Der Brief an die Hebräer (6)
Kapitel 6

David Willoughby Gooding

© CV Dillenburg, online seit: 21.11.2006, aktualisiert: 30.07.2019

Unser Hoherpriester (2)

Fortschreiten … oder zurückgehen

Verse 1-3

Heb 6,1-3: Deshalb, das Wort von dem Anfang des Christus lassend, lasst uns fortfahren zum vollen Wuchs und nicht wiederum einen Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott, der Lehre von Waschungen und dem Hände-Auflegen und der Toten-Auferstehung und dem ewigen Gericht. Und dies wollen wir tun, wenn Gott es erlaubt.

Und was war nun mit den Hebräern, die sich in dieser gefährlichen Situation befanden? Ja, sagt der Schreiber an dieser Stelle, es bleibt euch nur eines – fortschreiten: „Deshalb, das Wort von dem Anfang des Christus lassend, lasst uns fortfahren zum vollen Wuchs.

Der Schreiber sagt also mit anderen Worten, es gebe nur zwei Möglichkeiten: fortfahren oder zurückkehren zum Alten. Es gibt keinen Mittelweg, nur ein Entweder-oder. Darum wollen wir nicht innehalten und den Grund noch einmal legen, den Grund der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott, also der Evangeliumsbotschaft, die auch jene Hebräer aufgefordert hatte, ihre toten Werke abzulegen. Ihr Problem war also immer das gleiche. Was sie verunsicherte, war nicht Unmoral oder dergleichen, sondern die Frage der Werke. Ihre Werke waren tote Werke und entsprangen nicht einem lebendigen Glauben an Gott oder an das Opfer Christi. Es waren religiöse Werke, an sich gute Taten, aber eben tote Werke. Sie waren aufgefordert worden, in diesem Punkt umzudenken, um ein für alle Mal anzunehmen, dass niemand durch Werke gerettet werden kann.

Wiederum stoßen wir hier auf das Evangelium in dieser grundlegenden Form. Im vorletzten Kapitel hieß es, wir müssten vom eigenen Ringen ablassen und im Glauben in die Ruhe Gottes eingehen. Hier geht es erneut um die Evangeliumsbotschaft. Man muss umdenken, von eigenen toten Werken abstehen und lernen zu glauben. Und dann folgt die Lehre von den Taufen, und was diese bedeuten, und von Handauflegungen und ihrer Bedeutung, alles elementare Riten. Und schließlich noch zwei fundamentale Dinge: die Auferstehung der Toten und das ewige Gericht. Beim Lesen der Apostelgeschichte stellen wir fest, dass dies grundlegende von den Aposteln gepredigte Wahrheiten waren.

Verse 4-6

Heb 6,4-6: Denn es ist unmöglich, solche, die einmal erleuchtet worden sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes und geschmeckt haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters und abgefallen sind, wiederum zur Buße zu erneuern, da sie den Sohn Gottes für sich selbst kreuzigen und ihn zur Schau stellen.

Die Hebräer, an die der Brief gerichtet war, bekannten, all das zu glauben; ihr Betragen freilich ließ ihr Bekenntnis sehr fragwürdig aussehen. Der Schreiber sagt: Ich habe nicht die Absicht, euch wiederum zur Bekehrung zu bringen. Das Einzige, was ihr zu tun habt, ist fortzuschreiten. Wer unter euch echt ist, der wird genau das tun. Und die Übrigen – um diese kann ich mich nicht mehr bemühen; denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet waren, die alles in diesen Versen Genannte erlebt haben, zur Buße zu erneuern. Ich werde das auch gar nicht versuchen; das wäre reine Zeitverschwendung. Es würde nichts mehr nützen. Es ist buchstäblich unmöglich, sie noch zu etwas zu bewegen; man kann sie nicht mehr zur Buße erneuern. So traurig es ist, hat es keinen Wert, sich um sie zu bemühen.

Können nicht Buße tun

Wer sind denn diese Unglücklichen? Ich habe schon die Meinung gehört, das seien Gläubige, die weltlich geworden sind, die einmal in ihrem Leben eine falsche Entscheidung getroffen haben und die, anstatt fortzuschreiten auf einem Pfad des Eifers und der Hingabe, zurückgefallen und kalt geworden sind. Stimmt es, dass man solche nie zur Buße erneuern kann? Ist es tatsächlich so, dass du nicht mehr zur Buße erneuert werden kannst, weil du einmal eine falsche Entscheidung getroffen hast und in der Folge geistlich erkaltet bist? Wir wollen Gottes Wort in keiner Weise schwächen. Von den hier Angesprochenen, wer immer sie sind, heißt es wirklich, dass man sie nicht mehr zur Buße erneuern kann. Wir werden gleich sehen, warum; aber zunächst müssen wir festhalten, dass es unmöglich Gläubige sein können, ansonsten der ganze Priesterdienst des HERRN eine reine Farce wäre.

