Das Evangelium nach Lukas (3)
Kapitel 3

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 10.01.2026, aktualisiert: 10.01.2026

DIE GEBURT DES HERRN, SEINE KINDHEIT UND JUGEND SOWIE VORBEREITUNG ZUM DIENST (Lk 1,5–4,13) (Forts.)

Der Dienst von Johannes dem Täufer (V. 1-20)

Verse 1-2

Lk 3,1-2: Aber im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa, sein Bruder Philippus aber Vierfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis, und Lysanias Vierfürst von Abilene, 2 unter dem Hohenpriestertum von Annas und Kajaphas, erging das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias, in der Wüste.

Die Erzählung rückt in der Zeit um achtzehn Jahre vor und berichtet über das Wirken von Johannes dem Täufer, dem Vorläufer und Boten des Herrn. Lukas datiert diese Zeit auf das „fünfzehnte Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“, vermutlich, damit die Heiden, die diesen Evangeliumsbericht lesen würden, die Zeit nach ihrem Kalender verstehen sollten. Es muss das Jahr 25/26 n.Chr. gewesen sein.[1]

Wie in Lukas 1,80 erwähnt, lebte Johannes bis dahin in der Einsamkeit der Wüste. Sein Wirken könnte man zusammenfassen als kometenhafter Aufstieg zu öffentlicher Bekanntheit und dann als plötzlicher Sturz ins Gefängnis. Er wirkte weniger als ein Jahr, vielleicht sogar nur sechs Monate. Wir wissen nicht, wie lange er im Gefängnis war, bevor er hingerichtet wurde.

Der Dienst des Johannes begann damit, dass „das Wort Gottes“ zu ihm in die Wüste gesandt wurde und ihn zum Handeln antrieb. Somit war sein Dienst eine göttliche Bewegung; sein Dienst entstand nicht aus eigenem Antrieb – obwohl er sich seiner Rolle als Vorläufer des Messias durchaus bewusst war. Als Gott sein Wort zu seinem Volk sandte, umging Er bewusst die großen Männer jener Zeit in der weltlichen und religiösen Welt. Sie waren völlig ungeeignet, um Gottes Boten zu sein, da sie voller Verderbnis und Unglauben waren. Stattdessen kam sein Wort zu seinem demütigen Diener Johannes.

Damals herrschten in Israel Unordnung und Niedergang, was durch die Tatsache belegt wird, dass die Heiden über die Juden herrschten (s. Lk 3,1; 5Mo 28,43-44). Außerdem gab es zwei sadduzäische Hohepriester (Annas und Kajaphas), die zur gleichen Zeit den Vorsitz hatten – eine Sekte innerhalb der Nation, die rationalistische Ungläubige waren! (Annas wurde von den römischen Behörden abgesetzt, und sein Schwiegersohn Kajaphas wurde zum Hohepriester ernannt, doch die Juden erkannten Annas weiterhin als den rechtmäßigen Hohenpriester an.) So wurde die Nation, die vorgab, den einen wahren Gott zu kennen und mit Ihm in einer Bundesbeziehung zu stehen, von zwei ungläubigen Männern geführt – von denen keiner Gott kannte! Es ist schwer vorstellbar, dass die Lage in Israel noch schlimmer werden konnte.

Darüber hinaus zeigte sich der Niedergang in Israel darin, dass Johannes, der Priester und Prophet, den Gott gebrauchen wollte, nicht im Tempel diente, wo man ihn vermuten würde, sondern dass er draußen in der Wüste lebte! Er lebte abgesondert von allem, was in Jerusalem existierte, und veranschaulichte damit in der Praxis die Verderbtheit dort. 

