Versagen im Leben eines Gläubigen (1)

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 05.10.2021, aktualisiert: 06.10.2021

Einleitung

Ich möchte heute Nachmittag über das Thema „Versagen und Wiederherstellung“ sprechen. Auch über das Priesteramt und die Fürsprache (den Sachwalterdienst) Christi, die ein wesentlicher Bestandteil unseres Themas sind, möchte ich etwas sagen. Insbesondere möchte ich auf die Ursache von Versagen eingehen und darauf, wie Gott in seiner Gnade einen Christen, der versagt hat, wiederherstellt. Ich bin sicher, dass dieses Thema auf die eine oder andere Weise jeden betrifft. Die Tatsache, dass es heute überhaupt Christen gibt, die den Wunsch haben, mit dem Herrn zu leben, ist ein Beweis dafür, dass Gott treu ist und Christus als unser Hoherpriester und Fürsprecher Fürbitte tut. Wenn ich dieses Thema mit euch behandle, dann nicht, ohne dass ich persönlich dankbar bin für die Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Rettende Gnade und wiederherstellende Gnade

Zuallererst müssen wir verstehen, dass die Rettung, die Bewahrung und die Wiederherstellung unserer Seelen allesamt Werke der Gnade Gottes sind. Wir können uns nicht selbst retten, denn die Bibel sagt: „Durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme“ (Eph 2,8.9). Wir können uns auch nicht selbst bewahren, denn das Wort sagt auch: „Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen vermag mit Frohlocken“ (Jud 24). Darüber hinaus können wir uns, wenn wir versagen, nicht selbst wiederherstellen. In Psalm 23,3 heißt es: „Er erquickt [stellt] meine Seele [wieder her].“ Einfach ausgedrückt: Die Rettung unserer Seele ist das Werk Christi als unser Retter; die Bewahrung unserer Seele ist das Werk Christi als unser Hoherpriester; und die Wiederherstellung unserer Seele ist das Werk Christi als unser Sachwalter (Fürsprecher). Wir verdanken wirklich alles dem Herrn aufgrund seiner Gnade und Barmherzigkeit.

Zwei Arten, wie sich jemand von Gott abkehrt

Wenn wir mit diesem Thema beginnen, ist es auch wichtig, zu verstehen, dass es zwei Arten der Abkehr von Gott gibt; die eine ist Hinfallen [Versagen] und die andere ist Abtrünnigkeit [Abfall vom Glauben]. Wir wollen die beiden nicht miteinander verwechseln. Beide sind schlimm, aber Abfall vom Glauben ist unendlich viel schlimmer.

  • Hinfallen passiert dann, wenn ein Gläubiger aus der Gemeinschaft mit dem Herrn gerät und sich der Gegenwart des Herrn nicht mehr bewusst ist und wenn er einen Weg der Sünde einschlägt. Weder verliert er die Errettung seiner Seele von der ewigen Strafe seiner Sünden noch verliert er tatsächlich die Gegenwart des Herrn, denn der Herr lässt oder verlässt die Seinen nie (Heb 13,5). Aber er verliert das Bewusstsein für die Gegenwart des Herrn und kann sich in seiner Seele sehr weit weg vom Herrn fühlen. Alles fängt damit an, wenn ein Gläubiger eine Sünde in seinem Leben toleriert und sie nicht verurteilt. Oftmals ist es irgendeine kleine Sünde, die er nicht verurteilt hat (es muss keine schwere Sünde sein); und als Folge davon ist die Gemeinschaft unterbrochen und es folgt ein Weg des Versagens.

  • Abfall ist eine andere Art der Abkehr von Gott. Wer abfällt, widerruft damit ein Bekenntnis, das er einmal abgelegt hat, und gibt den christlichen Glauben auf. So etwas kann nur ein bloßer Bekenner (jemand, der nicht errettet ist) tun. Für so jemand gibt es keine Wiederherstellung (Heb 6,4-8; 10,26-31)!

Diese beiden Arten der Abkehr werden in Matthäus 26 in zwei Jüngern des Herrn – Petrus und Judas – veranschaulicht. Petrus versagte und wurde durch die Barmherzigkeit Gottes wiederhergestellt (Lk 24,34; Joh 21,15-19). Judas fiel vom Glauben ab und endete in einer verlorenen Ewigkeit (Ps 109,7; Apg 1,25).

Jemand, der versagt, wird aufgerufen, zum Herrn umzukehren (Jer 3,12); jemand, der vom Glauben abgefallen ist, wird nicht aufgerufen zurückzukehren, denn es gibt keine Rückkehr! Die Bibel sagt: „Ein Mensch, der vom Weg der Einsicht abirrt, wird ruhen in der Versammlung der Schatten“ (Spr 21,16). Es ist „unmöglich“, ihn „wieder zur Buße zu erneuern“ (Heb 6,4.6). Nachdem Petrus abgewichen war, kehrte er zum Herrn zurück und wurde wiederhergestellt (Lk 22,32). Auch Judas wich ab, doch er kehrte nie zum Herrn zurück. Bei Petrus gab es Buße (Lk 22,61.62), aber bei Judas gab es nur Reue (Mt 27,3).

Manchmal sagt man, dass ein Christ, der versagt hat, „abgefallen“ sei. Nun wollen wir niemand für „schuldig erklären wegen eines Wortes“ (Jes 29,21), aber das Wort „abfallen“ bezieht sich in der Schrift auf den Abfall vom Glauben (Heb 6,6; 2Thes 2,3), nicht auf das Hinfallen oder Versagen eines Christen. Lesen wir dazu 2. Petrus 3,17:

  • 2Pet 3,17: Ihr nun, Geliebte, da ihr es vorher wisst, so hütet euch, dass ihr nicht, durch den Irrwahn der Frevler mit fortgerissen, aus eurer eigenen Festigkeit fallt.

Das zeigt: Obwohl ein wahrer Christ kein Abtrünniger sein kann, kann er doch „mit“ dem Strom des Abfalls mitgerissen werden und gewisse Lehren und Praktiken aufgeben! Die „Frevler“ in diesem Vers sind die Abtrünnigen, die zuvor im Brief beschrieben wurden. Petrus warnt die Gläubigen, dass sie mit dem Strom des Irrtums der Abtrünnigen mitgerissen werden könnten, falls sie sich nicht „hüteten“, nicht aufpassten. Mit fortgerissen zu werden würde sie nicht zu Abtrünnigen machen, aber sie würden vom rechten Weg abkommen. Petrus wusste, wovon er sprach, als er das sagte. Er sprach aus Erfahrung. Er selbst war in schlechte Gesellschaft geraten und auf die bösen Wegen dieser Leute „mit“ fortgerissen worden; als er dann über seine Beziehung zu dem Herrn Jesus ausgefragt wurde, verleugnete er Ihn.

Ein wahrer Christ kann zwar nicht „abfallen“, aber er kann aus seiner Festigkeit der Hingabe an den Herrn „fallen“ (2Pet 3,17), und er kann „aus der Gnade fallen“ (Gal 5,4). Aber das bedeutet nicht, dass er sich lossagt.

Zwei Verbindungen, die der Gläubige mit Gott hat

Der Christ hat zwei Verbindungen zu Gott:

  • Die eine ist Beziehung; und nichts könnte stärker sein. Kein Mensch, kein Teufel und keine Sünde kann diese Beziehung zerbrechen, denn der Christ ist ewig sicher darin. Wenn wir den Herrn als unseren Retter kennen, befinden wir uns vor Gott in einer Stellung, die in den Paulusbriefen mit dem Begriff „in Christus“ bezeichnet wird. Niemand, der in dieser Stellung vor Gott steht, kann jemals verdammt werden (Röm 8,1). Es ist eine Stellung, in der er von Gott angenommen ist, und in ebendieser Stellung steht auch Christus selbst vor Gott. Einfach gesagt: „In Christus“ zu sein, bedeutet, an Christi Stelle vor Gott zu sein. Die ganze Gunst Gottes, die auf Christus ruht, wie Er jetzt in der Herrlichkeit erhöht ist, ruht auf dem Gläubigen! Wie gesagt, nichts kann diese Verbindung verändern oder antasten.

