Der Jakobusbrief (4)
Jakobus 4

Hamilton Smith

© bibel-forum.de, online seit: 02.06.2003, aktualisiert: 08.05.2018

Leitverse:  Jakobus 4

Verse 1-3

Jak 4,1-3: Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher, aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr gelüstet und habt nichts; ihr tötet und neidet und könnet nichts erlangen; ihr streitet und krieget; ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfanget nichts, weil ihr übel bittet, auf dass ihr es in euren Lüsten vergeudet.

Der Apostel hat bereits von Unordnung und Streit unter dem bekennenden Volk Gottes gesprochen. Nun fragt er: „Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch?“ Er führt die Kriege unter dem Volk Gottes auf die Lüste in den Herzen zurück, die von den Gliedern des Leibes nicht gezügelt werden. Um die Lust zu befriedigen, ist das Fleisch bereit, zu kämpfen und sogar zu töten. In ganz buchstäblicher Weise ist dies in Bezug auf die Welt und ihre Kriege wahr. In einem moralischen Sinn gilt, dass, wenn wir unseren eigenen Willen unbedingt ausführen wollen, das Fleisch nicht ruhen wird, bis nicht jeder, der sich der Erfüllung unserer Wünsche entgegenstellt, schlechtgemacht und überrannt worden ist. Wenn unsere Wünsche berechtigt sind, dann gibt es keinen Grund, unter unseresgleichen zu kämpfen, um die Wünsche durchzusetzen; wir können Gott darum bitten. Es ist auf der anderen Seite ebenso wahr, dass wir auf unsere Gebete keine Antwort erhalten, weil wir mit der falschen Gesinnung bitten, indem wir unsere Lust erfüllen wollen.

Vers 4

Jak 4,4: Ihr Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft wider Gott ist? Wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar.

Der Gedanke der Lust des Fleisches führt den Apostel nun dazu, vor der Freundschaft dieser Welt zu warnen, die jede Möglichkeit bietet, unsere Lüste zu befriedigen. Diese Welt ist gekennzeichnet durch die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und den Hochmut des Lebens. Sie hat ihre Feindschaft gegen Gott dadurch unter Beweis gestellt, dass sie den Sohn Gottes verworfen und gekreuzigt hat. Wenn jemand, der sich zum Glauben an den Herrn Jesus bekennt, eine Freundschaft mit der Welt eingeht, die den Sohn Gottes gekreuzigt hat, so begeht er geistliche Hurerei. „Die Freundschaft dieser Welt ist Feindschaft wider Gott.“ Unsere Einstellung dieser Welt gegenüber offenbart sehr klar unsere Einstellung Gott gegenüber. „Die aber in Üppigkeit lebt, ist lebendig tot“, sagt der Apostel Paulus (1Tim 5,6). Gewohnheiten weltlicher Selbstbefriedigung bringen den Tod zwischen die Seele und Gott. „Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“, schreibt Johannes (1Joh 2,15). „Wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar“, schreibt Jakobus.

Verse 5.6

Jak 4,5.6: Oder meinet ihr, dass die Schrift vergeblich rede? Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? Er gibt aber größere Gnade; deshalb spricht er: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“ {Spr 3,34}.

Der Apostel führt den Gedanken weiter, indem er aufzeigt, dass hinter der Freundschaft mit der Welt der Hochmut des Fleisches liegt. Da es gerne etwas sein möchte, wendet sich das Fleisch natürlicherweise an die Welt. In ihrem Reichtum, in der guten sozialen Stellung und der Ehre findet es das, was sein Sehnen nach Zerstörung und Diskriminierung befriedigt. Die Schrift warnt uns nicht umsonst vor der Welt. Auch erweckt nicht der Geist Gottes, der in jedem Gläubigen wohnt, die Lust nach den Dingen dieser Welt. Sondern der Geist gibt uns im Gegensatz dazu gerade die Gnade, der Welt und dem Fleisch zu widerstehen, wie geschrieben steht: „Gott widersteht dem Hochmütigen, dem Demütigen aber gibt er Gnade.“ Er reicht uns Kraft und Gnade dar, dem Fleisch und der Welt zu widerstehen, wenn wir damit zufrieden sind, klein und nichts in dieser Welt zu sein.

