Der erste Brief des Paulus an die Thessalonicher (1)
Kapitel 1

Stanley Bruce Anstey

online seit: 15.09.2022

ANZEICHEN FÜR EINE ECHTE BEKEHRUNG

Wie in der Einleitung erwähnt, enthält der Brief nur sehr wenig Lehre, jedoch viele hilfreiche moralische und praktische Ermahnungen, die zu einem normalen christlichen Leben gehören. Bemerkenswerterweise beginnt Paulus seinen Brief jedoch nicht mit diesen Ermahnungen, sondern damit, dass er seine persönliche Sorge um die Thessalonicher als neubekehrte Gläubige zum Ausdruck bringt. In den ersten drei Kapiteln bekräftigt er seine Liebe zu ihnen und bringt seine Wünsche für sie auf verschiedene Weise zum Ausdruck. Das Ziel dieser recht langen Vorrede besteht darin, in den Herzen und Köpfen dieser frisch Bekehrten fest zu verankern, dass er sie aufrichtig liebt und an ihrem Wohlergehen interessiert ist.

Dies ist in der christlichen Arbeit entscheidend. Wenn die Menschen, denen wir helfen wollen, verstehen, dass wir wirklich an ihrem Wohlergehen interessiert sind und keine Hintergedanken haben, sind sie eher bereit, das anzunehmen, was wir zu sagen haben. Das bedeutet: Wir müssen darauf bedacht sein, das Vertrauen derer zu gewinnen, denen wir dienen. Daher müssen wir uns von Anfang an so verhalten, dass die Menschen unsere Aufrichtigkeit erkennen und die Absichten unseres Dienstes ihnen gegenüber verstehen.

Um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, denen wir dienen, müssen wir uns aufrichtig für sie einsetzen. Wenn sie sehen, dass wir Zeit, Geld und Energie für sie aufbringen, werden sie eher bereit sein zu glauben, dass wir aufrichtig an ihnen interessiert sind.

Der Apostel Paulus ist dafür ein gutes Beispiel. Als er drei Jahre lang unter den Ephesern lebte, begehrte er weder Silber noch Gold noch Kleidung, sondern arbeitete mit seinen Händen, um seine eigenen Bedürfnisse und die seiner Begleiter zu stillen. Er arbeitete, um die Schwachen zu unterstützen, weil der Herr selbst uns lehrt, dass „Geben seliger ist als Nehmen“ (Apg 20,33-35). Vertrauen aufzubauen braucht gewöhnlich Zeit, doch Menschen in praktischen Angelegenheiten zu helfen, öffnet Türen. Wenn wir beispielsweise über die nötigen Fähigkeiten verfügen, können wir ihnen vielleicht helfen, etwas in ihrem Haus zu reparieren usw. Paulus hatte das Vertrauen der Thessalonicher bereits gewonnen, doch er nahm sich in den ersten Kapiteln dieses Briefes noch Zeit, um auf diesem Vertrauen aufzubauen und seine Liebe und Fürsorge für sie zu bekräftigen.

Die Anliegen des Paulus für diese Neubekehrten lassen sich folgendermaßen kurz zusammenfassen:

  • Kapitel 1: Es müssen Anzeichen für eine echte Bekehrung vorhanden sein.
  • Kapitel 2: Es werden Führer und Vorbilder benötigt.
  • Kapitel 3: Nachbetreuung ist wichtig. 

Der Gruß (V. 1.2)

Vers 1

1Thes 1,1: Paulus und Silvanus und Timotheus der Versammlung der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade euch und Friede!

Paulus erwähnt in seiner Begrüßung in keinem der beiden Briefe an die Thessalonicher sein Apostelamt, wie er es in vielen anderen Briefen tut. Er will sich ihnen nicht auf einer offiziellen Ebene nähern, so als ob er eine verbindliche Mitteilung von Gott weitergeben würde, sondern er will auf einer persönlicheren Ebene als Seelsorger und Ratgeber zu ihnen sprechen.

Er schließt „Silvanus und Timotheus“ in seinen Gruß ein. Dies sind die griechischen Varianten ihrer richtigen Namen Silas[1] und Timotheus. Dass die beiden die griechischen Varianten annahmen, ist ein Beweis dafür, dass diese Gruppe christlicher Arbeiter, die in die Welt hinauszog, um das Evangelium zu verbreiten, die Gewohnheit hatte, sich der Kultur der fremden Länder, in die sie reisten, so weit wie möglich anzupassen, ohne dabei die Grundsätze der Heiligkeit usw. aufzugeben. Sie taten dies in dem Bemühen, die Menschen für den Herrn zu gewinnen.

Nach diesem Prinzip arbeitete Paulus auf jeder seiner Missionsreisen. Er sagt: „Und ich bin den Juden geworden wie ein Jude, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz (obwohl ich selbst nicht unter Gesetz bin), damit ich die, die unter Gesetz sind, gewinne; denen, die ohne Gesetz sind, wie ohne Gesetz (obwohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern Christus gesetzmäßig unterworfen), damit ich die, die ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich geworden wie ein Schwacher, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige errette“ (1Kor 9,20-22). Das zeigt, wie sehr sich diese christlichen Arbeiter für ihre Sache, die Heiden mit dem Evangelium zu erreichen, einsetzten. Silas war ein Prophet (Apg 15,32) und Timotheus ein Lehrer (1Tim 1,3; 4,6.13).