  • Die andere Verbindung, die der Christ mit Gott hat, ist Gemeinschaft; und nichts könnte zerbrechlicher sein. Diese Verbindung wird durch die Sünde unterbrochen. Schon die kleinste Sünde unterbricht unser Band der Gemeinschaft mit dem Herrn. Wenn wir sie dann nicht richten und dem Herrn bekennen, beginnt ein Weg des Versagens – auch wenn es sich zunächst um eine sehr kleine Abweichung handelt. Ein solcher Weg führt uns weit weg von Gott, denn man kann nicht sagen, wie weit ein Christ abweichen kann, der einmal den Weg des Versagens beschritten hat. Ein Gläubiger kann jede erdenkliche Sünde begehen, denn er hat die gleiche gefallene Natur wie der Ungläubige. Und das Ernste daran ist, dass es nicht viel braucht, die Gemeinschaft mit dem Herrn zu unterbrechen. Die Bibel sagt: „Das Vorhaben [oder der Gedanke] der Narrheit ist die Sünde“ (Spr 24,9). Das bedeutet: Schon ein törichter Gedanke kann diese Verbindung zerbrechen, und dann befinden wir uns auf einem rutschigen Pfad abwärts!

„In Christus“ zu sein ist also etwas völlig anderes, als „in Gemeinschaft“ zu sein. Die eine Verbindung kann niemals gebrochen werden; dagegen kann die andere sehr leicht gebrochen werden.

Wie kann Versagen verhindert werden?

Einen guten Seelenzustand aufrechterhalten

Wir wissen, dass wir nie sehr weit von der Gefahr eines Fehltritts entfernt sind. Deshalb müssen wir stets dafür sorgen, dass sich unsere Seele in einem guten Zustand befindet. Das bedeutet: Wir dürfen zu keiner Zeit die Dinge in unserem christlichen Leben auf die leichte Schulter nehmen. Paulus sagte zu Timotheus, dass vor allem zwei Dinge notwendig sind, wenn er einen rechten Seelenzustand aufrechterhalten will, indem er „einen guten Kampf führt“. Er sagte: „Indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und so, was den Glauben betrifft, Schiffbruch erlitten haben“ (1Tim 1,18.19).

  1. Erstens müssen wir den „Glauben“ bewahren. Dies bezieht sich auf die innere Energie des Vertrauens der Seele in Gott. Mit anderen Worten: Wir müssen unseren Glauben bewahren, d.h. dem Herrn in allem vertrauen, was uns auf dem Weg begegnet. Satan tut natürlich alles, was er kann, um unser Vertrauen auf den Herrn zu erschüttern; er versucht immer, dieses Vertrauen zu zerstören. Oft wartet er darauf, dass ein schwieriger und belastender Umstand in unserem Leben eintritt, um dann seine „feurigen Pfeile“ des Zweifels abzuschießen. Der Teufel weiß: Wenn es ihm gelingt, in unserem Herzen einen Zweifel an der Güte Gottes zu säen, dauert es nicht lange, bis wir einen falschen Schritt tun, der uns vom Weg abbringt.

    Wie ich schon gesagt habe, müssen wir besonders auf der Hut sein, wenn ein schwieriger Umstand in unser Leben eintritt, den wir nicht verstehen können. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir uns dabei ertappen, dass wir Gottes Wege mit uns in Frage stellen, und das wird dazu führen, dass wir einen Schritt außerhalb des Willens Gottes tun. Wenn solche Zweifel kommen, sollen wir „den Schild des Glaubens“ erheben, der die feurigen Pfeile des Bösen auslöschen kann [Eph 6,16]. Der Glaube befähigt uns zu sagen: „Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir“ (Mt 11,26). Wir müssen solche Dinge aus der Hand eines liebenden Gottes annehmen; bei allem, was Er in unserem Leben geschehen lässt, hat Er nur unser Wohl im Sinn. Wir müssen im Glauben aufschauen und sagen: „Ich weiß, dass der Herr dies zu meinem Besten zugelassen hat, und ich werde es aus seiner Hand annehmen.“ Das bedeutet es, wenn es heißt, dass wir „den Glauben bewahren“ sollen. Dann kann der Teufel nicht eindringen und sein Werk tun, uns abzuziehen.

  2. Zweitens wies Paulus Timotheus an, „ein gutes Gewissen“ zu bewahren. Wenn wir in irgendeiner Weise versagen und einen falschen Schritt tun, müssen wir das verurteilen und es dem Herrn bekennen; dadurch bewahren wir ein gutes Gewissen. Das ist es, was die Brüder „Rechenschaft vor Gott ablegen“ nennen. Wenn wir etwas falsch gemacht haben, wollen wir nicht bis zum Ende der Woche warten, um uns zu richten und es dem Herrn zu bekennen. Zu diesem Zeitpunkt könnten wir schon weit vom Weg abgekommen sein. Tägliches Selbstgericht, selbst in den kleinsten Dingen, ist absolut notwendig, damit wir vor den gefährlichen Klippen des Schiffbruchs bewahrt werden. Es ist eine lebensnotwendige Sache. Die Bibel sagt: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1Joh 1,9).

    Wenn wir uns nicht selbst richten, öffnen wir dem Satan die Tür. Der Weg, der zum Schiffbruch führt, beginnt damit, dass wir irgendeine Sünde, und sei sie noch so klein, ungerichtet lassen. Wenn wir das tun, legen wir ein gutes Gewissen ab, und die Talfahrt beginnt. William Kelly sagte: „Glaube bringt Gott in unser Leben, und ein gutes Gewissen richtet sich selbst und lässt die Sünde nicht herein.“ Deshalb ist es gut, regelmäßig eine geistliche Bestandsaufnahme unseres Seelenzustandes zu machen. Es ist eine gute Übung, zu beten:

    • Erforsche mich: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Weg!“ (Ps 139,23.24).
    • Lehre mich: „Was ich nicht sehe, zeige du mir [lehre du mich]; wenn ich Unrecht verübt habe, so will ich es nicht mehr tun“ (Hiob 34,32).
    • Bewahre mich: „Bewahre mich, HERR, vor den Händen des Gottlosen – vor dem Mann der Gewalttaten behüte mich –, die darauf sinnen, meine Tritte umzustoßen!“ (Ps 140,5).

      Der erste Vers („Erforsche mich“) drückt das Verlangen aus, dass der Herr jedes falsche Motiv in unserem Herzen, das uns in die Irre führt, aufdeckt. Der zweite Vers („Lehre mich“) drückt die Bereitschaft aus, zu beurteilen, was der Herr uns zeigen möchte. Und der dritte Vers („Bewahre mich“) drückt aus, dass wir empfinden: Wir sind vom Herrn abhängig, um davor bewahrt zu bleiben, dass wir uns mit bösen Menschen einlassen, wodurch wir Ihn in unserem Leben entehren. So wird ein Abweichen verhindert.

Der hohepriesterliche Dienst des Herrn Jesus

Damit der Gläubige nicht auf einen Weg der Sünde geht, hat Gott in seiner Gnade den hohepriesterlichen Dienst unseres Herrn Jesus Christus eingesetzt. Er ist gegenwärtig ein „großer Priester über das Haus Gottes“ (Heb 10,21). Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Er uns „gerechtfertigt“ und uns mit Gott „versöhnt“. Aber nun lebt Er in der Höhe als unser Hohepriester und bewahrt uns auf praktische Weise durch seine mächtige Fürbitte. Deshalb sagt die Schrift, dass wir „durch sein Leben gerettet werden“ (Röm 5,8-10). In Römer 8,34 heißt es: „Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.“ Als unser Hoherpriester hat der Herr „Mitleid mit unseren Schwachheiten“ und hilft uns in Zeiten der Versuchung, damit wir nicht in Sünde fallen (Heb 4,14-16).

