Der Brief an die Hebräer (0)
Einleitung

William Kelly

© SoundWords, online seit: 16.11.2005, aktualisiert: 10.10.2016

Von dem Fehlen einer Anschrift her ist in Zweifel gezogen worden, ob dies ein Brief ist. Das letzte Kapitel ist jedoch mit nicht wenigen Stellen, die aber im Ganzen weniger markant sind, ein positiver Beweis, dass diese Schrift echter brieflicher Art ist, wenn sie auch gleichzeitig ebenfalls, wie der Brief an die Römer, so etwas wie eine Abhandlung ist. Der Inhalt dieses Briefes beweist ohne Frage, dass der Brief vor uns an Juden gerichtet ist, die den Namen des Herrn Jesus bekennen. Denn alles würde sich wirklich anwenden lassen, wenn nicht ein Heide zu dieser Zeit aufgerufen wäre zu glauben. Mehr als alle anderen Bücher des NT hat dieser Brief für jeden Punkt der Lehre und sogar der Ermahnung die alten Schriften als Grundlage, die nur dem auserwählten Volk alter Zeit vertraut waren. Und der gläubige Überrest der Juden als das wahre „Volk“ wird überall bestimmt vor uns gestellt in Hebräer 2,17; 4,9 (als das Volk alter Zeit in Heb 5,3; 7,5.11.27); Hebräer 8,3.10; 9,7 (29 zweimal; Heb 10,30; 11,25; 13,12); wie in 1. Petrus 2,9.10 zweimal (2Pet 2,1; Jud 5). So ist es in der Tat auch bei dem Apostel Paulus (Röm 9,25 zweimal; Röm 10,21; 11,1.2; 15,10 (21 pl.); 1Kor 10,8; 14,21; 2Kor 6,16). Die einzige Ausnahme ist Titus 2,14, wo „Volk“ moralisch gebraucht wird.

Dieses prägt den Brief mit einem Charakter, der anders ist als bei jedem anderen Brief, wer auch immer der Schreiber sein könnte. Er appelliert von Anfang bis Ende an das AT, wie kein anderer Brief es tut. Und doch werden das Gesetz, die Psalmen und die Propheten zu einem Sprechen mit neuen Zungen gebracht. Sie alle zeugen bestimmt, vereint und in herrlicher Art, einmal irdisch in dem Brief, jetzt himmlisch im Geist, von dem Herrn, der zur rechten Hand Gottes sitzt, seine richtige Stellung für den Christen. Den gläubigen Juden dahin zu führen, dass er Christus kennt und sich an Ihm erfreut, wo Er ist, und dass er anbetet und in diesem Glauben wandelt, ist das vorherrschende Ziel des leuchtenden, glänzenden, sehr interessanten und lehrreichen Briefes, der unsere Aufmerksamkeit beansprucht.

Es ist deshalb eher die inspirierte Ausübung der Gabe des Lehrers als des Apostels und Propheten, der absolut neue Offenbarungen verkündigt. Es gibt hier nicht solch eine Sprache wie „Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei“, wie in Römer 11,25. Hier ist kein Wort über sein Apostelamt wie in den zwei Briefen an die Korinther, über das Geheimnis Christi wie bei den Ephesern und Kolossern; nicht einmal ein „Denn dieses sagen wir euch im Worte des Herrn“ wie bei dem Brief an die Thessalonicher. Der Schreiber spricht von anderen als „denen, die hörten“; er selbst ist hier ein „Lehrer“ der Israeliten „in Glauben und Wahrheit“. Er zitiert und begründet einfach die alten Sprüche und Geschichten; er wendet Prophezeiungen an und erklärt die Bilder des Gesetzes; aber selten, wenn überhaupt jemals, offenbart er die erhabenen Szenen der zukünftigen Zeit, wenn Israel gesegnet werden wird unter dem Messias und dem neuen Bund und die Nationen auch in einem Kreis, der in der Tat konzentrisch ist, aber nicht so eng. Er schreibt mit der äußersten Fülle über Christi Erhöhung in der Höhe im Hinblick auf die himmlische Berufung und auf die, die jetzt ihre Genossen sind vor jenem Tag. In Hebräer 4,9 spricht er die herrliche Tatsache einer „Sabbatruhe“ an, die dem Volk Gottes bleibt, wenn die Wüste vorbei ist, wenn auch ohne Einzelheiten, wenn wir, die wir jetzt glauben, unser „besseres“ Teil in der Höhe haben. Wir können auch Hebräer 12 vergleichen, wenn der Kreis der zukünftigen Herrlichkeit, der irdischen und himmlischen, gruppiert wird als das, wozu wir durch Glauben schon gekommen sind, obwohl es erst aufgerichtet und offenbart wird, wenn der Herr erscheint.

