Das Buch Daniel (3)
Kapitel 3

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 23.02.2011, aktualisiert: 24.05.2019

Leitverse: Daniel 3

Götzenverehrung

Im zweiten Kapitel haben wir gesehen, dass Gott die Herrschergewalt in imperialer Ausprägung der Verantwortung der Heiden übergeben hat. Des Weiteren haben wir einen prophetischen Überblick über die vier großen Weltreiche bekommen, die diese Gewalt während der Zeiten der Nationen ausüben werden.

In den nun folgenden Kapiteln 3 bis 6 haben wir die Aufzeichnung einer Folge von historischen Begebenheiten, die zweifellos dazu bestimmt sind, den Charakter und das Verhalten dieser aufeinanderfolgenden heidnischen Weltreiche zu beschreiben. Wir werden erfahren, dass nun, da die Verantwortung für die Herrschaft in ihre Hände gelegt worden ist, sie es versäumen, diese Herrschaft in Abhängigkeit von Gott auszuüben, und so in ihrer Verantwortung auf ganzer Linie scheitern, und zwar von Beginn an.

Diese Begebenheiten zeigen deutlich, dass die hervorstechenden Merkmale dieses Versagens bei der Herrschaft die folgenden sein werden: Götzenverehrung, bzw. das Hinweggehen über die Rechte Gottes (Dan 3); die Erhöhung des Menschen (Dan 4); Gottlosigkeit (Dan 5) und schließlich Abfall vom Glauben (Dan 6). Wir werden also gewarnt, dass die Zeiten, in denen wir leben, in äußerster Schlechtigkeit enden werden, indem der Mensch sich über Gott erhebt und versucht, Gott auf der Erde zu ersetzen.

Die goldene Statue

Vers 1

Dan 3,1: Der König Nebukadnezar machte ein Bild aus Gold: seine Höhe sechzig Ellen, seine Breite sechs Ellen; er richtete es auf in der Ebene Dura, in der Landschaft Babel.

Nebukadnezar, der König, dem Gott die Herrschaft über die Welt anvertraut hatte, stellte in der Ebene Dura eine goldene Statue auf, die sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit war. Möglicherweise hatte das Standbild in seinem Traum den König zum Aufstellen dieser abgöttischen Statue angeregt. Wenn das so war, zeigt das nur, dass das, was Gott gibt, für unsere eigenen Zwecke herabgewürdigt wird, wenn wir es nicht in Gemeinschaft mit Gott festhalten.

Hier entdecken wir die Wurzel des menschlichen Versagens bei der Verantwortung, über die Welt zu herrschen. Die große dem Menschen anvertraute Macht wird sofort für die Zurschaustellung eines höchst riesenhaften Ausbruchs von Götzenverehrung prostituiert. Der Mensch nutzt die ihm verliehene Macht, um über die Rechte Gottes hinwegzugehen – dessen, der ihm diese Macht gegeben hat. Dies ist also das erste Merkmal der Zeiten der Nationen und die Wurzel alles folgenden Versagens.

Statt seine Macht in Abhängigkeit von Gott auszuüben, setzt sich Nebukadnezar über die Rechte Gottes hinweg und versucht, sein Weltreich durch eine selbst ausgedachte Maßnahme zu festigen. Da ihm die Herrschaft über die gesamte bewohnbare Welt gegeben worden war, setzte sich sein Weltreich notwendigerweise aus vielen Völkern zusammen, die viele unterschiedliche Sprachen sprachen und verschiedene Ziele und Interessen hatten. Daraus folgt, dass der König vor dem Problem stand, die Einheit in diesem heterogenen Weltreich zu erhalten.

Die Geschichte und die Erfahrung lehren, dass Völker und Familien nichts so sehr entzweit und zerschlägt wie unterschiedliche Religionen. Andererseits wird Völker nichts so kraftvoll miteinander verschweißen wie eine Einheit der Religion, sei diese falsch oder wahr. Religiöse Einheit bewältigt einen Großteil der Aufgabe, politische Einheit zu schaffen. Mit diesem Ziel nutzt Nebukadnezar seine große Macht, um allen Völkern unter Todesstrafe für diejenigen, die sich nicht fügen, eine Staatsreligion aufzuzwingen.