Man könnte fragen: Wenn es die mächtige Fürsprache Christi ist, die den Gläubigen auf dem Weg hält, wie kommt es dann, dass ein Gläubiger versagt? Das ist eine gute Frage. Robert F. Kingscote[1] stellte diese Frage J.N. Darby in einem Brief. Dessen Antwort war sehr eindrücklich. Er sagte, dass wir fallen, weil das ein Teil des Handelns des Herrn mit uns in seinen Regierungswegen ist. Der Herr möchte, dass wir mit unserer Bewahrung verantwortlich umgehen; und wenn wir das nicht tun und unsere Schwachheit und seine Gnade vergessen, haben wir es möglicherweise nötig, zu fallen, damit wir ebendie Lektion lernen, die wir auf unseren Knien hätten lernen können. Darby sagte, dass bei Petrus ein Punkt kam, an dem der Herr aufhörte, darum zu bitten, dass er bewahrt werde. Als Petrus gesichtet wurde, betete der Herr, dass sein „Glaube“ nicht aufhöre, aber Er betete nicht, dass Petrus nicht versagen sollte (Lk 22,31.32)!

In seiner vollkommenen Weisheit sah der Herr, dass Petrus die wichtige Lektion – nämlich dass er abhängig war in seinem Leben – noch nicht gelernt hatte. Also erlaubte Er es, dass Petrus fiel. Das Ergebnis: Petrus lernte durch den Fall, was er zu den Füßen Jesu hätte lernen sollen. Bei diesem Ereignis „bewahrte“ der Herr Petrus nicht vor dem Fallen. Ich bin sicher, dass Er es hätte tun können, aber dann hätte Petrus diese notwendige Lektion nicht gelernt. Das ist in der Tat sehr ernst. Es bedeutet: In den Wegen des Herrn mit uns kann eine Zeit kommen, wo Er aufhört, für unsere Bewahrung in einer bestimmten Angelegenheit einzutreten. Wir sollten jedoch nicht auf den Gedanken kommen, dem Herrn die Schuld zu geben, wenn wir versagen, denn letztlich sind wir selbst für unser Handeln verantwortlich.

Es gibt also zwei Seiten unseres Bewahrtwerdens: Die souveräne Seite Gottes zeigt sich darin, dass Christus treu priesterliche Fürbitte für uns tut. Und es gibt auch die Seite der Verantwortung des Gläubigen. Während es einerseits das Werk des Herrn ist, uns zu bewahren, möchte Er andererseits aber auch, dass jeder von uns verantwortungsbewusst mit seiner Bewahrung umgeht. Wir werden nur dann bewahrt, wenn beide Seiten ausgeübt werden. Das finden wir in Hebräer 7,25: „Daher vermag er diejenigen auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden.“ Wir haben hier beide Seiten in einem einzigen Vers. Da ist die „Fürsprache“ Christi („sich für sie verwenden“), aber da ist auch unsere Verantwortung („die durch ihn Gott nahen“). Das heißt, wir müssen unsere Abhängigkeit zum Ausdruck bringen, indem wir im Gebet zum Herrn kommen und Ihn bitten, uns zu bewahren. Wenn wir das tun, wird Er uns „völlig“ vor jeder praktischen Gefahr auf unserem Glaubensweg bewahren.

Wir sind abhängige Geschöpfe, und das müssen wir dem Herrn gegenüber jeden Tag unseres Lebens zum Ausdruck bringen. Wir müssen beten: „Bewahre mich, Gott, denn ich suche Zuflucht bei dir!“ (Ps 16,1). Ohne eine solche Abhängigkeit werden wir mit Sicherheit vom Weg abkommen und in unserem christlichen Leben Schiffbruch erleiden. Wer das erkennt, wirft sich auf den Herrn und wird bewahrt. Wer das nicht tut und selbstsicher oder unvorsichtig ist, muss die Lektion auf die harte Tour lernen, indem er versagt.

Was ist die Ursache für Versagen?

Drei wesentliche Punkte treten bei jedem Abweichen von Gott (Versagen, Fallen) auf:

  • Jemand weicht im Herzen ab.
  • Er gibt die Absonderung auf.
  • Er weigert sich, sich selbst zu richten.

1. Im Herzen abweichen

Schlagen wir Sprüche 15 auf:

  • Spr 15,14: Von seinen Wegen wird gesättigt, wer abtrünnigen Herzens ist, und von dem, was in ihm ist, der gute Mann.

Dieser Vers zeigt uns, dass Abweichen im Herzen beginnt – am Ort unserer Zuneigungen. Die einfache Tatsache lautet: Ein Christ versagt und fällt, weil etwas in seinem Herzen nicht stimmt. Dieser Herzensfehler ist immer das Ergebnis von etwas, was unsere Zuneigung zu Christus verdrängt (oder von Christus ablenkt). Das menschliche Herz kann nicht in einem Vakuum existieren. Es muss einen Gegenstand für seine Zuneigung haben. Wenn dieser Gegenstand nicht Christus ist, wird es etwas anderes sein. Was ich hiermit sagen möchte: Ein Abweichen resultiert daraus, dass unsere Zuneigung nach etwas anderem als Christus strebt, und das führt dazu, dass unsere Zuneigung zu Ihm erkaltet. Wenn wir das nicht richten, dann werden unsere Füße auf einen Pfad weg von Gott gelenkt.

Eine weitere Schriftstelle, die zeigt, dass Versagen damit beginnt, dass die Liebe zu Christus abnimmt, ist Offenbarung 2,4:

  • Off 2,4: Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.

In Offenbarung 2 bis 3 haben wir die Botschaften des Herrn an die sieben Gemeinden. In diesen Botschaften beschreiben sieben moralische Bilder die aufeinanderfolgenden Stationen, durch die die Gemeinde in der Zeit von den Tagen der Apostel bis zum Kommen des Herrn geht. Es ist eine traurige Geschichte und sie verläuft größtenteils abwärts. Der erste Schritt in dieser Abwärtsbewegung war, dass sie ihre „erste Liebe“ verließen! Die Talfahrt begann damit, dass die Zuneigungen im Herzen abnahmen.

Das bedeutet: Wir müssen besonders darauf achten, unser Herz jederzeit zu bewahren, und dürfen nicht zulassen, dass unsere Zuneigungen für Christus abgezogen werden. Deshalb werden wir gewarnt:

  • Spr 4,23: Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens.

Zu diesem Zweck hat der Christ eine besondere Waffenrüstung bekommen, damit er sein Herz schützen kann. Sie wird „der Brustharnisch der Gerechtigkeit“ genannt (Eph 6,14). Ein Brustpanzer bedeckt bekanntlich die Brust, wo das Herz ist – der Ort der Zuneigung. Er wird der Brustharnisch der Gerechtigkeit genannt, weil wir uns davor hüten sollen, unser Herz nach etwas auszustrecken, was nicht von Gerechtigkeit geprägt ist. Wir hören die Leute sagen: „Oh, ich liebe das einfach …“ Ich weiß, das ist nur eine Redensart, aber wir sollten darauf achten, was wir uns erlauben zu lieben. Ist es etwas, was von Gerechtigkeit geprägt ist?

Das Erschreckende an unserem Herzen ist, dass es unglaublich trügerisch ist. Wenn die Zuneigungen zu schwinden beginnen, merken wir es nicht! Jeremia sagt:

  • Jer 17,9: Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es; wer mag es kennen?