Von Christus wird niemals gesprochen als dem Haupt, infolgedessen wird auch nicht von dem einen Leib gesprochen, wo die alten Unterschiede verschwinden, noch von jenem neuen Menschen, wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen. Die größte Annäherung zur Einheit ist, dass der, welcher heiligt, und die welche geheiligt werden, alle von einem sind. Die Versammlung ist die der Erstgeborenen. Sie wird betrachtet als eine Versammlung von Einzelpersonen und nicht als der Leib Christi. Die, die sie bildeten, waren Erben Gottes und Miterben Christi; aber dass sie verbunden sind mit dem Herrn als ein Geist und als sein Leib, wird hier nicht gesagt.

Da mögen einige meinen, dass der Brief eher eine andere Hand als die von Paulus bedingt. Aber die Folgerung ist ohne Grundlage. Denn wenn er auch allein das Geheimnis wegen Christus und der Gemeinde darlegt, so ist dies nur in den Briefen an die Epheser und Kolosser und praktisch bei dem ersten Brief an die Korinther und andeutungsweise in dem an die Römer. In dem Rest seiner Briefe finden wir den „Leib“ nicht mehr als im Brief an die Hebräer; und dies so deutlich nach der Ordnung des Heiligen Geistes wie in den Briefen, die es voll enthalten. 

Unsere einzelnen Beziehungen sind nicht weniger wichtig als unsere Gemeinschaft. Göttlicher Plan regelt die Themen, die gebracht werden, genauso wie ihre richtige Handhabung. Jeder Brief oder jedes andere Buch der Schrift ist vollkommen nach der Absicht, die Gott im Sinn hatte, als Er jeden Schreiber inspirierte. Da der Hauptgegenstand im Brief an die Hebräer Christi Priestertum mit seiner notwendigen Grundlage ist, seinen richtigen Beifügungen und passenden Ergebnissen, und da dies für die Heiligen einzeln gilt, könnte der Leib Christ nicht gebührend hier erfasst werden, wenn es eine göttliche inspirierte Darstellung war, sei es von Paulus oder von irgendeinem anderen. Seine zentrale Lehre ist nicht, dass wir als Glieder seines Leibes eins sind mit Ihm, sondern dass Er vor dem Angesicht Gottes für uns erscheint. Lebend für immer und mit unveränderlichem Priestertum versehen, ist Er fähig, bis zum Letzten die zu erretten, die durch Ihn zu Gott nahen, da Er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden. Dieselben Personen bilden den Leib Christi; aber die Verbindungen sind ganz verschieden und nur vereinbar durch die Fülle Christi.

Einige haben sich gewundert, warum Paulus, falls er der Schreiber sein sollte, nicht seinen Namen am Anfang angegeben hat. Diese Eigenart ist jedenfalls gleicherweise gültig für jeden anderen Schreiber. Es würde in der Tat noch merkwürdiger bei einem, der keinen anderen Brief geschrieben hatte, sein. Wenn der große Apostel ihn schrieb, ist sein Gegenbild der erste Brief des Johannes, der nicht seinen Namen dort vorsetzt, obwohl er in den beiden anderen Briefen sich selbst in einem Stil „Ältester“ nennt, der unmissverständlich sein eigener ist. In der Offenbarung, wo die Andersartigkeit des Themas nach einer Art des Schreibens verlangt, die ganz anders ist als in seinem Evangelium und seinen Briefen, erscheint sein Name gleichermaßen im Vorwort und am Schluss. Ist dies nicht augenscheinlich so, wie es sein sollte?

