Die prophetische Geschichte der Gemeinde (6)
Offenbarung 3,1-6

Frederick William Grant

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 31.01.2018

Leitverse: Offenbarung 3,1-6

Off 3,1-6: 1 Und dem Engel der Versammlung in Sardes schreibe: Dieses sagt der, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und du bist tot. 2 Sei wachsam und stärke das Übrige, das sterben will; denn ich habe deine Werke nicht für vollkommen befunden vor meinem Gott. 3 Gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tu Buße. Wenn du nun nicht wachst, so werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. 4 Aber du hast einige wenige Namen in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. 5 Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens, und ich werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. 6 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Versammlungen sagt!

„Du lebst und bist tot“

Im Sendschreiben an die Gemeinde von Thyatira hören wir den Herrn sein Kommen ankündigen, und Er fordert seine Heiligen auf zu warten, bis Er seine Autorität mit ihnen teilt, welche sich die falsche Kirche heute anmaßt. So zeigt uns Thyatira einen Zustand, der mindestens so lange anhält, bis der Herr seine Heiligen holen kommt; allerdings nicht, bis die Sonne der Gerechtigkeit über der Welt aufgeht, von der Maleachi spricht, sondern bis Er als der Morgenstern kommt – der Verkünder des Tages, ehe der Tag anbricht.

In Sardes haben wir daher nicht nur eine Weiterentwicklung der Zustandes von Thyatira, sondern in vieler Hinsicht eine völlig gegensätzliche Situation, wie sich leicht feststellen lässt; kein Unfehlbarkeitsanspruch, keine Verderbnis der Lehre (als das Hervortretende), keine Verfolgung der Heiligen, kein Ausüben von Autorität im gleichen Sinne. Die Situation wird schlicht und deutlich gesagt, denn es fehlt an Geisteskraft, ja am Leben selbst. Während Christus „die sieben Geister Gottes“ hatte wie eh und je – nach alter Vorstellung das Vollmaß des Geistes, und so auch für sein Volk –, hatten jene, die Er ansprach, zwar den Namen, dass sie lebten, sie waren aber tot. Ich wünschte nur, es wäre schwieriger, dies auszudeuten; aber es ist gewiss das fatale Merkmal von allem Anfang an, zwar nicht einzelner Personen, wohl aber der Kirchen der Reformation. Man verstehe mich recht: Ich spreche nicht von der Reformation selbst, wenn ich dies sage; denn die Reformation war das segensreiche Werk Gottes; und der Herr verurteilt nicht sein Werk, und niemals hat Er Anlass dazu. Er spricht von dem, was seine Gnade für sie getan hatte, was sie gehört und empfangen hatten. Ihre Pflicht war, dies zu beachten und zu bewahren; und darin hatten sie bereits versagt. Darum werden sie verurteilt.

Christus hat die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne. So wird Er hier dargestellt. Es gibt kein Versagen im Zustrom der Geisteskraft; kein Versagen in seiner Fürsorge für sein Volk. Doch bei ihnen besteht ein seltsamer und erschreckender Mangel. Die Anmaßung ist hier größer als je zuvor, denn sie haben jetzt den Namen, als lebten sie, einen Namen, der im Buch des Lebens verzeichnet sein sollte, während der Zustand der großen Masse der Leute jedoch der Tod ist – nicht Schwachheit, sondern Tod. Es gibt Ausnahmen: nicht nur solche, die einfach lebendig sind, sondern, viel wichtiger, jene, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und von ihnen spricht der Herr mit herzlichstem Lob: „Sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert.“ Leider sind es nur „einige wenige Namen“. Andere mögen auch lebendig sein; aber in einer Umgebung des Todes – wir wissen, was im Alten Testament die Verunreinigung mit Toten für einen Symbolwert hat – haben sich auch die vielen, die lebendig sind, besudelt. Die große Masse aber ist vollkommen tot; sie hat zwar den Namen, dass sie lebe, ist aber tot.

Der Herr geht noch näher darauf ein in seiner Verheißung für den, der überwindet in Sardes: „Wer überwindet …, ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens.“ Die Mehrzahl der Leute versteht das Buch des Lebens als in den Händen des Herrn, und alle Namen darin hat Er selbst hineingeschrieben. Jene, die das Evangelium nicht kennen, müssen darüber stolpern, dass da jemand aus dem Buch des Lebens gelöscht werden soll, und sie vermuten, es werde jemand ausgelöscht, der einmal gerettet wurde. Aber kein derartiger Gedanke findet sich hier. Es gibt nicht den leisesten Anschein, dass die hier Erwähnten jemals lebendig wären: Sie hatten den Namen, dass sie lebten – nur den Namen! Demgegenüber finden wir in Offenbarung 15,8 jene anderen genannt, die im Gegensatz stehen zu denen, die „geschrieben“ sind „in dem Buch des Lebens des geschlachteten Lammes von Grundlegung der Welt an“. Das ist ihre Sicherheit, die sie davor bewahrt, getäuscht zu werden und das Tier anzubeten. Souveräne Gnade ist ihre einzige und für sie genügende Sicherheit. Hier ist andererseits das Buch in Menschenhände geraten, und der Mensch schreibt Namen nach seinem Gutdünken hinein. Aber zu seiner Zeit berichtigt der Herr das Buch, und er löscht die Namen derer aus, die nur den Namen haben.

