Der erste Brief des Paulus an Timotheus (3)
Kapitel 3

Stanley Bruce Anstey

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Die Ämter im Haus Gottes (V. 1-16)

In 1. Timotheus 3 geht Paulus vom Priestertum zur Führung der Gemeinde (administrative Ämter) im Haus Gottes über. Dies sind zwei völlig verschiedene Bereiche der Verwaltung. Man hat sie mit dem Bereich der Gabe (wie in 1. Timotheus 4 beschrieben) verwechselt, was zu allen möglichen Irrtümern geführt hat – wie etwa zur Erfindung des Amtes eines Geistlichen. Deshalb ist es unerlässlich, dass wir diese beiden Bereiche in unseren Gedanken auseinanderhalten und versuchen, sie in ihrem richtigen Zusammenhang zu verstehen.

Im Haus Gottes gibt es im Zusammenhang mit der Gemeindeleitung zwei Ämter: einen „Aufseher“ (griech. episkopos) und einen „Diener“ (griech. diakonos). Die Arbeit eines Aufsehers hat mit der Sorge um das geistliche Leben der örtlichen Herde Gottes zu tun; die Arbeit des Dieners befasst sich mit den zeitlichen Bedürfnissen der Gemeinde. Paulus geht hier nicht auf die Einzelheiten ihrer Arbeit ein, sondern konzentriert sich vielmehr auf die moralischen Eigenschaften, die bei beiden erforderlich sind; dies entspricht dem Thema des Briefes. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass dies örtliche Aufgaben sind; sie gelten nur für die örtliche Gemeinde, in der der Aufseher und der Diener zu Hause sind (Apg 14,23). Ein Aufseher übt die Aufsicht nur in seiner Heimatversammlung aus, in keiner anderen.

Aufseher (V. 1-7)

Das normale Mittel des Herrn, eine örtliche Versammlung in ihren administrativen Aufgaben zu leiten, ist durch diejenigen, die „euch vorstehen im Herrn“ (1Thes 5,12.13; Heb 13,7.17.24; 1Kor 16,15-18; 1Tim 5,17). Dieser Satz wurde in der englischen King-James-Version (KJV) übersetzt mit: „diejenigen, die die Herrschaft über euch haben“. Doch diese Übersetzung ist ein wenig irreführend. Sie könnte den Eindruck erwecken, es gäbe eine besondere Kaste von Männern, die über die Herde „herrschen“ sollen – das heißt der Klerus (die Geistlichen).[1]

Diese Männer sollen „bei“ der Herde sein und Führung und Leitung geben (1Pet 5,2), sie sollen sich nicht „über“ sie erheben (1Pet 5,3). Die „Aufsicht“ in dieser Eigenschaft bezieht sich nicht auf das Leiten in Fragen der öffentlichen Lehre, sondern auf die Verwaltungsangelegenheiten der Versammlung. Wenn man diese beiden Dinge verwechselt, missversteht man den Unterschied zwischen Gabe und Amt, die zwei verschiedene Bereiche im Haus Gottes sind. William Kelly sagt, dass einige von denen, die „die Leitung übernehmen“, vielleicht gar nicht öffentlich lehren; aber es ist sehr gut und hilfreich, wenn sie es können (1Tim 5,17). Von diesen Männern wird erwartet, dass sie die Grundsätze des Wortes Gottes kennen und in der Lage sind, sie der Versammlung darzulegen, damit sie versteht, wie Gott sie in den Angelegenheiten, mit denen sie konfrontiert sind, führen möchte (Tit 1,9).

Drei Worte, die verantwortungsvolle Führungskräfte in der Gemeinde beschreiben

In den Briefen werden drei Wörter verwendet, um diese verantwortlichen Leiter in einer Versammlung zu beschreiben. Sie beziehen sich alle auf eine Funktion:

  1. Älteste(presbuteroi):
    Dieses Wort bezieht sich auf diejenigen, die im fortgeschrittenen Alter sind – es spricht von der Reife und Erfahrung, die für diese Arbeit erforderlich sind. Allerdings sind nicht alle älteren Männer in der Gemeinde notwendigerweise in der Funktion von Leitern tätig (1Tim 5,1; Tit 2,1.2).
  2. Aufseher(episkopoi):
    Dieses Wort bezieht sich auf die Arbeit, die sie tun – die Herde hüten (Apg 20,28; 1Pet 5,2), über die Seelen wachen (Heb 13,17) und sie ermahnen (1Thes 5,12).
  3. Führer(hegoumenos):
    Dieses Wort bezieht sich auf ihre geistliche Fähigkeit, in Verwaltungsangelegenheiten zu führen und zu leiten.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich nicht um drei verschiedene Positionen in der Gemeinde, sondern um drei Aspekte ein und desselben Amtes. Das kann man daran erkennen, wie der Geist Gottes diese Begriffe austauschbar verwendet (vgl. Apg 20,17 mit Apg 20,28 und Tit 1,5 mit Tit 1,7). Wir wissen, dass im traditionellen Christentum ein „Bischof“ ein hoher Kirchenbeamter ist, der Autorität über viele Ortsgemeinden ausübt, in denen es viele Älteste und Diakone gibt. Die Bibel spricht jedoch nicht von ihnen als solchen. Dasselbe Wort, das in Apostelgeschichte 20,28 mit „Aufseher“ übersetzt ist, wird in 1. Timotheus 3,1 ebenfalls mit „Aufseher“ [in der KJV mit „Bischof“] übersetzt. Das zeigt, dass beide Begriffe dasselbe bezeichnen. Außerdem weist die Schrift darauf hin, dass es in einer bestimmten Versammlung mehrere Bischöfe (Aufseher) gab (Apg 20,28; Phil 1,1; Tit 1,7), aber sie spricht nie von einem Bischof über viele Diakone und Älteste.

