Der Trugschluss der Mormonen oder Was ist das Evangelium?
Vor nicht allzu langer Zeit kam ein junger Mann in der für die Heiligen der Letzten Tage (HDLT)[1] typischen pseudo-klerikalen Kleidung an meine Tür. Jeder, der mit dieser Glaubensrichtung vertraut ist, hätte sofort erkannt, dass er ein mormonischer „Elder“ war, [was sich im Deutschen mit „Ältester“ übersetzen lässt]. „Jüngerer“ (1Pet 5,5 ) wäre in seinem Fall vielleicht der korrektere Begriff gewesen, da die Ältesten in der Heiligen Schrift ausnahmslos Männer von hohem Alter und großer Erfahrung waren[2], die sich um die Herde Gottes kümmern konnten (1Pet 5,1-3), aber nicht über das Volk Gottes herrschen sollten wie über ihren Besitz.
In dem genannten Fall stellte sich der Mormone als „Diener des Evangeliums“ vor, der in den Bergstädten Kaliforniens missionierte. Er erklärte, er wolle mir gerne einige „Grundsätze des Evangeliums“ darlegen. Ich bemerkte, dass auch ich bestrebt sei, armen Sündern die frohe Botschaft Gottes zu verkünden (1Tim 1,15), und sagte ihm, dass ich mich gerne mit ihm unterhalten würde, sofern dies tatsächlich sein Ziel sei. Ich bat ihn, Platz zu nehmen.
„Und nun, Sir“, wurde er gefragt, „würden Sie uns bitte mit einer kurzen Erklärung darüber beehren, was das Evangelium wirklich ist?“ Es waren mehrere Personen anwesend.
„Gewiss“, antwortete er. „Das Evangelium umfasst vier wesentliche Punkte: Der erste ist die Umkehr, der zweite der Glaube, der dritte die Taufe zur Vergebung der Sünden durch eine dazu befugte Person und der vierte die Handauflegung durch einen von Gott berufenen Mann, um den Heiligen Geist zu empfangen.“
„Nun, und angenommen, jemand hat all das durchlaufen – ist er dann gerettet?“
„Oh, das kann natürlich niemand in diesem Leben wissen. Wer bis zum Ende ausharrt, wird im Reich Gottes erhöht werden.“ Daraufhin öffnete er ein kleines Testament, mit dem er jedoch wenig vertraut war. Er zeigte uns einige Bibelstellen, die belegen, dass der Herr und die Apostel Buße und Glauben predigten. Außerdem sprach Petrus von der „Taufe zur Vergebung der Sünden“ (Apg 2,38). Der Leser möge diesen Vers und seinen Zusammenhang genau betrachten. Außerdem legten die Apostel in mindestens zwei Fällen den Menschen die Hände auf, damit sie die Gabe des Heiligen Geistes empfingen (Apg 8,14-17; 19,1-6). Er versuchte auch, eine Bibelstelle zu finden, die beweist, dass niemand wissen könne, ob er jetzt gerettet ist. Angesichts von Epheser 2,4-8; 1. Petrus 1,9; 1. Korinther 1,8; 2. Korinther 2,15 und 2. Timotheus 1,9 war dies jedoch aussichtslos, obwohl er zur Verteidigung seiner Position auf Matthäus 24,13 verwies: „Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.“
Dazu muss man Folgendes sagen: Das Ausharren ist zweifellos ein Beweis für die Echtheit [der Errettung]. Wer behauptet, er sei gerettet, aber nicht bis zum Ende ausharrt, beweist damit die Bedeutungslosigkeit seines Bekenntnisses.[3]
„Was die Tatsache betrifft, dass die Heilige Schrift von den vier von Ihnen genannten Punkten spricht, stimme ich Ihnen voll und ganz zu“, entgegnete ich. „Allerdings haben Sie meine Frage möglicherweise nicht richtig verstanden. Ich habe Sie um eine Darstellung des Evangeliums gebeten. Wenn diese sogenannten ‚vier Grundsätze‘ tatsächlich das Evangelium ausmachen, dann präsentieren Sie ein Evangelium ohne Christus. Oder anders gesagt: Es handelt sich um ein Evangelium, dem das Evangelium fehlt. Wenn Sie damit richtig liegen, hätte zumindest der Apostel Paulus einem schweren Irrtum unterlegen. Er gibt uns schließlich eine klare Darstellung seines Evangeliums, in der er tatsächlich keinen der von Ihnen genannten Punkte erwähnt. Sie erinnern sich sicherlich an die entsprechende Bibelstelle?“
Das tat er jedoch nicht. Er konnte zu diesem Thema keine direkte Aussage machen. Tatsächlich stellte sich bald heraus, dass seine Bibel, abgesehen von einigen wenigen Versen zu seinen Lieblingsthemen, praktisch ein verschlossenes Buch war. Auf meine Aufforderung hin schlug er 1. Korinther 15 auf. Darauf möchte ich den Leser kurz aufmerksam machen.
