Der erste Brief des Paulus an Timotheus (4)
Kapitel 4

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 20.11.2022, aktualisiert: 28.11.2022

Die Ausübung der Gabe im Haus Gottes

Bis hierher hat Paulus in diesem Brief das Thema des richtigen Verhaltens im Haus Gottes im Bereich des Priestertums und des Amtes behandelt. Nun geht er dazu über, einige Leitprinzipien für diejenigen zu geben, die in einem dritten Bereich im Haus Gottes arbeiten: im Bereich der Gabe.

Wenn wir von der Ausübung einer geistlichen Gabe sprechen, beziehen wir uns hier vor allem auf den öffentlichen Dienst am Wort Gottes durch Predigen, Lehren und Ermahnen. Eine Vielzahl der Gaben, die Christus den Gliedern seines Leibes gegeben hat, sind nicht für den öffentlichen Dienst am Wort bestimmt und werden daher in diesem Kapitel nicht behandelt. Denken wir auch daran, dass der Dienst an der Wahrheit des Wortes Gottes nicht auf diejenigen beschränkt ist, die vollzeitlich im Dienst stehen, sondern auf alle, die das Wort Gottes öffentlich predigen und lehren.

In diesem Kapitel geht es also um den Arbeiter im Haus Gottes. Im Einklang mit dem Thema des Briefes legt Paulus dem Timotheus das richtige Verhalten derer vor, die dem Herrn in diesem Bereich dienen wollen.

Ein Verständnis für die Zeit

Vers 1

1Tim 4,1: Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden, indem sie achten auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen, …

Wenn der Diener des Herrn in seinem Dienst effektiv arbeiten möchte, muss er zuerst die Zeit, in der wir leben, verstehen. Die Worte „Der Geist aber sagt ausdrücklich“ zeigen, wie wichtig dies ist. Deshalb beginnt Paulus mit diesem Punkt. Wir müssen wissen, wo wir uns in der Geschichte des christlichen Zeugnisses befinden, um dem Herrn in unserer Zeit entsprechend dienen zu können. Es sollte allen klar sein, dass wir nicht in apostolischen Zeiten leben und auch nicht in Tagen großer Erweckung. Vielmehr befinden wir uns am Ende der Geschichte der Kirche auf der Erde –­­ in einer Zeit, wo es in der Christenheit viel Abweichung, Verwirrung und Gleichgültigkeit gegenüber den Ansprüchen Christi gibt. Traurigerweise ist vieles von dem, was heute als Christentum durchgeht, nur noch schwerlich mit dem zu vergleichen, was wir in der Heiligen Schrift lesen.

Die Strömung des Abfalls

Diese Abweichung von Gottes Ordnung im Haus Gottes ist eine Folge des Abfalls vom Glauben. Abfall ist der offensichtliche Verzicht auf die zentralen Wahrheiten des Glaubens, die man einmal festgehalten und bekundet hat. Nur ein bloß bekennender Christ wird auf diese Weise vom Glauben „abfallen“ (Heb 6,6; 2Thes 2,3). Wahre Gläubige können jedoch von der Strömung des Glaubensabfalls erfasst werden und bestimmte biblische Grundsätze und Praktiken aufgeben. Sie können abgleiten und „aus der Gnade fallen“ (Gal 5,4) und ihre Standfestigkeit im Herrn aufgeben (2Pet 3,17), aber sie fallen nicht ab (2Thes 2,3: „Abfall“; Heb 6,6: „abfallen“). Sie können also „fallen (straucheln)“, aber sie „fallen nicht ab“.

Der Abfall in der Christenheit begann schon sehr früh in der Geschichte der Kirche und hat stetig an Dynamik zugenommen. Er wird seinen Höhepunkt nach der Entrückung der Kirche in den Himmel erreichen, indem der Antichrist („der Mensch der Sünde“) offenbart wird, der die Christenheit zu einem umfassenden Abfall von Christus verführen wird (2Thes 2,3). Ein Fortschreiten dieses Abwärtstrends zum Ende hin lässt sich in den Briefen in den folgenden Ausdrücken nachzeichnen:

  • „In späteren Zeiten“ (1Tim 4,1): Einzelne in der Christenheit fallen vom Glauben ab.
  • „In den letzten Tagen“ (2Tim 3,1; 2Pet 3,3): Die Masse der Christenheit folgt.
  • „Am Ende der Zeit“ (Jud 18): Der Abfall wird immer deutlicher und offenkundiger.
  • „Die letzte Stunde“ (1Joh 2,18): Der Abfall ist so gründlich, dass jede rechtgläubige christliche Lehre, die von den Aposteln gelehrt wurde, aufgegeben wird.

