Das Buch Daniel (4)
Kapitel 4

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 24.02.2011, aktualisiert: 29.01.2018

Leitverse: Daniel 4

Die Erhöhung des Menschen

Aus Daniel 3 erfahren wir, dass, kaum dass die Herrschaftsgewalt den Heiden übertragen worden ist, sie dafür benutzt wird, um über die Rechte Gottes hinwegzugehen. Dieses ernste Merkmal der menschlichen Herrschaft hat jede der vier Großmächte gekennzeichnet und wird seine krasseste Ausprägung in den letzten Tagen des letzten Weltreiches erfahren.

Aus Daniel 4 erfahren wir, dass die Erhöhung des Menschen ein weiteres maßgebliches Merkmal der Zeiten der Nationen ist. Die von Gott verliehene Macht und Autorität verwendet der Mensch zu seiner eigenen Erhöhung und zur Befriedigung seines eigenen Stolzes. Indem er Gott in seinen Gedanken außen vor lässt, wird der Mensch wie ein wildes Tier, das kein Verständnis für das Denken Gottes hat und ohne Bezug zu Gott lebt. Diese ernsten Wahrheiten werden in Form eines Briefes präsentiert, den Nebukadnezar an alle Völker, Nationen und Sprachen richtet und worin er von seinen eigenen Erfahrungen berichtet.

Gott hatte bereits durch Visionen und durch sein Eingreifen mit göttlicher Macht zu dem König gesprochen, aber offensichtlich war der König dadurch nicht zu einer persönlichen Beziehung zu Gott gelangt. Nach der Deutung der Vision des großen Standbildes hatte Nebukadnezar Daniel große Ehre zuteilwerden lassen und anerkannt, dass Daniels Gott der Gott der Götter und ein Herr der Könige war; doch so sehr er auch beeindruckt war, beugte er selbst sich doch nicht vor Gott. Es entstand keine persönliche Verbindung zwischen seiner Seele und Gott. Wiederum ist es offensichtlich, dass der König in der Angelegenheit von Gottes Eingreifen zu Gunsten seiner Diener in dem glühenden Ofen überaus bewegt war und demzufolge autokratische Befehle erließ, welche Haltung andere Menschen in Bezug auf Gott einzunehmen hatten. Doch während der König zwar die Macht des „Gottes von Shadrach, Meschach und Abed-Nego“ eingestand, so anerkannte er Gott doch weder als den Einen, der allein Gott ist, noch unterwarf er sich Ihm.

Schließlich jedoch handelt Gott in seiner Barmherzigkeit persönlich mit dem König und führt ihn dazu, sich Gott zuzuwenden und Ihn als den Allerhöchsten zu preisen und seine Autorität in Bezug auf die Angelegenheiten der Menschen anzuerkennen. Zum ersten Mal hat es Nebukadnezar persönlich mit Gott zu tun. Als Folge davon verschickt er dieses persönliche Sündenbekenntnis in alle Welt und erkennt die Art und Weise an, in der er selbst dazu gebracht worden ist, sich Gott zu unterwerfen.

Verse 3,31-33

Dan 3,31-33: 31 Nebukadnezar, der König, allen Völkern, Völkerschaften und Sprachen, die auf der ganzen Erde wohnen: Friede euch in Fülle! 32 Es hat mir gefallen, die Zeichen und Wunder mitzuteilen, die der höchste Gott an mir getan hat. 33 Wie groß sind seine Zeichen, und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währt von Geschlecht zu Geschlecht!

Der Brief des Königs ist an alle Menschen adressiert, die auf der ganzen Erde wohnen. Er berichtet den Leuten, dass Gott Wunder für ihn getan hat, und während er daran denkt, bricht er im Lobpreis aus.

Verse 1.2

Dan 4,1.2: 1 Ich, Nebukadnezar, wohnte ruhig in meinem Haus und hatte Gedeihen in meinem Palast. 2 Ich sah einen Traum, er erschreckte mich; und Gedanken auf meinem Lager und Gesichte meines Hauptes ängstigten mich. 

