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Der Lehrer - C.E. Stuart
      
Der Autor
Kurzbiographie
C.E.Stuart

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Der Lehrer
Ursprüngliches Christentum
C.E. Stuart
© EPV    Zugriffe: 6031    seit: 21.12.2005  
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Leitvers:
Epheser 4,11

Eph 4,11: Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.

Christentum besteht nicht darin, dass man ein gewisses Glaubensbekenntnis oder besondere Wahrheiten übernimmt. Es ist ein Leben, das einem Menschen mitgeteilt wird und von ewiger Dauer ist, aktiv in seinem Charakter, göttlich in seinem Ursprung; sein Inhalt und Ziel ist die Verherrlichung Gottes und das Heil unsterblicher Seelen.

Ein Christ kann seinen Wirkungskreis außerhalb der Kirche (Versammlung) als Evangelist haben oder innerhalb als Lehrer. Der Evangelist bringt durch die Predigt der Frohen Botschaft Seelen aus der Welt zu der einen Herde oder Kirche; der Lehrer führt die Seelen innerhalb der Herde tiefer in die Wahrheiten des Wortes Gottes ein. Seine Aufgabe ist es zu lehren, was Gott offenbart hat, nicht etwa neue Wahrheiten mitzuteilen. Wo unbekehrte Seelen sind, da ist das Arbeitsfeld des Evangelisten; wo Kinder Gottes gefunden werden, da ist ein Wirkungskreis für den Lehrer. Wie sehr hat man diese Wahrheit durch die vielen Benennungen innerhalb des Leibes Christi aus dem Auge verloren! Christen von verschiedenen kirchlichen Benennungen mögen wohl gemeinsam einen Evangelisten anerkennen als eine Gabe, die in der Welt wirkt. Wie wenige aber sind bereit anzuerkennen, dass Gott in der einen Kirche Lehrer gegeben hat zur Unterweisung und Hilfe für alle, die an den Herrn Jesus Christus glauben. Wie erfrischend ist es, sich von der sektiererischen Gesinnung, die man in unseren Tagen so oft antrifft, wegzuwenden und den feurigen, allumfassenden Geist zu betrachten, der einen Lehrer beseelt, wie Gottes Wort ihn beschreibt.

Paulus war ein Evangelist und er predigte dieses Evangelium, das jedem Geschöpf, das unter dem Himmel ist, kundgemacht werden sollte. Aber er war auch ein Lehrer, dem Gott einen Platz in Seiner Versammlung gegeben hat, um jeden Menschen zu ermahnen und zu lehren, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen. Er hatte die Gläubigen in Kolossä niemals gesehen; aber weil sie Gläubige waren, lagen sie ihm am Herzen. Für sie litt er in Rom und freute sich noch dabei, obwohl er nie in ihrer Mitte gewesen war; er ergänzte in seinem Fleisch, was noch rückständig war von den Drangsalen des Christus für Seinen Leib, das ist die Versammlung (Kol 1, 24). „… in Leiden für euch …“ schreibt er, weil sie einen Teil der Versammlung bildeten.

Paulus hatte einen ganz besonderen Dienst empfangen, nämlich das Wort Gottes zu vollenden (auf sein Vollmaß zu bringen), das Geheimnis, das einst verborgen war, das aber jetzt Seinen Heiligen offenbart ist: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“. Dieser Dienst war ihm anvertraut, und so betrachtete er seine Aufgabe nicht als erledigt, als er das Wort Gottes dadurch vollendete, dass er als Erstes das Geheimnis verkündigte. Gott wollte, dass die Gläubigen dieses Geheimnis kennenlernen sollten. Durch Paulus, den Apostel, den Diener nach Gottes Wahl, wurde das Wort Gottes vollendet. Durch Paulus, den Lehrer, wurde das Geheimnis und der Reichtum Seiner Herrlichkeit weit und breit verkündet. Welch ein wunderbares Thema war das: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“! Das betraf die Gläubigen allgemein und jeden persönlich. Bald wird sich „die Herrlichkeit des HERRN offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen“. Diese Kolosser aber erwarteten nicht nur, die Herrlichkeit zu sehen, sondern in der Herrlichkeit zu sein. Wenn diese Herrlichkeit offenbart wird, dann werden die Nationen auf der Erde eine niedrigere Stellung als die Juden einnehmen. Für die, denen Paulus schrieb, hatten solche nationalen Unterschiede keinerlei Bedeutung mehr, wiewohl sie ihrer Abstammung nach ja zu den Nationen (Nichtjuden) gehörten (Kol 3,11). Ihr Platz war in der Herrlichkeit und Christus in ihnen, der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses — die Hoffnung der Herrlichkeit.

