DIE GRUNDSÄTZE DES KÖNIGREICHS – TEIL 1
Verse 1-2
Mt 5,1-2: 1 Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
In der sogenannten Bergpredigt verkündigt unser Herr nicht das Evangelium, sondern Er offenbart die Grundsätze seines Reiches. Diese Grundsätze sollen das Leben aller leiten, die sich als seine Jünger bekennen. Mit anderen Worten: In der Bergpredigt wird das Gesetz des Reiches Gottes dargelegt. Die treuen Untertanen des Reiches zeichnen sich dadurch aus, dass sie dieses Gesetz befolgen, während sie auf den Tag warten, an dem der König selbst offenbart wird. Die Bergpredigt sagt klar, dass es Widerstand gegen seine Herrschaft gibt. Doch diejenigen, die seine Autorität in ihrem Leben anerkennen, werden aufgefordert, denselben sanftmütigen und demütigen Geist zu zeigen, den Er während seiner Erniedrigung hier auf der Erde offenbart hat.
Für den natürlichen Menschen ist die Bergpredigt nicht der Weg zum Leben, sondern eine Grundlage zur Verdammnis, denn sie legt einen so hohen und heiligen Standard fest, dass kein unerlöster Mensch ihn auf irgendeine Weise erreichen kann. Jeder ehrliche und gewissenhafte Mensch wird bald seine Hilflosigkeit erkennen, wenn er versucht, diesen Maßstab zu erfüllen. Er muss an anderer Stelle in der Heiligen Schrift nach dem Evangelium suchen, das die Kraft Gottes ist, die alle rettet, die glauben (Röm 1,16 „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“). Selbst die schärfsten Denker der Welt erkannten in der Bergpredigt die höchste ethische Lehre und priesen ihre heiligen Gebote, auch wenn ihnen bewusst war, dass sie diesen Maßstäben selbst nicht genügen konnten. Was die Unerretteten betrifft, so wird die hier dargelegte Lehre tatsächlich, wie C.I. Scofield treffend sagte, zu einem „das Gesetz in seiner höchsten Potenz“. So wie sich die gerechten Forderungen des Gesetzes „in uns [den Gläubigen], die nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln“ (Röm 8,4), erfüllen, so werden sich auch die in der Bergpredigt dargelegten Grundsätze im Leben all derer zeigen, die danach streben, so zu wandeln, wie Christus wandelte.
Es steht uns nicht zu, all diese Gesetze oder Grundsätze ausschließlich auf den jüdischen Überrest in den letzten Tagen oder auf die Jünger vor dem Kreuz zu beziehen, auch wenn es auf beide zutrifft. Aber wir erkennen hier „die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus“ (1Tim 6,3 SCHL2000), deren Befolgung wir nicht verweigern dürfen. In 1. Timotheus 6,4 „so ist er aufgeblasen und weiß nichts, sondern ist krank an Streitfragen und Wortgezänken, aus denen entsteht: Neid, Streit, Lästerungen, böse Verdächtigungen,“ finden wir die Beschreibung eines Menschen, der sich weigert, den gesunden Worten zu gehorchen: Er ist „aufgeblasen und weiß nichts, sondern ist krank an Streitfragen und Wortgezänken, aus denen entsteht: Neid, Streit, Lästerungen, böse Verdächtigungen“. Wir sollten immer wieder daran denken, dass wir, obwohl wir ein himmlisches Volk sind, irdische Verantwortlichkeiten haben. Diese werden in der größten aller Predigten, die das menschliche Verhalten betreffen, für uns klar definiert.
Die Seligpreisungen (V. 3-12)
Vers 3
Mt 5,3: Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
„Glückselig sind die Armen im Geist.“ Das sind Männer und Frauen, die erkennen, dass sie keine geistlichen Schätze besitzen. Sie erkennen ihren verlorenen Zustand an und vertrauen auf die göttliche Gnade.
