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Anmerkung der Redaktion:
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Kapitel 1
Die Eröffnungsworte sind des großen Themas würdig. In Christus allein ist die
Vollkommenheit von allem, dessen sich Israel rühmte. Jede andere Person und
jedes andere Amt, jeden anderen Wandel oder Gegenstand geehrt in Gottes
lebendigen Sprüchen, hatte es vor allem in der Vorbereitung und für die
Vorbereitung des Weges für Ihn, Er ist das eine umfassende Ziel des Heiligen
Geistes, offen oder verstanden, positiv oder negativ durch Gegensatz, durch die
ganze Schrift hindurch.
Hier wird das, was verhältnismäßig unklar war zu alter Zeit, ins Licht
gerückt; denn Christus ist das wahre Licht. Es ist Er, der, einmal schwach
wahrgenommen, jetzt voll offenbart dasteht und so das erleuchtet, was einmal
dunkel zu sein schien und was ohne Ihn in der Tat noch dunkel ist und dunkel
sein muss. Dies ist die ganze Schrift zu einem Ganzen zusammengefügt. Es gibt
das AT; es gibt auch das, was das NT genannt wird, selbst wenn der Geist es
vermeidet, es so zu kennzeichnen. Zusammen stellen sie die Bibel dar, deren
Einheit auf Christus weist, Der einst verheißen war, jetzt gekommen und, nachdem
Er Sein Werk auf Erden vollendet hatte, erhöht ist zur rechten Hand Gottes im
Himmel. Vor allem ist es Gott, der in dem Sohn offenbart wurde.
Deshalb wird es klar werden, wenn dies einmal herausgestellt ist, warum
dieser Brief nicht das Geheimnis Christi offenhart; denn das würde die
Einführung von Dingen mit sich bringen, die Israel absolut unbekannt waren, ja,
die ihm noch gar nicht von Gott offenbart waren. Die Offenbarung des Geheimnisses
setzt die Verwerfung des Volkes Gottes voraus, um den Weg zu bahnen für ein
gänzlich neues und verschiedenes Ziel, wo ein Jude als solcher nicht mehr war
als ein Heide; und die Gemeinde Gottes wird zur alles in Anspruch nehmenden
Szene des Wirkens des Heiligen Geistes bei der gegenwärtigen Ausschließung
Israels. Die Gemeinde verlangt also in ihrem vollsten Charakter eine Pause in
Gottes Handeln mit Seinem alten Volk, nicht bloß wegen der Abgötterei, die
führte zu den Zeiten der Heiden, sondern wegen der Verwerfung und dem Kreuz des
Messias, Seines eingeborenen Sohnes, was zu dem neuen und himmlischen Ziel
Gottes in der Gemeinde, Christi Leib, führte.
Hier ist es vielmehr die Ständigkeit des göttlichen Zeugnisses, das in
Christus gipfelt, Der in Seinem Blut und Tod die unveränderliche Grundlage für
ewigen Segen gelegt hat und für seinen Charakter den herrlichsten Ausdruck gibt
in Seinem eigenen Sitzen als Mensch auf dem Thron der Majestät in den Himmeln.
Aus diesem Grund wird vom ersten bis zum letzten Kapitel in diesem Brief an die
Hebräer das Gesetz, die Psalmen und die Propheten vollständiger zitiert als
irgendwo sonst im NT. So werden auch die rituellen Dienste, die Gefäße und die
heiligen Bezirke in direkten Bezug gebracht in einer ausgearbeiteten Art; und
die Personen, die der Heilige Geist vom Anfang an gebrauchen konnte, werden auch
entweder einzeln dargestellt oder mit mehreren anderen zusammen gebracht (Kap.
11), bis wir zu Christus gelenkt werden, der Krone und der Fülle von allem. Die
Einzelheiten, die wir jetzt näher betrachten werden, werden damit
übereinstimmen, wie wir sehen werden.
Vers 1: Nachdem Gott vielfältig
und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat
er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne.
Die Worte, die diesen großartigen Anfang zusammensetzen, sind höchst prägnant
und bedeuten auch eine unleugbare Wahrheit. Sie zeigen kurz, aber bestimmt, den
Charakter der Berichte des AT an. Es lag nicht in ihrer Natur, vollständig oder
endgültig zu sein. Sie waren im wesentlichen Stückwerk. Ohne Zweifel wirkten die
Propheten zu verschiedenen Zeiten, und die Art, in der Gott handelte, war
verschieden: aber beide von diesen Sätzen in der AV [engl. Bibelübersetzung]
zeigen nicht die Kraft von Polumerw/j kai. polutro,pwj.
Die gewöhnliche Übersetzung ist der Fassung von Genf 1539 entnommen. Wiclif, der
in diesem Fall der Vulgata nicht treu war, hatte die ersten Worte ganz fallen
gelassen, obwohl er richtig angab "auf vielerlei Weise". Tyndale und Cranmer
verbinden "verschieden und auf vielerlei Weise", wie es die Rhemische Fassung
tut, nur in umgekehrter Ordnung. "Zur vergangenen Zeit" oder "ehemals",
pa,laiist der einzige Ausdruck der Zeit. Es war
derselbe Gott und derselbe Christus, doch ist es das Ziel, eine ungeheure
Änderung Seines Handelns zu beweisen: Gott spricht im Sohne, nachdem Er zu den
Vätern in den Propheten gesprochen hatte; auch ist Christus nicht länger
verbunden mit der Erde, sondern in himmlischer Herrlichkeit. Dann sprach Er
"vielfältig". Sein Wort war nur fragmentarisch, aber vollkommen in seinem Ziel,
doch keinesfalls jene Fülle, die es zeigen sollte nach Seinem Plan, wenn der
richtige Moment kam. Da eine große Anzahl von Personen bei diesem Werk gebraucht
wurde, so gab es "vielerlei Arten" oder Wege der Offenbarung, wie z.B. das
offene Reden mit Mose oder Visionen und Träume gewöhnlich. "Ich habe zu den
Propheten geredet, ja, ich habe Gesichte gemehrt und durch die Propheten in
Gleichnissen geredet. Und Jahwe führte Israel durch einen Propheten aus Ägypten
herauf, und durch einen Propheten wurde es behütet." (Hosea 12, 11 u. 14)
Wie mächtig ist der Fortschritt jetzt! Wenn Gott auch hier nicht offenbar
wird in der Erhabenheit und Intimität des Vaters, so "hat Er doch am Ende
dieser Tage zu uns geredet im Sohne". Der Apostel distanziert sich selbst
keineswegs von dem auserwählten Volk, obwohl er im ganzen Brief sich müht zu
zeigen, dass einzig das Israel Gottes, der wirklich gläubige Überrest mit Recht
diesen Namen trägt. Aber wenn er zu denen schreibt, denen es so schwer fiel, das
zu schätzen, was absolut neu war und über die Schöpfung hinausging, legt er
volles Gewicht auf alle früheren Offenbarungen, wenn sie auch noch so
bruchstückhaft und unzureichend waren im Verhältnis zu dem, was jetzt gekommen
war; er zeigt nicht nur die Ehre Gottes auf, die auf die Väter gelegt worden
ist, sondern stellt sich selbst auf dieselbe Stufe mit ihren Söhnen als unter
"uns", zu denen Sein Wort jetzt gekommen ist in einer Vollständigkeit, wie es
nie vorher war.
"In diesen letzten Jahren" (wie Tyndale begann, gefolgt von allen
protestantischen englischen Übersetzungen) ist eine zu unbestimmte Fassung und
kann leicht vermischt werden mit den verschiedenen Ausdrücken von 2. Petrus 3 und
Judas 18 oder sogar mit den völlig anderen Sätzen in 1Tim 4 und 2Tim 3.
Noch unzulässiger ist der Rhemische Text, der der Vulgata folgt. Wiclif kommt
dem Kern näher: "am letzten in diesen Tagen", wenn das auch noch nicht ganz
richtig ist. "Am Ende dieser Tage" ist der buchstäbliche und wahre Sinn, der
Ausgang dieser Tage der Zeit unter dem Gesetz, wenn der Messias kommt.
Gott, der zu den Vätern sprach in vergangenen Tagen, sprach zu uns am Ende
dieser Tage im Sohne. Das Auslassen des Artikels hat nichts zu tun mit der
Präposition, die vorher steht, und auch nichts mit der betonten Stellung, wie
viele Gelehrte gesagt haben. Dass dies absichtlich geschah, ist augenscheinlich;
denn evn toi/j profh,taij würde naturgemäß
evn tw/| ui`w/| verlangen. Aber der Ausdruck ist ohne
Artikel und stellt deshalb nicht die Person oder einen Gegenstand vor unsre
Augen, sondern stellt das Wesen in den Vordergrund. Die Propheten waren, wie
Mose, nur Diener; Er, in dem Gott am Ende dieser Tage sprach, war Sohn. Vergl.