Wer unter uns ist noch nie weltlich und damit geistlich kalt geworden? Wer von uns möchte behaupten, er hätte seinen Glauben immer konsequent ausgelebt? Ich will dann als Erster bekennen, dass ich es nicht getan habe. Ich verdanke es dem Hohenpriestertum des HERRN, dass ich unzählige Male zur Buße erneuert worden bin; und das Gleiche gilt für dich. Aber die hier genannten Leute, die all die genannten Erfahrungen gemacht hatten, konnte man nicht mehr zur Buße bringen. Wer waren sie, und was hatten sie erlebt?

Wir wollen dem im Einzelnen nachgehen. Sie waren einst erleuchtet worden. „Da haben wir’s doch“, rufst du aus, „sie waren gerettet.“ So? Wir dürfen das Wort des lebendigen Gottes gewiss nicht lose handhaben. Es heißt hier, dass diese Leute einst erleuchtet worden waren; meinst du, es genügt tatsächlich, erleuchtet zu sein? Erleuchtet-Sein und Gerettet-Sein, ist das ein und dieselbe Sache? Wenn du einen Gläubigen triffst, fragst du ihn dann: „Wann wurdest du erleuchtet, Bruder?“ Sicher nicht. Es genügt nicht, erleuchtet zu werden. Es ist ein erster unerlässlicher Schritt zur Errettung, aber allein genügt er noch nicht.

Lasst uns einmal nachdenken. Die Juden töteten unseren HERRN im äußersten Mutwillen. Sie taten es, würden wir meinen, mit offenen Augen. All Seinen absolut einmaligen und einzigartigen Wundern zum Trotz töteten sie ihn ganz bewusst. Und doch sagt ihnen Petrus in seiner Rede vor dem Tempel: „Ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt.“ In Unwissenheit? Ja. Sie hatten nie die persönliche Erleuchtung durch den Heiligen Geist erfahren. Sie waren in der Finsternis, als sie jene schreckliche Tat begangen. Dann kam Pfingsten. Der Heilige Geist kam und öffnete ihre Augen, so dass sie ganz klar erkannten, dass Jesus der Christus war. Jetzt waren sie erleuchtet, erleuchtet durch die gewaltigste Kraft, die Gott kennt, durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Sie waren erleuchtet. Glaubten sie auch? Leider nicht. Viele waren eher willens, angesichts dieser Erleuchtung im Unglauben ihre Augen zu verschließen.

Oder ein anderes Beispiel: Saulus von Tarsus. Viele Jahre, auch nach Pfingsten, verfolgte er das Volk Gottes. Wusste er nicht, was er tat? Er tat es in vollem Bewusstsein, durchdacht und entschieden. Später urteilt er über diese Tage: „Aber mir ist Barmherzigkeit zuteilgeworden, weil ich es unwissend … tat.“ Er wusste also nicht, was er tat? Als gebildeter Mensch wusste er es sehr wohl; aber er hatte nie die persönliche Erleuchtung durch den Heiligen Geist erfahren.

Erleuchtet ohne Glauben

Diese Leute waren erleuchtet worden. Hatten sie auch geglaubt? Das wird nicht gesagt; die Frage wird vorläufig offengelassen. Dann heißt es aber, sie hätten die himmlische Gabe geschmeckt und seien des Heiligen Geistes teilhaftig geworden. Es ist anzunehmen, dass die himmlische Gabe und der Heilige Geist dieselbe Sache sind. Ihr wisst, wie Petrus an Pfingsten eben diese Gabe dem Volk Israel anbot, wenn sie nur Buße tun und auf den Namen des Herrn Jesus getauft werden wollten.