Beginnend mit dem ersten Vers dieses kostbaren und wunderbaren Abschnitts der Heiligen Schrift lesen wir:
1Kor 15,1-4: 1 Ich tue euch aber kund, Brüder, das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, 2 durch das ihr auch errettet werdet (wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe), es sei denn, dass ihr vergeblich geglaubt habt. 3 Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften [siehe Jesaja 53,5.6]; 4 und dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften;
Hier habe ich aufgehört, da der Rest der Passage der Darstellung der Augenzeugen der Auferstehung Christi gewidmet ist und daher kaum als lehrmäßig betrachtet werden kann. Dennoch wird der Leser großen Nutzen daraus ziehen, wenn er in aller Ruhe über den gesamten Abschnitt nachdenkt.
„Nun“, sagte ich und wandte mich an den Mormonen, „wir haben hier eine Aussage über das Evangelium – das Evangelium, das Paulus verkündigte. Es ist gefährlich, ein anderes Evangelium zu predigen. Aus Galater 1,8-9 wissen wir, dass derjenige, der dies tut – selbst wenn es ein Engel vom Himmel wäre – unter einem Fluch steht oder dem Gericht ausgeliefert ist. Ich weiß, dass Sie lehren, Ihr Evangelium sei Joseph Smith von einem Engel offenbart worden.[4] Selbst wenn dies wahr wäre, würde es nichts beweisen, wenn sich bei einer Überprüfung herausstellen sollte, dass es sich dabei nicht um das handelt, was der Apostel der Heiden verkündet hat. Die Korinther hatten sein Evangelium angenommen, daran hielten sie fest und dadurch wurden sie gerettet, sofern sie echte Gläubige waren. Sie werden feststellen, dass nicht die sorgfältige Einhaltung bestimmter Verordnungen oder das Leben nach bestimmten Regeln – wie Sie es vor einigen Minuten erwähnt haben – ihre Erlösung garantiert; so segensreich dies auch sein mag, wenn man es richtig versteht. Es war das Festhalten an diesem Evangelium.“
„Ich stelle also zunächst fest, dass es in ihrem Evangelium um eine Person geht, nämlich um eine ganz andere Person als die, die Ihnen vor Augen geführt wird. Es handelt sich um ‚den Sohn Gottes‘, wie uns Römer 1,3 mitteilt. In allen vier Punkten Ihres Evangeliums wird kein einziges Wort über Ihn verloren. Das Thema des Evangeliums des Paulus enthält kein Wort über irgendjemanden oder irgendetwas außer Ihn. Man könnte es vielleicht ebenfalls in vier Punkte gliedern, obwohl drei Punkte passender wären. Selbst wenn wir es jedoch in vier Punkte unterteilen (um Ihnen so weit wie möglich entgegenzukommen), finden wir deutliche Unterschiede. Ihre vier Punkte beziehen sich alle auf den armen Sünder und könnten wie folgt formuliert werden:
- Der Sünder bereut;
- Der Sünder hat Glauben;
- Der Sünder wird getauft;
- Dem Sünder werden die Hände aufgelegt.“
„Im Gegensatz dazu sehen Sie nun, wie das wahre Evangelium ausgedrückt werden kann:
- Christus ist gestorben;
- Christus wurde begraben;
- Christus ist wieder auferstanden;
- Christus ist der Gegenstand der Herzen der Seinen.“
„Die beiden Evangelien haben sicherlich nichts gemeinsam. Soweit ich richtig informiert bin, lehren Sie, dass Christus für die Übertretung Adams gestorben ist und nicht für unsere eigenen Sünden. Sie behaupten außerdem, dass zwar die Sünde Adams durch das Kreuz gesühnt wurde, jedoch unsere persönlichen Sünden durch die Taufe abgewaschen werden müssen. Das Evangelium des Paulus hingegen sagt uns, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist. Wenn das so ist und ‚das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde‘ (1Joh 1,7), welche Bedeutung hat dann die Taufe in Ihrem Sinne? Wenn all meine Sünden durch sein kostbares Blut gesühnt sind, wenn er ‚unsere Sünden selbst an seinem Leib auf dem Holz getragen hat‘ (1Pet 2,24), wie viele Sünden bleiben dann noch übrig, die durch die Taufe gereinigt werden müssten?[5] Sicherlich keine. Aber leider ist dies ein Beispiel dafür, dass das falsche Evangelium der Mormonen im Widerspruch zum kostbaren Evangelium der Gnade Gottes steht, wie es in der Bibel offenbart wird.