In seinem Bericht über diese Wege des Herrn mit ihm beschreibt er zuerst die Lebenslage, in der er sich befand, als Gott begann, an ihm zu handeln. „Ich“, so schreibt er, „wohnte ruhig in meinem Haus und hatte Gedeihen meinem Palast.“ Durch und durch ein Weltmensch fand er Ruhe und Wohlergehen in dem Genuss seiner Besitztümer, ohne irgendeinen Gedanken an Gott zu verschwenden. Inmitten dieses Wohlstandes sprach Gott zu dem König durch einen Traum. Wenngleich Nebukadnezar nicht die volle Tragweite des Traumes verstand, war dieser doch deutlich genug, um ihn mit düsterer Vorahnung von kommendem Unheil zu erfüllen.

Verse 3-5

Dan 4,3-5: 3 Und von mir wurde Befehl gegeben, alle Weisen von Babel vor mich zu führen, damit sie mir die Deutung des Traumes kundtäten. 4 Darauf kamen die Wahrsagepriester, die Sterndeuter, die Chaldäer und die Wahrsager herbei; und ich trug ihnen den Traum vor, aber sie taten mir seine Deutung nicht kund. Und zuletzt trat vor mich Daniel, dessen Name Beltsazar ist, nach dem Namen meines Gottes, und in dem der Geist der heiligen Götter ist; und ich trug ihm den Traum vor: 

In seiner Furcht wendet sich der König wieder an seine Weisen, nur um festzustellen, dass sie den Traum nicht deuten können. Der Grund dafür ist einfach. Der Traum war eine Botschaft von Gott, und als solche kann sie nur von Gott ausgelegt werden. Der natürliche Mensch kann die Dinge eines Menschen verstehen, denn „so weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes“ (1Kor 2,11]. Die Dinge Gottes können nur geistlich erkannt werden. 

Und zuletzt trat Daniel vor den König. Man könnte meinen, dass Daniel, nachdem er die früheren Träume des Königs gedeutet hatte, der Erste wäre, an den sich der König wenden würde. Aber anscheinend ist Daniel die letzte Zuflucht des Königs. Doch der Mensch, der der Letzte ist in der Wertschätzung der Menschen, ist der Erste in Gottes Wertschätzung.

Verse 6-15

Dan 4,6-15: 6 Beltsazar, du Oberster der Wahrsagepriester, da ich weiß, dass der Geist der heiligen Götter in dir ist und dass kein Geheimnis dir zu schwer ist, so sage mir die Gesichte meines Traumes, den ich gesehen habe, und seine Deutung. 7 Was nun die Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager betrifft, so sah ich: Und siehe, ein Baum stand mitten auf der Erde, und seine Höhe war gewaltig. 8 Der Baum wurde groß und stark, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er wurde gesehen bis an das Ende der ganzen Erde; 9 sein Laub war schön und seine Frucht zahlreich, und es war Nahrung an ihm für alle; die Tiere des Feldes fanden Schatten unter ihm, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und alles Fleisch nährte sich von ihm. 10 Ich sah in den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager: Und siehe, ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel herab. 11 Er rief mit Macht und sprach so: Haut den Baum um und schneidet seine Zweige weg; streift sein Laub ab und streut seine Frucht umher! Die Tiere unter ihm sollen wegfliehen und die Vögel aus seinen Zweigen! 12 Doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln aus Eisen und Kupfer, im Gras des Feldes; und vom Tau des Himmels werde er benetzt, und mit den Tieren habe er teil am Kraut der Erde. 13 Sein menschliches Herz werde verwandelt und das Herz eines Tieres werde ihm gegeben; und sieben Zeiten sollen über ihm vergehen. 14 Durch Beschluss der Wächter ist dieser Ausspruch, und ein Befehl der Heiligen ist diese Sache, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber bestellt. 15 Diesen Traum habe ich, der König Nebukadnezar, gesehen; und du, Beltsazar, sage seine Deutung, da alle Weisen meines Königreichs mir die Deutung nicht kundzutun vermögen; du aber vermagst es, weil der Geist der heiligen Götter in dir ist. 

Der König beginnt sein Gespräch mit Daniel, indem er ihm versichert, dass er sich der Weisheit und der Fähigkeiten, die Daniel hat, vollkommen bewusst ist, obwohl der König sie falschen Göttern zuschreibt. Dann erzählt er Daniel den Traum und beschreibt zuerst die Vision des Baumes (Dan 4,7-9); dann das Fällen des Baumes (Dan 4,10-13); und zuletzt den großen Zweck der Fällung des Baumes (Dan 4,14). Er schließt seine Ansprache an Daniel, indem er zugibt, dass all die Weisen seines Königreiches nicht fähig sind, ihm den Traum zu deuten; „du aber vermagst es“, weiß der König.