Kap. 5,8 etc. Dies war die Eigenart, dies war die Verbindung zu Ihm Selbst, von
dem Einen, in Dem Er jetzt redete. Unsere Sprache verträgt nicht so gut das
Fehlen des Artikels; aber es ist üblich im Griechischen; und es ist zugleich die
kräftigste und genaueste Form, das Wesen auszudrücken, was genau das ist, was
hier gewünscht wurde. Nicht mehr in den Propheten, auch nicht in der Gestalt
eines Engels, wie oft, sondern als Sohn sprach Gott jetzt.
Dies fügt einen neuen Grund hinzu, warum der Name eines Mannes, wie gesegnet
und in welcher Stellung er auch sei, unpassend sein würde; und wir haben schon
Gründe aufgezeigt, warum der Autor in göttlich gegebener Weisheit und Gnade es
vorzog, seinen Namen im einzelnen nicht erscheinen zu lassen, obwohl der
Charakter der Wahrheit und die Schlussbemerkungen keinen Zweifel lassen sollten,
wer es war, ohne einen äußeren Beleg, inspiriert oder nicht. Dies wird sehr
bestätigt durch das nächste Kapitel (Verse 3 u. 4), wo unser Herr Selbst
eingeführt wird, der Prophet, der kommen sollte und auch kam, wenn Er auch Sohn
war. Die Apostel selbst, die Zwölf, waren nur Seine Zuhörer, indem Gott auch
mitbezeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke
und Austeilungen des Heiligen Geistes nach Seinem Willen. Wie wäre die
Einführung seines eigenen Apostelamtes fehl am Platz gewesen! Der Sohn Gottes,
der Christus hatte sich herabgelassen, der Apostel unseres Bekenntnisses zu
sein. (Kap. 3,1)
Sollte hierbei irgendetwas gerechterweise die wärmste Liebe und Verehrung für
das AT verletzen? Vielmehr unterstützt es das AT und macht sogar erforderlich,
dass es seine eigene Wahrheit versiegelte. Denn Gesetz und Propheten bezeugen
übereinstimmend, dass Einer kommen würde, sogar ein Prophet wie Mose, aber
größer, wie er selbst bezeugt; dieser würde in Gottes Namen reden, aber so, dass
wer auch immer nicht hören würde, die Strafe von Gott tragen müsse. Dann sollte
von Gottes Seite her ein neuer Bund gemacht werden, nicht entsprechend dem
ersten, als sie aus Ägypten geführt wurden - ein Bund, den sie nicht weniger
brachen, wie sie ihn andererseits vergötterten; sondern ein neuer Bund,
gekennzeichnet durch Gottes Gnade und Kraft, wie der vorige Bund gekennzeichnet
war durch die Verantwortung und das völlige Versagen des Menschen.
Dieser Brief beweist, dass der Segenspendende gekommen ist, wenn auch noch
nicht der ganze Segen, und er beginnt in angemessener Art mit Gottes Reden im
Sohne. Sein Schweigen nach Maleachi machte dies umso eindrucksvoller, seit jener
letzte Bote Jahwes den alttestamentlichen Kanon versiegelte. Dann wird der
Zwischenraum von 400 Jahren, die nicht ohne markante und verschiedene warnende
Zeichen waren, durch einen Propheten abgeschlossen, der mehr war als ein
Prophet, Johannes der Täufer, der darauf verzichtete, mehr zu sein als eine
"Stimme", der aber verkündigte, dass Einer in ihrer Mitte stand, den sie nicht
kannten, und wo er nicht würdig war, Ihm die Riemen Seiner Sandalen zu lösen,
das Lamm Gottes, Er, der mit dem Heiligen Geist tauft. "Dies ist der Sohn
Gottes".
Mit derselben Wahrheit fangen wir hier an. Dass Gott redete, war keine neue
Sache; denn Er hatte geredet vielfältig und auf vielerlei Weise. Jetzt gab es
keine Grenze; denn es geschah in dem eingeborenen Sohn, voller Gnade und
Wahrheit. Es war deshalb nicht eine bloße Zusammenballung von Offenbarungen von
Gott, göttlich, aber bruchstückhaft und passend für die Mittel und Umstände; es
war Gott, der Sich Selbst offenbarte. Sein Sohn war der Einzige, der für Seinen
Plan geeignet war. Am Anfang des Briefes ist es Gott, der so spricht, als Er auf
Erden war; zum Ende zu ist es Er, der aus dem Himmel spricht (Kap. 12,25),
überall ist es der offenbarte Gott, und nicht bloß Mitteilungen von Ihm. Dies
verleiht deshalb die außerordentliche Kraft und Eindrücklichkeit und Autorität
in der letzten Instanz für jeden Gegenstand, der behandelt wird, besonders
hinsichtlich der Änderung, die bekannt gemacht werden soll, wie es das Hauptziel
des Briefes ist. "Denn wenn das Priestertum geändert wird, so findet
notwendig auch eine Änderung des Gesetzes statt." (Kap. 7.12)
Die unermessliche Erhabenheit Christi und infolgedessen auch die
Überlegenheit des Christentums kommt in dieser Hinsicht am Ausgangspunkt zum
Ausdruck; und das umso überraschender, als kein Christ die göttliche Inspiration
von all den alten Sprüchen in Frage stellt. Doch fühlt jeder wahre Christ den
anderen und überragenderem Charakter, nicht nur der Worte Christi in den
Evangelien, sondern auch der apostolischen Schriften und im NT als Ganzes.
Christus spricht wirklich in diesem allem; Gott offenbart Sich Selbst in Ihm als
Sohn, mit einer Innigkeit, die Ihm allein eigen ist und in all ihrer
Vollkommenheit. Und wir sehen, dass diese Überlegenheit durch den ganzen Brief
geht. Er ist über allen Menschen und Engeln; Er ist Gott und Jahwe, der Sich
gesetzt hat, wo kein Geschöpf sein konnte, wenn Er auch Mensch war. Er ist der
wahre Führer der Errettung, nicht Josua. Er ist weit über Mose der Apostel des
jüdischen Bekenntnisses, weit über Aaron der levitische Hohepriester, und Er tut
viel mehr, als nur das wunderbare Bild von Melchisedek auch auszufüllen. Und das
ist kein Wunder; denn Mose und Aaron waren nur Diener in jenem Haus, von dem Er
der Erbauer war, wie Er in der Tat der Schöpfer aller Dinge ist. Sie wurden alle
durch Ihn ins Sein gerufen, und ohne Ihn existierte kein einziges Ding des
geschaffenen Universums.
Auch sehen wir Jesus nicht nur über alle Personen und Ämter erhaben; sondern
Er allein verleiht jeder Einrichtung, die Gott in Israel einsetzte, einen
volleren und göttlicheren Sinn. Wir können den Bund nehmen in Kap. 8; und das
Heiligtum, Opfer und Schlachtopfer in Kap. 9 u. 10. Überall ist Seine
unbestreitbare Überlegenheit nicht weniger deutlich; so dass wenigstens das
Christentum es in sich schließt und den Weg dafür bereitet, dass sie vergehen
als die Schatten und Zeichen jener Substanz, die jetzt bleibt in ihrer ganzen
Kostbarkeit für Gott, in ihrer ganzen Wirksamkeit für den Gläubigen.
Wenn wir auf den Glauben schauen, auf den in jeder Weise das NT den größten
Nachdruck legt, so mögen andere zur alten Zeit seine schön widergespiegelten
Farben zeigen und tun es auch; aber von einer so großen Wolke von Zeugen weg
müssen wir standhaft auf Jesus schauen, wenn wir den Anfänger und Vollender des
Glaubens sehen möchten. Er ist das volle und reine Licht von allem. Deshalb sind
wir sogar jetzt schon im Geist gekommen zu solch einer Versammlung der
Herrlichkeit (Kap. 12, 18-24), die nicht nur die irdische und Furcht einjagende
Versammlung am Sinai in den Schatten stellt, sondern auch im Gegensatz zu ihr
steht, von wo her die nationale Absonderung Israels als Volk Gottes auf der
Grundlage des Gesetzes datiert. Es ist unser Teil, ein Königreich zu empfangen,
das nicht erschüttert werden kann, und Gnade zu haben, durch welche wir Gott
wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Furcht. Andere vergehen, wenn man
auch ihrer gedenken soll und sie nachahmen soll in ihrem Glauben; aber eine
andere gesegnete Überlegenheit ist, dass Jesus Christus, der jetzt verherrlichte
Gott und Mensch, derselbe ist gestern und heute und in Ewigkeit. Und Er bestimmt
unseren Platz bei Ihm vor Gott und Menschen: innerhalb des Vorhangs durch Sein
Blut, außerhalb des Lagers, Seine Schmach tragend. Was Gott gefügt hat, soll der
Unglaube und die Selbstsucht des Menschen nicht trennen. Die Kraft hiervon war
ungeheuer für die jüdischen Christen; erfüllen wir dies jetzt in unserer Seele
und in unserem Leben?