Gesetzt den Fall, dass Paulus den Brief an die Hebräer geschrieben hat, ist es nicht schwer, sich wichtige Motive vorzustellen, warum er seinen eigenen Namen und seine apostolische Autorität nicht an den Anfang stellt, sondern solch eine Behandlung der Schriften des AT, die göttliches Licht und feste Überzeugungen für alle bringen muss, die sie vor Gott abwägen. Dass die hebräischen Christen voreingenommen und streitsüchtig waren sogar in frühen Zeiten, ist eine Tatsache, die außer Frage steht für den, der Apostelgeschichte 11, 15, 21 liest, um nicht noch mehr zu zitieren. Sie konnten nicht anders als fühlen, dass die Lehre des Apostels eine Tiefe und Höhe und Reichhaltigkeit hatte, die es für die, die so lange in jüdische Bande eingehüllt gewesen waren, zu einer Anstrengung machte, ihm zu folgen. Er war Apostel der Unbeschnittenen, das war selbst eine nicht geringe Prüfung für gewöhnliche Sinne ihrer Art, wie wir mit Sicherheit sogar bei den Aposteln Petrus und Barnabas feststellen können, wenn sie auch persönlich von Gott gegenüber den Heiden gestützt worden waren. Deshalb naht sich ihnen der Schreiber (gesetzt den Fall, er sei Paulus) mit vollendeter Zartheit und größtem Takt, wie es seine brennende Liebe für seine Brüder – in doppelter Weise Brüder, sowohl nach dem Fleisch als auch jetzt nach dem Geist – verlangte. Er wurde wie ein Jude, dass er Juden gewinnen könnte; denen, die unter dem Gesetz waren, wie unter dem Gesetz, obwohl er selbst nicht unter dem Gesetz war, damit er die unter dem Gesetz gewönne. Das Auslassen seines Namens hat so am Ausgangspunkt eine besondere Richtigkeit in seinem Fall, mehr als bei irgendeinem anderen.

Ein anderer Grund für sein Auslassen wird aus der ungewöhnlichen Aufgabe vor ihm klar. Die Kraft des Appells lag darin, dass er von Anfang an und überall mit der Autorität Gottes kam; und für jüdische Christen konnte dies auf keine Weise eindringlicher bewirkt werden, als wie es hier gemacht ist. „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne, den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten gemacht hat“ (Heb 1,1.2). Wie abschwächend wäre in solch einer Verbindung die Einführung des Apostels selbst gewesen! Sogar wir, die wir aus den Heiden stammen, jetzt aber zur Gemeinde gehören, würden fühlen, dass es in jeder Weise, einmal in ästhetischer Hinsicht und auch in geistlicher Hinsicht, fehl am Platze wäre. Für den hebräischen Christen gibt es keine Methode, die so eindrucksvoll, willkommen und machtvoll ist. Es war das wahre Ende des Streites. Es ist unmöglich, dem auszuweichen oder zu widersprechen, was in sich selbst die Klarheit der Absicht Gottes trägt, die offenbart ist in seinem Wort – wenigstens für den Gläubigen.