Dass Paulus „Silvanus und Timotheus“ erwähnt, bedeutet nicht, dass sie Mitverfasser des Briefes sind; vielmehr bezeugen sie, dass die Ausführungen des Paulus an „die Versammlung der Thessalonicher“ glaubwürdig sind. Da der Brief sich an eine Gemeinde richtet, soll alles „durch den Mund von zwei oder drei Zeugen“ bestätigt werden (2Kor 13,1; Joh 8,17). Daher war es angemessen, auch andere Namen miteinzubeziehen.

Die Vaterschaft Gottes und die Herrschaft Christi in unserem Leben

Gleich zu Beginn erwähnt Paulus Gott, den Vater, und den Herrn Jesus Christus. Die Thessalonicher sollen wissen, dass sie unter der wachsamen Obhut dieser göttlichen Personen stehen. Gott, der Vater, und der Herr Jesus Christus haben ihnen nicht nur das Heil gesichert (1Joh 4,14), sondern ihnen ist auch sehr am geistlichen Fortschritt der Thessalonicher gelegen. Der Apostel drückt auch seinen Wunsch aus, dass ihnen „Gnade“ und „Friede“ gegeben werde, damit dies gelingen möge.

Bezeichnenderweise erwähnt Paulus in seinem Brief an diese Neubekehrten, dass Gott der Vater und Christus Herr ist. Dies kommt in dem Brief mehrmals vor und ist kein Zufall. Paulus wusste: Dass wir Gott als unseren Vater kennen und Jesus in praktischer Hinsicht als unseren Herrn anerkennen, ist für Wachstum und Entwicklung unerlässlich.

Gott als unseren Vater zu kennen, ist charakteristisch für das Christentum (Joh 14,7-10; Röm 8,14.15; Gal 4,6). Sogar ein kleines Kind in Christus kennt den Vater (1Joh 2,14). Das ist ein Anzeichen dafür, dass ein Mensch „ewiges Leben“ hat – eine eindeutig christliche Segnung (Joh 17,3). Das Alte Testament spricht von Gott als „Vater“ (Jes 63,16; 64,8; Jer 3,4), aber nicht in der gleichen Weise, wie die Christen Ihn als Vater kennen. Paulus wünscht sich sehr, dass die Thessalonicher von der neuen Beziehung, die sie nun zu Gott haben, vollen Gebrauch machen und dass sie für die verschiedenen Bedürfnisse, die sie auf dem Glaubensweg haben, auf Gott als ihren Vater vertrauen (Joh 16,23). Die Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, ist der fruchtbare Boden, auf dem die Seelen in der Gnade wachsen.

Es ist noch etwas anderes unerlässlich: Wenn der Gläubige geistliche Fortschritte machen will, muss er Christus in seinem Leben als Herrn anerkennen. Jesus als Retter zu haben und Ihn als  Herrn zu haben, ist nicht dasselbe. Jesus als Retter zu haben bedeutet, an Ihn zu glauben und an das, was Er am Kreuz vollbracht hat, um unsere Sünden wegzutun. Auf diese Weise werden wir von der Strafe für unsere Sünden gerettet und für den Himmel passend gemacht. Jesus als Herrn zu haben bedeutet, dass wir seine Autorität, seine Herrschaft in unserem Leben praktisch anerkennen. Es ist nur folgerichtig, dass Christus Herr ist: Weil Er einen so hohen Preis bezahlt hat, um uns zu erlösen, gehören wir nicht mehr uns selbst (1Kor 6,19.20); wir gehören jetzt Ihm und sollen unser Leben für seine Anliegen einsetzen. Weil Er unser Herr ist, hat Er das Recht, unser Leben in jeglicher Hinsicht zu bestimmen. Das Herrsein Christi ist eng mit Nachfolge verbunden: Bei der Nachfolge übergibt der Gläubige sein Leben dem Herrn aus eigenem Entschluss – und er sollte froh darüber sein.

Viele kennen Jesus als ihren Retter, doch relativ wenige haben Ihn in ihrem Leben als ihren Herrn. Wir können zwar behaupten, dass Er unser Herr ist – und das ist Er natürlich dem Titel nach und zu Recht –, doch unser Leben wird zeigen, ob Er auch praktisch unser Herr ist. Christus sagt: „Was nennt ihr mich aber: ‚Herr, Herr!‘, und tut nicht, was ich sage?“ (Lk 6,46). Im normalen Christentum sollten wir unser Leben seiner Herrschaft in dem Moment unterstellen, wenn wir errettet werden. Die Schrift stellt die Errettung und die Herrschaft Christi über unser Leben als etwas dar, was gleichzeitig dann geschehen sollte, wenn wir Ihn im Glauben annehmen (Apg 16,31; Röm 10,9). Das war bei Saulus von Tarsus der Fall – dem Vorbild einer Bekehrung (Apg 9,6; 1Tim 1,16).

Es ist also sehr wichtig, dass ein Gläubiger gut bedenkt, dass Christus einen Herrschaftsanspruch hat, denn wenn er nach seiner Errettung an dem Recht festhält, sein eigenes Leben zu bestimmen – das heißt dorthin zu gehen, wohin er gehen will, und zu tun, was er will –, wird dies sein geistliches Wachstum und seinen Fortschritt behindern. Daher ist es bedeutsam, dass Paulus in diesem Brief hervorhebt, dass Christus Herr ist. Er verwendet den Titel „Herr“ etwa 25-mal im ersten Brief und noch einmal 22-mal im zweiten Brief. Tatsächlich wird der volle Titel des Herrn – „der Herr Jesus Christus“ – in den Thessalonicherbriefen häufiger erwähnt als in jedem anderen Buch des Neuen Testaments. Die Lehre daraus für uns: Weil dieser Aspekt des Christentums für das christliche Leben wesentlich ist, sollte der christliche Mitarbeiter in der Arbeit mit neu erretteten Seelen darauf besonderen Nachdruck legen.