Es ist überall die Stimme Christi, um, wenn auf Erden, das Ohr des Überrestes
zu gewinnen und sie Sich zu verbinden, verbinden mit Gott in dem Sohn; und, wenn
im Himmel, um von allen die irdischen Elemente zu entfernen, die aus dem
Judentum her da waren und die für die Ungläubigen das größte Übel geworden
waren, indem sie zu einem Rivalen wurden durch die List Satans, und zum größten
Nutzen, indem sie Seinen Namen brachten, der alles und in allen ist, die
glauben. Und hier ist eine neue Überlegenheit, die wir noch im einzelnen
betrachten werden, dass das, was Er uns gibt, in jedem Fall als "ewig" erklärt
wird im Gegensatz zu den zeitlichen guten Dingen Israels. Er ist der Urheber des
"ewigen Heils" (Kap. 5,9). Er hat eine "ewige Erlösung" erfunden, und wir
empfangen die Verheißung des "ewigen Erbes" (Kap. 9), so wie Er durch "den
ewigen Geist" Sich selbst ohne einen Flecken Gott geopfert hat und der Bund
infolgedessen "ewig" ist. (Kap. 13)
Die persönliche Herrlichkeit Christi, des Sohnes Gottes, und Seines Werkes,
das so tief ist wie Seine Würde, ist für alle von großer Bedeutung, wenn wir
sehen, wie Er Gott offenbart und Seiner Gnade über alles menschliche Denken
hinaus Wirkung verschafft. Dies würde, wenn es irgendetwas vermöchte, die Juden
aus dem Judentum lösen, wenn sie willig wären, in der Erkenntnis Gottes zu
wachsen. Und dies ist, wie wir finden werden, der praktische Kern unseres
Briefes von Anfang bis Ende; auch war keiner so geeignet für das Werk wie Saulus
von Tarsus, und auch keine Zeit war so passend als die, bevor Jerusalem
hinweggefegt wurde und der Tempel mit seinem Priestertum und seinen Opfern
öffentlich zu Ende ging, wie er bereits schon tot war.
Die besondere Form des Ausdruckes dann "im Sohne", die schwierig ohne
Bedeutungsverlust wiederzugeben ist oder eine Umschreibung ist, um den Sinn
angemessen in unserer Sprache anzudeuten, ist einfach da, um das Verhältnis zu
kennzeichnen, nicht wer, sondern was, wie in Mt 4,6; 9,29; 27,40.43.54;
Lukas 4,3; Joh 1,1 (letzter Ausdruck qeo.j), 5,27;
8,54; 10,33,36; 19,7: wie auch in Heb 3,6; 5,8 und 7,8.28. Wo die Person als
Gegenstand vor uns ist, wird der Artikel unveränderlich eingesetzt, wie im
Zusammenhang dieses Textes und der ganzen Schrift gesehen werden kann. "In der
Person des Sohnes oder Seines Sohnes" oder "in Ihm, der Sohn ist" würde deshalb
evn tw/| ui`w erfordern. Ein untergeordneter Sinn, wo
der Artikel fehlt, ist in keinem Fall die Wahrheit, sowohl im Sinne von Freunden
als auch Feinden. Wo das Wesen ausgesagt wird, fehlt der Artikel, wie hier. Nur
im Englischen müssen wir sagen "ein" oder "der", was insofern den Ausdruck
abschwächt im Hinblick auf das, was beabsichtigt ist: bei "ein" ist es möglich,
andere miteinzubeziehen, was keinesfalls beabsichtigt ist, sondern gerade das
Gegenteil; "der" stellt Christus objektiv dar, wo der Aussage nach jenes Wesen
intimer Verbindung mit Gott gemeint ist, was Ihm allein als ewiger Name und
ewiges Recht zusteht. Nur einige, wie die Engel, haben diese in untergeordneter
Weise durch die Schöpfung; andere wiederum, wie die Gläubigen, haben sie durch
souveräne Gnade im Glauben an Christus und ewiges Leben im Sohne.
Als nächstes kommt Sein Erbe.
"Den er gesetzt hat zum Erben aller Dinge, durch den er auch die Welten
gemacht hat" - Zeugnisse für die Herrlichkeit Christi von überragender
Bedeutung, auf die wir zurückkommen werden, nachdem wir den ganzen Absatz
zitiert haben.
Verse 2-4: Welcher, der
Abglanz seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge
durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er durch sich selbst die Reinigung
der Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe, indem
er um so viel besser geworden ist als die Engel, als er einen vorzüglicheren
Namen vor ihnen ererbt hat.
Wie in Röm 9 den Heidenchristen, so beweist der Apostel hier den
Judenchristen, dass das Christentum den Messias in einer Größe offenbart, die
weit die Vorstellungen der ersteren und die Tradition der letzteren übersteigt.
Er ist Sohn, wie niemand sonst. Er ist Erbe des Universums; und das ist kein
Wunder. Denn so wie Er die Welten erschuf, so trägt Er auch alle Dinge durch das
Wort Seiner Macht. Ja, der wirkliche Mensch, den sie durch die Hand gesetzloser
Menschen kreuzigten, und der gekreuzigt wurde in Schwachheit! In dem Augenblick,
wo Er Sein Haupt neigte und verschied, trug Er die ganze Schöpfung. Es wäre
absurd, so etwas zu denken oder zu sagen, wenn Er bloß Mensch gewesen wäre; aber
Er war Gott; und die Lösung der Verbindung zwischen dem äußeren und dem inneren
Menschen berührte in keiner Weise Seine Allmacht.
Jesus ist auch nicht der messianische Erbe der Nationen, wie in Psalm 2. Alle
Dinge in den Himmeln und alle Dinge auf Erden sollen in Christus zusammengefasst
werden oder in Ihm unter ein Haupt zusammengebracht werden: das ist Gottes
Wohlgefallen, das Er Sich vorgesetzt hat in Sich Selbst (Eph 1,9 u. 10).
Deshalb ist Er erhöht zu dem höchsten Sitz, das Pfand für alles, was folgen
soll; denn jetzt sehen wir noch nicht alle Dinge Ihm unterworfen, aber wir
schauen Ihn Selbst gekrönt mit Herrlichkeit und Ehre. Und wir wissen von einer
anderen Stelle her, warum Er das ungeheure und glorreiche Erbe noch nicht
antritt. Er wartet darauf, dass all die Miterben herausgerufen werden, die Er
zur gleichen Zeit mit dem Erbe beschenken will, wenn Er es Selbst einnimmt; wenn
aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi. Das sind die
wunderbaren Ratschlüsse Gottes durch Seinen Sohn und zu Seiner Herrlichkeit,
sowohl für eine Weile vor der Welt als auch später in Ewigkeit.
Er, der der festgesetzte Erbe des Universums ist und der auch voll dazu
berechtigt ist, da Er der Schöpfer der Welten ist, wird noch mehr in Vers 3
offenbart: als der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und als der Abdruck Seines
Wesens oder Seins und als Der, der alle Dinge durch das Wort Seiner Macht trägt.
Er ist im höchsten Sinn (wie es eigentlich kein anderer sein kann) eine
göttliche Person, nicht weniger als der Vater und der Heilige Geist. Aber Er ist
besonders Der, der die Gottheit offenbart in Kraft und Hilfe, sowie auch in Güte
und Gnade, sogar für die Verlorenen. Vergl. 2Kor 4,4 und Kol 1,15. Und
dieses ragt am meisten heraus in den folgenden Worten: "nachdem Er die Reinigung
der Sünden bewirkt, hat Er sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe";
hierbei können wir beobachten, dass selbst, wenn wir "durch sich selbst"
auslassen, wie die ältesten Schriften und guten Fassungen etc., das Partizip
doch in sich selbst die bemerkenswerte Kraft trägt, dass Er es Selbst getan hat;
Er nahm Seinen Sitz in der Höhe ein bei der Vollendung Seines Werkes für die
Reinigung der Sünden. Dafür war Er gekommen, da es der Wille Gottes war, und Er
geht jetzt in den Himmel, um jenen Platz der Herrlichkeit einzunehmen, als Er
Selbst das Werk vollbracht hatte, durch das Gläubige gesegnet werden sollten.
Es wird bemerkt worden sein, dass von Christus hier gesagt wird, dass Er der
Abglanz der Herrlichkeit Gottes sei. In unserem Brief ist es nicht der Vater
(wie bei Johannes), sondern Gott. Beides ist richtig, und jedes hat seine eigene
Bedeutung. Und es ist kaum nötig zu sagen, dass "Person", was die AV [engl.
Bibelübersetzung] von der Genfer Ausgabe übernommen hat, ein Fehler ist. Es ist
"Wesen" oder Wesentliches, wie bei Wiclif, Tyndale, Cranmer und der Rhemischen
Fassung von der Vulgata her. Die Lehre ist natürlich die von einer Grundlage und
3 Personen, wie es allgemein bekannt ist: beide Wahrheiten werden deutlich
gemacht in Jes 6, verglichen mit Joh 12 und Apostelgesch. 28, wie auch in der
Tat mit vielen anderen Schriften.