„Aber ich komme zum zweiten Punkt. Christus ist nicht nur gestorben, sondern auch ‚begraben worden‘. Über Ihn steht jedoch auch geschrieben: ‚Du wirst meine Seele nicht im Hades zurücklassen noch zugeben, dass dein Frommer Verwesung sehe‘ (Apg 2,27; Ps 16,10). Sein Begräbnis bestätigt die Realität seines Todes und macht deutlich, dass Er für immer mit der Stellung abgeschlossen hat, die Er auf Erden eingenommen hat. Es ist das Ende aller Beziehungen, in denen Er zuvor stand. Dies sagt uns, dass Er für das Gesetz tot ist, nachdem Er meine Strafe bezahlt hat – und für die Sünde – nicht seine eigene, sondern meine –, die Er getragen hat. Ich bin ‚mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod‘; so dass ich nicht dort zurückgelassen werde, wo mich das Mormonentum zurücklassen würde: Als arme, kämpfende Seele auf Erden, die sich bemüht, bis zum Ende durchzuhalten, um gerettet zu werden. Ich werde vielmehr als jemand angesehen, der mit Ihm begraben wurde, um all dem ein Ende zu setzen. Damit komme ich zum dritten Punkt:“
„Christus ist von den Toten auferstanden, und ich bin mit Ihm auferstanden. Was die Annahme durch Gott betrifft, ist seine Stellung nun meine Stellung [vor Gott]. ‚Der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist‘ (Röm 4,25). Seine Auferstehung ist Gottes öffentliche Erklärung, dass der Gläubige von allen Sünden freigesprochen ist, da sein Stellvertreter vom Tod befreit wurde.“
„Und nun wird derjenige, der in alle Ewigkeit lebt (Off 1,18), als Gegenstand für die Herzen der Seinen dargestellt. ‚Er wurde gesehen‘, und derselbe Apostel ruft an anderer Stelle aus: ‚Wir sehen aber Jesus!‘ (Heb 2,9). Zunächst werden armen Sünder dazu gebracht, die völlige Unmöglichkeit zu erkennen, sich zu verbessern oder sich für Gottes Gegenwart tauglicher zu machen. Dann wird das Auge des Glaubens auf denjenigen gerichtet, der gestorben ist, an den sie glauben und durch den sie ‚von allem‘ gerechtfertigt‘ sind (Apg 13,38.39). Nun haben sie auch einen Gegenstand für ihr Herz, nämlich Christus in seiner Herrlichkeit (2Kor 3,18). Wie sehr unterscheidet sich das von dem, was Sie dargestellt haben! Für uns gilt:
Jesus ist der Erste,
Jesus ist der Letzte,
Jesus auf dem ganzen Weg,
während Sie ganz auf sich selbst gestellt sind.“
„Aber nun habe ich noch eine weitere Frage. Sie sprachen von Männern, die die Vollmacht haben, zu taufen und Hände aufzulegen. Wo finden Sie das in der Schrift?“
Als Antwort las er aus Hebräer 5,4 vor: „Und niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron.“
„Welche ‚Ehre‘ ist hier gemeint?“, fragte ich.