Vers 16

Dan 4,16: Da entsetzte sich Daniel, dessen Name Beltsazar ist, eine Zeit lang, und seine Gedanken ängstigten ihn. Der König hob an und sprach: Beltsazar, der Traum und seine Deutung ängstige dich nicht. Beltsazar antwortete und sprach: Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Deutung deinen Feinden! 

Bevor wir die Deutung des Traums hören, erfahren wir die Wirkung, die dieser auf Daniel hatte. Er war ein Gefangener in einem fremden Land unter dem Joch eines fremden Königs; aber es machte Daniel kein Vergnügen, zu wissen, dass Gericht und Unheil über den König kommen würden. Also blieb er eine Zeitlang still, und seine Gedanken beunruhigten ihn. Erst als der König ihn beruhigte, sagte Daniel ihm schließlich die Deutung des Traumes.

Verse 17-19

Dan 4,17-19: 17 Der Baum, den du gesehen hast, der groß und stark wurde und dessen Höhe an den Himmel reichte und der über die ganze Erde hin gesehen wurde, 18 und dessen Laub schön und dessen Frucht zahlreich ist und an dem Nahrung war für alle, unter dem die Tiere des Feldes wohnten und in dessen Zweigen die Vögel des Himmels sich aufhielten: 19 Das bist du, o König, der du groß und stark geworden bist; und deine Größe wuchs und reichte bis an den Himmel und deine Herrschaft bis ans Ende der Erde. 

Der Baum, der so beeindruckend auf der ganzen Erde zu sehen war und der allen Lebewesen Unterschlupf bot, war ein Symbol für den König selbst.

Verse 20-23

Dan 4,20-23: 20 Und dass der König einen Wächter und Heiligen vom Himmel herabsteigen sah, der sprach: „Haut den Baum um und verderbt ihn! Doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in Fesseln aus Eisen und Kupfer, im Gras des Feldes; und vom Tau des Himmels werde er benetzt, und er habe sein Teil mit den Tieren des Feldes, bis sieben Zeiten über ihm vergehen“ – 21 dies ist die Deutung, o König, und dies der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König kommen wird: 22 Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein; und man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern und dich vom Tau des Himmels benetzt werden lassen; und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will. 23 Und dass man gesagt hat, den Wurzelstock des Baumes zu lassen: Dein Königtum wird dir wieder zuteilwerden, sobald du erkannt haben wirst, dass die Himmel herrschen. 

Es folgt die Deutung der Fällung des Baumes. Der König erfährt in klaren Worten, dass der Traum vorankündigt, dass er von den Menschen verstoßen werden und für einen Zeitraum von sieben Jahren mit den Tieren des Feldes zusammenleben wird, bis der König die Herrschaft des Höchsten über das Königtum der Menschen anerkennt. Nichtsdestoweniger bleibt sein Königreich, obwohl er seine königliche Würde und Stellung verlieren wird, ihm erhalten. Der Wurzelstock des Baumes wird übriggelassen werden, auch wenn der Baum eine Zeitlang aus den Augen der Menschen verschwinden wird.

Vers 24

Dan 4,24: Darum, o König, lass dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Ungerechtigkeiten durch Barmherzigkeit gegen Elende, wenn dein Friede Dauer haben soll. 

Schließlich beendet Daniel die Unterredung mit einem kühnen Appell an den König, durch Gerechtigkeit mit seinen Sünden zu brechen und seine Unterdrückung der Armen zu beenden. Dies ist in der Tat ein gewagtes Zeugnis für einen jüdischen Gefangenen, um es vor dem größten Potentaten der Welt abzulegen. Es deutet sicherlich darauf hin, dass Gott während der Zeiten dieser heidnischen Mächte einen treuen Zeugen für sich auf der Erde haben wird. Es wird einen gottesfürchtigen Überrest geben, der sich durch Abhängigkeit von Gott und Weisheit vor den Menschen auszeichnet, wie wir in Daniel 2 gesehen haben; durch Hingabe an Gott und Macht vor den Menschen, wie in Daniel 3 zu sehen; und durch ein treues Zeugnis für Gott, wie in diesem Kapitel zu sehen ist.

