DIE GRUNDSÄTZE DES KÖNIGREICHS – TEIL 1
Verse 1.2
Mt 5,1.2: 1 Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
In der sogenannten Bergpredigt hat unser Herr nicht das Evangelium verkündigt, sondern die Grundsätze seines Reiches offenbart. Diese Grundsätze sollen das Leben aller leiten, die sich zu seinen Jüngern zählen. Mit anderen Worten: In dieser Predigt wird das Gesetz des Reiches Gottes dargelegt. Die treuen Untertanen des Reiches zeichnen sich dadurch aus, dass sie dieses Gesetz befolgen, während sie auf den Tag warten, an dem der König selbst offenbart werden wird. In der gesamten Predigt wird anerkannt, dass es Widerstand gegen seine Herrschaft gibt. Doch diejenigen, die seine Autorität in ihrem Leben anerkennen, werden aufgefordert, denselben sanftmütigen und demütigen Geist zu zeigen, den er während seiner Erniedrigung hier auf Erden offenbart hat.
Für den natürlichen Menschen ist diese Predigt nicht der Weg zum Leben, sondern eine Grundlage der Verdammnis, denn sie legt einen so hohen und heiligen Standard fest, dass kein unerlöster Mensch ihn auf irgendeine Weise erreichen kann. Jeder ehrliche und gewissenhafte Mensch wird bald seine Hilflosigkeit erkennen, wenn er versucht, diesen Maßstab zu erfüllen. Er muss an anderer Stelle in der Heiligen Schrift nach dem Evangelium suchen, das die Kraft Gottes ist, die alle rettet, die glauben (Röm 1,16). Selbst die schärfsten Denker der Welt haben in der Bergpredigt die höchste ethische Lehre erkannt und ihre heiligen Gebote gepriesen, auch wenn ihnen bewusst war, dass sie diesen Maßstäben selbst nicht genügen konnten. Was die Unerretteten betrifft, so wird die hier gegebene Lehre tatsächlich, wie C. I. Scofield treffend sagte, „das Gesetz in seiner höchsten Potenz“ sein. So wie sich die gerechten Forderungen des Gesetzes „in uns [den Gläubigen], die nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln“ (Röm 8,4) erfüllen, so werden sich auch die in dieser Predigt dargelegten Grundsätze im Leben all derer zeigen, die danach streben, so zu leben, wie Christus es tat.
Es steht uns nicht zu, all dies ausschließlich auf den jüdischen Überrest in den letzten Tagen oder auf die Jünger vor dem Kreuz zu beziehen, auch wenn es auf beide zutrifft. Doch erkennen wir hier „die gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus“ (1Tim 6,3 SCHL2000), deren Befolgung wir nicht ausschlagen dürfen. In 1. Timotheus 6,4 finden wir die Beschreibung eines Menschen, der sich weigert, den gesunden Worten zu gehorchen: „Aufgeblasen und weiß nichts, sondern ist krank an Streitfragen und Wortgezänken, aus denen Neid, Streit, Lästerungen, böse Verdächtigungen entstehen“ (1Tim 6,4). Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, dass wir, obwohl wir ein himmlisches Volk sind, auch irdische Pflichten haben. Diese werden in der größten aller Predigten, die das menschliche Verhalten betreffen, für uns klar definiert.
Die Seligpreisungen (V. 3-12)
Vers 3
Mt 5,3: Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
„Glückselig sind die Armen im Geist.“ So werden Männer und Frauen bezeichnet, die erkennen, dass sie kein geistiges Vermögen besitzen. Sie erkennen ihren verlorenen Zustand an und vertrauen auf die göttliche Gnade.