Deshalb fließt alles auf dem Boden von dem, was als göttlich bekannt wird; und die Autorität irgendeines lebenden Menschen, wie wirklich sie auch von Gott verliehen sei und von Gläubigen anerkannt, würde eher als Einmischung empfunden als als etwas Vernünftiges. Deshalb hören wir in Kapitel 2 von dem Wort, das, nachdem es seinen Anfang darin genommen hat, „durch den Herrn“ gesprochen zu werden, uns bestätigt worden ist von denen, die es gehört haben, indem Gott außerdem mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen. In gleich schöner Harmonie wird Jesus gezeigt in Hebräer 3 als der Apostel sowohl als auch als der Hohepriester unseres Bekenntnisses. Es ist deshalb klarerweise überflüssig, im Äußersten nachzudenken über Hebräer 2, 3 und 4 als ein Beweis gegen die Urheberschaft des Paulus. Die, die zu Aposteln durch den Herrn auf Erden bestimmt wurden, sind bloß solche, „die gehört haben“; und da Saulus damals nur ein Ungläubiger Israels war wie die Masse, beugt er sich selbst herab zu dem Rest mit „uns“. Gerade so gut konnte er, nachdem er schon lange als Apostel berufen war, bei entsprechender Gelegenheit sagen: „Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Zilizien“, und sogar: „Ich bin ein Pharisäer und der Sohn von Pharisäern“, und: „Nach der strengsten Sekte unserer Religion lebte ich als Pharisäer.“ 

Es wäre Selbsthervorhebung und nicht gnädige Weisheit gewesen, wenn er sein Apostelamt an dieser Stelle behauptet hatte, wo er doch durch den Willen und die Inspiration Gottes schrieb, aber augenscheinlich außerhalb seines besonderen Missionsfeldes der Völker, wie es in Galater 2,7-9 und anderswo dargelegt ist. Es war eine abschließende Warnung für die Judenchristen; und wer war in Liebe und in jeder anderen Hinsicht so dafür geeignet wie einer, der vorher den römischen Christen bezeugt hatte, dass er das alte Volk ebenso liebte wie Moses, als er den HERRN bat, ihn aus seinem Buch zu streichen, wenn Er ihre Sünden vergeben wollte? Wie der Apostel der Beschneidung gebraucht worden war und nicht Paulus, um das Königreich der Himmel den Heiden zu öffnen (Apg 10), so gebrauchte der einzig weise Gott den Apostel der Unbeschnittenen und nicht Petrus, um zum letzten Mal mit den hebräischen Christen zu sprechen, deren Hängen an dem alten und irdischen System Er so lange mitertragen hatte, aber nicht mehr länger.

Ohne Zweifel waren nicht wenige, die besser gelernt hatten als die Mischung, die bis dahin in Jerusalem unter den Getauften geherrscht hatte. Aber die Zeit war gekommen und das passendste Mittel auf Erden errichtet, um einen abnormen Zustand von Dingen hinsichtlich des geistlichen Auges zum Abschluss zu bringen, einen Zustand, der auch für die Weltlichen gefährlich war; die, sogar wenn sie den Herrn im Grunde lieben, geneigt sind zu schwanken und noch mehr geneigt sind, natürliche und erziehungsmäßige Neigungen zu beschönigen und zu fördern, als sie durch das Wort zu beurteilen. Jerusalem war dabei, sichtbar hinwegzugleiten mit dem Tempel, dem Ritual und dem Priestertum. Es war wichtig, dass, bevor der äußere Gerichtsschlag fiel, die Gläubigen in Palästina lernten, was sie zu langsam begriffen hatten. Jesus ist nicht nur der Heiland und der Herr, sondern der große Hohepriester, der durch die Himmel gegangen ist, und dabei Sohn Gottes im höchsten Sinn, anerkannt als Gott und als Jahwe durch den, der Gott und Jahwe ist und so göttlich und menschlich zugleich in einer Person, sitzend zur Rechten Gottes auf seinem Thron, wo kein Geschöpf jemals saß oder sitzen konnte.