Eine Staatsreligion muss vor allem anderem eine solche sein, die dem natürlichen Menschen gelegen kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, muss sie extrem einfach sein, sinnfällig, intellektuell nicht allzu anspruchsvoll, und sie darf das Gewissen nicht berühren. Sie darf wenig Zeit beanspruchen und kein besonderes Opfer an Geld oder Gütern erfordern. All diese Voraussetzungen erfüllte die Staatsreligion, die Nebukadnezar ersann, vortrefflich.

Der Gräuel gegen die Rechte Gottes 

Verse 2.3

Dan 3,2.3: 2 Und der König Nebukadnezar sandte aus, um die Satrapen, die Befehlshaber und die Statthalter, die Oberrichter, die Schatzmeister, die Gesetzeskundigen, die Rechtsgelehrten und alle Oberbeamten der Landschaften zu versammeln, damit sie zur Einweihung des Bildes kämen, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hatte. 3 Da versammelten sich die Satrapen, die Befehlshaber und die Statthalter, die Oberrichter, die Schatzmeister, die Gesetzeskundigen, die Rechtsgelehrten und alle Oberbeamten der Landschaften zur Einweihung des Bildes, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hatte; und sie standen vor dem Bild, das Nebukadnezar aufgerichtet hatte. 

Nachdem er seine Statue aufgestellt hat, versammelt der König die politischen Führer seines Königreiches, die Fürsten, die Heerführer, die Richter, die Schatzmeister, die Räte; sie alle müssen bei der Weihe der Statue anwesend sein.

Verse 4-7

Dan 3,4-7: 4 Und der Herold rief mit Macht: Euch wird befohlen, ihr Völker, Völkerschaften und Sprachen: 5 Sobald ihr den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute, der Sackpfeife und aller Art von Musik hören werdet, sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hat. 6 Und wer nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den brennenden Feuerofen geworfen werden. 7 Darum, sobald alle Völker den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute und aller Art von Musik hörten, fielen alle Völker, Völkerschaften und Sprachen nieder und beteten das goldene Bild an, das der König Nebukadnezar aufgerichtet hatte.

Dann ruft ein Herold den Befehl aus, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt zu Musikbegleitung, die die Sinne anspricht, jeder niederfallen und die Statue anbeten soll. Wer diesem Befehl zuwiderhandelt, fällt einem sofortigen und schrecklichen Tod anheim: „Der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden.“

Vom menschlichen Standpunkt aus war dies eine sehr einfache Religion. Alles, was sie verlangte, war eine einfache Handlung des Niederfallens vor einer Statue, und damit war die Sache erledigt. Solch eine Religion passte vortrefflich zu der gefallenen Natur des Menschen – eine prächtige Statue, ansprechend für das Auge, schöne Musik, um das Ohr zu bezaubern, eine einzige religiöse Handlung: das Niederwerfen, das nach einem Augenblick vorbei war und keine Ansprüche an den Geldbeutel stellte und keine Frage nach Sünden aufwarf, die dem Gewissen unangenehm sein könnte. Die drastischen Strafen, mit denen das Nichtbefolgen belegt war, würden den natürlichen Menschen kaum beunruhigen, der sehr schnell dazu bereit sein würde, einem Erlass zu gehorchen, der solche geringen Ansprüche stellte. Zur festgelegten Zeit also „fielen nieder alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen und beteten an das goldene Bild, das der König Nebukadnezar hatte aufrichten lassen“.

Im Lichte des wahren Gottes betrachtet, war der Befehl des Königs ein Ausbruch ekelhafter und rasender Götzenverehrung. Niemals zuvor hatte der Mensch solch ein Zwangsgötzenbild aufgestellt; niemals zuvor war allen Völkern auf der Erde befohlen worden, sich unter grausamer Todesstrafe vor einem Götzenbild zu verneigen. Es war die völlige Leugnung, das äußerste Hinweggehen über die Rechte Gottes. So ist leider der Mensch: Von Gott in eine Stellung der absoluten Macht über die ganze Welt eingesetzt, nutzt er diese Macht sofort, um Gott zu leugnen.

