Der Brief an die Hebräer (3)
Kapitel 3

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 21.03.2020

Erhabener als Mose

Wie bereits in der Einführung erwähnt, geht es in den Kapiteln 3 bis 10,18 um Christus als den „Hohepriester unseres Bekenntnisses“. Das steht in enger Verbindung mit seinem Eingang in die Himmel, um seinen gegenwärtigen Dienst der Fürsprache (Röm 8,34) auszuführen, nachdem Er Sühnung für Sünde getan hat.

Christi Priestertum – in Bezug auf Menschen und Gott

Die Kapitel 1 und 2 haben die Herrlichkeiten Christi als der Sohn Gottes und der Sohn des Menschen dargelegt und Ihn somit dargestellt als denjenigen, der vollkommen passend dafür ist, unser Hohepriester zu sein. Nachdem der Schreiber Ihn als solchen am Ende von Kapitel 2 eingeführt hat, fährt er nun in den folgenden Kapiteln fort mit dem Dienst seines Priestertums. Dieser ist sowohl auf Menschen hin ausgerichtet als auch auf Gott:

  • Was die menschliche Seite betrifft (Heb 3–7):
    Er hilft denen, die versucht werden (Heb 2,18), hat Mitleid mit unseren Schwachheiten (Heb 4,14), gibt den Bedürftigen Gnade und Barmherzigkeit (Heb 4,16), hat Nachsicht mit den Unwissenden und Irrenden (Heb 5,2) und rettet diejenigen, die durch Ihn Gott nahen (Heb 7,25).
  • Was die göttliche Seite betrifft (Heb 8–10):
    Er sichert den neuen Bund und den damit verbundenen Segen für Israel (Heb 8), bietet sich selbst als das vollkommene Opfer Gott dar, um Sünde hinwegzutun und so das Gewissen des Gläubigen zu reinigen (Heb 9–10), und bringt den Lobpreis der Heiligen zu Gott dar (Heb 10,21; 13,15).

Diese beiden Seiten des Werkes Christi können in Hebräer 2,17 gesehen werden: „ein barmherziger und treuer Hohepriester“ in den Sachen mit Gott. „Barmherzig“ – das bezieht sich auf unsere Seite seines priesterlichen Dienstes und „treu“ hat mit der göttlichen Seite zu tun. 

Eine kurze Gliederung der Kapitel 3 bis 4

Bevor der Schreiber mit der tatsächlichen Funktion des Priestertums Christi in Kapitel 5 beginnt, geht er auf ein paar einleitende Dinge in Verbindung mit diesem Amt ein. Eine kurze Aufteilung von Kapitel 3 und 4:

  1. der Bereich, in dem Christus seinen hohepriesterlichen Dienst ausführt : das Haus Gottes (Heb 3,1-6)
  2. die Umstände, die diesen Dienst so notwendig machen: die Wüste (Heb 3,7-19)
  3. die Ruhe, wohin die Wüstenreise führt (Heb 4,1-11)
  4. die Vorsorge, die Gott bereitgestellt hat, so dass wir vor dem Straucheln bewahrt werden (Heb 4,12-16)

Der Bereich, in dem Christus seinen hohenpriesterlichen Dienst ausführt: das Haus Gottes (Heb 3,1-6)

In den Kapiteln 3 bis 4 kommt der Schreiber auf die zwei größten Führer in der frühen Geschichte des jüdischen Systems zu sprechen – Mose und Josua – und vergleicht sie mit Christus. Wieder zeigt er, dass Christus in jeder Hinsicht erhabener ist als sie.

Verse 1.2

Heb 3,12: 1 Daher, heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus, 2 der treu ist dem, der ihn bestellt hat, wie es auch Mose war in seinem ganzen Haus.