Vers 4
Mt 5,4: Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Gerade Zeiten des Kummers erweisen sich als Segen, wenn Menschen den „Gott allen Trostes“ (2Kor 1,3) kennen, der nahe ist „denen, die zerbrochenen Herzens sind“ (Ps 34,19 „Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.“). Wenn wir seiner Liebe vertrauen und in der Gewissheit ruhen, dass alle Dinge zu unserem Wohl zusammenwirken (Röm 8,28 „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.“), kann Gott unseren Kummer zu einem Hilfsmittel werden lassen, damit wir in der Gnade wachsen.
Vers 5
Mt 5,5: Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Die Welt bewundert selbstbewusste, durchsetzungsfähige Menschen. Jesus Christus hingegen war sanftmütig und von Herzen demütig. Diejenigen, die an seinem Geist teilhaben, erfahren das Beste im Leben. Sie sind es, die „das Land erben“, denn sie erkennen in der gesamten Schöpfung die Liebe und Fürsorge des Vaters.
Vers 6
Mt 5,6: Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Ein solcher Hunger und Durst – ein so tiefes und ernsthaftes Verlangen – ist ein Beweis für das neue Leben. Dieses Verlangen ist uns nicht gegeben, um uns zu verhöhnen. Seine Erfüllung ist denen verheißen, die sich nach Gott sehnen, in dem allein wahre Gerechtigkeit zu finden ist.
Vers 7
Mt 5,7: Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit zuteilwerden.
Wer Barmherzigkeit übt, dem wird auch Barmherzigkeit widerfahren. Das ist ein Gesetz im Reich Gottes. Ein harter, unnachgiebiger Mensch, der nur nach strenger Gerechtigkeit handelt, wird auf dieselbe Weise behandelt werden, wenn er selbst einmal versagt.
Vers 8
Mt 5,8: Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen.
Reinheit bedeutet, nur ein einziges Ziel zu haben. Diejenigen, die reinen Herzens sind, stellen die Herrlichkeit Gottes über alles andere. Ihnen offenbart Er sich selbst. Sie schauen sein Angesicht, während andere nur seine Vorsehung erfahren.
Vers 9
Mt 5,9: Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Streit und Spaltung sind Werke des Fleisches (Gal 5,19-21 „(19) Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinheit, Ausschweifung, (20) Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, (21) Neid, [Totschlag,] Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, wie ich [auch] vorhergesagt habe, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.“). Zwietracht unter Brüdern zu säen, gehört zu den Dingen, die der Herr hasst (Spr 6,16-19 „(16) Sechs sind es, die der HERR hasst, und sieben sind seiner Seele ein Gräuel: (17) hohe Augen, eine Lügenzunge, und Hände, die unschuldiges Blut vergießen; (18) ein Herz, das böse Pläne schmiedet, Füße, die schnell zum Bösen hinlaufen; (19) wer Lügen ausspricht als falscher Zeuge, und wer Zwietracht ausstreut zwischen Brüdern.“). Uns ist geboten, dem nachzujagen, was zum Frieden beiträgt (Röm 14,19 „Also lasst uns nun dem nachstreben, was zum Frieden und was zur gegenseitigen Erbauung dient.“). Wenn wir das tun, offenbaren wir die göttliche Natur als Kinder dessen, der der Gott des Friedens ist (Röm 15,33 „Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen! Amen.“).
Vers 10
Mt 5,10: Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Dieser Vers macht deutlich, dass die hier dargelegte Anweisung nicht, wie von einigen behauptet wird, für das Tausendjährige Reich Christi gedacht ist, wenn es keine Verfolgung um der Gerechtigkeit willen geben wird. Vielmehr richtet sich diese Anweisung an die Jünger Christi in der Zeit seiner Verwerfung, wenn seine Anhänger dem Hass einer gottlosen Welt ausgesetzt sind.
Vers 11
Mt 5,11: Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen.