Ephraim (die zehn Stämme im Nordreich) veranschaulicht dies. Sie waren den Götzen nachgelaufen – ja, sie hatten sich zu ihnen gesellt (Hos 4,17)! Das Ergebnis: „Auch ist graues Haar auf sein Haupt gesprengt, und er weiß es nicht“ (Hos 7,9). Graues Haar spricht von Verfall, vom Altwerden. Es bezieht sich in diesem Vers darauf, dass der Seelenzustand von Ephraim sich verschlechtert hatte, aber sie wussten es nicht!

Simson ist ein weiteres Beispiel. Delila hatte ihm das Herz gestohlen, und er merkte nicht einmal, dass er dadurch wie jeder andere Mann geworden war. Er sagte: „Ich werde davonkommen wie die anderen Male und mich freischütteln.“ Aber es heißt weiter: „Er wusste aber nicht, dass der HERR von ihm gewichen war“ (Ri 16,20).

Die Menschen, die zur Zeit Maleachis lebten, befanden sich in einem ähnlichen Zustand. Als der Prophet sie auf ihre Sünde und ihr Versagen hinwies, sagten sie: „Womit“ haben wir dies oder jenes getan? Sie wussten nicht, wovon er sprach. Sie sahen es wirklich nicht. Das zeigt uns: Wenn die Zuneigungen des Herzens sich auf etwas anderes richten als auf Christus, werden wir empfindungslos, gefühllos. Tatsache ist: Die Sünde macht die Seele blind – und das ist in der Tat sehr ernüchternd.

Schlagen wir nun einen weiteren Vers auf aus Hiob 15:

  • Hiob 15,12: Was reißt dein Herz dich hin, und was zwinkern deine Augen?

Hiob wurde beschuldigt, abgewichen zu sein, was nicht der Fall war. Aber die Fragen, die Eliphas, der Temaniter, stellte, sind gut für den, der vom Weg abgekommen ist. Auch hier sehen wir wieder, dass etwas im Herzen nicht stimmt, was dazu führt, dass jemand abgleitet. Beachte auch, dass Eliphas Hiob fragte, ob es etwas in seinem Leben gebe, dem er „zuzwinkere“. Zwinkern bedeutet in der Schrift, etwas zu ignorieren und darüber hinwegzusehen (Apg 17,30). Seine Frage ist sehr gut für uns. Gibt es etwas, was wir in unserem Leben entschuldigen – etwas, dem wir „zuzwinkern“, etwas, worüber wir ungerechtfertigterweise hinwegsehen? Vielleicht hat der Herr bereits zu uns über diese oder jene Sache gesprochen, doch wir haben darüber hinweggesehen. Und siehe da, genau das hat negative Auswirkungen auf unser Herz und lässt uns kalt werden!

Es kann eine ganz einfache Sache sein. Vielleicht ist es eine Freizeitbeschäftigung oder ein Sport – vielleicht ein Hobby oder vielleicht unsere Arbeit. Das ABC des Teufels ist: ALLES BESSER als CHRISTUS[2] Er wird alles benutzen, was er kann, um unser Herz vom Herrn wegzuziehen. So funktioniert es: Wir interessieren uns vielleicht für etwas, was ganz harmlos aussieht, und während wir uns daran erfreuen, beginnt es uns immer mehr zu faszinieren. Wir werden davon angezogen und widmen mehr und mehr unserer Zeit dafür, bis es den Herrn in unseren Zuneigungen verdrängt – und wir merken es nicht einmal!

Ich weiß, Gott hat uns alle Dinge reichlich zum Genuss gegeben (1Tim 6,17), aber davon spreche ich nicht; ich spreche davon, wenn die Grenze überschritten ist und wir in etwas vernarrt sind. Wenn jemand in etwas vernarrt ist, wird er es natürlich nie zugeben, und zwar aus dem gleichen Grund, von dem wir gesprochen haben: weil unser Herz arglistig ist! Doch was als unschuldige Kleinigkeit beginnt, wächst in unserer Zuneigung, bis es ein Götze in unserem Leben wird. Deshalb schließt der Apostel Johannes seinen Brief mit der Warnung: „Hütet euch vor den Götzen!“ (1Joh 5,21). Ein Götze ist alles, was sich zwischen unser Herz und den Herrn stellt. Er verdrängt die Zuneigung zu Ihm und bringt uns im Grunde genommen auf einen Weg des Versagens und Abweichens.

Wie kann ich erkennen, ob meine Zuneigungen abweichen?

Da es so schwierig ist, so etwas in unserem Herzen aufzuspüren, wollen wir uns einige Anzeichen ansehen, die uns dabei helfen, zu erkennen, ob wir einen Götzen in unserem Leben haben oder nicht (Hes 14,3).

  1. Das erste verräterische Anzeichen dafür, dass jemand vielleicht einen Götzen in seinem Leben hat, ist, dass er begeistert davon spricht, wenn es im Gespräch zur Sprache kommt. Du weißt, was ich meine: Die Tonlage seiner Stimme wird ein paar Stufen höher. Außerdem scheint dieser Götze im Gespräch mit ihm ständig aufzutauchen! Egal, worüber man gerade spricht: Wenn die Diskussion in die Nähe seines Lieblingsthemas kommt, bringt er das Thema früher oder später aufs Tapet, und es ist schwer, ihn davon abzubringen. Das alte Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom“ trifft hier in gewisser Weise zu – bei so jemand läuft alles auf dasselbe hinaus. Es ist ein offensichtliches Zeichen dafür, dass diese Sache seine Zuneigung gefangen genommen hat. Die Bibel sagt: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Mt 12,34). Da es in seinem Herzen ist, ist es nie sehr weit von seinen Gedanken entfernt, und so kommt es im Gespräch natürlich ständig zur Sprache.

  2. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass etwas die Zuneigung von jemand gefangen genommen hat, ist, dass es anfängt, übermäßig viel Zeit und Geld in Anspruch zu nehmen.

  3. Ein dritter Hinweis ist, dass so jemand für diese Sache eintritt und sie verteidigt. Wenn sich jemand dagegen ausspricht, kann er schnell die Kehrseite der Sache vorbringen – und sie so entschuldigen.

Wir wollen uns ehrlich fragen: Gibt es in unserem Leben etwas, was viel von unserer Aufmerksamkeit beansprucht? Hat es einen Platz in unserer Zuneigung eingenommen und verdrängt es Christus? Nimmt es viel Zeit und Geld in Anspruch, die wir anders verwenden könnten? Verteidigen und entschuldigen wir es, wenn jemand darüber spricht? Seien wir in dieser Hinsicht ehrlich zu uns selbst und bitten wir den Herrn, unser Herz zu erforschen und zu sehen, ob es irgendeinen bösen Weg in uns gibt, wie es der Psalmist tat: „Erforsche mich, Gott, … und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist“ (Ps 139,23.24).

2. Die Absonderung aufgeben

Ein weiterer Punkt, der jeden zu kennzeichnen scheint, der auf einem Weg des Versagens und des Zurückgehens ist: Er gibt in seinem Leben die Absonderung auf. Jemand, der vom Weg abweicht, ist in der Regel nachlässig in Bezug auf seine Beziehungen, und das führt dazu, dass er sich vom Herrn entfernt. Lesen wir aus Hosea 7:

  • Hos 7,8-11: Ephraim vermischt sich mit den Völkern; Ephraim ist wie ein Kuchen geworden, der nicht umgewendet ist. Fremde haben seine Kraft verzehrt, und er weiß es nicht; auch ist graues Haar auf sein Haupt gesprengt, und er weiß es nicht. Und der Stolz Israels zeugt ihm ins Angesicht; und sie kehren nicht um zu dem HERRN, ihrem Gott, und bei all dem suchen sie ihn nicht. Und Ephraim ist wie eine einfältige Taube geworden, ohne Verstand; sie rufen Ägypten an, sie gehen nach Assyrien.