Das menschliche Gewissen ignoriert

Verse 8-12

Dan 3,8-12: 8 Deswegen traten zur selben Zeit chaldäische Männer herzu, die die Juden anzeigten. 9 Sie hoben an und sprachen zum König Nebukadnezar: O König, lebe ewig! 10 Du, o König, hast den Befehl gegeben, dass jedermann, der den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute und der Sackpfeife und aller Art von Musik hört, niederfallen und das goldene Bild anbeten solle; 11 und wer nicht niederfällt und anbetet, der solle in den brennenden Feuerofen geworfen werden. 12 Nun sind jüdische Männer da, die du über die Verwaltung der Landschaft Babel bestellt hast: Sadrach, Mesach und Abednego; diese Männer, o König, achten nicht auf dich. Deinen Göttern dienen sie nicht, und das goldene Bild, das du aufgerichtet hast, beten sie nicht an.

Die Statue und ihre Weihe setzen sich nicht nur über die Rechte Gottes hinweg, sondern trampeln auch auf dem Gewissen der Menschen herum. Mit seinem Götzenverehrungsbefehl hatte der König die Grenzen seiner eigenen rechtmäßigen Autorität überschritten und war in Gottes Domäne eingedrungen. Dies bringt gottesfürchtige Leute an die vorderste Front, die ungeachtet der Konsequenzen Gott mehr gehorchen wollen als den Menschen. Es finden sich gewisse Juden, die zwar bereit sind, dem König in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich zu gehorchen, sich aber standhaft weigern, dies zu tun, wenn er sich die Rechte Gottes anmaßt.

Die Feinde dieser gottesfürchtigen Männer sind hocherfreut, eine Gelegenheit zu finden, sie vor dem König zu diskreditieren; sie nähern sich Nebukadnezar mit Schmeicheleien und erinnern den König an seinen Befehl und an die Strafe, die er für Ungehorsam verhängt hat. Dann informieren sie den König, dass drei führende Männer den König und seine Götter missachtet und sich geweigert haben, die Statue anzubeten. Sie erinnern den König daran, dass er selbst diese Männer in die hohe Stellung, die sie innehaben, eingesetzt hat, was sie ihm nun auf diese Weise vergelten. Sie reiten darauf herum, dass die Verweigerer nicht der breiten Masse angehören, sondern die Hauptprovinzen verwalten – eine Tatsache, die ihr Vergehen in den Augen des Königs vergrößern dürfte.

Verfolgung für Verweigerung

Verse 13-15

Dan 3,13-15: 13 Da befahl Nebukadnezar im Zorn und Grimm, Sadrach, Mesach und Abednego herbeizubringen. Da wurden diese Männer vor den König gebracht. 14 Nebukadnezar hob an und sprach zu ihnen: Ist es Absicht, Sadrach, Mesach und Abednego, dass ihr meinen Göttern nicht dient und das goldene Bild nicht anbetet, das ich aufgerichtet habe? 15 Nun, wenn ihr bereit seid, zur Zeit, wenn ihr den Klang des Horns, der Pfeife, der Zither, der Sambuke, der Laute und der Sackpfeife und aller Art von Musik hört, niederzufallen und das Bild anzubeten, das ich gemacht habe - wenn ihr es aber nicht anbetet, sollt ihr sofort in den brennenden Feuerofen geworfen werden; und wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand erretten. 

Die Eifersucht und der Hass der Chaldäer tun ihr böses Werk. Der König, der feststellt, dass sein königlicher Wille von Männern missachtet worden ist, die er in hohe Machtpositionen eingesetzt hat, befiehlt umgehend, dass diese Männer vor ihn gebracht werden sollen. In der Annahme, dass der Bericht über sie wahr ist, gibt er ihnen eine weitere Gelegenheit, zu gehorchen; in diesem Falle wäre alles in Ordnung. Wenn sie sich weigern, werden sie sofort dem glühenden Ofen überantwortet werden. „Lasst sehen“, so schließt er, „wer der Gott ist, der euch aus meiner Hand erretten könnte!“

Nun ist der König noch einen Schritt weiter in die Sündhaftigkeit gegangen. Mit dem Aufstellen der Statue hatte er sich bereits über die Rechte Gottes hinweggesetzt, dem allein Anbetung gebührt; aber jetzt bietet er Gott offen die Stirn. So maßt er sich Allmacht an. Wenn der Mensch das tut, lässt seine Niederlage nicht lang auf sich warten, denn nun findet die Auseinandersetzung nicht länger zwischen diesen jüdischen Gefangenen und dem irdischen König der Könige statt, sondern zwischen Nebukadnezar und dem Gott der Götter. Der König hatte offenkundig grenzenloses Selbstvertrauen und schätzte Gott genauso ein, wie er über seine eigenen Götter dachte, die er mit geringem Respekt behandelte, sonst hätte er sich gewiss einer gemäßigteren Sprache bedient.

