Schwere Entscheidungen im Atomzeitalter
Hilfe zur Frage: Kann man eine Beteiligung an einem Krieg rechtfertigen?

David Roderick Reid

© SoundWords, Online începând de la: 20.08.2002, Actualizat: 04.01.2026

Leitverse: 5. Mose 7,2; Matthäus 5,39; Lukas 6,27; Römer 13,4

5Mo 7,2: Wenn der HERR, dein Gott, die Feinde vor dir hingibt und du sie schlägst, so sollst du sie ganz und gar verbannen; du sollst keinen Bund mit ihnen schließen noch Gnade gegen sie üben.

Mt 5,39: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin.

Lk 6,27: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen.

Röm 13,4: Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn die Origkeit trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der das Böse tut.

Einleitung

In der gegenwärtigen Weltlage[1] sind Fragen zu Atomwaffen für Christen sowohl besorgniserregend als auch verwirrend. Die Lage ist ganz offensichtlich besorgniserregend, denn nie zuvor in der Geschichte lag so viel zerstörerische Kraft in der Hand des sündigen Menschen. Diese verheerende Kraft wird nicht nur in großen Arsenalen gelagert, sondern ist zum Großteil bereits ausgerichtet und könnte buchstäblich jederzeit eingesetzt werden. Die gesamte Feuerkraft des Zweiten Weltkriegs entsprach 3 Megatonnen TNT. Derzeit [um das Jahr 2000] stehen auf diesem Planeten 18.000 Megatonnen in den Atomarsenalen zur Verfügung.[2] Bereits 300 Megatonnen besitzen genügend Feuerkraft, um alle großen und mittelgroßen Städte der Erde zu zerstören!  

Welchen Standpunkt nehmen wir als Christen ein?

Es ist schwierig, sich mit dem Thema Atomkrieg und Atomwaffen auseinanderzusetzen. Welchen Standpunkt sollten Christen einnehmen? Sollten Christen für ein umfassendes Wettrüsten mit Atomwaffen eintreten, um mehr, größere und bessere Raketen zu haben als „die andere Seite“? Obwohl das Konzept „Frieden durch Stärke“ in vielerlei Hinsicht logisch und vernünftig ist, wirft dieser Standpunkt offensichtlich doch einige schwerwiegende Fragen auf: Wo hören wir auf? Wie viele Raketen brauchen wir wirklich? Warum sollten wir die andere Seite „unter Druck setzen“, um weiter aufzurüsten?

Andererseits: Sollten Christen sich völlig gegen Atomkraft und für die vollständige Vernichtung aller Atomwaffen aussprechen? Auf den ersten Blick scheint dieser Standpunkt richtig und gut zu sein, aber er vereinfacht die Sache zu sehr. Auch wenn wohl jeder vernünftige Christ die völlige Beseitigung von Atomwaffen auf der Erde vorzieht, können wir Zeit und Geschichte nicht zurückdrehen. Nukleares Know-how wird uns erhalten bleiben. Selbst wenn es möglich wäre, jeden dazu zu bewegen, seine Atomwaffen und technischen Unterlagen zu vernichten, so wissen wir doch, dass es nicht lange dauern würde, bis wieder Raketen auftauchen – sogar in Dritte-Welt-Ländern und in Terrorgruppen.

Nein, bis zur Wiederkunft des Herrn wird es wahrscheinlich unmöglich sein, unseren Planeten von Atomwaffen und -technologie zu befreien. Darüber hinaus kann die Atomtechnologie auch für gute Zwecke genutzt werden. Forschung und Erfindungen von Menschen waren immer sowohl mit Gebrauch als auch mit Missbrauch verbunden (denken wir z.B. an das Feuer oder an das Rad), und dies gilt auch für die Atomtechnologie.