Vers 4
Mt 5,4: Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Gerade Zeiten des Kummers erweisen sich als Segen, wenn Menschen den „Gott allen Trostes“ (2Kor 1,3) kennen, der den Zerbrochenen nahe ist (Ps 34,19). Wenn wir seiner Liebe vertrauen und in der Gewissheit ruhen, dass alle Dinge zu unserem Wohl zusammenwirken (Röm 8,28), kann Gott unseren Kummer zu einem Mittel für unser Wachstum in der Gnade werden lassen.
Vers 5
Mt 5,5: Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.
Die Welt bewundert selbstbewusste, durchsetzungsfähige Menschen. Jesus Christus hingegen war sanftmütig und von Herzen demütig. Diejenigen, die an seinem Geist teilhaben, erfahren das Beste im Leben. Sie sind es, die „das Land erben“, denn sie erkennen in der gesamten Schöpfung die Liebe und Fürsorge des Vaters.
Vers 6
Mt 5,6: Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Ein solcher Hunger und Durst, ein so tiefes und ernsthaftes Verlangen, ist ein Beweis für das neue Leben. Diese Wünsche sind nicht dazu da, dass man uns deshalb verspottet. Die Erfüllung dieser Wünsche ist denen verheißen, die sich nach Gott sehnen, denn nur in Ihm ist wahre Gerechtigkeit zu finden.
Vers 7
Mt 5,7: Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit zuteilwerden.
Wer Barmherzigkeit übt, dem wird auch Barmherzigkeit widerfahren. Das ist ein Gesetz im Reich Gottes. Ein harter, unnachgiebiger Mensch, der nur nach strenger Gerechtigkeit handelt, wird ebenso behandelt werden, wenn er selbst einmal scheitert.
Vers 8
Mt 5,8: Glückselig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen.
Reinheit bedeutet, nur ein Ziel zu haben. Diejenigen, die reinen Herzens sind, stellen die Herrlichkeit Gottes über alles andere. Ihnen offenbart Er sich selbst. Sie schauen sein Angesicht, während andere nur seine Vorsehung erfahren.
Vers 9
Mt 5,9: Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Streit und Spaltung sind Werke des Fleisches (Gal 5,19-21). Zwietracht unter Brüdern zu säen, gehört zu den Dingen, die der Herr hasst (Spr 6,16-19). Uns ist geboten, dem nachzujagen, was zum Frieden beiträgt (Röm 14,19). Wenn wir das tun, offenbaren wir die göttliche Natur als Kinder dessen, der der Gott des Friedens ist (Röm 15,33).
Vers 10
Mt 5,10: Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Dieser Vers macht deutlich, dass die in dieser Predigt dargelegte Anweisung nicht, wie von einigen behauptet wird, für das Tausendjährige Reich Christi gedacht ist, in dem es keine Verfolgung um der Gerechtigkeit willen geben wird. Vielmehr richtet sich diese Anweisung an die Jünger Christi in der Zeit seiner Verwerfung, in der seine Anhänger dem Hass einer gottlosen Welt ausgesetzt sind.
Vers 11
Mt 5,11: Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen.
Wir alle schrecken vor falschen Anschuldigungen zurück. Doch können wir Trost darin finden, dass selbst unser Herr davon nicht ausgenommen war. Es ist ein Segen, wenn wir in Gemeinschaft mit ihm solche Erfahrungen machen und nicht einmal versuchen, uns selbst zu rechtfertigen, sondern es ihm überlassen, uns auf seine eigene Weise und zu seiner Zeit zu verteidigen.
Vers 12
Mt 5,12: Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.
„Freut euch und frohlockt“ – anstatt in Niedergeschlagenheit zu verfallen –, „denn euer Lohn ist groß in den Himmeln.“ Gott nimmt all das wahr, was sein Volk durch die Hand oder den Mund einer gottlosen Welt oder falscher Brüder erleidet. Er wird alles auf seine Weise ausgleichen, wenn wir sein Angesicht sehen. Seine Propheten mussten in jedem Zeitalter Ähnliches ertragen, doch Er hat alles gesehen und wird nach der Güte seines Herzens vergelten.