Ernennung von Aufsehern

Diese Männer sollen sich nicht selbst zu Aufsehern/Ältesten/Führern ernennen, und sie sollen auch nicht von der Versammlung ernannt werden – auch wenn das heute fast jede kirchliche Gruppe tut. Überall in der Schrift wurden Älteste von einem Apostel oder dessen Beauftragten (Apg 14,23; Tit 1,5) für eine Versammlung eingesetzt (nicht von einer Versammlung). Und dies geschah erst, nachdem der Geist Gottes in bestimmten Personen gewirkt und sie für dieses Werk berufen hatte (Apg 20,28). Wer solche Personen sind, wird an ihrer hingebungsvollen Fürsorge für die Heiligen, ihrer Kenntnis der biblischen Grundsätze und ihrem gesunden Urteilsvermögen erkennbar sein.

Da es heute keine [offiziellen] Apostel (oder Delegierte eines Apostels) mehr auf der Erde gibt, kann es keine offizielle Ernennung von Ältesten/Aufsehern/Führern geben, wie es in der frühen Kirche der Fall war. Das bedeutet nicht, dass die Arbeit der Aufseher nicht weitergehen kann; der Geist Gottes erweckt immer noch gottesfürchtige Männer, die in biblischen Gemeinden die Aufsicht führen. Sicherlich wären dies genau diejenigen, die die Apostel ordinieren (ernennen) würden, wenn sie heute noch lebten. Es ist wichtig, zu sehen, dass ein Mann nicht dadurch zum Aufseher wird, dass er von einer Versammlung in dieses Amt gewählt wird, sondern dadurch, dass der Heilige Geist ihn erweckt und für dieses Werk ausrüstet (Apg 20,28). Die Versammlung sollte in der Lage sein, zu erkennen, was der Geist in und durch solche Männer tut. Folglich sollen die Heiligen sie „erkennen“ (1Thes 5,12), sie „achten“ (1Thes 5,13), sie „ehren“ (1Tim 5,17), ihrem Glauben „folgen“ (Heb 13,7), sich ihnen „unterordnen“ (Heb 13,17) und sie „grüßen“ (Heb 13,24).

Der Grund, warum die Schrift nie sagt, dass die Versammlung ihre Ältesten wählen und ordinieren (offiziell ernennen) soll: Die Versammlung hat keine Ordinationsbefugnisse, die ihr von Gott verliehen worden wären, damit sie diese Funktion bei den Ältesten ausüben können. Es ist Gottes Weisheit, dass es so ist, weil wir von Natur aus dazu neigen, diejenigen zu wählen, die unseren Neigungen entsprechen. Wenn ein Mann danach strebt, Aufseher zu werden, kann er angesichts dieser Tendenz den Druck verspüren, sich den Wünschen und Begierden der Gemeinde anzupassen, um für dieses Amt ausgewählt zu werden. Wenn der Zustand der Versammlung schlecht ist, könnte sie außerdem Dinge wollen, die nicht mit Gottes Wort übereinstimmen, und die Aufseher könnten versucht sein, Kompromisse bei den Grundsätzen einzugehen, um als Aufseher im Amt zu bleiben. Daher neigt ein solches Verfahren eher dazu, gute „Parteimitglieder“ hervorzubringen, die das tun, was die Gemeinde will, anstatt treue Männer, die auf dem beharren, was die Schrift lehrt, und es notfalls auch durchsetzen – selbst wenn dies bedeutet, bei bestimmten Personen in der Gemeinde in Ungnade zu fallen.

Verantwortung des Aufsehers

Vers 1

Der Hauptzweck der Gemeindeleitung besteht darin, in jeder Versammlung Heiligkeit und Ordnung im Haus Gottes aufrechtzuerhalten. Die Aufseher sind dafür verantwortlich, dabei die Führung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass die Versammlung auf einem biblischen Kurs geführt wird. Dies hat vor allem mit zwei Hauptverantwortungsbereichen zu tun:

  • Sorgfalt bei dem, was in die Versammlung kommt. Dazu gehören die Grundsätze der Aufnahme eines Gläubigen in die Gemeinschaft.
  • Sorgfalt für das, was (oder wer) in der Versammlung ist. Dazu gehören Hirtendienst und Gemeindezucht usw.

1Tim 3,1: Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk.

Paulus beginnt, indem er von denen spricht, die danach trachten, in der Versammlung einen „Aufseherdienst“ auszuführen. Es ist ein „schönes“ und notwendiges „Werk“, und solche sollten darin ermutigt werden. Einige Jahre zuvor hatte sich Paulus mit seinen Anliegen an die Ältesten der Gemeinde in Ephesus gewandt und ihnen einen Überblick über die Arbeit gegeben, die sie als Aufseher leisten sollten (Apg 20,28-35).

Die Arbeit eines Aufsehers

Seine Zusammenfassung dient als Leitfaden für alle, die die Herde Gottes an ihrem Ort beaufsichtigen möchten. Sie lautet wie folgt:

  • Hütet die Herde (Apg 20,28).
  • Hütet euch vor zwei Hauptgefahren: Wölfe, die hereinkommen, und Männer, die aufstehen, um „die Jünger abzuziehen hinter sich her“ (Apg 20,29-31).
  • Nutze die beiden großen Ressourcen, die Gott für diese Arbeit gegeben hat: das Gebet und das Wort Gottes (Apg 20,32).
  • Beteilige dich an einem Dienst der Fürsorge für andere (Apg 20,33-35).