Hier heißt es, dass sie des Heiligen Geistes teilhaftig geworden seien, und du sagst: „Dann müssen das Gläubige gewesen sein, wenn sie des Heiligen Geistes teilhaftig waren.“ Ist das zwingend? Wir müssen klar und exakt denken. Gerade vorliegender Brief lässt uns an Hebräer 2 zurückdenken, also an jene Tage, da das Evangelium erstmals verkündigt wurde und Gott viele Zeichen und Wunder dazu gab. In jenen Tagen war das Wirken des Heiligen Geistes so gewaltig unter ihnen, dass ein Lahmer, der nie gewandelt war, dort an der Tempelpforte saß, geheilt wurde und gehen konnte. Ja, und auf einige brauchte nur der Schatten von Petrus zu fallen und sie wurden von jeder Krankheit geheilt. Und die Schweißtücher von Paulus heilten die Kranken, wenn man sie auf sie legte. Waren denn all diese Leute, die auf solch wunderbare Weise geheilt worden waren, auch bekehrt? Ich wünschte das, aber die Bibel sagt es nicht. Sie wurden körperlich geheilt. Durch welche Kraft? Petrus ließ die Menschen nicht im Zweifel darüber: „Denkt nur nicht, das sei unsere Kraft oder Gottseligkeit gewesen. Es ist durch den im Namen Jesu herniedergesandten Heiligen Geist geschehen.“

Teilhaftig des Heiligen Geistes

So waren sie des Heiligen Geistes teilhaftig geworden, hatten gewaltigen körperlichen Nutzen gehabt. Allein, körperlichen Segen durch die Kraft des Heiligen Geistes zu empfangen, ist nicht dasselbe wie durch den Heiligen Geist von neuem geboren zu werden. Man kann sogar Wunder tun, weissagen und böse Geister im Namen Christi austreiben und braucht dennoch nicht wiedergeboren zu sein (siehe Mt 7,22).

Dann heißt es weiter, sie hätten das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters gekostet. Hast du das schon? Hast du schon die Kräfte des zukünftigen Zeitalters gekostet? Ich nehme an, dass du schon gekostet hast, dass das Wort Gottes gut ist, aber die Kräfte des zukünftigen Zeitalters? Hättest du überhaupt eine Ahnung, was damit gemeint ist? Heiden hätten das recht eigenartig gefunden; ein Jude fand es ganz natürlich. Hatten denn nicht Jesaja, Jeremia, Sacharja und die übrigen Propheten von den herrlichen Tagen des Messias geweissagt? Hatten sie nicht die Hoffnung geweckt, dass eines Tages alle Tränen abgewischt werden, die Lahmen wie ein Hirsch aufspringen, der Tod im Sieg verschlungen werden, Schmerz und Krankheit entfliehen sollten? Hatten sie nicht seit Jahrhunderten auf dieses Zeitalter gewartet? Es war die nationale Hoffnung der Juden.

In jenen ersten Tagen nach Pfingsten offenbarten sich auf Erden die Kräfte jener kommenden Welt, des zukünftigen Zeitalters. Es war ein Vorgeschmack dessen, was noch kommen sollte. Die Lahmen sprangen auf wie ein Hirsch, die Toten wurden auferweckt, die Kranken wurden geheilt. Jerusalem stand im Bann einer Kraft, die es so noch nie erlebt hatte. Es war die gleiche Kraft, die das Tausendjährige Reich zu jenem Zeitalter der Glückseligkeit machen wird, wie wir es erwarten. Das waren die Kräfte des zukünftigen Zeitalters. Welch gewaltiger, unwiderlegbarer Beweis, dass Jesus tatsächlich der Christus war! Wie freundlich war Gott zu diesem Volk! Sie hatten wohl Seinen Sohn gekreuzigt, aber sie hatten in Unwissenheit gehandelt. Er wollte sie nicht in dieser Unwissenheit lassen, sie ohne deutlichsten Beweis dahingehen lassen. Darum gab Er diese übernatürlichen Zeichen durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Einige, die bekannten, gläubig geworden zu sein, fielen freilich nach einiger Zeit wieder ab und kehrten zurück zum Judentum. Das bedeutete aber, dass sie den Sohn Gottes erneut kreuzigten und Ihn der öffentlichen Schmach preisgaben, zur Schau stellten. Die Nation hatte Ihn einmal öffentlich gekreuzigt und damit gesagt, Er sei nicht Gottes Sohn. Diese ehemaligen Bekenner nun, die einmal bezeugt hatten, Er sei Gottes Sohn, kehrten jetzt wieder zum Judentum zurück und bestätigten so persönlich und erneut, dass die Ermordung Christi rechtens gewesen sei. Sie nahmen jetzt aber persönlich die Verantwortung für die Kreuzigung Christi auf sich, und zwar nicht durch Priester angestiftet oder durch ihre Unwissenheit verführt, sondern mit erleuchteten Augen als solche, die das Wirken des Heiligen Geistes erlebt hatten und alles wussten. Das bedeutete ihre Rückkehr zum Judentum. Das und nichts Geringeres.