Ihn verkündigte er, indem er jeden Menschen ermahnte und jeden Menschen lehrte, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen.

Paulus arbeitete als Apostel der Nationen hart und machte weite Reisen; er war sogar bereit, nach Spanien zu reisen, um das Werk seines Meisters zu tun. Und doch vergaß er darüber nie seine eigenen Landsleute. Nachdem er gerade in Rom angekommen war, predigt er ihnen vom Morgen bis zum Abend. Das spezielle Arbeitsfeld, das der Herr ihm angewiesen hatte, ließ ihn in seinen Interessen nicht einseitig werden oder einen sektiererischen Geist hegen. Er konnte schreiben: „… indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit“, und das unter viel Arbeit und Mühe für ihn selbst (Kol 1,29).

Aber das war nicht alles. Er tat dieses Werk mit seinem ganzen Herzen, weil Christus den ersten Platz in seinen Zuneigungen hatte. Er hatte ein Herzensinteresse für diese Heiligen, die so weit von ihm entfernt waren, weil sie Glieder am Leibe Christi waren. Er belehrte sie unter großem persönlichen Einsatz und Gebetskampf (Kol 1,29; 2,1–2). Er nahm alle auf, die zu ihm nach Rom kamen, indem er das Reich Gottes predigte und die Dinge, die den Herrn Jesus Christus betreffen. Er trug diese Heiligen in Kolossä, Laodizea und alle, die ihn persönlich noch nie gesehen hatten, mit Gebet vor Gott. Epaphras rang für sie allezeit in den Gebeten (Kol 4,12); er war ja einer von ihnen und so konnte jeder begreifen, dass er ein tiefes Interesse für sie hatte, nachdem er ihnen die Wahrheit Gottes mitgeteilt hatte. Paulus aber lagen sie so sehr am Herzen, dass auch er für sie im Gebet kämpfte. Und was war sein Wunsch? Wollte er, dass sie sich auf seine Seite stellten und ihm halfen im Widerstand gegen die judaisierenden Lehrer, die seine Autorität in den Versammlungen der Nicht-Juden untergraben wollten? Es ging ihm nicht um seine eigene Ehre und Wertschätzung, sondern um das Wohl der Heiligen: „… auf dass ihre Herzen getröstet sein mögen, vereinigt in Liebe und zu allem Reichtum der vollen Gewissheit des Verständnisses, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, in welchem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“ Hier dürfen wir in das Herz eines wahren Lehrers sehen. Er war nicht damit zufrieden, dass sie oberflächlich mit der Wahrheit bekannt wurden. Er wünschte, dass ihre Herzen ermuntert und alle in Liebe vereinigt werden möchten.

Er wünschte Liebe, den Ausdruck der göttlichen Natur, unter ihnen zu sehen, aber auch Erkenntnis „zu allem Reichtum der vollen Gewissheit des Verständnisses, zur vollen Erkenntnis des Geheimnisses Gottes“. Und warum dieser dringende Wunsch für die, denen er persönlich unbekannt war? Weil das, was er zum Ausdruck gebracht hatte, der einzige Schutz für ihre Seelen war: „… in welchem verborgen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“ Er fürchtete, dass sie durch schön klingende Worte verführt werden könnten. Ihre Ordnung und die Festigkeit ihres Glaubens an Christus sah er und er freute sich darüber; aber er wünschte, bei ihnen auch die volle Erkenntnis des Geheimnisses Gottes zu sehen.

Rom war weit von Kolossä entfernt, aber das scharfe Auge des Lehrers entdeckte ein Übel, das ihnen selbst vielleicht gar nicht bewusst war. Glauben an den Herrn Jesus hatten sie; auch die Liebe zeigte sich bei ihnen, die alle Heiligen umfasst. Das Wort der Wahrheit des Evangelium war zu ihnen gekommen (Kol 1,5). Sie hatten es aufgenommen, und es hatte in ihnen Frucht gebracht; aber das galt nicht nur für die Vergangenheit: „… fruchtbringend und wachsend in der ganzen Welt, wie auch unter euch, von dem Tage an, da ihr es gehört und die Gnade Gottes in Wahrheit erkannt habt.“ Epaphras hatte ihm ihre Liebe im Geiste kundgetan. Was fehlte ihnen noch? Was hätte man ihnen noch wünschen können? Der Apostel fasst seinen Wunsch in Kapitel 1,9–12 kurz zusammen. Offenbar fehlte ihnen der klare Blick für die Gefahren, denen sie ausgesetzt waren (Kol 2,8–23) und für den Weg, wie sie diesen Gefahren begegnen konnten.