„Die Ehre des Priestertums, die die Vollmacht zum Taufen und zum Spenden des Heiligen Geistes verleiht.“
„Nein, Hebräer 5,1 widerspricht dem. Es geht hier überhaupt nicht um das ‚Priestertum‘. Da alle Gläubigen Priester sind, gibt es im Christentum keine besondere Priesterklasse, wie aus Offenbarung 1,6 und 1. Petrus 2,5.9 deutlich hervorgeht. In Hebräer 5 geht es um das Hohepriestertum, das sich auf Jesus Christus bezieht, der von Gott berufen wurde, wie in Vers 6 erwähnt. Es wird auch kein Wort über die Taufe oder das Auflegen der Hände verloren, sondern es geht um das Darbringen von ‚Gaben als auch Schlachtopfer für Sünden’ (Heb 5,1; siehe auch Heb 2,17) und dann um die Unterstützung seines Volkes in dieser von Versuchungen geprägten Welt. Eine solche Schriftstelle auf einen menschlichen Dienst anzuwenden, bedeutet schlichtweg, ‚das Wort Gottes [zu] verfälschen‘ (2Kor 4,2), und verdient die strengste Verurteilung.“
Das war im Wesentlichen das, was ich dem fehlgeleiteten jungen Mann vor Augen führen wollte. Leider ist das menschliche Herz jedoch so trügerisch, dass sich der Mensch lieber mit seiner Reue, seinem Glauben oder seinem irgendetwas beschäftigt als mit Gottes Christus. Ich stellte fest, dass dieser Prediger, der ein anderes Evangelium verkündet – „das kein anderes ist“ (Gal 1,6.7) –, derselben Kategorie angehörte wie Tausende in der bekennenden Christenheit. Die ihm vorgelegten Schriftstellen hatten im Vergleich zur „heutigen Offenbarung“ nur wenig Gewicht, trotz des Wortes des Paulus in Kol 1,25 [„deren Diener ich geworden bin nach der Verwaltung Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden“]. Und so ging er seines Weges, vertraute auf seine fleischliche Religion und ignorierte das „Evangelium Gottes“.
Bevor ich dieses Thema abschließe, möchte ich den Leser daran erinnern, dass weder Glaube noch Buße in der Heiligen Schrift jemals als Grundlage für die Erlösung dargestellt werden. Allein das Kreuz ist diese Grundlage. Vom Geist Gottes dazu gebracht, wird der Sünder tatsächlich Buße tun; im Vertrauen auf das dort vollbrachte Werk wird die Seele erlöst.
Buße und Glaube, wie sie in der Heiligen Schrift dargelegt sind, dürfen nicht mit den Auswüchsen des Mormonentums verwechselt werden. In diesem erbärmlichen System wird Buße mit Reue verwechselt und Glaube mit Leichtgläubigkeit.
Im biblischen Sinne ist Buße Selbstgericht, das Eingeständnis, verloren und schuldig zu sein und den Zorn eines heiligen Gottes zu verdienen. Glaube ist das Vertrauen in Christus, dessen vollbrachtes Werk die Sünden für immer tilgt. Es geht nicht einfach darum, die Aussage zu glauben, dass Gott existiert oder dass der historische Jesus der Sohn Gottes war „Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber wird bekannt zum Heil“ (Röm 10,9.10).
Ich frage dich, lieber Leser, mit aller Liebe: Begehst du denselben Fehler wie dieser „Elder“? Vielleicht verspottest du den armen, unwissenden Mormonen und bist entsetzt über den fast heidnischen Glauben, den seine Kirche predigt. Aber vertraust du vielleicht selbst auf etwas, das gemessen an dem Buch Gottes ebenso hohl ist?
Denke daran: Künstliche Reue, die aus besonderen Gemütszuständen, Gefühlen und Entsagungen besteht, intellektuelle Zustimmung zu den Wahrheiten der Bibel, die fälschlicherweise als Glaube bezeichnet wird, Taufe – sei sie nun von einem mormonischen Ältesten oder einem ordinierten Geistlichen vollzogen –, Handauflegung oder jeder andere menschliche Ritus bzw. jede andere von Gott verordnete Zeremonie werden dir nichts nützen.
Christus und Christus allein ist deine einzige Erlösung. Wirf alles andere weg und fliehe zu Ihm. „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden“ (Apg 16,31).
Anmerkungen zu den Lehren der Mormonen
In dem vorangegangenen Bericht war es nicht mein Ziel, alle perfiden Irrtümer des Mormonentums nachzuzeichnen und zu widerlegen. Vielmehr wollte ich aufzeigen, wie sehr dieses System im Widerspruch zum Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes steht, das Er in seinem Wort offenbart hat [1Tim 1,11].