Angesichts dieser Lage in Israel befand sich das Volk (abgesehen von einem Überrest) eindeutig nicht im richtigen Zustand, um den Messias und die Segnungen des Königreichs zu empfangen, so wie es die Propheten verheißen hatten. Wäre Er gekommen und hätte Er die Nation auf diese Weise gesegnet, würde Er über ihren niedrigen Zustand hinwegsehen; doch das konnte Er nicht tun. Deshalb war der Dienst von Johannes dem Täufer notwendig, denn er rief das Volk zur Buße auf, damit sie passend würden, um ihren Messias zu empfangen

Vers 3

Lk 3,3: Und er kam in die ganze Umgebung des Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, …

Der Dienst des Johannes umfasste zwei Dinge: die Predigt der Buße und die Taufe mit Wasser. Das Ziel seiner Predigt war es, das Gewissen der Menschen zu erreichen, damit sie sich selbst richteten und in ihrem Leben Frucht brächten, um so die Echtheit ihrer Buße zu beweisen. Das Ziel der Johannestaufe war es, einen Überrest wahrer Gläubiger formell von der ungläubigen Masse der Juden im Land abzusondern, die unter dem bevorstehenden Gericht Gottes standen – „dem kommenden Zorn“ (Lk 3,7). Dieser bußfertige Zustand des Überrestes würde bei der Ankunft des Messias mit der regierungsmäßigen „Vergebung der Sünden“ einhergehen. Dies würde auch die Befreiung des Volkes von seiner Unterwerfung unter die Heiden und den Empfang der verheißenen Segnungen des Königreichs mit sich bringen.

Es ist anzumerken, dass Johannes sie nicht zur Treue auf denselben Boden zurückrief, auf dem sie sich befanden und auf dem sie in ihrer Geschichte immer wieder versagt hatten. Stattdessen rief er sie auf, durch die Taufe einen neuen Boden zu betreten, auf dem es Gnade in Verbindung mit dem kommenden Messias gab (Joh 1,17). Dies war ihre einzige Hoffnung auf Segen. Die alten Propheten hatten Israel zu überzeugen versucht und sie an das Gesetz erinnert, das sie gebrochen hatten, aber die Zeit für eine Erneuerung unter dem alten Bund war vorbei. Ihre Geschichte zeugte davon, dass sie die Anforderungen des Gesetzes nicht erfüllen konnten. Deshalb rief Johannes sie nicht in diese Stellung zurück. Stattdessen wies er sie auf die Taufe der Buße hin. Das Volk sollte anerkennen, dass sie auf dem Boden des Gesetzes hoffnungslos verloren waren und sie im Wasser der Taufe ihren Platz als Tote einnehmen mussten. Wenn sie auf Johannes hörten und Buße täten, wären sie moralisch bereit, die Vergebung der Sünden durch den Messias zu empfangen, der im Begriff war zu kommen.

Verse 4-6

Lk 3,4-6: … 4 wie geschrieben steht im Buch der Worte Jesajas, des Propheten: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade! 5 Jedes Tal wird ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme wird zu einem geraden Weg und die unebenen werden zu ebenen Wegen werden; 6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.“

In Vers 4 sagt Lukas, dass der Dienst des Johannes eine Erfüllung von Jesaja 40,3-5 war. Der Prophet beschreibt in einer symbolischen Sprache, welche Auswirkungen es hätte, wenn das Reich des Messias aufgerichtet würde: „Jedes Tal wird ausgefüllt.“ Das heißt, diejenigen, die wirklich demütig sind und Buße tun, werden erhöht und gesegnet. Dass gemäß der Prophezeiung Jesajas „jeder Berg und Hügel erniedrigt“ würde, bezieht sich darauf, dass die heidnischen Nationen (große und kleine) dem Messias und seinem Volk unterworfen sein würden. Auch sollte „das Krumme … zu einem geraden Weg und die unebenen zu ebenen Wegen werden“. Dies bezieht sich darauf, dass die verdorbenen Menschen und Dinge dieser Welt gerichtet und beseitigt würden.