Er spricht die hebräischen Gläubigen als „heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung“ an. Das ist etwas ganz anderes im Vergleich zu dem, was sie als Juden in Israel gekannt und woran sie Teil gehabt hatten. Sie waren einst Brüder in einer nationalen Berufung Gottes mit irdischen Hoffnungen und einem irdischen Erbe (5Mo 7,6-8). Als sie aber Christus im Glauben annahmen, wurden sie „herausgenommen“ aus dieser irdischen Berufung und wurden Teil einer neuen Sache, die Gott geschaffen hatte:  die Versammlung (Apg 26,17). Indem er sie als „Genossen der himmlischen Berufung“ bezeichnet, werden sie in ihrer christlichen Stellung mit einer himmlischen Berufung gesehen.

Als Christen werden sie nun aufgefordert, „den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses“ zu betrachten, „der treu ist dem, der ihn bestellt hat, wie es auch Mose war in seinem ganzen Haus“. Wie schon erwähnt, hatten wir bereits in den Kapiteln 1 und 2 Christus als den „Apostel“ unseres Bekenntnisse vor uns. Christus als der „Hohepriester“ unseres Bekenntnisses liegt nun in den Kapiteln 3 bis 10,18 vor uns.

Der Schreiber stellt Mose im Vers 2 vor, um seine Treue mit der Treue Christi zu vergleichen (4Mo 12,7). Das sehen wir in den Worten „wie es auch“. Christus war dem treu, der Ihn bestellt hatte (Gott).

Die dreifache Erhabenheit Christi über Mose

Verse 3.4

Heb 3,3.4: 3 Denn dieser ist größerer Herrlichkeit für würdig erachtet worden als Mose, insofern größere Ehre als das Haus der hat, der es bereitet hat. 4 Denn jedes Haus wird von jemand bereitet; der aber alles bereitet hat, ist Gott.

Nach dem Vergleich fährt der Schreiber fort, vier große Unterschiede zwischen Christus und Mose zu nennen:

Erstens: Christus, der Hohepriester unseres Bekenntnisses, „ist größerer Herrlichkeit für würdig erachtet worden als Mose, insofern größere Ehre als das Haus der hat, der es bereitet hat“. Das „Haus“, das Mose gemacht und in dem er gedient hatte, war die irdische Stiftshütte in der Wüste (2Mo 25–30). Sie war nur ein Abbild oder „Muster“ des Hauses, das Christus gebaut hat und in dem Er dient: das gesamte Universum (Heb 8,2; 5; 9,23). Der Schreiber beschreibt es als „alles“. Somit diente Mose nur in dem Vorbild des eigentlichen Hauses. Der Bereich des hohepriesterlichen Dienstes Christi ist daher unvergleichlich größer. Damit keiner missverstehen würde, wer der tatsächliche Baumeister des Hauses Gottes ist, fügt der Schreiber hinzu: „Der aber alles bereitet hat, ist Gott.“ Somit wird Christus hier mit Gott gleichgestellt und sogleich von Mose abgegrenzt, so weit wie der Schöpfer über dem Geschöpf steht.

Vers 5

Heb 3,5: Und Mose zwar war treu als Diener in seinem ganzen Haus – zum Zeugnis von dem, was nachher geredet werden sollte.

Zweitens: Moses Dienst diente als ein „Zeugnis von dem, was nachher geredet werden sollte“. Das heißt, sein Dienst zeugte von den „zukünftigen Gütern“ (Heb 9,11; 10,1), von den Dingen, die Christus eingeführt hat. Auch das zeigt wieder, dass Christus größer ist als Mose.

Vers 6

Heb 3,6: Christus aber als Sohn über sein Haus, dessen Haus wir sind, wenn wir nämlich die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.

Drittens: Mose war ein „Diener“ in seinem Haus, Christus aber ist „Sohn über sein (Gottes) Haus“. Natürlich ist ein Sohn größer als ein Diener. Der verlorene Sohn verstand diesen Unterschied und sagte: „Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen; mache mich wie einen deiner Tagelöhner“ (Lk 15,19).

