „Zeichen“ Gottes handelte – dass es also ein Wunder war Hätte er die normale Zeugung gemeint, die sich aus der Verbindung eines Mannes und einer Frau ergibt – sei es in der Ehe oder außerhalb der Ehe –, würde man die Tatsache, dass eine Jungfrau schwanger werden würde, nicht ein „Zeichen“ nennen.

Vers 35

Lk 1,35: Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird auf dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden. 

Einige meinen, Vers 35 lehre, dass der Herr – obwohl Er schon vorher als eine der drei Personen der Gottheit existierte – erst bei seiner Geburt in die Welt der Sohn geworden sei. Daher glauben sie, dass seine Sohnschaft nicht ewig sei. Sie stützen ihre irrige Auffassung auf die Aussage des Engels, dass der Herr „Sohn Gottes genannt werden wird“. Für sie bedeutet dies, dass Er zum Zeitpunkt dieser Ankündigung noch nicht der Sohn war, sondern dass Er bei seiner Geburt der Sohn werden würde. (Dieser Irrtum wird als „zeitliche Sohnschaft“ bezeichnet.)

Die Leugner der ewigen Sohnschaft Christi legen den Text jedoch falsch aus. Die Betonung in diesem Vers liegt nicht darauf, dass Christus der Sohn wird, sondern darauf, dass Er von den Menschen Sohn „genannt“ wird. Der Grund dafür: Bis dahin war Er noch nicht ausdrücklich als Sohn offenbart worden. Die Menschen nannten Ihn nicht „Sohn Gottes“, weil sie Ihn nicht als solchen kannten. Aber das würde sich mit seinem Kommen in die Welt ändern. Er würde als Sohn offenbart werden (Mt 3,16-17 (16) Als Jesus aber getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen. (17) Und siehe, eine Stimme ergeht aus den Himmeln, die spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“; Röm 1,4 „und erwiesen ist als Sohn Gottes in Kraft dem Geist der Heiligkeit nach durch Toten-Auferstehung), Jesus Christus, unseren Herrn“; Gal 1,16 „seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, ging ich sogleich nicht mit Fleisch und Blut zu Rate“ usw.), und die Menschen, die an Ihn glauben und Ihn als Sohn Gottes anerkennen, würden Ihn so nennen (Mt 16,16 „Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“; Joh 6,69 „und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.“; Gal 2,20 „und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“ usw.). Viele andere Schriftstellen zeigen, dass der Herr bereits der Sohn war, bevor Er in die Welt kam (Jes 9,6 „Die Mehrung der Herrschaft und der Frieden werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über sein Königreich, um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun.“; Joh 1,18; 3,17; 11,27; 16,27-28 (1:18) Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.“ „(3:17) Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn errettet werde.“ „(11:27) Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ „(16:27) denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich lieb gehabt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. (16:28) Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“; Heb 1,5 „Denn zu welchem der Engel hat er je gesagt: „ Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“? Und wiederum: „ Ich will ihm zum Vater, und er soll mir zum Sohn sein“?“ usw.). Daher kann sich niemand entschuldigen, er sei unwissend über diese Wahrheit.

Aus der Heiligen Schrift geht klar hervor, dass Joseph nichts mit Marias Empfängnis zu tun hatte (Mt 1,25 „und er erkannte sie nicht, bis sie [ihren erstgeborenen] Sohn geboren hatte; und er nannte seinen Namen Jesus.“). Da sie durch den Heiligen Geist empfangen würde, war der Sohn, den sie gebären sollte, sowohl menschlich als auch göttlich. Diese Vereinigung (union) der göttlichen und der menschlichen Natur ist etwas Unergründliches, das niemand außer Gott verstehen kann (Mt 11,27 „Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem irgend der Sohn ihn offenbaren will.“). Wäre Joseph an der Empfängnis Marias beteiligt gewesen, hätte er seine gefallene Natur, die alle Menschen aus Adams Geschlecht haben und an die nachfolgende Generation weitergeben, an den Herrn weitergegeben (1Mo 5,3 „Und Adam lebte 130 Jahre und zeugte einen Sohn in seinem Gleichnis, nach seinem Bild, und gab ihm den Namen Seth.“; Ps 51,5 „Denn ich kenne meine Übertretungen, und meine Sünde ist beständig vor mir.“; Röm 5,12 „Darum, so wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben“). Wenn das so wäre, hätte der Geist Gottes Ihn nicht als „das Heilige“ bezeichnen können.