Apostelgeschichte 20,17 macht deutlich, dass es in der Gemeinde in Ephesus bereits Älteste gab. Aber Paulus warnte damals, dass einige der Ältesten abtrünnig werden würden (Apg 20,30), und deshalb würden diese Anweisungen (in 1Tim 3) sehr nötig sein, um sie zu ersetzen. Die Tatsache, dass es zu dieser Zeit an diesem Ort einige gab, die nach diesem Werk „trachteten“, deutet darauf hin, dass es einige geben musste, die dieses Werk weiterführen würden. Kaum hat Paulus jedoch von diesem Amt im Haus Gottes gesprochen, zeigt er im Folgenden, dass diese Arbeit nicht für jeden Bruder in der Versammlung geeignet ist. Es gibt bestimmte moralische Qualifikationen, die von dem verlangt werden, der die Herde beaufsichtigen soll. Paulus führt eine Liste von fünfzehn Qualifikationen an:

Qualifikationen eines Aufsehers

Vers 2

1Tim 3,2: Der Aufseher nun muss untadelig sein, der Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, bescheiden, gastfrei, lehrfähig;

  •  „untadelig“
    Was den persönlichen Charakter des Aufsehers betrifft, so kann ihm kein ernsthaftes Unrecht nachgesagt werden. Er ist nicht in zweifelhafte und fragwürdige Praktiken in seinem Leben verwickelt. Hier geht es darum, dass er über jeden Vorwurf erhaben sein muss.
  • „der Mann einer einzigen Frau“
    Das zeigt, dass die Arbeit im Haus Gottes von den Männern verrichtet werden soll und nicht von den Frauen. Paulus sagt nicht: „die Frau eines Mannes“. Auch wenn dies heute nicht populär ist, so ist es doch Gottes Ordnung. Frauen predigen und lehren heute in der Kirche nicht nur von der Kanzel aus, sondern sie sind auch in Verwaltungsfunktionen als Älteste und Diakone tätig. Aus der Schrift geht jedoch klar hervor, dass Frauen nicht an den Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinde beteiligt sein sollen (1Tim 2,12; Apg 15,6). Unabhängig davon, wie kompetent und ernsthaft diese Frauen sein mögen, verleugnen sie in solchen Positionen im Haus Gottes die Rechte Gottes als Schöpfergott. Er hat diese moralische Ordnung in der Schöpfung eingeführt, wie wir in 1. Timotheus 2,13 festgestellt haben, und Er erwartet von allen in seinem Haus, die seine Autorität besitzen, dass sie seine Ordnung einhalten. Das ist nicht etwas, was Männer in ihrem Bemühen, über Frauen zu herrschen, erfunden haben oder Ähnliches; es ist Gottes Ordnung in Gottes Haus.
    Einige meinen, „Mann einer Frau“ bedeute, dass ein Aufseher nur einmal heiraten dürfte und dass er, wenn seine Frau stirbt, nicht wieder heiraten dürfte. Aber so ist es nicht gemeint. Es bedeutet lediglich, dass der Mann nicht mehrere Frauen haben sollte. Damals wurden oft Männer mit mehreren Ehefrauen errettet; so jemand konnte in die Gemeinschaft aufgenommen werden, aber dieses Amt war nicht für ihn bestimmt. Seine Ehen entsprachen nicht einem ordnungsgemäßen Verhalten im Haus Gottes vor der Welt. Gottes Plan „von Anfang der Schöpfung an“ war, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau sein sollte – nicht ein Mann mit mehreren Frauen (Mk 10,2-12). Gott erlaubte Polygamie in alttestamentlichen Zeiten; und Er erlaubte sie auch in neutestamentlichen Tagen. Ein Mensch konnte eine solche Beziehung eingehen, bevor er sich bekehrte, aber das war nicht Gottes Plan für Männer und Frauen. Auch wenn sie in der Kirche für die aus dem Heidentum und Judentum Bekehrten erlaubt war, bedeutet das nicht, dass ein Christ Polygamie betreiben durfte.
  • „nüchtern“
    Das bedeutet, dass er ein ernsthafter Christ ist; er soll sich nicht durch Dummheit oder Leichtsinn auszeichnen. Solche Torheiten verderben nur seinen Einfluss und zerstören das Vertrauen, das die Gläubigen zu ihm haben sollten (Pred 10,1). Er soll sich würdig verhalten, ohne stolz zu sein.
  • „besonnen“
    Besonnen sein hat damit zu tun, dass man weiß, wie man sich in jeder Situation des Lebens richtig verhält.
  • „bescheiden“ (maßvoll; Kelly-Übersetzung)
    Der Aufseher sollte dafür bekannt sein, dass er in allen Lebensbereichen nicht ins Extreme geht, sei es beim Essen, Trinken, in der Freizeit, bei Hobbys usw. Er sollte dafür bekannt sein, dass er sich selbst beherrscht und ein maßvolles Leben führt.
  • „gastfrei“
    Sein Haus ist offen für die Gläubigen. Die häusliche Umgebung ist der Ort, an dem der Aufseher und seine Frau ihre Liebe und Fürsorge für die Heiligen auf praktische Weise zeigen können.
  • „lehrfähig“
    Das bedeutet nicht, dass er die öffentliche Gabe eines Lehrers haben muss, sondern dass er die Wahrheit kennt und denen helfen kann, die sie lernen wollen (Apg 18,26); und auch, dass er den Glauben verteidigen kann, wenn er angegriffen wird (Tit 1,9). Ebenso soll er „die Herde hüten“ (Apg 20,28; 1Pet 5,2). Das bedeutet aber nicht, dass er zwingend die Gabe eines „Hirten“ haben muss (Eph 4,11).