Vers 2

1Thes 1,2: Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten …

Nachdem Paulus die Thessalonicher gegrüßt hat, sagt er ihnen, dass er und die, die mit ihm arbeiten, Gott ständig für sie „danken“ und dass sie sie in ihren „Gebeten“ erwähnen.

„Vitalzeichen“ des neuen Lebens (V. 3-10)

Kapitel 1 ist voll des Lobes für die Gläubigen in Thessalonich. Alle Christen brauchen Ermutigung, besonders aber Neubekehrte. Ein Pastor (Hirte) oder jeder, dem die Betreuung von Neubekehrten am Herzen liegt, muss dies im Auge behalten und so aufmerksam wie möglich sein, wenn Lob angebracht ist. Paulus beginnt also damit, diese Neubekehrten für das zu loben, was er an ihnen als offensichtliche Anzeichen einer echten Bekehrung gesehen hat. Er zählt eine Reihe von Dingen auf, die ihm die vollste Zuversicht geben, dass sie wirklich gerettet sind.

Die Echtheit der Bekehrung ist das Allererste, wovon man sich in der Arbeit mit Neubekehrten überzeugen muss. Die große Frage, die zu Beginn unserer Arbeit mit einem Neubekehrten geklärt werden muss, lautet: „Ist er wirklich errettet? Ist er wirklich ‚vom Tod zum Leben übergegangen‘?“ (Joh 5,24). Das ist wichtig, denn einer der erfolgreichsten „Listen“ Satans (Eph 6,11) besteht darin, unechte Gläubige (solche, die sich nur zum Glauben an Christus bekennen) unter die echten Gläubigen einzuführen, um zu versuchen, das Werk Gottes zu behindern und zu verderben.

Es scheint, dass Satan immer dann, wenn ein neues Werk Gottes entsteht, die Taktik verfolgt, „Unkraut unter den Weizen zu säen“ (Mt 13,25). Dies war sicherlich auch bei der Arbeit der Apostel der Fall. Satan versuchte, die Arbeit auf verschiedene Weise zu stören, indem er Menschen benutzte, die lediglich bekennende Gläubige waren. Da gab es „Simon“ (Apg 8,13), „eine gewisse Magd, die einen Wahrsagegeist hatte“ (Apg 16,16-18), und „die sieben Söhne … Skevas“ (Apg 19,13-17), die alle versuchten, sich auf irgendeine Weise in die christliche Arbeit einzumischen. Daher können wir sicher sein: Wo ein Werk Gottes geschieht, wird der Feind nicht weit entfernt sein. Wenn ein christlicher Mitarbeiter erkennt, dass er es mit einer gemischten Gruppe von Menschen zu tun hat, muss er natürlich auf den Tatsachen des Evangeliums bestehen und darauf, dass nur der persönliche Glaube an Christus errettet.

So wie es „Vitalzeichen“ gibt, die anzeigen, dass ein Mensch körperlich lebendig ist – Herzfrequenz, Blutdruck usw. –, so gibt es auch „Vitalzeichen“, die anzeigen, dass jemand geistlich lebendig ist. Im ersten Kapitel erwähnt Paulus eine Reihe dieser Kennzeichen, die er bei den Thessalonichern gesehen hat und die auf ein echtes Wirken Gottes in ihren Seelen hindeuten. Dafür dankt er Gott. Auf diese Weise gibt uns der Geist Gottes einen Überblick über bestimmte Dinge, die darauf hinweisen, ob jemand wirklich errettet ist. Wir sollten darauf achten, ob diese Dinge bei ihm vorhanden sind.

1. Glaube an den Herrn Jesus

Vers 3

1Thes 1,3: … unablässig gedenkend eures Werkes des Glaubens und der Bemühung der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus, vor unserem Gott und Vater,

Paulus beginnt damit, drei christliche Tugenden zu erwähnen, die er bei den Thessalonichern gesehen hat: Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese Tugenden sind im Leben jedes Gläubigen mehr oder weniger vorhanden und ein Indiz dafür, dass er wirklich errettet ist. Sie werden im Neuen Testament an mindestens zehn Stellen gemeinsam genannt (1Kor 13,13; Gal 5,5.6; Eph 1,15-18; 4,2-5; Kol 1,4.5; 1Thes 1,3; 5,8; Heb 6,9-12; 1Pet 1,3-8.21.22). Sie sind nicht nur wichtige Anzeichen dafür, dass jemand errettet ist, sondern sie sind auch unerlässlich für geistliches Wachstum und das praktische christliche Leben. Sie sind die Quellen, die das neue Leben eines Christen beleben und ihn dazu bewegen, für die unsichtbaren und ewigen Dinge zu leben, die sein Glaube in Christus ergriffen hat. Auch formen sie eine gefestigte christliche Persönlichkeit, was in den Handlungen und Verhaltensweisen des Gläubigen zum Ausdruck kommt.