Alle vier Evangelisten zitieren diesen Abschnitt aus Jesaja jeweils im Zusammenhang mit dem Dienst des Johannes, doch nur Lukas zitiert den Teil, in dem es heißt, dass „alles Fleisch [die Heiden] das Heil Gottes sehen wird“. Das bedeutet: Der Segen des Messias wird so groß und umfangreich sein, dass er nicht auf Israel allein beschränkt bleiben kann, sondern sich auf alle Völker ausdehnen wird (1Mo 49,22). Dies steht im Einklang mit dem Grundgedanken des Lukasevangeliums, dass die Heiden durch den Messias gesegnet werden. Der Aspekt des Heils, von dem Jesaja spricht, ist das zeitliche Heil – die äußere Befreiung Israels von seinen Feinden und von den Auswirkungen der Sünde in der Schöpfung. (Das Seelenheil wurde erst verkündet, nachdem der Herr durch seinen Tod die Erlösung vollbracht hatte.)

Verse 7-9

Lk 3,7-9: 7 Er sprach nun zu den Volksmengen, die hinauskamen, um von ihm getauft zu werden: Ihr Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? 8 Bringt nun der Buße würdige Früchte, und beginnt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn ich sage euch, dass Gott dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken vermag. 9 Schon ist aber auch die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

Als die „Volksmengen“ herauskamen, um von Johannes getauft zu werden, erkannte er, dass viele von ihnen nicht aufrichtig waren, und rief: „Ihr Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Bringt nun der Buße würdige Früchte.“ Die „Früchte“, die Gott von seinem Volk erwartete, beziehen sich auf eine moralische Veränderung in ihrem Leben, die bewies, dass sie wirklich Buße taten. Er erwartete keine Worte der Buße, sondern Taten der Buße. Sie sollten nicht denken, dass es ausreiche, Nachkommen Abrahams zu sein, um sich den ewigen Segen zu sichern – das sei eine falsche Hoffnung und nicht wahr. In Wirklichkeit muss man den Glauben Abrahams haben, um von Gott ewig gesegnet zu werden (Gal 3,7). Im Johannesevangelium erklärt der Herr, dass es einen großen Unterschied zwischen „Abrahams Nachkommen“ und „Abrahams Kindern“ gibt (Joh 8,37-40). Ein Nachkomme Abrahams zu sein, bedeutet, ein leiblicher Nachkomme Abrahams zu sein. Ein Kind Abrahams zu sein, bedeutet jedoch mehr: Es bedeutet, den Glauben Abrahams zu haben. Man kann also ein Nachkomme Abrahams sein, ohne jedoch ein Kind Abrahams zu sein! Die Juden, zu denen der Herr in Johannes 8 spricht, sind ein Beispiel für solche Menschen. (Der Apostel Paulus lehrt dieselbe Unterscheidung in Römer 9,6-8.) Johannes befürchtete, dass dies auf viele zutraf, die sich taufen lassen wollten, und warnte sie rechtzeitig davor. Wenn sie nicht mit Glauben antworteten, gäbe Gott den Segen anderen, weil Er sich in seinem Vorhaben, die Menschen zu segnen, nicht hindern lassen würde. Seine souveräne Macht würde wirken, um „aus den Steinen“, die leblos auf dem Boden liegen, „dem Abraham Kinder zu erwecken“!

In Vers 9 erklärt Johannes weiter, dass der kommende Segen durch den Messias nicht auf dem Spiel stehen würde wie der Segen der ersten Ordnung des Menschen unter dem gefallenen Adam. Die Bewährungszeit für den Menschen im Fleisch, die vierzig Jahrhunderte zuvor begonnen hatte, als Adam aus dem Garten vertrieben wurde, fand mit dem völligen Versagen des Menschen ein trauriges Ende. (Vierzig ist die Zahl der göttlichen Prüfung.) Deshalb wurde Gottes „Axt“ des Gerichts „an die Wurzel der Bäume gelegt“ (Bäume sind ein Bild für die Menschen), und diejenigen, die keine „gute Frucht“ brächten, würden „abgehauen und ins Feuer geworfen“.