Im nächsten Abschnitt werden die Jünger Christi durch verschiedene Symbole beschrieben. Sie alle verdeutlichen die Bedeutung der Treue gegenüber dem Vertrauen, das Er uns entgegengebracht hat.
Salz und Licht (V. 13-16)
Vers 13
Mt 5,13: Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
„Ihr seid das Salz der Erde.“ Salz bewahrt vor dem Verderben. Die Jünger unseres Herrn sind in der Welt zurückgeblieben, um Zeugnis gegen Ungerechtigkeit abzulegen und ein Beispiel für Gerechtigkeit zu geben. Geschmackloses Salz ist wie ein inkonsequenter Christ: Es ist zu nichts mehr nütze.
Vers 14
Mt 5,14: Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.
„Ihr seid das Licht der Welt.“ Während Er in dieser Welt war, hat Christus sich selbst so bezeichnet (Joh 9,5). In seiner Abwesenheit sollen seine Jünger als Lichter in dieser dunklen Welt für Ihn zeugen (Phil 2,15). Das Licht deckt die Übel auf, die in der Finsternis verborgen sind (Eph 5,13).
Vers 15
Mt 5,15: Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Lampenständer, und sie leuchtet allen, die im Haus sind.
Wer bekennt, ein Nachfolger Christi zu sein, sein Licht aber unter den Scheffel stellt – das heißt, sein Zeugnis durch übermäßige Beschäftigung mit den Angelegenheiten dieses Lebens verdunkelt –, hinterlässt in seiner Umgebung keinen guten Eindruck. Wer hingegen konsequent und mit ganzem Herzen für Christus lebt, leuchtet wie eine Lampe auf einem Leuchter und erhellt das ganze Haus.
Vers 16
Mt 5,16: Ebenso lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.
„Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen.“ Ein bloßes Bekenntnis reicht nicht aus; unser Leben soll für Gott sprechen. Wenn wir Christus vor den Menschen leben, lassen wir unser Licht leuchten. So erkennen sie unsere guten Werke und sehen darin einen Beweis für unsere Aufrichtigkeit. Dadurch verherrlichen sie Gott, indem sie die Realität seines Wirkens in den Seelen derer erkennen, die durch ihr Zeugnis und Verhalten treu sind. Wir müssen uns daran erinnern, dass wir unser Licht nicht nur durch ein Bekenntnis leuchten lassen, sondern, wie unser Herr selbst sagte: „Das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh 1,4). Es ist also ein hingebungsvolles und treues Leben, das anderen Licht spendet.
Anschließend sehen wir, wie unser Herr die Gebote des Gesetzes anwendet. Er ignoriert sie nicht und setzt sie auch nicht herab, sondern zeigt, dass sie einen tieferen Sinn haben, als es auf den ersten Blick erscheint. Wird das Gesetz richtig angewendet, macht es die völlige Hilflosigkeit und Unfähigkeit des Menschen deutlich, seine heiligen Gebote im natürlichen Zustand zu erfüllen.
Das Gesetz erfüllt (V. 17-20)
Vers 17
Mt 5,17: Denkt nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
„Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen.“ Das hat unser Herr auf dreifache Weise getan:
- Durch seinen vollkommenen Gehorsam hat er das Gesetz groß und herrlich gemacht (Jes 42,21).
- Durch seinen Tod hat er die Forderungen erfüllt, die das Gesetz an die Übertreter stellt, und ist so zum Ende des Gesetzes geworden, um alle, die glauben, gerecht zu machen (Röm 10,4).
- Durch seinen Geist befähigt er die Gläubigen, die gerechten Forderungen des Gesetzes zu erfüllen (Röm 8,4).
Vers 18
Mt 5,18: Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.