Nun hat „der Name zu leben“ besondere Bedeutung in Verbindung mit den Zeiten der Reformation. Es war und ist kein Merkmal des Papsttums, dass Namen von Leuten (noch hier auf Erden) ins Buch des Lebens geschrieben werden. „Heilige“ bei Katholiken sind Tote, keine Lebenden. Die katholische Kirche warnt die Lebenden, dass „kein Mensch weiß, ob er würdig ist der Gunst oder des Hasses“, und dass man am besten tut, nicht allzu sicher zu sein. Ihre Absolutionen, ihre Nachsicht, ihre Sakramente zeigen schon durch die häufige Wiederholung, welch eine schwierige Sache die Erlösung ist. Dunkelheit ist das Wesentliche an ihrem System, und dadurch gedeiht sie. Andererseits gewann die Reformation das gesegnete Evangelium wieder, und das Wort von der Versöhnung wurde ohne unsichere Nebenklänge gepredigt. Die Lehre der Heilsgewissheit wurde mit äußerster Energie gepredigt und wurde auf dem Konzil von Trient gebrandmarkt als die „müßige Zuversicht der Ketzer“. Man trieb es sogar so weit, zu behaupten (jedenfalls einige der wichtigsten Reformatoren taten dies), dass die Heilsgewissheit der Kerngehalt des Erlösungsglaubens selbst war und dass ein Mensch sich seiner Vergebung ganz bewusst sein musste, sonst konnte er sicher sein, dass ihm nicht vergeben war. Es war klar, dass der Protestantismus den Namen eines Menschen ins Buch des Lebens schrieb auf eine Weise, wie es das Papsttum nicht tat.

Zwei gewaltige Dinge gab uns die Reformation, die uns seither niemals ganz verlorengegangen sind: die offene Bibel in einer verständlichen Sprache und andererseits das Evangelium, wenigstens in einigen seiner wichtigsten Grundzüge. Das sind unermessliche Segnungen, die wir noch mehr schätzen würden, wenn wir nur mutiger wären. Auch von den Menschen, welche die teuren und verehrten Werkzeuge waren, durch die sie auf uns kamen, können wir nicht mit genug Zuneigung und Achtung sprechen. Gott ehrte sie (wie viele!) und nahm sie in feurigen Wagen in den Himmel auf, von wo ihre Stimmen herabtönen und uns erregen durch den Klang des Himmels, der sich auftat, um sie aufzunehmen. Jene, die sie herabsetzen, werden eines Tages ihre Namen bekannt und geehrt hören von dem, dem sie dienten, und Er wird sie die nennen, deren die Welt nicht wert war.

Aber auf der anderen Seite dürfen wir nicht, wie es viele tun, die Reformation zum Maßstab der göttlichen Wahrheit machen. Die sind der Reformation nicht wirklich treu, die weniger als die Schrift als ihren Maßstab oder die Prüfung dafür annehmen. Die gebrochenen und widerstreitenden Stimmen, welche zu hören sind, sobald die Frage nicht mehr vom Evangelium her kommt, sondern von der Kirche und ihrer Regierung, versichern uns, dass, wenn die Schrift darüber gesprochen hat, die Kirchen der Reformation uns diese Äußerung nicht so weitergeben, wie es im Evangelium geschah. Lutheranertum ist kein Calvinismus, die anglikanische Kirche ist nicht die Kirche von Genf. Wir müssen also, ob wir wollen oder nicht, die Schrift hernehmen, um zu entscheiden inmitten so widersprüchlicher Behauptungen; und wenn wir dies tun, stellen wir ohne große Schwierigkeiten fest, dass keine von diesen uns zurückführt zu der Kirche, wie sie am Anfang war – der Leib Christi oder das Gebäude aus lebendigen Steinen – überhaupt nicht. Stattdessen waren, wie sehr wohl bekannt ist, die Kirchen der Reformation, vor allem nationale Kirchen, nicht in jedem Land in der Lage, ihr Ideal ganz zu verwirklichen, wie in Frankreich, wo Rom seine Überlegenheit durch so grausame Methoden behauptete, aber doch immer nach diesem Muster. Rom hatte natürlich den Weg dafür bereitet. Die europäischen Nationen waren bereits nach eigenem Bekenntnis christliche Nationen, und es konnte nicht erwartet werden, dass jene, die der Tyrannei Jesabels entkamen, ihren ererbten Anspruch auf das Christentum aufgeben würden. Die Annahme eines evangelischen Bekenntnisses konnte die Wirklichkeit dessen, was sie waren, nicht verändern. Es ist wahr, sie lernten die Formel, schrieben ihre Namen als Protestanten in die Kirchenbücher, lernten, wütend für das Evangelium des Friedens streiten – und wie konnte man ihnen den Titel von Christen absprechen? Doch für die vielen war es nur „ein Name zum Leben“.