Durch dieses übernatürliche Wirken des Geistes wurde in Marias Schoß ein geeignetes Gefäß aus Fleisch und Blut für die Menschwerdung des Sohnes Gottes gebildet. Dementsprechend sagt der Schreiber des Hebräerbriefes, indem er Psalm 40,7-9 (7) An Schlacht- und Speisopfer hattest du kein Gefallen; Ohren hast du mir bereitet: Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. (8) Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. (9) Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens.“ zitiert: „Einen Leib aber hast du mir bereitet“ (Heb 10,5). Dies wäre nichts Geringeres als ein Wunder, nichts, was Gott nicht tun könnte, „denn bei Gott“, so der Engel, „wird kein Ding unmöglich sein“ (Lk 1,37). Das unterscheidet den Herrn von allen anderen Menschen. Er hatte eine heilige menschliche Natur, die nicht sündigen konnte (Joh 8,46; 14,30 (8:46) Wer von euch überführt mich der Sünde? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?“ „(14:30) Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir;“; Heb 2,6.14; 4,15 (2:6) es hat aber irgendwo jemand bezeugt und gesagt: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, oder des Menschen Sohn, dass du auf ihn siehst?“ „(2:14) Weil nun die Kinder Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise daran teilgenommen, damit er durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel,“ „(4:15) denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.“; Jak 1,13 „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand.“; 1Joh 3,4.9 „Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“ „Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“). Adam wurde mit einer unschuldigen menschlichen Natur geschaffen, die sündigen konnte, wenn er es wollte. Als er sündigte, wurde seine Natur für immer verdorben und war nicht mehr unschuldig. Als der Herr in diese Welt kam, konnte Er diese gefallene Natur nicht mit sich selbst vereinen und heilig bleiben.

Verse 36-38

Lk 1,36-38: Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch mit einem Sohn schwanger in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat bei ihr, die unfruchtbar genannt war; 37 denn bei Gott wird kein Ding unmöglich sein. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort. Und der Engel schied von ihr.

Aus Vers 36 erfahren wir, dass Johannes sechs Monate älter war als der Herr. Johannes wurde von Herodes eingekerkert, kurz bevor der Herr im Alter von dreißig Jahren seinen Dienst antrat (Lk 3,19-23 (19) Weil aber Herodes, der Vierfürst, wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das Herodes getan hatte, von ihm zurechtgewiesen worden war, (20) fügte er allem auch dies hinzu, dass er Johannes ins Gefängnis einschloss. (21) Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel aufgetan wurde (22) und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herniederfuhr und eine Stimme aus dem Himmel erging: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. (23) Und er, Jesus, begann seinen Dienst, ungefähr dreißig Jahre alt, und war, wie man meinte, ein Sohn Josephs, des Eli,“). Die Dauer des öffentlichen Dienstes des Johannes war kurz; er endete, als Johannes dreißig Jahre alt war! In Vers 38 sehen wir Marias wunderbare Unterwerfung unter den Willen Gottes. Sie sagte zu dem Engel: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Es gab kein Wort des Widerspruchs von ihr wegen der Schmach, die sie von den Ungläubigen zu ertragen hatte, weil man sie beschuldigte, eine unzüchtige Frau zu sein (Joh 8,41 „Ihr tut die Werke eures Vaters. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht durch Hurerei geboren; wir haben einen Vater, Gott.“). Wahrscheinlich war sie in ihrer Nachbarschaft der Gegenstand von Misstrauen und Klatsch, aber ihr Glaube war so stark, dass sie wusste: Wenn es der Wille Gottes war, würde Er sich um sie kümmern. 

Elisabeths „Seligpreisung“ (V. 39-45)

Verse 39-45

Lk 1,39-45: Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging mit Eile in das Gebirge in eine Stadt Judas; 40 und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. 41 Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, dass das Kind in ihrem Leib hüpfte; und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt 42 und rief aus mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! 43 Und woher geschieht mir dieses, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 Denn siehe, als die Stimme deines Grußes in meine Ohren drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. 45 Und glückselig, die geglaubt hat, denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!

