Leitvers: Römer 12,2
Röm 12,2: Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.
Wenn wir durch unsere Straßen gehen, Social Media öffnen oder in unsere Bekanntenkreise blicken, fällt eines sofort auf: Äußerlichkeiten verändern sich. Modewellen kommen und gehen. Über Jahrhunderte war es selbstverständlich, dass Frauen langes und Männer kurzes Haar trugen. Im 20. Jahrhundert änderte sich das bei Frauen schlagartig: In den 1920er Jahren wurde der Bubikopf zum Symbol der Emanzipation und des Aufbegehrens gegen alte Ordnungen. In den 1970ern folgte die Welle des „Wash-and-Go“ – praktisch, pflegeleicht und unabhängig. Heute zeigt sich das anders: Ältere Frauen tragen meist kurzes Haar aus praktischen oder biologischen Gründen (dünneres Haar, einfaches Ergrauen), während jüngere Frauen in den Medien und auf TikTok langes Haar als Schönheits- und Statussymbol feiern. Hingegen tragen heute nicht selten junge Männer lange Haare und binden sich die Haare als Zopf zusammen, wie man es früher nur von Frauen gekannt hat. Welch eine Verwirrung!
Die unbemerkte Anpassung bibeltreuer Gemeinden
Doch wie sieht es in unseren christlichen Gemeinden aus? Auch dort hat sich das Bild oft massiv verändert. Viele ältere Schwestern tragen heute Kurzhaar und immer öfter sieht man auch junge Männer mit langen Haaren, obwohl man in bibeltreuen Kreisen früher aus Überzeugung an 1. Korinther 11,14 und 15 festhielt:
1Kor 11,14-15: Lehrt euch nicht auch die Natur selbst, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Unehre für ihn ist, wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist, weil das Haar ihr anstatt eines Schleiers gegeben ist?
Dass in vielen Gemeinden, die sich selbst als bibeltreu bezeichnen, diese Entwicklung zeitversetzt stattgefunden hat, zeigt eine tiefere, geistliche Wurzel: Wir haben uns unbewusst dem unterworfen, was Gottes Wort als „Welt“ bezeichnet.
Anstatt darin zu leben, dass der Herr Jesus uns „nach dem Willen unseres Gottes und Vaters“ herausgenommen hat „aus der gegenwärtigen bösen Welt“ (Gal 1,4), lassen wir zu, dass der Zeitgeist bestimmt, was wir für normal, praktisch oder akzeptabel halten. Gottes Wort ruft uns in Römer 12,2 dazu auf: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt.“ Und selbst wenn heute auch viele junge Schwestern wieder langes Haar tragen, müssen wir uns ganz ehrlich vor Gott die Frage stellen: Tun sie es aus Überzeugung und Liebe zum Herrn, um seinen Willen zu tun und Ihm Ehre zu erweisen – oder einfach nur deshalb, weil es gerade zufällig wieder im Trend der Influencer liegt?
Was sagt das Wort Gottes wirklich?
In 1. Korinther 11,1-16 entfaltet der Apostel Paulus die Schöpfungsordnung Gottes. Das lange Haar der Frau ist von Gott als Bedeckung und als eine persönliche Ehre gegeben. Es symbolisiert Haltung, Abhängigkeit und die Anerkennung der göttlichen Autoritätsstruktur – ganz ähnlich wie das lange Haar des Nasiräers (4Mo 6,5) im Alten Testament ein Zeichen der Hingabe an Gott war. Wer dieses Zeichen mutwillig ablegt, entzieht sich der sichtbaren Anerkennung der Ordnung Gottes. Ebenso entehrt sich der Mann, wenn er langes Haar trägt. Er tut etwas, von dem die Bibel sagt, dass es unehrenhaft ist.