Wir müssen zwei Dinge unterscheiden lernen in der kirchlichen Revolution jener Zeiten. Als Erstes war da ein machtvolles und offenbares Werk Gottes. Die aus ihrer Gefangenschaft in einer fremden Sprache befreite Schrift begann zu aufnahmebereiten Menschenherzen zu sprechen mit der Entschiedenheit und Überzeugungskraft, die nur das Wort Gottes haben kann. Christus begann wieder zu lehren in Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten. Die gesegnete Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben brachte überall gebundenen Seelen die Freiheit und die Erkenntnis von einem Erlösergott. Das kirchliche Joch konnte jene nicht länger binden, welche die Wahrheit befreit hatte: Und wo so Christus der rechtmäßige Herr der Seele geworden war, wurde Roms Autorität zur Tyrannei des Antichristen. Das war das erste und machtvollste Element im Protestantismus; keine politische Bewegung, sondern eine Glaubensbewegung. Der einsame Luther in Worms vor dem Angesicht der größten politischen Macht in Europa war Gottes Zeugnis, dass dies Gottes Werk war: Seine Kraft offenbarte sich in der menschlichen Schwachheit. Wäre diese Position der Schwäche nur durchgehend beibehalten worden, wäre es Gott nur ermöglicht worden, zu zeigen, dass Er allein die Macht besaß, wie anders wäre das Ergebnis gewesen! Und von dem bekanntesten Namen des Protestantismus gehört es sich, zu erkennen, dass Luther, wo es um fleischliche Waffen ging, mit Recht sich geweigert hätte, sie zu gebrauchen in einem Kampf, der Gottes war. Den Protestantismus eine im Wesentlichen politische Bewegung zu nennen, heißt, ihm schreiendes Unrecht zufügen und die klarsten Tatsachen verdrehen.

Doch wir können nicht die politischen Elemente übersehen, die sich sehr bald breitmachten. Rom hatte die Nationen überall seine eiserne Hand der Despotie spüren lassen, und die natürliche Reaktion dagegen war die natürliche Folge seiner intoleranten und unduldsamen Unterdrückung. Die notorische Bosheit seiner Herrschenden hatte längst jeden wirklichen Respekt vernichtet. Seine Macht bestand nun in einem übertriebenen und erniedrigenden Aberglauben. Es lebte von den Schlechtigkeiten und Ängsten der Menschen; und wohin das Licht fiel und die Dunkelheit vertrieb, wurden auch die Ängste vertrieben, wenn auch nicht die Schlechtigkeiten. Die Menschen lernten, auf die Macht, vor der sie sich gekrümmt hatten, mit entgegengesetzten Gefühlen blicken, die ebenso tief waren wie die vorherigen. Ihre politischen und sonstigen Interessen fielen mit der geistlichen Bewegung zusammen, welche die göttliche Macht hervorgebracht hatte. Soldaten, Politiker, Regierungen machten mit den Menschen des Glaubens gemeinsame Sache. Es war schwer, solche offenbar gottgesandten Verbündeten nicht zu begrüßen, wenn von allen Seiten Verfolgung drohte. Die Bewegung gewann äußere Macht und Bedeutung; aber ihr Wesen wurde im gleichen Maße erniedrigt und pervertiert.

Definierte Prinzipien wurden nötig, um Elementen Zusammenhalt zu geben, welche der Geist Gottes nicht mehr genügend verbinden konnte. Von außen kam der Druck Roms, einer kompakten und ungeheuer machtvollen Gruppierung, bewaffnet, gut ausgebildet und äußerst feindselig. Eine Organisation wurde bald zur Notwendigkeit: aber von wem oder was? Hätte man die wahre Kirche proklamiert, hätte man sich all ihrer Verbündeten entledigt, fortgesetzte Verfolgung und Ablehnung wäre sicher gewesen, Rom wäre ungezügelt und siegreich geblieben. Ich sage nicht, der wahre Gedanke der Kirche sei jenen damals überhaupt gekommen; aber ich sage, ihre Verbundenheit mit der Welt war ein sicheres Mittel, sie zu hindern, dass sie diese sahen. Statt den Status der wahren Kirche zu wahren, wurden nationale Kirchen gegründet, mit evangelischen Bekenntnissen als Werken der Staatskunst und politischer Macht, nicht göttlicher, um sie zu stützen.

Von diesen Bekenntnissen haben wir schon einiges gesagt, doch bleibt noch sehr viel mehr zu sagen. Es ist leicht, zu sehen, dass, wenn für seine Kirche ein Glaubensbekenntnis nötig gewesen wäre, Gottes Weisheit uns leicht ein unfehlbares hätte geben können, und seine Liebe hätte es nicht versäumt, dies zu tun. Im Gegenteil, Er hat uns gegeben, wovon Er verkündet, dass es den Menschen Gottes geschickt mache zu allen guten Werken, aber von dem Menschen sofort merken, dass es so verschieden von einem Bekenntnis ist wie nur möglich. Warum wollen die Leute ein Bekenntnis? Sie wollen etwas, was einfacher und leichter zu lesen ist als die Schrift. Die Bibel ist unbestimmt; ein Glaubensbekenntnis muss bestimmt sein. Aus der Bibel macht jeder, was ihm gefällt; die Leute wollen etwas anderes, etwas, aus dem man nicht zwei Bedeutungen herauslesen kann, das für alle klar ist: für geistlich und ungeistlich Gesinnte, für Kirche und Welt zugleich.

