Der erste Brief des Paulus an Timotheus
Einleitung

Stanley Bruce Anstey

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Der Zweck des Briefes

Das Anliegen des Apostels Paulus in diesem Brief ist, dass die Christen in der richtigen Ordnung im Haus Gottes leben und so der Welt ein Zeugnis vom wahren Charakter Gottes als Retter- und Schöpfergott geben. Paulus erteilt Timotheus einen apostolischen Auftrag, die Gläubigen dementsprechend in Lehre und Praxis anzuleiten.

Damit Timotheus den Gläubigen die moralische Ordnung des Hauses darlegen kann, muss er sie selbst klar verstehen. Deshalb sagt Paulus: „Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten soll im Haus Gottes“ (1Tim 3,14.15). Paulus fährt also fort, Timotheus die moralische Ordnung des Hauses nach dem Willen Gottes darzulegen, damit Timotheus ein Muster hat, mit dem er arbeiten kann, um die Gläubigen zu einem Verhalten anzuleiten, das dem Haus angemessen ist. Gott hat diesen inspirierten Brief für uns aufbewahrt, damit wir das Muster seines Hauses in den Händen halten und somit wissen, wie wir uns darin verhalten sollen.

Was ist das Haus Gottes im Christentum?

Wir könnten fragen: „Was ist das Haus Gottes?“ Die einfachste Antwort lautet: Es ist das Volk Gottes. Gottes Volk ist Gottes Haus in der christlichen Haushaltung.

In alttestamentlichen Zeiten war das Haus Gottes ein buchstäbliches Gebäude aus Steinen und Holz und mit Gold überzogen (1Kön 5–6). Weil das Haus Gottes in alttestamentlichen Zeiten ein buchstäbliches Gebäude war, denken einige, dass es auch etwas Äußerliches und Physisches ist – wie der Versammlungsraum oder die Kapelle, wo Christen sich zur Anbetung und zum Dienst [am Wort] im Christentum treffen – aber das stimmt nicht. Gottes Haus ist heute kein buchstäbliches Gebäude, das von Menschenhänden errichtet ist; es ist ein „geistliches Haus“, das aus Gläubigen besteht, die an den Herrn Jesus Christus glauben und als „lebendige Steine“ in seinem Bau betrachtet werden (Heb 3,6; 1Pet 2,5).

Wie bereits erwähnt, besteht das Haus Gottes im Christentum aus dem Volk Gottes. Aber da das Haus schon sehr früh in der Geschichte des christlichen Zeugnisses vom Verderben heimgesucht worden ist und es in dem Haus sowohl eine Mischung aus wahrhaft an Gott gläubigen Menschen als auch aus bloß bekennenden Menschen gibt, stellt die Heilige Schrift das Haus Gottes unter zwei Aspekten dar.

Zwei Aspekte des Hauses Gottes

Wie Gott früher in seinem Haus wohnte, so wohnt Er heute in und bei [unter] den Gläubigen (Eph 2,22; Joh 14,17). Wie bereits erwähnt, gibt es in der Heiligen Schrift zwei Aspekte dazu:

  • Erstens werden die Gläubigen als „lebendige Steine“ in Gottes „geistlichem Haus“ gesehen (1Pet 2,5; 1Kor 3,9b). Das Haus wird in dieser Hinsicht als im Bau befindlich betrachtet; es ist erst dann vollendet, wenn der letzte Gläubige errettet und in das Bauwerk eingefügt ist (Eph 2,20.21). Daraufhin wird der Herr kommen und die Gemeinde bei der Entrückung in die Herrlichkeit heimholen. Christus ist der Baumeister (Mt 16,18) und Verwalter (Eph 3,9) des Baus. Er ist auch der „Sohn über sein Haus“ (Heb 3,6).
  • Zweitens wird das Haus Gottes als „die Wohnung Gottes“ auf der Erde gesehen (Eph 2,22; 1Tim 3,15; 1Kor 3,9b). In diesem Sinn wohnt Gott gegenwärtig im Haus und die Menschen haben ihren Anteil am Bau des Hauses. Die einen bauen mit gutem und die anderen mit schlechtem Material (1Kor 3,9-17). Infolgedessen ist viel Unordnung in das Haus gekommen, und nun ist es wie ein „großes Haus“ voller Verwirrung und Verderben geworden. Das Haus besteht in dieser Hinsicht aus einer Mischung von wahren und nur bekennenden Gläubigen (1Kor 3,17; 2Tim 2,20; 1Pet 4,17). Da der Heilige Geist im Haus wohnt, sind die falschen bekennenden Christen, die sich ebenfalls dort befinden, äußerlich (oberflächlich) „des Heiligen Geistes teilhaftig“, ohne dass der Geist tatsächlich in ihnen wohnt (Heb 6,4; vgl. vorbildlich 2Mo 30,25-29 mit 2Mo 30,30).