Christi Erhalten des Universums stellt in eindrucksvoller Form Seine
göttliche Herrlichkeit dar. "Alle Dinge bestehen zusammen durch ihn", wie
der Apostel in Kol 1 sagt. Sie waren durch Ihn und für Ihn geschaffen und
bestehen zusammen durch Ihn. Dies wird umso bemerkenswerter, weil Er zur
Erfüllung der tiefsten Pläne geruhte, wirklicher Mensch zu werden. Dies tat
jedoch Seinem Gottsein keinen Abbruch; denn die Inkarnation bedeutet nicht, dass
die Göttlichkeit von dem Menschsein versenkt wurde, sondern beide gingen eine
ewige Verbindung ein, wobei jede Natur in ihrer eigenen Vollkommenheit blieb und
nicht verwandelt wurde, sondern die eine Person Christi gemeinsam
zusammensetzte. Wie Er deshalb alles ins Leben rief, so trägt Er das ganze
Universum und hat es immer so getragen.
Da ist ein anderes und noch tieferes Element Seiner Herrlichkeit, nämlich
dass Er in Seiner eigenen Person die Reinigung von Sünden bewirkte. Um zu
schaffen, bedurfte es nur Seines Wortes, um zu tragen, Seines Willens [A.d.Red.
„der alle Dinge trägt durch das Wort seiner Macht"]. Aber das war nicht so bei
der Erlösung. In diesem Falle wäre Befehlen völlig unzureichend gewesen. Die
Reinigung von Sünden konnte nicht geschehen ohne Blutvergießen, ohne Opfertod,
worauf das AT die Menschen von Anfang an vorbereitete. Die irdischen Opfer
konnten weder Gottes Herrlichkeit befriedigen, noch konnten sie das Gewissen des
Menschen reinigen, wie uns im vollen Maße weiter hinten gelehrt wird. Aber sie
waren gewichtige Zeugnisse von den Tagen Adams an, obwohl sie erst durch
göttliche Inspiration unter Mose eingearbeitet wurden in ein System von sehr
eindringlichen und lehrreichen Bildern. Christus war wirklich "ein Opfer von
edlem Namen und ein kräftigeres Blut als sie".
Christus allein gibt dem Opfer die volle Bedeutung und die wahre Würde, wie
hier kurz gezeigt wird und wie es verbunden ist mit der Herrlichkeit Seiner
Person. Sünde ist Auflehnung gegen Gott; sie ist Gesetzlosigkeit. Gott ist
deshalb der Eine, der unveränderlich betroffen wird, ob es auch um ein
menschliches Übel geht oder nicht. "Gegen dich, gegen dich allein, habe ich
gesündigt, und ich habe getan, was böse ist in deinen Augen": und doch war
der, der so schrie, der Blutschuld schuldig geworden und des hässlichsten
Ehebruchs. Da es so intim um Gottes Majestät und um Sein Wesen geht, ist es Er,
der es auf Sich nahm, alles in Seinem Sohn zu regeln. Aber hier konnte nichts
Geringeres nützen als Sein Tod, ja, der Tod am Kreuz, wo Gott Selbst die Sünden
auf das Haupt des makellosen Opfers legte (Jes 53), damit sie so getragen
würden und hinweggetragen würden. Anders konnte es keine Vergebung der Sünden
geben bei Gott. Es muss die Reinigung der Sünden geben; und "das Blut Jesu
Christi, seines Sohnes, reinigt von aller Sünde", von jeder Sünde.
Es ist kein Wunder, dass dieses tiefste Werk Gottes hier behandelt wird als
ein Teil der göttlichen Herrlichkeit Christi. Er muss Mensch sein zugunsten der
Menschen; Er muss Gott sein, um von Gott benutzt werden zu können; Er ist beides
in einer Person; und so wie die Rechtfertigung so vollkommen war, so ist das
Ergebnis unfehlbar für alle, die glauben. Einmal dadurch gereinigt, haben die
Gläubigen kein Gewissen mehr von Sünden; und Er, der ein Opfer für Sünden
dargebracht hatte, "setzte Sich zur Rechten der Majestät in der Höhe", Er
setzte Sich auf immerdar, wie Heb 10,12 uns sagt, nicht nur für ewig, sondern
ohne Unterbrechung in der Wirksamkeit Seines Opfers. Wie konnte es anders sein,
wenn Gott im Sohne jenes Werk übernahm? Und wie dies im späteren Teil des
Briefes ganz durchdacht und angewandt wird, so wird hier doch schon die ganze
große Wahrheit klar am Anfang festgestellt: eine Wahrheit, die "schwer zu
verstehen" ist, besonders von einem Juden, der ja gewöhnt war an die Routine
und Wiederholung des Opfers sowie auch aller anderen levitischen Handlungen.
Aber der Heilige Geist Gottes hält diese Wahrheit nicht zurück, sondern gibt ihr
einen vorrangigen Platz in der Einführung.
Es war kaum nötig zu sagen, dass Christus "durch Sich Selbst" die
Reinigung der Sünden bewirkte. Denn Er allein litt für die Sünde; Er allein
wurde für uns geopfert. Des Vaters Wille wurde erfüllt, indem Er Ihn für diesen
Zweck dahingab; und der Heilige Geist gibt Zeugnis davon zur vollständigen
Wirksamkeit, wie Er früher Bilder und Voraussagen und Verheißungen darlegte.
Aber es war Christi Aufgabe allein, zu leiden für die Sünde; und dies tat Er bis
zum Äußersten. "Um unserer Übertretungen willen war Er verwundet, um unserer
Missetaten willen zerschlagen: die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm; und
durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe;
wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg, und Jahwe hat ihn treffen lassen unser
aller Ungerechtigkeit. ... Doch Jahwe gefiel es, ihn zu zerschlagen, er hat ihn
leiden lassen, Wenn seine Seele das Schuldopfer gestellt haben wird"...etc. "Er
hat seine Seele ausgeschüttet in den Tod und ist den Übertretern beigezählt
worden; er aber hat die Sünde vieler getragen und hat für die Übertreter
Fürbitte getan." (Jes.53)
Und das ist die Grundlage von dem, was der Apostel anderswo die
"Gerechtigkeit Gottes" nennt, jene Gerechtigkeit, die nicht von Menschen kommt,
die das Gesetz suchte, aber im sündigen Menschen nicht fand, sondern die
Gerechtigkeit Gottes, der mit Hilfe der Versöhnung Christi alle, die glauben,
völlig segnen kann und sich frei für sie verwenden kann und alle Menschen, so
wie sie sind, aufsuchen kann. Die Reinigung der Sünden, bewirkt durch eine
göttliche Person, ist nicht begrenzt und kann nicht versagen; aber sie kann
notwendigerweise bei niemand wirksam werden, der das Evangelium hört, wenn er
nicht glaubt: Gott würde der Schmach für Seinen Sohn zustimmen, wenn Er aus dem
Unglauben des Menschen Licht machen würde. Außerdem hat das Wort, das im Glauben
aufgenommen wird, eine moralisch reinigende Kraft, wie alle Gläubigen geboren
werden aus Wasser und Geist. Aber hier ist es das Werk, nicht im Menschen,
sondern kraftvoll vor Gott, das den Apostel beschäftigt; und das ist die
Reinigung der Sünden durch Christus, bevor Er Sich gesetzt hat zur rechten Hand
Gottes.
Welch eine Bestätigung ist dieser Sein Sitz für die Vollendung und
Vollkommenheit des Werkes, das Er auf Sich nahm! Als Jahwe unsere Sünden auf
Christus legte, wurde Er für uns zur Sünde gemacht und wurde behandelt, so wie
die Sünde es verdiente in der Hand Gottes. Denn was wusste der Mensch, ja, sogar
die Heiligen, damals von jener unendlichen Aufgabe? Gott Selbst kennzeichnete
sie durch eine Finsternis, für die nichts in der Natur Rechenschaft geben kann,
und Christus bekannte es in jenem Schrei, der für niemand gelten konnte als für
Ihn: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Das war das,
was das Tragen der Sünde begleiten musste: absolute Verlassenheit von Gott. Wenn
Er auch Sein Gott war, wurde Christus doch zur Sünde gemacht; und es war keine
Verstellung, sondern Wirklichkeit, wenn irgendetwas jemals wirklich war; kein
Hinweghuschen über die kleinsten Sünden, kein Auslassen der größten Sünden.
Christus trug das Gericht für die Sünde, die einzige gerechte Möglichkeit für
die Reinigung der Sünden. Und das Werk wurde getan und vollendet in solcher
Vollkommenheit, dass der einzige angemessene Sitz für Ihn, der alles getragen
hatte, zur Rechten der Majestät in der Höhe war. Davids Thron wird später
eingenommen werden, wenn der Segen für die Erde über Israel dämmert. Und wenn
der Sohn des Menschen in Seiner Herrlichkeit kommen wird, und alle Engel mit
ihm, dann wird Er auf Seinem Throne der Herrlichkeit sitzen; und vor Ihm werden
versammelt werden alle Nationen. Aber hier ist ein unvergleichlich erhabenerer
Sitz, und er ist wirklich für niemand geeignet und möglich außer für eine
göttliche Person; doch wird er auch vorgestellt als der Platz, der für Ihn
angemessen ist, der gerade die Reinigung der Sünden bewirkt hatte. Hierin litt
und arbeitete Er; dort setzte Er sich nieder, nachdem das Werk vollbracht war
und so angenommen war. Um wie viel Herrlicher war es für den erniedrigten
Messias? Um wie viel gesegneter in seiner Frucht für den Gläubigen? Ein Opfer an
Gott, Er gab Sich Selbst hin für uns.