Vers 3

1Tim 3,3: … nicht dem Wein ergeben, kein Schläger, sondern milde, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend, …

  • „nicht dem Wein ergeben“
    Wenn jemand seinen eigenen Geist nicht beherrschen kann, indem er seinen fleischlichen Genuss an Wein nicht kontrolliert, wie soll er dann in der Versammlung wirksam regieren können? Der Aufseher, dem die Sorge für die Herde am Herzen liegt, wird sein Zeugnis vor anderen bedenken und darauf achten, dass er niemand durch den Genuss von Wein zum Straucheln bringt. Er wird nicht zulassen, dass er um des Zeugnisses willen unter die Macht eines solchen Lasters gerät (Spr 31,4).
  • „kein Schläger“
    Er ist kein gewalttätiger Mensch; er greift nicht zum Mittel der Einschüchterung, um seinen Willen in der Versammlung durchzusetzen.
  • „milde“
    Er ist sanft und nimmt Rücksicht auf die Gefühle der Gläubigen und behandelt sie daher mit Zartheit. Daher sehen sie ihn als jemand, an den sie sich mit ihren Problemen gern wenden.
  • „nicht streitsüchtig
    Er ist dafür bekannt, dass er Streit vermeidet, statt ihn zu suchen. Manche Menschen sind immer mitten in der Kontroverse und im Streit, aber er ist nicht davon geprägt. Das bedeutet nicht, dass er sich in der Versammlung nicht mit kontroversen Themen auseinandersetzt, wenn es nötig ist, sondern dass er keinen Streit sucht.
  • „nicht geldliebend“
    Er ist dafür bekannt, dass er mit Geld großzügig umgeht, anstatt es zu horten. Geldverdienen kann zu einem Gott werden (1Tim 6,9-10), aber er hat kein solches Ziel vor Augen.

Verse 4.5

1Tim 3,4.5: … 4 der dem eigenen Haus wohl vorsteht, der seine Kinder in Unterwürfigkeit hält mit allem würdigen Ernst 5 (wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Versammlung Gottes Sorge tragen?), …

  • „der dem eigenen Haus wohl vorsteht“
    Das bedeutet, dass er seine Eignung für diese Arbeit im kleineren und bescheideneren Bereich seines eigenen Haushalts bewiesen hat. Er hat „gläubige Kinder“ (Tit 1,6) und er hält seine Kinder in „Unterwürfigkeit“. Wenn er sein eigenes Haus gut führt, beweist er, dass er fähig ist, „für die Versammlung Gottes Sorge zu tragen“.

Vers 6

1Tim 3,6: … nicht ein Neuling, damit er nicht, aufgebläht, ins Gericht des Teufels falle.

  • „nicht ein Neuling“
    Das zeigt, dass Erfahrung und Reife in diesem Werk der Aufsicht erforderlich sind; ein junger Gläubiger hat das einfach noch nicht. Das gilt auch für einen Bruder, der älter, aber neu im Glauben ist. Wenn er sich zu früh in seinem christlichen Leben in die Verwaltungsangelegenheiten der Versammlung einmischt, könnte er hochmütig werden und in das „Gericht des Teufels“ fallen – was bedeutet, dass man sich von der eigenen Wichtigkeit hinreißen lässt. Es bedarf einiger Erfahrung in den Wüstenprüfungen des Lebens, um zu lernen, was in unseren Herzen ist (Röm 7,18); wir werden es nie ganz wissen bis zum Richterstuhl Christi. Ein junger Mensch oder ein frischbekehrter Christ hat wahrscheinlich noch nicht „die Plage seines Herzens“ entdeckt (1Kön 8,38), und er könnte sich mit seiner neugewonnenen Wichtigkeit unter den Gläubigen beschäftigen und so auf schreckliche Weise zu Fall gebracht werden (Spr 16,18).
    Neubekehrte und junge Gläubige können ihr Priestertum in der Versammlung ausüben (1Tim 2) und ihre Gabe im Predigen oder Lehren ausüben (1Tim 4), aber sie sollten nicht an dieser Arbeit der Aufsicht beteiligt sein (Apg 15,6). In Übereinstimmung damit sehen wir in der Apostelgeschichte, dass es die Gewohnheit von Paulus und Barnabas war, in einer neu gegründeten Gemeinde keine Ältesten anzustellen. Sie warteten damit bis zu ihrem zweiten Besuch, wenn bereits ein gewisses Wachstum und eine gewisse Stabilität bei den Erretteten zu beobachten war (Apg 14,21-23).

Vers 7

1Tim 3,7: Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, damit er nicht in Schmach und in den Fallstrick des Teufels falle.

  • „ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind“
    Nicht zuletzt muss das Leben eines Aufsehers mit dem Bekenntnis übereinstimmen, das er vor der Welt ablegt. Wenn dies nicht der Fall ist, wird das Christentum und seine Botschaft der Gnade, die er zu vertreten sucht, von der Welt abgelehnt werden. Es wird als Heuchelei angeprangert werden. Das traurige Beispiel Lots veranschaulicht diesen Punkt: Sein Leben war so unvereinbar mit der Botschaft, die er seinen Schwiegersöhnen überbracht hatte, dass er war „wie einer, der Scherz treibt“ (1Mo 19,14). Sie nahmen ihn nicht ernst.
    Paulus fügt noch etwas hinzu: Wer sich nicht um sein persönliches Zeugnis vor der Welt kümmert, kann nicht nur von der Welt geschmäht werden, sondern auch in den „Fallstrick des Teufels“ geraten. Das zeigt, dass jemand, der die Position eines Aufsehers innehat, ein besonderes Ziel des Feindes wird. Satan hat es auf alle solche Leiter in der Kirche abgesehen. Wenn es ihm möglich ist, wird er ihnen eine Falle stellen, indem er sie in etwas Fragwürdiges hineinzieht, um sie zu beschuldigen und das Christentum in Verruf zu bringen (Off 12,10). Wenn Satan außerdem Aufseher dazu bringen kann, die Versammlung in irgendeiner Streitsache zu verlassen, werden sie wahrscheinlich durch ihren Einfluss „Jünger abziehen“ (Apg 20,30). Das zeigt, dass der Platz und die Arbeit eines Aufsehers in der Versammlung nichts für unreife oder leichtfertige Christen ist.

Wir dürfen nicht denken, dass die moralischen Qualitäten, die für die Aufseher beschrieben sind, nur für sie gelten und dass es für den Rest der Gläubigen akzeptabel ist, unterhalb des Standards dieser Dinge zu leben, weil sie keine Aufseher sind. Es wäre falsch, zu sagen: „Ich bin kein Ältester, also muss ich mich in meinem Leben nicht um diese Dinge kümmern.“ Gott hat nicht zwei moralische Standards für sein Volk – einen für den Aufseher und einen anderen für den Rest der Herde. Das zeigt sich daran, dass die Ältesten „Vorbilder für die Herde“ sein sollen (1Pet 5,3). Die Herde soll den Ältesten in diesen moralischen Maßstäben nacheifern, weil alle Gläubigen durch diese Dinge gekennzeichnet sein sollen. Die Anweisungen, die Paulus in Bezug auf die Ältesten und Diakone gibt, sind das, was in allen sein sollte, aber was in denen sein muss, die diese Arbeit tun.