Die Antwort des Volkes (V. 10-20)

Verse 10-14

Lk 3,10-14: 10 Und die Volksmengen fragten ihn und sprachen: Was sollen wir denn tun? 11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Unterkleider hat, gebe eins davon dem, der keins hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. 12 Es kamen aber auch Zöllner, um getauft zu werden; und sie sprachen zu ihm: Lehrer, was sollen wir tun? 13 Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch festgesetzt ist. 14 Es fragten ihn aber auch Soldaten und sprachen: Und wir, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Misshandelt und erpresst niemand, und begnügt euch mit eurem Sold.

Das Volk reagierte auf den Dienst des Johannes auf zweierlei Weise: Einige glaubten seinen Worten und baten ihn darum, ihnen ein Beispiel zu geben für die Art von Früchten, die Gott von ihnen erwartete (Lk 3,10-14); andere wiederum glaubten nicht und zeigten ihre Feindseligkeit ihm gegenüber (Lk 3,19-20). Siehe auch Lukas 7,29-30.

Als die „Volksmengen“ Johannes fragten: „Was sollen wir denn tun?“, gab er ihnen einige praktische Beispiele, mit denen sie ihre Aufrichtigkeit beweisen konnten. So könnten sie zum Beispiel Bedürftigen Kleidung und Nahrung geben. Was Johannes damit sagen wollte: Sie sollten zu allen freundlich sein und bereit, das, was sie hatten, für das Wohl und die Wohlfahrt anderer zu geben. Als die „Zöllner“, berüchtigt für ihre unehrlichen Geldgeschäfte, fragten: „Lehrer, was sollen wir tun?“, bestand Johannes auf Ehrlichkeit im Umgang mit den Menschen. Als dann auch die „Soldaten“, die für Gewalt und Erpressung bekannt waren, fragten: „Was sollen wir tun?“, antwortete Johannes ihnen, sie sollten die Menschen nicht „misshandeln“, indem sie sie „erpressten“, um Geld von ihnen zu bekommen, und sie sollten sie zu diesem Zweck auch nicht verleumden, sondern sich mit ihrem Sold zufriedengeben. Johannes der Täufer sagte nie, dass diese guten Werke die Seele eines Menschen auf ewig retten würden (Röm 4,5; Tit 3,5). Vielmehr wären solche Veränderungen im Leben eines Menschen ein Zeichen echter Buße.

Verse 15-17

Lk 3,15-17: 15 Als aber das Volk voll Erwartung war und alle in ihren Herzen wegen Johannes überlegten, ob er nicht etwa der Christus sei, 16 antwortete Johannes allen und sprach: Ich zwar taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der stärker ist als ich, dem den Riemen seiner Sandalen zu lösen ich nicht wert bin; er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen; 17 dessen Worfschaufel in seiner Hand ist, um seine Tenne durch und durch zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.

Das Volk war „voll Erwartung“ und sie „überlegten, ob er [Johannes] nicht etwa der Christus sei“, der verheißene Messias (Joh 1,41). Als Johannes bemerkte, dass die Volksmenge solche Gedanken hatte, wies er ihre falsche Vorstellung kurzerhand zurück und sagte ihnen, der kommende Messias sei so viel größer sei als er selbst, dass er nicht würdig sei, Ihm die Sandalen zu schnüren! Mit anderen Worten: Man konnte Johannes und Jesus  nicht miteinander vergleichen. Johannes wies sie auf einen wesentlichen Unterschied hin: Er, Johannes taufe nur „mit Wasser“, während der Messias „mit dem Heiligen Geist und mit Feuer“ taufen würde. Christus würde also zwei Taufen durchführen: „mit dem Heiligen Geist“, um zu segnen, und „mit Feuer“, um zu richten. Johannes erwähnt nicht, dass zwischen diesen beiden Taufen durch Christus zweitausend Jahre liegen würden – die eine Taufe würde an Pfingsten und die andere bei seinem zweiten Kommen stattfinden –; wahrscheinlich deshalb, weil ihm nicht offenbart worden war, wann diese Taufen stattfinden würden.