Hier haben wir ein klassisches Beispiel dafür, was ein Mangel an Absonderung von der Welt anrichtet: Ephraim „vermischte sich mit den Völkern“. Wenn die Schrift „das Volk“ sagt, bezieht sie sich in der Regel auf Israel. Aber wenn es heißt: „die Völker“ (im hebräischen Original wird im Plural ein ganz anderes Wort verwendet), dann sind die heidnischen Nationen gemeint. Der Prophet beklagt hier, dass die zehn Stämme (die „Ephraim“ genannt werden) sich mit den heidnischen Nationen („den Völkern“) vermischt hatten, die den HERRN nicht kannten. Sie hielten sich nicht abgesondert von den Heidenvölkern und wandten ihr Herz vom HERRN ab. Ephraim wird mit einem „nicht umgewendeten Kuchen“ verglichen, weil sie nicht zugelassen hatten, dass das Feuer des Selbstgerichts gründlich in ihnen arbeitete. Sie hatten geistliche „Kraft“ verloren und waren unempfänglich dafür. Es gab geistlichen Verfall unter ihnen („graue Haare“), und sie wussten es nicht (Hos 7,9). Sie weigerten sich, Buße zu tun, und „kehrten nicht um zu dem HERRN“ (Hos 7,10). Außerdem war ihnen das Herz geraubt worden, und sie waren wie eine „einfältige Taube ohne Verstand“ (Hos 7,11). All dies kann darauf zurückgeführt werden, dass sie die Absonderung aufgegeben hatten. In 5. Mose 7 heißt es:

  • 5Mo 7,1-4: Wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land bringt, wohin du kommst, um es in Besitz zu nehmen, und viele Nationen vor dir vertreibt: die Hethiter und die Girgasiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Perisiter und die Hewiter und die Jebusiter, sieben Nationen, größer und stärker als du, und der HERR, dein Gott, sie vor dir hingibt und du sie schlägst, so sollst du sie ganz und gar verbannen; du sollst keinen Bund mit ihnen schließen noch Gnade gegen sie üben. Und du sollst dich nicht mit ihnen verschwägern: Deine Tochter sollst du nicht seinem Sohn geben, und seine Tochter sollst du nicht für deinen Sohn nehmen; denn sie würden deine Söhne von mir abwendig machen, dass sie anderen Göttern dienten; und der Zorn des HERRN würde gegen euch entbrennen, und er würde dich schnell vertilgen.

Gottes Volk wurde sehr deutlich angewiesen, sich von den heidnischen Nationen getrennt zu halten, weil diese sie verderben und vom HERRN abwenden würden. Genau das – sich nämlich von den Nationen getrennt zu halten – tat Israel nicht, und das führte zu ihrem Untergang. Der Herr wünscht heute dasselbe von uns Christen. Es ist unerlässlich, dass wir abgesondert von der Welt leben, oder wir werden von ihr verdorben und wenden uns von der Nachfolge des Herrn ab. Die Absonderung dient zu unserer Bewahrung.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass unsere Absonderung zwei Bereiche berührt: Es gibt die Absonderung zum Herrn und es gibt die Absonderung von der Welt. Die Absonderung zum Herrn sollte zur Absonderung von den Dingen der Welt führen. Wenn sich unser Herz zum Herrn hinwendet, wendet es sich ganz natürlich von der Welt ab. Ein wahrhaftiger Christ würde sich nicht mit etwas abgeben wollen, was dem Herrn, zu dem sein Herz sich ausstreckt, missfallen würde! Diese beiden Aspekte der Absonderung ziehen sich durch die ganze Heilige Schrift. Zum Beispiel sollte sich der Nasiräer „für den HERRN“ absondern, aber er sollte sich auch „des Weines und des starken Getränks enthalten“ usw. (4Mo 6,2.3). Dasselbe Muster sieht man in der Kleidung, die die „tüchtige Frau“ (Spr 31,21) für ihre Familie anfertigte: Sie kleidete ihre Familie in zweifache Kleidung.[3] Das spricht von einer inneren Absonderung für Gott und einer äußeren Trennung von der Welt. Das Ergebnis: Sie brauchten sich nicht „vor dem Schnee“ – den kalten Elementen der Welt – zu fürchten, weil ihre Kinder gut dagegen geschützt waren.

Die Gefahr der Weltlichkeit besteht darin, dass sie die Zuneigung des Herzens zum Herrn und zu seinem Volk beeinträchtigt. Das hängt mit unserem ersten Punkt zusammen: dass man nämlich im Herzen abweicht. In 2. Korinther 6 heißt es:

  • 2Kor 6,11-14: Unser Mund ist zu euch aufgetan, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden. Ihr seid nicht verengt in uns, sondern ihr seid verengt in eurem Innern. Zur gleichen Vergeltung aber (ich rede als zu Kindern) werdet auch ihr weit! Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen.

Der Apostel Paulus wollte damit Folgendes sagen: Er und die anderen christlichen Mitarbeiter mit ihm empfanden eine starke Zuneigung zu den Korinthern, doch die Zuneigung der Korinther war beeinträchtigt. Paulus führte das darauf zurück, dass sie „mit Ungläubigen zusammengejocht“ waren – mit anderen Worten: mit der Welt. Schwindende Zuneigung zum Herrn und zu seinem Volk sind gewöhnlich damit verbunden, dass man die Absonderung von der Welt aufgibt. Es ist eine schlichte Tatsache: Das, was die Zuneigung des Herzens für den Herrn und sein Volk einschränkt, ist die Welt. Wenn ein Mensch in seiner Seele erkaltet, dann passiert gleichzeitig noch etwas anderes: Er erkaltet auch gegenüber seinen Mitgeschwistern. Die Welt hat es an sich, die Zuneigung unseres Herzens zu verengen; so einfach ist das.

Eine weitere Auswirkung von Weltlichkeit: Man wird nachlässig in den Dingen Gottes. Diejenigen, die sich nicht auf einem abgesonderten Weg befinden, sind gewöhnlich nachlässig in Bezug auf die Dinge des Herrn – mit anderen Worten, sie lesen nicht viel in ihrer Bibel. Gott möchte, dass wir unser Herz auf göttliche Dinge richten und den Segen davon erhalten (Spr 2,1-9; 22,17-21). Wenn wir das nicht tun, geraten wir in Sünde! Rehabeam ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür: „Er tat, was böse war; denn er richtete sein Herz nicht darauf, den HERRN zu suchen“ (2Chr 12,14). Freunde, ich möchte so deutlich wie möglich zu euch sprechen. Wenn dein Leben so ist, dass du von weltlichen Dingen abgelenkt wirst und dich nicht viel um göttliche Dinge kümmerst, ist dir der Schiffbruch sicher! Das ist eine Tatsache.

3. Die Weigerung, sich selbst zu richten

Die dritte Sache, die man bei einem Christen sieht, der gefallen ist: Er weigert sich, sich selbst zu richten, wenn er versagt hat. Lesen wir Sprüche 24,16:

  • Spr 24,16: Der Gerechte fällt siebenmal und steht wieder auf.

Dieser Vers zeigt: Versagen ist nicht so sehr das Hinfallen als vielmehr das Liegenbleiben! „Der Gerechte“ ist nicht jemand, der nie sündigt, sondern einer, der ein ehrliches Herz hat und sich selbst richtet, wenn er gesündigt hat. Er bekennt es dem Herrn und steht wieder auf, um auf dem Weg des Glaubens zu wandeln (1Joh 1,9).