Was Gottes Haus betrifft, so sagt uns der Schreiber, dass es in der christlichen Zeit eine andere Bedeutung hat: „dessen Haus wir sind“. Gläubige an den Herrn Jesus Christus werden heute als Gottes geistliches Haus gesehen. Wir werden „mitaufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist“ (Eph 2,22; 1Pet 2,5). Indem Gläubige als „Haus Gottes“ vorgestellt werden, lernen wir, dass wir in dem Bereich sind, in dem Christus seinen priesterlichen Dienst ausübt.

Der Schreiber sagt weiter: „wenn wir nämlich die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten“. Er erwähnt dies, weil die Möglichkeit des Abfalls bestand. Auf der anderen Seite würden diejenigen, die wirklich zu Gottes Haus gehören, dies beweisen, indem sie „festhielten“. Das zeigt, dass Beständigkeit auf dem Pfad des Glaubens der Beweis der Echtheit des Glaubens ist.

Die Umstände, in denen Christi hoherpriesterlicher Dienst benötigt wird – die Wüste (Heb 3,7-19)

Die Wege Gottes sind dadurch gekennzeichnet, dass Er jedes Bekenntnis prüft. Alle, die den Pfad des Glaubens wählen und sich somit mit der christlichen Stellung in dieser Welt einsmachen, werden hinsichtlich ihrer Echtheit (bzw. Falschheit) geprüft. Kein anderer Ort ist dafür geeigneter als „die Wüste“. Wir sprechen jetzt von der Wüste im bildlichen Sinn. Israel ging auf ihrem Weg von Ägypten nach Kanaan durch eine große Wüste, voller Gefahren und Feinde, wo ihr Glaube geprüft wurde. In derselben Weise gehen Gläubige an den Herrn Jesus durch einen Ort voll geistlicher Gefahr und Erprobung, während sie in dieser Welt auf dem Pfad des Glaubens wandeln. Diese Zeit der Prüfung und des Lernens in unserer christlichen Erfahrung kann als unsere Wüstenreise beschrieben werden (Röm 5,3-5; 1Pet 5,10).

Die Wüste ist also dort, wo die Echtheit unseres Bekenntnisses in den Umständen geprüft wird, denen wir begegnen. Wir zeigen unsere Echtheit, indem wir auf dem Pfad ausharren trotz der harten Belastungen, die uns begegnen. Dieselben Umstände offenbaren auch den wahren Zustand eines bloßen Bekenners, indem dieser den christlichen Boden verlässt; das bedeutet Abfall. Genau das passierte in dieser Gruppe von Hebräern, die Glauben an Christus bekannten. Die Prüfungen und Verfolgungen, die sie erfuhren, zeigten, dass die meisten wahren Glauben hatten. Traurigerweise bewiesen dieselben Prüfungen aber auch Abwesenheit echten Glaubens bei manch anderen: Sie gaben letztendlich ihr Glaubensbekenntnis auf und verließen den Pfad.

Die Wüstenumstände bedürfen Christi Beistand, und so kommt der Schreiber im zweiten Teil von Kapitel 3 auf die Ausübung des hohepriesterlichen Dienstes des Herrn Jesus zu sprechen. Nimmt ein Gläubiger diesen in Anspruch (Heb 7,25), wird er auf dem Weg bewahrt und so „bis zum Ende standhaft festhalten“.