Hätten sie erleuchtete Augen gehabt, um die Gefahren, die ihnen drohten, zu erkennen, so wäre es nicht nötig gewesen, sie darauf aufmerksam zu machen. Wären sie wachsam und mit dem rechten Heilmittel vertraut gewesen, so hätte er es ihnen nicht zu nennen brauchen. Aber es gehört zum Wesen eines Lehrers, dass er die Richtung einer geistlichen Strömung erkennt und die für den vorliegenden Fall notwendigen Belehrungen gibt. Als Lehrer sah er, wohin die Kolosser geraten würden, wenn sie ohne Warnung blieben; er selbst war von Gott gelehrt und berufen, andere zu belehren, und so zeigte er ihnen, was sie zu tun hatten: „Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt in dem Glauben, so wie ihr gelehrt worden seid, überströmend in demselben mit Danksagung“ (Kol 2,6–7).

Das sind seine Anweisungen. Würden sie befolgt, so würden sie allem begegnen, was die Kolosser vom rechten Wege abbringen wollte. Er stellt ihnen „Christus Jesus, den Herrn“ vor die Augen, und er erinnert sie daran, wie Er ihnen offenbart worden war, wie sie Ihn empfangen hatten. Sie sollten nichts Neues aufnehmen, sondern nur festhalten und in die Praxis umsetzen, was Epaphras ihnen mitgeteilt hatte. Und das ist sehr wichtig in unserer Zeit. Denn was Epaphras, ein Diener Christi, sie gelehrt hatte, war alles, was sie nötig hatten. Jeder von ihnen musste nun die Fülle dessen, was ihnen anvertraut worden war, für sich selbst lernen. Was ihnen offenbart worden war, umfasste die volle Wahrheit: „… wie ihr empfangen habt“, konnte er sagen, und: „… wie ihr gelehrt worden seid.“ Paulus erinnert sie an das, was sie gelehrt worden waren. Die Wahrheiten, die durch ihn und andere der Versammlung mitgeteilt worden waren, hatte Epaphras ihnen vorgestellt, und Paulus, der das Wort Gottes vollendete, hatte ihnen nichts bekannt zumachen, was darüber hinausging. Er sagt kein Wort über neue Wahrheiten, die den Herrn Jesus betreffen und die bis jetzt nicht offenbart waren, kein Wort über die Entwicklung in späteren Jahrhunderten. Was sie hatten, sollten sie festhalten, und wie sie Christus Jesus, den Herrn empfangen hatten, so sollten sie nun in Ihm wandeln, gewurzelt und auferbaut in Ihm. Der Apostel ist ganz entschieden gegen alle Dinge, die sie neben Christus oder außer Christus noch haben könnten. Als Lehrer entfaltet er vor ihnen den Reichtum der Herrlichkeit des Geheimnisses: Christus in ihnen! Er zeigte ihnen, dass es für ihre Seelen nichts Wertvolles, nichts Nützliches gibt außer Christus! Philosophie, eitler Betrug, die Behauptung, besondere Kenntnisse zu besitzen, die anderen verborgen bleiben, der Zwang, jüdische Gebräuche zu beobachten, alle derartigen Belehrungen, von wem sie auch kommen mochten, würden sie nur von Christus, ihrem Haupt, abwenden, „aus welchem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bande Darreichung empfangend und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst“ (Kol 2,19).

Wie Paulus schreibt: „… wie ihr empfangen habt“, so ermahnt Johannes die Kindlein: „Ihr, was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch“ (1Joh 2,24). Obwohl der eine (Paulus) das Wort Gottes vollendete und der andere (Johannes) die Offenbarung Jesu Christi niederschrieb, die Gott Ihm gab, um Seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss, so richten doch diese beiden Lehrer und Apostel das Augenmerk der Gläubigen auf das, was Gott über Christus offenbart hatte; das war alles, was sie nötig hatten und alles, was Gott geben wollte. Auch heute hat sich der Lehrer zu dem zu wenden, was in den Tagen des Epaphras bekannt war, zu dem, was von Anfang gehört worden war, um so die Seelen aus dem Wort in der Wahrheit aufzuerbauen.