Begrenzte Atomnutzung

Angesichts der Probleme, die mit diesen beiden Standpunkten verbunden sind, sollten Christen sich vielleicht für eine Art begrenzte Atomnutzung einsetzen: nur für gute Zwecke und zur Verteidigung. In Anbetracht der anderen Optionen erscheint diese Position am vernünftigsten. Aber auch sie ist nicht frei von ernsthaften Fragen: Wer definiert und kontrolliert „gute Zwecke“? Angenommen, die andere Seite erhält eine Mitteilung, es würde sich nicht an „Fair Play“ gehalten? Kann ein sogenanntes Abrüstungsprogramm überwacht werden? Gibt es im Atomzeitalter überhaupt so etwas wie einen Verteidigungskrieg?

Wenn wir uns der Bibel zuwenden, um Hilfe zu bekommen, wie diese komplizierten Fragen zu klären und zu beantworten sind, fallen uns sofort scheinbar widersprüchliche Grundsätze auf. (Siehe die ausgewählten Bibeltexte!) Wie kann ein wachsender Christ angesichts solcher Schriftstellen zu einer festen Haltung in Bezug auf Atomwaffen gelangen? Aufgrund dieser scheinbar inneren Widersprüche in den biblischen Grundsätzen haben sich im Lauf der Kirchengeschichte vier unterschiedliche christliche Ansichten zum Thema Krieg herausgebildet:

Vier christliche Ansichten über den Krieg

1. Pazifismus

Der christliche Pazifist betont die Bibelstellen, die dazu auffordern, „die andere Wange hinzuhalten“ (Mt 5,39) und „die Feinde zu lieben“ (Lk 6,27), und lehnt es daher ab, persönlich am Krieg teilzunehmen. Einige christliche Pazifisten gehen sogar so weit, zu sagen, dass auch ein Staat sich nicht in militärische Handlungen hineinziehen lassen sollte. Ihrer Ansicht nach sollten wir darauf vertrauen, dass Gott mit dem Aggressor auf seine Art handelt, unabhängig vom Atomwaffenarsenal und von den Gräueltaten des Feindes. 

2. Nichtwiderstand

Eine zweite christliche Sichtweise über Krieg ist biblischer Nichtwiderstand. Diejenigen, die diese Meinung vertreten, glauben nicht nur, dass Gott den menschlichen Regierungen das Recht gegeben hat, sich selbst zu regieren (1Mo 9,1-17), und dass Völker sich deshalb verteidigen müssen. Sie vertreten auch die Ansicht, dass einzelne Christen in diesem Bereich eine Verpflichtung gegenüber ihrem Land hätten, allerdings ohne sich an Kampfhandlungen zu beteiligen. Während Ungläubige Waffen tragen dürften, sei dies den Christen nicht gestattet, weil das Gesetz Christi sie zu einem höheren Standard berufe.

Im Gegensatz zu christlichen Pazifisten, die nichts mit dem Militär zu tun haben wollen, ist der christliche „Nichtwiderständler“ bereit, sich in den sogenannten „guten“ Bereichen des Militärs zu engagieren, wie zum Beispiel in der Seelsorge oder im Sanitätsdienst. Einige sind sogar bereit, in zivilen Unternehmen zu arbeiten, die Verträge mit dem Militär abgeschlossen haben – solange sie einen Status beibehalten können, dass sie zwar an der Produktion von Kriegsmaterial beteiligt sind, aber nicht an Kampfhandlungen teilnehmen müssen.[3]

3. Präventivkrieg

Eine dritte christliche Sichtweise auf Krieg ist der Gedanke des Präventivkrieges oder das Konzept der Kreuzzüge. Dies ist das genaue Gegenteil der christlich-pazifistischen oder der gewaltfreien Haltung. Der Kreuzritter legt das Gewicht auf jene Schriftstellen, die die Vernichtung des Feindes gutheißen (z.B. 5Mo 7,2). Sein Grundgedanke ist, die „gute Seite“ solle sich am Krieg beteiligen, um zügellose Ungerechtigkeiten zu beheben und Gebiete zurückzufordern, die sich in den Händen der „bösen Seite“ befinden. Die meisten Christen, die diese Ansicht vertreten, würden bereitwillig in einem ihrer Ansicht nach „heiligen Krieg“ kämpfen.