Beide Taufen gehen auf den Unglauben der Juden zurück. Die Taufe mit dem Heiligen Geist würde nur stattfinden, weil die Juden sich weigerten, den Herrn als ihren Messias anzunehmen. Gott würde sie daher eine Zeitlang beiseitesetzen und einen neuen Anfang in seinen Wegen machen, indem Er die Kirche / die Versammlung durch die Taufe mit dem Heiligen Geist gründete (Apg 2,1-4; 1Kor 12,13). Die Feuertaufe dagegen würde an einem kommenden Tag über die ungläubige jüdische Nation vollzogen werden, die den Antichristen empfängt (Mal 3,19). Der Herr wird einen Überrest gerechter Juden („Weizen“) von der Masse der ungerechten Juden („Spreu“) absondern und die Gerechten unter den Fittichen seiner göttlichen Vorsehung („Scheune“) schützen, während über die Ungerechten das Gericht ausgegossen wird (Lk 3,17). Wir meinen, dass dies durch den König des Nordens geschehen wird (Dan 11,40-41). Der ungläubige Teil des Volkes wird also in eine Feuertaufe getaucht werden.

Verse 18-20

Lk 3,18-20: 18 Indem er nun auch mit vielen anderen Worten ermahnte, verkündigte er dem Volk gute Botschaft. 19 Weil aber Herodes, der Vierfürst, wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das Herodes getan hatte, von ihm zurechtgewiesen worden war, 20 fügte er allem auch dies hinzu, dass er Johannes ins Gefängnis einschloss.

Wie bereits erwähnt, gab es auch eine negative Antwort auf den Dienst des Johannes. Lukas weicht von der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse ab, um uns ein Musterbeispiel für den Widerstand zu geben, den Johannes von einigen erfuhr: „Weil aber Herodes, der Vierfürst, wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das Herodes getan hatte, von ihm zurechtgewiesen worden war, fügte er allem auch dies hinzu, dass er Johannes ins Gefängnis einschloss.“ Ganz offensichtlich gefiel Herodes die öffentliche Kritik an seinem sündigen Leben nicht, und so rächte er sich, indem er Johannes ins Gefängnis warf. Dies war zweifelsohne ein Versuch, ihn mundtot zu machen. Später würde er ihn enthaupten (Mt 14,1-12).

Die Taufe des Herrn (V. 21-22)

Verse 21-22

Lk 3,21-22: 21 Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel aufgetan wurde 22 und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn herniederfuhr und eine Stimme aus dem Himmel erging: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. 

Als der Herr „ungefähr dreißig Jahre alt“ und bereit war, seinen öffentlichen Dienst anzutreten, ging Er nach „Bethanien“, um sich von Johannes taufen zu lassen (Joh 1,28). Aus der Reihenfolge dieser Ereignisse können wir erkennen, dass sie eindeutig nicht chronologisch berichtet werden. Johannes konnte den Herrn nicht getauft haben, nachdem er ins Gefängnis geworfen worden war; dennoch berichtet Lukas, dass die Taufe des Herrn nach der Gefangennahme des Johannes stattfand. Die Gefangennahme des Johannes wird erwähnt, um zu verdeutlichen, dass es heftigen Widerstand gegen seinen Dienst gab, und nicht, um die Chronologie dieser Ereignisse aufzuzeigen.