Wir könnten auch denken, dass diese Aufgabe in der Gemeinde heute nicht erfüllt werden kann, da es nur sehr wenige Personen gibt, die diesen Standards für die Aufsicht entsprechen. Wir glauben jedoch nicht, dass Gott die örtlichen Versammlungen dieser Art von Führung und Hilfe berauben würde. Was dann? Wer ist qualifiziert, diese Aufgabe zu übernehmen? Wir glauben, dass es in 1. Korinther 16,15-18 ein Leitprinzip gibt. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass in dieser Versammlung jemals Älteste ernannt worden wären, obwohl Paulus eineinhalb Jahre bei ihnen war (Apg 18,11). Wahrscheinlich sah er wegen der Weltlichkeit der Korinther keinen, der für dieses Amt geeignet war. Aber am Ende seines ersten Briefes an sie gab er ihnen einen Grundsatz, von dem wir glauben, dass er die Frage beantwortet: Er lobte die Gläubigen in dieser Versammlung für bestimmte Brüder unter ihnen, die sich der Sorge um die Herde „verschrieben“ hatten. Sie hatten vielleicht nicht die notwendigen Qualifikationen für einen Aufseher, aber sie taten diese Arbeit unter den Gläubigen auf inoffizielle Weise. Daher gab es in dieser Versammlung in Korinth eine örtliche Leitung, auch wenn sie vielleicht sehr schwach war. Paulus forderte die Heiligen auf, sich einer solchen „unterzuordnen“.

Dies ist ein hilfreicher Grundsatz für unsere Zeit, in der es auf der Erde keine Apostel gibt, die Älteste ordinieren (bzw. offiziell ernennen), und in der es unter den Männern in verschiedenen Versammlungen ähnliche Unzulänglichkeiten in Bezug auf diese moralischen Qualifikationen gibt. Wenn es solche gibt, die sich mit gottwohlgefälligen Interesse um die Herde kümmern – auch wenn sie ihr Leben nicht vollkommen in Ordnung haben, wie in diesem Kapitel gesagt wird –, sollen die Heiligen sie dennoch anerkennen und „in Liebe achten um ihres Werkes willen“ (1Thes 5,13).

Wir sollten uns auch daran erinnern, dass Paulus bei all diesen Dingen in diesem Kapitel nicht von der Eignung einer Person für die Ausübung ihrer geistlichen Gabe des Predigens oder Lehrens oder dergleichen sprach, sondern von ihrer Eignung für ein Amt in der Gemeindeführung. Das sind zwei verschiedene Dinge, die zu zwei verschiedenen Sphären im Haus Gottes gehören. Einige sind der Meinung, dass ein Bruder nicht am Wort Gottes dienen sollte durch Predigen und Lehren, weil seine Familie nicht in Ordnung ist oder weil ihm eine andere Qualifikation fehlt, die in diesem Kapitel im Zusammenhang mit Aufsehern aufgeführt ist. Das Fehlen solcher Eigenschaften kann Menschen daran hindern, den Dienst von jemand anzunehmen, aber es verbietet ihr nicht, zu predigen oder zu lehren. Wenn dies bei uns der Fall ist und es in unserem persönlichen Leben an einigen dieser Dinge mangelt, sollten wir im Dienst „sachte wallen“ (Jes 38,15) und im Geist der Demut und von dem Standpunkt aus sprechen, dass wir versagt haben (2Sam 23,5). Wenn jedoch der Inhalt dessen, was wir den Gläubigen vortragen, gut und hilfreich ist, sollte es von ihnen angenommen werden, auch wenn es aus einem versagenden Gefäß kommt.

Diakone (V. 8-13)

Das Wort „Diakon“ bedeutet einfach „Diener“ und kann auch so übersetzt werden. Ein „Diakon [Diener]“ ist jemand, der sich im Dienst des Herrn um zeitliche Angelegenheiten kümmert. Als zum Beispiel Barnabas und Paulus zu ihrer ersten Missionsreise aufbrachen, „hatten sie aber auch Johannes zum Diener“ (Apg 13,5). Das Wort „Diener“ ist im Griechischen zwar ein anderes Wort, bezieht sich jedoch auf die gleiche Art von Arbeit. Johannes Markus half also Barnabas und Paulus in zeitlichen Dingen auf dem Missionsfeld. Im Fall des „Diakons [Dieners]“ in 1. Timotheus 3 geht es um zeitliche Dinge, die die örtliche Gemeinde betreffen.

Apostelgeschichte 6,1-5 veranschaulicht dies. In der Versammlung in Jerusalem entstand ein praktisches Bedürfnis, zeitliche Dinge zu verwalten. Die Apostel in dieser Versammlung sagten: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen, um die Tische zu bedienen“ (Apg 6,2). Das Wort „bedienen“ ist hier derselbe Wortstamm wie „Diakon“. Es wurden also bestimmte Männer ernannt, die sich um den „täglichen Dienst“ (oder die Verteilung der Gaben) kümmerten und die „Tische bedienten“, damit die Apostel frei waren, ihre Arbeit im Dienst des Wortes fortzusetzen.

Leider hat die Kirche heute den Begriff „Diener“ von seiner biblischen Bedeutung und Verwendung weggenommen und ihn verbunden mit der von Menschen geschaffenen Position eines Geistlichen mit den offiziellen Titeln „Pfarrer“ und „Pastor“. Der Platz und die Arbeit eines Geistlichen wurden umgewandelt in eine herausragende Position des Predigens und Lehrens in der Kirche, wobei ihm oft ein Stab von Leuten zur Seite steht. In der Heiligen Schrift ist es genau umgekehrt: Ein Diener dient jenen, die predigen und lehren wollen (Apg 13,5; Röm 16,1)! Diese Verwirrung ist Teil der Unordnung, die Menschen in das Haus Gottes gebracht haben.

