Die moralische Herrlichkeit des Herrn Jesus (17)
Wie Er die Ansprüche Gottes nie vergaß

John Gifford Bellett

© SoundWords, online seit: 08.01.2006, aktualisiert: 23.04.2017

Leitverse: Markus 2; 10; Matthäus 15; Lukas 19

Dienst, ohne Gegenliebe zu erwarten

Der Herr Jesus gab unaufhörlich, aber Er fand selten Beifall. Er teilte in Überfluss mit, aber Er fand nur wenig Gemeinschaft. Dies erhöht und verherrlicht nur seine Güte. Es gab hier praktisch nichts, was Ihn hätte veranlassen können, seine Güte zu zeigen; und dennoch teilte Er immer aus. Er war wie der Vater, der in den Himmeln ist, von dem Er selbst gesagt hatte: „Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Mt 5,45). Dies sagt uns,

  • zu seinem Preise, was Er ist,
  • und zu unserer Beschämung, was wir sind.

Sein Wesen: ungekannt

Jesus war indes nicht nur dem Vater in den Himmeln gleich, das Bild Gottes in dessen Handlungen, sondern

  • Er war in dieser Welt zugleich wie der „unbekannte Gott“, von dem Paulus redet (Apg 17,25);
  • die Finsternis begriff Ihn nicht;
  • die Welt erkannte Ihn weder durch ihre Religion
  • noch durch ihre Weisheit;
  • die überschwänglichen Reichtümer seiner Gnade, die Reinheit seines Königreichs, das Fundament und die Rechte, auf die allein die Herrlichkeit, die Er in einer Welt wie dieser suchte, gegründet werden konnte, alles das blieb den Menschenkindern ein unauflösliches Rätsel.

Lukas 19: der Einzug in Jerusalem

Dies zeigen zur Genüge die groben Irrtümer und Fehler, in die sie unaufhörlich verfielen. Als z.B. die Menge mit Begeisterung Jesus als den König und in seiner Person das Königreich begrüßte (Lk 19), sagten die Pharisäer: „Lehrer, verweise es deinen Jüngern!“ Sie konnten den Gedanken nicht ertragen, dass der Thron einem solchen Menschen, wie Er war, gehören sollte. Es war nach ihrer Meinung eine Anmaßung von Ihm, dem Jesus von Nazareth, zu gestatten, dass königlicher Jubel Ihn umgebe. Sie erkannten nicht das Geheimnis wahrer Größe in dieser falschen, abgefallenen Welt. Sie hatten das Geheimnis des „Wurzelsprosses aus dürrem Erdreich“ nicht erfasst noch vermochte ihr Geist den „Arm des Herrn“ zu unterscheiden (Jes 55). Nur da, wo der Geist des Herrn die Herzen leitet, werden Entdeckungen betreffs Jesus gemacht – Entdeckungen, die ebenso kostbar wie verschieden in ihrem Maße sind.

Markus 1 und 2: der Aussätzige, der Gelähmte und Levi

In Markus 1 wird von vielen Seiten auf den Dienst der Gnade und Macht des Herrn Anspruch gemacht. Kranke aller Art kommen zu Ihm. Die Menge hört Ihm zu und erkennt die Autorität an, mit der Er redet. Ein Aussätziger bringt seinen Aussatz vor Ihn und erkennt somit in Ihm den Gott Israels an. Es war in jenem Augenblick eine gewisse, verschieden große Erkenntnis von Jesus vorhanden, sei es bezüglich dessen, was Er war, oder dessen, was Er besaß.

Aber im zweiten Kapitel desselben Evangeliums begegnen wir einer Erkenntnis von Ihm, die sich in einer weit lebendigeren und vortrefflicheren Weise kundgab, sowie Beispiele eines Glaubens, der Jesus verstand. Die Männer von Kapernaum, die ihren gelähmten Freund zu Ihm bringen, verstehen den Herrn und bedienen sich Seiner. Sie verstehen, meine ich, was Er in sich selbst, in seinem Charakter, in seinen Gewohnheiten und in den Gefühlen seiner Seele ist. Schon die Art und Weise, wie sie sich Ihm zu nähern suchen, zeigt uns das. Sie kommen nicht zweifelnd oder schüchtern und ängstlich, sie machen es vielmehr wie Jakob, als Er sagte: „Ich lasse dich nicht los, du habest mich denn gesegnet“ (1Mo 52)! Ihm so zu nahen, ist dem Herrn angenehm und der Weise entsprechend, in der uns diese Liebe gern handeln sieht. Sie fragen nicht um Erlaubnis, sie machen keine Umstände, sondern decken ohne Weiteres das Dach des Hauses ab, um zu Ihm zu kommen. Alles das zeigt uns, dass sie den Herrn kannten und sich Seiner bedienten. Sie wussten, dass es seine Freude war, wenn Notleidende seiner Gnade vertrauten und sich ohne Rückhalt seiner Macht bedienten. Levi handelt wenige Augenblicke später in gleicher Weise. Er richtet ein Gastmahl an und lässt Zöllner und Sünder in der Nähe Jesu Platz nehmen. Auch hieraus geht hervor, dass Levi seinen Gast kannte. Er wusste, wen er geladen hatte, so wie Paulus wusste, an „wen er geglaubt hatte“ (2Tim 1,12).

