Besonderheiten im Text der Heiligen Schrift – Auferwecken, erwecken
egeiro – anistemi

Christian Briem

© CSV, online seit: 05.12.2005, aktualisiert: 29.09.2016

Leitverse: Apostelgeschichte 13

Wie in jeder Sprache, so hat auch in der griechischen Sprache, in der das Neue Testament geschrieben ist, das einzelne Wort nicht immer dieselbe Bedeutung. Es kommt ganz auf den textlichen Zusammenhang an, in dem es gebraucht wird. Dementsprechend tritt dann die eine oder andere Bedeutung, die dem Wort innewohnt, in den Vordergrund. Auch für die Auslegung der Heiligen Schrift ist das ein wichtiger Grundsatz. Viele Fehler werden dadurch gemacht, dass man sagt: „Hier steht dasselbe Wort wie an jener Stelle; dann muss es auch hier dasselbe bedeuten wie dort.“ Oft entscheidet tatsächlich erst der Zusammenhang, in dem der Heilige Geist ein Wort gebraucht, darüber, welche Bedeutung in dem speziellen Fall vorliegt. Das wollen wir an einem Beispiel aus Apostelgeschichte 13 erläutern.

„Gott aber hat ihn aus den Toten auferweckt (Apg 13,30) … Und wir verkündigen euch die gute Botschaft von der zu den Vätern geschehenen Verheißung (Apg 13,32), dass Gott dieselbe uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesus erweckte; wie auch in dem zweiten Psalm geschrieben steht: ,Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt‘ (Apg 13,33). Dass er ihn aber aus den Toten auferweckt hat, um nicht mehr zur Verwesung zurückzukehren, hat er also ausgesprochen: ‚Ich werde euch die gewissen Gnaden Davids geben‘“ (Apg 13,34).

Das in Vers 30 mit „auferweckt“ wiedergegebene Wort ist ein anderes als das, das in Vers 33 mit „erweckte“ und in Vers 34 mit „auferweckt“ übersetzt ist. Das erste Wort egeiro („erwachen, erwecken“) wird sowohl für das Aufwachen aus dem natürlichen Schlaf als auch im übertragenen Sinn für das Auferwecken aus dem Zustand des Todes benutzt. Diese zweite Bedeutung liegt eindeutig in Vers 30 und beispielsweise auch in 1. Korinther 15 in einer Reihe von Versen vor. Ein Auferwecken Toter steht an diesen Stellen vor dem Geist des Verfassers.

Das zweite Wort, anistemi (aufstehen), bildet die Grundlage für das Hauptwort „Auferstehung“, das im Neuen Testament häufig für die leibliche Auferstehung Toter verwendet wird. Als Tätigkeitswort kann sein Bedeutungsumfang mit „aufstehen machen, auferwecken, aufrichten, erwecken“ angegeben werden. Weil nun in Apostelgeschichte 13 in Vers 33 dasselbe Wort steht wie in Vers 34, anistemi nämlich, und in Vers 34 zweifellos die Bedeutung „aus den Toten auferwecken“ vorliegt, verstehen die meisten Übersetzer dieses Wort auch in Vers 33 in diesem Sinn und übersetzen: „indem er Jesus auferweckte“.

Aber das ist gewiss nicht das, was der Heilige Geist an dieser Stelle ausdrücken möchte. Für diese Ansicht können zwei Gründe angeführt werden. Erstens weist der Zusammenhang und das Zitat aus Psalm 2 nicht auf die Auferweckung Christi hin, sondern auf Seine Geburt. Und zweitens wird das Wort anistemi in der Bedeutung von „jemand zu einem Dienst oder Amt erwecken“ wiederholt in der Apostelgeschichte gebraucht (Apg 3,22.26; 7,37).

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Aus Ermunterung und Ermahnung
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