Als der Engel Maria mitteilte, dass ihre Cousine Elisabeth „mit einem Sohn schwanger war in ihrem Alter“ (Lk 1,36), wurde sie dazu bewegt, sie im Bergland von Juda zu besuchen. Dies war eine Reise von etwa 90 Kilometern. Bei der Begegnung „hüpfte“ Elisabeths Baby in ihrem Leib, und sie brach sofort in einen Lobgesang aus, der „Elisabeths Seligpreisung“ genannt wird (Lk 1,42-45 (42) und rief aus mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! (43) Und woher geschieht mir dieses, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? (44) Denn siehe, als die Stimme deines Grußes in meine Ohren drang, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. (45) Und glückselig, die geglaubt hat, denn es wird zur Erfüllung kommen, was von dem Herrn zu ihr geredet ist!“). Erfüllt vom Heiligen Geist, erkannte sie aufgrund ihres Glaubens und ihrer geistlichen Unterscheidungskraft, dass Marias Kind ihr „Herr“ war. Er war also kein gewöhnliches Kind.

Marias Magnifikat (V. 46-56)

Verse 46-56

Lk 1,46-56: Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, 47 und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland; 48 denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter. 49 Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name; 50 und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht für die, die ihn fürchten. 51 Er hat Macht ausgeübt mit seinem Arm; er hat die zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind. 52 Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht. 53 Hungrige hat er mit guten Gaben erfüllt und Reiche leer fortgeschickt. 54 Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, um seiner Barmherzigkeit zu gedenken 55 (wie er zu unseren Vätern geredet hat) gegenüber Abraham und seiner Nachkommenschaft in Ewigkeit. – 56 Maria aber blieb ungefähr drei Monate bei ihr; und sie kehrte in ihr Haus zurück.

Auf Elisabeths Seligpeisung folgt der Lobpreis Marias, der „Magnifikat“ genannt wird (Lk 1,46-55). Elisabeth erkannte, dass Gottes Gunst in besonderer Weise auf Maria lag, und segnete sie; aber Marias Lobpreis ging höher – sie pries den Herrn! Sie sagte: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland.“ Weil sie den Herrn als ihren „Heiland“ preist, sehen wir, dass die römisch-katholische Lehre von der „unbefleckten Empfängnis“ falsch ist. Diese Lehre besagt, dass Maria heilig und ohne Sünde gewesen sei und somit den heiligen Herrn empfangen und geboren habe kraft dessen, was sie in sich selbst war. Es erübrigt sich, zu sagen, dass die Auffassung der römisch-katholischen Kirche, sie sei „die Mutter Gottes“, reine Blasphemie ist. Die Wahrheit ist: Maria brauchte den Herrn als ihren Heiland (Retter) ebenso wie jeder andere Mann und jede andere Frau, „denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23; Pred 7,20 „Denn unter den Menschen ist kein Gerechter auf der Erde, der Gutes tut und nicht sündigt.“).

Marias Lobpreis konzentrierte sich auf zwei Dinge: auf die Gnade Gottes, die sich zu ihr herabneigte und sie dazu erwählte, das Gefäß zu sein, durch das der Messias in die Welt kommen würde (Lk 1,48-50 (48) denn er hat hingeblickt auf die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter. (49) Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name; (50) und seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht für die, die ihn fürchten.“), und auf die Macht Gottes, die Israel durch den Messias, den sie gebären würde, befreien und segnen würde (Lk 1,51-55 (51) Er hat Macht ausgeübt mit seinem Arm; er hat die zerstreut, die in der Gesinnung ihres Herzens hochmütig sind. (52) Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht. (53) Hungrige hat er mit guten Gaben erfüllt und Reiche leer fortgeschickt. (54) Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, um seiner Barmherzigkeit zu gedenken (55) (wie er zu unseren Vätern geredet hat) gegenüber Abraham und seiner Nachkommenschaft in Ewigkeit. –“). Marias Glaube ließ sie von diesem kommenden Segen für die Nation so sprechen, als wäre er schon erfüllt, und so sprach sie davon in der Vergangenheitsform. In Wirklichkeit war Ersteres (die Gnade Gottes) bereits geschehen, und das Zweite (die Macht Gottes) würde geschehen, wenn Israel den Herrn als seinen Messias empfangen würde – was noch nicht geschehen ist. Maria erkannte, dass dies nicht durch Israels Gehorsam gegenüber den Bedingungen des Sinai-Bundes geschehen würde (denn darin hatten sie völlig versagt und auf dieser Grundlage allen Segen verwirkt), sondern durch Gottes bedingungslose Verheißung an „Abraham“.