Paulus geht nicht auf die Arbeit eines „Diakons [Dieners]“ ein, sondern konzentriert sich, wie beim Aufseher, auf die moralischen Eigenschaften, die jemand haben muss, der diese Arbeit tun soll. Wir können sofort sehen, dass die Qualifikationen hier nicht so hoch sind wie die eines Aufsehers. Ein bemerkenswerter Unterschied: Es wird nicht erwähnt, dass der Diakon „lehrfähig“ sein muss. Auch wenn die heutige Kirche einen Diener (Pfarrer) in die Position von jemand, der lehrt und predigt, versetzt hat, wird von einem Diener in der Heiligen Schrift nicht einmal gesagt, dass er die Fähigkeit haben muss, die Wahrheit zu lehren! Es heißt zwar, dass er „das Geheimnis des Glaubens“ bewahren soll, was darauf hindeutet, dass er die Wahrheit kennen sollte, wie es alle Gläubigen tun sollten. Aber es wird nicht erwähnt, dass er „lehrfähig“ sein muss.

Ein weiterer bemerkenswerter Unterschied zwischen diesen beiden Ämtern: Die Aufseher sollen nicht von der Versammlung für ihre Arbeit ausgewählt werden, während die Versammlung ihre Diakone/Diener auswählen soll. Auch dies wird in Apostelgeschichte 6 deutlich; die Apostel wiesen die Versammlung in Jerusalem an, die Männer auszuwählen, die sie für diese Arbeit am besten geeignet hielten. Darin liegt eine gewisse Weisheit: Wer könnte den Charakter dieser Männer besser kennen als diejenigen, die täglich in Gemeinschaft mit ihnen leben? Auch sollte beachtet werden: Selbst nachdem die Versammlung diese Männer ausgewählt hatte, ordinierte sie sie nicht, weil sie, damals wie heute, keine Befugnis hat, dies zu tun. Die Versammlung brachte diejenigen, die sie auswählte, zu den Aposteln, die sie dann offiziell in dieses Amt einsetzten (s.a. 2Kor 8,18.19). Ein „Bruder“, der wegen seiner Vertrauenswürdigkeit gut bekannt war, wurde „von der Versammlung gewählt“, um bei der Verwaltung der Kollekte zu helfen und sie zu den armen Gläubigen in Jerusalem zu bringen.

Sieben Qualifikationen, die ein Diakon/Diener haben sollte

Verse 8.9

1Tim 3,8.9: 8 Die Diener ebenso, würdig, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, 9 die das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen bewahren.

Paulus zählt sechs Qualifikationen auf, die ein „Diakon“ haben muss:

  • „würdig“
    Er muss ein nüchterner und ernsthafter Christ sein, der sich würdig verhält.
  • „nicht doppelzüngig“
    Er ist nicht dafür bekannt, dass er Geschichten verbreitet, die nicht den Tatsachen entsprechen.
  • „nicht vielem Wein ergeben“
    Er muss sein Zeugnis vor anderen bedenken und darauf achten, dass er andere nicht durch den Genuss von Wein ins Stolpern bringt.
  • „nicht schändlichem Gewinn nachgehend“
    Er sollte sich nicht dadurch auszeichnen, dass er es darauf abgesehen hat, über Gebühr Geld zu verdienen – besonders mit fragwürdigen Mitteln. Dies ist wichtig, weil eine der Aufgaben eines Diakons/Dieners darin besteht, sich um die Kollekten der Gläubigen zu kümmern (Apg 6,1-4). Wenn jemand dafür bekannt ist, dass er übermäßig auf Geld bedacht ist, wäre es nicht klug, jemand mit dieser Art von Schwäche damit zu betrauen, die Gelder der Versammlung zu verwalten – er könnte in Versuchung geraten, etwas zu entwenden.
  • „das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen bewahren“
    Er muss nicht nur in der Lehre rechtgläubig sein, sondern „den Glauben“ (die Offenbarung der christlichen Wahrheit) „mit reinem Gewissen bewahren“. Ein reines Gewissen in Bezug auf die Wahrheit bedeutet, dass man eine ehrliche Überzeugung davon hat, sie zu praktizieren, weil man sie wirklich glaubt.

Vers 10

Paulus fügt hinzu:

1Tim 3,10: Lass diese aber auch zuerst erprobt werden, dann lass sie dienen, wenn sie untadelig sind.

  • „zuerst erprobt werden“
    Diakone [Diener] sollen in einem kleineren Bereich erprobt werden, bevor sie mit der Verwaltung zeitlicher Dinge in der Gemeinde betraut werden. Das zeigt, dass es eine schrittweise Einführung in diese Arbeit geben soll.
  • „untadelig“
    Hier geht es darum, dass der Diakon/Diener ein widerspruchsfreies Zeugnis haben muss, damit niemand ihn mit Recht des Bösen beschuldigen und damit eine schändliche Anschuldigung gegen das christliche Zeugnis vorbringen kann.

Vers 11

1Tim 3,11: Die Frauen ebenso, würdig, nicht verleumderisch, nüchtern, treu in allem.

Im Gegensatz zu den Anweisungen für den Aufseher werden die „Frauen [engl. KJV wives = ‚Ehefrauen‘]“ der Diakone im Zusammenhang mit der Arbeit eines Diakons erwähnt. Das liegt daran, dass sie an dieser zeitlichen Arbeit teilhaben können, während dies bei den Verwaltungsaufgaben eines Aufsehers nicht der Fall ist. Dies ist ein weiterer Unterschied zwischen diesen beiden Ämtern. Dass eine Schwester eine Hilfe bei dieser zeitlichen Arbeit sein kann, zeigt der Fall von Phöbe. Sie war eine „Dienerin [Diakonin]“ der Gemeinde in Kenchreä (Röm 16,1). Das zeigt, dass eine Schwester eine „Dienerin“ sein kann – aber natürlich nicht in dem traditionellen Sinn des Wortes, wie es in der Christenheit für einen Geistlichen verwendet wird. Im Übrigen sollte auch ein Bruder nicht in dieser Position [eines Geistlichen] sein!