Wir alle schrecken vor falschen Anschuldigungen zurück. Doch können wir Trost darin finden, dass selbst unser Herr davon nicht ausgenommen war. Es ist ein Segen, wenn wir in Gemeinschaft mit Ihm solche Erfahrungen machen und nicht einmal versuchen, uns selbst zu rechtfertigen, sondern es Ihm überlassen, uns auf seine Weise und zu seiner Zeit zu rechtfertigen.
Vers 12
Mt 5,12: Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.
„Freut euch und frohlockt“ – anstatt in Niedergeschlagenheit zu verfallen –, „denn euer Lohn ist groß in den Himmeln.“ Gott nimmt alles zur Kenntnis, was sein Volk durch die Hand oder den Mund einer gottlosen Welt oder falscher Brüder erleidet. Er wird alles auf seine Weise ausgleichen und wiedergutmachen, wenn wir sein Angesicht sehen. Seine Propheten mussten in jedem Zeitalter Ähnliches ertragen, doch Er hat alles gesehen und wird nach der Güte seines Herzens vergelten.
Im nächsten Abschnitt werden die Jünger Christi durch verschiedene Symbole beschrieben. Sie alle verdeutlichen, wie wichtig es ist, dem Vertrauen, das Er uns entgegenbringt, treu zu sein.
Salz und Licht (V. 13-16)
Vers 13
Mt 5,13: Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
„Ihr seid das Salz der Erde.“ Salz bewahrt vor Verderbnis. Die Jünger unseres Herrn sind in der Welt zurückgeblieben, um Zeugnis gegen die Ungerechtigkeit abzulegen und ein Beispiel für Gerechtigkeit zu geben. Geschmackloses Salz ist wie ein inkonsequenter, wankelmütiger Christ: Es ist zu nichts mehr nütze.
Verse 14-16
Mt 5,14-16: Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Lampenständer, und sie leuchtet allen, die im Haus sind. 16 Ebenso lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.
„Ihr seid das Licht der Welt.“ Während Christus in dieser Welt war, bezeichnete Er sich selbst so (Joh 9,5 „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“). In seiner Abwesenheit sollen seine Jünger als Lichter in dieser dunklen Welt für Ihn zeugen (Phil 2,15 „damit ihr untadelig und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr scheint wie Lichter in der Welt,“). Das Licht deckt die Übel auf, die in der Finsternis verborgen sind (Eph 5,13 „Alles aber, was bloßgestellt wird, wird durch das Licht offenbar gemacht;“).
„Die Lampe … auf dem Lampenständer … leuchtet allen, die im Haus sind.“ Wer bekennt, ein Nachfolger Christi zu sein, sein Licht aber unter den Scheffel stellt – das heißt, sein Zeugnis durch übermäßige Beschäftigung mit den Angelegenheiten dieses Lebens verdunkelt –, hinterlässt in seiner Umgebung keinen guten Eindruck. Wer hingegen konsequent und mit ganzem Herzen für Christus lebt, leuchtet wie eine Lampe auf einem Leuchter und erhellt das ganze Haus.
„Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen.“ Ein bloßes Bekenntnis reicht nicht aus; unser Leben soll für Gott sprechen. Wenn wir Christus vor den Menschen leben, lassen wir unser Licht leuchten. So erkennen sie unsere guten Werke und sehen darin einen Beweis für unsere Aufrichtigkeit. Dadurch verherrlichen sie Gott, indem sie die Realität seines Wirkens in den Seelen derer erkennen, die durch ihr Zeugnis und ihr Verhalten treu sind. Wir müssen daran denken, dass wir unser Licht nicht nur durch ein bloßes Bekenntnis leuchten lassen, sondern, wie unser Herr selbst sagte: „Das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh 1,4). Es ist also ein hingebungsvolles und treues Leben, das anderen Licht spendet.
Anschließend sehen wir, wie unser Herr die Gebote des Gesetzes anwendet. Er ignoriert sie nicht und setzt sie auch nicht herab, sondern zeigt, dass sie einen tieferen Sinn haben, als es auf den ersten Blick erscheint. Wird das Gesetz richtig angewendet, macht es die völlige Hilflosigkeit und Unfähigkeit des Menschen deutlich: Er kann in seinem natürlichen Zustand die heiligen Gebote des Gesetzes nicht erfüllen.