4. Der gerechte Krieg

Eine vierte christliche Sichtweise vertritt die Theorie des gerechten Krieges. Demnach dürften Christen an Verteidigungskriegen ihres Heimatlandes teilnehmen, solange diese Kriege als „gerechtfertigt“ angesehen werden (einen Krieg im Vorhinein als gerechtfertigt zu betrachten, ist oft nicht möglich; im Nachhinein kann man einen Krieg oft aufgrund besseres Wissen nicht mehr als gerechtfertigt betrachten). Ein Christ dürfe beim Militär dienen; er dürfe sogar Waffen tragen und nötigenfalls schießen, um zu töten. Nach dem Konzept des „gerechten Krieges“ dürfe eine Nation nicht „den Erstschlag durchführen“ und „das Messer zücken“, um den Angreifer zu unterwerfen. Es dürften nur Militärziele ausgewählt werden, und die Kriegsstrategie dürfe keine Pläne zur Machtvergrößerung, Eroberung oder Rache enthalten. Plünderungen und wahllose Zerstörungen sind (theoretisch) einem gerechten Krieg fremd.

Im Konzept des gerechten Krieges ist Krieg das letzte Mittel, nämlich dann, wenn alle anderen Bemühungen, den Angreifer zurückzuhalten, gescheitert sind. Da heutige Waffen in verwüstenden Überraschungsangriffen eingesetzt werden können, halten viele Befürworter des gerechten Krieges heute Präventivschläge für vereinbar mit einem „gerechten Krieg“. Vor allem dann, wenn es überwältigende Beweise für die bösen Absichten des Feindes gibt, sei ein Präventivschlag nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar ein Mittel der Verteidigung. Seit der Zeit Augustins (um 400 n.Chr.) hält die Mehrheit der Christen mehr oder weniger an der Theorie des „gerechten Krieges“ fest.

Schriftstellen, die gegen Krieg sprechen

Wie gehen nun die Befürworter der Theorie des „gerechten Krieges“ mit den Schriftstellen um, die gegen Krieg zu sprechen scheinen? Die scheinbaren Widersprüche in diesen Schriftstellen lösen sich auf, wenn man sie in ihrem genauen Kontext betrachtet. In diesem Kontext sprechen die Schriftstellen, die uns auffordern, die andere Wange hinzuhalten (Mt 5,39; Lk 6,29), nicht von nationaler Verteidigung. Befürworter des „gerechten Krieges“ meinen, für die nationale Verteidigungspolitik eines Staates sei Römer 13 relevanter. Die staatlichen Autoritäten (Röm 13,1) haben tatsächlich das Recht, das Schwert zu führen, um Leben und Wohlergehen ihrer Bürger zu schützen (Röm 13,4). Polizeiliche Aktionen würden folgerichtig sowohl Einsätze gegen äußere als auch gegen innere Übeltäter umfassen.

Diese biblische Autorität bedeutet allerdings nicht, dass souveräne Staaten von heute das Recht auf Eroberung durch das Schwert hätten, das Gott Israel im Alten Testament gegeben hatte! Man würde Schriftstellen wie 5. Mose 7,2 aus dem Zusammenhang reißen, wenn man mit ihnen Auslandseroberungen rechtfertigen würde. Diese Gebote wurden dem alten Israel gegeben. Es waren direkte Befehle Gottes, die heidnischen Kanaaniter aus dem Land zu vertreiben, das Gott seinem Volk gegeben hatte. Als Theokratie (direkte Herrschaft Gottes) gab es im Israel des Alten Testaments keine Trennung von Kirche und Staat. Sie wurden direkt durch Gottes Wort und durch seine Propheten geleitet.

Auch wenn Römer 13 den heutigen Staaten also nicht das Recht gibt, einen Eroberungskrieg zu führen, so gibt diese Stelle ihnen doch das Recht und die Verantwortung, „Schwerter“, also Waffen zu besitzen und sie einzusetzen, um Recht und Ordnung aufrechtzuhalten. Die Tatsache, dass souveräne Staaten diese Autorität missbrauchen, nimmt ihnen nicht dieses Grundrecht und ihre Verantwortung. Das Römische Reich zum Beispiel missbrauchte zweifellos seine Macht. Über die Größe und die Zahl der „Schwerter“ lässt sich streiten, aber nach Ansicht der Befürworter eines „gerechten Krieges“ legten diese Schriftstellen nahe, dass ein Staat Waffen einsetzen sollte, um den Frieden auf angemessene Weise zu wahren. 