Paulus verschwendet keine Zeit damit, Timotheus von dieser Abwärtsentwicklung des christlichen Bekenntnisses näher zu berichten. Er sagt lediglich: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden.“ Diese Abkehr von der Wahrheit ist die Folge davon, dass Menschen (bloße Bekenner ohne göttliches Leben), die mit dem äußeren Zeugnis des Christentums verbunden sind, abtrünnig werden und dann andere auf denselben Weg führen. Was mit „einigen“ Abtrünnigen begann (1Tim 1,3; 4,1; 2Tim 2,18), hat sich auf „viele“ ausgeweitet (2Pet 2,2), bis sich „alle“ (in bestimmten Regionen) abwenden (2Tim 1,15).

Betrügerische Geister und Lehren von Dämonen

Der Abfall beinhaltet nicht nur das Aufgeben der Wahrheit, sondern auch das Annehmen des Irrtums. So sagt Paulus weiter: „… indem sie achten auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen.“ Das zeigt, dass es so etwas wie ein Vakuum in den Dingen Gottes nicht gibt; wenn die Wahrheit unsere Herzen nicht ausfüllt, werden andere Dinge diese Leere ausfüllen. In diesem Fall sind es die Lehren der Dämonen. Man beachte, wie es anfängt: Zuerst „achten“ sie auf diese Fehler (1Tim 4,1) und dann kommt es aus ihrem Mund „durch die Heuchelei von Lügenrednern“ (1Tim 4,2). Das zeigt, dass böse Lehren, die man im Kopf hat, schließlich zu bösen Lehren werden, die man verkündet. Es ist der Unterschied zwischen dem geistlichen Aussatz „am Kopf“ und dem geistlichen Aussatz „im Bart“. Es ist bezeichnend, dass es zuerst am Kopf und dann im Bart erwähnt wird (3Mo 13,29).

Diese Lehren, die von Dämonen gelehrt werden, werden durch menschliche Vertreter geäußert. „Betrügerische Geister“ beeinflussen den Verstand der Menschen und bringen sie auf verdorbene und abweichende Ideen. Diese Menschen formulieren sie dann zu einem Lehrsystem und präsentieren sie ihrem ahnungslosen Publikum, das sie schluckt. So bahnt sich der Abfall seinen Weg durch die Christenheit, bis das Ganze mit Irrtümern durchsäuert sein wird (Mt 13,33). Dass Dämonen im Haus Gottes gefunden werden und den Verstand der Menschen beeinflussen, ist ziemlich erschreckend, aber so etwas beweist nur die Größe des Verderbens.

Wenn in der Schrift von Irrlehren die Rede ist, stehen diese bezeichnenderweise gewöhnlich im Plural („Lehren“). Umgekehrt steht die Wahrheit in der Einzahl („Lehre“: 1Tim 4,6.13.16; 5,17; 6,3 usw.). Das zeigt: Schlechte Lehren sind selten allein unterwegs; sie haben Begleiter. Eine schlechte Lehre wird eine andere hervorbringen, bis sie zu einem ausgeklügelten System des Irrtums wird. Das heißt, wenn wir einen Aspekt der Wahrheit falsch verstehen, wirkt sich das auf einen anderen Teil unseres Verständnisses aus und der Irrtum wird sich verstärken. Die Wahrheit hingegen wird in der Einzahl genannt, weil sie als ein harmonisches Ganzes verstanden werden soll, das ineinander übergeht. Daher müssen wir jede einzelne Schriftstelle im Licht aller anderen Stellen der Schrift auslegen.

Vers 2

1Tim 4,2: … durch die Heuchelei von Lügenrednern, die betreffs des eigenen Gewissens wie mit einem Brenneisen gehärtet sind, …

Paulus spricht von der „Heuchelei von Lügenrednern“. Das zeigt uns, dass diejenigen, die ein System des Irrtums propagieren, in der Regel nicht das praktizieren, was sie lehren. Er fügt hinzu: „… die betreffs des eigenen Gewissens wie mit einem Brenneisen gehärtet sind“. Das bedeutet, dass sie nicht ohne Warnung zu diesem Ende gekommen sind. Der Geist Gottes wird immer eine Stimme gegen die Flut böser Lehren erheben, wenn sie auftauchen, und einige aus dem Volk Gottes werden sich dagegenwenden. Aber wenn solche Mahnungen zurückgewiesen werden, wird das Gewissen verhärtet („gehärtet“).

Verse 3-5

1Tim 4,3-5: [sie] … 3 verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, die glauben und die Wahrheit erkennen. 4 Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; 5 denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet.

Paulus geht nicht näher auf die Irrlehren ein, sondern weist darauf hin, dass sie die Menschen dazu bringen, die Ansprüche des Retter- und Schöpfergottes zu verleugnen. Er wollte nicht, dass Timotheus seine Zeit damit vergeudet, die Einzelheiten dieser Irrlehren herauszufinden, sondern dass er diesen falschen Dingen entgegenwirkt, indem er die Wahrheit lehrt (1Tim 4,6). Das ist lehrreich für uns, denn manche meinen, man müsste sich in die verschiedenen Irrtümer der Christenheit vertiefen, um sie widerlegen zu können. Aber das ist nicht klug. Es besteht die Gefahr, sich in diesen Irrtümern zu verstricken (5Mo 12,29-32). Die Beschäftigung mit dem Irrtum kann einen Menschen in den Irrtum führen.