Die erste dieser drei Tugenden sind die „Werke des Glaubens“. Beachten wir: Paulus spricht nicht nur von Glauben, sondern von einem Glauben, der sich in „Werken“ zeigt. Dies ist echter Glaube. Das heißt, echter Glaube wird sich im Leben eines Menschen selbst beweisen. Paulus betont dies, weil es zwar so etwas wie einen „Glauben ohne Werke“ gibt, der aber, wie Jakobus sagt, „tot“ ist (Jak 2,20). Paulus will damit nicht sagen, dass man sich sein Heil durch Werke verdient, sondern vielmehr, dass der Glaube im Leben eines Menschen durch Werke bestätigt wird (Apg 9,36; Eph 2,10). Ein Mensch tut diese Dinge nicht, um errettet zu werden, sondern er tut sie, weil er errettet ist; sie sind die Folge seiner Errettung.

2. Liebe zum Herrn Jesus

Glaube offenbart sich durch Werke; sie zeigen, dass jemand wirklich glaubt – aber „Liebe“ drückt sich in „Bemühungen“ aus. Christen dienen dem Herrn Jesus Christus um der Liebe willen. Ihre Arbeit für Ihn ist durch die Liebe zu Ihm motiviert, nicht durch gesetzliche Pflichten. Die Liebe zum Herrn Jesus entsteht in uns, wenn wir seine Liebe zu uns verstehen und darüber nachdenken: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1Joh 4,19; 2Kor 5,14). Da die Thessalonicher sich durch ihre „Bemühungen der Liebe“ auszeichneten, war dies ein klarer Beweis dafür, dass sie wirklich eine echte und lebendige Beziehung zum Herrn Jesus hatten. Eine solche Liebe wird sich unaufhörlich bemühen, ihrem Gegenstand zu gefallen.

3. Hoffnung auf das Kommen des Herrn Jesus

Die Thessalonicher zeichneten sich auch dadurch aus, dass sie beständig auf die Wiederkunft Christi warteten. Das ist die „Hoffnung“ des Christen. In der Heiligen Schrift wird das Wort Hoffnung nicht in derselben Weise verwendet wie im heutigen Sprachgebrauch. Wir verwenden das Wort, um von etwas zu sprechen, von dem wir uns wünschen, dass es geschieht, aber wir haben keine Garantie, dass es auch wirklich eintritt. In der Bibel ist Hoffnung eine aufgeschobene Gewissheit; sie ist mit Erwartung und Gewissheit verbunden. Deshalb sind wir sicher, dass der Herr kommt, weil die Schrift uns sagt, dass Er wiederkommen wird, um uns zu sich zu holen (Joh 14,2.3).

Paulus hatte die Thessalonicher über das Kommen des Herrn belehrt, und da sie daran glaubten, warteten sie täglich auf sein Wiederkommen. Die unmittelbare Ankunft des Herrn war ihnen also sehr bewusst. Der Beweis dafür, dass dies bei ihnen wirklich der Fall war, zeigt sich in ihrem geduldigen „Ausharren [in] der Hoffnung“. Sie hatten nicht nur Hoffnung, sie hatten „Ausharren“ in ihrer Hoffnung. Das hat damit zu tun, dass sie die Prüfungen und Verfolgungen durch die Widersacher des Christentums auf dem Weg des Glaubens ertragen konnten.

Diejenigen, die nicht echt sind, wollen die Nöte und Beschwernisse, die mit einem christlichen Leben einhergehen, nicht ertragen und werden sich abwenden. Der Herr gibt uns ein Beispiel: „Der aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden aufnimmt; er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur für eine Zeit; wenn nun Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß“ (Mt 13,20.21). So zeigen Prüfungen und Widrigkeiten, wo ein Mensch in seiner Seele wirklich steht. Die Zeit wird dies ans Licht bringen, denn es ist ein großer Prüfstein für die Echtheit des Glaubens.

Diese Gläubigen hatten die Drangsale und Verfolgungen ertragen, die mit ihrer Hoffnung zusammenhingen. Das bewies, dass sie echt waren. Sie hofften nicht darauf, dass sich die politischen Verhältnisse in der Welt verbesserten; auch hofften sie nicht auf irgendetwas anderes, was sich unter den Menschen auf der Erde ereignen würde – ihre Hoffnung war „auf unseren Herrn Jesus Christus“ und darauf, bei seinem Kommen ganz aus der Welt herausgenommen zu werden. Paulus fügt hinzu: „vor unserem Gott und Vater“. Das bedeutet: Er konnte erkennen, dass Gottes Absicht, sie zu retten, in ihrem Leben unter dem wachsamen Auge Gottes wirksam geworden war.

Vers 4

Nach diesen ersten drei Lebenszeichen schließt Paulus mit den Worten:

1Thes 1,4: … wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.

Die drei oben erwähnten Dinge – Glaube, Liebe, Hoffnung – gaben ihm die vollste Gewissheit, dass sie wirklich von Gott auserwählt waren. Diese Tugenden werden (typologisch) in drei von Davids treuen Nachfolgern veranschaulicht:

  • „Jonathan“ zeigte „Werke des Glaubens“ (1Sam 14).
  • „Ittai“ zeigte „Bemühung der Liebe“ (2Sam 15,19-22).
  • „Mephiboseth“ zeigte „Ausharren der Hoffnung“ (2Sam 19,24-30).

