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Leitverse: Markus 3
Inhalt
Heilung einer verdorrten Hand (V.
1-6)
Die Berufung der 12 Jünger
(V. 7-19)
Die Lästerung wider den Geist
(V. 20-30)
Irdische
Verbindungen zählen nicht (V. 31-35)
Aber dieser Gegenstand
enthält noch tiefere Wahrheiten, wie sich am zweiten Sabbat herausstellt. Es
zeigte sich die äußerste Hilflosigkeit des Menschen. Jetzt handelte es sich
nicht nur darum, dass die Jünger Jesu Mangel litten als Zeugnis von Seiner
Verwerfung; denn in der Synagoge, in die Er eintrat, befand sich ein Mensch mit
einer verdorrten Hand. Wie kam es dazu? Was für Gefühle mussten im Herzen sein,
wenn es das Gesetz des Sabbats verteidigte, um die Heilung eines elenden
menschlichen Dulders zu verhindern? Würde Jesus kein Mitleid zeigen, weil ihre
Augen allein darauf gerichtet waren, in Seiner Liebe einen Anklagegrund gegen
Den zu finden, der jedes Leid des Menschen auf der Erde fühlte? Er war da; und
Er besaß die ausreichende Macht, um alles Leid mitsamt seiner Quelle zu
verbannen. Und deshalb ging unser Herr Jesus in diesem Fall, anstatt einfach für
die Schuldlosen einzutreten, kühn voran. Obwohl Er wusste, dass sie Ihn
beobachteten, um Ihn anklagen zu können, antwortete Er inmitten einer mit
Menschen angefüllten Synagoge den bösen Gedanken ihrer Herzen. Er gab ihnen die
gewünschte Gelegenheit. „Und er spricht zu dem Menschen, der die verdorrte
Hand hatte: Stehe auf.“ Nicht das Geringste wurde verheimlicht.
„Er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, an den Sabbaten Gutes zu tun oder Böses zu
tun, das Leben zu retten oder zu töten?“ War Er nicht der vollkommene
Knecht Gottes, der die richtigen Zeitpunkte sehr gut kannte? Hier verteidigte Er
also nicht nur Seine Jünger, sondern Er forderte auch die gottlosen und bösen
Gedanken der Pharisäer in einer offenen Versammlung heraus. Er legte Sein
Zeugnis davon ab, dass Gott kein Gefallen daran hat, wenn man Satzungen einhält,
welche die Entfaltung Seiner Güte behindern. Seine Handlung machte im Gegenteil
kund, dass keine Satzung Gott davon abhalten kann, Gutes zu tun. Seine Natur ist
Güte; mögen die Menschen noch so viel Eifer für Sein Gesetz vortäuschen, um den
Menschen im Elend zu halten und den Fluss der Gnade zu hindern. Die Gebote Gottes
sollten niemals Seine Liebe einschränken. Sie sollten ohne Zweifel die Bosheit
des Menschen zügeln, aber niemals Gott verbieten, Seinen eigenen guten Willen
auszuführen. Aber ach, sie hatten nicht den Glauben, dass Gott wirklich anwesend
war!
Es ist auch bemerkenswert,
obwohl ich dort nicht darauf hingewiesen habe, dass Markus im ersten Kapitel
nicht mit der Beschreibung des Dienstes unseres Herrn Jesus beginnt, ohne Ihn in
Vers 1 als Sohn Gottes vorzustellen. Darauf folgte die Anführung des
prophetischen Ausspruchs, der aufzeigte, dass Er wirklich Jehova war. Der einzige
wahre Knecht war wahrhaft göttlicher Natur. Was für ein bedeutendes Zeugnis von
Seiner Herrlichkeit! Der Anfang des Evangeliums war der rechte Ort für diese
Darlegung, zumal dieser Herrlichkeit im Markusevangelium nicht häufig gedacht
wird. An dieser Stelle möchte ich auch im Vorbeigehen bemerken, dass wir im
Markusevangelium kaum Zitate von Schriftstellen durch den Evangelisten finden.
Ich weiß kein Beispiel, das man anführen könnte, außer diese einleitenden Verse;
denn die Stelle in Kapitel 15,28 stützt sich auf zu unsichere Autoritäten, als
dass man sie uneingeschränkt als Ausnahme ansehen könnte. [1]
Wir finden nicht selten Zitate durch
unseren Herrn oder an unseren Herrn.