Der Anschein von Superheiligkeit

Es gibt ein Merkmal, das oft mit diesen falschen Lehrsystemen verbunden ist – sie fügen ihnen asketische Prinzipien hinzu, um dem System den Anschein von Superheiligkeit zu geben. Askese ist die Verleugnung bestimmter natürlicher Dinge, die Gott dem Menschen aus Gnade gegeben hat, in dem Bemühen, eine vermeintlich höhere Heiligkeit zu erreichen. Sie ist ein Versuch, das Fleisch zu bändigen, indem man es bekämpft, aber Askese hält nie, was sie verspricht. Sie führt oft zu einem Ausbruch des Fleisches in einer Weise, die schlimmer ist als je zuvor; es ist nicht Gottes Weg zur Heiligkeit. „Arglose“ Menschen, die nur wenig Verständnis in göttlichen Dingen haben, lassen sich oft vom Anschein der Superheiligkeit beeindrucken und lassen sich auf diese bösen Lehren und Praktiken ein in dem Glauben, sie würden eine höhere Erfahrung mit Gott machen (Röm 16,18).

Wie Paulus feststellt, betreffen diese Einschränkungen in der Regel den Bereich der Ehe und der Nahrung, die „Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung“. Das römisch-katholische System zum Beispiel hat seinen Anhängern beides verweigert, indem es dem Klerus und seinen Nonnen die Enthaltsamkeit von Fleisch an Freitagen und das Zölibat auferlegt hat. Diese gottgegebenen Dinge zu verbieten, bedeutet jedoch, dem Schöpfergott sein Recht zu verweigern, seinen Geschöpfen diese Gnade zukommen zu lassen.

Während die falsche Frömmigkeit den Menschen die natürlichen Dinge verweigert, bedient sich die wahre Frömmigkeit der Gnadengaben, die Gott auf dem Weg des Glaubens bereitgestellt hat, weil sie weiß, dass diese Dinge „geheiligt werden durch Gottes Wort und durch Gebet“. Das bedeutet nicht, dass unsere Gebete vor den Mahlzeiten die Speisen, die wir essen wollen, auf geheimnisvolle Weise „segnen“, sondern dass diese Gnadengaben der Schöpfung von Gott in seinem „Wort“ abgesondert werden (die Bedeutung der Heiligung), damit wir sie genießen können. Das Wort Gottes heiligt sie für unseren Gebrauch (1Mo 9,3; 1Kor 7,2-4; Heb 13,4). Dass auch das „Gebet“ erwähnt wird, zeigt, dass wir an diesen natürlichen Dingen im Geist der Abhängigkeit teilhaben sollen. Das Wort Gottes regelt den Gebrauch dieser natürlichen Dinge hinsichtlich des Wo, Wann und Wie. Der Gebrauch dieser Gnadengaben außerhalb des Rahmens der Schrift und der Abhängigkeit von Gott kann zur Sünde führen. Daher sind „das Wort Gottes und das Gebet“ ein Schutz vor den Extremen, zu denen einige Christen in ihrer Freiheit mit diesen natürlichen Dingen übergegangen sind.

Gesunde Lehre

Vers 6

1Tim 4,6: Wenn du dies den Brüdern vorstellst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, der du genau gefolgt bist.

Timotheus sollte die Brüder über den bevorstehenden großen Abfall informieren, indem er „dies den Brüdern“ vorstellte. Er sollte sie darauf aufmerksam machen, aber sie nicht weiter damit beschäftigen. Seine Aufgabe war es, seinen Brüdern die Wahrheit, nicht den Irrtum, vor Augen zu führen; die Wahrheit ist das Einzige, was sie gegen die Flut des herannahenden Bösen stärken kann. Indem er dies tat, würde Timotheus „ein guter Diener Christi Jesu“ sein. Nochmals: Dienst ist die Erfüllung des eigenen Dienstes für den Herrn; es muss nicht das öffentliche Predigen und Lehren sein, denn das ist nur ein Teil des Dienstes für den Herrn. Die Wahrheit zu kennen und sie in der Gemeinschaft zu bewahren, ist der beste Schutz, den wir gegen die bösen Lehren haben können, die im Christentum aufkommen. Wenn jemand etwas vorbringt, was nicht mit der Wahrheit übereinstimmt, werden wir sofort wissen, dass es falsch ist, und es ablehnen.