Ich habe zuvor behauptet, dass die Bibel klarer und einfacher ist als irgendein Menschenwort; außerdem ist sie in unendlicher Weisheit geschrieben, damit sie, wie nichts anderes es vermag, den Gedanken der Menschen in jedem Punkt entspricht, damit sie die einzige Wehr, der einzige Schutz gegen die Ketzerei sei bis zum Ende der Zeit. Das ist die schlichte Wahrheit; doch will ich zugestehen, was ein Widerspruch zu meinen vorigen Worten sein mag, dass aus ihrer eigenen Sicht eine gewisse Wahrheit in dem stecken mag, was sie als fraglich zwischen Bibel und Bekenntnis sehen. Von dem Standpunkt der Schrift aus, denn die Worte des Apostels schränken uns etwas ein, wenn wir von der Verständlichkeit der Schrift sprechen. „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit …“ Was? „… der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.“ Die zur Lehre nütze Schrift erfordert jedoch einen Seelenzustand für ihre richtige Aufnahme. Sie erfordert jedoch keine großen Fertigkeiten, menschliche Gelehrsamkeit, intensive Forschung, sondern (was auch der Bescheidenste und Ärmste aufbieten kann) Hingabe: dass wir Gottes Menschen seien, was alle Christen auch sind durch ihre Stellung und ihr Bekenntnis, was aber leider nicht alle praktisch sind. Das ist das klare Auge, das wir brauchen, damit unser ganzer Leib licht sein kann.

Aber da dies so ist, können wir leicht einsehen, dass die Bibel kein Buch für einen Gerichtshof ist und auch kein Buch für ein nationales Glaubensbekenntnis. Die Wahrheit darin soll dem nur natürlichen Verstand gar nicht zugänglich sein. Sie kristallisiert sich nicht in so und so viele Lehrsätze; und wenn das nicht so ist, wenn sie so ganz anders ist als ein Bekenntnis, dürfen wir mit Gewissheit glauben, dass in Gottes Plan etwas wie ein Bekenntnis nicht vorgesehen war. Er beabsichtigte nicht, etwas zu geben, was als Motto für politisches Parteigängertum dienen konnte oder als Wahlspruch, der sich für anderes eignete als für den geistlichen Krieg. Nationalismus, die Vereinigung der Lebenden und der Toten, hatte Er nie im Sinn. Er wollte, dass erfüllt sein mit dem Geist die erste Voraussetzung für die Erkenntnis seiner Gedanken war; und wenn Menschen das gesegnete Wort Gottes ablehnen um ihres klareren Bekenntnisses willen, zeigen sie damit, dass sie nicht Gottes Absicht folgen.

„Du hast den Namen, dass du lebest, und du bist tot“ ist ebenso die genaue moralische Beschreibung, wie es die Verdammung des Nationalismus ist: noch mehr als das, zweifellos, aber doch dies. Es ist nicht die Kirche Gottes, sondern eine christianisierte Welt, in der ein paar Christen verstreut sind, ein Ort, an dem man sich so besudelt, dass nur einige wenige ihre Kleider dort nicht besudeln. Verbunden mit der Wahrheit, wie es das Papsttum nicht ist, verrät ein solches System die Wahrheit, zu deren Erhaltung es sich doch bekennt. Das Wesen der letzten Tage wird dadurch entwickelt: „Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer“; unter dem Gewand des Christentums bewahren sie sich alles, was ihnen natürlich war, „die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen.“

Das ist die Wirkung der volkstümlich gemachten Wahrheit – volkstümlich gemacht, wie Gott es für seine Wahrheit niemals haben wollte. Natürlich muss man zwischen diesem und dem Predigen seiner Wahrheit unterscheiden, denn gewiss ist wohl nichts mehr nach seinem Sinn als das. Sein Evangelium soll zu aller Kreatur gelangen, und die Segnungen einer offenen Bibel können wir gar nicht genug betonen. Aber mit der volkstümlich gemachten Wahrheit meine ich, wovon wir bereits gesprochen haben, Wahrheit, die zum Parteiabzeichen gemacht worden ist, damit sie von denen akzeptiert werden kann, mit denen Christus nicht ist; denn Er war niemals volkstümlich, und Er ist es auch jetzt nicht. Volkstümlich gewordene Wahrheit ist eine, die ihre Kraft verloren hat. Es mag Wahrheit sein, für die Märtyrer gestorben sind, Wahrheit, die, als sie zuerst von Gott gegeben wurde oder dann wieder aufs Neue, voll belebender Kraft war. Volkstümlich geworden ist sie ziemlich leblos – kein Mühen der Seele, sie zu empfangen, kein Kreuz, wenn man sie bekennt. Man hat von den Vätern übernommen, was die Väter von Gott bekamen; die Väter bekannten sich dazu in Schande; ihnen ist es Ehre. Jetzt prüft sie nicht mehr die Gewissen, nichts lässt uns fragen: Wage ich, dies auf mich zu nehmen ohne Sanktion oder Befürwortung von Menschen, ja sogar angesichts aller menschlichen Ablehnung? Doch nur dann haben wir sie wahrhaft von Gott empfangen. Die Märtyrer, von denen man spricht, nahmen sie so und litten für sie; jetzt übernimmt man sie von den Vätern – ein Prinzip, das die Märtyrer verurteilt hätten –, und man übernimmt sie ohne den geringsten Gedanken daran, Märtyrer zu sein. Die Wahrheit wird durch das unheilige Leben derer, die sie bekennen, als kraftlos erwiesen, während von denen Unheiligkeit empfohlen wird durch die Praxis jener, die orthodox sind, wenn es um die Wahrheit geht. Und so neigt die Wahrheit dazu, von sich aus zu sterben als wertlos, während sie im nationalen Bekenntnis erhalten bleibt, einbalsamiert als ein Denkmal der Vergangenheit. „Sei wachsam und stärke das Übrige, das sterben will; denn ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor meinem Gott.“