„Ein Jota oder ein Strichlein.“ Das Jota ist das Jod, der kleinste Buchstabe des hebräischen Alphabets. Das Strichlein ist ein kleines Zeichen, das eine geringfügige Änderung in der Bedeutung eines Buchstabens anzeigt. Die Worte unseres Herrn weisen auf die Vollkommenheit der Heiligen Schrift hin.
Vers 19
Mt 5,19: Wer irgend nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer irgend aber sie tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel.
Wer nun eines dieser geringsten Gebote auflöst und die göttliche Autorität des offenbarten Willens Gottes ignoriert, indem er die moralische Wirkung seiner Gebote abschwächt, sodass die Menschen ihre Verpflichtungen ihm gegenüber vernachlässigen, wird in seinem Reich als gering erachtet werden.
Vers 20
Mt 5,20: Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übersteigt, werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren strenge Gesetzeslehrer, die auf ihre eigene Gerechtigkeit vertrauten. Sie haben sich jedoch nicht der Gerechtigkeit Gottes unterworfen (Röm 10,3). Die Gerechtigkeit, die Gott anerkennt, hat einen höheren Charakter. Diese höhere Gerechtigkeit wird in den folgenden Versen angedeutet.
Mord (V. 21-26)
Verse 21.22
Mt 5,21.22: 21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber irgend töten wird, wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Grund zürnt, wird dem Gericht verfallen sein; wer aber irgend zu seinem Bruder sagt: Raka!, wird dem Synedrium verfallen sein; wer aber irgend sagt: Du Narr!, wird der Hölle des Feuers verfallen sein.
Das Gesetz verbot Mord. Jesus zeigt jedoch, dass bereits unberechtigter Zorn einen Verstoß gegen den Geist des Gebots „Du sollst nicht töten“ darstellt. Ein Mord ist die Folge eines solchen Geisteszustands. Andere zu beschimpfen ist Ausdruck des Hasses, der Menschen dazu bringt, zu töten. Das bringt einen sogar in Gefahr, dem Höllenfeuer zu verfallen.
Verse 23.24
Mt 5,23.24: 23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar.
Wer behauptet, ein Anbeter Gottes zu sein, aber gleichzeitig vorsätzlich Unrecht tut oder Bosheit im Herzen trägt, ist Gott ein Dorn im Auge. Wer mit einer Gabe zum Altar kommt, soll zuerst zu dem Bruder gehen, dem er Unrecht getan hat, und sich danach Gott mit seiner Opfergabe nahen.
Verse 25.26
Mt 5,25.26: 25 Einige dich schnell mit deinem Widersacher, während du mit ihm auf dem Weg bist; damit nicht etwa der Widersacher dich dem Richter überliefert und der Richter dich dem Diener überliefert und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Cent bezahlt hast.
Wenn es in deiner Macht steht, eine Einigung zu erzielen, sollte man nicht zulassen, dass ein Geist der Feindseligkeit weiterbesteht. Die Sünde stirbt nie an Altersschwäche, sondern wird mit der Zeit immer schlimmer. Mancher hat schwer gelitten wegen eines Problems, das leicht hätte gelöst werden können, wenn er auf diese Worte gehört hätte (siehe Lk 12,58-59).
Ehebruch und Scheidung (V. 27-32)
Verse 27-30
Mt 5,27-30: 27 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28 Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, hat schon Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen. 29 Wenn aber dein rechtes Auge dir Anstoß gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. 30 Und wenn deine rechte Hand dir Anstoß gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle komme.
In diesen Versen zeigt uns Jesus, dass ein unkeuscher Blick, ein lüsterner, gieriger und begehrlicher Blick auf eine Frau in Gottes Augen tatsächlich einen Verstoß gegen das siebte Gebot darstellt. Wer könnte bei einem solchen Maßstab auf „nicht schuldig“ plädieren? Wie wichtig ist daher die Ermahnung, jedes anstößige Glied zu töten, um nicht zu einer noch größeren Sünde verführt zu werden, die – wenn sie nicht bereut wird – das ewige Gericht in der Hölle nach sich zieht?