Das Gegenteil davon ist, zu fallen und nicht wieder aufzustehen. Liegen zu bleiben bedeutet, sich zu weigern, aufzustehen und sich selbst zu richten! Der Hauptgrund, warum Menschen sich weigern, sich selbst zu richten, ist: Ihnen gefällt, worauf sie sich eingelassen haben, und sie wollen da gar nicht wieder herauskommen. Das ist der Moment, wenn jemand ernsthaft vom Weg abkommt. Wenn es gelingt, ihn gerade dann aufzuhalten, wenn er zu fallen beginnt, wird er zwar schwanken, aber nicht fallen. Doch wenn wir uns nicht selbst richten, kann man nicht sagen, wie weit wir uns von Gott entfernen werden.

Was ich damit sagen will: Die eigentliche Gefahr des Versagens bzw. des Fallens liegt in der fehlenden Bereitschaft, die Sünde zu richten, wann und wo sie geschieht. Was einen Gläubigen auf einen Weg des Versagens führt, ist nicht so sehr die Tatsache, dass er sündigt, so schwerwiegend Sünde auch ist; es ist vielmehr die Weigerung, die Sünde zu richten und sie dem Herrn zu bekennen. Darby sagte, dass nicht so sehr die Sünde so besorgniserregend ist als vielmehr der Zustand, der sie hervorgebracht hat. Der schlimmste Zustand, in dem man sein kann, ist, wenn man einen Willen hat, der sich weigert, sich selbst zu richten. Das wird uns weit von Gott wegführen.

Wenn also jemand vom Weg abkommt, sind wahrscheinlich diese drei Dinge die Ursache dafür. Damit wir in unserem Leben ein Abgleiten verhindern, müssen wir darauf achten, dass sich folgende Dinge nicht einschleichen:

  1. Wir müssen unsere Abhängigkeit vom Herrn täglich durch das Gebet zum Ausdruck bringen und Ihn darum bitten, dass wir durch seine hohepriesterliche Fürsorge bewahrt bleiben.
  2. Wir müssen uns auch darin üben, die Zuneigung unseres Herzens im Herrn wachzuhalten und nicht zuzulassen, dass irgendetwas unsere Aufmerksamkeit in unangemessener Weise in Anspruch nimmt.
  3. Außerdem müssen wir darauf achten, in Absonderung zu wandeln und bereit zu sein, uns selbst zu richten und dem Herrn jede Sünde zu bekennen, die uns bewusst ist – in Gedanken, Worten oder Taten.

Das Beispiel von Petrus und seinem Versagen

Gott hat das Versagen von einigen seiner Leute in der Heiligen Schrift aufgezeichnet, damit wir aus ihren Fehlern lernen können. Im Buch der Sprüche wird dies „einsichtsvolle Unterweisung“ genannt (Spr 1,3; 7,6.7; 24,30-34). Es geht im Wesentlichen darum, aus den negativen Erfahrungen und Misserfolgen anderer zu lernen. Jemand hat es so ausgedrückt: „Glücklich ist der Mensch, der aus seinen eigenen Fehlern lernt, aber noch glücklicher ist der Mensch, der aus den Fehlern anderer Menschen lernt. Doch am glücklichsten ist der, der aus den Prinzipien des Wortes Gottes lernt.“ Du solltest die Lektionen des Lebens nicht durch Versagen lernen. Wenn du das tust, kannst du dein Leben ziemlich schnell in den Sand setzen. Stattdessen kannst du lernen, indem du das Leben anderer Menschen betrachtest; aber am besten kannst du aus dem Wort Gottes selbst lernen. Wenn wir zu den Füßen des Herrn sitzen und sein Wort hören, wie Maria von Bethanien es tat, können wir alles lernen, was wir für den Weg des Glaubens brauchen. Das ist das Glücklichste von allem!

In diesem Sinne möchte ich im Wort Gottes den Fall des Petrus betrachten. Wir wollen uns vom Herrn einige wertvolle Lektionen daraus zeigen lassen. Dabei wollen wir Petrus nicht schlechtmachen oder kritisieren, sondern aus seinen Fehlern lernen. Wir wollen über sein Versagen lesen und uns dabei an die eigene Nase fassen und erkennen, dass wir dasselbe hätten tun können.

Aus Lukas 22,31.32 erfahren wir, dass Satan versuchte, Petrus zu „sichten [sieben]“. Etwas zu „sieben“ bedeutet, es aus dem Rest, mit dem es vermischt ist, herauszuziehen. Im Fall von Petrus wollte der Satan ihn aus der Herde der Jünger herausholen. Und genau das geschah. Nicht lange nachdem Petrus mit dem Herrn und den anderen Jüngern im Obersaal gewesen war und das Abendmahl gegessen hatte, zog er alleine los. Und dann geriet er in schlechte Gesellschaft, wo er seinen Glauben an den Herrn verleugnete.

Lieber Mitchrist, der Satan will auch dich aussieben! Eines der Dinge, die wir hier sehen, kommt normalerweise immer vor, wenn jemand fällt: Seinem Fall gehen eine Reihe von Dingen voraus, die zu diesem Fehltritt führen. Bruder Percy Clark pflegte zu sagen, dass es in Markus 14 bei Petrus sieben erkennbare Schritte abwärts gab, die dazu führten, dass Petrus den Herrn schließlich verleugnete. Ebenso können wir bei Petrus die oben erwähnten drei Erkennungszeichen eines versagenden Christen sehen. Ich möchte auf diese sieben Punkte eingehen:

1. Hochmut und Selbstvertrauen

Beginnen wir mit dem Bericht in Markus 14,27:

  • Mk 14,27: Jesus spricht zu ihnen: Ihr werdet alle Anstoß nehmen, denn es steht geschrieben: „Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden.“

Dort kündigte der Herr seinen Jüngern an, dass sie in dieser Nacht um seinetwillen „Anstoß nehmen“ würden – und die Schafe, die Anstoß nahmen, würden „zerstreut“ werden. Petrus erwiderte: „Wenn auch alle Anstoß nehmen werden, ich aber nicht“ (Mk 14,29). Er dachte, er sei der beste Jünger des Herrn, und rühmte sich dessen! Er zweifelte nicht an den Worten des Herrn, dass die anderen versagen würden, aber er konnte sich nicht vorstellen, selbst zu versagen. Er achtete die anderen nicht höher als sich selbst (Phil 2,3). Hinter seinem Selbstvertrauen steckte Hochmut. Und die Bibel sagt: „Stolz geht dem Sturz, und Hochmut dem Fall voraus“ (Spr 16,18). Ebendas führte Petrus auf einen Weg des Versagens. W.T.P. Wolston sagte, dass dies der Punkt ist, an dem Petrus tatsächlich fiel; es war der Punkt, an dem die Gemeinschaft mit Gott unterbrochen wurde. Wenn er sich hier selbst gerichtet hätte, wäre die Sache damit erledigt gewesen. Was dann folgte, bewies nur, dass er den Hochmut in seinem Herzen nicht gerichtet hatte. Am Ende offenbarte seine Verleugnung des Herrn den schlechten Zustand, in dem er sich die ganze Zeit über befand. Das Problem war: Er vertraute auf sein eigenes Herz und unterschätzte die Macht des Fleisches. Die Bibel warnt uns: „Wer auf sein Herz vertraut, der ist ein Tor“ (Spr 28,26). Er war mit sich selbst und seiner vermeintlichen Stärke beschäftigt statt mit dem Herrn, und er wurde getäuscht. Es war ein Abweichen in seinem Herzen, auch wenn er dachte, es sei seine überragende Liebe zum Herrn! Das zeigt, wie arglistig unser Herz sein kann. Petrus war auf einer abschüssigen Bahn und wusste es nicht!

Was können wir daraus lernen? Nun, wir können uns Sorgen machen, dass es in unserem Herzen verborgenen Stolz und Selbstvertrauen geben könnte, derer wir uns nicht bewusst sind. Und wir können den Herrn bitten, unser Herz zu erforschen und jeden bösen Weg in uns aufzudecken, damit wir ihn richten können, bevor wir auf eine abschüssige Bahn geraten, die uns vom Herrn wegführt.