Die Gemeinde in Ephesus zeichnete sich dadurch aus, dass sie „Werke“, „Arbeit“ und „Ausharren“ hatte (Off 2,1-7), doch es wird nicht erwähnt, dass sie „Glauben“, „Hoffnung“ und „Liebe“ hatte, die damit einhergehen sollten (Heb 6,9-12). Das deutet darauf hin, dass sie weiterhin den christlichen Weg beschritten und nach außen hin all das taten, was Christen tun sollten, dass ihnen aber die Triebkraft fehlte, die ein solches Leben antreibt. In so einem Fall dauert es gewöhnlich nicht lange, bis das christliche Leben eher zu einer Pflicht als zu einem Vorrecht wird. In diesem Fall werden Prinzipien und Praktiken aufgegeben und der Niedergang setzt ein. Es ist daher absolut notwendig, dass unser inneres Leben mit dem Herrn durch die Gemeinschaft mit Ihm hell brennt.

Es wird oft gesagt, dass es keinen Ersatz für die tägliche Gemeinschaft mit dem Herrn gibt – sie ist die „Lebensader“ des Gläubigen. Wenn diese Gemeinschaft durch irgendetwas unterbrochen wird (z.B. durch Sünde), hat Gott dafür vorgesorgt, dass der Gläubige seine Gemeinschaft mit dem Herrn wiederherstellen kann, indem er sich selbst richtet und seine Sünden vor dem Vater bekennt (1Joh 1,9). Dies ist etwas, was wir Neubekehrten unbedingt ans Herz legen sollten. Ohne dies wird unser christliches Leben schnell scheitern.

4. Gehorsam gegenüber Gottes Wort

Verse 5-7

1Thes 1,5-7: 5 Denn unser Evangelium war nicht bei euch im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit, wie ihr wisst, was wir unter euch waren um euretwillen. 6 Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes, 7 so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaja zu Vorbildern geworden seid.

Paulus sah bei den Gläubigen in Thessalonich noch etwas anderes: ihren Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Dies ist normalerweise ein sicheres Anzeichen dafür, ob eine Person echt ist oder nicht. Paulus und seine Mitarbeiter hatten das Wort Gottes „in Kraft und im Heiligen Geist“ und „in großer Gewissheit“ gepredigt, und die Thessalonicher glaubten es und nahmen es an. Sie erkannten die Wahrheit nicht nur rein verstandesmäßig an; dass sie daran glaubten und darauf vertrauten, veränderte ihr ganzes Leben. Ihr Gehorsam zeigte sich darin, dass sie „Nachahmer“ von Paulus und seinen Mitarbeitern wurden – „und die des Herrn“. Es mag seltsam anmuten: Paulus erwähnt, dass sie seine Nachahmer und die seiner Mitarbeiter wurden, bevor er erwähnt, dass sie Nachahmer des Herrn waren. Normalerweise würden wir denken, dass es andersherum ist. Aber Paulus fügt einfach hinzu: „und die des Herrn“, um zu zeigen: Die eigentliche Quelle ihrer Nachfolge war der Herr selbst. Diese Veränderung im Leben der Thessalonicher war so tiefgreifend, dass sie tatsächlich zu „Vorbildern“ dessen wurden, was Christen sein sollten. Die Gläubigen in Mazedonien und Achaja (Nord- und Südgriechenland) sahen deutliche Anzeichen ihrer Bekehrung.

Im Allgemeinen kann man Folgendes sagen: Wenn jemand bekennt, an den Herrn Jesus Christus als seinen Retter zu glauben, jedoch nicht bereit ist, sein Leben zu ändern, um dem Herrn im Gehorsam gegenüber seinem Wort zu folgen, ist es ganz offensichtlich, dass sein Wille nicht gebrochen ist. Möglicherweise ist so jemand dann gar nicht errettet. Jeder christliche Mitarbeiter muss sich dessen bewusst sein und mit Vorsicht vorgehen, wenn er es mit jemand zu tun hat, der dieses „Lebenszeichen“ des göttlichen Lebens nicht zeigt. Der Herr sagt: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,20).

5. Freude im Heiligen Geist

Vers 6

1Thes 1,6: Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und die des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes.

Der Gehorsam der Thessalonicher gegenüber dem Wort Gottes ging mit „Freude des Heiligen Geistes“ einher. Dies ist ein weiteres Anzeichen der Echtheit, denn wahre Freude geht immer mit wahrem Gehorsam einher (Spr 29,18; Joh 13,17). Obwohl sie wegen ihres Glaubensgehorsams „viel Drangsal“ in Form von Verfolgung erleiden mussten, ertrugen sie dies für Christus bereitwillig und „mit Freude“. Vor allem von den ungläubigen Juden in der Umgebung ging die Verfolgung aus (1Thes 2,14.15). Wenn jemand bereit ist, für seinen Glauben zu leiden, dann ist das ein Zeichen dafür, dass er von diesem Glauben überzeugt ist und ein wahrer Gläubiger ist.

6. Verbreitung des Evangeliums

Vers 8

Nicht nur glaubten die Thessalonicher an das Evangelium, sondern sie verkündigten es auch. Paulus sagt:

1Thes 1,8: Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jedem Ort ist euer Glaube an Gott ausgebreitet worden, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen.

Sie waren so sehr überzeugt von dem, was sie glaubten, dass sie die gute Nachricht anderen weitergeben wollten. Wo immer sie hinkamen, verkündeten sie anderen das Evangelium.