Hier ist ein anderes Wort hinzugefügt, dessen Bedeutung für den jüdischen
Verstand nicht weniger klar war. Sie dachten viel an die Herrlichkeit der Engel.
Das Gesetz fassten sie auf als von Engelsdienst verordnet (Apostelgesch. 7,50;
Gal 3,19). Sie waren deshalb gewöhnt, mit Furcht und Staunen jene gehorsamen
Boten der Macht Gottes zu betrachten, wovon es keinen stärkeren Beweis geben
kann als die Versuchung des Johannes in Offenb. 19 u. 22. Deshalb das Gewicht
des weiteren Zeugnisses für die Herrlichkeit Christi hier: "indem er umso
viel besser geworden ist als die Engel, als er einen vorzüglicheren Namen vor
ihnen ererbt hat." (Vers4)
Christus macht den Grund des Ratschlusses Gottes deutlich, der besagt, die
von den Menschen zu erheben, die bestimmt sind für einen unvergleichlich höheren
Platz als den der Engel. Wenn der Sohn Gottes Mensch wurde, war dies sofort
verständlich, schicklich und notwendig. Und die Erlösung in Christus und unsere
daraus folgende Nähe der Verbindung, in die die Gnade den Gläubigen bringt,
macht unsere Vereinigung mit Ihm klar und unsere Erhöhung über die Engel. Denn
sie werden nicht gerufen, sondern gehalten. Da sie nicht in moralisches
Verderben gesunken sind, haben sie keine Erfahrung mit der Gnade, die rettet und
mit Christus vereint. Deshalb wird von Engeln nie gesagt, dass sie herrschen.
Sie dienen, anstatt auf Thronen zu sitzen. Wir sollen mit Ihm herrschen, und
doch werden wir dann dienen, wie wir auch jetzt dienen, und noch viel besser
durch die Gnade, weil wir, befreit von dem letzten Bewusstsein von Schuld und
Bösem, das Ziel Seiner unaufhörlichen und unendlichen Liebe sind und Seine
Herrlichkeit so sicher teilen werden, wie wir jetzt auf Seiner Gnade ruhen.
Engel kennen beide Extreme nicht, wie wir es tun; aber alles, dessen wir uns
rühmen, besteht durch Ihn, der so viel besser geworden ist als die Engel, als Er
einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat. Es ist der Messias, von dem wir
hören.
Als nächstes kommt eine Reihe von Zitaten aus dem AT, die sich auf die
Sohnschaft Christi bezieht, die gerade dargelegt worden ist. Diese Fülle von
Zitaten der alten Weissagungen ist nirgendwo so reich wie hier, wenn sich auch
anders in den Schriften des Apostels und besonders im Brief an die Römer Zitate
finden. Auch könnten wir es sonst nicht verstehen, wenn er nicht an Gläubige aus
dem auserwählten Volk schrieb und ängstlich darauf bedacht war in seiner
liebevollen Rücksicht auf sie, alles mehr auf Gottes Wort fußen zu lassen, das
ihnen schon bekannt war, als auf seine eigenen neuen prophetischen Mitteilungen.
Verse 5-9: Denn zu welchem
der Engel hat er je gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt? Und
wiederum: Ich will ihm zum Vater, und er soll mir zum Sohne sein? Wenn er aber
den Erstgeborenen wiederum in den Erdkreis einführt, spricht er: Und alle Engel
Gottes sollen ihn anbeten. Und in Bezug auf die Engel zwar spricht er: Der seine
Engel zu Winden macht und seine Diener zu einer Feuerflamme; in Bezug auf den
Sohn aber: Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und ein Zepter der
Aufrichtigkeit ist das Zepter deines Reiches; du hast Gerechtigkeit geliebt und
Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl
über deine Genossen."
Als Juden waren sie daran gewöhnt, viel an Engel zu denken, die sich oft
zeigten in kritischen Situationen bei ihren Vätern und die einen sehr bestimmten
Anteil hatten bei der Einführung des Gesetzes und bei der Verkündigung und
Durchführung von Befreiungen nachher, wie jedermann sehen kann, der aufmerksam
das Gesetz und die Propheten liest. Dies diente dazu, eine nicht geringe
Verehrung in den Gemütern der Gerechten hervorzurufen und auch Aberglauben bei
solchen, die die Grundlage der Schrift verließen. Christus allein weckt die
Wahrheit in uns und erhält sie. Und hier haben wir ein klares Beispiel vor uns,
wie auch im ganzen Brief. Nicht nur war das Leben das Licht der Menschen, und
nicht der Engel, sondern der Sohn Gottes, der wirklich Mensch wurde, wie Er
schon oft vorher in menschlicher Verkleidung eingegriffen hatte, gab den Beweis
dafür, dass das Wohlgefallen Gottes auf den Menschen liegt, und Er bereitete den
Weg für die Offenbarung der herrlichen Ratschlüsse, die Er immer gehabt hatte
für solche, die glauben, am Tage Christi, wenn sogar die Engel in
untergeordneter Stellung sein sollen, wie in der ganzen Ewigkeit. Und dies
konnte ganz gewiss nicht sein ohne Erlösung, wie Erlösung im vollen Sinne nicht
ohne Fleischwerdung sein konnte, wie in Kap. 1 angenommen und offen dargelegt in
Kap. 2, wie wir sehen werden. Wie der Sohn unbestreitbar über den Propheten
steht, so wird von Ihm jetzt bewiesen, dass Er genau so über den Engeln steht;
und Er ist der Grund für all unseren Segen.
Die erste Schriftstelle, die zitiert wird, ist aus Psalm 2,7: "Du bist
mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt." Niemals war ein solches Wort an
einen Engel gerichtet. Es bezieht sich nur auf Christus. Aber wie? Der Apostel
Johannes liebt es, sich über Seine ewige Sohnschaft zu verbreiten. Wiederum wird
Er anderswo in den Briefen des Paulus oft gezeigt als Sohn Gottes in
Auferstehung (Röm 1,4;8,29; Kol 1,18), wie natürlich auch, wenn Er vom Himmel
wiederkehrt (1Thes 1,10). Als was wird Er hier betrachtet? Als Sohn Gottes,
der in die Zeit geboren ist: so sehen wir Ihn in Luk. 1,32 und noch deutlicher
in Vers 35. Das Annehmen des Fleisches erniedrigte in keiner Weise Seine
Sohnschaft: als ewiger Sohn Gottes war Er noch und nicht weniger Sohn Gottes,
als Er von der Jungfrau geboren wurde, wie Er es auch in der Auferstehung und
auf immerdar in Herrlichkeit ist; Er allein, in der Kraft göttlichen Rechtes,
das von Gott anerkannt ist und für Jesus allein galt, vergrößerte durch das Wort
Jahwes Name über alles.
Es ist umso wichtiger, dass dies klar und unumstößlich gesehen wird, weil
sogar der gelehrte Bischof Pearson in seinem berühmten Werk über den Glauben
über und über den mystischen Gesichtspunkt dieses Verses unterstützt, der
zitiert wird in Apostelgesch. 13,32 u. 33, als wenn der Apostel das so bestimmt
entschieden hätte. Aber dies ist gänzlich ein Versehen. Im Gegenteil und über
allen Zweifel erhaben, der Apostel unterscheidet in Vers 34 die Auferstehung des
Herrn (bezeugt durch Jes 55,3 und Psalm 16,1O) von Seiner Sohnschaft in den
Tagen Seines Fleisches wie in Psalm 2,7. Das "Auferwecken" (nicht "Wieder-Auferwecken",
wie in der Authorized Version) in Vers 32 u. 33, bezieht sich auf den Messias
auf Erden; wovon in Vers 34 das Wiederauferwecken Gottes aus den Toten
unterschieden ist.
Es ist deshalb nicht nötig oder sogar gar nicht möglich, abzuweichen von der
einfachen, aber doch großartigen Wahrheit, wie der Psalmist und so auch der
Apostel in seiner Predigt in Antiochien von Pisidien und auch hier in dem Brief
an die Judenchristen von dem spricht, was Jahwe von Seinem Sohn gesagt hat, als
Er als ein Mensch geboren wurde. Es ist deshalb Seine Geburt in der Zeit: "Heute
habe ich dich gezeugt." Aber es ist von größter Bedeutung für die Wahrheit
und für Seine persönliche Würde, sich zu erinnern, dass Seine Sohnschaft, als Er
Mensch wurde, und auch in der Auferstehung gegründet ist auf Seine ewige
Beziehung als Sohn, das große Thema des Apostels Johannes, ohne welche die
beiden anderen nicht da gewesen sein könnten. Hier haben zu viele Christen
versagt.
