Nachruf an eine tote Kirche
Offenbarung 3,1.14

© SoundWords, online seit: 03.08.2003, aktualisiert: 14.01.2018

Leitverse: Offenbarung 3,1.14

Off 3,1.14: Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst und bist tot … Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Also, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

Diese hier in gekürzter Form wiedergegebene Auslegung ist ein Auszug aus dem Buch Was bald geschehen muss von Dr. Emil Dönges aus dem Jahre 1910. Dr. Dönges sah schon damals die Entwicklung, die die Kirche nehmen sollte. Wie Recht er damit hatte:

Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst und bist tot.“ Mit diesen Worten beginnt das Sendschreiben an Sardes in Offenbarung 3,1.

Wie gewaltig und groß war das Werk der Reformation, welches Gott tat. Derjenige, der „die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne“ hatte Neues gewirkt. Er hatte Seine Gnade und Wahrheit, die Er heilbringend allen gebracht hat, den Herzen wieder neu vor Augen gestellt und sie belehrt. Nicht Gesetzeswerke, sondern der Glaube an das vollgültige Opfer von Golgatha konnte erretten. Das Wort Gottes wurde wieder als Richtschnur des Glaubens und Lebens anerkannt. Welch großes und gesegnetes Werk von Gott war die Reformation. Aber der Fortgang entsprach dem Anfang nicht. War die Reformation ohne Zweifel ein Werk Gottes, so ist der darauf folgende Protestantismus ein Werk von Menschen. Der Geist des Herrn begann das Werk und der Wille des Menschen, das Fleisch, setzte es fort.

Im folgenden Sendschreiben an Laodizea heißt es dann weiter:

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Also, weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde“ (Off 3,14).

Die christliche Kirche wird uns hier im Endstadium vorgestellt. Sie ist die Zukunftskirche, wie die Welt es sich wünscht, wie sie dem unbekehrten Volk, was sich nicht mehr von Gottes Wort und Geist beurteilen lassen will, gefällt. Sie ist eine Kirche ohne Christus. Christus ist draußen, Christus hat man hinausgeworfen (aus Was bald geschehen muss, Dr. Emil Dönges, 1919).

Im April 2003 ist die evangelische Theologin Prof. Dr. Dorothee Sölle im Alter von 73 Jahren gestorben. Die größte Schweizer Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung, widmete dem Wirken dieser Frau folgende Überschrift: „Dorothee Sölle gehörte zu den verlässlichsten Protestantinnen der deutschen Bundesrepublik.“ Idea Spektrum, eine christliche Zeitschrift, nannte sie eine „Ikone des linken Christentums“.

Sölle war überzeugte Feministin, vertrat vehement die „Gott-ist-tot“-Theologie und plädierte öffentlich für einen atheistischen Glauben. Das Opfer unseres Herrn am Kreuz wurde von ihr verachtet, seine Auferstehung geleugnet und die Lehre unseres Herrn betitelte sie als totalitär, sadomasochistisch und patriarchalisch.

Zu ihrem Tod schrieb der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock folgenden Nachruf:

Ich bin mit großem Dank erfüllt über das, was diese Frau für das Denken und den Weg unserer Kirche bedeutet hat. Was die Kirche dem Denken Dorothee Sölles verdankt, ist längst nicht mehr eine Randposition. Es ist eine deutliche Linie unserer Kirche geworden, die sie vor der Konventikel-Haftigkeit bewahrt.

Hier bekennt der oberste Repräsentant der evangelischen Kirche Deutschlands, dass die Denkweise dieser Frau zu einer deutlichen Linie der Kirche geworden ist und bedankt sich auch noch herzlich dafür. Um es anders auszudrücken: Man freut sich darüber, dass die Kirche vom wahren Weg, der Christus heißt, abgekommen ist. Die evangelische Kirche in Deutschland hat ihr Zeugnis für Christus verloren und ist ein Zeugnis dafür geworden, wie man geistlich stirbt.

Hier wird sehr deutlich, was Paulus im zweiten Brief an die Versammlung in Thessalonich meint: „Und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft; ihn, dessen Ankunft gemäß der Wirksamkeit des Satans erfolgt mit jeder Machttat und mit Zeichen und Wundern der Lüge und mit jedem Betrug der Ungerechtigkeit für die, welche verlorengehen, dafür, dass sie die Liebe der Wahrheit zu ihrer Errettung nicht angenommen haben. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit“ (2Thes 2,8-12).

Wir haben es sichtbar mit einem radikalen Abwärtstrend zu tun, der für uns Gläubige eine ernste Warnung darstellt. Satan macht auch vor dir und mir nicht halt und versucht, seine Schlingen um uns zu legen. Doch wie sehen diese praktisch aus? Ich bin überzeugt, dass jeder von uns heftig gegen die von Dorothee Sölle aufgestellten Thesen protestiert und diese als Satans Werk verurteilt. Doch der Feind ist schlau und packt uns ganz woanders. Lass mich deshalb einmal ganz deutlich werden. Wie hältst du es zum Beispiel mit der evangelischen Allianz oder der ökumenischen Bewegung? Auf den ersten Blick scheinen viele Ziele, die sich diese Organisationen gesetzt haben, doch ganz biblisch zu sein.

Aber ist das wirklich so?

Du und ich sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass eine freikirchliche Gemeinschaft im Rahmen einer ökumenischen Zusammenarbeit ihre auf die Bibel gegründete Lehre behalten oder verteidigen könnte. Aus dem Brief an die Galater 5,9 geht eindeutig hervor: „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“ Jeder falsche Weg beginnt mit dem ersten falschen Schritt. Und das, was heute in der sogenannten evangelikalen Welt an ökumenischem Gedankengut und Taten alles möglich ist, wäre noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen.

Der letzte Kirchentag war wieder ein Beweis dafür. Ob evangelisch, katholisch, buddhistisch, muslimisch usw., alle waren herzlich eingeladen. Der Begriff des „Aufeinanderzugehens“ ist heute ein Schlüsselbegriff geworden, der zwischenzeitlich alles rechtfertigt, wenn es um ökumenisches Handeln geht. Ein bekannter Evangelist bezeichnete den derzeitigen Papst als den „größten geistlichen Führer“ und brüstet sich damit, schon eine Privataudienz mit ihm gehabt zu haben.

Paulus schreibt an die Versammlung in Korinth: „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen“ (2Kor 6,17).

Absonderung – ein heute sehr unbeliebtes Wort – ist aktueller denn je. Viele alte Brüder, die schon lange beim Herrn sind, haben die Entwicklungen in der heutigen Zeit schon vorausgesehen und davor gewarnt. Wir leben in einer Zeit, in der das Böse überhand nimmt. Doch wir sollen Lichter sein in dieser Welt und uns heiligen. Unheilige Allianzen einzugehen, sind die Erkennungszeichen des Antichrists in einem Zeitalter der Verführung.

Mit seiner übergroßen Barmherzigkeit, mit der uns der Herr erlöst hat, wird Er auch dich und mich durch diese Zeit tragen, bis Er kommt. Allerdings ist das an eine Bedingung geknüpft:

„Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen!“ (Heb 13,13). Wer das praktiziert, dem ruft Paulus in 2. Thessalonicher 3,3 zu: „Treu ist aber der Herr, der euch stärken und vor dem Bösen bewahren wird.“

Es ist mein besonderer Wunsch, dass diese Warnung zu einer tieferen Beziehung mit Ihm und einer noch größeren Sehnsucht nach Ihm führt.


Hinweis der Redaktion:

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