Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag, der im Rahmen unseres monatlichen Online-Bibel-Seminars gehalten wurde. Anlass war die häufige Erwähnung von Zahlen in den Kapiteln des zweiten Buches Mose zur Stiftshütte. Wer die symbolische Bedeutung der Stiftshütte verstehen möchte, sollte sich vor allem mit der Bedeutung der Zahlen in diesem Zusammenhang beschäftigen.
Neben der menschlichen Schwachheit trägt die Zahl Vier ein weiteres, ernstes Bedeutungsfeld in sich: Sie ist im Wort Gottes die Zahl der Strafe, der gerechten Vergeltung und der umfassenden Gerichte Gottes. Wo der Mensch in seiner Schwachheit der Sünde Raum gibt, fordert die göttliche Gerechtigkeit entweder eine vierfache Erstattung oder das Hereinbrechen ausnahmsloser Gerichte.
Dieses Prinzip entfaltet sich in der Schrift in zwei Dimensionen:
Die vierfache Erstattung als Maßstab der Rechtsgerechtigkeit
Wo durch Raub, Betrug oder Unrecht Schaden zugefügt wurde, setzt das göttliche Recht ein Prinzip der mehrfachen – oft vierfachen – Genugtuung an:
1. Das Urteil über den Raub (2Sam 12)
2Sam 12,6: Und das Lamm soll er vierfach erstatten, weil er diese Sache getan und weil er kein Mitleid gehabt hat.
Als Nathan dem König David sein eigenes Unrecht anhand des Gleichnisses vom armen Mann und seinem einzigen Lamm vor Augen führt, fällt David unwissend sein eigenes Urteil: Die Schuld erfordert eine vierfache Erstattung.
2. Die freiwillige Wiederherstellung der Gerechtigkeit (Lk 19)
Lk 19,8: Zachäus aber trat hinzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage genommen habe, erstatte ich es vierfach.
Unter dem Eindruck der Gnade stellt sich der Zöllner Zachäus freiwillig diesem Maßstab der Erstattung, um das durch Betrug Verursachte vollständig und reichlich wiedergutzumachen.
Die vier weltweiten Exekutivgerichte Gottes
Wenn Gott nicht nur ermahnt, sondern strafend über Sünde und Rebellion zu Gericht sitzt, begegnet uns die Zahl Vier als Zeichen der Vollständigkeit seines Zorns:
1. Die vier bösen Gerichte (Hes 14)
Hes 14,21: Denn so spricht der Herr, HERR: Wie viel mehr, wenn ich meine vier bösen Gerichte, Schwert und Hunger und böse Tiere und die Pest, gegen Jerusalem entsenden werde, um Menschen und Vieh darin auszurotten!
Die Vier steht hier für die lückenlose Abdeckung des Gerichts. Gottes Strafe trifft ein abgemessenes Gebiet von allen vier Seiten, ohne dass der Mensch ihr entfliehen kann.
2. Die Gerichtsengel der Endzeit (Off 9)
Off 9,14-15: Löse die vier Engel, die an dem großen Strom Euphrat gebunden sind. Und die vier Engel wurden gelöst, die sich bereit gemacht hatten auf Stunde und Tag und Monat und Jahr, damit sie den dritten Teil der Menschen töteten.
In den künftigen Endzeitgerichten sind es exakt vier Engel, die als Exekutoren der göttlichen Strafe losgelassen werden, um die Menschheit drastisch zu reduzieren und das Urteil über eine gottlose Welt zu vollstrecken.
Die Entfaltung der Strafe im vierten Buch Mose
Wie eng Schwachheit und Strafe miteinander verwoben sind, wird im vierten Buch Mose unübersehbar. Das Buch ist nicht nur ein Register des Versagens, sondern zugleich ein fortlaufendes Protokoll der gerechten Strafe Gottes:
1. Die Kette der Gerichte auf der Wüstenwanderung (4Mo 10–25)
Fast jedes Versagen des Volkes in 4. Mose 10 bis 25 zieht eine unmittelbare Strafe nach sich:
- Das Feuer des HERRN brennt bei Tabera wegen des Murrens (4Mo 11,1-3).
- Die sehr große Plage trifft das Volk bei Kibrot-Hattaawa wegen der gierigen Fleischlust (4Mo 11,33-34).
- Der Aussatz trifft Mirjam wegen ihres Aufstands gegen Mose (4Mo 12,10).
- Das Todesurteil über die ganze Generation (vierzig Jahre Sterben in der Wüste) folgt auf das Murren nach dem Bericht der Kundschafter (4Mo 14,28-35).
- Das Verschlingen durch die Erde und das Feuer treffen Korah und seine Rotte (4Mo 16), gefolgt von einer Plage mit 14.700 Toten (4Mo 17,14).
- Die feurigen Schlangen bringen den Tod über viele Israeliten nach der Verachtung des Manna (4Mo 21,6).
- Die Plage mit 24.000 Toten richtet das Volk nach der Hurerei bei Baal-Peor (4Mo 25,9).
2. Die Todesstrafe beim Sabbatbruch (4Mo 15)
4Mo 15,35: Da sprach der HERR zu Mose: Der Mann soll gewiss getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn außerhalb des Lagers steinigen.
Ein ganz spezifischer Einzelfall unterstreicht die Strenge der göttlichen Strafe: Ein Mann, der am Sabbat vorsätzlich Holz aufliest und damit das heilige Gebot der Ruhe bricht, wird nicht mit einer leichten Maßregelung entlassen. Das Urteil Gottes ist unerbittlich: Die Todesstrafe durch Steinigung zeigt, dass der vorsätzliche ungehorsame Eigenwille vor dem heiligen Gott nicht ungestraft bleibt.
3. Die gerichtliche Bestrafung Midians (4Mo 31)
4Mo 31,2: Übe Rache für die Kinder Israel an den Midianitern; danach sollst du zu deinen Völkern versammelt werden.
Gottes Strafe macht nicht am Lager Israels halt. In 4. Mose 31 ergeht der ausdrückliche Befehl zur Vollstreckung des Gerichts an Midian. Für die Verführung des Volkes Gottes bei Baal-Peor (4Mo 25) zieht Gott die Midianiter zur Rechenschaft und fordert die lückenlose, gerichtliche Vergeltung für das angerichtete Unheil.