Um dem Hochmut des Fleisches richtig zu begegnen, folgen sieben Ermahnungen. Alle sind dem natürlichen Stolz unserer Herzen so entgegengesetzt, dass nichts als die Gnade, die durch den Geist geschenkt wird, uns fähig machen wird, sie zu verwirklichen.

Vers 7

Jak 4,7: Unterwerfet euch nun Gott. Widerstehet dem Teufel, und er wird von euch fliehen.

1. „Unterwerfet euch nun Gott.“ 
Nur Gnade führt zur Unterwerfung. Das Verständnis der Gnade und Güte Gottes wird solches Vertrauen zu Gott schenken, dass die Seele gerne ihren eigenen Willen aufgibt und sich Gott unterwirft. Anstatt jemand und etwas in der Welt sein zu wollen, wird der Glaube die Umstände freudig anerkennen, die Gott zulässt. Der Herr Jesus ist auch hier das vollkommene Vorbild in der vertrauensvollen Unterwerfung unter den Willen Gottes. Selbst in den traurigsten Umständen, als Er z.B. aus den Städten geworfen wurde, in denen Er Wunder der Liebe gewirkt hatte, sagte Er: „Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir“ (Mt 11,26).

2. „Widerstehet dem Teufel und er wird vor euch fliehen.“ 
Wenn wir uns Gott unterordnen und mit den Umständen zufrieden sind, dann werden wir fähig sein, den Versuchungen des Teufels zu widerstehen, uns selbst durch die Dinge der Welt zu erhöhen. Wie in den Versuchungen des Herrn wird uns der Teufel vielleicht durch natürliche Bedürfnisse, durch religiösen Aufstieg und durch weltliche Besitztümer versuchen. Wenn wir diesen Versuchungen jedoch durch das Schwert des Geistes begegnen, welches das Wort Gottes ist, dann werden seine Listen entlarvt, und er wird nicht fähig sein, vor der Gnade des Geistes in uns zu bestehen. Der Herr Jesus hat Satan besiegt, und in seiner Gnade können wir dem Teufel so widerstehen, dass er fliehen muss.

Vers 8

Jak 4,8: Nahet euch Gott, und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reiniget die Herzen, ihr Wankelmütigen.

3. „Nahet euch Gott, und er wird sich euch nahen.“ 
Wenn wir dem Teufel widerstehen, muss er fliehen, und die Seele ist frei, Gott zu nahen. Sie wird empfinden, dass er uns sehr nahe ist. Wenn wir Gott immer vor uns stellen, wie es der Herr Jesus in Vollkommenheit während seines Erdenlebens getan hat, dann werden wir feststellen, dass er zu unserer Rechten ist, und weil er nahe ist, werden wir nicht wanken (Ps 16,8). Gott zu nahen, ist der Ausdruck des aktiven Vertrauens und der Abhängigkeit von Gott durch ein Herz, das durch die Gnade angerührt ist und deshalb Gottes Thron als Thron der Gnade empfindet.

4. „Säubert die Hände, ihr Sünder.“ 
Wenn wir Gott nahen wollen, dann müssen wir jede Tat richten, die seiner heiligen Gegenwart nicht entspricht, indem wir auch unsere Hände vor jeder Beschmutzung bewahren.

5. „Reiniget die Herzen, ihr Wankelmütigen.“ 
Es reicht nicht aus, allein die Hände zu waschen. Wir müssen auch das Böse in unseren Herzen richten. Die Pharisäer konnten eine große Schau veranstalten, wenn es um die äußere Reinigung der Hände ging, aber der Herr musste über sie sagen: „Ihr Herz ist weit entfernt von mir“ (Mk 7,3.6). Derjenige, der den Berg des Herrn besteigt und an seiner heiligen Stätte steht, muss unschuldige Hände und ein reines Herz besitzen (Ps 24,3.4). Das Herz ist der Sitz der Zuneigungen eines Christen. Diese müssen von allem gereinigt werden, was nicht in Übereinstimmung mit Gottes Willen ist.

Vers 9

Jak 4,9: Seid niedergebeugt, und trauert und weinet; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit.