Man kann nicht Jude sein und die Gottheit Jesu Christi bezeugen. Und wenn Er nicht der Sohn Gottes ist, dann wurde Er zu Recht gekreuzigt. Wenn Er aber der Sohn Gottes ist, dann kannst du nicht im Judentum bleiben. Entweder – oder. Wer zurückging, bestätigte persönlich, dass er mit der Kreuzigung Jesu Christi einverstanden war. Von solchen sagt Gott selbst: Es ist buchstäblich unmöglich, sie zur Buße zu erneuern.

Den Heiligen Geist verwerfen

Gott ist nicht ein harter Herr. Bitte beachtet, was Er sagt. Er sagt nicht, es sei unmöglich, ihre Sünden zu vergeben. Er sagt nicht, Er sei nicht willens, ihnen zu vergeben. Darum geht es hier nicht. Er sagt, es sei unmöglich, sie zu einem Umdenken zu bewegen. Du wirst sie nie zur Buße bewegen können, sie werden nie mehr etwas mit Christus zu tun haben wollen.

„Das ist eine starke Behauptung“, wendest du ein, „wie kannst du das wissen?“ Aus folgendem einfachem Grund: Das Einzige, was sie je zur Buße bringen könnte, ist die Kraft des Heiligen Geistes. Da sie diese in ihrem eigenen Leben verspürt, aber bewusst verworfen haben, weiß ich von keiner anderen Kraft mehr in Gottes Universum, die ihre Herzen erreichen könnte.

Verse 7.8

Heb 6,7.8: Denn das Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringt für diejenigen, um derentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt, so ist es unbewährt und dem Fluch nahe, und sein Ende ist die Verbrennung.

Nehmen wir das hier gebotene Beispiel. Der Regen fällt vom Himmel und befeuchtet die Erde und lässt sie nützliches Kraut hervorbringen für den, der sie bebaut. Das ist wunderbar und genießt Gottes Segen. Daneben liegt ein anderes Stück Land. Der genau gleiche Regen fällt darauf, qualitativ ohne Unterschied. Er befeuchtet den Erdboden, aber dieser bringt nur Dornen und Disteln hervor. Was wollen wir tun? Du schlägst vor, wir geben ihm noch etwas Regen. Das wird aber nichts nützen. Je mehr Regen, desto mehr Dornen. Was können wir tun? Nichts.

Es ist eine ernste Sache. Der Heilige Geist kommt und erweicht die Herzen, der Same des Wortes Gottes fällt hinein und bringt Frucht, dreißig-, sechzig- oder hundertfältig. Und der Heilige Geist berührt andere Herzen, und je mehr Er zu überführen sucht, desto mehr bringen diese Dornen und Disteln hervor. Was lässt sich da machen? Nichts. Wenn jemand mit offenen Augen, vom Geist Gottes überführt, die Wahrheit erkannt, vielleicht sogar ein verstandesmäßiges Bekenntnis abgelegt, sich dann aber abgewandt und alles mutwillig verworfen hat – wenn jemand das getan hat, dann gibt es keine Hoffnung mehr. Ich zweifle nicht daran, dass Gott retten wollte, wenn Er nur könnte; aber Gott kann keine größere Kraft als die des Heiligen Geistes aufbieten, um sie zur Buße zu bewegen.

Lasst uns innehalten und die Lektion auf uns alle anwenden. Gott sei Dank, wenn wir guter Erdboden sind und unsere Herzen dem Wirken des Geistes geöffnet haben. Sollte der Heilige Geist jemand hier überführt haben, solltest du die Wahrheit erkennen und wissen, was du zu tun hast, dann flehe ich dich an, diesen Glaubensschritt jetzt zu tun, damit du nicht den Heiligen Geist von dir weist und dann nie mehr errettet zu werden wünschst und ewig verlorengehst.

Bessere Dinge

Verse 9-12

Heb 6,9-12: Wir aber sind in Bezug auf euch, Geliebte, von besseren und mit der Errettung verbundenen Dingen überzeugt, wenn wir auch so reden. Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr für seinen Namen bewiesen habt, da ihr den Heiligen gedient habt und dient. Wir wünschen aber sehr, dass jeder von euch denselben Fleiß beweise zur vollen Gewissheit der Hoffnung bis ans Ende, damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen erben.

