Die moralische Herrlichkeit des Herrn Jesus (13)
In seiner Einzigartigkeit

John Gifford Bellett

© SoundWords, online seit: 07.01.2006, aktualisiert: 01.08.2016

Seine Unbefleckbarkeit

Der Herr Jesus stand dem Bösen auch als Gott gegenüber. Das ist eine Stellung, die wir selbstverständlich nie einnehmen können. Er rührte den Aussätzigen an und auch die Tragbahre, und dennoch blieb Er rein. Er stand als Gott der Sünde gegenüber. Er kannte das Gute und das Böse; aber Er stand in göttlicher Unumschränktheit über dem einen wie über dem anderen, indem Er beides kannte, so wie Gott es kennt. Wäre Jesus nicht gewesen wie Er war, so würde es Ihn verunreinigt haben, den Aussätzigen und die Tragbahre anzurühren. Er hätte in diesem Fall außerhalb des Lagers gebracht werden und sich der Reinigung unterziehen müssen, die durch das Gesetz vorgeschrieben war. Aber wir entdecken nichts Derartiges in Ihm. Er war nicht ein unreiner Jude. Nicht nur wurde Er nicht befleckt, sondern Er war auch unbefleckbar. Und dennoch war – so groß ist das Geheimnis seiner Person und die Vollkommenheit der mit der Gottheit in Ihm vereinigten Menschheit – die Versuchung für Ihn ebenso wirklich wie die Verunreinigung unmöglich.

Verweilen wir hier einen Augenblick. Unser Platz gegenüber einem großen Teil dieser so notwendigen, obgleich geheimnisvollen und unendlich kostbaren Wahrheit ist es viel mehr, sie anzunehmen und anzubeten, als darüber zu diskutieren und sie zergliedern zu wollen. Indes ist es wohltuend für unser Herz, wenn wir es dem sehnlichen Verlangen etlicher einfältiger Seelen abfühlen, dass es ihnen um Christus selbst zu tun ist. Oft gehen wir mit Wahrheiten in einer Weise um, dass uns schließlich nichts als die beschämende Überzeugung übrigbleibt, dass wir dennoch Christus selbst nicht erreicht haben, wie sehr wir auch beschäftigt waren. Wir entdecken dann, dass wir quasi auf der Straße die Zeit unnütz vertändelt haben.

Seine materielle Unabhängigkeit

Der Herr war „arm, aber viele reich machend“, „nichts habend und alles besitzend“. Diese erhabenen und wunderbaren Zustände wurden in Ihm offenbart, und zwar in einer Ihm durchaus eigentümlichen Weise. Er nahm die Beisteuer einiger frommer Frauen an, die Ihn mit ihrer Habe unterstützten, und dennoch verfügte Er über die ganze Erde und ihre Fülle, um die Bedürfnisse derer zu stillen, die um Ihn waren. Er vermochte Tausende in öden Gegenden zu speisen, während Er selbst Hunger litt, harrend auf die Rückkehr seiner Jünger, die ausgegangen waren, um Essen zu kaufen. Das hieß wahrlich „nichts haben und alles besitzen“.

Aber obwohl der Herr arm und bedürftig war, mancherlei Gefahren ausgesetzt, so findet man doch nicht das Mindeste in Ihm, was einer unedlen Gesinnung ähnlich wäre. Nie bat Er um eine Gabe, wiewohl Er keinen Pfennig besaß; denn wenn Er (jedoch nicht zu seinem eigenen Gebrauch) einen Denar brauchte (Lk 20,20-26), so musste Er sich einen zeigen lassen.

Seine Unantastbarkeit

Nie floh Er, wenn Er auch in augenscheinlicher Lebensgefahr war; Er zog sich zurück oder ging, gleichsam vor den Augen seiner Feinde verborgen, vorüber. Ich wiederhole daher, obgleich Armut und Gefahren sein tägliches Los waren, so haftete Ihm doch nichts an, was unedel gewesen wäre oder mit der vollkommenen Würde seiner Person im Widerspruch gestanden hätte.

Seine Würde im Vergleich mit Paulus

Welch eine bewunderungswürdige Vollkommenheit! Wer könnte je eine Person vor unsere Augen stellen, die so vollkommen, so untadelig und von solch ausnehmender, zarter Reinheit in den gewöhnlichsten und geringfügigsten Einzelheiten des menschlichen Lebens wäre! Paulus konnte es nicht. Jesus allein, der Mensch Gottes, vermochte es. Dass seine außergewöhnlichen Tugenden inmitten der gewöhnlichen Umstände seines Lebens so hervorstrahlten, redet laut zu uns von seiner Person. Es muss eine besondere Person, ein göttlicher Mensch sein, wenn ich so reden darf, der uns solche außergewöhnlichen Erscheinungen in so gewöhnlichen Umständen darstellen kann.

Wir finden, ich wiederhole es, dergleichen nicht bei Paulus. Er besaß ohne Zweifel viel Würde und sittliche Größe, und wir müssen bekennen, dass – wenn es je einen Menschen gab, in dem jene Dinge sich vorfanden – Paulus dieser Mensch war. Aber sein Verhalten war nicht das Verhalten Jesu. Er befindet sich in Lebensgefahr, und er bedient sich der Beschirmung durch seinen Neffen. Zu einer anderen Zeit lassen ihn seine Freunde an der Stadtmauer herab. Ich sage nicht, dass er jemanden um Geld ansprach; aber er bekennt, Geld empfangen zu haben. Ich verweile nicht dabei, wie er vor einer aus Pharisäern und Sadduzäern zusammengesetzten Versammlung sich als ein Pharisäer ausgab, um sich so zu schützen, noch dabei, wie er übel von dem Hohenpriester redete, der über ihn zu Gericht saß. In diesen beiden Fällen war sein Betragen verwerflich. Ich rede nur von Fällen, die, ohne gerade moralisch verkehrt zu sein, dennoch unter der vollkommenen persönlichen Würde stehen, die den Pfad Christi kennzeichnete.

Die sogenannte Flucht nach Ägypten macht keine Ausnahme bezüglich des Charakters des Herrn; denn diese Reise wurde zur Erfüllung der Prophezeiung und auf die Autorität eines göttlichen Ausspruchs hin unternommen. Dies alles ist in der Tat nicht nur moralische Herrlichkeit, nein es ist ein moralisches Wunder; und es ist erstaunlich, wie eine von Menschenhand geführte Feder solche Schönheiten aufzuzeichnen vermocht hat. Wir können dieses Wunder nur durch die Tatsache erklären, dass es eine Wahrheit, eine lebendige Wirklichkeit ist. Zu diesem gesegneten Schluss sind wir gezwungen. Es gibt keine andere Erklärung.

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Aus The Moral Glory of the Lord Jesus Christ


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