Die Geburt von Johannes dem Täufer (V. 57-66)

Verse 57-66

Lk 1,57-66: Für Elisabeth aber wurde die Zeit erfüllt, dass sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht habe, und sie freuten sich mit ihr. 59 Und es geschah am achten Tag, dass sie kamen, um das Kind zu beschneiden; und sie wollten es nach dem Namen seines Vaters nennen: Zacharias. 60 Und seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern es soll Johannes heißen. 61 Und sie sprachen zu ihr: Niemand ist aus deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt. 62 Sie winkten aber seinem Vater zu, wie er etwa wolle, dass es genannt werde. 63 Und er forderte ein Täfelchen und schrieb: Johannes ist sein Name. Und alle verwunderten sich. 64 Sogleich aber wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott. 65 Und Furcht kam über alle, die um sie her wohnten; und im ganzen Gebirge von Judäa wurden alle diese Dinge besprochen. 66 Und alle, die es hörten, nahmen es sich zu Herzen und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn auch die Hand des Herrn war mit ihm.

Elisabeth gebar ihren Sohn nach dem Wort des Engels. Am achten Tag, als das Kind beschnitten war, fragten die Freunde und Nachbarn Zacharias, wie das Kind heiße, und ohne zu zögern, schrieb er: „Johannes ist sein Name.“ Dies zeigt, dass er das Wort des Engels (Lk 1,13 „Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Flehen ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Johannes nennen.“) voll und ganz angenommen hatte und endlich gläubig geworden war. „Sogleich aber wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.“ Dieses Wunder hatte zur Folge, dass ein Zeugnis der Gnade Gottes „im ganzen Gebirge von Judäa“  umherging.

Zacharias ist ein Typus für Israel, das aufgrund seines Unglaubens für eine gewisse Zeit beiseitegestellt und dann wieder heimgesucht und gesegnet wird, wenn ein Überrest des Volkes gedemütigt wird und das Versagen des Volkes in Bezug auf den Messias erkennt. Zu dieser Zeit werden sie Gott für seine Treue preisen, wenn Er seine Verheißungen erfüllt, die seine heiligen Propheten vorausgesagt hatten.

Zacharias’ „Benediktus“ (V. 67-80)

Verse 67-80

Lk 1,67-80: Und Zacharias, sein Vater, wurde mit Heiligem Geist erfüllt und weissagte und sprach: 68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, dass er sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet hat 69 und uns ein Horn des Heils aufgerichtet hat in dem Haus Davids, seines Knechtes 70 (wie er durch den Mund seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat), 71 Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen; 72 um Barmherzigkeit an unseren Vätern zu erweisen und seines heiligen Bundes zu gedenken, 73 des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, um uns zu geben, 74 dass wir, gerettet aus der Hand [unserer] Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen 75 in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage. 76 Und du aber, Kind, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Herrn hergehen, um seine Wege zu bereiten, 77 um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, in der uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, 79 um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten. 80 Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geist und war in den Wüsteneien bis zum Tag seines Auftretens vor Israel. 

Zacharias wurde sofort „mit Heiligem Geist erfüllt und weissagte“ den Segen, der über die Nation kommen würde, in dem, was auf Lateinisch „Benediktus“ genannt wird. Bemerkenswerterweise spricht er mit Ausnahme von zwei Versen (Lk 1,76-77 (76) Und du aber, Kind, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Herrn hergehen, um seine Wege zu bereiten, (77) um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden,“) nicht von seinem eigenen Sohn, sondern davon, was Gott durch Marias Sohn, den Herrn Jesus Christus, tun würde! Er erkannte, dass die Geburt seines Sohnes Johannes die bevorstehende Ankunft des Messias bedeutete, denn der Engel hatte gesagt, dass Johannes der Vorläufer und Bote des Messias sein würde (Lk 1,17 „Und er wird vor ihm hergehen in dem Geist und der Kraft Elias, um die Herzen der Väter zu den Kindern zu bekehren und Ungehorsame zur Einsicht von Gerechten, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten.“). Dies war sicherlich ein Grund, „den Herrn, den Gott Israels, zu preisen“, was Zacharias auch tat.