Interessanterweise wird hier (und auch sonst nirgendwo im Neuen Testament) nicht erwähnt, dass diese jungen Christen eine „Ausbildung“ genossen hätten, bevor sie als Prediger „das Wort des Herrn“ verkündigten; sie waren weder auf einer Bibelschule noch auf einem Priesterseminar oder einem theologischen Seminar gewesen und waren auch nicht ordiniert worden. Die Schrift spricht auch nicht davon, dass Männer unter der Aufsicht und Führung eines Missionswerkes zum Predigen auszogen. Diese Einrichtungen, die heutzutage die Evangelisierung prägen, haben zwar die besten Absichten, aber sie neigen dazu, den Diener Gottes zu knebeln. (Wenn jemand die finanzielle Unterstützung des Missionswerkes wünscht, muss er dorthin gehen, wohin er geschickt wird, und die Arbeit tun, die ihm aufgetragen wird. Hat der Diener das Empfinden, dass der Herr ihm andere Anweisungen gibt,  kann es zu Konflikten kommen.) Die Schrift lehrt, dass jeder Christ ein Diener ist und dass jeder Diener auf den Herrn schauen und sich in seiner Arbeit unmittelbar von Ihm durch den Heiligen Geist leiten lassen soll, ohne dass ein Mensch oder eine Instanz dazwischentritt (Apg 13,1-4).

7. Buße und Absonderung vom Bösen

Vers 9

Nachdem die Thessalonicher Christus angenommen und die Güte ihrer neu gefundenen Beziehung zu Ihm geschmeckt hatten, wandten sie sich sofort von ihrem Lebensstil vor der Bekehrung und ihrer Verstrickung in die Sünde des Götzendienstes ab. Paulus sagt:

1Thes 1,9: Ihr habt euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen.

Das zeigt, sie hatten wirklich Buße getan – ein weiteres eindeutiges Anzeichen dafür, dass ihre Bekehrung zu Gott echt war. Jede Bekehrung muss von Buße begleitet sein.

Umgekehrt zeigt jemand, der seinen Lebensstil und seine Sünden aus der Zeit vor der Bekehrung nicht loslassen will, nachdem er ein Glaubensbekenntnis an Christus abgelegt hat, dass er nicht wahrhaftig Buße getan hat. Das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass so jemand überhaupt kein wahrer Gläubiger ist. Buße ist nicht dasselbe wie Errettung, aber ohne Buße gibt es keine Errettung. Diese beiden Dinge gehören zusammen, wie Paulus den Ältesten in Ephesus sagt: „Buße zu Gott und Glauben an unseren Herrn Jesus Christus“ (Apg 20,21; Lk 13,3.5). Moderne Predigten ermutigen zum Glauben an Christus, doch sie legen in der Regel keinen Nachdruck auf Buße. Der Grund dafür: Der Schwerpunkt der Predigt liegt heutzutage darauf, so viele Menschen wie möglich zum Glauben zu bekehren, und Buße (die das Gewissen des Menschen berührt und auf eine Änderung der Lebensrichtung drängt) ist bei vielen unbeliebt und nicht gewollt. Daher neigen Prediger heutzutage dazu, sie zu vernachlässigen.

Beachten wir: Paulus schreibt nicht, dass er ihnen aufgetragen hätte, ihre Götzen fortzuschaffen. Offenbar taten sie dies aus eigenem Antrieb. Da sie wirklich von neuem geboren waren und somit göttliches Leben besaßen, wussten sie von sich aus, dass ihre Götzen mit der Anbetung „des lebendigen und wahren Gottes“ unvereinbar waren. Beachten wir die Reihenfolge: Sie wandten sich von den Götzen zu Gott. Die Freude über die Errettung ihrer Seele erfüllte ihre Herzen so sehr, dass sie jedes Verlangen nach einem Götzen verdrängte.

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein Mensch in unseren aufgeklärten Ländern sich heutzutage vor einem Bild aus Holz oder Stein verbeugt und es anbetet, wie es die Menschen zu biblischen Zeiten taten. Doch Götzendienst gibt es immer noch überall auf der Welt – er ist heute nur ausgeklügelter und subtiler. Im Prinzip ist Götzendienst alles, was das Interesse eines Menschen so weit fesselt, dass er zu einem glühenden Anhänger wird und dass es mehr und mehr seine Aufmerksamkeit einnimmt. Jemand, der ein Götzenbild in sein Herz gelassen hat (Hes 14,3), wird normalerweise der Letzte sein, der das erkennt, denn eine der Auswirkungen des Götzendienstes ist, dass der Götzendiener verblendet ist (Ps 115,4-8). Für einen Christen ist Götzendienst alles, was sich zwischen unser Herz und den Herrn drängt und um unsere Zuneigung buhlt. Christen müssen in dieser Hinsicht vorsichtig sein. Deshalb mahnt der Apostel Johannes: „Kinder, hütet euch vor den Götzen!“ (1Joh 5,21).

Die Thessalonicher wandten sich nicht nur von den Götzen ab, sondern sie taten auch alles, „um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen“. Sie widmeten sich der Verbreitung des Evangeliums und dem Dienst an den Gläubigen usw. – und das, obwohl sie selbst erst jung bekehrt waren! Sie hatten einen neuen Schwerpunkt und eine neue Aufgabe in ihrem Leben.

Vers 10

1Thes 1,10: … und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn.