Verse 31.32
Mt 5,31.32: 31 Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. 32 Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht; und wer irgend eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Es folgt eine grundlegende und verbindliche Aussage zur Ehe. Früher erlaubte Gott wegen der Hartherzigkeit der Menschen bestimmte Dinge, die den Jüngern Jesu nun verboten sind (Mt 19,8). In Matthäus 5,31-32 und Matthäus 19,9 wird deutlich, dass die Ehe, die nach Gottes Willen auf Lebenszeit angelegt ist, durch die schwere Sünde der Unzucht – sei es durch den Mann oder die Frau – aufgelöst werden kann. Damit steht es der unschuldigen Partei frei, erneut zu heiraten, jedoch – wie 1. Korinther 7 nahelegt – „nur im Herrn“. Es ist abwegig zu behaupten, wie es manche getan haben, Unzucht beziehe sich hier lediglich auf vor- oder außereheliches Fehlverhalten, das erst nach der Eheschließung entdeckt wird (vgl. 5. Mose 24,1), und nicht auch auf die gleiche Sünde, wenn sie nach der Heirat geschieht. Das würde bedeuten, dass die Verletzung des Ehegelübdes ein geringeres Vergehen darstellt als die sexuelle Sünde vor der Ehe. Der eindeutige Sinn des Textes ist unmissverständlich: Ein ehebrecherischer Ehemann oder eine ehebrecherische Ehefrau löst das Eheband auf. Eine gerichtliche Scheidung legalisiert die Trennung, und der unschuldige Partner ist vor Gott ebenso frei, als sei er nie verheiratet gewesen.
Schwören (V. 33-37)
Mt 5,33-37: 33 Wiederum habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen. 34 Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs; 36 noch sollst du bei deinem Haupt schwören, denn du vermagst nicht ein Haar weiß oder schwarz zu machen. 37 Eure Rede sei aber: Ja – ja; nein – nein; was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen.
Gemessen an den hohen Anforderungen an unseren Kommunikationsstil, die in diesen Versen deutlich werden, wie viel von dem, was wir sagen, ist dann für bekennende Christen noch angemessen? Wie leichtfertig und unbedacht sind doch oft die Aussagen von Christen, als hätte Jesus zu dieser Frage niemals Stellung genommen!
Unsere Feinde lieben (V. 38-48)
Die übrigen Verse des Kapitels können als ein einziger Abschnitt betrachtet werden, in dem die Gnade im Leben der Jünger Christi sichtbar wird.
Vers 38
Mt 5,38: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.
„Auge um Auge und Zahn um Zahn“ – das ist das reine Gesetz, absolute Gerechtigkeit (2Mo 21,24). Gemessen an diesem Maßstab ist jeder Mensch hoffnungslos verloren.
Vers 39
Mt 5,39: Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin;
Gott hat seinen Kindern Gnade erwiesen. Daher erwartet er von ihnen, dass sie auch anderen diese Gnade erweisen..
Vers 40
Mt 5,40: und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, dem lass auch das Oberkleid.
Das geht weit über das hinaus, was das Gesetz verlangte. Wenn die Gnade Christi das Herz erfüllt, kann man den Verlust aller Dinge ohne Groll ertragen.
Vers 41
Mt 5,41: Und wer dich zwingen will, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei.
Nach der damaligen Etikette begleitete man einen ortsunkundigen oder verspäteten Reisenden eine Meile, um ihm den Weg zu zeigen oder ihn zu führen. Gnade aber geht die zweite Meile.
Vers 42
Mt 5,42: Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.
Der Jünger Christi soll wie sein Meister sein – bereit zur Verständigung. Er mag nicht in der Lage sein, alles zu geben, was von ihm verlangt wird, oder alles zu leihen, was jemand zu erbitten vermag. Aber er soll bereit sein, nach Möglichkeit Bitten um Hilfe und Unterstützung zu erfüllen..