Wir sehen dies nur allzu offenbar im Hinblick auf all die nationalen Systeme, um mehr als einen einfachen Hinweis zu brauchen. Es ist ein System, das weltlichen Gehirnen angepasst ist und das bearbeitet werden kann von dem politischen Apparat. Das Wort Gottes ist keine Notwendigkeit dafür, außer dass es eine Reihe von Lektionen liefert, denn der autoritative Maßstab ist das Bekenntnis. Der Geist Gottes ist dafür nicht nötig, denn Seminare können Prediger produzieren und Geistliche ordinieren und auf den Weg schicken unabhängig hiervon. Christen sind dafür nicht notwendig, sie sind ein zu unsicheres Wählerpotential für eine Nation oder eine Regierung, als dass man mit ihnen rechnen könnte; und es gibt kein Mittel, um mit Sicherheit festzustellen, wer sie sind. Ein Sakrament – Taufe oder Abendmahl – ersetzt hier weniger handliche Prüfungen. Und der betrübte und verletzte Geist darf beschworen werden, dass er die leblose Masse anhauche und die Segel des Staatsschiffes straffe. Aber er muss sich an die Grenzen halten, welche Ritual, Hierarchie und Parlament ihm vorschreiben, sonst wird er als schismatisch behandelt. Und, möchte man dazu sagen, wie oft entspringt tatsächlich eine Spaltung einer großen und offenbaren Erweckung. Seelen, die nahe zu Gott gebracht werden und den Wert seines Wortes zu spüren bekommen und die Notwendigkeit, ihm zu gehorchen, werden dadurch nicht zu geduldigen Dienern der Staatsreligion gemacht. Die alten Schläuche werden den neuen Wein nicht halten. Staatsmänner sind daher solch frischem Enthusiasmus nicht wohlgesonnen, und kein Wunder: Er spaltet das Haus, das sie als Einheit zu erhalten suchen.

Aber ist nicht dies die Geschichte der Kirchen der Reformation, ja des Protestantismus während der drei Jahrhunderte seiner Existenz? Ist nicht dies der wahre Bericht seiner Spaltungen, für die er so getadelt wird? Der Geist Gottes ist wirklich nicht der Erzeuger von Verwirrung, sondern von Frieden; von Einheit und nicht von Entzweiung. Aber wenn die Leute von Spaltung reden, sollten sie bedenken, was dieser Begriff bezeichnet. Wo er sich in der Schrift findet, geht es um „Spaltung im Leib“, die getadelt wird, und der Leib Christi ist keine nationale Kirche. Wenn Menschen die Lebenden und die Toten verbunden haben, wenn sie die Gewissen Formeln statt der Schrift unterworfen haben, Hierarchien statt Gott oder Hierarchien im Namen Gottes, haben sie dann nicht den gesegneten Geist gezwungen, die Trennungslinie neu zu ziehen zwischen den Lebenden und den Toten, die sie verwischt haben zwischen Menschenwort und Gotteswort, zwischen menschlicher und göttlicher Autorität? Und seine Weise, dies zu tun, ist, beständig aus seinem unerschöpflichen Schatz seines Wortes irgendeine frische oder vergessene Wahrheit hervorzuholen, welche tun wird, was die volkstümlich gemachte Wahrheit im Bekenntnis fast zu tun aufgehört hat und welche die Seelen seines Volkes prüfen wird, ob sie wirklich die Abkommen derer sind, die ihn in alter Zeit bekannten, deren Grabmäler sie bauten und deren Gedächtnis sie in Ehren halten. Die frische Wahrheit verlangt ein frisches Bekennen; sie kostet und soll auch etwas kosten; sie bringt ihre Bekenner in Opposition zu dem Kurs ringsum und trennt sie sofort von jenen, deren einziger Wunsch es ist, mit dem Strom zu schwimmen, und denen zwischen dem Bekenntnis zu Christus und dem Kreuz eine breite Lücke klafft.