Timotheus sollte also die Gläubigen auf Christus und auf die Wahrheit hinweisen, die er von Paulus empfangen hatte. Er war „auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre“. „Auferzogen“ bedeutet, dass die Seele durch die Wahrheit geistlich genährt wurde. Das zeigt, dass die Weitergabe der Wahrheit an die Geschwister keine rein intellektuelle Übung sein soll; sie sollte die Weitergabe von Dingen sein, die wir aufgenommen haben und die wir in unserer eigenen Seele genießen. Beachte: Paulus sagt nicht: „auferzogen durch die Worte der alttestamentlichen Schriften“, weil die gegenwärtige Offenbarung der christlichen Wahrheit nicht in den alttestamentlichen Schriften zu finden ist. Die christliche Wahrheit ist eine besondere Offenbarung, die „in Gott“ verborgen war und erst offenbart wurde, nachdem die Erlösung vollbracht und der Geist Gottes gegeben worden war. Sie wurde zuerst „den heiligen Aposteln und Propheten“ des Herrn Jesus Christus „durch den Geist“ offenbart (Eph 3,5.9; Kol 1,25.26).

Paulus fügt hinzu: „der du genau gefolgt bist“. Paulus wollte, dass Timotheus mit der Darstellung der Wahrheit gut vertraut war. Dies würde bedeuten, dass er seine Kenntnisse durch fleißiges Studium vertiefen müsste. Timotheus hätte leicht in Verlegenheit geraten können, wenn er aus Unwissenheit einen Punkt der Wahrheit falsch wiedergegeben und damit einen Makel gegen das christliche Zeugnis verursacht hätte. Deshalb war es wichtig, dass er eine gute Kenntnis über das haben musste, was er vorzustellen hatte. In seinem zweiten Brief lobt Paulus Timotheus dafür, dass er dies getan hat; Timotheus hatte die Lehre des Paulus „genau erkannt“ (2Tim 3,10).

Die vollständige Erforschung göttlicher Themen erfordert Zeit und Energie; wir lernen die Wahrheit nicht über Nacht. Die Lehre des Paulus ist uns in unseren Bibeln überliefert, und wir können sie in den von ihm verfassten Briefen leicht nachlesen. Das ist ein Vorteil, den die frühe Kirche nicht hatte – zumindest nicht, bis sie geschrieben wurden. Doch selbst mit diesem großen Vorteil erfordert das Erlernen der Wahrheit der Lehre des Paulus immer noch ein sorgfältiges Bibelstudium. Ein Christ, der das Studium seiner Bibel – insbesondere der Paulusbriefe – vernachlässigt, wird kaum in den Lehren des christlichen Glaubens verankert werden.

Vers 7a

1Tim 4,7a: Die ungöttlichen und altweibischen Fabeln aber weise ab, …

Beachte: Paulus hat Timotheus nicht gesagt, er solle den bösen Lehren, die hereinkamen, genau nachgehen, sondern der Wahrheit. Er sollte weder die „Lehren der Dämonen“ bekämpfen, indem er sich mit ihnen befasste, noch sollte er seine Zeit darauf verwenden, die „ungöttlichen und altweibischen Fabeln“ aufzudecken, die hereinkamen. Dieser heidnische Aberglaube und diese Bräuche wurden von heidnischen Bekehrten in das Christentum hineingetragen, aber sie waren wertloser Unsinn. „Ungöttlich“ bedeutet, dass es sich um etwas Weltliches handelt und nicht um etwas Heiliges. Solche Dinge hatten ihren Ursprung offenbar in menschlichen Gefühlen und Vorstellungen, von denen Frauen oft geprägt sind. Daher nennt er sie „altweibische Fabeln“. Auch hier haben wir ein weiteres Zeugnis für die Tatsache, dass die Lehre nicht von Frauen (direkt oder indirekt) im Haus Gottes verkündigt werden sollte. Timotheus sollte seine Energie darauf verwenden, die Wahrheit so darzulegen, wie er sie von Paulus erhalten hatte.

So lehrt uns Paulus in diesen ersten beiden Punkten von Kapitel 4, dass der Arbeiter nicht nur die Zeiten kennen muss, in denen er lebt (1Tim 4,1), sondern auch die Wahrheit in ihrer besonderen Anwendung auf diese Zeiten (1Tim 4,6), damit er dem Meister in seinem Dienst nützlich ist.

Gottesfürchtig im Wandel

Verse 7b.8

1Tim 4,7b.8: … 7b übe dich aber zur Gottseligkeit; 8 denn die leibliche Übung ist zu wenigem nützlich, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nützlich, da sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen.

Außerdem sagt Paulus zu Timotheus, dass der Arbeiter auch wissen muss, wie er als Diener des Herrn zu leben hat. Deshalb ergänzt Paulus seine Bemerkungen an Timotheus über die Lehre mit den Worten: „Übe dich aber zur Gottseligkeit.“ Wenn der Diener nicht darauf achtet, persönlich gottesfürchtig zu leben, wird er keine wirkliche Gemeinschaft mit Gott haben und infolgedessen wird seinem Dienst die Kraft des Geistes fehlen.