Markus 10: Bartimäus

Diese Erkenntnis des Herrn ist wahrhaftig gesegnet; sie ist göttlich. Fleisch und Blut vermögen sie nicht zu geben. Die Brüder Jesu besaßen sie nicht; denn als der Herr sich in seinem Dienst erschöpfte, sagten sie: „Er ist außer sich“ (Mk 3,21). Aber der Glaube macht im Blick auf Jesus große, köstliche Entdeckungen und handelt dementsprechend. Es mag zuweilen scheinen, als ob er die richtigen Grenzen überschritte und uns über das geziemende Maß hinausführte; aber nach dem Urteil Gottes ist dies nie der Fall. Die Menge gebot dem blinden Bartimäus, zu schweigen; aber er weigerte sich, weil er Jesus kannte, wie Levi ihn kannte (Mk 10).

Die Bedürfnisse der Menschen und die Ansprüche Gottes

Die Fülle von dem, was der Herr tut, übersteigt unsere Begriffe; und doch besteht gerade in dieser Fülle die Herrlichkeit seines Tuns. Der Heiland kommt uns in jeder Not entgegen; aber zu gleicher Zeit bringt Er Gott hinein. Jesus heilte die Kranken, aber Er predigte auch das Reich. Doch das passte dem Menschen nicht, wie seltsam dies auch scheinen mag, da er seinen eigenen Vorteil sonst gut zu schätzen weiß. Der Mensch kennt wohl die Freude der wiederhergestellten Gesundheit. Aber die Feindschaft des fleischlichen Herzens gegen Gott geht so weit, dass, sobald die Segnung mit der Gegenwart Gottes in Verbindung steht, sie nicht mehr willkommen geheißen wird. Da aber der Zweck Christi ebenso wohl die Verherrlichung Gottes als auch die Rettung des Sünders ist, so kann von seiner Seite die Segnung nur in dieser Verbindung erscheinen. Gott ist in dieser Welt verunehrt worden, und der Mensch hat sich in ihr verderbt. Der Herr nun, der den Bruch heilt, tut ein vollkommenes Werk, indem Er einerseits den Namen und die Wahrheit Gottes unverletzt aufrechterhält, sein Reich und dessen Rechte ankündigt und seine Herrlichkeit offenbart und indem Er andererseits den verlorenen, toten Sünder rettet und lebendig macht.

Matthäus 15: die kananäische Frau

Aber dies gefällt, wie schon gesagt, dem Menschen nicht. Wohl will er, dass man sich seiner annehme; aber von der Herrlichkeit Gottes will er nichts wissen. So ist der Mensch. Aber welch ein schönes Schauspiel, wenn das Herz eines armen Sünders durch den Glauben anderes Sinnes geworden ist und er sich in Wahrheit der Herrlichkeit erfreuen kann! Die kananäische Frau liefert uns ein Beispiel davon. Die Herrlichkeit des Dienstes Christi hatte lebendig und kräftig ihre Seele getroffen. Dennoch hält der Herr, trotz der Traurigkeit der armen Frau, die Grundsätze Gottes aufrecht und weist sie mit den Worten ab: „Ich bin nicht gesandt, als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“, und: „Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hündlein hinzuwerfen“ (Mt 15,24-26). Doch die Frau unterwirft sich diesem Ausspruch. Sie erkennt den Herrn als den Verwalter der Wahrheit Gottes und setzt keinen Augenblick voraus, dass Er zur Abhilfe ihrer Not das Ihm anvertraute Pfand, die Wahrheit und die Grundsätze Gottes, verleugnen würde. Sie will, dass Gott nach seinen eigenen Ratschlüssen verherrlicht werde und dass Jesus fortfahre, der treue Zeuge dieser Ratschlüsse und der Diener des Wohlgefallens Gottes zu sein, wie auch immer ihre eigene Sache ablaufen möge. „Ja, Herr!“, sagt sie und bestätigt also alles, was der Herr gesagt hat, fügt aber in völliger Übereinstimmung mit den Worten Jesu hinzu: „Denn es essen ja auch die Hündlein von den Brosamen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen.“ Wie lieblich ist dies alles! Es war die Frucht des Lichtes Gottes in der Seele.

Die Mutter Jesu in Lukas 2 steht unter dieser Heidin. Maria wusste nicht, dass Er „in dem sein musste, was seines Vaters war“, während die kananäische Frau erkannte, dass nichts anderes als das seine Beschäftigung bilden konnte. Sie wünschte die Verherrlichung der Wege Gottes durch die treue Hand Christi, wenn sie auch, selbst in ihrer Not, dadurch beiseitegesetzt wurde. Das hieß Christus erkennen und Ihn in der Fülle seines Werkes annehmen als den, der in einer abgefallenen Welt sowohl für Gott als auch für den durch sich selbst verderbten, unwürdigen Sünder seinen Platz eingenommen hatte.

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Aus The Moral Glory of the Lord Jesus Christ


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