Verse 25-27

Dan 4,25-27: 25 Dies alles kam über den König Nebukadnezar. 26 Nach Verlauf von zwölf Monaten ging er auf dem königlichen Palast in Babel umher; 27 und der König hob an und sprach: Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit? 

Nun folgt der Bericht von der Erfüllung des Traumes. Der angedrohte Schlag wird für zwölf Monate ausgesetzt. Zwischen der Ankündigung des Gerichts und seiner Vollziehung wird Zeit zur Umkehr eingeräumt. Wird der König von dieser Barmherzigkeit Gebrauch machen und sich vor Gott demütigen? Leider nein, am Ende der zwölf Monate ist der Stolz des Königs so groß wie eh und je. Er geht in seinem Palast auf und ab und sagt: „Ist das nicht das große Babel, das ich durch die Stärke meiner Macht und zur Ehre meiner Herrlichkeit zum königlichen Wohnsitz erbaut habe?“ In all diesem stolzen Gerede gibt es keine Anerkennung Gottes. Als der König die große Stadt Babylon betrachtet, behauptet er, dass er sie zur Etablierung seiner königlichen Linie gebaut hat. Er behauptet, dass alles durch seine Macht und zu seiner Herrlichkeit gemacht wurde.

Verse 28-30

Dan 4,28-30: 28 Noch war das Wort im Mund des Königs, da kam eine Stimme vom Himmel herab: Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt: Das Königtum ist von dir gewichen! 29 Und man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein, und man wird dir Kraut zu essen geben wie den Rindern; und es werden sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennst, dass der Höchste über das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht, wem er will. 30 In demselben Augenblick wurde das Wort über Nebukadnezar vollzogen; und er wurde von den Menschen ausgestoßen, und er aß Kraut wie die Rinder, und sein Leib wurde benetzt vom Tau des Himmels, bis sein Haar wuchs wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen. 

Dieser prahlerische Stolz des Königs trotz der ernsten Warnungen beweist, dass die Zeit reif ist für das Gericht. Noch während das Wort in des Königs Mund ist, kommt eine Stimme vom Himmel, die ihm verkündet, dass das vorhergesagte Gericht nun vollzogen wird. Und so lesen wir: „Im gleichen Augenblick wurde das Wort erfüllt.“ Nebukadnezar wird aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen und wird wie ein Tier des Feldes.

Es mag sein, dass dieses Gericht die Form des Wahnsinns annahm; aber dennoch dürfen wir an dem Fall des Königs seinen direkten Zusammenhang mit der Hand Gottes sehen. Gott hatte Nebukadnezar „Königreich, Macht, Gewalt und Ehre gegeben“ (Dan 2,37). Aber trotz Gottes Gaben und der eindrucksvollen Art, in der Gott sich bezeugt hatte, war Gott vergessen worden. Der König, der auf der Höhe seines Wohlstandes in Ruhe in seinem Palast lebt, schreibt alle seine Macht und Herrlichkeit sich selbst zu und nutzt seine erhabene Stellung zur Selbsterhöhung. Nie war solch großer Wohlstand mit solchem Stolz verbunden. Dennoch hatte Gott ihm eine Warnung und Raum zur Umkehr gegeben, aber alles vergeblich. Das Gericht muss seinen Lauf nehmen, und der König wird wie ein Tier. Jemand formulierte es folgendermaßen: „Er macht sich selbst zum Mittelpunkt anstelle Gottes. Er wird zum Tier und verliert vollends seinen Verstand. Ein Tier kann gewaltig sein, groß, stärker als der Mensch und auf seine Art viel Klugheit an den Tag legen, aber sein Blick ist nach unten gerichtet; es gibt in ihm keine Regung des Gewissens und folglich keine echte Beziehung zu Gott.“

In all diesen Begebenheiten haben wir die üble Entwicklung dieser heidnischen Mächte aufgezeigt. Sie werden sich selbst über Gott erheben, Gott ignorieren, ihren Wohlstand ihren eigenen Bemühungen zuschreiben und so viehisch werden und schließlich das Gericht auf sich laden.