Die zweite Warnung vor dem Abfallen (Heb 3,7-19)

Die Gefahr des Unglaubens

Verse 7-11

Heb 3,7-11: 7 Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, 8 verhärtet eure Herzen nicht, wie in der Erbitterung, an dem Tag der Versuchung in der Wüste, 9 wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich prüften, und sie sahen doch meine Werke 10 vierzig Jahre. Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen; aber sie haben meine Wege nicht erkannt. 11 So schwor ich in meinem Zorn: Wenn sie in meine Ruhe eingehen werden!“

Das veranlasst den Schreiber, eine zweite Warnung vor dem Abfallen auszusprechen. In einem Einschub zitiert er aus Psalm 95, um den Hebräern die ernsten Konsequenzen aufzuzeigen, was das Verlassen des Glaubenspfades bedeutete. Das ist das erste von fünf Zitaten aus diesem Psalm. Der Umstand, auf den sich der Psalmist bezieht, war Israels Unglaube in Kades-Barnea, die sogenannte „Erbitterung“ (4Mo 13–14). Das verheißene Land lag vor ihnen; alles, was sie zu tun hatten, war, dem Wort des HERRN durch Mose zu glauben und in das Land einzugehen und es in Besitz zu nehmen. Aber sie waren mit Unglauben erfüllt und weigerten sich. Die Kinder Israel reizten den HERRN zum Zorn, indem sie sich weigerten, in das Land Kanaan einzuziehen, das Gott ihnen gegeben hatte.

Die zehn Versuchungen

Die „Erbitterung“ in Kades war das zehnte Mal, dass Israel den HERRN in den ersten zwei Jahren ihrer Wüstenreise versuchte (4Mo 12,22). Die zehn Versuchungen sind folgende:

  1. Sie vertrauten dem HERRN am Roten Meer nicht hinsichtlich der Armee des Pharaos (2Mo 14,11.12; Ps 106,7).
  2. Sie hinterfragten die Weisheit des HERRN in seiner Führung durch die Wüste (2Mo 15,24).
  3. Sie forderten Brot, um ihre Gier zu stillen (2Mo 15,2; Ps 78,18).
  4. Sie versuchten, das Manna an einem Sabbat zu sammeln (2Mo 16,27.28).
  5. Sie zweifelten, ob der HERR wirklich unter ihnen war (2Mo 17,2.7; Ps 78,19.20).
  6. Sie beteten das goldene Kalb an (2Mo 32,7-14; Ps 106,19).
  7. Sie murrten gegen den HERRN (4Mo 11,1-3).
  8. Sie begehrten die Speise Ägyptens (4Mo 11,4-9).
  9. Sie kritisierten ihren Führer, Mose (4Mo 12,9).
  10. Sie verachteten das verheißene Land (4Mo 14,1-5; Ps 106,24.25).

Die ersten fünf Versuchungen fanden vor der Gesetzgebung statt, als Israel immer noch in einer Zeit der Gnade vor Gott stand und deswegen noch nicht die Folgen ihrer Sünden spüren musste. Die letzten fünf hingegen waren nach der Gesetzgebung, als das Volk wegen ihrer Bundesbeziehung mit dem HERRN unter Verantwortung stand (2Mo 24) und deswegen die Folgen ihrer Sünden in Form von verschiedenen Schlägen des Gerichtshandeln Gottes zu spüren hatte.

Wenn der Schreiber die Schrift zitiert, so wie hier in Kapitel 3,7-11, gibt er den Hebräern eine Warnung weiter, die direkt aus dem Wort Gottes kommt. Er bezeichnet den Sprecher dieser Warnung als „den Heiligen Geist“ (er sagt nicht, „wie David spricht“). Die erste Warnung war also von dem Sohn (Heb 2,1-4) und diese zweite Warnung von dem Heiligen Geist. Es könnte nicht deutlicher sein, dass Gott hier zu ihnen sprach! Der Ernst dieser Tatsache sollte sie ernüchtern. Bedeutend ist auch, dass der Schreiber das Zitat aus Psalm 95 in der Gegenwartsform anführt: „Wie der Heilige Geist sagt …“ Auch wenn dies Hunderte Jahre früher geschrieben worden war, spricht der Heilige Geist immer noch durch dieses Wort. So ist es das „lebendige“ Wort Gottes (Heb 4,12). Er sagt: „Wenn ihr seine Stimme hört …“ Der Gebrauch von „wenn“ zeigt die Bedingung von Bereitwilligkeit und Gehorsam an.