Vers 16

Dan 3,16: Sadrach, Mesach und Abednego antworteten und sprachen zum König: Nebukadnezar, wir halten es nicht für nötig, dir ein Wort darauf zu erwidern. 

Die drei Juden erkennen, dass dies der Kampf des Herrn ist, und bleiben in Gegenwart des wütenden Königs völlig ruhig. Ihr Glaube an Gott befähigt sie, zu dem König zu sagen: „Wir halten es nicht für nötig, die ein Wort darauf zu erwidern.“ Ihnen ist die Sachlage klar und sie duldet keinen Kompromiss. Der natürliche Mensch könnte sagen: „Es ist nur eine Kleinigkeit, die der König verlangt; man muss sich nur einmal vor dieser Statue verneigen, und das Ganze ist in einem Augenblick vorbei, und dann ist man frei; man muss sich nicht in seinem Herzen verneigen. Es ist nur eine Formalie, einfach eine Frage des Gehorsams gegenüber dem König.“ Aber der Glaube argumentiert nicht so; der Glaube gehorcht Gott und erkennt deutlich, dass es sich hier um eine Wahl zwischen Gott und dem König handelt. Damit ist die Sache entschieden; und so geben sie, ohne sich miteinander zu beratschlagen, ihre Antwort. In gewöhnlichen Staatsangelegenheiten, die die Geschäfte des Königs beträfen, wären sie zweifellos sehr sorgfältig. Aber dies ist die Angelegenheit Gottes, und daher ist bloße menschliche Vorsicht und Sorgfalt [vgl. die englische Übersetzung von Dan 3,16 (Anm. d. Übers.)] so nutzlos wie unnötig (Lk 12,11).

Verse 17.18

Dan 3,17.18: 17 Ob unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten vermag - und er wird uns aus deiner Hand, o König, erretten – 18 oder ob nicht, es sei dir kund, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, das du aufgerichtet hast, nicht anbeten werden. 

Die Eröffnungsworte ihrer Antwort – „Unser Gott, dem wir dienen“ – lüften das Geheimnis ihrer Zuversicht: Sie kennen Gott und können sagen „unser Gott“. Eine wahre Erkenntnis Gottes ist das Geheimnis der Macht vor Menschen. Darüber hinaus – gleichgültig, wie hoch die Stellung ist, die sie vor den Menschen innehaben – ist es Gott, dem sie dienen. Der König hatte Gott die Stirn geboten, indem er sagte: „Wer ist der Gott, der euch aus meiner Hand erretten könnte?“ Voller Ruhe nehmen diese treuen, gläubigen Männer diese Herausforderung an, und mit der Zuversicht des Glaubens sagen sie „Unser Gott … vermag uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten“, und weiter: „und er wird uns aus deiner Hand, o König, erretten.“

Wenn Gott jedoch zulässt, dass sie einen Märtyrertod erleiden, sind sie bereit, die feurige Qual als Gottes Methode, sie von dem König zu erlösen, lieber anzunehmen, als Gott ungehorsam zu sein. Für sie ist es einfach eine Frage des Gehorsams Gott oder einem Menschen gegenüber. Dies ist noch immer die eigentliche Frage, die sich dem Christen den Herrschern der Welt gegenüber stellt. Gehorsam gegenüber den bestehenden Mächten und Ordnungen ist die klare Anweisung des Wortes Gottes für sein Volk (Röm 13,1; Tit 3,1; 1Pet 2,13-17). Es steht uns nicht an, Fragen darüber aufzuwerfen, was diese Obrigkeit ausmacht, oder Fragen nach dem Charakter desjenigen, der die Macht ausübt, zu stellen; unsere Aufgabe ist es, zu gehorchen. Aber wenn der Wille des Menschen mit dem Wort Gottes aneinander gerät und versucht, unserem Gewissen diesen Willen aufzuzwingen, müssen wir Gott gehorchen, und nicht dem Menschen (s. Apg 4,19).