Das Gesetz erfüllt (V. 17-20)
Vers 17
Mt 5,17: Denkt nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
Unser Herr erfüllte das Gesetz auf dreifache Weise:
- Durch seinen vollkommenen Gehorsam machte Er das Gesetz groß und herrlich (Jes 42,21 „Dem HERRN gefiel es um seiner Gerechtigkeit willen, das Gesetz groß und herrlich zu machen.“).
- Durch seinen Tod erfüllte Er die Forderungen, die das Gesetz an die Übertreter stellt, und wurde so zum Ende des Gesetzes, um alle, die glauben, gerecht zu machen (Röm 10,4 „Denn Christus ist das Ende des Gesetzes, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“).
- Durch seinen Geist befähigt Er die Gläubigen, die gerechten Forderungen des Gesetzes zu erfüllen (Röm 8,4 „damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln.“).
Verse 18-19
Mt 5,18-19: Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 19 Wer irgend nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer irgend aber sie tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel.
„Ein Jota oder ein Strichlein.“ Das Jota ist das Jod, der kleinste Buchstabe des hebräischen Alphabets. Das Strichlein ist ein kleines Zeichen, das eine geringfügige Änderung in der Bedeutung eines Buchstabens anzeigt. Die Worte unseres Herrn weisen auf die Vollkommenheit der Heiligen Schrift hin.
„Wer irgend nun eins dieser geringsten Gebote auflöst …“ Jeder, der die göttliche Autorität des offenbarten Willens Gottes ignoriert, indem er die moralische Wirkung seiner Gebote abschwächt, so dass die Menschen ihre Verpflichtungen Ihm gegenüber vernachlässigen, wird in seinem Reich als gering erachtet werden.
Vers 20
Mt 5,20: Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übersteigt, werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren strenge Gesetzeslehrer, die auf ihre eigene Gerechtigkeit vertrauten. Sie unterwarfen sich jedoch nicht der Gerechtigkeit Gottes (Röm 10,3 „Denn da sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannten und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten suchten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen.“). Die Gerechtigkeit, die Gott anerkennt, hat einen höheren Charakter. Diese höhere Gerechtigkeit wird in den folgenden Versen angedeutet.
Mord (V. 21-26)
Verse 21-22
Mt 5,21-22: 21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber irgend töten wird, wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Grund zürnt, wird dem Gericht verfallen sein; wer aber irgend zu seinem Bruder sagt: Raka!, wird dem Synedrium verfallen sein; wer aber irgend sagt: Du Narr!, wird der Hölle des Feuers verfallen sein.
Das Gesetz verbot Mord. Jesus zeigt jedoch, dass bereits unberechtigter Zorn einen Verstoß gegen den Geist des Gebots „Du sollst nicht töten“ darstellt. Ein Mord ist die Folge einer solchen Geisteshaltung. Andere zu beschimpfen, ist Ausdruck des Hasses, der Menschen dazu bringt, zu töten. Das bringt einen sogar in Gefahr, dem Höllenfeuer zu verfallen.
Verse 23-24
Mt 5,23-24: 23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar.
Wer bekennt, ein Anbeter Gottes zu sein, aber gleichzeitig vorsätzlich Unrecht tut oder Bosheit im Herzen trägt, ist Gott zuwider. Wer mit einer Gabe zum Altar kommt, soll zuerst zu dem Bruder gehen, dem er Unrecht getan hat, und sich danach Gott mit seiner Opfergabe nahen.
Verse 25-26
Mt 5,25-26: 25 Einige dich schnell mit deinem Widersacher, während du mit ihm auf dem Weg bist; damit nicht etwa der Widersacher dich dem Richter überliefert und der Richter dich dem Diener überliefert und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Cent bezahlt hast.