Deshalb beginnt der Brief mit Christus in jener herrlichen Verfassung; und wir wissen, wer es war, der diese große Schau bei seiner Abwendung vom Judentum und von der Sünde hatte – wer es ist, der mehr als jeder andere der sogar inspirierten Männer begabt wurde, um die große Wahrheit zu erfassen, zu predigen und ständig und bleibend niederzuschreiben, die Wahrheit von einem Christus, der nicht länger nach dem Fleisch bekannt war, sondern gestorben, auferstanden und erhöht im Himmel; der entsprechend den Tod vorschrieb für alles, dessen sich das Fleisch und sogar das religiöse Fleisch rühmte, damit er und wir das Leben finden könnten, Gerechtigkeit, Weisheit, Heiligkeit und Erlösung, mit einem Wort: alles, was wir wollen, und alles, was Gott will, dass wir es besitzen in Christus zu seiner Rechten. Wir sind so himmlisch, wie Er der Himmlische ist; und wir haben die Gewissheit sicherer Bewahrung und des letzten Triumphes über jeden Feind; denn wie wir das Bild des irdischen (Adams) getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen (Christi) tragen.

Dies ist der große Dienst des Apostels an der Gemeinde, und so war er durch den Heiligen Geist befähigt, das Wort Gottes zu erfüllen, sogar jene Lücke, die gelassen war für die Offenbarung des Geheimnisses, das von allen Zeiten und Generationen her verborgen gewesen war. Hier wird es ohne Zweifel umschrieben, wie das nötig war wegen des kindlichen geistlichen Zustandes der gläubigen Juden, die wenig ahnten, dass ihr Hängen an den alten Dingen und ihr Vermischen des Alten mit dem Neuen das Wachstum mehr hinderte, als irgendetwas anderes es konnte. Deshalb ist es das Ziel des Briefes, die Grundlage, Kraft und Vollkommenheit all der alten Formen in der Wahrheit der Person, des Amtes und der Stellung Christi zu zeigen, um so die Juden, die glaubten, zum Himmel zu erheben in Glaube, Liebe, Anbetung, Dienst und Hoffnung und es ihnen leicht und sogar angenehm zu machen, den alten Bund verschwinden zu sehen; zu sehen, wie das aaronitische Priestertum einem besseren Platz machte und dass irdische Opfer keinen Wert haben, ja dass sie sogar von äußerster Gefahr sind, wenn sie zu Rivalen jenes vollendeten Werkes wurden, durch das die Gläubigen geheiligt worden sind und geheiligt werden und auf immerdar vollkommen gemacht sind, so sicher, wie Christus sich auf ewig zur Rechten Gottes niedersetzte.

So ist wiederum das „Lager“, das einmal ein so begünstigter Platz des Volkes Gottes war, ein Platz, den der Judenchrist verlassen soll. Denn das Blut der Versöhnung ist in das Allerheiligste für uns getragen worden, und der, der es vergoss, litt „außerhalb des Tores“. Unser Platz ist deshalb jetzt in dem Heiligtum vor Gott und außerhalb des Lagers vor den Menschen; denn Christus ist wirklich und sollte wirklich sein bei beiden: „Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigen Wege, welchen er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch, und einen großen Priester über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gewaschen mit reinem Wasser“ (Heb 10,19-22). Aber lasst uns die andere Seite nicht vergessen und die gegenwärtige Pflicht! „Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Heb 13,13.14).

Es ist unmöglich, irgendetwas zu ersinnen, was diesem Brief gleichkommt, sei es in der sehr gewinnenden Annäherung an die Judenchristen, wo sie waren, oder in der nicht weniger bewundernswerten Befreiung vom rituellen Joch durch den Beweis aus Gottes Wort, dass dem Christentum allein die wahre, beabsichtigte und völlige Bedeutung all dessen zusteht, was sie beinahe vergöttert hätten, wie in diesem Brief gezeigt wird.