Wir könnten uns fragen, warum der Herr kam, um sich mit der „Taufe der Buße“ (Lk 3,3) taufen zu lassen, wenn Er doch nicht gesündigt hatte und über nichts Buße zu tun hatte. Um zu verhindern, dass jemand unterstellt, der Herr müsse Buße tun (was Gotteslästerung wäre), wurde unmittelbar nach der Taufe „der Himmel aufgetan“ und der Heilige Geist und Gott der Vater legten ein doppeltes Zeugnis von der sündlosen Vollkommenheit des Herrn Jesus ab: „Der Heilige Geist fuhr in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, auf ihn hernieder und eine Stimme aus dem Himmel erging: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Wenn es in dem Herrn Jesus irgendeine Sünde gegeben hätte, dann hätte der Heilige Geist niemals als „Taube“ auf Ihm geruht, denn dieser Vogel versinnbildlicht in der Heiligen Schrift Reinheit (1Mo 8,8-9). Auch hätte der Vater nicht sein großes „Wohlgefallen“ an Ihm bekundet, denn Gott hat kein Wohlgefallen an Sünde. Dreißig Jahre lang hatte das Auge Gottes jeden Schritt des Herrn verfolgt, und Er sah nichts als ein makelloses, vollkommenes Leben, und deshalb sprach Er: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Der Herrn ließ sich taufen, um sich mit dem gottesfürchtigen, bußfertigen Überrest, „den Herrlichen“ in Israel, einszumachen (Ps 16,3).

Die formelle Offenbarung der Dreieinheit

Bei der Taufe am Wasser des Jordan wird die Dreieinheit Gottes formell eingeführt – die große grundlegende Wahrheit des Christentums. Hier in Vers 22 finden wir den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Es war eine göttliche Offenbarung, die niemand leugnen konnte, denn an diesem Tag geschah etwas ganz Bestimmtes und Unmissverständliches. Es gab etwas zu

  • sehen – der Geist kommt in Gestalt einer Taube herab
  • hören – die Stimme des Vaters
  • berühren – den materiellen Leib des Herrn

Gott hat sich also als drei Personen offenbart. (Siehe auch Matthäus 28,19 usw.) Die Dreieinheit Gottes wurde sichtbar, hörbar und greifbar offenbart. Bei der Taufe des Herrn wurde diese Wahrheit das erste Mal offiziell offenbart. Sie steht nicht im Widerspruch zum Alten Testament; vielmehr berücksichtigt das Alte Testament sie sogar, denn das Wort „Gott“ im Hebräischen (Elohim) steht im Plural. Siehe auch Jesaja 48,17 („Ich bin der HERR, dein Gott“); Jesaja 61,2 („auszurufen … den Tag der Rache unseres Gottes“) usw. Aber erst als beim Kommen Christi in die Welt (sein erstes Kommen) der Vater in der Kraft des Geistes verkündet wurde (Joh 1,18), wird diese große Wahrheit formell offenbart.

Hier wird im Lukasevangelium zum ersten Mal erwähnt, dass der Herr betet. Es ist ein beherrschendes Thema im gesamten Evangelium. Das Gebet ist der Ausdruck eines abhängigen Menschen, den Er vollkommen vorgelebt hat.

Die Abstammung des Herrn (V. 23-38)

Verse 23-38

Lk 3,23-38: 23 Und er, Jesus, begann seinen Dienst, ungefähr dreißig Jahre alt, und war, wie man meinte, ein Sohn Josephs, des Eli, 24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Janna, des Joseph, 25 des Mattathias, des Amos, des Nahum, des Esli, des Naggai, 26 des Maath, des Mattathias, des Semei, des Joseph, des Juda, 27 des Johanna, des Resa, des Serubbabel, des Schealtiel, des Neri, 28 des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmodam, des Er, 29 des Joses, des Elieser, des Jorim, des Matthat, des Levi, 30 des Simeon, des Juda, des Joseph, des Jonan, des Eliakim, 31 des Melea, des Menna, des Mattatha, des Nathan, des David, 32 des Isai, des Obed, des Boas, des Salmon, des Nachschon, 33 des Amminadab, des Ram, des Hezron, des Perez, des Juda, 34 des Jakob, des Isaak, des Abraham, des Tarah, des Nahor, 35 des Serug, des Reghu, des Peleg, des Heber, des Sala, 36 des Kenan, des Arpaksad, des Sem, des Noah, des Lamech, 37 des Methusalah, des Henoch, des Jered, des Mahalalel, des Kenan, 38 des Enos, des Seth, des Adam, des Gottes.