Es wurde jedoch angemerkt, dass eine kurze Zusammenfassung einiger wichtiger Lehren der Sekte, die auf anderen Grundsätzen beruhen, als Warnung für alle dienen könnte, die sich von schönen Worten und spitzfindigen Argumenten verführen lassen und in ihren Strudel hineingezogen werden.
Die folgenden Aussagen lassen sich durch eine Untersuchung der „fortgeschritteneren“ Veröffentlichungen dieser Sekte leicht als Teil ihres seltsamen Heidentums nachweisen, auch wenn einige davon von den reisenden „Ältesten“ oft geleugnet werden. Deren Aufgabe ist es nämlich, nicht durch die Veröffentlichung der „Tiefen des Satans“ (Off 2,24) zu beunruhigen, sondern durch die Darstellung eines Glaubensbekenntnisses, das dem rechtgläubigen Christentum so nahe wie möglich kommt, zu verführen. Nichts könnte irreführender sein als die Erklärung der „Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, die derzeit von Tausenden im ganzen Land verbreitet wird. Sie wurde vom vermeintlichen Propheten Joseph Smith in den Anfängen der Bewegung zusammengestellt, lange bevor die „heutigen Offenbarungen“ die vielen Absurditäten einführten, von denen die Kirche heute geprägt ist.
Die heute unter ihnen akzeptierten dominierenden Lehren lassen sich kurz wie folgt zusammenfassen:
Sie behaupten der Bibel zu glauben, beziehen jedoch zusätzliche „Erleuchtung“ aus dem „Buch Mormon“. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Unsinn, deren völlige Absurdität und Unvereinbarkeit mit dem Wort Gottes offensichtlich wird, wenn man sie nur überfliegt. Ebenso als inspiriert gelten das „Buch der Lehre und Bündnisse“, das angeblich eine Reihe von Offenbarungen, hauptsächlich an Joseph Smith, enthält, sowie „Die kostbare Perle“, die das „Buch Abraham“ und andere apokryphe Werke umfasst. Zusätzlich gibt es zahlreiche Propheten und Apostel, die jederzeit weitere Mitteilungen machen können, die alle die gleiche Autorität wie diese haben.
Im Grunde sind sie Polytheisten und glauben, dass es viele Götter gibt. Und alle diese Götter (außer vielleicht dem ersten – diesbezüglich sind ihre Aussagen widersprüchlich) waren einst Menschen, die durch ihre Treue in menschlichem Zustand zu Göttern erhoben wurden. Jeder Mensch hofft, irgendwann einmal ein Gott zu werden. Ihre Götter sollen ihre menschliche Gestalt und ihre Funktionen behalten.
In diesem Zusammenhang kommt die Polygamie ins Spiel.[6] Ihre (polygamen) Beziehungen bestehen in der Ewigkeit fort. Die Nachkommen der Götter und ihrer zahlreichen Frauen werden in den kommenden Zeitaltern ihr „Reich“ bilden. Das Wohlergehen der Frauen hängt davon ab, dass sie mit einem der Gläubigen vereint sind.
Was diese Welt betrifft (für sie gibt es viele), lehren sie eine [eigene Form der] Dreieinigkeit, die die Angelegenheiten dieser Welt verwaltet. Demzufolge sollen Gott und Christus beide menschliche Körper, Glieder und Leidenschaften haben, während der Heilige Geist allgegenwärtig ist, obwohl er aus materieller Substanz besteht.
Im vorangegangenen Abschnitt wurde ihre Lehre über die Erlösung der Lebenden dargelegt. Sie verkünden auch öffentlich die Erlösung für die Toten. Diese können erlöst werden, wenn sich ihre Freunde auf Erden für sie taufen lassen.
Was die Lehre über die Endzeit betrifft, so haben sie ein System prophetischer Lehren, das eine überaus fleischliche Sichtweise des Tausendjährigen Reiches verkörpert, das durch die Wiederkunft Christi eingeleitet wird, um Israel, einschließlich der zehn Stämme, in einem Zion in Amerika (!) wieder zu versammeln und alle Feinde der „Heiligen“ zu vernichten. Die Toten werden auferstehen und auf der Erde erscheinen. Parley Pratt[7] sagt in seiner „Voice of Warning“ in Bezug auf diese Zeit: „Unser Vater Adam wird als der Alte der Tage auf dem Thron sitzen“ usw. und schreibt ihm die Worte aus Daniel 7,9.10 zu!