Ein rechter Lehrer hatte ursprünglich die Versammlung als sein Arbeitsfeld und das Wort Gottes als seine Schatzkammer; dabei lernte er, das Wort der Wahrheit recht zu teilen und so zu den Seelen zu reden, wie sie es zu hören vermochten. Für die Notwendigkeit der ersten dieser beiden Fähigkeiten spricht mit inspirierter Autorität 2. Timotheus 2,15, die zweite wichtige Eigenschaft finden wir im Beispiel des Meisters Selbst illustriert (Mk 4,33).

Petrus teilte am Pfingsttag das Wort der Wahrheit recht, als er es unterließ, von der Prophezeiung Joels zu sagen: „Dieser Tag ist heute erfüllt“, und als er in der Mitte des letzten Verses aufhörte (Joel 3,5). Er folgte darin dem Beispiel des großen Lehrers, der in der Synagoge zu Nazareth Jesaja 61 zitierte, aber nur bis zur Mitte von Vers 2 (Lk 4,19). Auch Paulus wusste auf diese Weise zu lehren. So erklärte er im Römerbrief (Kap. 7,4): „Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“; dem Timotheus dagegen schreibt er: „Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmäßig gebraucht.“ Auch Jakobus gibt ein Beispiel dafür, wenn er von demselben Gesetz spricht als dem Gesetz der Freiheit, dem Ausdruck des Willens Gottes für Seine Geschöpfe; für den neuen Menschen bedeutet dieser Wille Gottes vollkommene Freiheit.

Das andere Kennzeichen dieser ersten neutestamentlichen Lehrer war, dass sie so redeten, wie die Seelen es zu hören vermochten. Die Jünger bezeugen das vom Herrn der Volksmenge, aber auch ihnen selbst gegenüber (Joh 16,12). Paulus handelte auf diese Weise mit den Korinthern und den Hebräern (1Kor 3,2; Heb 5,11–12). Aber wir sehen dabei doch einen Unterschied. Der Herr tadelte weder die Volksmenge noch die Jünger, als sie nicht hören und verstehen konnten, was Er ihnen zu sagen hatte. Paulus dagegen tadelt die Korinther und die Hebräer, und das mit vollem Recht. Denn zu dieser Zeit war ja der Heilige Geist schon auf der Erde, wohnte in der Versammlung und leitete die Gläubigen in die ganze Wahrheit. Alles, was Paulus ihnen als Lehrer mitteilen konnte, wäre für sie Wahrheit zur rechten Zeit gewesen, aber wegen ihres geistlichen Zustandes doch nicht passend für sie. Bei den Korinthern war es die fleischliche Gesinnung, bei den Hebräern das Kindesstadium, was den Apostel daran hinderte, auf die Wahrheiten einzugehen, die das Christentum eigentlich kennzeichnen. Es gibt Stufen im geistlichen Wachstum: Väter, Jünglinge und Kindlein in Christus. Gläubige, ja sogar ganze Versammlungen, können sich in besonderen Umständen befinden, die auf der Seite des Lehrers geistliches Unterscheidungsvermögen und göttliche Leitung erfordern, damit er erkennt, wie er sich verhalten muss, um auf die bestmögliche Weise aufzuerbauen und zu helfen.

Tychikus war der Überbringer zweier Briefe des Apostels aus dem Gefängnis in Rom. Der eine, bekannt als Epheserbrief, war ein Rundbrief, wenn wir der Lesart der beiden ältesten Handschriften folgen dürfen, wo es in Kapitel 1,1 heißt: „Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, den Heiligen, die auch treu sind in Christus Jesus: Gnade euch …“

Dieser Brief sollte also in verschiedenen Versammlungen gelesen werden. Der andere Brief war speziell an die Kolosser gerichtet und enthielt die Wahrheiten, die gerade sie nötig hatten; er sollte aber auch in der Versammlung in Laodizea gelesen werden.

