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Kurzbiographie: William Kelly (1821-1906) - A. Remmers
      

 

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Kurzbiographie: William Kelly (1821-1906)
aus „Gedenket eurer Führer“
A. Remmers
© CSV    Zugriffe: 22249    seit: 17.01.2001  


 


William Kelly wurde im Mai 1821 in Millisle in der Grafschaft Down geboren. Seine Schul- und Universitätszeit verbrachte er in Downpatrick und an der Universität Dublin. Dort erwarb er hervorragende Kenntnisse der klassischen Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch. Er wurde protestantischer Geistlicher. Kurz nach seiner Abschlussprüfung kam er zur Bekehrung. Aber es fehlte ihm noch das Bewusstsein der wahren christlichen Befreiung. Bei seinem Aufenthalt auf der Insel Sark wies ihn dann eine gläubige Dame aus dem Hause Acland auf Kapitel 5,9-10 des ersten Johannesbriefes hin: „Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, das Zeugnis Gottes ist größer; denn dieses ist das Zeugnis Gottes, welches er gezeugt hat über seinen Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugnis in sich selbst.“ Dadurch gelangte er im Glauben zu dem festen Bewusstsein der Errettung und des Besitzes des ewigen Lebens. Noch viele Jahre später erwähnt er in seinem Buch Exposition of the Epistles of John (deutsche Ausgabe: Was von Anfang war, Heijkoop-Verlag, Schwelm) diese für ihn so bedeutungsvolle Tatsache. Von dieser Wahrheit ist er Zeit seines Lebens nie wieder abgewichen.

Im Alter von 24 Jahren traf er zum ersten Mal mit John Nelson Darby zusammen. Als er die von ihm verkündeten Lehren über die wahre Kirche Gottes und andere biblische Wahrheiten kennenlernte, begriff er sogleich, dass hier der Heilige Geist mächtig wirkte. Ausschlaggebend war dabei für ihn die Entdeckung, dass die Behauptung vieler Theologen, der „Acker“ sei die Kirche (vgl. Mt 13,24.36-38.44), falsch war. Das wurde für ihn der Schlüssel zur Wahrheit über die Kirche, und er machte sich in der darauffolgenden Zeit daran, eingehend die Heilige Schrift zu erforschen. Er erkannte im Glauben, dass er seine außergewöhnlichen Kenntnisse und Fähigkeiten ganz der Sache des Herrn Jesus Christus weihen sollte.

In den Jahren 1849 bis 1850 war er Herausgeber der Zeitschrift The Prospect (Der Ausblick). Darin veröffentlichte er eine Übersetzung der Offenbarung aus dem Griechischen, mit Anmerkungen über verschiedene Lesarten der Handschriften und Bemerkungen von allgemeinem Interesse. Im Juni des Jahres 1856 hatte ein gewisser Professor Wallace die Herausgabe einer Zeitschrift mit dem Titel The Bible Treasury (Schatzkammer der Bibel) begonnen. William Kelly übernahm die Aufgabe des Herausgebers im Januar 1857 und behielt diese bis zum Februar 1906, kurz vor seinem Heimgang, bei. Diese Monatsschrift ist eine wahre Schatzkammer von Auslegungen über alle Bücher der Bibel, von Beantwortungen biblischer Fragen, von ausführlichen Abhandlungen über geistliche Themen und von Artikeln ermunternden und ermahnenden Inhalts. Bekannte Brüder wie J.G. Bellett, J.N. Darby, J.G. Deck, W.W. Fereday, F.W. Grant, W.J. Hocking, A. Miller, F.G. Patterson, W. Trotter, G.V. Wigram und viele andere haben daran zum bleibenden Segen mitgewirkt. Ein verhältnismäßig großer Teil der Beiträge stammt aus der Feder von William Kelly selbst. Viele seiner Bücher und kleineren Schriften sind Nachdrucke von Artikeln in der Zeitschrift The Bible Treasury. Andere Bücher jedoch sind Mitschriften seiner Vorträge. Dazu gehören zum Beispiel die Introductory Lectures (je drei Bände über das Alte und das Neue Testament), die nicht in The Bible Treasury erschienen sind. William Kelly war ein begabter Redner, der sich eindrucksvoll und mit großer Leichtigkeit auszudrücken wusste. Nie kehrte er dabei seine große Gelehrsamkeit heraus, gab jedoch immer wohlbegründete Unterweisungen. Er hatte eine gewinnende, freundliche Art, die mit Zuvorkommenheit und einem feinen, reinen Humor verbunden war.

Es würde zu weit führen, auf die Vielzahl seiner Bücher, die ja fast alle in englischer Sprache noch erhältlich sind, im Einzelnen einzugehen. Sie sind von bleibendem Wert für alle, die ein Interesse an der Erforschung des kostbaren Wortes Gottes haben.

Besondere Hervorhebung verdient jedoch die Tatsache, dass William Kelly die weitverbreiteten und zum Teil verstreuten Schriften von John Nelson Darby gesammelt und in 34 Bänden (The Collected Writings of J.N. Darby) herausgegeben hat. Diese Aufgabe erforderte mehrjährige, mühevolle Arbeiten und Nachforschungen. Dadurch hat William Kelly der Versammlung Gottes einen wichtigen Dienst erwiesen, zu dem wohl wenige so befähigt waren wie er. Auch die fünf Bände der Synopsis of the Books of the Bible von J.N. Darby hat William Kelly aus dem Französischen ins Englische übersetzt. Er schätzte die Werke und den Dienst J.N. Darbys sehr hoch und bemühte sich, sie so weit wie möglich zu verbreiten. Ihrem Autor brachte er die höchste Achtung entgegen und sprach gerne mit Ehrfurcht und Liebe von ihm, obwohl die Gemeinschaft mit ihm nach einer herzlichen und glücklichen Zusammenarbeit von über 35 Jahren durch die entstandenen Verhältnisse unterbrochen wurde. Bis zum Ende pflegte er jedoch jedem, der sich für die göttliche Wahrheit interessierte, zu sagen: „Lies Darby!“

William Kelly arbeitete auch mit Eifer am Evangelium, und zwar sowohl mündlich als auch schriftlich. Viele seiner kurzen evangelistischen Abhandlungen in The Bible Treasury waren Traktate für Ungläubige. Eine seiner letzten Tätigkeiten war die Auswahl spezieller christlicher Literatur für China und Japan.