Ein gottwohlgefälliges christliches Leben ist für alle Gläubigen von großer Bedeutung, besonders aber für diejenigen, die im Haus Gottes arbeiten. Angesichts des Abfalls vom Glauben ist es sicherlich nicht an der Zeit, in unserem persönlichen Leben nachlässig zu sein. Mit den Worten „Übe dich“ zeigt Paulus, dass Frömmigkeit durch Übung der Seele entsteht. So etwas wie ein Abdriften in die Frömmigkeit gibt es nicht; ein Mensch stolpert nicht zufällig in sie hinein. Wir können durch den Einfluss des Glaubensabfalls in unserer Seele zurückgeworfen werden (auch wenn wir selbst keine Abgefallenen sind) und uns dazu verleiten lassen, bestimmte Lehren und Praktiken aufzugeben, aber wir driften nicht in die Frömmigkeit hinein; sie kommt durch die Übungen in der Seele. Wenn ein Mensch wirklich gottesfürchtig ist, dann ist das das Ergebnis einer ernsthaften Übung in Bezug auf seinen Lebenswandel und seine Wege. Solche Menschen haben echte Überzeugungen darüber gewonnen, wie sie ihr Leben mit der Heiligkeit Gottes in Einklang bringen können.

Zur Veranschaulichung dieses Prinzips zieht Paulus für Timotheus einen Vergleich zwischen dem Körperlichen und dem Geistlichen: So wie die körperliche Bewegung die Gesundheit und Kraft des Körpers fördert, so ist die geistliche Bewegung für die geistliche Gesundheit der Seele notwendig. Er will damit sagen, dass die Vorteile der geistlichen Übung die Vorteile der körperlichen Übung bei weitem überwiegen. Körperliche Bewegung ist „zu wenigem nütze“ – das heißt, sie nützt nur für die kurze Zeit, die wir hier auf der Erde sind. Aber geistliche Übung hat eine „Verheißung des Lebens …, des jetzigen und des zukünftigen“. Sie nützt dem Gläubigen jetzt in dieser Welt im gegenwärtigen Genuss des ewigen Lebens mit dem Vater und dem Sohn (Joh 17,3; 1Tim 6,19), und sie hat einen positiven Wert für unser zukünftiges Leben in der kommenden Welt, denn was wir jetzt in der Gemeinschaft mit dem Herrn erwerben, wird uns nicht weggenommen werden (Lk 10,42).

Paulus lehnt körperliche Betätigung nicht ab. Er sagt nicht, dass ein Mensch, der geistlich gesinnt ist und einen gottesfürchtigen Lebenswandel hat, sich nicht mehr für natürliche Dinge und körperliche Übungen interessiert. Er deutet auch nicht an, dass wir unsere persönliche Gesundheit und unser körperliches Wohlbefinden vernachlässigen sollten; er zeigt nur, dass körperliche Betätigung im Vergleich zu geistlicher Betätigung relativ wenig bringt. Die logische Schlussfolgerung: Wir sollten unsere Energien in die geistliche Übung stecken, die den größten Nutzen bringt, sollten jedoch das Körperliche nicht vernachlässigen.

Damit hat Paulus einen dritten Punkt angesprochen, auf den der Arbeiter achten muss: die Notwendigkeit der Frömmigkeit. Der Arbeiter muss nicht nur die Zeit kennen, in der er lebt, sowie die Wahrheit, sondern er muss auch wissen, wie er am Tag, an dem er zu dienen berufen ist, wandeln soll.

Vorbereitet, für die Wahrheit geschmäht zu werden

Verse 9-11

1Tim 4,9-11: 9 Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert; 10 denn dafür arbeiten wir und werden geschmäht, weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Erhalter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen. 11 Dies gebiete und lehre.

Ein frommes Leben in dieser Welt bringt Verfolgung mit sich (2Tim 3,12); dies gilt doppelt für diejenigen, die dem Herrn im Dienst am Wort dienen. Deshalb geht Paulus nun dazu über, von Gottes Vorsorge zu sprechen. Das ist ein weiterer Punkt, den der Arbeiter kennen und auf den er sich verlassen muss: die bewahrende Fürsorge des Heiland-Gottes. Sie wird ihn befähigen, angesichts der Gefahren durch Verfolgung mit Mut und Vertrauen in den Herrn seinen Dienst zu verrichten. Er sagt: „Denn dafür arbeiten wir und werden geschmäht, weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Erhalter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen.“ Diese Bemerkung galt in besonderer Weise für Timotheus. Er war von Natur aus ängstlich (1Kor 16,10.11) und musste daran erinnert werden, dass Gott ihn angesichts von Widerständen in seinem Dienst für den Herrn bewahren würde.