Es sollte niemand überraschen, dass die Schrift die Urheberschaft des Briefes entschieden hat; und dies nicht durch Menschen, die über den Bezug zu Gefangenschaft und Freilassung in Italien und die Beziehung zu Timotheus nachdenken, sondern durch eine genügend bestimmte Feststellung des Petrus in seinem zweiten Brief, der gerichtet ist, wie wir wissen, an die auserwählten Juden in der Zerstreuung (s. 1Pet 1,1.2; 2Pet 3,1), wie der Brief an die Hebräer die Juden im Lande betrachtet. In beiden Fällen stehen gläubige Juden in Betracht. Was kann dann klarer sein als das Wort des Apostels Petrus? „So wie auch unser geliebter Bruder nach der ihm gegebenen Weisheit euch geschrieben hat, wie auch in allen seinen Briefen, wenn er in denselben von diesen Dingen redet“ (2Pet 3,15.6).

Nun spricht dieser Brief wiederholt von dem Tag des Herrn mit einigen Dingen, die, wie gewöhnlich, besonders für jüdische Sinne, schwer zu verstehen sind, wie in Hebräer 9, 10 und 12. So ist es sicher, dass Paulus sowie auch Petrus an die hebräischen Christen geschrieben haben und dass von diesen gesprochen wird als „Schriften“ durch Verwicklung mit den Worten, die folgen. Entweder ist der Brief an die Hebräer das, was Paulus ihnen schrieb, oder jener Teil der „Schriften“ ging verloren. Es ist schon gezeigt worden, dass das Ausmaß der Wahrheit hervorragend das von Paulus ist; und die Besonderheit seiner Aufgabe erklärt jedem überlegenden Geist bereitwillig ein ausgearbeitetes Handhaben von Bildern, die für Juden sehr wünschenswert sind, aber bei seinem Schreiben an Heidenchristen fehl am Platze wären.

Der Inhalt und Zusammenhang des Briefes ist klar gezeigt worden, der seiner Art nach weniger persönlich gefärbt ist wie die anderen Briefe des Schreibers. Die persönliche Herrlichkeit des Herrn Jesus ist die Grundlage von allem. Hebräer 1: Sohn Gottes; Hebräer 2: Sohn des Menschen. Dann folgt in Hebräer 3 die Überlegenheit des Apostels und Hohenpriesters des christlichen Bekenntnisses gegenüber Moses und Aaron. Er war der göttliche Erbauer von allem, Sohn über Gottes Haus, während Mose nur ein Diener war, wenn er auch treu war. Und dies fügt die Wüste als Szene ein, durch die wir versucht werden, mit der Verheißung des Eingehens in Gottes Ruhe – Herrlichkeit bei der Wiederkunft Christi. Deshalb haben wir nicht nur Gottes Wort nötig, sondern einen großen Hohenpriester, der Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten wie in Hebräer 4. Dies führt in Hebräer 5 zum Gegensatz im Priestertum Christi, Gottes Sohn nach der Ordnung Melchisedeks, gegenüber dem Priestertum Aarons, das aus Menschen genommen ist, wobei Aaron Nachsicht zu haben vermag gegenüber den Unwissenden und Irrenden, da auch er selbst mit Schwachheit umgeben war und wie für das Volk so auch für sich selbst opfern musste für die Sünden.

Aber hier wendet sich der Apostel ab, wie es seine Art ist, um das Hindernis durch jüdische Elemente aufzudecken, an die sie sich noch hartnäckig klammerten, die aber doch unvereinbar waren mit den ewigen und himmlischen Dingen, die zu unserer Verbindung mit dem großen Hohenpriester gehören, der durch die Himmel gegangen ist und sich auf einen so herrlichen Platz gesetzt hat. Das Wort von dem Anfang des Christus, so gut es ist, ist ganz unzureichend; und der Christ muss fortfahren zum vollen Wuchse (Kap. 6); denn, wie es anderswo ausgedrückt ist, wir sind nicht länger unter dem Gesetz – es war geeignet und wurde gegeben für den Menschen im Fleisch –, sondern unter der Gnade, wie es selbstverständlich sein sollte. Wie sonst könnten wir himmlisch sein, wie Er himmlisch ist? Souveräne Gnade, die durch Gerechtigkeit herrscht, erklärt dies allein. Und deshalb die Gefahr, zurückzugehen von den himmlischen Vorrechten, die jetzt offenbart sind, zu jenen Elementen, die genagelt sind an das Kreuz und die dem Glauben im Lichte Christi in der Höhe gewichen sind: eine Gefahr, der niemand so ausgesetzt war wie die Hebräer. Er wünscht deshalb, dass jeder Fleiß beweise zur vollen Gewissheit der Hoffnung bis ans Ende, da sie Gottes Eid haben und das Wort mit einem Vorläufer im Innern des Vorhanges.