6. „Seid niedergebeugt und trauert und weinet.“ 
Wenn wir durch die Gnade des Geistes Gottes geleitet werden, so spüren wir den ernsten Zustand unter dem bekennenden Volk Gottes und finden darin keinen Grund zur Freude. Tatsächlich hat der Christ seine Freuden, die ihm kein Mensch rauben kann. Er erfreut sich der Gnade Gottes, die auch inmitten des Bösen der letzten Tage wirksam ist. Dennoch werden das hohle, unechte Lachen der bekennenden religiösen Welt und ihre falschen Freuden, durch die sie sich selbst betrügt und eine Abwechselung von dem alltäglichen Jammern sucht, das von der Gnade ergriffene Herz eines Gläubigen nur zur Trauer und zum Weinen bringen.

Vers 10

Jak 4,10: Demütiget euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen.

7. „Demütiget euch vor dem Herrn, und er wird euch erhören.“ 
Wir sollen uns in Bezug auf den Zustand unter dem bekennenden Volk Gottes zweifellos demütigen. Vor allem jedoch sollte sich unsere Demütigung auf das beziehen, was wir in unserem eigenen Herzen vorfinden. Außerdem sollte die Demütigung in der Gegenwart des Herrn geschehen. Es handelt sich um ein Werk im Innern, durch welches sich die Seele ihrer Kleinheit angesichts der Größe Gottes bewusst wird. Unser natürliches Begehren ist, uns selbst über den anderen zu erheben. Nur Gnade wird uns dahin führen, uns vor dem Herrn zu demütigen. Wenn wir dazu bereit sind, wird er uns zu seiner Zeit erheben. Wenn wir dagegen versuchen, uns selbst zu erheben, dann werden wir gedemütigt werden.

Es sei hier noch einmal angemerkt, dass diese sieben Ermahnungen voraussetzen, dass wir inmitten eines riesigen Bekenntnisses leben, das durch eben diese Bosheiten gekennzeichnet ist, vor denen wir gewarnt werden. Weit entfernt davon, sich Gott unterzuordnen und dem Bösen zu widerstehen, rebelliert die Christenheit zunehmend gegen Gott und unterwirft sich dem Bösen. Die Christenheit geht auf sorglose Weise und durch die Lüste getrieben voll Lachen und Vergnügen ihren Weg, anstatt niedergeschlagen und betroffen zu sein. Sie ist stolz auf jede Errungenschaft, anstatt durch ihren Zustand gedemütigt zu sein. Zudem ist es nur in der Kraft und Gnade des Geistes, der in uns wohnt, möglich, diesen Ermahnungen zu entsprechen (Jak 4,5). Für diejenigen, die durch den Geist geleitet werden, wird der Zustand dieses Bekennertums jeden Stolz vertreiben, so dass sie sich vor Gott demütigen, um inmitten all dieses Versagens Gnade zu finden. In Zukunft werden sie dafür Herrlichkeit ernten, wenn dann die Demütigen erhoben werden, denn „viele Erste werden Letzte, und Letzte Erste sein“ (Mk 10,31).

Der Apostel hat vor dem Hochmut des Fleisches gewarnt, das sich selbst zu erhöhen sucht. Nun warnt er uns davor, andere zu erniedrigen, indem wir schlecht über sie reden. Schlecht über andere zu reden, ist ein indirekter Versuch, sich selbst zu erhöhen. Somit ist schlechtes Reden das Resultat von Selbstüberschätzung. Liebe kann und will nicht übel reden. Aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Daher ist dieses schlechte Reden ein sicherer Hinweis darauf, dass Stolz und Bosheit und nicht die Liebe im Herzen Raum gefunden haben.

Verse 11.12

Jak 4,11.12: Redet nicht widereinander, Brüder. Wer wider seinen Bruder redet oder seinen Bruder richtet, redet wider das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Einer ist der Gesetzgeber und Richter, der {o. der, welcher} zu erretten und zu verderben vermag. Du aber, wer bist du, der du den Nächsten richtest?