Der Aspekt der Errettung, auf den sich Paulus hier bezieht, ist der der praktischen Bewahrung vor Verfolgung auf dem Weg des Glaubens. Er versichert Timotheus, dass der hinter den Kulissen wirkende Heiland-Gott alle seine Kinder in den verschiedenen Lebenssituationen in seiner Vorsehung erhält (Heb 1,14) und sie auch bewahrt. Er erhält auch das Leben „aller Menschen“, denn Er ist der Herrscher über alles in der Schöpfung (Dan 5,23). Da dies so ist, könnte man sich fragen, warum viele aus dem Volk Gottes schwere Unfälle erleiden oder bis zum Tod verfolgt werden. Ein tieferer Blick in diesen Vers zeigt, dass es sich nicht um eine Verheißung handelt, dass Gott alle Menschen unter allen Umständen erhalten wird. Es wird lediglich erwähnt, dass die Erhaltung der Menschen auf den zurückzuführen ist, der der „Erhalter“ allen Fleisches ist. Unter normalen Umständen übt Er diese Fürsorge für alle seine Geschöpfe aus. Gelegentlich kann es jedoch vorkommen, dass es seine vollkommene Weisheit zulässt, dass einigen der Seinen ein Unglück widerfährt oder dass sie unter Verfolgung sterben. Wenn das der Fall ist, wissen wir, dass Er etwas Besseres für sie vorgesehen hat (Heb 11,35b-40).

Das „Vertrauen“ auf den Heiland-Gott in solch widrigen Umständen lernt man nur durch die Erfahrung, dass man sich in einer Situation befindet, in der es viele Gefahren und mögliches Leid gibt. Die Erfahrung der Fürsorge Gottes stärkt den Glauben. Paulus erwähnt diese ermutigende Fürsorge für den Arbeiter im Gegensatz zu den „altweibischen Fabeln“, auf deren Schutz die Heiden abergläubisch vertrauten. Paulus zeigt, dass diejenigen, die für den Herrn in seinem Dienst arbeiten, auf etwas viel Besseres und Wirklicheres vertrauen können als auf diese falschen Dinge:  Wir haben „den lebendigen Gott“ als unseren großen Bewahrer.

Der persönliche Charakter und das persönliche Zeugnis

Vers 12

1Tim 4,12: Niemand verachte deine Jugend, sondern sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit.

Paulus fährt fort, über den Charakter des Arbeiters zu sprechen: sein äußeres Leben vor den Menschen. Wenn Timotheus die Gläubigen zu einem Verhalten anleiten soll, das dem Haus Gottes angemessen ist, muss sein Leben mit seinem Dienst in Übereinstimmung sein. Paulus sagt: „Niemand verachte deine Jugend.“ Timotheus war dafür verantwortlich, dass niemand seinen Dienst zu Recht ablehnte, weil er durch die Torheit gekennzeichnet war, die gewöhnlich die Jugend kennzeichnet. Er sollte sich in jeglicher Hinsicht weise verhalten. J.N. Darby sagt: „Er sollte durch sein Verhalten das geistliche Gewicht erlangen, das ihm seine Lebensjahre nicht gaben.“

Das Leben von Timotheus sollte ein „Vorbild der Gläubigen“ sein. Wenn er die Wahrheit lehren sollte, musste er die Wahrheit, die er lehrte, auch leben. Wenn der Diener nicht entsprechend lebt, werden die Menschen ihn für einen Heuchler halten und seinen Dienst nicht annehmen – umso mehr, wenn er jung ist. Daher sollte das Leben von Timotheus eine lebendige Demonstration dessen sein, was er lehrte. Alles Fragwürdige, das jemand eine günstige Gelegenheit bietet, seinen Dienst zu missachten, sollte aus seinem Leben entfernt werden. Paulus geht auf fünf Bereiche ein, in denen Timotheus achtsam sein soll:

  • „in Wort“: seine Rede
  • „in Wandel“: sein Benehmen
  • „in Liebe“: seine Zuneigung zu anderen
  • „in Glauben“: sein Vertrauen in den Herrn
  • „in Keuschheit {Reinheit}“: sein persönliches Leben

Wenn Timotheus in all diesen Bereichen seines Lebens konsequent wäre, würde das als Ergebnis seinem Dienst moralisches Gewicht verleihen. Wenn die Wahrheiten, die wir lehren, nicht unser eigenes Leben beeinflussen, können wir auch nicht erwarten, dass unsere Lehre das Leben anderer beeinflusst.

Die Anwendung unserer Gabe

Verse 13.14

1Tim 4,13.14: 13 Bis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren. 14 Vernachlässige nicht die Gnadengabe in dir, die dir gegeben worden ist durch Weissagung mit Auflegen der Hände der Ältestenschaft.

Paulus ermutigt Timotheus weiter, seine Gabe im Dienst am Wort einzusetzen. Wenn Timotheus Zeit damit verbracht hatte, die Wahrheit zu erlernen, indem er den unterschiedlichen Gegenständen der Lehre durch fleißiges Studium „genau gefolgt“ war (1Tim 4,6), dann war es jetzt für ihn an der Zeit, anderen zu helfen, diese Dinge zu verstehen. Deshalb sagt Paulus: „Bis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren.“ Das „Vorlesen“, von dem Paulus hier spricht, ist nicht das persönliche und private Lesen der Heiligen Schrift (oder der schriftliche Dienst), sondern das öffentliche Lesen der Heiligen Schrift, wenn die Gläubigen versammelt sind (siehe Fußnote der Darby-Übersetzung). Es war die Gewohnheit der frühen Kirche, zusammenzukommen, um die Schrift zu lesen (Kol 4,16; 1Thes 5,27). Die Tatsache, dass Paulus die Wörter „Ermahnen“ und „Lehren“ mit einbezieht, deutet darauf hin, dass es nach dem Vorlesen der Heiligen Schrift die Möglichkeit gab, dass jeder, der die Gabe dazu hatte, eine Ermahnung aussprechen oder die Wahrheit erklären konnte und auch Anmerkungen zu dem gelesenen Abschnitt machen konnte, um den Gläubigen geistlich zu dienen und ihnen so das Verständnis zu erleichtern. Diese Art von Zusammenkünften sollten in christlichen Versammlungen regelmäßig stattfinden. Es war eine ausgezeichnete Gelegenheit für Timotheus, seine Gabe des Lehrens und Ermahnens einzusetzen.