Verse 12.13

Nun wendet der Schreiber das Zitat an:

Heb 3,12.13: 12 Gebt acht, Brüder, dass nicht etwa in jemand von euch ein böses Herz des Unglaubens sei in dem Abfallen von dem lebendigen Gott, 13 sondern ermuntert euch selbst an jedem Tag, solange es „heute“ heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde.

Wenn er hier das Wort „Brüder“ benutzt, bezieht sich das auf das natürliche Band, das er mit seinen Landsleuten aus dem „Geschlecht Israel“ (Phil 3,5) hatte – nicht wie in Vers 1, wo es sich auf Mitchristen, die „Hausgenossen des Glaubens“ bezieht (Gal 6,10). Seine Absicht in diesem Abschnitt könnte nicht klarer ausgedrückt werden. In dieselbe Sünde des „Unglaubens“, die das alte Israel kennzeichnete und zu ihrem Untergang in der Wüste geführt hatte, könnten auch die Hebräer fallen! Wenn sie die Stimme Gottes missachteten, würden ihre Herzen „verhärtet werden durch Betrug der Sünde“, wie es in Israel zu alten Zeiten war.

Zwei Arten von Herzen

In dem Brief an die Hebräer kommen zwei Arten von Herzen vor:

  1. „Ein böses Herz“ des Unglaubens, das sich von Gott entfernte (Heb 3,12). Dies ist Abfall. Das Wort „abfallen“ wird auch in 2. Thessalonicher 2,3; Hebräer 6,6; Lukas 8,13 und 1. Timotheus 4,1 verwendet. Wie bereits in der Einführung erwähnt, kann dies nur ein bekennender Christ tun, indem er sich von dem Christentum abwendet. Ein böses Herz des Unglaubens bezieht sich also nicht auf Gläubige, die in ihrer Schwachheit für eine kurze Zeit rückfällig werden oder erkalten. (Glaubensschwäche im Leben eines Gläubigen ist jedoch nicht das Thema der Warnungen in diesem Brief; hier geht es um das Sichabwenden von Gott, um Abfall.)
  2. „Ein wahrhaftiges Herz“, das in voller Gewissheit des Glaubens hinzutritt (Heb 10,22). Dies wird ein wahrer Gläubiger tun, der in den Wahrheiten, die in diesem Brief dargestellt werden, recht unterwiesen ist.

Die Tatsache, dass wir uns wegen des „Betrugs der Sünde“ täglich ermuntern sollen, zeigt, dass wir mit unseren Geschwistern oft zusammen sein müssen. Wir können uns nicht ermuntern, wenn wir einander kaum sehen! Es ist also unsere Aufgabe, als Hüter unserer Brüder auf die Seelen der anderen achtzuhaben.

Verse 14

Heb 3,14: Denn wir sind Genossen des Christus geworden, wenn wir nämlich den Anfang der Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.

Während die vorherigen Verse uns vor dem Abfall warnen, ermutigt dieser Vers dazu, im Glauben auf dem Pfad voranzuschreiten. Wie bereits erwähnt, werden die Gläubigen in diesem Brief als Teil eines neuen Schöpfungsgeschlechtes betrachtet. Als solche tragen sie Namen wie „Söhne“ Gottes (Heb 2,11), „Brüder“ Christi (Heb 2,11) und „Genossen“ des Christus (Heb 3,14). Diese Begriffe zeigen unsere Beziehung mit dem Herrn als Haupt dieses Geschlechtes. (Unsere Verbindung mit Christus als Haupt seines Leibes, von dem wir die Glieder sind, ist eine andere Beziehung und nicht das Thema im Hebräerbrief.) Der Schreiber möchte hier klarmachen, dass wahre Gläubige die Echtheit ihres Glaubens zeigen, indem sie „bis zum Ende standhaft festhalten“.