Aber die Anwendung der Schrift durch den Evangelisten auf unseren Herrn, die im
Matthäusevangelium so häufig gefunden wird, ist dem Markusevangelium fast
völlig, wenn nicht sogar gänzlich, unbekannt. Ich denke, der Grund dafür ist
klar. Markus sollte nicht die Erfüllung biblischer Zeichen und Hoffnungen
beschreiben, sondern die Erfüllung des Dienstes durch den Herrn. Er beschäftigt
sich deshalb nicht mit dem, was andere früher gesagt hatten, sondern was der
Herr tat. Folglich verschwinden bei einem solchen Thema des Evangeliums
natürlich Anführungen der Schrift und die Erfüllung der Prophetie.
Lasst uns jedoch zum Abschluss des zweiten Sabbat-Tages zurückkehren! Unser Herr blickte mit Zorn umher auf
diese fanatischen Sabbatisten und war, wie gesagt wird, betrübt über die
Verstockung ihrer Herzen. Dann befahl Er dem Menschen, seine Hand auszustrecken.
Sobald er dies tat, war sie geheilt. Diese Güte Gottes, die so öffentlich und
furchtlos von Ihm, der den Menschen diente, bezeugt wurde, fachte sofort die
mörderischen Gedanken der religiösen Führer bis zur Tollheit an. Es ist das
erste Mal im Bericht des Markus, dass in den Pharisäern, indem sie mit den
Herodianern Rat wider Ihn hielten, das Verlangen entstand, Jesus zu töten. Es passte
ihnen nicht, dass jemand, der so gut war, in ihrer Mitte lebte.
Der Herr
zog sich mit Seinen Jüngern an den See zurück. Und nachdem Er viele geheilt und
unreine Geister ausgetrieben hatte, stieg Er auf einen Berg. Er machte als Folge
der Ablehnung durch die Pharisäer einen weiteren Schritt vorwärts. Es ist einer
der Wendepunkte im Markusevangelium — ein Schritt, der weiter geht als alle
Schritte, die Er bisher getan hatte. Nachdem die Pharisäer und Herodianer Ihn zu
vernichten suchten, ergriff Er eine neue Maßregel, indem Er in Seiner
Unumschränktheit die zwölf Apostel berief und ernannte, um sie bei passender
Gelegenheit auszusenden. Er berief sie also nicht nur, damit sie bei Ihm seien,
sondern Er ernannte sie auch in förmlicher Weise für die große Mission, auf die
sie gesandt werden sollten. Der Herr benutzte die Verschwörung zweier großer
Feinde in Israel, der Pharisäer und der Herodianer, als Anlass, um für Sein Werk
Vorsorge zu treffen. Er erkannte in ihrem Hass genau, was Ihm bevorstand.
Tatsächlich wusste Er alles von Anfang an, wie wohl kaum gesagt werden muss.
Trotzdem wurde die Offenbarung ihres mörderischen Hasses das Signal für diesen
neuen Schritt. Er bestellte jene, die Sein Werk fortsetzen sollten in der Zeit,
wenn Er nicht mehr körperlich auf der Erde anwesend sein würde, um es selbst
weiterzuführen. Und so finden wir hier die zwölf Apostel. Er berief sie,
„auf dass sie bei ihm seien, und auf dass er sie aussende zu predigen“
usw. Der Dienst am Wort hat im Markusevangelium immer den höchsten Platz — nicht
die Wunder, sondern die Predigt. Krankenheilungen und das Austreiben der Dämonen
waren nur Zeichen, die das gepredigte Wort begleiten sollten. Nichts könnte
vollständiger sein. Hier finden wir nicht nur die Knechte geschildert, sondern
wir erkennen auch, wie am Anfang dieses Evangeliums, dass der Herr selbst der
wahre Knecht war.