Vier notwendige Merkmale einer Dienerin/Diakonin

Vier Dinge werden in Bezug auf den Charakter erwähnt, der bei den „Frauen“, die den Gläubigen in dieser Funktion dienen, zu sehen sein sollte:

  • „würdig“
    Sie soll eine ernsthafte christliche Frau sein, die sich in einer würdigen Weise verhält.
  • „nicht verleumderisch“
    Sie lässt sich nicht vom Klatsch und Tratsch in den Versammlungen anstecken – schon gar nicht, wenn einiges davon nicht wahr ist.
  • „nüchtern“
    Sie übt Selbstbeherrschung in ihrem persönlichen Leben.
  • „treu in allem“
    Sie ist vertrauenswürdig in Dingen, die die Versammlung betreffen.

Zwei weitere Dinge werden hinzugefügt

Vers 12

1Tim 3,12: Die Diener seien Mann einer Frau, die ihren Kindern und den eigenen Häusern wohl vorstehen; …

Zwei weitere Dinge werden im Zusammenhang mit dem Diakon/Diener hinzugefügt:

  • „Mann einer einzigen Frau“
    Wie der Aufseher soll auch er nicht in Vielehe leben.
  • „die ihren Kindern und den eigenen Häusern wohl vorstehen“
    Wie bei dem Aufseher ist es notwendig, dass der Diakon geordnete Familienverhältnisse und einen geordneten Haushalt hat. Herrschaft in dem Sinn, wie es hier verwendet wird, bedeutet nicht, dass er selbstherrlich ist, sondern vielmehr, dass er seine Stellung als Familienoberhaupt versteht und seine Verantwortung in dieser Stellung wahrnimmt, indem er seinen Haushalt in geordneter Weise führt und leitet.

Vers 13

1Tim 3,13: … denn die, die wohl gedient haben, erwerben sich eine schöne Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben, der in Christus Jesus ist.

Wenn diese zeitliche Arbeit treu ausgeführt wird, wird der Diakon/Diener Möglichkeiten in anderen Bereichen des Dienstes erhalten – besonders im Zeugnis für das Evangelium. Sie „erwerben sich eine schöne Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben, der in Christus Jesus ist“. Das geordnete Leben und die treue Arbeit eines Diakons/Dieners im Haus Gottes wird zu einem Zeugnis für alle, dass er jemand ist, dem man vertrauen kann. Indem er seine Gabe im Dienst des Wortes ausübt (wenn er eine solche Gabe haben sollte), verleiht das Zeugnis seines Lebens seinem Dienst Kraft. Dies wird im Leben von Stephanus und Philippus in Apostelgeschichte 7 bis 8 deutlich. Diese Männer waren Diakone in der Versammlung in Jerusalem (Apg 6,5), und nachdem sie ihr Amt treu ausgeübt hatten, wurden sie mutig im Glauben und bezeugten den Herrn vor dem Sanhedrin (Apg 7) und in der Stadt Samaria (Apg 8). Stephanus hatte die Gabe zu lehren und Philippus war ein begabter Evangelist (Apg 21,8). Die Ausübung ihrer geistlichen Gaben im Dienst sollte jedoch nicht mit ihrer örtlichen Aufgabe in der Versammlung in Jerusalem verwechselt werden; es handelt sich um zwei verschiedene Bereiche im Haus Gottes.

Der Zweck dieser Anleitung (V. 14-16)

Verse 14.15

1Tim 3,14.15: 14 Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; 15 wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten soll im Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.

Paulus hält dann inne, um Timotheus an den Grund zu erinnern, warum er diese Anweisungen aufgeschrieben und an ihn geschickt hatte. Er wollte sie Timotheus persönlich überbringen, aber er befürchtete, dass er aufgehalten werden würde. Durch die Vorsehung Gottes ist dieser inspirierte Brief durch die Zeit hindurch erhalten geblieben, damit die Kirche dieses Muster des Hauses Gottes hat – wofür wir sehr dankbar sind.

Wenn Timotheus die Gläubigen zu einem Verhalten anleiten sollte, das dem Haus angemessen war, brauchte er dieses Muster, an dem er sich orientieren konnte. Daher sagt Paulus: „wie man sich verhalten soll im Haus Gottes“. Indem er weiter sagt: „das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“, weist er darauf hin, dass die Kirche die Wahrheit bezeugen und auch eine Grundfeste für die Wahrheit sein soll:

  • Der „Pfeiler“ spricht von einem Zeugnis. (Ein Pfeiler, in dem Sinn, wie er hier verwendet wird, ist nicht etwas, was ein Gebäude stützt, sondern ein Denkmal, das für bestimmte Dinge oder Tatsachen Zeugnis ablegt; 1Mo 31,44-48; 2Mo 24,4; 5Mo 12,3 usw.). In diesem Sinn soll die Kirche Zeugnis für die Wahrheit ablegen, indem sie im Dienst eine gesunde Lehre aufrechterhält.
  • Eine „Grundfeste“ ist eine Stütze. In diesem Sinn hat die Kirche die Aufgabe, die Wahrheit durch Gott wohlgefälliges Verhalten zu unterstützen. Ein Gott wohlgefälliges christliches Leben gibt der Botschaft der Gnade, die wir in dieser Welt verkünden, Kraft und Halt.