Zweifellos kann die Teilung zur Trennung zwischen Christen selbst führen; und das ist an sich schon schlecht, wenn echte Christen voneinander getrennt werden; aber die Verantwortung dafür tragen jene, die nicht hellhörig genug sind, Gottes Ruf zu hören, wenn er ergeht; nicht klarsichtig genug, um den Pfad zu erkennen, auf dem der Herr die Seinen führt. Die Ehrfurcht, die wir Ihm schulden, verbietet uns zu bezweifeln, dass Er die Seinen auf einander widersprechenden Wegen leiten könnte, dass Er ihnen das nötige Licht vorenthalten könnte, das sie brauchten, um recht zu wandeln, wie einfach oder unwissend die Seele auch sein mag. Niemand geht in die Irre und niemand stolpert, weil etwa Gott ihm das Licht vorenthält. Aber „des Leibes Licht ist“, praktisch, „das Auge“ – der Einlass dafür; und da liegt das Hindernis. So entsteht, so traurig das auch ist, eine Trennung zwischen echten Christen; aber die Sünde liegt nicht bei denen, die sich lossagen von dem, was Gott ihnen als böse gezeigt hat, sondern bei denen, die in Verbindung bleiben mit dem Bösen, welches das aufrichtige Herz abstößt. Trennung vom Bösen würde, weit davon entfernt, ein Prinzip der Trennung zu sein, wo sie ehrlich angestrebt würde, zu Einheit und Frieden führen, weil sie auf einen Pfad führte, wo Gottes Geist unbetrübt sein Volk wirklich vereinen und stärken könnte. Mit Bösem kann Er sich nicht vereinigen; daher ist das Böse, wo es zugelassen wird, ein Prinzip der Spaltung. Ich spreche daher nicht für die Spaltung oder nehme sie leicht. Die Spaltungen des Protestantismus sind seine Schande; sich ihrer rühmen heißt sich seiner Schande rühmen. Der Irrtum ist vielfältig, widersprüchlich, trennend. Die Wahrheit ist, so vielseitig sie sein mag, immer nur eine. Die Sekten in ihrer Vielfalt mögen zweifellos dem religiösen Geschmack des Menschen entgegenkommen; doch das zeigt auch nur, wie rein menschlich sie sind, wie wenig göttlich.

Die Einheit des Geistes kann gewahrt werden und eingeräumt werden für das Wachstum an Erkenntnis und in der Einheit des Urteils über viele Dinge. Die Kirche Gottes hat Raum für alles, was zu Gott gehört, ganz gleich welcher Gestalt: für Väter, junge Männer und Kleinkinder. Ja, sie verlangt sogar die größte Barmherzigkeit von uns für jene, die sich in irgendetwas von uns unterscheiden, das den Namen Christi nicht irgendwie verunehrt. Doch das ist etwas ganz anderes, als was ein Glaubensbekenntnis beinhaltet, ja, ich möchte sagen, es ist sein grundlegender Gegenpol. Denn das Bekenntnis definiert in einer Weise, die, wenn eng befolgt, Duldsamkeit hinsichtlich der Punkte von zugegebenermaßen geringerer Wichtigkeit ausschließt, wo der Geist Gottes nicht Gleichgültigkeit lehren würde, sondern tatsächlich die größte Barmherzigkeit; das Bekenntnis zwingt allen seine Definitionen auf in einer Weise, die am meisten empfunden wird von denen, die besonders gewissenhaft sind. Es ist ebenso nötig, an die Wiedergeburt eines Kindes bei seiner Taufe zu glauben wie der Glaube an den Sohn Gottes selbst. Ich gebe zu, dass es praktische Laschheit geben mag, aber für eine Seele, die vor Gott steht, genügt das nicht. Für einen solchen Menschen, der klar sieht, ist die Unterwerfung unter menschliche Institutionen in Dingen, bei denen es um Gott geht, gerade das, was er nicht tun kann oder zu tun wagt.