Vers 15

Heb 3,15: … indem gesagt wird: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht, wie in der Erbitterung.“

Nun kehrt der Schreiber zurück zum Zitat aus Psalm 95, um ein anderes Schlüsselwort darin zu betonen: „Heute“. Das zeigt, dass es dringlich war, Gottes Stimme zu hören und sofort in rechter Weise darauf zu antworten.

Drei herausfordernde Fragen

Verse 16-19

Heb 3,16-19: 16 (Denn welche, als sie gehört hatten, haben ihn erbittert? Waren es aber nicht alle, die durch Mose aus Ägypten ausgezogen waren? 17 Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen, die gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? 18 Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die ungehorsam gewesen waren? 19 Und wir sehen, dass sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens.)

In einem anderen Einschub spricht der Schreiber wieder von der Geschichte Israels in der Wüste, um die Auswirkungen der Sünde des Unglaubens zu veranschaulichen. Mit drei herausfordernden Fragen betont er den Ernst der Tatsache, dass ein böses Herz des Unglaubens sehr leicht von der Sünde verführt werden kann. Diese Verführung verhärtet das Herz so, dass es für eine Ermahnung nicht mehr empfänglich ist. Eine Person, die solch ein verhärtetes Herz hat, wird den Weg, der zur Verdammnis führt, nicht mehr verlassen. Ja, das ist in der Tat sehr ernst.

Erstens fragt er: „Denn welche, als sie gehört hatten, haben ihn erbittert?“ Waren es nur wenige? Nein, es war die gesamte Volksmasse: „alle, die durch Mose aus Ägypten ausgezogen waren“ (Heb 3,16). In derselben Weise wurden die Adressaten des Briefes geprüft, und wenn sie nicht im Glauben dem Wort Gottes antworten, könnten auch sie Ihn zum Zorn „erbittern“.

Zweitens fragt er: „Welchen aber zürnte er vierzig Jahre?“ Es waren die, „die gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen“ (Heb 3,17). Worauf der Schreiber sich hier bezieht, geht über den Tag der Versuchung hinaus; hier geht es um die gesamte Wüstenreise Israels. Am Ende von vierzig Jahren war die ganze Generation, die das köstliche Land verschmäht hatte, „vertilgt“ (5Mo 2,14.15). Gott hatte in seinem Regierunghandeln ein gerechtes Gericht an ihnen vollzogen: Sie waren in der Wüste gestorben. In gleicher Weise könnte ein ähnlicher Schlag göttlichen Gerichts die Hebräer treffen, wenn Unglaube in ihnen war, und sie durch einen vorzeitigen Tod von dieser Erde wegnehmen! Tatsächlich passierte dies Tausenden von ihnen durch die Hand der Römer zwischen 66 und 70 nach Christus.

Drittens fragt er: „Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten?“ Es waren diejenigen, die „ungehorsam gewesen waren“ (oder „nicht geglaubt hatten“, siehe Fußnote in der Elb. Üb.) (Heb 3,18). Das Endresultat für all diejenigen, die nicht geglaubt hatten, war also, dass sie nicht in Gottes Ruhe im Land Kanaan eingehen konnten. Das war der Fall bei den meisten Israeliten. Sie erreichten nie das Land und die damit verbundene Ruhe. In gleicher Weise würden diejenigen von den Hebräern, die nicht glaubten, ebenfalls nicht in Gottes ewige Ruhe eingehen! Ob damals oder heute, es ist der „Unglaube“, der die Menschen am Eingang in die Ruhe Gottes hindert. Ein bloßes Bekenntnis reicht nicht aus, um eine Person in den Himmel und in die Ruhe Gottes zu tragen.

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Übersetzt aus The Epistle to the Hebrews,
Bible Truth Publishers, Addison, USA

Übersetzung: Jakob Reichel


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