Einige Unterschiede zwischen den beiden Aspekten

  • Der erste Aspekt betrachtet das Haus als ein Haus, das nur aus wahren Gläubigen besteht. Der zweite Aspekt sieht sowohl wahre Gläubige als auch nur bekennende Gläubige gemischt. Dementsprechend wird in der Schrift keine örtliche Versammlung jemals als Haus Gottes bezeichnet; das Haus Gottes ist ein größerer Bereich als die örtliche Versammlung. In diesem zweiten Aspekt umfasst es das gesamte christliche Bekenntnis auf der Erde.
  • Im ersten Aspekt wird das Haus Gottes von der Seite der Souveränität Gottes her betrachtet (Eph 2,20.21), im zweiten Aspekt von der Seite der Verantwortung des Menschen her (1Pet 4,17).
  • In der ersten Bedeutung ist Christus der Baumeister (Mt 16,18); in der zweiten werden die Menschen als Mitarbeiter am Bau betrachtet (1Kor 3,11-15).
  • In der ersten Bedeutung werden die Menschen Teil des Hauses, indem sie an das Evangelium glauben; in der zweiten kommen die Menschen in das Haus, indem sie ein Bekenntnis an Christus ablegen (2Tim 2,19) oder indem sie getauft werden (was das formale Mittel ist, um in das Haus einzutreten).
  • In der ersten Hinsicht sind die Gläubigen das Haus (Heb 3,6; 1Pet 2,5); in der zweiten Hinsicht sind die Gläubigen (und die falschen Glaubensbekenner) in dem Haus (1Tim 3,15; 2Tim 2,20).
  • Im ersten Aspekt des Hauses wohnt der Geist Gottes „in“ den Gläubigen (Joh 14,17; Apg 2,4); im zweiten Aspekt wohnt der Geist Gottes sowohl „in“ als auch „bei“ [oder unter] den Gläubigen (Joh 14,17; Apg 2,2; 1Kor 3,16.17).
  • Der erste Aspekt beschreibt das Haus Gottes nach den Gedanken Gottes, wogegen der zweite Aspekt mehr das Haus dem äußeren Bekenntnis nach beschreibt.

Das Haus Gottes im Alten Testament bestand aus zwei nebeneinander liegenden Gebäuden: dem Haus des HERRN (1Kön 5–6) und dem Haus des Königs Salomo (1Kön 7). Diese beiden Gebäude sind ein Sinnbild für die beiden Aspekte des Hauses Gottes heute. Das Haus des HERRN (der Tempel) war offen für alle, die zu Gott kamen, um Ihn anzubeten, und hatte sogar einen Vorhof für die Heiden. Allerdings hatten nicht alle, die in den Tempel gingen, zwangsläufig wahren Glauben. Es ist ein Bild für den zweiten Aspekt des Hauses Gottes heute, in dem es eine Mischung aus wahren Gläubigen und bloßen Bekennern gibt. Salomos eigenes Haus war eine Reihe miteinander verbundener Gebäude, die für alle außer ihm und seiner Familie verschlossen waren. Nichtjuden, die das Land besuchten, und andere in Israel hatten keinen Zugang zu diesem Haus. Es ist ein Typus für den ersten Aspekt des Hauses, das nur aus wahren Gläubigen besteht – aus denjenigen, die zur Familie Gottes gehören.[1]

Das Haus Gottes – ein Gefäß des Zeugnisses

Die beiden Hauptbegriffe, mit denen der Geist Gottes die Kirche Gottes in der Heiligen Schrift beschreibt, sind der Leib Christi und das Haus Gottes. Die Kirche als Leib Christi kommt nur in vier Briefen vor – im Römerbrief, im ersten Korintherbrief, im Epheserbrief und im Kolosserbrief –, aber die Kirche als Haus Gottes findet sich in fast allen Briefen. Das Haus Gottes nimmt daher einen weitaus größeren Teil des Neuen Testamentes ein. Der Hauptgedanke bezüglich des Leibes Christi ist die sichtbare Einheit, während der Hauptgedanke bezüglich des Hauses Gottes das öffentliche Zeugnis ist.