„Spaltung im Leibe schaffen“ ist immer verkehrt. Trennung vom Bösen, koste es, was es wolle, ist eine Notwendigkeit und immer richtig; und daher stammen die Frische und Kraft, die so viele Bewegungen dieser Art zu Anfang eindeutig kennzeichneten. Sie begannen mit Selbstprüfung und Hingabe. Das Böse erkannten sie zumindest, und sie konnten mit ihm umgehen, und das Maß an Wahrheit, das sie besaßen, bewahrten sie mit Macht. Bald wurde sie systematisiert, und je mehr das fortschritt, desto mehr schwand die Macht. Betrachtet man das Leben der Gründer, so waren es Menschen des Glaubens und der Kraft, die litten und ausharrten. Ihre Anhängerschaft hielt ungekünstelt, schlicht, primitiv zu ihnen. Sobald alles organisiert, popularisiert und die Gefolgschaft groß wurde, schwand die Frische; und in der dritten oder vierten Generation hatte die Sekte ihren Platz als lediglich eine weitere unter den vielen eingenommen, die sich ihrer Vergangenheit rühmen und sie nicht als Satire gegenüber ihrem gegenwärtigen Zustand erkennen. Die Organisation, das Bekenntnis sollen die Wahrheit bewahren. Aber gaben sie ihnen die Wahrheit, die sie so ängstlich bewahren möchten? Gewiss nicht, wie sie zugeben müssen. Gott in seiner Liebe, Gott in seiner Macht hat gegeben, was zu bewahren der Mensch sich als inkompetent erwiesen hat; die Menschen vertrauen Ihm nicht, dass Er es für sie bewahren kann, nachdem Er es gegeben hat. Er hat sein Wort dazu verwendet, die Wahrheit helfend zu geben; sie wenden sich um und gebrauchen anstelle seines gesegneten Wortes ein Bekenntnis eigener Herstellung, um die Wahrheit zu bewahren. Die nachfolgenden Generationen halten sich an das Bekenntnis der Väter und nicht an das Wort. Die Wahrheit wird popularisiert und ist damit als „Geist und Leben“ verloren. Gott muss neu wirken und anderswo als dort, wo noch vor kurzem eine neue Erweckung war, die sein Geist bewirkt hatte.

Und das augenblickliche geistliche Leben offenbart sich mehr und mehr in „Erweckungen“, die, soweit sie wirklich solche sind, sich als Proteste des Geistes Gottes erweisen gegen den allgegenwärtigen Tod, der sich über alles ausbreitet, und oft sind sie verbunden mit neuen Erklärungen der Wahrheit, nachdem die alten ihre Kraft verloren haben. Die Warnung des Herrn an Sardes weist auf diese Neigung zum Tode hin: „Sei wachsam und stärke das Übrige, das sterben will.“ „Gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße.“ Es ist kaum zu viel gesagt, dass jede echte Erweckung, so segensreich sie auch für die Einzelnen sein mag – ja, ich möchte sogar sagen, je segensreicher sie für die Einzelnen ist –, das nationale System schwächt, und das aus Gründen, die wir betrachtet haben. Der Geist Gottes muss notwendigerweise in Opposition zu dem Tod wirken, den das System produziert. Seelen, die vom Geist Gottes belebt wurden, können nicht zufrieden bleiben unter tödlicher und unchristlicher Lehre und sich mit der Versicherung aus dem Artikel trösten, dass „die Bösen“, die manchmal „oberste Vollmacht für den Dienst an Wort und Sakrament haben“, eben doch dienen durch Christi Auftrag und Vollmacht; sie werden auch nie fähig sein, das geistliche „Joch mit den Ungläubigen“ hinzunehmen, weil das System verlangt, „jedes Kirchenglied“ hat sich mitzuteilen ohne Rücksicht auf irgendwelche anderen Sicherheiten hinsichtlich seiner Bekehrung, als seine Taufe und seine Konfirmation andeuten mögen.

Es ist also kein Wunder, wenn man feststellt (was jeder mit geistlichem Verständnis zugeben muss), dass ein großer Teil derer, die „ihre Kleider nicht besudelt haben“, in der Geschichte des Protestantismus auf die eine oder andere Weise Abweichler vom nationalen System sind. Die erste Generation der englischen Reformatoren waren Abweichler von Rom, und Rom tat sein Bestes, sie rein zu halten durch die Feuer, die es für sie anzündete. Danach begann sich ein Volk abzusondern, das wegen seines ehrlichen Bemühens um Gerechtigkeit vor Gott den Spitznamen „Puritaner“ bekam. Ich brauche nicht zu sagen, welch große Namen sich in dieser Klasse finden, die Nachfolgegenerationen lieben und ehren lernten – eine Klasse, für die Geldbußen und Pranger und Gefängnis vertraute Dinge waren. Jeder weiß, dass das Gefängnis von Bedford die „Höhle“ war, in welcher John Bunyan seinen berühmten Traum hatte. In Schottland schenkte der Versuch, das Prälatentum aufzuzwingen, dem Presbyterianernamen eine lange Folge von Märtyrern und Bekennern, für die, wie für andere auch, ihre Zeit der Verfolgung auch ihre Zeit wirklichen Segens war, während die Episkopalen, die sie an der Kandare hielten, schon wieder halb zum Katholizismus zurückgekehrt waren. Mit der Bewegung unter Wesley und Whitefield, die unserer eigenen Zeit näher ist, sind wir natürlich noch vertrauter; und jene, die in der Freikirche von Schottland entstand, ist einer Generation noch frisch im Gedächtnis, die noch nicht gestorben ist.

All diese und viele andere bilden Beispiele für die Wahrheit dessen, was ich gesagt habe, bis in unseren eigenen Tagen die nationalen Systeme offenkundige Anzeichen von Altersschwäche zeigen und im Zusammenbruch und Katholiken und Abtrünnige ihren Triumphgesang über den Sturz des Protestantismus anstimmen. Wir, die wir fähig sind, dies alles im Licht der Bibel zu sehen, können leicht verstehen, warum dies alles so ist, und wir sehen nur die Wahrheit des Wortes Gottes mehr und mehr darin offenbar werden. Wird das Christentum wie ein Mantel über eine Leiche geworfen, kann es diese gewiss nicht zu neuem Leben erwärmen. Die Verwesung geht darunter doch weiter und lässt jede Gestalt von Leben schwinden – das Einzige, was je vorhanden war –, bis schließlich der Mantel mehr oder weniger abfällt und sichtbar wird, was längst schon wahr war. 