Das nächste Zitat scheint aus 1Chr 17,13 (2Sam 7, wo dieselben Worte
auftauchen, ist mehr historisch) entnommen zu sein: "Ich will ihn zum Vater,
und Er soll mir zum Sohne sein." Dies ist die Erklärung der vollkommenen und
gegenseitigen Liebe, die zwischen dem Vater und Seinem Sohn herrschte, jetzt als
lebendiger Mensch; nicht was eine vollendete Tatsache wurde, wie in Psalm 2,7,
und was bleiben sollte, wenn Er von einer Frau geboren wurde, "Sohn Davids,
Sohn Abrahams". (Matth. 1,1)
Was den zweiten Text angeht, hat es wenig Erörterungen gegeben zwischen
orthodoxen Leuten. Nicht so bei dem dritten, der in unserem Brief identisch ist
mit dem Vatikanischen (nicht dem Alexandrinischen)-Septuaginta-Text von 5. Mose
32,43 und im Wesentlichen auch mit Psalm 97,7. Aber man hat scharf darauf
gedrängt, dass bei den einleitenden Worten das "wiederum"
pa,lin zu eivsaga,gh| gehört und eine neue und zweite Einführung des
Messias anzeigt, anstatt wie in der AV [engl. Bibelübers.] und vielen anderen
Fassungen das Anzeichen für ein neues Zitat zu sein. Nicht wenige alte,
mittelalterlichen und modernen Kommentatoren haben das so aufgefasst, wenn sie
auch große Unterschiede haben hinsichtlich der angeführten zweiten Einführung.
Aber die Pesch. Syr. fand keine solche Schwierigkeit wie die Vulgata; auch nicht
Erasmus, Luther, Calvin, Beza, Bengel, Wolf und die meisten der modernen
Kommentatoren und Bleek. Es wird angenommen, dass pa,lin
nicht da stehen würde, wo es im Griechischen ist, wenn es ein neues Zitat
einführte; aber der gute Gelehrte, der so spricht, gesteht zu, dass im Fall der
Interpretation die Fassung der AV bei weitem vorzuziehen ist. Ist dies wirklich
normal? Dass eine falsche Fassung einen besseren Sinn gibt als die richtige?
Dass die richtige grammatisch nicht zu rechtfertigen ist?
Die Tatsache ist, dass die Zusammenstellung im NT die einzige ist, soweit ich
sehen kann, und dass es nichts dergleichen in der Septuaginta gibt. Nun gibt es
bei den anderen Beispielen des NT keinen Fall, der ganz genau so ist wie dieser
hier vor uns, nicht nur kein o[tan de. , sondern auch
nichts Ähnliches. Ich lasse nicht zu (bis ein wirklicher Fall besteht, der dem
entgegensteht, was von einem berühmten und kompetenten Mann, Canon Humphry,
bekannt wird als ein sich ergebender Sinn, der wohl vorzuziehen ist), dass wir
getrieben werden, dem Griechischen eine Elastizität abzusprechen, deren unsere
Sprache vollkommen fähig ist. Engländer werden bestimmt nicht gehemmt durch
solch eine Ordnung wie: "Wiederum, wenn er einführt." Welchen Beweis gibt es,
dass das noch weit biegsamere Griechisch mehr eingeschränkt ist? Nicht selten
sind einzelne Beispiele für eine Zusammenstellung oder Konstruktion im NT und in
anderen Schriften. Wenn wir sagen können: "Und wenn Er wiederum einführt etc.",
weiß ich nicht, warum nicht der Schreiber mit der gleichen Freiheit eine
entsprechende Ordnung genommen haben sollte, auch wenn es kein anderes Beispiel
dafür gibt und keinen anderen Wunsch nach solch einer Vielfalt. Was ist denn der
grammatische Grundsatz oder der Gebrauch, von dem man annimmt, dass er hier
verdreht ist? "Wenn es in diesem Brief mit einem Verbum verbunden ist, hat es
immer den Sinn von 'zum zweiten Mal', z.B. Kap. 4,7;5,12; 6,1 u. 6." Ist es
nicht unglücklich, dass das Allererste anders ist? Es ist dort mehr mit einem
Verb verbunden als in dem Vers, der zur Debatte steht. Es bedeutet: "Wiederum
bestimmt Er" und nicht "Er bestimmt zum zweiten Mal." Es besteht kein Zweifel,
dass es in Vers 16, wie in Kap. 6,1 u. 6 iterum(wiederum) bedeutet (nicht rursus
(wieder), besonders wenn es gebraucht wird als eine Art Parenthese, wie in Kap.
1 und anderswo oft). In der Tat verleugnet das allererste Auftauchen im NT diese
imaginäre Regel der Grammatik.
Unser Herr sagte in Matth. 5,33 Pa,lin hvkou,sate,
dessen unmissverständlicher und überall anerkannter Sinn ist: "Wiederum habt
ihr gehört", und nicht "Ihr habt zum zweiten Mal gehört." Zu sagen:
"verbunden mit einem Verbum", drängt zu der Frage. Ist es wirklich so? Wir
können sicher sein, dass es so nicht sein kann.
Die Tatsache ist, dass es das Ziel des Apostels zu sein scheint, nicht die
Zeit zu bestimmen, wenn Gott den Erstgeborenen in die Welt einführt, sondern die
allumfassende Huldigung aller Engel Gottes für die Herrlichkeit des Sohnes zu
beweisen (wann auch immer es gewesen sein mag, Vergangenheit oder vielleicht
Zukunft). Und ganz gewiss ist Lukas 2, 13 u. 14 ein wunderbares Zeugnis dafür.
Auch besteht nicht der geringste Grund für eine Beschränkung des "Erstgeborenen"
auf die Auferstehung. Wie jeder Leser sehen kann, stellt Kol 1,15 den Herrn
Jesus als Erstgeborenen aller Schöpfung heraus, ganz getrennt von Seiner
folgenden und noch herrlicheren Stellung als "Erstgeborener aus den Toten"
in Vers 18 (siehe Offenb. 1,5). "Erstgeborener" ist als solches also mehr
passend für Ihn einfach als Fleischgewordener; dieses sagt, so weit wie es geht,
aus gegen ein Zusammenfügen von pa,lin mit dem Verbum
als "zum zweiten Mal". Zur gleichen Zeit ist es frei erlaubt, dass die
Erfüllung von 5. Mose 32 oder von Psalm 97 als Ganzes das zweite Kommen des
Herrn erwartet.
Hiernach haben wir Worte, die aus zwei Psalmen zitiert sind, Psalm 104,4
hinsichtlich der Engel, hinter die kein Jude ein Fragezeichen setzen würde, und
in der Tat können solche Boten und Diener nur Engel sein, was auch immer Calvin
anderes erörtern mag; Psalm 95,6 u. 7 hinsichtlich dem Herrn Jesus. Ich habe
kein Recht, die wirklichen Ziele und wirklichen Aussagen im Hebräerbrief zu
erklären. Aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Brief an die
Hebräer aus der Septuaginta zitiert wie in der Vat., außer in der Form der
letzten Worte; und dort lässt die wahre Ordnung keine Frage zu. So ist die
Bedeutung des ersteren Psalms über gerechten Streit erhaben. Die herrlichen
Wesen des Himmels, seine natürlichen Bewohner, sind geschaffen, um Gottes Willen
in der Vorsehung zu tun und zu handeln in Wind oder Feuerflamme. Aber anstatt
Christus zu diesem oder jenem zu machen, sagt Er: "Dein Thron, o Gott, ist
von Ewigkeit zu Ewigkeit, und ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter
deines Reiches."
Hier nehme man zur Kenntnis, dass es nicht mehr als in 5. Mose 32 (oder Psalm
97) um die Zeit der Erfüllung geht; denn es ist sehr sicher, dass das
gerichtliche Königreich, das in Psalm 45 beschrieben ist, noch zukünftig ist, da
es noch keine richtige Erfüllung bis jetzt gehabt hat. Aber um nichts weniger
ist das Erkennen der Herrlichkeit des Messias sogar jetzt für das Ziel des
Briefes äußerst nützlich. Denn Gott anerkennt den Messias als nichts Geringeres
als Er Selbst; wenn Er aber Gott ist, kann es nicht nur eine bloße Frage der
Zeit sein, welche herrliche Offenbarung auch immer noch kommen mag.
Auch die Vergangenheit ist nicht vergessen und kann nie von Gott vergessen
werden. "Du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst." So
war Jesus als Mensch hier unten; denn in der Tat ist Er beides in einer Person,
Er ist nicht mehr wahrer Gott als Mensch und nicht mehr Mensch als Gott. Vergl.
Phil 2. "Darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl über deine
Genossen."