Wir sind aber in Bezug auf euch, Geliebte, von besseren und mit der Errettung verbundenen Dingen überzeugt.“ Diese Worte sind wie Sonnenstrahlen, die eine schwarze Gewitterwolke durchbrechen. „Ich bin in Bezug auf euch von besseren Dingen überzeugt.“ Wir atmen erleichtert auf; so schlecht stand es um sie doch noch nicht. Gott sei Dank. Er hat so geredet, weil er sich natürlich Sorgen machen musste; aber in seinem Innersten hegt er über sie bessere Überzeugungen. „Ich denke, dass ihr gerettet seid. Ich meine bei euch mit der Errettung verbundene Zeichen zu sehen, obgleich ich so geredet habe, als ob ihr nicht errettet wäret.“

Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr für seinen Namen bewiesen habt, da ihr den Heiligen gedient habt und dient.“ Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen. Wir hören gut zu. Eben fühlten wir uns erleichtert, als er ihnen beteuerte, dass er sie doch für errettet hält; aber jetzt, was sagt er da? Ich denke, ihr seid errettet, denn Gott ist nicht ungerecht, eure Werke zu vergessen. Ist das gesunde Lehre? Bitte, sind wir durch Werke gerettet? Angenommen Gott würde jetzt unsere Werke vergessen, wären wir deswegen nicht gerettet? Was redet dieser Mann bloß?

Wir müssen uns erneut um das Anliegen des Schreibers bemühen. Was er sagt, ist Folgendes: Ich kann nicht in eure Herzen hineingucken, aber ich kann eure Werke sehen; darum denke ich, dass ihr gerettet seid. Ich denke, ich sehe die äußeren Anzeichen; und was noch wichtiger ist: Gott sieht sie, und Gott wird sie nicht vergessen. Er will Beweise sehen. Wir mögen mit unseren Lippen bekennen, dass wir an Seinen Sohn glauben. Aber dann will Gott Beweise sehen, dass wir auch wirklich glauben. Genau das soll der nächste Abschnitt, der von Abraham handelt, hervorheben.

Abraham durch Werke vor Gott gerechtfertigt

Verse 13-20

Heb 6,13-20: Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er, weil er bei keinem Größeren zu schwören hatte, bei sich selbst und sprach: „Wahrlich, reichlich werde ich dich segnen, und sehr werde ich dich mehren.“ Und nachdem er so ausgeharrt hatte, erlangte er die Verheißung. Denn Menschen schwören [wohl] bei einem Größeren, und der Eid ist ihnen das Ende allen Widerspruchs zur Bestätigung; worin Gott, da er den Erben der Verheißung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses überreichlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt hat, damit wir durch zwei unwandelbare Dinge – wobei es unmöglich war, dass Gott lügen würde – einen starken Trost hätten, die wir Zuflucht genommen haben zum Ergreifen der vor uns liegenden Hoffnung, die wir als einen sicheren und festen Anker der Seele haben, der auch in das Innere des Vorhangs hineingeht, wohin Jesus als Vorläufer für uns eingegangen ist, der Hoherpriester geworden in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.

Gott verhieß Abraham Seinen Segen: „Wahrlich, reichlich werde ich dich segnen, und sehr werde ich dich mehren.“ Das geschah, als er seinen Sohn bereitwillig auf den Altar gelegt hatte. Es wurde Abraham nicht an dem Tag gesagt, da er erstmals glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde. Nein, nicht damals schon, sondern erst als er seinen Sohn dargebracht hatte. Die Erfahrung Abrahams wird uns in mindestens vier Briefen des Neuen Testaments zitiert. Zwei Briefe zitieren Abrahams anfänglichen Glauben, da er gerechtfertigt wurde, nämlich der Römerbrief und der Galaterbrief. Er glaubte; es war überhaupt keine Frage der Werke, sondern des bloßen Glaubens, und dieser wurde Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet. Aber zwei Briefe, nämlich der Hebräerbrief und der Jakobusbrief, beziehen sich auf Abrahams Erlebnis von 1. Mose 22, wo er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte. Sie zitieren diese Stelle, um damit zu zeigen, dass wir von der Schuld unserer Sünden vor Gott gerechtfertigt sind durch Glauben, dass wir aber unser Glaubensbekenntnis vor Gott durch Werke beweisen müssen. Es genügt nicht, zu behaupten, wir müssten unser Glaubensbekenntnis vor den Menschen durch unsere Werke rechtfertigen; sondern wir werden aufgefordert, unseren Glauben vor Gott durch Werke zu rechtfertigen.