Das zeigt: Die Wahrheit soll nicht nur lehrmäßig im öffentlichen Dienst dargelegt werden, sondern sie soll auch im Wandel und in der Lebensweise derer, die das Haus bilden, zum Ausdruck kommen. Die Kirche ist also Gottes Gefäß zum Zeugnis in der Welt; sie soll die Wahrheit verkünden und vor der Welt darstellen. Wenn wir Teile der Wahrheit aufgeben, versagen wir in unserem Zeugnis, und wenn unser Wandel mangelhaft ist, versagen wir darin, eine Stütze zu sein. Leider ist genau das in der Geschichte der Kirche geschehen.

Denken wir also daran, dass die Kirche, die als Gottes Haus betrachtet wird, diejenige ist, die die Wahrheit fördert und unterstützt. Sie ist keine gesetzgebende Lehrinstanz der Wahrheit, so wie die römische Kirche behauptet; sie wird von Propheten und Lehrern in der Wahrheit unterrichtet und ist dafür verantwortlich, diese zu bewahren und zu praktizieren.

Das Geheimnis der Gottseligkeit

Vers 16

Bezeichnenderweise stellt Paulus, wenn er Timotheus sagt, wie man sich im Haus Gottes verhalten soll, keine ausgefeilten Regeln auf, die er befolgen soll, sondern stellt ihm Christus vor Augen. Er sagt:

1Tim 3,16: Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Er, der offenbart worden ist im Fleisch, ist gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.

Wenn wir also wissen wollen, wie wir uns im Haus Gottes verhalten sollen, müssen wir auf Christus schauen. Er hat sich in seinem Leben stets richtig verhalten.

Beachte: Paulus spricht hier nicht vom Geheimnis Gottes (Off 10,7), auch nicht vom Geheimnis der Person Christi (Mt 11,27), auch nicht vom Geheimnis Christi und der Kirche (Eph 5,32), sondern vom „Geheimnis der Gottseligkeit“. Dies ist das Geheimnis, durch das alle wahre Frömmigkeit hervorgebracht wird. In der Bibel ist ein „Geheimnis“ nicht etwas, was verdeckt und schwer zu verstehen ist, sondern ein göttliches Geheimnis, das bisher verborgen war und nun offenbart ist. Seit Christus in die Welt gekommen ist, ist dieses Geheimnis der Gottseligkeit für uns offenbart worden.

Das Geheimnis wahrer Gottseligkeit und allen richtigen Verhaltens liegt also in der Erkenntnis Gottes, die sich in der Person Christi offenbart. Christus wird uns in diesem Vers nicht nur als Vorbild, sondern auch als Gegenstand der Betrachtung vor Augen gestellt. Sein Leben ist nicht nur das Beispiel, sondern auch – wenn man darüber nachdenkt – die Kraft für ein christliches Leben. Die Kraft für einen gottwohlgefälligen Lebenswandel kommt nicht nur aus dem Wissen, wie sich der Herr Jesus in verschiedenen Lebenssituationen verhalten hat, sondern aus der Andacht über Ihn. Indem wir das tun, werden wir seinen Wegen nacheifern.

Paulus sagt, dass dieses Geheimnis „groß“ ist – nicht weil es so unklar wäre, sondern in seiner Bedeutung. Vers 16 ist eine komprimierte Zusammenfassung der Art und Weise, wie Gott sich in Christus offenbart hat. Es sind sechs Dinge:

  • „Er, der offenbart worden ist im Fleisch“
    Dies bezeugt die Gottheit und die Menschwerdung Christi. Wenn Paulus auf Christus hinweist, könnte man meinen, dass er sagen würde: „Seht Christus als euer Beispiel an“, oder etwas Ähnliches; stattdessen spricht er von Christus als Gott, der „im Fleisch offenbart“ wurde. Dies entspricht dem Thema des Hauses Gottes, das Gott in dieser Welt durch entsprechendes Verhalten offenbart. Das tat der Herr Jesus Christus in Vollkommenheit, als Er im Fleisch kam.
  • „gerechtfertigt im Geist“
    Jede Handlung in seinem Leben war etwas, was der Heilige Geist voll und ganz billigte und mit dem Er sich identifizierte, denn der Herr war vollkommen in all seinen Wegen.
  • „gesehen von den Engeln“
    Er war das Gegenstand und das Interesse der Engel, die jeden seiner Schritte von der Krippe bis zu seiner Auferstehung und Himmelfahrt beobachteten.
  • „gepredigt unter den Nationen“
    Er ist zum Gegenstand des Zeugnisses des Evangeliums unter den Völkern geworden.
  • „geglaubt in der Welt“
    Viele haben in der Welt an Ihn geglaubt. Es heißt nicht, dass er von der Welt geglaubt wurde, sondern in der Welt, denn nicht alle haben dem Evangelium geglaubt (2Thes 3,2). Die Verkündigung war weltweit, aber die Aufnahme war nur teilweise.
  • „aufgenommen in Herrlichkeit“
    Dies bezieht sich auf seinen glorreichen Eingang in den Himmel.

Der Geist Gottes, die Engel und die Menschen haben also alle gesehen, wie der Herr Jesus Gott in der Welt offenbart hat. Es ist kein Wunder, dass Er in die Herrlichkeit aufgenommen wurde. Er ist unser Vorbild und der Gegenstand unserer Betrachtung, damit wir Gottes Charakter in der Welt offenbaren.

Leider ist dieses große Geheimnis der Gottseligkeit den Ungläubigen immer noch nicht bekannt; sie können die Quelle und die Kraft der christlichen Gottseligkeit nicht verstehen.


Quelle: The First Epistle of Paul to Timothy: The Order of God’s House
E-Book Version 1.5 (März 2019)

Übersetzung: Stephan Isenberg

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Anmerkungen

[1] Diese Übersetzung ist ein klarer Beweis dafür, dass die englische King-James-Version in den Händen des Klerus war, als sie übersetzt wurde, und dass die Übersetzer sie ein wenig beeinflusst haben. Die Verwendung des Wortes „Bischof“ im Text der KJV in 1. Timotheus 3,2 ist ein weiteres Beispiel.

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