Schlussgedanken

Es ist für den wachsenden Christen nicht einfach, in diesem Atomzeitalter Entscheidungen zu treffen. Viele Christen überdenken aufgrund von Atomwaffen ihre Haltung zum Krieg. Das Potential von Atomwaffen für die immer zahlreicher werdenden terroristischen Gruppen hat viele christliche Pazifisten veranlasst, ihre frühere Einstellung zu ändern. Die bedrohliche Gefahr durch einen nuklearen Holocaust hat viele Christen, die einmal den Standpunkt des gerechten Krieges vertraten, die Haltung eines „atomaren Pazifismus“ annehmen lassen. Zusätzlich erschweren die stetigen technologischen Fortschritte bei den ABC-Waffen (atomare, biologische, chemische Waffen) die Entscheidungen, vor denen Christen stehen. 

Weitere Studien zu unseren ausgewählten Texten und anderen verwandten Schriftstellen werden sicherlich Einfluss auf diese Überzeugungen haben. Studiere zum Beispiel im Zusammenhang 2. Mose 20,13; 5. Mose 17,16; 1. Chronika 21,1-7; 2. Chronika 26,9-15; Matthäus 26,52; Lukas 3,14; 22,36-38; Johannes 18,36; Römer 12,14-21; 1. Petrus 2,18-20

Um Frieden beten 

Diese Zusammenfassung der verschiedenen christlichen Positionen und Probleme in Bezug auf moderne Kriegsführung ist kurz gehalten, doch wir hoffen, dass sie nicht zu stark vereinfacht ist. Wir kommen zu folgendem Fazit: Die Bibel gibt einem souveränen Staat offenbar das Recht und die Verantwortung, Leben und Wohlergehen seiner Bürger zu schützen und sich somit gegen Angriffe zu verteidigen. Über diese grundlegende Voraussetzung hinaus können wir jedoch keine dogmatischen Aussagen treffen, wie eine biblische Position zum Thema Krieg im Einzelnen auszusehen hat. Die Größe des Atomwaffenarsenals eines Landes, die Frage von Präventivschlägen, der Wert von Gesprächen und Verträgen über Waffenabbau, das Ausmaß von christlicher Beteiligung und die Legitimität von Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen – all dies sind Bereiche, in denen Christen je nach Überzeugung und Gewissen unterschiedliche Entscheidungen treffen.

Christen sollten einander nicht wegen unterschiedlicher Meinungen verurteilen oder verachten (s. Röm 14,10-12). Lasst uns vielmehr gemeinsam um Frieden beten (1Tim 2,1-8). Wir alle sehnen uns nach dem Tag, wenn der Friedefürst wiederkommt. Er wird allen Bedrohungen und Schrecken des Atomzeitalters ein Ende setzen!


Originaltitel: „Tough Choices in a Nuclear Age
Quelle: www.growingchristians.org

Übersetzung: Gabriele Naujoks

Anmerkungen

[1] Anm. d. Übers.: Der Artikel wurde Anfang der 2000er Jahre geschrieben.

[2] Anm. d. Übers.: Heute (2025/26) haben die Atomwaffenarsenale der Welt rund 7500 Megatonnen Sprengkraft.

[3] Anm. d. Übers.: Make the bullet but not fire it.

Mai multe articole despre cuvântul cheie Război (1)

Mai multe articole ale autorului David Roderick Reid (68)


Nota redacţiei:

Redacţia SoundWords este răspunzătoare pentru publicarea articolului de mai sus. Aceasta nu înseamnă că neapărat ea este de acord cu toate celelalte gânduri ale autorului publicate (desigur cu excepţia articolelor publicate de redacţie) şi doreşte să atragă atenţia, să se ţină seama de toate gândurile şi practicile autorului, pe care el le face cunoscut în alte locuri. „Cercetaţi toate lucrurile, şi păstraţi ce este bun” (1 Tesaloniceni 5.21).

Bibeltexte im Artikel anzeigen