Das war also die Ernennung
derjenigen, die Er für die passende Ausführung Seiner gewaltigen Werke auf der
Erde berufen wollte. Bei diesem Stand der Dinge sehen wir, wie Seine Verwandten
sehr erregt sind durch das, was sie sahen (die Volksmenge) und hörten (keine
Zeit zu essen). Dieses bemerkenswerte und charakteristische Detail erwähnt nur
Markus. „Als seine Angehörigen es hörten, gingen sie hinaus, um ihn zu
greifen; denn sie sprachen: Er ist außer sich.“ Ich vermute: Es waren
hauptsächlich die Folgen Seiner gänzlichen Hingabe, die sie nicht würdigen
konnten; denn kurz vorher wird uns gesagt: „Wiederum kommt eine Volksmenge
zusammen, so dass sie nicht einmal essen konnten.“ Für Seine Angehörigen
war das Vernarrtheit. Sie dachten, Er müsse außer sich sein. Insbesondere die
Angehörigen bekommen diesen Eindruck, wenn die machtvolle Gnade Gottes Menschen
aus allen ihren natürlichen Verbindungen herausruft und absondert. So ist es
immer in dieser Welt. Und selbst der Herr Jesus war, wie wir sehen, nicht sicher
vor den unrechtmäßigen Ansprüchen von Seiten Seiner Verwandten. Aber es kommt
noch schlimmer. Wir hören Seine Feinde, nämlich die Schriftgelehrten von
Jerusalem. „Er hat den Beelzebub“, sagten sie. „Durch den
Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.“ Der Herr ließ sich
herab, mit ihnen zu argumentieren. „Wie kann Satan den Satan austreiben?
Und wenn ein Reich wider sich selbst entzweit ist, so kann jenes Reich nicht
bestehen.“
Daraufhin verkündete unser
Herr ganz ernst ihr Verderben, denn sie waren schuldig — nicht der
Sünde, wie die Menschen gewöhnlich
sagen, sondern — der Lästerung wider
den Heiligen Geist. Einen Ausdruck wie „Sünde gegen den Heiligen Geist“ in
diesem Sinn gibt es nicht. Die Leute sprechen oft davon, aber die Schrift nie.
Der Herr prangerte die Lästerung
gegen den Heiligen Geist an. Wenn man das gut im Auge behalten würde, dann wären
manche Seelen von einem großen Teil ihrer unnötigen Sorgen befreit. Wie viele
haben voller Schrecken geseufzt und gestöhnt aus Angst, der Sünde gegen den
Heiligen Geist schuldig zu sein! Dieser Ausdruck hat nur eine verschwommene
Bedeutung, und man kann viel darüber diskutieren. Aber unser Herr sprach
ausdrücklich von einer unvergebbaren, lästernden Sünde gegen den Heiligen Geist.
Ich nehme an, dass jede Sünde eine Sünde gegen den Heiligen Geist ist, welcher
Seinen Platz in der Christenheit eingenommen hat. Deshalb gibt Er auch jeder
Sünde diesen Charakter. So bedeutet Lügen nicht nur Falschheit gegen Menschen,
sondern auch gegen Gott wegen der großen Wahrheit, dass der Heilige Geist da ist.
Hier jedoch sprach der Herr von einer unvergebbaren Sünde, der Lästerung gegen
den Heiligen Geist, und nicht von jenem verschwommenen Bewusstsein des Bösen,
welches Seelen als „Sünde gegen den Heiligen Geist“ schrecklich beunruhigt. Was
ist dieses Böse, das niemals vergeben wird? Wenn man die Macht, die in Jesus
wirkte, dem Teufel zuschreibt! Wie viele beunruhigte Seelen wären sofort
erleichtert, wenn sie diese einfache Wahrheit für sich in Anspruch nehmen
würden! Dann würde diese Täuschung des Teufels sich sofort auflösen. Denn es
ist wirklich eine Täuschung des Teufels, der sich viel Mühe gibt, um Seelen in
Furcht zu versetzen und, wenn möglich, in die Verzweiflung zu treiben. In
Wirklichkeit kann jede Sünde eines Christen als Sünde gegen den Heiligen Geist
bezeichnet werden. Aber die besondere Sünde gegen den Heiligen Geist, wenn es
überhaupt so etwas gibt, besteht darin, die freie Handlungsweise des Heiligen
Geistes im Werk Gottes oder Seiner Kirche direkt zu behindern. Das mag man als
die Sünde bezeichnen, wenn man sie genau festlegen will. Aber
worauf sich der Herr bezog, war weder eine Sünde noch die Sünde, sondern die
Lästerung wider den Heiligen Geist. Es
war die Sünde, in welche die jüdische Nation mit rasender Geschwindigkeit fiel
und für die sie damals keine Vergebung fand noch jemals finden wird. Es wird,
sozusagen, einen neuen Pflanztrieb geben. Ein anderes Geschlecht wird erweckt
werden, welches den Christus, den ihre Väter lästerten, aufnimmt. Aber soweit es
jenes Geschlecht betraf, so waren sie dieser Sünde schuldig; und ihnen konnte
nicht vergeben werden. Sie begannen damit zu Lebzeiten Jesu. Sie vollendeten
sie, als der Heilige Geist herniedergesandt war und sie Ihn verschmähten. Sie
verfolgten diese Sünde hartnäckig, wie es immer ist, wenn die Menschen einen
schlechten Weg einschlagen und die unumschränkte Gnade sie nicht befreit. Je
mehr Gott an Liebe, Gnade, Wahrheit und Weisheit offenbart, umso entschlossener
und blinder rasen sie in ihr Verderben. So war es bei Israel. So geschieht es
immer bei dem Menschen, der sich selbst überlassen bleibt und die Gnade Gottes
verachtet. „Wer aber irgend wider den Heiligen Geist lästern wird, hat
keine Vergebung in Ewigkeit.“ Es ist die letzte Stufe der Rebellion
gegen Gott. Schon damals lästerten sie den Sohn des Menschen, Jehova selbst.