2. Die Weigerung, Zurechtweisung anzunehmen

  • Mk 14,30.31: Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, dass du heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, mich dreimal verleugnen wirst. Er aber beteuerte über die Maßen: Wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen.

Als der Herr hörte, dass Petrus damit prahlte, er würde keinen Anstoß nehmen, versuchte Er, ihn zu erreichen, indem Er ihm sagte, dass er sich bereits auf einem Weg befand, der dazu führen würde, dass er Ihn verleugnen würde. Das hätte Petrus alarmieren und ihn dazu bringen sollen, zu erkennen, dass er auf dem falschen Weg war und sich täuschte. Doch er missachtete die Warnung und beharrte auf dem Gegenteil. Er sagte dem Herrn sogar, dass Er sich irrte, wenn Er dachte, dass er als sein bester Jünger so etwas tun würde. Petrus hörte die Warnung des Herrn nicht. In den Sprüchen heißt es: „Der Arme hört keine Drohung [Zurechtweisung]“ (Spr 13,8). Der Herr sagte ihm, dass das, wovor Er ihn gewarnt hatte, noch in derselben Nacht geschehen würde. Das zeigt nur, wie schnell wir uns in unserer Seele vom Herrn entfernen können!

3. Das Interesse verlieren

  • Mk 14,32-38: Und sie kommen an einen Ort, mit Namen Gethsemane, und er spricht zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, bis ich gebetet habe. Und er nimmt Petrus und Jakobus und Johannes mit sich und fing an, sehr bestürzt und beängstigt zu werden. Und er spricht zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod; bleibt hier und wacht. Und er ging ein wenig weiter, fiel auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorübergehe. Und er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir weg! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Und er kommt und findet sie schlafend; und er spricht zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.

Um die Abwärtsentwicklung des Petrus aufzuhalten, bringt der Herr ihn mit den anderen Jüngern nach Gethsemane. Wir wissen, dass dies der Ort ist, wo der Herr das Kreuz und seine Leiden erwartete. Er war äußerst betrübt und „beängstigt im Geist [oppressed in spirit]“ (Darbys Übersetzung) und bat Petrus, in der Stunde seines „ringenden Kampfes“ mit Ihm zu wachen (Lk 22,44). Man sollte meinen, dass ein solcher Blick auf die Leiden des Herrn das Herz des Petrus berührt und ihn veranlasst hätte, seine Seele zu erforschen. Doch Petrus hatte das Interesse verloren; er schlief ein! Der Herr weckte ihn und sagte ihm, er solle „beten“, damit er „nicht in Versuchung“ käme (Lk 22,40), denn „die Gewalt der Finsternis“ war im Garten anwesend (Lk 22,53). Satan war mit all seinen Dienern dort und versuchte, den Herrn zu bedrängen und Ihm vor Augen zu führen, was es Ihn kosten würde, wenn Er weiterginge und den Willen seines Vaters am Kreuz erfüllte (Joh 14,30; Ps 18,5; Ps 22,21.22). Zweifellos arbeitete Satan daran, Petrus auf dem Abwärtskurs zu halten, auf dem er sich befand. Wie steht es mit uns? Verlieren wir das Interesse an den Dingen des Herrn?

4. Kämpfen

  • Mk 14,46.47: Sie aber legten die Hände an ihn und griffen ihn. Ein gewisser von den Dabeistehenden aber zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab.

Matthäus, Markus und Lukas sagen uns nicht, wer das Schwert zog. Das lehrt uns, dass wir die Fehler der anderen Mitjünger nicht unnötig bloßstellen sollten. Johannes hingegen sagt uns, dass es Petrus war (Joh 18,10). Vielleicht war es eher ein Geständnis, denn Johannes fühlte sich in gewisser Weise dafür verantwortlich, dass Petrus gefallen war, weil er ihm geholfen hatte, in den Hof des Hohenpriesters zu gelangen, wo Petrus den Herrn verleugnete (Joh 18,16).

Wir können daraus lernen, was es anrichten kann, wenn man, ohne es selbst zu merken, die Gemeinschaft verlässt. So etwas führt zu falschen Handlungen. Sünde macht unempfindlich. Petrus merkte nicht, dass er auf einer abschüssigen Bahn war. Er dachte, er würde etwas Gutes tun – er wollte den Herrn beschützen! Vielleicht dachte er, dass sein Tun gerechtfertigt war, weil er für die richtige Seite kämpfte. Er ist nicht der Einzige, der so denkt. Mitunter kommen unter den Gläubigen Meinungsverschiedenheiten über irgendein Thema auf. Dann meinen manche Brüder, weil sie – vielleicht auch nur ihrer Meinung nach – auf der richtigen Seite stünden, seien sie berechtigt, mit ihren Brüdern zu streiten und sich auf eine fleischliche Weise zu verhalten. Sie selbst würden es wahrscheinlich nicht so sehen; sie würden es wahrscheinlich als gerechte Empörung [heiliger Zorn] oder so etwas bezeichnen, aber in Wirklichkeit ist es nur das Fleisch. Nun, im Prinzip ist es dasselbe, was Petrus hier tat.

Meine Freunde, man kann für eine richtige Sache auf eine falsche Weise eintreten. Petrus erreichte hier nichts Positives. Alles, was er tat, war, jemand mit seinem Schwert ein Ohr „abzuhauen“. Das „Schwert“ spricht vom Wort Gottes (Heb 4,12; Eph 6,17). Mit dem Schwert streitlustig anzugreifen, wie Petrus es tat, behindert nur das Werk Gottes in einem Menschen. Wenn wir mit der Wahrheit des Wortes angreifen, können wir einem Menschen in einem geistlichen Sinne das „rechte Ohr“ (Lk 22,50) abhauen, so dass er uns nicht mehr hört. Das wollen wir nicht tun.

5. Die Absonderung aufgeben

  • Mk 14,54: Und Petrus folgte ihm von weitem bis hinein in den Hof des Hohenpriesters; und er saß mit bei den Dienern und wärmte sich an dem Feuer.

Wir sehen hier, dass Petrus begann, dem Herrn „von weitem“ zu folgen. Mose sagte: „Der Liebling des HERRN! In Sicherheit wird er bei ihm wohnen“ (5Mo 33,12). Doch Sicherheit ist uns nicht verheißen, wenn wir in unseren Seelen weit vom Herrn entfernt sind. In Psalm 1 heißt es: „Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter“ (Ps 1,1). Aber genau das tat Petrus eben nicht! In Matthäus 26,57.58 sehen wir, wie Petrus mit den Schriftgelehrten, den Ältesten und den anderen mitgeht, als sie den Herrn abführen. Dann lesen wir in Johannes 18,18, dass er bei ihnen stand. Und schließlich sitzt Petrus bei ihnen (Mk 14,54). Das ist sehr traurig; Petrus hatte sich in schlechte Gesellschaft begeben. Und in dieser schlechten Gesellschaft tat er Dinge, von denen er nie gedacht hatte, dass er sie tun würde.

Das ist das zweite der drei oben erwähnten Kennzeichen eines versagenden Christen: Er gibt die Absonderung von der Welt auf. Genau dann beschleunigt sich seine Abwärtsentwicklung wie ein Schneeball, der bergab rollt; er nimmt an Fahrt auf.

6. Lügen

  • Mk 14,66-68: Und als Petrus unten im Hof war, kommt eine der Mägde des Hohenpriesters, und als sie Petrus sich wärmen sieht, blickt sie ihn an und spricht: Auch du warst mit dem Nazarener Jesus. Er aber leugnete und sprach: Ich weiß nicht, verstehe auch nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof; und der Hahn krähte.

