Zu welcher Generation gehörst du?
Bestehen wir noch auf den Grundsätzen Gottes?

John Gifford Bellett

© SoundWords, online seit: 07.03.2002, aktualisiert: 06.02.2018

Anmerkung der Redaktion
Bruder Bellett beschreibt hier den Weg vom Gehorsam gegenüber Gott bis zur Rebellion gegen Gott im Ablauf von vier aufeinanderfolgenden Generationen, und zwar am Beispiel ihrer Haltung gegenüber Gottes Gedanken bezüglich des Heiratens. Für einen jeden von uns stellt sich beim Lesen die ernste Frage: In welcher Generation stehe ich persönlich bezüglich des Gehorsams gegenüber den Gedanken Gottes im Allgemeinen?

Zu welcher Generation gehörst du?

Von Anfang an gab Gott dem Volk Israel Befehl, in ganz besonderer Weise seinen Willen bezüglich des Heiratens zu beachten. Sie durften ihre Töchter durchaus nicht den Söhnen der Kanaaniter geben noch die Töchter der Kanaaniter für ihre Söhne nehmen (5Mo 7,3). Wenn sie es taten, liefen sie Gefahr, von Gott nicht mehr als sein Volk anerkannt, sondern aus dem „guten Land“ ausgerottet zu werden (vgl. Jos 23). Dementsprechend werden die Tage des Abfalls Salomos gerade durch Ungehorsam in dieser Sache gekennzeichnet (1Kön 11). Und als in späteren Tagen der Überrest der Juden aus Babylon zurückgekehrt war, konnte keine wirkliche Wiederherstellung vor Gott stattfinden, bevor nicht die fremden Frauen aus der Mitte des Volkes weggetan waren (vgl. Esra 10; Neh 13).

Der Gehorsam in dieser Sache bildete daher stets einen besonderen Prüfstein für den Zustand des Volkes, und deshalb möchte ich auch gern untersuchen, wie es sich im ersten Teil des ersten Buches Mose damit verhielt. Denn obwohl damals das Gesetz Gottes noch nicht gegeben war, wurden doch göttliche Grundsätze wohl verstanden. Und das Verhalten in dieser Sache kann in jener Zeit ebenso wohl als ein Zeugnis von dem Zustand des Familiengottesdienstes betrachtet werden wie später von dem Zustand des Volksgottesdienstes.

Abraham

Abraham betritt in dieser Sache in entschiedener Weise „den Weg des Herrn“, ebenso Elieser, einer „aus seinem Hause“, und Isaak, eins seiner „Kinder“. Abraham sendet eine besondere Gesandtschaft in ein fernes Land, um für seinen Sohn eine Frau „in dem Herrn“ zu holen. Elieser richtet diese Gesandtschaft mit willigem Herzen aus. Isaak wartet geduldig auf ihren Erfolg und sucht keinerlei Verbindung mit dem Volk um ihn her, und obgleich er betrübt und einsam ist, hält er sich bereit für die vom Herrn ihm bestimmte Frau. Wie Abraham, so wartet auch er auf eine Gehilfin aus der Hand des Herrn, wiewohl es ihn Geduld und einsame Stunden kostete. Dies scheint sein Nachdenken auf dem Feld zur Abendzeit anzudeuten. Er harrte aus. Er hätte eine Tochter Kanaans nehmen können, aber er harrte aus. Er wollte lieber unter dem Aufschieben der Erfüllung seiner Hoffnung leiden, als nicht „in dem Herrn“ zu heiraten oder sich eine Frau nach seiner eigenen Wahl zu nehmen. Das alles war außerordentlich schön in dem ersten Geschlecht dieser auserwählten Familie. Der Vater, der Knecht und der Sohn, jeder an seinem Platz, bezeugen, wie Abraham sein Haus Gott gemäß geordnet hatte, wie er seine Kinder und seine Hausgenossen den Weg des Herrn lehrte (vgl. 1Mo 18,19).

Doch wir werden nach und nach ein trauriges Abweichen von diesem Grundsatz bis zur Offenbarung des gänzlichen Abfalls wahrnehmen.