Gemeinsame Wortbetrachtungen

Gemeinsame Wortbetrachtungen waren in jenen frühen Tagen notwendig, weil die meisten Menschen keine Abschrift der Heiligen Schrift besaßen. Es war eine Möglichkeit für alle, das Wort Gottes zu hören und einen hilfreichen Dienst zu erhalten. Außerdem waren damals viele Analphabeten und konnten nicht lesen, selbst wenn sie ein Exemplar der Heiligen Schrift besaßen. Die Bibelstunden bzw. Wortbetrachtungen sind immer noch ein wunderbares Mittel, um die Wahrheit kennenzulernen, und sie sollten auch heute noch in den Terminkalender jeder örtlichen Versammlung aufgenommen werden. Diejenigen, die in der Lage sind, die Heilige Schrift zu erklären, haben bei dieser Art von Zusammenkünften die Möglichkeit, andere in der Wahrheit zu unterweisen.

Paulus erinnerte Timotheus daran, dass er auf jeden Fall eine „Gabe“ für diese Arbeit hatte und dass er den Gebrauch dieser Gabe nicht „vernachlässigen“ sollte. Timotheus mag gezögert haben, weil er ein junger Mann war (1Tim 4,12), aber die Ermutigung durch Paulus zeigt, dass das [junge] Alter einen Menschen nicht davon abhalten sollte, seine Gabe zu nutzen und in den Versammlungen eine Hilfe zu sein. Man neigt auch dazu, seine Gabe angesichts von Widerständen nicht einzusetzen, aber Paulus hatte Timotheus in dieser Hinsicht bereits ermutigt, indem er ihn daran erinnerte, dass er auf den lebendigen Gott vertrauen kann, der ein Erhalter aller ist, die in diesem Dienst vorangehen.

Es ist durchaus möglich, dass ein Mensch eine Gabe hat, diese aber aus Nachlässigkeit und mangelnder Hingabe nicht nutzt (Kol 4,17; Spr 11,25.26). Für Trägheit und Untätigkeit im Dienst des Herrn ist jedoch kein Platz. Der Prophet Jeremia warnte: „Verflucht sei, wer das Werk des HERRN lässig treibt“ (Jer 48,10). Es ist unwahrscheinlich, dass dies der Grund für das Zögern von Timotheus war; er war ein hingegebener Mann Gottes (Phil 2,19-21). Sein Problem war, dass er zaghaft war (1Kor 16,10; 2Tim 1,7). In Bezug auf Hingabe und Gabe sagt J.N. Darby: „Wenn es mehr Hingabe unter uns gäbe, gäbe es auch mehr Gaben unter uns.“ Er meinte damit nicht, dass geistliche Gaben dadurch entstehen, dass man sich dem Herrn hingibt, sondern dass die in uns verborgene Gabe deutlicher zutage treten würde, wenn wir uns mehr hingeben würden.

Um ihn noch mehr zu ermutigen, erinnerte Paulus Timotheus daran, dass er die Unterstützung seiner älteren Brüder – „der Ältestenschaft [Presbyterium]“ – hatte. Sie erkannten, dass er eine Gabe hatte, und hatten ihm in Anerkennung dieser Tatsache „die Hände“ aufgelegt. Das bedeutet nicht, dass sie ihm buchstäblich die Hände in einem Ordinationsprozess aufgelegt hätten, wie manche sich das vorstellen. Vielmehr handelt es sich um eine symbolische Handlung, mit der sie ihm ihre Unterstützung und Ermutigung zukommen ließen. Dies entspricht der Art und Weise, wie die „Hände“ in den Briefen oft verwendet werden: nämlich als „die Rechte [Hand] der Gemeinschaft“ (Gal 2,9). Diese Art der Unterstützung ist wichtig; der Arbeiter benötigt die Gemeinschaft seiner Brüder – insbesondere der Ältesten in der Versammlung. Es könnte sogar bedeuten, ihm finanziell zu helfen. Natürlich ist dabei Unterscheidungsvermögen gefragt. Wir sollten einen Bruder nicht auf diese Weise ermutigen, wenn es offensichtlich ist, dass er nicht die Gabe hat, am Wort zu dienen. Es würde den Heiligen wenig geistlichen Nutzen bringen und er könnte sich selbst in Verlegenheit bringen.