Hebräer 7 zeigt, wie unermesslich und in jeder Hinsicht das Priestertum von Jesus, dem Sohn Gottes, das von Aaron überragt, das ja verbunden war mit dem Gesetz, das nichts zur Vollendung brachte. Die alten Sprüche, die voll darauf vorbereiten, kündigen auch einen neuen und besseren Bund an (Heb 8), vor dem der erste alt wird und dem Verschwinden nahe ist, anstatt jene Unveränderlichkeit zu besitzen, mit der der Stolz der Rabbiner und die Einbildung ihn bemäntelten. Und dies führt zu der großen Wahrheit des Opfers entsprechend der Absicht und dem Willen Gottes (Heb 9; 10), das seine angemessene Kraft allein in dem Blut Christi gefunden hat, der sich durch den ewigen Geist selbst ohne Flecken Gott geopfert hat. Deshalb wird Nachdruck gelegt auf seine Einmaligkeit, so wie seine Vollkommenheit dadurch bezeugt wird, dass Er sich auf immerdar gesetzt hat zur Rechten Gottes, nachdem das Werk vollbracht war und die auf immerdar vollkommen gemacht waren, die geheiligt werden, nicht nur auf ewig, sondern auf immerdar oder ohne eine Unterbrechung, durch dieses eine Opfer. Hier wird auch die ernste Warnung angeschlossen, nicht für Sünde solch ein Opfer zu verlassen, während es zugebilligt wird, dass wir Ausharren im Glauben nötig haben, bis Jesus kommt.

Diesem folgt (Heb 11) eine wunderbare Reihe von würdigen Menschen Gottes, die alle im Glauben Zeugnis erlangten vor dem Gesetz und während des Gesetzes, gipfelnd in Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, an Person unendlich über allen, unermesslich mehr und anders litt und jetzt in angemessener Herrlichkeit zur Rechten des Thrones Gottes ist (Heb 12). Und hier wird herrlich gezeigt, dass für Gläubige aus seiner Liebe Leiden strömt, weil Er Vater der Geister ist und nicht jetzt Vater einer Nation. Unser Stand ist in seiner Gnade, nicht das Gesetz vom Sinai; und wir sind gekommen im Glauben zu den herrlichen Ergebnissen, die für Himmel und Erde vorhergesagt werden, da sich das Königreich offenbaren wird, wenn Er bei seiner Wiederkunft nicht allein die Erde bewegen wird, sondern auch den Himmel, dass sie zittern und erschüttert werden.

Bruderliebe, Gastfreundschaft und Mitleid wird ihnen ans Herz gelegt mit der Heiligkeit der Ehe und dem Freisein von Geldliebe durch Vertrauen auf den Herrn (Heb 13). Der heimgegangenen Führer soll gedacht werden, den lebenden soll gehorcht werden. Jesus bleibt derselbe. Der Hütte zu dienen, hat keinen Wert mehr: Alles wird in Ihm gefunden, in seinem Werk und seinem Amt. „Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend.“ Das ist das Christentum, wie es hier gezeigt wird von den göttlich benutzten jüdischen Bildern und der Lehre des AT her. Es wird um Fürbitte gebeten für den Schreiber und die, die bei ihm sind, wie er den Herrn bittet um Frieden für sie, und er grüßt alle ihre Führer und alle Heiligen.

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