Nachdem Lukas gezeigt hat, dass der Herr Jesus eine göttliche Person ist (eine der drei Personen der Gottheit), zeigt er nun auf, dass der Herr auch wahrer Mensch war. Wenn Er wirklich ein Mensch ist, dann muss Er von Adam abstammen. Dies zeigt uns Lukas anhand der Ahnentafel in den folgenden Versen.

Die Liste, die er anführt, umfasst 76 Männer. Wenn wir sie mit der Ahnentafel vergleichen, die Matthäus vom Herrn anführt, sehen wir, dass sie sich voneinander unterscheiden (Mt 1,1-17). Das ist kein Fehler; Lukas verfolgt die Abstammung des Herrn über Maria zurück, während Matthäus sie über Joseph zurückverfolgt. Die Abstammung bei Lukas beginnt also mit Jesus und geht zurück bis zu Gott, während Matthäus mit Abraham beginnt und vorwärts geht bis zu Jesus. In der Mitte beider Ahnentafeln kommen wir zu König „David“. Von diesem Punkt an folgen Lukas und Matthäus unterschiedlichen Linien: Lukas verfolgt die Abstammungslinie des Herrn über Davids Sohn „Nathan“, während Matthäus die Linie über „Salomo“ verfolgt.

Beachte: Lukas sagt nicht, dass „Joseph“ den Herrn Jesus gezeugt habe, sondern dass der Herr, „wie man meinte, ein Sohn Josephs“ sei. Das liegt daran, dass Joseph nicht an Marias Empfängnis beteiligt war; ihre Empfängnis erfolgte allein durch den Heiligen Geist (Lk 1,35). Daher war Joseph der gesetzliche Vater des Herrn, aber nicht sein leiblicher (biologischer) Vater. Lukas sagt auch nicht, dass „Eli“ Joseph zeugte (Lk 3,23b).[2] Joseph war eigentlich Elis Schwiegersohn. Das sehen wir daran, dass im griechischen Text vor jedem Namen in der Ahnentafel der bestimmte Artikel (tou) in der Genitivform (des) steht, außer vor einem Namen – vor Joseph. Das bedeutet: Jeder der Genannten war der leibliche (biologische) Sohn seines Vorgängers, mit Ausnahme von Joseph, denn Eli hatte Joseph nicht gezeugt. Joseph wird nur erwähnt, weil er mit Maria, der Tochter Elis, verheiratet war.


Übersetzt aus: „The Lord’s Birth, Early Life and Preparation for Ministry“
in The Gospel of Luke. The Operation of Heavenly Grace Among Men in the Person of the Lord Jesus Christ, 
Hamer Bay: Christian Truth Publishing, 2022.

Übersetzung: Stephan Isenberg

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Anmerkungen

[1] G. Morrish, A New and Concise Bible Dictionary, Bd. 2, London: G. Morrish, S. 769, Stichwort: Tibe’rius Cae’sar.

[2] Die Worte „der Sohn“ sind in der King-James-Übersetzung kursiv gedruckt, was darauf hinweist, dass sie nicht im griechischen Text stehen und von den Übersetzern hinzugefügt wurden, um (wie sie dachten) dem Leser das Verständnis des Abschnitts zu erleichtern. In diesem Fall behindert es jedoch unser Verständnis nur. (Anm. d. Red.: In der CSV-Elberfelder gibt es diesen Hinweis nicht.)

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