Die Kirche, als Haus betrachtet, ist das Gefäß, durch das Gott auf der Erde dargestellt wird. Wie bereits erwähnt, besteht die große Aufgabe des Hauses Gottes darin, den wahren Charakter Gottes vor der Welt darzustellen. Der Apostel Petrus zeigt dies in seinem ersten Brief. Nachdem er von Gottes Haus als einem „geistlichen Haus“ gesprochen hat, sagt er, dass diejenigen, die es bilden, „die Tugenden dessen verkündigen“ sollen, der sie „aus der Finsternis zu seinem wunderbares Licht“ gerufen hat (1Pet 2,5-9). Die Menschen sollen das Haus Gottes anschauen und Gott erkennen können. Wir können bestimmte Dinge über den Bewohner eines Hauses erfahren, wenn wir sein Haus betrachten. Wenn der Garten ungepflegt ist, Müll herumliegt, das Haus gestrichen werden muss usw., können wir daraus schließen, dass es im Inneren wahrscheinlich genauso aussieht, und das gibt uns Aufschluss darüber, was für ein Mensch der Besitzer ist. Umgekehrt können wir aus einem gepflegten Haus (aus dem, was wir sehen) schließen, dass der Besitzer wahrscheinlich ein ordentlicher Mensch ist. Daher haben wir auch Einblick in seinen Charakter. Gott möchte, dass es mit seinem Haus genauso ist; Er möchte, dass sein Charakter in der Ordnung seines Hauses deutlich zu erkennen ist.

Da das Volk Gottes das Haus Gottes ist, sollte die Welt auf uns schauen können – was unseren Charakter und unser Verhalten betrifft – und den wahren Charakter Gottes erkennen. Wie bereits erwähnt, hat das Haus Gottes mit dem öffentlichen Zeugnis Gottes auf der Erde zu tun; der Schwerpunkt dieses Briefes liegt auf dem Äußeren – auf dem, was von den Menschen gesehen wird. Daher befasst sich der Brief nicht mit den inneren Vorrechten der Versammlung. J.N. Darby sagt:

Überall handelt es sich hier um das, was äußerlich einem aufrichtigen Wandel angemessen ist, um das, was sich geziemt, sei es im Blick auf die Stellung der Einzelnen, sei es der Welt gegenüber. […] Der Apostel [gibt] die Anweisungen hier nur im Blick auf die äußere Ordnung, auf die Aufrechthaltung dessen, was in den Augen aller Menschen ehrbar ist.[2]

Diese Seite der Wahrheit wird oft vernachlässigt. Christen sagen oft: „Gott kümmert sich nicht darum, wie wir äußerlich aussehen; es kommt darauf an, was im Inneren ist.“ Manchmal wird 1. Samuel 16,7 zitiert, um das zu untermauern: „Der Mensch sieht auf das Äußere, aber der HERR sieht auf das Herz.“ Aber gerade dieser Vers unterstreicht nur, dass wir auf unser äußeres Zeugnis achten müssen. Da die Menschen nicht sehen können, was in unserem Herzen ist – das kann nur Gott –, müssen sie auf das Äußere achten. Und was lernen sie über Gott, wenn sie uns betrachten? Sicherlich ist es das Wichtigste, eine innere Beziehung zu Gott zu haben durch den Glauben (ein Leben in Gemeinschaft), aber das ist nicht das Einzige, worum sich Christen kümmern sollten. Wir haben eine Verantwortung dafür, wie wir vor der Welt gesehen werden und wie unser persönliches Zeugnis auf Gott zurückfällt. Das ist die Last des Apostels in diesem Brief.

Der Charakter des Hauses Gottes

Da der Hauptzweck des Hauses Gottes darin besteht, den wahren Charakter Gottes vor der Welt darzustellen, besteht die Aufgabe des Christen in der Welt darin, seinen Charakter auf zweierlei Art zu offenbaren:

  • Als Heiland-Gott: Seine Haltung der Gnade gegenüber allen Menschen sollte „zu seiner Zeit verkündigt werden“ (1Tim 2,3-6). Aus Gottes Haus soll „das Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes“ gehört werden (1Tim 1,11).
  • Als Schöpfergott: Seine moralischen Maßstäbe sollen vor allen Menschen offenbart werden (moralische Verhaltensnormen sind keine christliche Offenbarung; sie werden von den Menschen seit Anbeginn der Schöpfung erwartet). Da die Heiligkeit zum Haus Gottes gehört (Ps 93,5), sind alle in diesem Haus dafür verantwortlich, die Heiligkeit in ihrem Leben zu bewahren (auf die Frömmigkeit/Gottseligkeit wird in diesem Brief mehrfach angespielt; deshalb wird er auch „Brief der praktischen Frömmigkeit/Gottseligkeit“ genannt).