Sieben Zeiten vergehen, und dann wird Gott bekannt. Sieben Zeiten stehen für eine vollständige Zeitperiode und decken prophetisch die gesamte Zeitperiode der heidnischen Herrschaft ab. Einen ähnlichen Gebrauch der Zahl Sieben finden wir in Verbindung mit den Sendschreiben an die sieben Gemeinden in Offenbarung 2 und 3, wo sieben Ortsgemeinden ausgewählt sind, um die vollständige Zeitperiode der Geschichte der bekennenden (oder sich nur als solche bezeichnenden) Gemeinde auf Erden abzudecken. Während der Zeitperiode der heidnischen Macht wird die Herrschaft über die Welt ohne Bezug zu Gott ausgeübt und daher ohne jegliches Verstehen seiner Gedanken. Am Ende dieser Zeitperiode, nachdem das Gericht sein Werk getan hat, wird Gott von allen Völkern bekannt werden.

Verse 31.32

Dan 4,31.32: 31 Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder; und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt. 32 Und alle Bewohner der Erde werden wie nichts geachtet, und nach seinem Willen tut er mit dem Heer des Himmels und mit den Bewohnern der Erde; und da ist niemand, der seiner Hand wehren und zu ihm sagen könnte: Was tust du? 

Die Betrachtung seiner selbst, seiner Macht und seiner Herrlichkeit hatte den König dazu geführt, wie ein Tier zu werden, dessen Blick nach unten gerichtet ist; aber am Ende der Tage erhob er seine Augen zum Himmel, und sogleich kehrte sein Verstand zurück. Nun, da sein Verstand wiederhergestellt ist, preist und lobt er den Höchsten. Dann denkt er an die Menschen und anerkennt, dass, im Vergleich zu Gott, alle Bewohner der Erde – die bedeutendsten Könige genauso wie die niedrigsten Untertanen – wie nichts sind. Der Mann, der dachte, er wäre alles, entdeckt, dass er nichts ist – eine heilsame Lektion, die wir alle lernen sollten. Überdies erkennt er die Souveränität Gottes an und dass Gott nicht nur dem Heer im Himmel gegenüber souverän ist, sondern auch den Bewohnern der Erde gegenüber. Niemand kann seiner Hand wehren oder sein Tun in Frage stellen.

Verse 33.34

Dan 4,33.34: 33 Zur selben Zeit kam mir mein Verstand wieder, und zur Ehre meines Königtums kamen meine Herrlichkeit und mein Glanz mir wieder; und meine Räte und meine Gewaltigen suchten mich auf, und ich wurde wieder in mein Königtum eingesetzt, und ausnehmende Größe wurde mir hinzugefügt. 34 Nun rühme ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König des Himmels, dessen Werke allesamt Wahrheit und dessen Wege Recht sind, und der die zu erniedrigen vermag, die in Stolz einhergehen.

Auf seine Unterwerfung Gott gegenüber hin kehrt der Verstand des Königs zurück, und er wird wieder in sein Königtum eingesetzt. So werden in den Tagen, die noch kommen müssen, nach dem Gericht über die lebenden Völker, die Heiden unter der Herrschaft Christi in Segen eingesetzt werden.

Nebukadnezar wird dazu gebracht, persönlich den König des Himmels zu preisen und zu ehren. Zuvor hatte er anerkannt, dass Daniels Gott ein Gott der Götter und der Herr der Könige war; später hatte er ein Gebot erlassen, dass niemand ein Wort gegen Gott sagen durfte, aber nun endlich wendet er sich selbst Gott zu und preist Ihn. Nun sagt er: „Wer stolz ist, den kann er demütigen.“ Er spricht nicht länger darüber, Leute in Stücke hauen zu lassen und ihre Häuser zu Schutthaufen machen zu lassen, wenn sie den Gott des Himmels nicht preisen und loben. Er wird sich nicht mehr in Gottes Domäne eindrängen, denn Gott selbst weiß die Stolzen zu demütigen. Er sagt nicht länger anderen, was sie zu tun haben, sondern er bekennt, was er selbst tut. Er sagt: „Nun rühme ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König des Himmels, dessen Werke allesamt Wahrheit und dessen Wege Recht sind, und der die zu erniedrigen vermag, die in Stolz einhergehen.“

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Aus The Book of Daniel: An Expository Outline, 1936

Übersetzung: S. Bauer


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