Wenn es in deiner Macht steht, eine Einigung zu erzielen, solltest du nicht zulassen, dass ein Geist der Feindseligkeit weiterbesteht. Die Sünde stirbt nie an Altersschwäche, sondern wird mit der Zeit immer schlimmer. Mancher hat schwer gelitten wegen eines Problems, das leicht hätte gelöst werden können, wenn er auf diese Worte gehört hätte (siehe Lk 12,58-59 „(58) Denn wenn du mit deinem Widersacher vor die Obrigkeit gehst, so gib dir auf dem Weg Mühe, von ihm loszukommen, damit er dich nicht etwa zu dem Richter hinschleppt; und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener überliefern und der Gerichtsdiener dich ins Gefängnis werfen. (59) Ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Cent bezahlt hast.“).
Ehebruch und Scheidung (V. 27-32)
Verse 27-30
Mt 5,27-30: 27 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, hat schon Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen. 29 Wenn aber dein rechtes Auge dir Anstoß gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. 30 Und wenn deine rechte Hand dir Anstoß gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle komme.
In diesen Versen zeigt Jesus uns, dass ein unkeuscher Blick, ein lüsterner, begehrlicher Blick auf eine Frau in Gottes Augen tatsächlich einen Verstoß gegen das siebte Gebot darstellt. Wer könnte bei einem solchen Maßstab auf „Nicht schuldig!“ plädieren? Wie wichtig ist daher die Ermahnung, jedes anstößige Glied zu töten, um nicht zu einer noch größeren Sünde verführt zu werden, die – wenn über sie nicht Buße getan wird – das ewige Gericht in der Hölle nach sich zieht.
Verse 31-32
Mt 5,31-32: 31 Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. 32 Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht; und wer irgend eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Es folgt eine grundlegende und verbindliche Aussage zur Ehe. Früher erlaubte Gott wegen der Hartherzigkeit der Menschen bestimmte Dinge, die den Jüngern Jesu nun verboten sind (Mt 19,8 „Er spricht zu ihnen: Mose hat euch wegen eurer Herzenshärte gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen.“). In Matthäus 5,31-32 „(31) Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. (32) Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht; und wer irgend eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.“ und Matthäus 19,9 „Ich sage euch aber: Wer irgend seine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; [und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch].“ wird deutlich, dass die Ehe, die nach Gottes Willen auf Lebenszeit angelegt ist, durch die schwere Sünde der Unzucht – sei es durch den Mann oder die Frau – aufgelöst wird. Damit steht es der unschuldigen Partei frei, erneut zu heiraten, jedoch – wie 1. Korinther 7,39 „Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, mit wem sie will, nur im Herrn.“ nahelegt – „nur im Herrn“. Es ist abwegig, zu behaupten, wie manche es tun, Unzucht beziehe sich hier lediglich auf unmoralisches Verhalten vor der Ehe, das erst nach der Eheschließung entdeckt wird (vgl. 5. Mose 24,1 „Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet, und es geschieht, wenn sie keine Gnade in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr gefunden hat, dass er ihr einen Scheidebrief schreibt und ihn in ihre Hand gibt und sie aus seinem Haus entlässt;“), und sie beziehe sich nicht auch auf die gleiche Sünde, die nach der Heirat begangen wird. Das würde bedeuten, dass die Verletzung des Ehegelübdes ein geringeres Vergehen darstellen würde als die sexuelle Sünde vor der Ehe. Der eindeutige Sinn des Textes ist unmissverständlich: Ein ehebrecherischer Ehemann oder eine ehebrecherische Ehefrau löst das Eheband auf. Eine gerichtliche Scheidung legalisiert die Trennung, und der unschuldige Partner ist vor Gott ebenso frei, als wäre er nie verheiratet gewesen.
Schwören (V. 33-37)
Mt 5,33-37: 33 Wiederum habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen. 34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs; 36 noch sollst du bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 Eure Rede sei aber: Ja – ja; nein – nein; was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen.