Aber auch wenn wir einmal ganz von dem geistlichen Aufnahmevermögen der Seelen absehen, dann können doch gewisse Umstände vorliegen, die eine ganz besondere Linie in der Belehrung erforderlich machen. Im Judasbrief haben wir ein Beispiel dafür. Judas hatte über das gemeinsame Heil der Gläubigen schreiben wollen. Weil er aber durch Gott unterwiesen und dadurch fähig war, die Dinge so zu beurteilen, wie sie wirklich waren, nicht wie sie dem gewöhnlichen Beobachter erscheinen mochten, so sah er, dass es nötig war, ihnen zu schreiben und sie zu ermahnen, mit allem Ernst für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen. Er sah, wie das Böse, das schließlich im offenen Abfall der Christenheit gipfeln wird, schon damals in der Mitte der Gläubigen Eingang gefunden hatte, und zwar dadurch, dass sich gewisse Menschen unbemerkt eingeschlichen hatten und mit dem Volke Gottes Festessen hielten. Über diese Leute nun schreibt er, um die Heiligen vor ihnen zu warnen. Was geschah, geschah nicht, ohne dass Gott es hatte voraussagen lassen. Henoch hatte schon vor der Flut Prophezeiungen über diese Menschen ausgesprochen, und die Apostel unseres Herrn Jesus Christus hatten von Spöttern geredet, die in den letzten Tagen kommen würden. Deshalb schrieb Judas also nicht über etwas, was unbekannt war, nein, er schrieb ihnen, um sie an das zu erinnern, was Gott vorausgesagt hatte, und um ihnen zu zeigen, dass diese göttlichen Aussprüche schon begannen, in Erfüllung zu gehen. Seinem Verlangen hätte es entsprochen, über das gemeinsame Heil zu schreiben, aber für diese Gläubigen war es nötig, daran erinnert zu werden, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.

Und hier sehen wir ein anderes Kennzeichen der damaligen Lehrer. Sie waren unermüdlich im Belehren und scheuten sich nicht, wenn es nötig war, immer wieder dieselben Wahrheiten zu betonen. So schreibt Paulus den Philippern (Phil 3,1): „Euch dasselbe zu schreiben, ist mir nicht verdrießlich (lästig), für euch aber ist es sicher.“ Judaisierende Irrlehren wurden fast überall verbreitet. Oft war der Apostel dagegen aufgetreten, und so oft es nötig war, wollte er das auch weiter tun. „… für euch aber ist es sicher.“ Er dachte dabei nicht an sich selbst, sondern nur an das Wohl der anderen.

Petrus handelt in ähnlichen Geist: „Deshalb will ich Sorge tragen, euch immer an diese Dinge zu erinnern, wiewohl ihr sie wisset und in der gegenwärtigen Wahrheit befestigt seid. Ich halte es aber für recht, solange ich in dieser Hütte bin, euch durch Erinnerung aufzuwecken“ (2Pet 1,12–13). Das geistliche Wohl der Heiligen erforderte solche unermüdliche Wachsamkeit, und so wollte er es daran auch nicht fehlen lassen. Er kannte die Trägheit der Herzen und opferte gerne Zeit und Kraft, um immer wieder, so oft es nötig war, an diese Dinge zu erinnern. „Solange ich in dieser Hütte bin“, schreibt er. Er ließ sich die Mühe und die Zeit nicht verdrießen, sie an die „von den heiligen Propheten zuvor gesprochenen Worte“ zu erinnern und an das „Gebot des Herrn und Heilandes durch eure Apostel“.

Er wollte sie immer wieder mit dem geschriebenen Wort in Berührung bringen, mit den Propheten des Alten Bundes. Aber auch die Gebote der Apostel unseres Herrn und Heilandes wollte er ihnen stets vor Augen halten. Ist das nicht die wahre Gesinnung eines Lehrers, der sich in die Gedanken seines Schülers hineinversetzt, sieht, wo sein Schüler steht und sich beständig bemüht, ihn weiterzubringen? Der sich selbst vergisst und dasselbe, wenn es auch für einen natürlichen Menschen noch so verdrießlich sein sollte, so lange wiederholt, bis die Lektion gelernt ist oder seine Arbeit durch den Tod unterbrochen wird? Zeigten die Apostel darin nicht etwas von dem Geiste des Herrn? Ich denke an Johannes 14,10–11. Philippus hatte gesagt: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ Der Herr hatte in Johannes 10,38 darauf hingewiesen, wie sie erkennen konnten, dass der Vater in Ihm war und Er in dem Vater. „Glaubet den Werken …, auf dass ihr erkennet und glaubet, dass der Vater in mir ist und ich in ihm.“ Auf die Frage des Philippus antwortet der Herr in Gnaden, indem Er wiederholt: „Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke. Glaubet mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubet mir um der Werke selbst willen.“

