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Das Matthäusevangelium (28) - W. Kelly
      
Der Autor Kurzbiographie
William Kelly

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Das Matthäusevangelium (28)
Kapitel 28
W. Kelly
© J. Das    Zugriffe: 7400    seit: 16.12.2003  
Foto: GN

 


Leitverse:
Matthäus 28

Am Abend vorher kamen Frauen, um sich den Ort anzusehen, wo Jesus begraben lag. An jenem Morgen, sehr früh noch, als dort nur die Wächter waren, stieg ein Engel des Herrn hernieder. Es wird uns nicht gesagt, dass unser Herr zu jener Zeit auferstand. Noch weniger wird gesagt, dass der Engel des Herrn den Stein für Ihn wegrollte. Er, der durch Türen gehen konnte, die aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, konnte genauso leicht durch den versiegelten Stein gehen, trotz aller Söldner des Römischen Reiches. Wir wissen, dass sich der Engel, nachdem er den großen Stein, der die Grabstätte verschloss, weggerollt hatte, auf diesen setzte. Obwohl nämlich unser Herr von den Menschen verachtet und verworfen war, erfüllte Er doch die Prophezeiung Jesajas, indem Er Sein Grab bei einem Reichen fand (Jes 53). Unser Herr erhielt noch ein weiteres Zeugnis, indem sogar die Hüter, verhärtet und kühn wie diese normalerweise sind, zitterten und wie Tote wurden. Die Frauen wurden jedoch vom Engel aufgefordert, sich nicht zu fürchten; denn dieser Jesus, der Gekreuzigte, „ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommet her, sehet die Stätte, wo der Herr gelegen hat, und gehet eilends hin und saget seinen Jüngern: Siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa“ (V. 6.7). Letzteres ist ein wichtiger Punkt, um das Thema Seiner Verwerfung, bzw. ihrer Folgen in Seiner Auferstehung, zu vervollständigen. Deshalb weist Matthäus sorgfältig darauf hin, obwohl auch Markus für seinen Zweck davon berichtet.

Matthäus spricht nämlich nicht von den verschiedenen Erscheinungen des Herrn in Jerusalem nach Seiner Auferstehung. Aber er besteht ganz besonders, und natürlich aus einem guten Grund, darauf, dass der Herr nach Seiner Auferstehung an dem Ort festhielt, wohin Ihn der Zustand der Juden gewöhnlich geführt hatte und wo Er Sein Licht nach der Prophetie hatte ausstrahlen lassen. Der Herr nahm in Galiläa Seine Beziehungen zum Überrest, der durch die Jünger verkörpert wurde, nach Seiner Auferstehung von den Toten wieder auf. Es war der Platz der Verachtung seitens der Juden. Dort wohnten die unwissenden Armen der Herde, die von den stolzen Schriftgelehrten und Führern aus Jerusalem vernachlässigt wurden. Es gefiel dem auferstandenen Herrn, vor Seinen Knechten her dorthin zu gehen, um ihnen daselbst zu begegnen.

Als die Frauen aus Galiläa mit dieser Botschaft den Engel verließen, traf sie der Herr. „Sie aber traten herzu, umfassten seine Füße und huldigten ihm“ (V. 9). Bemerkenswerterweise wird ihnen dies in unserem Evangelium erlaubt. Als Maria Magdalene in ihrem Wunsch, Ihm die gewohnte Ehrerbietung zu erweisen, möglicherweise ähnlich handeln wollte, lehnte Er das entschieden ab. Das wird jedoch im Johannesevangelium erwähnt (Kap. 20). Wie kommt es, dass die beiden apostolischen Berichte uns zeigen, wie zum einen die Huldigung der Frauen angenommen und zum anderen die der Maria Magdalene abgelehnt wurde? Und das geschah an demselben Tag und vielleicht zu derselben Stunde. Die Handlung selbst ist in beiden Berichten bedeutungsvoll. Ich nehme an, der Grund liegt darin, dass Matthäus uns nicht nur vorstellt, wie der verworfene Messias auch als Auferstandener Seine Beziehungen zu Seinen Jüngern in jenem verachteten Teil des Landes wieder aufnahm. Er gab auch durch die Entgegennahme der Huldigung seitens der Töchter Galiläas ein Pfand Seiner besonderen Verbindung zu den Juden in den letzten Tagen. Denn gerade das werden die Juden von dem Herrn erwarten. Das heißt, ein Jude rechnet mit der körperlichen Anwesenheit des Herrn. Im Johannesevangelium ist es genau umgekehrt; denn hier wird das Muster eines gläubigen Juden aus seinen jüdischen Beziehungen herausgenommen und in Verbindung mit Ihm gebracht, der im Begriff stand, in den Himmel aufzufahren. Im Matthäusevangelium wurde Er angerührt. Sie durften ohne Einwände Seine Füße umfassen und huldigten Ihm in körperlicher Gegenwart. Im Johannesevangelium sagt Er: „Rühre mich nicht an“ — und aus welchem Grund? — „denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Hinfort sollte Ihm droben die Anbetung dargebracht werden. Er ist jetzt unsichtbar, doch dem Glauben dort bekannt. Bei den Frauen im Matthäusevangelium stellte Er sich hienieden der Anbetung dar. Die Frau im Johannesevangelium sollte Ihn jetzt nur noch als den Himmlischen kennen. Die körperliche Gegenwart war bedeutungslos; denn der Herr fuhr in den Himmel auf und verkündigte von dorther unsere neuen Beziehungen zu Seinem Vater und Gott. So sehen wir in dem einen Fall, wie die jüdischen Hoffnungen auf Seine Gegenwart auf der Erde als Voraussetzung für die Huldigung Israels anerkannt werden. Im anderen Evangelium führte Seine persönliche Abwesenheit und Himmelfahrt die Seelen in eine höhere und passendere Verbindung mit Ihm sowie auch mit Gott. Selbst solche, die Juden gewesen waren, wurden aus ihrer alten Stellung herausgenommen, um den Herrn nicht mehr nach dem Fleisch zu kennen (2Kor 5,16).