Gemessen an den hohen Anforderungen für Kommunikation, die in diesen Versen deutlich werden, wie viel von dem, was wir sagen, ist dann unwürdig für bekennende Christen. Wie leichtfertig und unbedacht äußern sich Christen doch oft, so als hätte Jesus zu diesem Thema nie etwas gesagt.
Unsere Feinde lieben (V. 38-48)
Die übrigen Verse des Kapitels können als ein einziger Abschnitt betrachtet werden, in dem die Gnade im Leben der Jünger Christi sichtbar wird.
Vers 38
Mt 5,38: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.
„Auge um Auge.“ Das ist das reine Gesetz – absolute Gerechtigkeit (2Mo 21,24 „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß,“). Gemessen an diesem Maßstab ist jeder Mensch hoffnungslos verloren.
Vers 39
Mt 5,39: Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin; …
„Widersteht nicht dem Bösen.“ Gott hat seinen Kindern Gnade erwiesen. Daher erwartet Er von ihnen, dass sie auch anderen dieselbe Gnade erweisen.
Vers 40
Mt 5,40: … und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch das Oberkleid.
„Dem lass auch das Oberkleid.“ Das geht weit über das hinaus, was das Gesetz verlangte. Wenn die Gnade Christi das Herz erfüllt, kann man den Verlust aller Dinge ohne Groll ertragen.
Vers 41
Mt 5,41: Und wer dich zwingen will, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei.
„Mit dem geh zwei.“ Nach den damaligen Verhaltensregeln begleitete man einen ortsunkundigen oder verspäteten Reisenden eine Meile, um ihm den Weg zu zeigen oder ihn zu führen. Gnade geht die zweite Meile.
Vers 42
Mt 5,42: Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.
„Weise den nicht ab.“ Der Jünger Christi soll wie sein Meister sein – bereit dazu, mitzuteilen, zu geben. Er ist vielleicht nicht in der Lage, alles zu geben, worum er gebeten verlangt wird, oder alles zu leihen, was jemand erbittet. Aber er soll bereit sein, soweit möglich, Bitten um Hilfe und Unterstützung zu erfüllen.
Vers 43
Mt 5,43: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
Die Schriften des Alten Testaments gebieten eindeutig Ersteres, aber die rabbinische Tradition fügte Letzteres hinzu – möglicherweise gestützt auf Stellen wie 5. Mose 23,6 „Aber der HERR, dein Gott, wollte nicht auf Bileam hören, und der HERR, dein Gott, verwandelte dir den Fluch in Segen; denn der HERR, dein Gott, hatte dich lieb.“ und einige der Rachepsalmen (Ps 137,9 „Glückselig, der deine Kinder ergreift und sie hinschmettert an den Felsen!“).
Verse 44-45
Mt 5,44-45: 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
„Ich aber sage euch.“ Als der vom Vater Gesandte korrigierte Jesus Christus die falsche Haltung der Rabbiner und stellte sein vollkommenes Gesetz der Liebe auf, sogar gegenüber den Feinden. Indem wir unseren Feinden Gutes tun und für sie beten, überwinden wir das Böse auf christusgemäße Weise. Ganz gleich, wie schlecht andere uns behandeln, wir sollen bereit sein, ihnen zu helfen. Wir sollen diejenigen segnen, die uns verfluchen, freundlich zu ihnen sein, auch wenn sie Hass zeigen, und für sie beten, selbst wenn sie uns verfolgen oder uns schaden wollen. Das ist die Gnade Gottes in Aktion, wie sie im Leben hingegebener Gläubiger sichtbar wird, die vom Geist Christi erfüllt sind. Scheint das ein zu hoher Maßstab für sündige Menschen zu sein? Das ist er auch! Doch ein wiedergeborener Mensch kann tun, was dem natürlichen Menschen unmöglich ist.
„Damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist.“ Wenn wir die Gebote unseres Herrn befolgen, zeigen wir, dass wir Kinder des himmlischen Vaters sind. Er lässt seine Gnade sowohl Gerechten als auch Ungerechten zuteilwerden und möchte, dass wir Ihm darin nacheifern. Jeder Gläubige hat Anteil an der göttlichen Natur (2Pet 1,4 „durch die er uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben entflohen seid, das in der Welt ist durch die Begierde,“), die ihn befähigt, den in dieser eindringlichen Rede beschriebenen Charakter zu entwickeln.
Verse 46-47
Mt 5,46-47: 46 Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? 47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe?
„Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr?“ Selbst der offenkundigste Weltmensch liebt seine Angehörigen und weiß diejenigen zu schätzen, die ihm Wertschätzung entgegenbringen. Aber diejenigen, die dem Herrn folgen, sollen alle Menschen lieben, selbst diejenigen, die ihnen durch erbitterten Widerstand das Leben schwermachen würden, wenn sie könnten.
Es ist eine Kleinigkeit, wenn die Jünger Christi nur das gleiche Interesse an anderen zeigen wie Menschen, die in verachteten Berufen arbeiten. Die Zöllner wurden von den Juden verachtet; sie waren Steuereintreiber, die ihre Ämter von der römischen Regierung gekauft hatten und Steuern in Israel eintrieben. Sie erpressten von ihren Landsleuten so viel wie möglich und bereicherten sich an den Einnahmen, nachdem sie nur das abgeführt hatten, was die vom Staat ernannten Steuerbeamten verlangten. Dennoch erwiesen sie ihren eigenen Brüdern Anerkennung.
Vers 48
Mt 5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Das ist Vollkommenheit im Sinne von völliger Abwesenheit von Parteilichkeit oder Voreingenommenheit. Wir sollen den nachahmen, der ohne Ansehen der Person jeden gleich behandelt (Apg 10,34 „Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht,“) und seine Gnade gleichermaßen über Gerechte und Ungerechte ausgießt [Mt 5,45 „damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“].
Gottes besondere Segnungen gelten denen, die denselben Geist der Ehrfurcht vor Ihm und dieselbe Sanftmut und Barmherzigkeit gegenüber anderen zeigen, wie sie in ihrer vollen Ausprägung in unserem geliebten Herrn sichtbar wurden, als Er als Mensch auf der Erde lebte (Heb 5,7 „Der in den Tagen seines Fleisches, da er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tod zu erretten vermochte, mit starkem Schreien und Tränen dargebracht hat (und wegen seiner Frömmigkeit erhört worden ist),“). Dieser Geist, der dem natürlichen Menschen unerreichbar ist, erfüllt diejenigen, die durch ihren Glauben an Christus als Erlöser neues Leben und eine neue Natur empfangen haben. Keine widrigen Umstände können die innere Ruhe derjenigen stören, die den Herrn kennen und seine Autorität über ihr Leben anerkennen.
Jeder vernünftige Mensch muss zugeben, dass die Gerechtigkeit, die unser Herr in dieser unvergleichlichen Rede fordert (die einsichtige und verständige Menschen überall bewundern), ein Maßstab ist, der weit über das hinausgeht, was der natürliche Mensch erreichen kann. Nur jemand, der von neuem geboren ist, kann auf diesem hohen Niveau leben. Wenn Menschen sagen, ihnen reiche die Bergpredigt als Religion aus, dann zeigt dies, wie wenig sie die Bedeutung der Worte unseres Meisters verstehen. Unser Herr beschreibt ein übernatürliches Leben, das nur durch übernatürliche Kraft gelebt werden kann – durch die Kraft, die der Heilige Geist dem schenkt, der an das Evangelium glaubt.
Originaltitel: „Chapter Five. The Principles of the Kingdom. Part One“
in Expository Notes on the Gospel of Matthew,
New York: Loizeaux Brothers, 1948.
Quelle: https://plymouthbrethren.org
Übersetzung: Samuel Ackermann