Zudem hat derjenige, der übel über seinen Bruder spricht, das königliche Gesetz vergessen, dass uns ermahnt, den Nächsten wie sich selbst zu lieben. Auch sagt das Gesetz ausdrücklich: „Du sollst nicht falsches Zeugnis wider deinen Nächsten reden.“ Gemäß dem Standard des Gesetzes soll der Bruder nicht herabgesetzt werden, sondern vielmehr der Gegenstand unserer Liebe sein und sein Ansehen nicht durch uns beeinträchtigt werden. Wenn es anders ist, dann leben wir nicht einmal gemäß dem Standard des Gesetzes. Wenn wir also böse gegen unseren Bruder sprechen, sprechen wir offensichtlich gegen das Gesetz. Anstatt Täter des Gesetzes zu sein, handeln wir, als ständen wir über dem Gesetz. Wir richten das Gesetz, statt dem Gesetz zu erlauben, uns zu richten. Außerdem bedeutet diese Übertretung des Gesetzes eine Beleidigung des Gesetzgebers und eine widerrechtliche Aneignung seines Platzes. Wenn unser Bruder etwas Falsches getan hat, so ist der Gesetzgeber fähig zu erretten oder zu richten, gemäß seiner vollkommenen Weisheit. Wer sind wir, dass wir meinen, einander richten zu können?

Sollten wir denn dem Bösen, das sich bei unserem Nächsten offenbart, gleichgültig gegenüberstehen? Überhaupt nicht. Andere Schriftstellen belehren uns deutlich darüber, wie wir mit diesem Bösen umgehen müssen, wenn die traurige Notwendigkeit da ist. Diese Schriftstelle hier warnt uns davor, böse zu sprechen. Derjenige, der böse über seinen Bruder spricht, behandelt nicht das Böse und will es offenbar auch nicht. Er spricht einfach übel, um seinen Bruder herabzuwürdigen. Es ist gut, uns bewusst zu sein, dass, wenn wir dem unversöhnlichen Bösen ein wenig nachgeben, indem wir übel über unseren Bruder sprechen, wir nicht nur unter das sinken, was sich für einen Christen gehört, sondern wir erfüllen nicht einmal die Gerechtigkeit des Gesetzes.

Schließlich warnt uns der Apostel vor zwei bösen Dingen, die häufig zusammen auftreten: der Eigenwille, der Gott aus den Lebensumständen heraushält (Jak 5,13.14), und das Selbstvertrauen, durch das wir uns in unseren Tätigkeiten unser selbst rühmen (Jak 4,15-17).

Verse 13.14

Jak 4,13.14: Wohlan denn, die ihr saget: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und daselbst ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen; (die ihr nicht wisset, was der morgende Tag bringen wird; [denn] was ist euer Leben? Ein Dampf ist es {o. nach and. Les.: seid ihr} ja, der eine kleine Zeit sichtbar ist und dann verschwindet;)

Ohne Berücksichtigung Gottes und der Brüder kann das Fleisch sagen: „Wir wollen“ in die und die Stadt gehen, dort ein Jahr verweilen, kaufen und verkaufen und Gewinne machen. Der Eigenwille entscheidet, wohin zu gehen, wie lange zu bleiben und was dabei zu tun ist. Es muss an den Dingen an und für sich nicht unbedingt etwas falsch sein. Das Falsche daran ist jedoch, dass Gott nicht alle unsere Gedanken beherrscht. Das Leben des Eigenwillens ist ein Leben ohne Gott. Man betrachtet das Leben so, als stünde es zu unserer persönlichen Verfügung. Wir vergessen, dass wir gar nicht wissen, was der morgige Tag mit sich bringen wird, und dass unser Leben nichts als ein Dampf ist, der vergeht.

Verse 15-17

Jak 4,15-17: statt dass ihr saget: Wenn der Herr will und wir leben, so werden wir auch dieses oder jenes tun. Nun aber rühmet ihr euch in euren Großtuereien. Alles solches Rühmen ist böse. Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde.

Angesichts der Unsicherheit unserer Umstände und des vergänglichen Charakters des Lebens sollten wir weise wandeln, indem wir uns in demütiger Abhängigkeit von dem Herrn leiten lassen und immer sagen: „Wenn der Herr will.“ Leider rühmt sich das Fleisch nicht allein seines eigenen Willens, sondern es findet auch noch Freude an seinem Rühmen. Wir werden daher noch einmal gewarnt. Wenn wir wissen, was wir Gutes tun könnten, und ziehen im Eigenwillen dennoch vor, es nicht zu tun, dann ist es Sünde. Der Apostel sagt also hier nicht nur, dass Böses zu tun, Sünde ist, sondern wenn wir nicht das Gute tun, obwohl wir es kennen, ist das Sünde.

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