Wie herrlich ist es, die Weite der Gnade und Wahrheit zu sehen. Nach diesem
erhabenen Anerkennen des Messias als Gott durch Gott kommt die vollste
Anerkennung der anderen [A. d. Red.: seiner Genossen]. Er Selbst schämt Sich
nicht mehr, uns als Seine Genossen anzuerkennen, als Gott sich schämt, Ihn als
Gott anzuerkennen. Er, der heiligt, und die, die geheiligt werden, sind alle von
einem. Und doch ist Er nicht weniger Gott als der Vater, der dafür sorgen wird,
dass alle Menschen den Sohn genauso wie Ihn Selbst ehren werden. Was haben
ungläubige Träume vom Fortschritt gleichzusetzen der einfachen und sicheren
christlichen Wahrheit?
Das Zitat aus Psalm 45 war sehr bestimmt und überzeugend. Kein Jude damals
oder heute konnte bezweifeln, dass der ganze Psalm sich auf den Messias bezieht,
der Sein Königreich auf Erden einführt und erhält in Verbindung mit dem
gottesfürchtigen jüdischen Überrest. Christus wird als König gesehen und nicht
als Haupt der Gemeinde (obwohl gottesfürchtige Juden jetzt zu Seinen Genossen
ernannt werden, bevor Er in Seiner königlichen Herrlichkeit erscheint.). Aber
das einzige Ziel, warum dies zitiert wird, ist, zu beweisen, dass Gott den
Messias als Gott anerkennt. Es sind nicht nur die Menschen allein oder die
Engel, nicht Juden oder Heiden. Es ist "Gott", der göttliche Name, nicht einer
besonderen irdischen Verwandtschaft, sondern von wesentlicher Natur im Gegensatz
zu der Schöpfung. Welch eine Antwort auf Verachtung und Verwerfung!
Es könnte für unmöglich gehalten werden, irgendeine Beifügung darüber
hinausgehend für die Ehre Christi zu finden; aber das ist nicht so: das nächste
Zeugnis geht noch weiter. Hier ist ein anderes und höheres Zeugnis für den Sohn
aus dem 4. Buch der Psalmen (102, 25-27):
Verse 10-12: Und du, Herr,
hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke deiner Hände; sie
werden untergehen; du aber bleibest; und sie alle werden veralten und wie ein
Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie zusammenwickeln, und sie werden
verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen.
Das "und" verbindet einfach dieses neue Zitat mit dem Vorigen, was zu dem
Sohn gesagt worden war. Aber der göttliche Name ändert sich. Es ist der Name,
den jeder Jude anerkennt als unmittelbar und erhaben. "Gott" mag untergeordnet
gebraucht werden unter besonderen Umständen von denen, die Seine Autorität als
Könige oder Richter vertreten. Vergl. 2. Mose 21; 22; Psalm 82. Aber Jahwe, in
der Septuaginta mit "Herr" übersetzt, wie es hier gebraucht wird, wird niemals
angewandt in anderer Weise als für Gott im höchsten Sinne, und dies im
besonderen Charakter oder Bundescharakter in Verbindung mit Israel als der Ewige
und Unveränderliche.
Die Kraft dieser Anwendung der Abschlussworte in dem Psalm ist ungeheuer. Es
ist Jahwes Antwort auf das Gebet des Angefochtenen, des Gedemütigten,
Ausgestoßenen und Leidenden Messias, und zwar besonders auf Seine Bitte in Vers
24. Keine Sprache kann Ihn völliger als Menschen zeigen, wie Er überwältigt ist
und Seine Klage vor Jahwe ausschüttet und doch der Heilige Eine Gottes ist, der
so geboren und unterstützt worden ist unter unvergleichlichen Versuchungen in
unerschütterlicher Abhängigkeit und Gehorsam. In den Versen 1-11 öffnet der
Messias Seine Not, Sein Herz ist zerschlagen wie Glas, Seine Feinde höhnen Ihn;
Er Selbst ist emporgehoben und hingeworfen wegen Jahwes Zorn und Seines Grimms -
gewiss nicht gegen Ihn, sondern zum Wohle Israels - so dass Seine Tage waren wie
ein Schatten. Dann stellt Er von Vers 12 an Jahwes Bleiben und Treue gegenüber
Seinem Bund als Gegensatz dagegen, die Sicherheit Zions, was auch immer ihre
Trübsal ist, sogar in der festgesetzten Zeit, um es zu begnadigen, mit den
sicheren und segensvollen Ergebnissen, nicht nur für die zukünftige Generation,
sondern für die Völker und Königreiche und Nationen an jenem Tag, wo sie Jahwe
fürchten und Ihm dienen werden. Als letztes breitet Er vor Jahwe in den Versen
23 u. 24 Seine eigene gebeugte Kraft aus und Seine verkürzten Tage, und Er
bittet, nicht hinweggenommen zu werden in der Hälfte Seiner Tage, während Er
anerkennt, dass Jahwes Jahre von Geschlecht zu Geschlecht sind. Darauf folgt die
herrliche Antwort des leeren und leidenden Sohnes: "Du hast vormals die Erde
gegründet" etc. "Sie werden untergehen, du aber bleibst" etc.
Es ist Jahwe von oben, der so Jahwe unten antwortet inmitten Seiner völligen
Unterwerfung unter Schmerz und Erniedrigung, "gekreuzigt in Schwachheit".
Jahwe wird Sich erheben und Zion aufbauen; und wenn Er es tut, wird Er in Seiner
Herrlichkeit erscheinen; aber Zion wird nicht ohne ihren erniedrigten und
geschlagenen Messias sein, unter welche Schwachheit auch immer Er sich beugte
zur Herrlichkeit Gottes und der Befreiung Seines Volkes; denn der Sohn ist genau
so wirklich Jahwe wie der Vater. "Höre, Israel: Jahwe, unser Gott, ist ein
einiger Gott." Dies ist der Sinn von Psalm 102, gedeutet von einem, der
nicht weniger inspiriert war wie der, der den Psalm schrieb. Ohne Heb 1 hätten
wir es nicht herausfinden können; mit dieser Stelle sehen wir sofort, dass keine
andere Interpretation dem Psalm einen angemessenen Sinn gibt. Aber welch ein
Beweis für die erhabene Gottheit Christi, und das gegründet darauf, dass Er den
unaussprechlichen Namen von Dem besitzt, Der ihn zugestandenermaßen trägt! Die
göttliche Herrlichkeit Christi ist die Antwort auf alle Erscheinungen und jedes
Dilemma.
Wenn angeführt werden sollte, dass das Wort "Herr" ku,rie
in der Septuaginta kein Gegenstück im Hebräischen hat, ist die Antwort, dass die
Wahrheit, die gemeint wird, in keiner Weise abhängt von der Einsetzung jenes
Wortes, sondern von den Attributen der Schöpfer- und Gerichtsherrlichkeit, sowie
auch der göttlichen Unveränderlichkeit, während Er alle Schöpfung verändert, die
dem Messias durch Jahwe zugewiesen worden ist. Er war Mensch und wurde bedrängt
bis zum Äußersten, wie es sein musste, wenn Er den Auftrag der Gnade erfüllen
wollte, für den Er kam - auf gerechte Weise Gott rechtfertigen angesichts der
Sünde und das Volk, auf dem der Zorn und Grimm lag, zu befreien; und dies tat Er
indem Er Schwachheit litt, nicht in Kraft, aber Er wird anerkannt in jenem
Leiden als Der, der immer derselbe ist, der Ewige: nicht nur als Der, der ein
ewiges Königreich hat, sondern auch als der Eine, der da ist und der da war und
der da kommt, der Alte der Zeiten, und doch der Sohn des Menschen, wie Johannes
in Offenb. 1 bezeugt. Wir können auch Dan 7, 13 u. 22 zum Vergleich
heranziehen, wo der Sohn des Menschen, der zu dem Alten an Tagen kam, Er Selbst
ist, der so identifiziert ist mit dem Alten der Tage. So sorgfältig ist die
Schrift, dass sie, wenn sie Sein Menschsein darstellt, Sein Gottsein erwähnt.
Der Gegensatz der vergänglichen Schöpfung mit der bleibenden Dauer Christi
(in Wirklichkeit Jahwe) verdient es, betrachtet zu werden. Denn die angenommene
Dauerhaftigkeit der Welt ist ein Grundprinzip des Unglaubens, und das niemals
mehr als in der Verehrung des Materialismus bei modernen Philosophen, das
Wiederaufleben alten Heidentums. Die Schrift dagegen besteht auf der Gewissheit
eines Gottes des Gerichtes, nicht weniger physisch wie moralisch. Alles hängt
von Seinem souveränen und heiligen Willen ab. Es ist nicht nur so, dass die
Wissenschaft gezwungen ist, göttliches Eingreifen zu bekennen in den Vorgängen,
dass die Erde viele Male und durch viele Zeiträume geschaffen und zerstört wurde
(ich sage nicht: vernichtet, denn das ist falsch) zwischen ihrem ursprünglichen
ins Leben Gerufen-Werden und der Zeit, dass sie zur Wohnung des Menschen gemacht
wurde. Aber seit Adams Kinder auf ihr lebten, hat ein moralisches und physisches
Gericht Zeugnis getragen, wenn auch Spötter es nicht sehen wollen, dass Gott
nicht gleichgültig ist gegenüber der Bosheit ist, die durch die Fesseln der
Schöpfung bricht; denn die Welt, die damals war, wurde mit Wasser überflutet und
ging unter; wie es sicherlich ein noch deutlicheres Verderben geben wird, das
zurückgehalten wird für den Tag des Gerichtes und der Zerstörung der Gottlosen.