Verse 19-23

Dan 3,19-23: 19 Da wurde Nebukadnezar von Grimm erfüllt, und das Aussehen seines Angesichts veränderte sich gegen Sadrach, Mesach und Abednego. Er hob an und befahl, den Ofen siebenmal mehr zu heizen, als zur Heizung nötig war. 20 Und er befahl Männern, den stärksten Männern in seinem Heer, Sadrach, Mesach und Abednego zu binden, um sie in den brennenden Feuerofen zu werfen. 21 Da wurden diese Männer in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und ihren übrigen Kleidern gebunden und in den brennenden Feuerofen geworfen. 22 Darum, weil das Wort des Königs streng und der Ofen außergewöhnlich geheizt war, tötete die Flamme des Feuers jene Männer, die Sadrach, Mesach und Abednego hinaufbrachten. 23 Und diese drei Männer, Sadrach, Mesach und Abednego, fielen gebunden in den brennenden Feuerofen.

Das Vertrauen dieser Männer auf Gott ist außerordentlich schön, aber es führt nicht dazu, wie wir erwarten könnten, dass sie von der angedrohten Strafe verschont bleiben. Ihr Glaube wird ohne irgendein offenkundiges Einschreiten Gottes auf die Probe gestellt. Der König darf seinen bösen Willen ausführen. Bei der Gewissensfrage haben sie dem König eisern widerstanden; nun, da es um ihre Körper geht, leisten sie keinen Widerstand. Sie handeln im Geiste der Worte des Herrn zu seinen Jüngern, als Er sagte: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter zu tun vermögen“ (Lk 12,4).

Dass drei gefangene Juden sich seinem Willen widersetzen, erfüllt den König mit Wut. Er befiehlt seinen Dienern umgehend, den Ofen siebenmal stärker zu heizen als üblich. Dann befiehlt er den stärksten Männern seines Heeres, die drei Gefangenen zu fesseln und sie in den glühenden Ofen zu werfen. Doch im Endeffekt vergrößert die Wut des Königs nur seine Niederlage. Er muss erfahren, dass sein Ofen zwar seine eigenen starken Männer verbrennen, aber den Dienern Gottes nicht schaden kann, wenn Gott zu ihren Gunsten handelt, auch wenn der Ofen siebenfach geheizt ist.

Errettung für die Gläubigen

Verse 24.25

Dan 3,24.25: 24 Da erschrak der König Nebukadnezar, und er stand schnell auf, hob an und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden ins Feuer geworfen? Sie antworteten und sprachen zum König: Gewiss, o König! 25 Er antwortete und sprach: Siehe, ich sehe vier Männer frei umhergehen mitten im Feuer, und keine Verletzung ist an ihnen; und das Aussehen des vierten gleicht einem Sohn der Götter. 

Die einzige Auswirkung des Ofens auf die drei Gefangenen ist, sie in die Gesellschaft des Sohnes Gottes zu bringen und sie von ihren Fesseln zu befreien. Dies ist – in unterschiedlichem Maße und mit anderen Mitteln – immer das Ergebnis von Verfolgung für diejenigen, die Glauben und Vertrauen auf Gott haben. Der Blindgeborene aus Johannes 9 ertrug zu seiner Zeit die Verfolgung durch die jüdischen Anführer, nur um sich, befreit von der Knechtung durch seine Landsmänner, in der Gesellschaft des Sohnes Gottes wiederzufinden.

Dies hat eine unmittelbare Wirkung auf den König. Er fährt auf und erklärt, dass er vier Männer sieht, die im Feuer umhergehen, und der vierte sehe aus, als wäre er ein Sohn der Götter. Dies war das wahre Geheimnis, warum die drei Gefangenen unversehrt im Feuer umhergehen konnten – sie waren in der Gesellschaft des Sohnes Gottes. Was können die Heiligen nicht tun, wenn Er bei ihnen ist? In seiner Gesellschaft können sie auf dem Wasser gehen (Mt 14), und in seiner Gesellschaft können sie inmitten eines Feuers umhergehen und so die Verheißung, die dem Propheten gegeben wurde, erfüllen: „Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir, … wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht verbrennen“ (Jes 43,2).