Die Zusammenkunft zur Wortbetrachtung sollte in erster Linie der Lehre und der Ermahnung dienen. Wenn niemand mit einer ausgeprägten Gabe zum Lehren anwesend ist, können die Gläubigen immer noch von verschiedenen Brüdern in einer Versammlung genährt werden, die ihre Kenntnisse im Zusammenhang mit dem Abschnitt zum Ausdruck bringen, auch wenn diese begrenzt sein mögen. Wenn sie dies in Abhängigkeit vom Herrn tun, wird Gott den Gläubigen etwas geben, denn Er segnet immer das Lesen seines Wortes (Off 1,3).

Vier Dinge, die für einen wirksamen Dienst am Wort notwendig sind

Es gibt vielleicht vier Dinge, die ein Mensch braucht, um im Dienst des Wortes wirksam zu sein:

  • Der Besitz einer Gabe für den Dienst am Wort, sei es durch Predigen, Lehren oder Ermahnen (Mt 25,15; 1Kor 12,7; Eph 4,7; 1Pet 4,10.11). Wenn ein Bruder eine solche Gabe hat, wird sie offenbar werden, wenn er in seiner Seele wächst.
  • Das Verständnis der Wahrheit und die Fähigkeit, sie in einer übersichtlichen Form zu besitzen, so dass sie leicht an andere weitergegeben werden kann (1Tim 4,6; 2Tim 2,15; 3,10).[1]
  • Die Abhängigkeit vom Herrn in der Ausübung seiner Gabe (Apg 13,1-3).
  • Ein Gott wohlgefälliges Leben, das eine lebendige Demonstration der Wahrheit ist, die er verkündet, was seinem Dienst Kraft verleiht (2Kor 4,1.2).

Vers 15

1Tim 4,15: Bedenke dies sorgfältig; lebe darin, damit deine Fortschritte allen offenbar seien.

Die englische KJV-Übersetzung gibt dies wie folgt wieder: „Denke über diese Dinge nach“, aber das verfehlt den Sinn des Verses völlig und lässt ihn wie eine Ermahnung erscheinen, Zeit damit zu verbringen, in Ruhe über das Wort nachzudenken. Es ist jedoch keine Ermahnung zur privaten Andacht – so notwendig das auch ist –, sondern eine Ermahnung, die Wahrheit, die er aufgenommen hat, zu lehren. Paulus spricht hier von dem Austeilen, nicht von dem Aufnehmen von Gottes Wort. Er wollte, dass Timotheus ganz „darin lebte“ und sich der Ausübung seiner Gabe hingab. Die Zusammenkünfte zur Wortbetrachtung, die er in Vers 13 erwähnt, waren eine ausgezeichnete Gelegenheit dazu. An anderer Stelle sagt er: „So lasst uns bleiben im Dienst“ (Röm 12,7). Wenn Timotheus seine Gabe auf diese Weise ausübte, würde der „Fortschritt“, den er durch das private Studium erlangt hatte, „allen offenbar“ sein und vielen würde geholfen werden. Deshalb ermutigte Paulus ihn in diesem guten Werk.

Die Notwendigkeit der Selbstprüfung

Vers 16

1Tim 4,16: Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Dingen, denn wenn du dies tust, so wirst du sowohl dich selbst erretten als auch die, die dich hören.

Paulus beendet seine Ausführungen über den Arbeiter im Haus Gottes mit einer ermahnenden Anmerkung. Er sagt: „Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre.“ Timotheus, der den idealen Arbeiter veranschaulicht, sollte nicht nur seine Botschaft so aufbereiten, dass die Herde genährt werden kann, sondern auch sich selbst. Er sollte seinen eigenen Füßen „gerade Bahn“ schaffen (Heb 12,13). Wenn er es sich erlaubte, in seinem Leben auf irgendeine Weise nachlässig zu werden, könnte das jemand zum Stolpern bringen und den Zweck seiner Berufung zu diesem Werk zunichtemachen. Er sollte über seinen eigenen Seelenzustand wachen und sich selbst schnell richten, wenn er irgendeinen Fehler machte.

Indem Timotheus dafür sorgte, dass sein praktisches Leben mit der Wahrheit übereinstimmte, die er lehrte, würde er sich selbst und diejenigen, die seinen Dienst hörten und ihm Aufmerksamkeit schenkten, „retten“. Dies wäre eine praktische Errettung vor den lehrmäßigen Irrtümern und geistlichen Verderbnissen, die in das Christentum Einzug hielten, wie in Vers 1 erwähnt.


Quelle: The First Epistle of Paul to Timothy: The Order of God’s House
E-Book Version 1.5 (März 2019)

Übersetzung: Stephan Isenberg

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Anmerkungen

[1] Siehe die Fußnote in der Darby-Übersetzung zu 2. Timotheus 1,13.


Hinweis der Redaktion:

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