Nach seinem Austritt aus der Staatskirche im Jahre 1841, als er außerhalb des Lagers ging, um die Schmach Christi zu tragen, wandelte er fest und treu auf dem Wege der Nachfolge seines Herrn. Er trat unermüdlich für die Einheit des Leibes, die Einheit des Geistes und die Absonderung zu dem Namen des Herrn Jesus Christus sowie für die Erwartung Seiner Wiederkunft ein. In allen Schwierigkeiten, die sich auch unter den Brüdern auf taten, nahm er eine Stellung ein, in der er klar, logisch und schriftgemäß seinen Standpunkt verdeutlichte, wobei er immer an den Grundsätzen Gottes festhielt. Er verurteilte unschriftgemäße Abweichungen bei den Brüdern ebenso scharf wie bei allen anderen. Er vermochte zu warnen und zu helfen, zu tadeln und zu ermuntern. Kurz vor seinem Heimgang schrieb er an einen Bekannten: „Wie geringfügig sind unsere Trübsale — nicht nur im Vergleich zu den Leiden dessen, der litt wie kein anderer —, sondern auch im Vergleich zu denen des Apostels Paulus, der ein Mensch mit gleichen Gemütsbewegungen war wie wir! Was musste er erdulden von Seiten der Juden, der Nationen und der Versammlung Gottes!"

Nach dem Tod seiner ersten Gattin im Jahre 1884 heiratete er eine Schwester Gipps aus Herford, eine sehr geistliche und begabte Frau, die ihrem Gatten bei seinen besonderen Aufgaben sehr behilflich war. Sie war gleich ihm eine hervorragende Sprachkennerin mit großem Wissen. Von einer Übersetzung der Psalmen ins Englische konnte sie fast die Hälfte fertigstellen, den Rest ergänzte William Kelly selbst.

William Kelly besaß eine Bibliothek von 15 000 Bänden. Sie enthielt die großen Kodex-Handschriften des Neuen Testaments (manche als Faksimile-Ausgaben), mehrsprachige Bibelausgaben, die sogenannten Polyglotten, die Werke der Kirchenväter und der großen Theologen sowie viele Bände über Wissenschaft, Philosophie und Geschichte, speziell die Kirchengeschichte. Viele seltene theologische Werke waren in seinem Besitz. William Kelly wollte diese reichhaltige Büchersammlung gerne anderen am Worte Gottes Interessierten erhalten wissen und entschied zwei Jahre vor seinem Heimgang, dass sie als anonyme Spende nach Middlesborough in Yorkshire überbracht werden sollte. Aber die große Londoner Zeitung The Times brachte es fertig, den Namen des Spenders herauszufinden und kurz nach seinem Tod zu veröffentlichen.

Viel Zeit widmete William Kelly auch dem Briefwechsel mit Menschen hohen und niedrigen Standes. Mit seiner winzigen, aber gut lesbaren Handschrift erteilte er klare Belehrungen, zuverlässige Auskünfte und geistlichen Rat und Trost. Auch auf diesem Gebiet war er bemüht, im Dienst für den Herrn das Beste zu geben. Viele angesehene Männer seiner Zeit bewunderten und schätzten ihn. Zu der in den Jahren 1870 bis 1881 erfolgten Revision der bekannten „Authorized Version“ der englischen Bibel versuchte man, William Kelly als gelehrten Fachmann zur Mitarbeit zu bewegen. Er lehnte diese ehrenvolle Arbeit jedoch ab, da er mit der Zusammensetzung des Komitees, in dem sich auch liberale Theologen befanden, nicht einverstanden war. Das Ergebnis der Revision des Neuen Testamentes hat er ab 1881 in seiner Zeitschrift The Bible Treasury einer kritischen Prüfung unterzogen.

Zeit seines Lebens blieb dieser hochbegabte Mann bescheiden und einfach. Als einer seiner Professoren in Dublin ihm sagte, er könne als Gelehrter ein Vermögen machen, stellte er nur die Gegenfrage: „Für welche Welt?“ Und als jemand ihm großzügigerweise anbot, aufgrund seiner Beziehungen etwas für ihn tun zu wollen, fragte er diesen: „Was könnten Sie mehr für mich tun, als der Herr Jesus schon für mich getan hat?“

So gingen die Lebensjahre William Kellys in glücklichem, beständigem und fruchtbarem Dienst dahin, bis er sich auf ärztlichen Rat Anfang des Jahres 1906 nach Exeter zu seinem Freund Dr. Heyman Wreford begab. Dort ging er nach einigen Wochen, am 27. März 1906 heim. So endete ein Leben einzigartigen Dienstes, dessen Auswirkungen lange erhalten bleiben werden. Noch kurz vor seinem Heimgang sagte er zu einem Besucher auf seinem Krankenlager: „Es gibt drei reale Dinge: das Kreuz, die Feindschaft der Welt und die Liebe Gottes.“

Weitere Biographie von H.W. Pontis (einem langjährigen Freund)

 

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