Die Gegenargumente
Lasst uns die typischen Argumente und Ausflüchte, die oft vorgebracht werden, im Licht der Bibel prüfen:
- „Das war doch nur die damalige Kultur!“
Das sogenannte Kulturargument ist oft nur ein Versuch, den eigenen Willen zu rechtfertigen. Wenn Gott sagt, dass das lange Haar der Frau eine Ehre und das lange Haar bei Männern eine Unehre ist, ändert Er nicht nach Zeitgeschmack seine Maßstäbe. Zudem schreibt Paulus in 1. Korinther 11,10, dass die Frau die in diesem Abschnitt genannte Ordnung einhalten soll „um der Engel willen“. Engel sind keine kulturabhängigen Wesen! Paulus betont in diesem Brief immer wieder, dass seine Anweisungen universell und nicht nur in Korinth gelten: „samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn anrufen“ (1Kor 1,2), „wie ich überall in jeder Versammlung lehre“ (1Kor 4,17), und: „dass das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist“ (1Kor 14,37).
- „Wo steht denn genau, ab wie viel Zentimetern das Haar ‚lang‘ bzw. ‚kurz‘ ist?“
Wer nach exakten Zentimeterangaben fragt, sucht meist nach Spielraum für das eigene Ego. Ein Herz, das dem Herrn unterworfen ist, braucht kein Maßband, sondern fragt danach, was dem Herrn gefällt und was seinem Wunsch klar entspricht.
- „Wir wollen doch nicht gesetzlich sein!“
Es ist eine Illusion, zu glauben, Gnade toleriere Zügellosigkeit oder Eigenwilligkeit. 1. Korinther 11 gibt sehr klare Anweisungen. Wir sind zwar nicht „unter dem Gesetz“ in dem Sinne, dass wir durch Werksgerechtigkeit Errettung suchen – wir sind dem Gesetz in Christus gestorben. Aber wenn wir im Geist wandeln, wird die Rechtsforderung des Gesetzes in uns erfüllt (Röm 8,4). Gottes Wünsche sind für uns keine gesetzliche Last, sondern Ausdruck seines heiligen Willens.
- „Der Herr Jesus hat mich doch trotzdem lieb!“
Ja, seine Liebe ist unermesslich! Aber dieses Argument verdreht den Fokus völlig. Es geht hier nicht darum, ob Er uns liebt, sondern ob wir Ihn lieben und seinen Willen tun wollen. Jesus spricht: „Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote“ (Joh 14,15).
- „Kurzes Haar ist im Alltag viel praktischer und bequemer!“
Wer so argumentiert, stellt die eigene Bequemlichkeit über die Wünsche des Schöpfers. Ist uns unser eigener Komfort wichtiger als das, was Gott erfreut?
- „Es ist doch immer noch etwas länger als bei den meisten Männern!“
Hand aufs Herz: Wenn wir versuchen, in die eine oder andere Richtung Grenzen auszutesten, um das Minimum zu suchen, zeigt das nicht bereits, dass wir mit Gottes Wunsch eigentlich gar nicht einverstanden sind?
- „Es ist nicht so wichtig, es predigt ja kaum noch jemand darüber und alle machen es so!“
Dass Brüder oft den Mut verloren haben, Gottes Wort in diesem Punkt klar zu verkündigen, ist vielleicht verständlich, aber dennoch traurig, denn es ist deutlich ein Bestandteil von Gottes Wort. Und dass die Masse etwas tut, war vor Gott noch nie ein Maßstab. Gottes Maßstab verändert sich nicht durch Schweigen oder Mehrheiten.
- „Das ist nicht heilsnotwendig, also ist es nebensächlich!“
Offenbart sich hier nicht geistlicher Egoismus? Was für meine Rettung nötig ist, nehme ich dankbar an – aber was Gott Freude macht, interessiert mich nicht? Ein treuer Jünger fragt nicht nur nach Errettung, sondern nach der Ehre seines Herrn.
- „Da steht nur, dass langes Haar eine Ehre ist, aber nicht, dass kurzes verboten ist!“
Was würdest du denken, wenn du mir ein Geschenk machst, und ich es gar nicht beachte? Wenn Gott uns ein Geschenk und eine Ehre anvertraut und wir diese ablehnen oder wegwerfen – ist das dann nicht eine Missachtung seiner Güte? Was Gott eine Ehre nennt, dürfen wir nicht als unbedeutend behandeln.