Ein letztes Gericht wird alle Dinge abschließen. Aber niemand wird für immer verloren sein. Es gibt drei Sphären: die terrestrial, die celestiale und die telestiale. Jeder wird in einer dieser Sphären zu finden sein.[8]
Ein solches System bedarf keiner Widerlegung. Es widerlegt sich selbst. Kein Kind Gottes, das das Kreuz überhaupt verstanden hat, könnte sich davon verführen lassen. Weil aber täglich viele Unvorsichtige und Einfältige, die nach Erlösung streben, aber Gottes Weg nicht kennen, davon verführt werden, wurde dieser Artikel verfasst.
Der Herr möge es nutzen, um viele von solchen „frevelhaften Götzendienereien“ zu befreien (1Pet 4,3).
Auszug aus „The Only Two Religions and Other Gospel Papers“
Western Book and Tract Co.
Oakland, California
Quelle: https://plymouthbrethren.org
Übersetzung: Samuel Ackermann
Anmerkungen
[1] Anm. d. Red.: Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ ist die Selbstbezeichnung der größten Glaubensgemeinschaft innerhalb des Mormonentums.
[2] Siehe 1Tim 3,2-7; wobei zu beachten ist, dass, wie in Titus 1,5-7 gezeigt die Begriffe, „Ältester“ und „Bischof“ [in der King-James-Übersetzung] dasselbe sind. Der Begriff „Ältester“ bezieht sich auf das Alter des Mannes und der Begriff „Bischof“ auf sein Amt. In Bezug auf all dies herrscht im Mormonentum große Verwirrung.
[3] Ich möchte dem Leser, der hier Schwierigkeiten hat, „Fallen from Grace; or, Castaway“ von W. Barker sowie „The Perseverance of the Saints“ von F. W. Grant ans Herz legen. Beide Bücher kosten jeweils 5 Cent und sind bei Loizeaux Bros. erhältlich.
[4] Anm. d. Red.: Joseph Smith war der Gründer der Mormonen. Nach eigenen Angaben erschien ihm am 21. September 1823 ein Engel namens „Moroni“, der ihn beauftragte, einen Text von Goldplatten, die in einer unbekannten Sprache namens „reformiertes Ägyptisch“ verfasst waren, zu übersetzen. In diesem Text sei die „Fülle des immerwährenden Evangeliums“ enthalten.
[5] Ich gebe durchaus zu, dass die amtliche oder administrative Vergebung der Sünden in der Taufe gewährt wird, indem die Getauften in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wurden. Dies ist aber etwas anderes als die ewige Vergebung vor Gott; siehe Johannes 20,22-23.
[6] Anm. d. Red.: Man muss der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ zu Gute halten, dass sie die Polygamie seit 1890 offiziell ablehnen.
[7] Anm. d. Red.: Parley Pratt (1807–1857) war einer der frühen Führer der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“
[8] Anm. d. Red.: Die „Kirche Jesu Christi die Heiligen der Letzten Tage“ schreibt dazu: Es gibt drei Reiche der Herrlichkeit (siehe 1. Korinther 15,40-42). Das höchste davon ist das celestiale Reich. Diejenigen, die im Zeugnis von Jesus tapfer sind und die Grundsätze des Evangeliums befolgen, werden im celestialen Reich in der Gegenwart Gottvaters und seines Sohnes Jesus Christus wohnen (siehe LuB 131:1–4). Das zweite der drei Reiche der Herrlichkeit ist das terrestriale Reich. In diesem Reich werden sich diejenigen befinden, die auf der Erde zwar ehrenhafte Menschen waren, jedoch im Zeugnis von Jesus nicht tapfer waren. Das telestiale Reich ist das niedrigste der drei Reiche der Herrlichkeit. In dieses Reich werden diejenigen eingehen, deren Entscheidungen im irdischen Leben nicht rechtschaffen, sondern schlecht waren. Sie werden ihre Herrlichkeit erhalten, nachdem sie aus dem Gefängnis der Geister erlöst worden sind.