Wenn die protestantischen Kirchen ganz verschwunden sein werden oder in dieser Eigenschaft nicht mehr sind, wird ihr Protest nicht verschwunden sein, sondern nur an eine andere Instanz verwiesen worden sein. Der Himmel wird aufgreifen, was sie fallen ließen. Babylon die Große wird dem göttlichen Gericht verfallen, und Apostel und Propheten und Gottes Volk allerorten wird sich freuen über ihren Fall. 

Doch betrachten wir nun eine kleine Weile die andere Seite der Dinge. Wir haben heute vor uns gestellt, was äußerst betrüblich ist, mehr zu Tränen rührend als Jesabels Verderbnis. Dort erregte gerade die Bösartigkeit des Übels die ganze Seele dagegen. Hier nun haben wir die Frucht dessen, was am Anfang eine Bewegung von Gott war. Er kann von dem sprechen, was sie gesehen und gehört hatten, und sie ermahnen, es festzuhalten. Es gibt immer noch „das Übrige“, obwohl es „sterben will“. Und wie können wir anders als intensiv trauern über das, was so lieblich war in seinen verheißungsvolle Anfängen und seine Taufe erfuhr im Blut der Märtyrer? 

Doch das Wort an den Überwinder tröstet uns durch seine Wiederholung. Es verbindet uns, wenn wir Ohren haben zu hören, mit jenem kleinen Rest, der schon immer seinen Weg gefunden hat durch Sturm und Flut zu Ihm, von dessen Liebe weder Anfechtung noch Elend, weder Verfolgung noch Hunger, weder Nacktheit noch Gefahr noch das Schwert uns trennen kann und durch welchen sie sich selbst erwiesen haben als überlegene Überwinder. Das Überwinden mag jetzt in einem anderen Bereich nötig sein und die Trennung mag uns von Brüdern trennen, von Erben großer Namen in der Glaubensgeschichte. Doch nur Überwinder sind ihre wirklichen Nachfolger. Nicht jene, welche die Gräber der Propheten bauten, waren ihnen gleichgestellt oder mit ihnen verbunden im Bericht unseres Herrn, sondern jene, die Er aussandte – und die dann verfolgt wurden von eben diesen Bewunderern der großen Alten.

Und Gott muss uns Unabhängigkeit lehren sogar von einander – jene berechtigte Unabhängigkeit, die aus der wirklichen und demütigen Abhängigkeit von Ihm hervorgeht.

Wer waren die größten unter seinen Nachfolgern zu seiner Zeit? Wie kann ich zu einem anderen „Rabbi, Rabbi“ sagen, wenn ich von Ihm die Ehre nehmen muss, mit der ich einen anderen ausstatte? Hätte ich Ihn nicht, wäre es Niedrigkeit; habe ich Ihn, ist es entehrend für Ihn. 

Es ist nicht Spaltung, dieser gesonderte Pfad, wenn mich nicht mein eigener Wille, sondern sein Wort und sein Geist mich leiten. Es heißt nicht, sich im Herzen von Brüdern lossagen, wenn Christus mir noch teurer ist als sie. Nein, die Liebe beweist sich nur, wie uns der Apostel lehrt, „wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten (1Joh 5,2). Glaubenssiege sind kein Applaus, den die Menge spendet, sondern der Weg des Einen, des wahren Joseph, getrennt von seinen Brüdern; und Gott hat die Gegenwart des Bösen überwunden (von dem ich nicht sagen muss, dass Er es geschaffen hat), um uns wenigstens in seinem Umfeld einen Weg zu weisen, der christusähnlicher ist. Wir müssen uns dem Bösen nicht beugen; Er ruft uns, es zu überwinden. Die Schwierigkeiten auf dem Wege dienen nur dem erneuten Beweis, dass Gott die Kraft hat, uns durch alles hindurchzutragen. Jede Ermutigung in all diesen Sendschreiben wird dem, der überwindet, einfach entgegengehalten. 

Gebe uns der Herr nur die benötigte Energie! Die Zeit ist kurz. Das Ende ist nahe. Die Gnade, die jetzt genug ist für alle täglichen Nöte, wird bald offenbar werden bei der Krönung der Überwinder. Dann wird jenen, die arm sind, das Himmelreich gehören; die Trauernden werden getröstet; die Sanftmütigen werden ein Erbteil haben; die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, werden satt werden; vor allem aber werden die, die reines Herzens sind, Gott schauen – den Gott, den die Sünde für jetzt von der Erde verbannt, die Er geschaffen hat.

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Originaltitel: „Lecture 6. Sleeping Among the Dead“
aus The Prophetic History of the Church or, „Some evils which afflict Christendom and their remedy, as depicted by the Lord’s own words to the seven churches“


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