Sie hatten auch eine neue Ausrichtung und Hoffnung: Sie erwarteten „seinen Sohn aus den Himmeln“. Paulus hatte sie gelehrt, dass der Herr kommen würde, um sie in den Himmel zu holen (die Entrückung), und sie lebten in der Erwartung, dass dies in naher Zukunft geschehen würde. Er lehrte sie auch, dass der Herr „uns von dem kommenden Zorn errettet“, was die eigentliche Hoffnung der Kirche ist. Daher erwarteten sie (zu Recht), bei der Entrückung aus dieser Welt herausgenommen zu werden, bevor der Zorn Gottes über die Welt hereinbrechen würde (Röm 5,9).

Jedes Kapitel des Briefes endet mit einem Hinweis auf das Kommen des Herrn.

Die Entrückung und die Offenbarung (Erscheinung) des Herrn Jesus

In 1. Thessalonicher 1,10 wird das Kommen des Herrn zum ersten Mal in diesem Brief erwähnt. In keinem anderen Brief ist häufiger davon die Rede. Die Schrift deutet an, dass das Kommen des Herrn in zwei verschiedenen Phasen stattfindet. Wenn der Gläubige dies nicht versteht, wird er bestimmt verunsichert sein und sich falsche Vorstellungen über dieses wichtige Thema machen. Der Hauptunterschied zwischen der Entrückung und der Erscheinung:

  1. Bei der ersten Phase seines Kommens holt der Herr die Gläubigen in einem verherrlichten Zustand in den Himmel. Dabei werden die Gläubigen des Neuen und Alten Testamentes aus den Toten in einem verherrlichten Zustand auferweckt und die lebenden Gläubigen in einen verherrlichten Zustand verwandelt; und dann werden alle zusammenn in den Himmel aufgenommen (Mt 25,6.10-13; Joh 14,2.3; 1Kor 15,23.51-56; Phil 3,20.21; 1Thes 4,15-18; 2Thes 2,1; 3,5; Tit 2,13a; Heb 9,28; 10,37; 11,40; Off 1,7; 3,10.11; 22,20). Dieses Ereignis wird als „Entrückung“ bezeichnet; das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „entreißen“.

  2. Bei der zweiten Phase bringt der Herr die verherrlichten Gläubigen mit sich aus dem Himmel, wenn Er erscheint, um die Welt in Gerechtigkeit zu richten und sein Tausendjähriges Reich aufzurichten (Mt 24,27.30.36-41; 25,31; 26,64; 1Thes 3,13; 4,14; 2Thes 1,7-10; 2,8.9; Jud 14.15; Off 11,15; 14,14-16; 16,15; 19,10-21). Dieses Kommen wird „die Offenbarung Jesu Christi“ genannt (2Thes 1,7; 1Pet 1,13) oder „die Erscheinung“ (2Thes 2,8; Mt 24,30; Kol 3,4; Tit 2,13; 2Tim 4,1.8; 1Joh 3,2).

Die alttestamentlichen Gläubigen kannten die Offenbarung – die Erscheinung (Jes 30,27.28; Jud 14.15; Sach 14,5) –, aber sie wussten nichts von einer Entrückung und einer Verherrlichung der Gläubigen; das ist eine rein neutestamentliche Offenbarung (1Kor 15,51-56; Phil 3,20.21; 1Thes 4,15-18). Obwohl der Herr sowohl bei der Entrückung als auch bei seiner Offenbarung aus dem Himmel kommen wird, werden diese beiden Ereignisse zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Weitere Unterschiede sind unter anderem:

  • Die Entrückung findet statt, wenn der Herr für die Gläubigen kommt (Joh 14,2.3); die Erscheinung Christi findet statt, wenn Er mit den Gläubigen kommt, die zuvor bei der Entrückung in den Himmel aufgenommen worden waren (1Thes 3,13; 4,14; Jud 14; Sach 14,5).

  • Die Entrückung findet statt, bevor die siebenjährige Drangsalszeit beginnt (Off 3,10), und die Erscheinung Christi findet „sogleich nach der Drangsal“ statt (Mt 24,29.30).

  • Die Entrückung könnte jederzeit stattfinden (Mt 25,13); die Erscheinung Christi findet frühestens sieben Jahre nach der Entrückung statt (Kol 3,4).

  • Bei der Entrückung wird der Herr im Verborgenen kommen, „in einem Nu“ (1Kor 15,52); bei seiner Erscheinung wird Er öffentlich kommen und alle Augen werden Ihn sehen (Off 1,7).

  • Bei der Entrückung wird Er kommen, um die Gemeinde von dem kommenden Zorn zu retten (1Thes 1,10); bei seiner Erscheinung wird Er kommen, um Israel zu retten (Ps 6,1-4). Die Kirche wird davor bewahrt werden, in die Drangsal zu gehen (Off 3,10); die Juden hingegen werden durch sie hindurchgehen, am Ende jedoch daraus gerettet werden, wenn der Herr die Drangsal zu Ende führt.

  • Bei der Entrückung wird Er für seine Gemeinde in die Luft kommen, weil sie sein himmlisches Volk ist (1Thes 4,15-18); bei seiner Erscheinung wird Er für Israel auf die Erde (den Ölberg) zurückkommen, weil Israel sein irdisches Volk ist (Sach 14,4.5).

  • Bei der Entrückung wird Er die Gläubigen aus der Welt herausnehmen und die Bösen zurücklassen (Joh 14,2.3); bei seiner Erscheinung werden die Bösen zum Gericht aus dem Reich der Himmel herausgenommen werden, und die Gläubigen (diejenigen, die sich durch das Evangelium des Reiches bekehrt haben, das während der Drangsal gepredigt werden wird; vgl Mt 24,14) werden zurückgelassen werden, um den Segen auf Erden [während des Tausendjährigen Reiches] zu genießen (Mt 13,41-43; 25,41).