Diese beiden Themen ziehen sich durch den gesamten Brief. Das erste Thema – Gott ist der Heiland-Gott – bezieht sich auf das Zeugnis, das wir aussprechen. Das zweite Thema – Gott ist der Schöpfergott – bezieht sich auf das Zeugnis, das wir ausleben. Da ein Haus seinen Charakter von seinem Bewohner erhält, sollen sowohl Gottes Gesinnung gegenüber den Menschen als Rettergott als auch seine Rechte als Schöpfer in denen zum Ausdruck kommen, die sein Haus bilden.

Die Gläubigen sind zu jeder Zeit im Haus Gottes

Als Teil des Hauses Gottes befinden sich Christen immer darin – nicht nur, wenn sie mit anderen Christen in Bibelstunden versammelt sind, wie man gemeinhin denkt. Da wir immer im Haus Gottes sind, sind wir dafür verantwortlich, Gott jederzeit zu repräsentieren. Daher gelten die Dinge, auf die Paulus in diesem Brief in Bezug auf Lehre und Praxis besteht, für Gläubige in allen Bereichen ihres öffentlichen Lebens. Dies geschieht durch die Verkündigung des Evangeliums von der Gnade und der Herrlichkeit Gottes an alle, denen wir begegnen, und durch die Einhaltung seiner moralischen Verhaltensnormen in unserem Leben.

Der Verfall des Hauses Gottes in der heutigen Zeit

Gott hat die Sorge für sein Haus in der Zeit der Abwesenheit des Herrn den Menschen übertragen (Mt 24,45). Leider haben sie seine Ordnung missachtet und eine eigene Ordnung eingeführt. Infolgedessen sind alle möglichen Dinge in das Haus eingeführt worden, die dort in Wirklichkeit nichts zu suchen haben – und viel Unordnung ist  die Folge. Heute herrscht im Haus Gottes so viel Ruin und Verwirrung, dass nur noch sehr wenig übrig ist, was dem in seinem Wort gegebenen Muster ähnelt. Paulus vergleicht den gegenwärtigen Zustand des Hauses mit „einem großen Haus“, das voller Unordnung ist (2Tim 2,20). Das Haus eines jeden Menschen hat eine bestimmte Ordnung, und bei dem Haus Gottes ist es nicht anders. Es wäre fehl am Platz, wenn jemand in das Haus eines anderen Menschen käme und dort die Ordnung verändern oder stören würde. Doch genau das haben Christen (und bekennende Christen) in Gottes Haus getan. Gott ist das nicht gleichgültig, sondern Er übt heute in seinem Haus auf eine regierungsmäßige Art und Weise Gericht aus (1Pet 4,17; 1Kor 11,30-32).

Im ersten Brief an Timotheus wird sorgfältig auf die richtige Ordnung im Haus Gottes hingewiesen. Wir lernen daraus, was Gottes Wunsch in Bezug auf seine Ordnung ist. Im zweiten Brief des Paulus an Timotheus sehen wir Gottes gnädige Vorsorge, wenn das Haus in Unordnung geraten ist. Wir lernen daraus, dass es einen Weg für die Gläubigen inmitten von Niedergang und Versagen gibt.

Zur Zeit der Abfassung des ersten Briefes hatte der Verfall des christlichen Zeugnisses bereits begonnen. „Einige“ hatten sich bereits von der Wahrheit abgewandt (1Tim 1,6.19). Paulus warnte, dass der Verfall weitergehen würde (1Tim 4,1). Der Unterschied zwischen den beiden Briefen besteht darin, dass im ersten Brief die Masse der Christen gesehen wird, die ihrer Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Haus Gottes gerecht werden will, auch wenn einige wenige abgewichen sind. Im zweiten Brief ist es umgekehrt: Die Masse der Christen ist abgewichen (2Tim 1,15) und nur wenige sind treu geblieben (2Tim 1,16-18; 4,11).