Isaak

Nach dem Tod Abrahams wurde Isaak das Haupt der Familie. Aber im Vergleich mit seinem Vater war er überaus sorglos im Blick auf die Verheiratung seiner Söhne, wie uns das Ende des 26. Kapitels dies zeigt. Er überwachte ihre Wege nicht, um Unheil zu verhüten, wie Abraham es getan hatte. Esau, sein Sohn, heiratet eine Tochter der Hethiter. Allerdings war das für Isaak und Rebekka ein tiefer Jammer, denn sie hatten gerechte Seelen, die fühlten, wie sie hierdurch „gequält“ wurden. Aber ihre eigene Sorglosigkeit hatte diese Qual über sie gebracht. Das können wir nicht schön nennen, aber es war doch noch etwas Gutes dabei: eine gequälte gerechte Seele, ein Herz, das die Befleckung fühlte. Und das war gut.

Jakob

Jakob dagegen weicht noch weiter ab. Er kommt nicht nur nicht dem Unheil zuvor, wie Abraham, noch bekümmert es ihn, wenn es da ist, wie Isaak, sondern mit einem gleichgültigen Herzen, soweit wir dies seiner Geschichte entnehmen können, erlaubt er seinen Kindern, jede ihnen zusagende Verbindung einzugehen und Frauen zu nehmen aus allen, die sie wollten.

Das ist traurig. Hier gibt es keine Freude für das Herz wie bei dem Gehorsam Abrahams. Hier ist auch nichts, was den Schmerz des Herzens lindern könnte, wie bei dem Kummer Isaaks. Hier ist nur Anlass zu schmerzlicher Betrübnis.

Juda

Doch Juda geht später in schrecklicher Weise noch über das alles hinaus. Er stellt das vierte Geschlecht dieser auserwählten Familie dar. Er verhütet nicht nur nicht das Unheil dadurch, dass er in seiner Familie alles in Ordnung hält, wie Abraham. Er betrübt sich auch nicht darüber, wenn es vorhanden ist, wie Isaak. Es ist ihm auch nicht einfach gleichgültig wie Jakob. Nein, er führt das Böse tatsächlich in seiner Familie ein. Er selbst nimmt seinem Sohn eine Frau von den Töchtern der Kanaaniter. Das überstieg alles Vorhergegangene. Das hieß sündigen mit erhobener Hand. So finden wir denn in dieser Geschichte der vier Geschlechter der Patriarchen einen allmählichen, aber ernsten Verfall und schließlich den vollständigen Abfall von dem Wege des Herrn.

Was bedeutet das für uns?

Wie ernst ist das und welch eine Warnung enthält es für uns! Es ist geschrieben „zu unserer Belehrung“, um uns zu warnen, dass wir nicht von den Grundsätzen Gottes abweichen. Was damals in derselben auserwählten Familie Geschlecht nach Geschlecht stattfand, kann heute auch mit derselben auserwählten Person Jahr nach Jahr geschehen. Die Grundsätze Gottes mögen nur allmählich, in ganz kleinen Abstufungen, verlassen werden. Sie werden vielleicht zuerst nur gelockert, dann aber vergessen und schließlich verachtet. Sie geraten aus einer festen Hand in eine schwache, von da in eine gleichgültige, und schließlich werden sie von einer rebellischen Hand völlig beiseitegeworfen. Manche haben im Anfang trotz vieler Schwierigkeiten auf den Grundsätzen Gottes bestanden, wie Abraham. Dann waren sie nur betrübt über ihr Aufgeben, wie Isaak. Später wurden sie gleichgültig über ihren Verlust, wie Jakob, und endlich haben sie sich ganz von ihnen abgewandt, wie Juda.

Möchten wir deshalb die ernste Warnung beachten, die auch für uns in dieser Erzählung liegt, und uns vor dem ersten Abweichen von den Grundsätzen Gottes hüten!


Aus Die Welt vor der Flut und die Patriarchen, Elberfeld 1925, S. 165–168


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