  • Bei der Entrückung wird Er kommen, um seine Gläubigen (die Kirche) von dem kommenden „Zorn“ zu retten (1Thes 1,10); bei seiner Erscheinung wird Er kommen, um den „Zorn“ zu entfesseln (Off 19,15).

  • Bei der Entrückung wird der Herr als „Bräutigam“ kommen (Mt 25,10); bei der Erscheinung wird Er als „Sohn des Menschen“ kommen (Mt 24,30.37.39.44).

  • Bei der Entrückung wird Er als „Morgenstern“ kommen, der kurz vor Tagesanbruch aufgeht (Off 22,16); bei seiner Erscheinung wird Er als „Sonne der Gerechtigkeit“ kommen, die den Tag anbrechen lässt (Mal 3,20).

  • Bei der Entrückung wird Er ohne Zeichen kommen, denn der Christ wandelt im Glauben und nicht im Schauen (2Kor 5,7); bei der Erscheinung wird sein Kommen von Zeichen begleitet sein, denn die Juden fordern Zeichen (Lk 21,11.25-27; 1Kor 1,22).

Die reformierte Theologie betrachtet die Entrückung und die Offenbarung (Erscheinung) als ein einziges Ereignis. Diese Lehre hat in der Christenheit nichts als Verwirrung in Bezug auf Israel und die Kirche gestiftet. Diese beiden Ereignisse können nicht zur selben Zeit stattfinden, denn nach der Heiligen Schrift finden zwischen ihnen mehrere Dinge statt, die dies praktisch ausschließen.

Ein Beispiel: Wenn der Herr kommt und uns von der Erde abberuft, wird Er uns in das „Haus des Vaters“ bringen und uns offiziell in die himmlische Szene einführen (Joh 14,2.3). Kurz danach wird die Untersuchung am „Richterstuhl“ stattfinden (2Kor 5,10). Danach wird es eine Zeit der Anbetung rund um den Thron im Himmel geben (Off 4–5). Anschließend wird „die Hochzeit des Lammes“ und darauf das „Hochzeitsmahl“ folgen (Off 19,6-10). Erst danach wird der Herr bei seiner Erscheinung aus dem Himmel mit uns auf die Erde kommen (Off 19,11-21). Wenn man nun die Entrückung und die Erscheinung zusammenfasst und sie zu einem einzigen Ereignis macht, bleibt kein Raum für diese Dinge.

Ein anderer verbreiteter Irrglaube über das Kommen des Herrn: Manche Christen denken, Er würde bei der Entrückung wie ein „Dieb in der Nacht“ kommen. Ein sorgfältiger Blick in die Heilige Schrift zeigt jedoch, dass diese Formulierung jedes Mal im Zusammenhang mit seiner Erscheinung vorkommt (Mt 24,43.44; Lk 12,39.40; 1Thes 5,2; 2Pet 3,10; Off 3,5; 16,15). Bei der Entrückung wird der Herr kommen, um die Gemeinde, seine Braut, abzuholen (1Thes 4,15-18). Er kommt dann als „Bräutigam“ (Mt 25,6-10), nicht als „Dieb“. Als Dieb zu kommen, ist nicht die Art und Weise, wie man seine Braut abholt! Außerdem sprechen die Abschnitte, die sich auf das Kommen des Herrn als Dieb beziehen, davon, dass Er das Gericht über die Welt vollstreckt. Das beweist: Hierbei handelt es sich um die Offenbarung Christi (seine Erscheinung) und nicht um die Entrückung, denn bei der Entrückung wird kein Gericht über die Welt vollstreckt; vielmehr werden die Gläubigen lautlos von der Erde weggenommen.

  • In Matthäus 24,43.44 wird das Kommen des Herrn als Dieb mit seinem Kommen als „Sohn des Menschen“ in Verbindung gebracht: Als „Sohn des Menschen“ wird der Herr in der Schrift dargestellt, wenn Er als Richter erscheint (Dan 7,13; Joh 5,27; Off 1,13-16). Im Zusammenhang mit der Kirche wird Er nie als „Sohn des Menschen“ bezeichnet. Dieser Titel wird nicht einmal in den Briefen verwendet, in denen die Kirche angesprochen und unterwiesen wird. (Hebräer 2,6 ist ein Zitat aus dem Alten Testament.)

  • In 1. Thessalonicher 5,2.3 heißt es, dass Christus als Dieb kommt und ein „plötzliches Verderben“ über die Welt der Ungläubigen bringt.

  • 2. Petrus 3,7-10 verbindet sein Kommen als Dieb mit dem „Tag des Gerichts“.

  • In Offenbarung 16,15.16 heißt es, dass der Herr als Dieb kommt, um die Heere zu richten, die sich in Harmagedon versammeln.

  • Außerdem weist das Gleichnis in Lukas 12,36-39 darauf hin, dass der Herr als Dieb kommt, nachdem „die Hochzeit“ stattgefunden hat! Das kann sich nicht auf die Entrückung beziehen, denn dann hätte die Kirche ihre Hochzeit verpasst!


Quelle: The First Epistle of Paul to Thessalonians: Ministry Pertaining to the Care of New Converts
E-Book Version 1.6 (März 2019)

Übersetzung: Stephan Isenberg

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Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Wahrscheinlicher ist, dass Silas lediglich die Kurzform von Silvanus ist.

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