Schon damals schrieben sie die Macht des Geistes und Seinen Dienst dem Feind zu.
Aber später zeigten sie diese Sünde noch eindeutiger, als der Heilige Geist in
Seinen Knechten wirkte; da wurde die Lästerung vollendet.
Das ist das, worauf sich,
wie ich annehme, dem Grundsatz nach Hebräer 6 bezieht. Hebräer 10 scheint etwas
anderes zu bedeuten. Dort handelt es sich um eine Person, die den Namen des
Herrn bekannt hatte, Ihn trotzdem völlig preisgibt und der Sünde die Zügel
schießen lässt. Das ist eine andere Form der Sünde und des Verderbens.
In dem Fall vor uns im
Markusevangelium hatten die Feinde ihre unbeherrschbare Wut und ihren Hass in
vollster Weise gezeigt. Sie hatten die böseste Beschuldigung gegen jene Macht,
die sie nicht leugnen konnten, ausgestoßen und versuchten sie vor anderen
schlecht zu machen, indem sie sie Satan zuschrieben. Es ist klar, dass danach
jedes weitere Zeugnis völlig umsonst war. Folglich führte unser Herr die
sittliche Grundlage für eine neue Berufung und ein neues Zeugnis ein. Das wahre
Ziel Gottes und die tiefere Absicht im Dienst Jesu werden herausgestellt. Gott
lieferte richtigerweise ein Zeugnis an jenes Volk, in dessen Mitte der Herr
erschienen war und wo Sein Dienst die mächtigen Werke Gottes in Gnade hienieden
offenbart hatte. Aber jetzt gab unser Herr zu verstehen, dass es sich nicht
länger um eine Frage der natürlichen Beziehungen, sondern um die Gnade handelt.
Das zeigte sich in Hinsicht auf Seine Mutter und Seine Brüder, auf die von
einigen Anwesenden hingewiesen wurde. Sie sagten: „Siehe, deine Mutter und
deine Brüder draußen suchen dich. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist
meine Mutter oder meine Brüder? Und im Kreise umherblickend auf die um ihn her
Sitzenden, spricht er: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder; denn wer irgend
den Willen Gottes tun wird, derselbe ist mein Bruder und meine Schwester und
meine Mutter.“ Kurz gesagt: Er anerkannte hinfort niemanden mehr wegen
irgendeiner Verbindung mit Ihm nach dem Fleisch. Die einzige Grundlage einer
Beziehung zu Ihm war jetzt das übernatürliche Band der neuen Schöpfung. Es ging
darum, ob der Wille Gottes getan wurde. Nur dann hilft die Gnade; „das
Fleisch nützt nichts“ (Joh 6,63).
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[1] Vgl. überarbeitete Fassung des „Elberfelder Neuen Testamentes“ von
1996
(Übs.).
Aus Lectures Introductory to the
Study of the Gospels
Heijkoop, Winschoten, NL, 1970
(im Deutschen herausgegeben und übersetzt von J. Das)
Die Zwischenüberschriften stammen von SoundWords
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