Verse 26.27

Dan 3,26.27: 26 Da trat Nebukadnezar an die Öffnung des brennenden Feuerofens, hob an und sprach: Sadrach, Mesach und Abednego, ihr Knechte des höchsten Gottes, geht heraus und kommt her! Da gingen Sadrach, Mesach und Abednego aus dem Feuer heraus. 27 Und die Satrapen, die Befehlshaber und die Statthalter und die Räte des Königs versammelten sich; sie sahen diese Männer, dass das Feuer keine Macht über ihre Leiber gehabt hatte: Das Haar ihres Hauptes war nicht versengt, und ihre Mäntel waren nicht verändert, und der Geruch des Feuers war nicht an sie gekommen. 

Der gedemütigte König erkennt nun an, dass diese drei Gefangenen Diener des höchsten Gottes sind, und ruft sie heraus. Die Fürsten, Würdenträger, Statthalter und Räte sind gezwungen, der Niederlage des großen Königs beizuwohnen, der den lebendigen Gott herausgefordert hatte, sowie der Durchkreuzung seines Plans, eine religiöse Einheit zu etablieren.

Verse 28-30

Dan 3,28-30: 28 Nebukadnezar hob an und sprach: Gepriesen sei der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die auf ihn vertrauten und das Wort des Königs übertraten und ihre Leiber hingaben, um keinem Gott zu dienen oder ihn anzubeten, als nur ihrem Gott! 29 Und von mir wird Befehl gegeben, dass jedes Volk, jede Völkerschaft und Sprache – wer Unrechtes spricht gegen den Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, in Stücke zerhauen werden soll und dass sein Haus zu einer Kotstätte gemacht werden soll; weil es keinen anderen Gott gibt, der auf solche Weise zu erretten vermag. 30 Darauf beförderte der König Sadrach, Mesach und Abednego in der Landschaft Babel.

Angesichts dieses großen Wunders muss der König das Eingreifen Gottes zu Gunsten derjenigen, „die auf ihn [Gott] vertrauten“, anerkennen. Er gibt zu, dass ihre Handlungen „das Wort des Königs übertraten“ [engl.: das Wort des Königs verändert haben; Anm. d. Übers.], und bezeugt, dass ihr Vertrauen auf Gott solcher Art war, dass sie „ihre Leiber hingaben, um keinem Gott zu dienen oder ihn anzubeten, als nur ihrem Gott!“

Der König erlässt daraufhin ein Dekret, dass niemand aus allen Völkern, Nationen oder Sprachen etwas Verächtliches über den Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos sagen darf, sonst werde er in Stücke gehauen, und sein Haus solle zu einem Misthaufen gemacht werden, weil, so gesteht der König ein, „es keinen anderen Gott gibt, der auf solche Weise zu erretten vermag“. Anscheinend dürfen alle Völker ihren eigenen Göttern dienen, aber sie dürfen nichts Verächtliches über den Gott dieser getreuen Männer sagen. So ist nicht nur der Plan des Königs, eine religiöse Einheit zu etablieren, gänzlich fehlgeschlagen, sondern die eifersüchtigen Intrigen der Feinde dieser Gefangenen sind zunichtegemacht worden, denn als deren Folge erhalten diese Gefangenen eine Beförderung in der Provinz Babel.

Solcher Art ist der historische Beginn der Zeiten der Nationen. In ihm werfen Szenen, die am Ende dieser Zeitperiode zur Aufführung kommen werden, ihre Schatten voraus. Die Geschichte wird sich selbst wiederholen, und diese Bemühung, eine götzendienerische religiöse Einheit zu etablieren, wird am Ende eine noch schrecklichere Ausprägung annehmen. Der Mensch ist ein religiöses Wesen, und wenn er seine Gefolgschaftstreue gegenüber dem wahren Gott abwirft, dann macht er sich einen falschen Gott. Und wenn er einen falschen Gott hat, hat er auch keine Einwände gegen eine Darstellung dieses Gottes, denn der natürliche Mensch muss etwas Sicht- und Fühlbares haben – etwas für die Augen und für die Sinne. Also wird Folgendes geschehen: Von dem Oberhaupt der letzten heidnischen Macht wird ein Bild gemacht werden, und es wird befohlen werden, dass alle, die das Bild nicht anbeten wollen, getötet werden. Die Zeiten der Nationen begannen mit Götzenverehrung und werden mit der schlimmsten Form der Götzenverehrung enden: der Verehrung eines Menschen als Gott (Off 13,11-18).

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Aus The Book of Daniel: An Expository Outline, 1936

Übersetzung: S. Bauer


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