Jetzt ist alles Gericht dem Sohn übertragen. Er hat es ausgeführt, wie Er es
ausführen wird.
Auch ist es nicht so, dass diese oder jene untergeordneten Teile der
Schöpfung untergehen werden. Aber so wie die Erde und die Himmel die Werke der
Hände des Sohnes waren (Joh 1,3), so wird alles veralten wie ein Kleid. Auch
hängt es nicht ab von der Schlechtigkeit der Schöpfung, sondern von dem
gerechten Willen des Schöpfers; "Wie ein Gewand wirst du sie zusammenwickeln."
Die Unveränderlichkeit der Himmel und von allem, was sichtbar und unsichtbar
daran ist, ist nicht mehr wahr als bei der Erde und bei allem darin, von dem die
Menschen versichern, dass es weiter bestehen wird, wie es war. Die Astronomen,
die Geologen, die Chemiker, die Physiker, die Physiologen, um nicht noch mehr zu
erwähnen, sind fähig, jede Erkenntnis des wahren Gottes in der alleinigen
Beschäftigung mit Seinen Werken zu ersticken und so in einen Atheismus zu
sinken, der umso schuldiger ist, weil es die Ableugnung des einen wahren Lichtes
ist, das Ihn offenbart hat. Aber es ist nicht mehr wahr, dass sie sterben
müssen, als dass sie auferstehen müssen. Denn die Auferstehung Christi schenkt
das Pfand der Befreiung vom Gericht den Seinen, ja, das Pfand gegenwärtiger
Rechtfertigung und das Pfand sicheren Gerichtes, das folgen wird für alle, die
Ihn verachten. Christi Auferstehung beweist, dass die Folge von Ursache und
Wirkung wirklich unter Gottes absoluter Kontrolle steht; wie es wahr ist für
jedes wirkliche Wunder. Es wird eine große Veränderung geschehen, die Christi
Kommen einleitet; eine vollständige und endgültige Veränderung als das Ergebnis,
wenn das Königreich Platz macht für all die Dinge, die für die Ewigkeit neu
gemacht worden sind.
Diese Reihe der Zitate schließt mit Worten ab, die aus dem Anfang von Psalm
110 entnommen sind, was wiederum eine Äußerung Jahwes gegenüber dem Messias in
Seiner Verwerfung ist.
Verse 13-14: Zu welchem
der Engel aber hat er je gesagt: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine
Feinde lege zum Schemel deiner Füße? Sind sie nicht alle dienstbare Geister,
ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen?
Psalm 110 ist umso überraschender, als er unmittelbar dem Psalm folgt, der
den Sohn des Verderbens beschreibt, den Verräter des Messias. Hier wird dem
Verworfenen Israels und der Menschen gesagt, dass Er Seinen Platz zur rechten
Hand Gottes einnehmen soll, eine Tatsache, auf die im ganzen NT angespielt wird
und die überall dort zitiert wird, vielleicht mehr als irgendeine andere
Behauptung des AT's, außer in Bezug auf Sein Opfer oder Sein Königreich. Auch
brauchten wir uns nicht darüber wundern. Christi gegenwärtige Herrlichkeit wird
darin dargelegt. Es bietet die Gelegenheit, "das Geheimnis Christi"
einzuführen. Es ist der Ausgangspunkt des Evangeliums in seinem himmlischen
Charakter. Es erklärt das Rätsel des in der Höhe erhöhten Christus, während er,
als Er hier unten war, äußerlich verworfen war und nichts von Seinen Rechten
hatte. Es stößt gleichermaßen auch auf das Geheimnis der Finsternis Israels in
seinem Unglauben und auf den Anspruch Satans als Gott dieser Zeit.
Kein Engel wurde jemals aufgefordert wie Er, sich auf jenen Thron zu setzen.
In der Tat, obwohl die Heiligen mit Christus auf Seinem Thron sitzen sollen in
der Zeit Seiner Offenbarung, soll kein Engel das jemals. Engel wurden
erschaffen, um zu dienen, nicht um zu herrschen; sie haben niemals geherrscht
und werden es niemals. Herrschaft wurde Adam gegeben, das Bild Dessen, Der
kommen sollte. Gott hatte das Reich immer im Auge von Grundlegung der Welt an.
Von diesem Königreich ist Christus der bestimmte König. Aber so wie Er in Seiner
Gnade die verwandelten Heiligen mit Ihm herrschen lassen wird, so wird Er auch
unverwandelte Heilige haben, die Er zu Seiner Rechten stellt, und Spötter zu
Seiner Linken, wenn Er sitzt auf Seinem Thron der Herrlichkeit und alle Nationen
richten wird entsprechend ihrer Behandlung gegenüber Seinen Boten (Seinen
Brüdern), die ausgesandt werden, bis wenn Er wiederkommt.
Niemals wird die Gemeinde da sitzen, wo Christus jetzt sitzt, auch nicht
irgendein Glied davon, sogar nicht ein Apostel oder Prophet. Es ist eigens für
Gott, Der Christus dorthin beruft: weil Christus auch Gott ist und Jahwe (nicht
weniger als der, der Ihn sandte, wie wir gesehen haben), Christus sitzt dort.
Während der apokalyptischen Zeit kommen nacheinander Gerichte von Gott, und zwar
mit steigender Intensität auf den schuldigen Menschen, besonders im Christentum;
und endlich, wenn Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gelegt sind, erscheint
Christus persönlich, um sie niederzutreten. Dann in Vereinigung mit Seinem alten
Volk sendet Jahwe den Stab Seiner Kraft aus Zion, und Christus herrscht in der
Mitte Seiner Feinde. Aber das sind nicht langer die Juden, die einmal die Heiden
zwangen, Ihn zu kreuzigen; sie bieten sich selbst freiwillig dar am Tag Seiner
Macht. Er wird darin den Tau Seiner Jugend haben, die zukünftige Generation. "Anstelle
deiner Väter werden deine Kinder sein." Die Menschen verderben sich selbst
mehr und mehr, wie sie sich auch des Fortschrittes rühmen.
Nichtsdestoweniger wird es unter Christus wirklich den besten Wein auf Erden
geben, der bis dahin aufbewahrt wird. Und dann wird sich der Segen zeigen von
Jahwes Eid über den großen Melchisedek; denn obwohl Christus nach dieser Ordnung
jetzt schon ist, wird sie erst dann zur Ausübung kommen. Er wird Brot und Wein
herausbringen für die Sieger in ihrer ganzen Bedeutung, der den Menschen segnet
bei Gott, dem Höchsten, und Gott preist vor den Menschen. Denn das wird wirklich
die gute Zeit sein, und jeden und jedes Ding wird an seinem richtigen Platz
sein, was Er nur vollbringen kann. Ohne Zweifel wird jener Tag mit Zorn
beginnen, wie wir wissen, dass er enden wird mit dem Gericht, wenn die Zeit in
die Ewigkeit verschmilzt.
Und dann ist es wiederum das Ziel des Geistes, nicht die zukünftige
Herrlichkeit für die Erde zu zeigen, sondern die einzigartige Würde zu
enthüllen, die Christus gebührt zur Rechten Gottes im Gegensatz zu den Engeln,
die im besten Fall alle dienstbare Geister sind, ausgesandt zum Dienst um derer
willen, welche die Seligkeit ererben sollen. Darüber hinaus erheben sie sich
nie. Christus konnte Davids Sohn werden und wurde es; aber Er war auch Davids
Herr, wie unser Herr Selbst es den Juden als Fall vorlegte, und unwiderleglich,
weil ihr Mund im Unglauben verschlossen war. Aber der Glaube antwortet hier
sofort. Er war Gott gleicherweise wie der Vater. Wo anders dann sollte Er sitzen
als zur Rechten Gottes? Sicherlich nichtsdestoweniger, weil der Mensch oder
Israel Ihn nicht haben wollte. Der Erste aus Israels Königslinie, (nach einer
langen Reihe, die dann folgen sollte) der Vater Dessen, Dem das ewige Königreich
gehört, wenn Er auch noch darauf wartet, erkennt Seinen Sohn durch eine sehr
seltsame Umkehrung der Natur an als seinen Herrn: eine unerklärliche Sache, wenn
Er nicht Gott wäre, die Wurzel und der Spross Davids. Die heiligen Engel werden
von dem Herrn gestützt. Es ist unser Teil, die Errettung zu kennen, sei es, so
wie sie jetzt in Christus vollendet gesehen wird (wie in Eph 2 etc.), oder, wie
sie in uns vollendet wird bei Seinem Kommen und deshalb zukünftig ist (wie hier
und anderswo).
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