In völliger Übereinstimmung damit finden wir in diesem Evangelium nicht die Himmelfahrt. Wenn wir nur das Matthäusevangelium besäßen, wüssten wir nichts von diesem wunderbaren Geschehen. Die Weglassung ist so auffällig, dass ein gut bekannter Kommentar (die erste Auflage von Alford) die vorschnelle und unehrerbietige Hypothese vorbringt, dass unser Matthäusevangelium eine unvollständige griechische Version eines hebräischen Originals sei, weil dieser Bericht fehlt. Denn es war nach Ansicht jenes Schreibers unmöglich, dass ein Apostel die Schilderung dieses Ereignisses weglassen konnte. Es ist aber so, dass jede Hinzufügung der Himmelfahrt zum Matthäusevangelium dasselbe überladen und verdorben hätte. Das schöne Ende des Matthäusevangeliums liegt gerade darin, dass unser Herr entsprechend der Verabredung Seine Jünger auf einem Berg in Galiläa traf, während die Hohenpriester und Ältesten ratschlagten, wie sie ihre Bosheit mit Falschheit und Bestechung verbergen konnten — und ihre Lüge „ist bei den Juden ruchbar geworden bis auf den heutigen Tag“ (V. 15). Der Herr sandte Seine Jünger aus, um alle Nationen zu Jüngern zu machen. Wie groß der Wechsel der Haushaltung ist, sehen wir bei einem Vergleich mit Seinem früheren Auftrag an dieselben Männer in Matthäus 10. Jetzt sollten sie die Nationen auf den Namen des Vaters usw. taufen. Er sprach nicht von Gott dem Allmächtigen der Erzväter oder vom Jehova-Gott Israels. Der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes kennzeichnet das Christentum. Erlaubt mir zu sagen, dass dies die wahre Formel der christlichen Taufe ist. Jedes Weglassen dieses Bildes gesunder Worte scheint mir so verderblich für die Gültigkeit der Taufe zu sein wie jede Änderung in anderer Hinsicht, auf die man sonst noch hinweisen könnte. Alles Jüdische ist verdrängt worden. Anstatt einfach das Überbleibsel einer älteren Haushaltung, die verändert oder vielmehr beiseitegesetzt worden ist, zu sein, sehen wir im Gegenteil die volle Offenbarung des Namens Gottes, wie er erst jetzt, und nicht früher, bekannt gemacht worden ist. Dieser konnte frühestens nach dem Tod und der Auferstehung Christi offenbart werden. Die jüdische Umzäunung, in die Er während der Tage Seines Fleisches eingetreten war, gab es nicht mehr. Der Wechsel der Haushaltung dämmerte herauf. Wir sehen, wie streng der Geist Gottes vom Anfang bis zum Ende an Seinem Thema festhält.

Folglich schließt der Herr dann mit den Worten: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (V. 20). Wie sehr wäre die Form der Wahrheit abgeschwächt, wenn nicht sogar zerstört worden, wenn wir jetzt noch von Seiner Himmelfahrt läsen! Es ist klar ersichtlich, wie sehr die sittliche Kraft dieser Worte in dem Zusammenhang, in dem sie hier stehen, bewahrt wird. Er beauftragte Seine Jünger und sandte sie auf ihre weltweite Mission mit den Worten: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage.“ Dadurch, dass wir danach nichts mehr hören und sehen, wird die Kraft dieser Worte unermesslich groß. Er verhieß ihnen Seine Gegenwart bis zur Vollendung des Zeitalters; und danach fiel der Vorhang. Wir hören und sehen mit den Augen des Glaubens, wie Er für immer bei den Seinen auf der Erde ist, während sie auf ihren kostbaren, aber auch gefährlichen Botengang hinausgehen. Mögen wir aus all dem, was Er uns gegeben hat, wahren Nutzen ziehen!


Aus Lectures Introductory to the Study of the Gospels
Heijkoop, Winschoten, NL, 1970
(im Deutschen herausgegeben und übersetzt von J. Das)

 


 

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