Hier haben wir einen weiteren Abwärtsschritt bei Petrus: Er lügt hinsichtlich seiner wahren Identität. Er gerät in dieser Situation unter den Druck der Gruppe und versucht, seine Verbindung mit dem Herrn zu verbergen. Er wollte nicht mit dem Herrn Jesus identifiziert werden! Was für eine Veränderung war über ihn gekommen! Gerade der, der damit geprahlt hatte, dass er bereit war, für den Herrn zu sterben, war jetzt nicht bereit, mit Ihm identifiziert zu werden.

Es heißt: „Der Hahn krähte.“ Der Herr hatte gesagt, dass der Hahn „zweimal“ krähen werde; dies war das erste Mal. Es war eines dieser Warnlichter, die der Herr uns in den Weg stellt, um uns zu warnen, auf einem bestimmten Weg weiter voranzugehen. Aber Petrus hörte die Warnung nicht. Er war auf einer abschüssigen Bahn. Als der Hahn das erste Mal krähte, hätte Petrus aufwachen und erkennen müssen, was er dabei war zu tun, und von dort weggehen müssen. Stattdessen sehen wir, wie Petrus die Notwendigkeit ignorierte, sich selbst zu richten. Das ist das dritte Kennzeichen auf dem Weg des Versagens, das wir bereits erwähnt haben: die Weigerung, sich selbst zu richten und sich dem Herrn zuzuwenden. Wie sehr spricht das unser Herz an, denn wir alle wissen, dass der Herr auf ähnliche Weise zu uns gesprochen hat.

Diese Art von Gruppenzwang entsteht dadurch, wenn wir versuchen, von den falschen Leuten anerkannt zu werden. Petrus schaffte es nicht, sich vor dieser Magd als einen der Jünger des Herrn zu erkennen zu geben. Ich möchte dich fragen: Gibt es in deinem Leben Situationen, in denen du in einer bestimmten Gesellschaft Schwierigkeiten hast, Christus zu bekennen aus Angst davor, was die anderen denken? Wenn ja, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass du dich in der Gesellschaft von Menschen befindest, mit denen du nicht zusammen sein solltest. In Sprüche 29,25 heißt es: „Menschenfurcht legt einen Fallstrick.“

7. Den Herrn mit Schwüren und Flüchen verleugnen

  • Mk 14,70-72: Er aber leugnete wieder. Und kurz darauf sagten wiederum die Dabeistehenden zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von ihnen, denn du bist auch ein Galiläer. Er aber fing an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet. Und sogleich krähte der Hahn zum zweiten Mal. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, wie Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und als er daran dachte, weinte er.

Hier fällt Petrus sogar noch tiefer: Er verleugnet den Herrn mit Schwüren und Flüchen. Sollte es uns überraschen, dass er so weit kommt? Nein, denn wenn wir einmal auf der Straße des Versagens sind, ist nicht abzusehen, wie weit wir gehen. Petrus hätte nie gedacht, dass er sich so schnell so weit entfernen würde. Es ist sehr ernst. Petrus musste erst ganz unten ankommen, bevor er umkehrte, und Gott ließ ihn gehen.

Leben im „fernen Land“

Die Geschichte vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-17) beschreibt ein Leben fern von Gott im „fernen Land“. In was für einem traurigen Zustand befand sich der verlorene Sohn, und er selbst hatte diesen Zustand verschuldet!

Zunächst einmal lebte er nicht in Gemeinschaft mit seinem Vater. Er war aus dem Haus seines Vaters ausgezogen und lebte weit weg von ihm in einem „fernen Land“ (Lk 15,13). Das spricht vom Verlust von Freude und Gemeinschaft. Mein Freund, wenn in deinem Herzen die Freude an der Liebe Christi und an der Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, verlorengegangen ist, dann befindest du dich in der Tat in einem elenden Zustand. Du hast das Beste verloren, das du im Leben haben kannst!

Auch hatte der Sohn „sein Vermögen vergeudet“ (Lk 15,13) an Dinge, die ihn nicht befriedigten, und das ließ ihn mittellos zurück: „Er selbst fing an Mangel zu leiden“ (Lk 15,14). Mein Freund, ist es das, was du tust? Gibst du dein Geld und deine Zeit für Dinge hin und gehst du hierhin und dorthin, aber das Endergebnis ist, dass du nicht zufrieden bist – ja dass du „Mangel leidest“? Der verlorene Sohn war alles andere als glücklich. Wenn du den Herrn einmal kennengelernt hast, wirst du in dieser Welt nie glücklich sein, weil du etwas Höheres erfahren hast. Jeder von uns hat entweder gelernt oder wird noch lernen, dass diese Welt uns nicht befriedigen kann. Je früher wir das erkennen, desto besser.

Außerdem war er mit jemand („einem der Bürger jenes Landes“; Lk 15,15) verbunden, der ihn nicht sehr gut behandelte. Er erlebte die Gefühllosigkeit der Welt. Er lernte, dass diese Welt einen nur deshalb haben will, weil sie etwas von einem bekommen kann; und wenn man nichts mehr hat, will sie einen nicht mehr. Er musste sich ernähren von „den Futterpflanzen, die die Schweine fraßen“ (Lk 15,16)! Die besten Freunde, die du je haben kannst, sind solche aus dem Volk Gottes, die mit dem Herrn unterwegs sind. Er befand sich in einem Hamsterrad, das sich immer weiterdrehte, aber nirgendwo hinführte. Er war völlig enttäuscht vom Leben, musste aber erst einmal ganz unten ankommen, bevor er nach oben schauen konnte. Mein Freund: Wenn du achtlos durch die Welt gehst, was muss geschehen, damit du aufwachst? Es gibt keine Nahrung für deine Seele, keinen Frieden, keine Ruhe, wenn dein Herz fern vom Herrn ist. Das brauche ich dir wirklich nicht zu sagen; du weißt es wahrscheinlich sehr gut.

Im Folgenden sind einige traurige Ergebnisse aufgeführt, die eintreten, wenn ein Mensch sich im Herzen vom Herrn entfernt. Es ist wirklich nur ein kleiner Überblick eines Lebens im „fernen Land“:

  • Die Gemeinschaft und die Freude gehen verloren (Ps 51,14).
  • Es entsteht ein schlechtes Gewissen (1Joh 3,20).
  • Die geistliche Kraft geht verloren (Heb 12,12).
  • Die Urteilsfähigkeit geht verloren (Hos 7,9).
  • Man wird ein Sklave seiner Sünde (Joh 8,34).
  • Man spürt die züchtigende Hand Gottes (1Pet 1,17).
  • Man verdirbt sein eigenes Zeugnis (Röm 2,24).

Dies sind in der Tat sehr ernste Dinge! Wenn das dein Leben beschreibt, brauchst du Wiederherstellung. Erst wenn du mit dem Herrn ins Reine kommst, wird alles wieder gut sein.

Im nächsten Teil geht es um die Wiederherstellung einer Seele.


Engl. Originaltitel: „Backsliding and Restoration“
First E-Book Edition – Oktober 2018
E-Book Version 1.5

Übersetzung: Stephan Isenberg

Nächster Teil

 

Anmerkungen

[1] Kingscote hat das Buch Christ as Seen in the Offerings geschrieben. (Anm. d. Red.: Das Buch ist auf Deutsch erschienen bei CSV unter dem Titel Christus – wie Er in den Opfern gesehen wird.)

[2] Anm. d. Übers.: Im englischen Original heißt es: ANYTHING BUT CHRIST (wörtl.: Alles außer Christus).

[3] Mit double garments, wie es in manchen englischen Bibelübersetzungen bzw. in einer Anmerkung am Seitenrand heißt. (Anm. d. Red.: Auch Luther 1912 übersetzt so: „zwiefache Kleider“; ähnlich die Neue Evangelistische Übersetzung: „doppelte Kleidung“.)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...

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