Der persönliche Charakter des Timotheus

Da Timotheus ein junger Mann war (1Tim 4,12), denken einige, dieser Brief sei für junge Menschen geschrieben worden, die mit den Problemen der Jugend zu kämpfen hätten – mit den Versuchungen der Welt, des Fleisches und des Teufels. Diesen Brief jedoch so zu lesen, als enthielte er Ratschläge für weltliche junge Menschen, bedeutet, ihn aus seinem Kontext herauszunehmen. Er wurde eindeutig nicht zu diesem Zweck geschrieben – obwohl man gewisse Anwendungen machen könnte (Ps 119,96). Timotheus war kein leichtsinniger und gleichgültiger junger Christ, der mit den Problemen der Jugend zu kämpfen hatte; er war ein „Mensch Gottes“, der im Dienst seines Meisters arbeitete (1Tim 6,11; 2Tim 3,17). Paulus konnte von ihm sagen: „Ich habe keinen Gleichgesinnten, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird; denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. Ihr kennt aber seine Bewährung, dass er, wie ein Kind dem Vater, mit mir gedient hat an dem Evangelium“ (Phil 2,20-22). Der Kontext und die wichtigste Auslegung des Briefes ist also die, dass der Apostel einem gottesfürchtigen jungen Diener, dem die Interessen Christi am Herzen liegen, einen Auftrag gibt. Da es sich um einen Hirtenbrief handelt, ist er voll von Ratschlägen und Ermutigungen des Apostels an Timotheus für die Arbeit, die der Herr ihm aufgetragen hat.

Die Hirtenbriefe

Der erste Timotheusbrief ist der erste der vier „Hirtenbriefe“ des Paulus. Sie stehen in unseren Bibeln zusammen: erster und zweiter Timotheusbrief, Titusbrief und der Philemonbrief. (Der Apostel Johannes schrieb ebenfalls zwei inspirierte „pastorale“ Briefe: den zweiten Johannesbrief und den dritten Johannesbrief.) Diese „Hirtenbriefe“ des Paulus haben einen anderen Charakter als seine vorherigen neun Briefe. Die Hirtenbriefe sind an bestimmte Personen gerichtet und enthalten persönliche und gottesfürchtige Ratschläge für diejenigen, an die sie geschrieben sind, während die anderen Briefe an eine Versammlung oder an eine Gruppe von Versammlungen gerichtet sind (z.B. der Galaterbrief). Man nimmt an, dass auch der Hebräerbrief zu den Paulusbriefen gehört; dies lässt sich aus den inneren Anzeichen und dem Stil seiner Abfassung sowie aus einer Bemerkung des Apostels Petrus (2Pet 3,15.16) ableiten. Er ist nicht an eine Versammlung oder an eine Einzelperson gerichtet, sondern an Juden, die sich zum Christentum bekannten. Er wird als „allgemeiner“ Brief eingestuft und wurde an die Hebräer geschrieben, wo immer sie sich auf der Erde befanden (vor allem aber an diejenigen im Land Israel). Der Hebräerbrief steht in unseren Bibeln zusammen mit den letzten sieben allgemeinen Briefen.

Die allgemeine Gliederung des Briefes

Der erste Brief an Timotheus besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist die Einleitung in Kapitel 1, wo Paulus Timotheus seinen apostolischen Auftrag erteilt. Der zweite Teil besteht aus den Kapiteln 2 bis 6, die den Hauptteil des Briefes ausmachen. In diesen Kapiteln gibt Paulus das Muster für die moralische Ordnung des Hauses Gottes vor. Er geht auf die drei Hauptbereiche von Vorrechten und Verantwortung im Haus ein und legt das richtige moralische Verhalten für jeden einzelnen Bereich fest.

  • Kapitel 1: Der apostolische Auftrag des Paulus an Timotheus.
  • Kapitel 2: Paulus spricht das Thema Priestertum im Haus Gottes an.
  • Kapitel 3: Paulus spricht das Thema Amt im Haus Gottes an.
  • Kapitel 4: Paulus spricht über die Ausübung von Gaben im Haus Gottes.
  • Kapitel 5 und 6: Zusätzlich zu diesen drei Bereichen von Vorrechten und Verantwortung spricht Paulus die Gemeinschaft im Haus Gottes an. In diesen beiden letzten Kapiteln geht er auf etwa zwölf verschiedene Beziehungen ein, die wir im Haus miteinander haben, und gibt das richtige Verhalten für jede Beziehung an.

Quelle: The First Epistle of Paul to Timothy: The Order of God’s House
E-Book-Version 1.5 (März 2019)

Übersetzung: Stephan Isenberg

Anmerkungen

[1] Siehe J.N. Darby, Betrachtungen über das erste Buch der Könige (Synopsis), Kapitel 5–7.

[2] J.N. Darby, Betrachtung zu 1. Timotheus (Synopsis),  Kapitel 5. Quelle: bibelkommentare.de.

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