- „Mir steht ein Kurzhaarschnitt einfach besser – das ist für mich mehr Ehre!“
Ebenso könnte der Mann sagen: „Mir gefallen lange Haare aber besser.“ Damit erhebt man seinen eigenen Schönheitssinn über Gottes Urteil. Es geht hier nicht um die Ehre vor der Welt oder den Blicken anderer Menschen, sondern um die Ehre vor Gott, den Engeln und der unsichtbaren Welt. Lernen wir doch lieber von unserem Herrn, von dem es heißt: „Denn auch der Christus hat nicht sich selbst gefallen“ (Röm 15,3). Er hat stets danach gefragt, was seinem Gott gefällt.
- „In 1. Korinther 11,6 steht doch nur, dass ein geschorenes Haupt (Glatze) schändlich ist!“
Ja, in diesem Vers geht es um das komplett geschorene Haar, dennoch steht dies deutlich im Gegensatz zum „langen Haar“. Wir wollen uns nicht um Zentimeter streiten, aber es wird wohl keiner in Offenbarung 9,8 an einen Bubikopf oder halblanges Haar denken, wenn es dort heißt: „Und sie hatten Haare wie Frauenhaare.“ Ist es nicht doch eher eine Ausflucht, um den eigenen Willen zu tun? Gottes Wort stellt das abgeschnittene oder geschorene Haar als Entehrung dar und das Gegenteil – langes Haar – als Ehre. Es geht um das Prinzip der Ehrfurcht vor Gottes Gedanken!
Gott in allen Dingen ehren
Im Kapitel direkt vor diesen Anweisungen schreibt Paulus ein fundamentales Prinzip für unser gesamtes Leben:
1Kor 10,31: Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes!
Kann es zur Ehre Gottes sein, wenn eine gläubige Frau bewusst etwas ablegt, von dem Gott sagt, dass Er es ihr zur Ehre gegeben hat? Kann es zur Ehre Gottes sein, wenn ein Mann eines der Gebote Gottes bewusst zur Seite schiebt? Wer sein eigenes Haupt entehrt, entehrt auch das Haupt, das Gott gesetzt hat und spiegelt nicht wider, wie Christus und seine Gemeinde in göttlicher Harmonie zueinander stehen.
Ein Ruf an unser Herz und Gewissen
Ist es nicht eine wunderbare Gnade, dass Gott uns selbst in vermeintlich kleinen Lebensbereichen seinen Willen offenbart? Er lässt uns nicht im Unklaren. Vielleicht hast du über diese Fragen noch nie richtig nachgedacht oder bist darüber noch nie belehrt worden. Der Herr weiß dies sicher richtig einzuordnen und wir verurteilen dich nicht. Die „vergangene Zeit“ holen wir nicht mehr zurück, aber wir wollen dich ermutigen die „noch übrige Zeit … dem Willen Gottes zu leben“ (1Pet 4,2-3). Er gibt uns Gelegenheiten, Ihm unsere Liebe im Alltag ganz praktisch zu beweisen. Sollte es nicht zu unseren Herzen sprechen, dass dieses Thema gerade dort im ersten Korintherbrief steht, wo es kurz vorher in Kapitel 10 um den Tisch des Herrn geht und direkt danach in der zweiten Hälfte von Kapitel 11 um das Mahl des Herrn?
Lasst uns bedenken: Wir alle werden einmal vor dem Richterstuhl Christi stehen. Dann wird es auch um die Frage gehen, wie treu wir mit den vermeintlich geringen Dingen umgegangen sind (2Kor 5,10; vgl. Lk 16,10).
Fragen wir heute nicht danach, was die Welt tut, was am bequemsten ist oder was uns selbst gefällt – sondern fragen wir von Herzen: „Herr, was willst Du, dass ich tun soll?“