Als Abraham seinen Sohn darbrachte, da rief Gott ihm zu und sagte: Jetzt weiß Ich … Nicht: Jetzt weiß Sara; oder: Jetzt wissen deine Knechte, oder die Philister. Nein. Jetzt weiß Ich, dass du Mich fürchtest. „Ja, aber Gott wusste das doch vorher schon“, sagst du zu Recht. Natürlich. Er ist ja allwissend und weiß deshalb alles schon im Voraus. Aber Er wollte es auch in der Erfahrung bestätigt sehen. Und Er will, dass wir wissen, dass Er auch von uns die Bestätigung erwartet, ob unser Glaube echt ist.

„Abraham, vertraust du Mir wirklich? Du sagst Ja. Dann gib Mir Isaak. Oder glaubst du teils an Mich und teils an Isaak? Alle Verheißungen sind mit Isaak verbunden; aber vertraust du jetzt Mir oder Isaak? Vertraust du Mir völlig und niemand sonst? Ja, du sagst, dass du wirklich glaubst. Glaubst du auch, wenn es wirklich darauf ankommt? Nur an Mich, an Gott allein? Darf ich dir alles nehmen, was deinem Herzen lieb ist, und wirst du Mir noch immer vertrauen? Dann will Ich alles von dir.“

„Einverstanden“, antwortet Abraham, „ich weiß zwar nicht, wie das gehen soll, aber hier hast du es. Ich vertraue Dir noch immer, Gott.“ Dann sagt Gott: „Jetzt weiß Ich, dass du Mich fürchtest.“ An jenem Tag hat Abraham sein Glaubensbekenntnis durch Werke belegt.

Die Hebräer wurden hier aufgefordert, etwas Ähnliches zu tun. Vertrauten sie wirklich ihrem Retter? Es würde für sie vielleicht bedeuten, alles zu verlieren. Vertrauten sie Ihm wirklich? Gott wollte in ihren Umständen den Beweis sehen, dass sie wirklich gläubig waren. Wir wollen das zu Herzen nehmen. Wenn wir ein Glaubensbekenntnis abgelegt haben und dieses Bekenntnis echt ist, dann wird uns Gott früher oder später in Umstände hineinführen, wo unser Glaube auf seine Echtheit hin bis auf den Grund geprüft wird. Wer weiß, was aus unserem Land noch werden wird und was es uns Christen noch kosten kann, den Glauben an die Gottheit Jesu Christi zu bekennen? Lasst uns unsere Herzen zubereiten, denn früher oder später wird Gott Beweise sehen wollen, dass wir Ihm durch dick und dünn wirklich vertrauen.

Lasst uns darum Gott für den Hohenpriester danken, der bereit ist, für uns zu beten, damit in jenen schwierigen Situationen unser Glaube nicht aufhört. Seinetwegen dürfen wir kühn bekennen: „Wir müssen uns nicht fürchten, es komme was da wolle.“ Wenn Glaube vorhanden ist, wie schwach er auch sein mag, wird er alle Anfechtungen unbeschadet durchstehen; denn wir haben einen Hohenpriester, der betet, dass er nicht aufhöre. Und Gott wird vom Beweis der Echtheit des schwächsten Gläubigen befriedigt sein, vorausgesetzt, er ist wirklich gläubig. Solchen gibt Gott die stärkste Ermutigung, die man sich denken kann: Sein Wort und Seinen Eid. „Wahrlich, reichlich wird Er sie segnen“, Er wird sie ewig retten, da mögen alle Stürme der Welt und der Hölle rasen. Er hat ihnen einen Anker gegeben und einen Hohenpriester, der innerhalb des Vorhangs für sie betet. Der Anker wird nie ausgerissen werden; er wird sie im Sturm festhalten und sie schließlich heimholen. Und Gott ist sehr darauf bedacht, dass wir das wissen: dass wir wissen, wenn Drangsal und Stürme hereinbrechen und unser Glaube aufs Äußerste erprobt wird, dass dieser Anker nie, nie reißen wird.

Wir wollen uns darum ausstrecken und die vor uns liegende Hoffnung noch fester ergreifen. Wir haben einen sicheren und unverrückbaren Anker der Seele, und Gott will, dass wir einen starken Trost haben, die wir Zuflucht genommen haben zum Ergreifen der vor uns liegenden Hoffnung.

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Aus dem Buch Ein unerschütterliches Reich,
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 1987


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