Wie die Prophezeiung Marias, so ist auch die Prophezeiung des Zacharias größtenteils in der Vergangenheitsform formuliert. Sein Glaube (der einst fehlte) ließ ihn nun sehen, was Gott durch den Messias tun würde. Er war sich dessen so sicher, dass er es als eine vollendete Sache bezeichnete. Er sah, dass Gott „sein Volk besucht und ihm Erlösung bereitet“ hatte, indem Er (durch Christus) „ein Horn des Heils“ aufrichtete, das Er aus „dem Haus Davids, seines Knechtes“, bringen würde, wie er es durch „seine heiligen Propheten“ verheißen hatte. Wie Maria sprach auch Zacharias davon, dass der kommende Segen nicht auf den Gehorsam des Volkes gegenüber dem Gesetz zurückzuführen sei, sondern auf Gottes Treue zu „seinem heiligen Bund“, den Er mit „Abraham“ bedingungslos geschlossen hatte (Lk 1,72-73 (72) um Barmherzigkeit an unseren Vätern zu erweisen und seines heiligen Bundes zu gedenken, (73) des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat, um uns zu geben,“). Die Erfüllung der Verheißung würde die Befreiung Israels von seinen Feinden einschließen, damit es in seinem Land ohne Angst vor Übergriffen den Dingen des Herrn nachgehen konnte (Lk 1,74-75 (74) dass wir, gerettet aus der Hand [unserer] Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen (75) in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage.“).

Zacharias nennt dann seinen Sohn Johannes einen „Propheten des Höchsten“, der den Weg „bereiten“ würde, damit der Herr kommen und sein Volk segnen konnte. Dies zeigt, dass im Volk ein moralisches Werk vollbracht werden musste, bevor dem Volk, wie verheißen, Gottes Segen zuteilwerden konnte. Wie der Dienst des Elia vor langer Zeit, so würde Johannes das Volk zur Umkehr aufrufen. Dies würde sie in den richtigen Zustand versetzen, damit sie den Messias und die Segnungen der äußerlichen „Rettung“ von ihren Feinden und die regierungsmäßige „Vergebung ihrer Sünden“ empfingen.

Durch seinen Glauben verstand Zacharias, dass „der Aufgang aus der Höhe“ (der Messias) im Begriff war, sein Volk heimzusuchen, und er sprach davon als etwas, was bereits geschehen war. Das griechische Wort für „Aufgang“ [anatello] in Vers 78 kann mit „Sonnenaufgang“ übersetzt werden (siehe die Fußnote in der Darby-Übersetzung) und weist auf das Kommen des Herrn als „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3,20) hin, das heißt auf seine Erscheinung. Zu dieser Zeit wird der Herr „denen leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen“ (Lk 1,79; vgl. Jes 49,6 „ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde.“), und die Füße Israels leiten, damit sie „den Weg des Friedens“ wandeln. So würden Israel und die Völker die Erlösung durch die Macht Gottes erfahren. (Zacharias’ Prophezeiung spricht nicht von der Erlösung durch Blut; diese wird durch das Werk Christi am Kreuz bewirkt.) Lukas 1,80 „Das Kind aber wuchs und erstarkte im Geist und war in den Wüsteneien bis zum Tag seines Auftretens vor Israel.“ fasst in kurzen Worten das Leben des Johannes bis zum Beginn seines Dienstes zusammen.


Originaltitel: „The Preface“, und „The Lords Birth, Early Life & Preparation for Ministry“ 
in The Gospel of Luke. The Operation of Heavenly Grace Among Men in the Person of the Lord Jesus Christ, 
Hamer Bay: Christian Truth Publishing, 2022.

Übersetzung: Stephan Isenberg

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Anmerkungen

[1] W. Kelly, „Introduction“ in An Exposition of the Gospel of Luke. Part 1, S. 14. Online auf: www.stempublishing.com.

[2] Anm. d. Red.: Die CSV-Elberfelder übersetzt Johannes 3,3.7 „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ „Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.“ mit: „von neuem“. Die Fußnote weist darauf hin, dass es auch mit „von oben her“ übersetzt werden kann.

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