Doch die Apostel blieben nicht bei den Bedürfnissen des Augenblicks stehen; ihre Sorge für die Heiligen ließ sie an die Zukunft denken. Auch darin folgten sie dem Beispiel ihres Herrn. Petrus schreibt: „Ich will mich aber befleißigen, dass ihr auch zu jeder Zeit nach meinem Abschiede imstande seid, euch diese Dinge ins Gedächtnis zu rufen“ (2Pet 1,15). Paulus warnte die Ältesten von Ephesus vor den verderblichen Wölfen, die hereinkommen würden, und vor den bösen Dingen, die nach seinem Abschied aus ihrer Mitte hervorgehen würden. Den Thessalonichern schreibt er über den Antichrist, der aufstehen würde. Dem Timotheus beschreibt er den Abfall in den letzten Zeiten und die Bosheit der letzten Tage (1Tim 4; 2Tim 3). Diese Lehrer verrichteten ihren Dienst nicht unwillig. Sie waren mit ihrem ganzen Herzen dabei. Gnade hatte sie zu willigen Dienern Gottes gemacht; Liebe machte sie zu hingebungsvollen Arbeitern für die Heiligen. Wenn sie auch Geld oder anderen Beistand von den Gläubigen annahmen, so war ihr Lohn doch nicht auf der Erde; ihre Hoffnung, ihre Freude, ihre Ruhmeskrone waren die, die durch sie bekehrt wurden. Bei der Ankunft des Herrn Jesus würde das sichtbar werden.

Paulus dachte nicht nur an die Zukunft, sondern er ermahnte auch Timotheus, das, was er von ihm in Gegenwart vieler Zeugen gehört hatte, treuen Männern anzuvertrauen, die tüchtig sein würden, auch andere zu lehren (2Tim 2,2). In den Briefen an seine beiden Kinder im Glauben weist er darauf hin, welche Eigenschaften Lehrer haben sollten, die weder Apostel noch Propheten sind (denen Offenbarungen zuteilwurden), und die Kenntnis dieser Eigenschaften ist für uns heute doch gewiss von großem Wert.

Nur noch einige kurze Worte zu unserem Thema. Schon damals gab es Männer, welche die Gottseligkeit als ein Mittel zum Gewinn betrachteten, die um schändlichen Gewinnes willen lehrten, was sich nicht geziemt (1Tim 6; Tit 1). Der Mensch Gottes muss solche Dinge fliehen. Für die Gläubigen hat er ein Vorbild zu sein; Ungläubigen oder Widersachern gegenüber hat er sich so zu verhalten, dass sie nichts Schlechtes über ihn zu sagen haben (1Tim 4,12; 2Tim 2,24; Tit 2,7–8). Im Blick auf die Lehre hat sich ein Lehrer in jeder Hinsicht dem Wort Gottes zu unterwerfen. Es existiert nicht die geringste Andeutung auf irgendwelche zukünftigen Offenbarungen, welche die Belehrungen des Apostels irgendwie abändern könnten. Es gibt kein einziges Wort, das auch nur irgendwie darauf hindeutet, dass die Schrift nicht vollauf genügt oder nicht absolut vertrauenswürdig wäre. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“, heißt es, „auf dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt.“ Das ist der Stempel unveränderlicher, göttlicher Autorität, der dem Wort aufgeprägt ist. Da ist jede Notwendigkeit ausgeschlossen, sich für die Dinge, die der Gläubige nötig hat, anderswohin zu wenden. Timotheus hatte das Bild gesunder Worte, die er von Paulus gehört hatte, festzuhalten. Was der Geist ausdrücklich sagte, das sollte er den Brüdern vorstellen (1Tim 4). Im Hinblick auf die gefahrvollen Zeiten, die kommen würden, sollte Timotheus in dem bleiben, was er gelernt hatte; er sollte das Wort predigen (nicht seine eigenen Gedanken oder Vorstellungen), indem er alle Gelegenheiten, die sich ihm boten, ausnutzte.

Welche Vorrangstellung wird dem geschriebenen Wort gegeben, und welch ein Wert wird ihm beigemessen! Wie verschiedenartig die Werkzeuge, die Gott benutzte, auch sein mochten, die Worte, in die Gott Seine Gedanken gekleidet hat, sind nicht Worte, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern Worte, gelehrt durch den Geist (1Kor 2,13). Das war das Schwert, das in der Anfangszeit des Christentums gebraucht wurde; es ist die einzige Waffe, mit der auch wir heute zu kämpfen haben.


aus der Monatszeitschrift Hilfe und Nahrung, 1970, S. 22-32

 


 

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