Vers 43
Mt 5,43: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
Die Schriften des Alten Testaments gebieten eindeutig Ersteres, aber es war die rabbinische Tradition, die Letzteres hinzufügte – möglicherweise gestützt auf Stellen wie 5. Mose 23,6 und einige der Rachepsalmen (Ps 137,9).
Vers 44
Mt 5,44: Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen,
„Ich aber sage euch“ – als der vom Vater Gesandte korrigierte Jesus Christus die falsche Haltung der Rabbiner und stellte sein vollkommenes Gesetz der Liebe auf – sogar gegenüber den Feinden. Indem wir unseren Feinden Gutes tun und für sie beten, überwinden wir das Böse auf christusgemäße Weise. Ganz gleich, wie schlecht andere uns behandeln, wir sollen bereit sein, ihnen zu helfen. Wir sollen diejenigen segnen, die uns verfluchen, freundlich zu ihnen sein, auch wenn sie Hass zeigen, und für sie beten, selbst wenn sie uns verfolgen oder uns schaden wollen. Das ist die Gnade Gottes in Aktion, wie sie im Leben hingegebener Gläubiger sichtbar wird, die vom Geist Christi erfüllt sind. Scheint das ein zu hoher Maßstab für sündige Menschen zu sein? Das ist er auch! Doch ein wiedergeborener Mensch kann das tun, was dem natürlichen Menschen unmöglich ist.
Vers 45
Mt 5,45: damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Wenn wir die Gebote unseres Herrn befolgen, zeigen wir, dass wir Kinder des himmlischen Vaters sind. Er lässt seine Gnade sowohl Gerechten als auch Ungerechten zuteilwerden und möchte, dass wir ihm darin nacheifern. Es ist die göttliche Natur, an der jeder Gläubige Anteil hat (2Pet 1,4), die es ihm ermöglicht, den in dieser eindringlichen Rede beschriebenen Charakter zu entwickeln.
Vers 46
Mt 5,46: Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?
Selbst der weltlichste Mensch liebt seine Angehörigen und weiß diejenigen zu schätzen, die ihm Wertschätzung entgegenbringen. Aber diejenigen, die dem Herrn folgen, sollen alle Menschen lieben, selbst jene, die ihnen durch erbitterten Widerstand das Leben schwer machen würden, wenn sie könnten.
Vers 47
Mt 5,47: Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe?
Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt – tun nicht auch die Zöllner so? (vgl. SCHL2000) Es ist wenig Besonderes, wenn die Jünger Christi nur das gleiche Interesse an anderen zeigen wie Menschen, die in verachteten Berufen arbeiten. Die Zöllner wurden von den Juden verachtet; sie waren Steuereintreiber, die ihre Ämter von der römischen Regierung gekauft hatten und Steuern in Israel eintrieben. Sie erpressten so viel wie möglich von ihren eigenen Landsleuten und bereicherten sich an dem Erlös, nachdem sie nur das abgeführt hatten, was von den vom Staat bestellten Steuerbeamten verlangt wurde. Dennoch erwiesen sie ihren eigenen Brüdern Anerkennung.
Vers 48
Mt 5,48: Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Das ist Vollkommenheit im Sinne völliger Abwesenheit von Parteilichkeit. Es geht um die Nachahmung dessen, der niemanden bevorzugt (Apg 10,34) und seine Gnade gleichermaßen über Gerechte und Ungerechte ausgießt.
Gottes besondere Segnungen gelten denen, die denselben Geist der Ehrfurcht vor ihm und dieselbe Sanftmut und Barmherzigkeit gegenüber anderen zeigen, wie sie in ihrer vollen Ausprägung in unserem geliebten Herrn sichtbar wurden, als er in den Tagen seines Fleisches auf dieser Erde wandelte (Heb 5,7). Dieser Geist, der dem natürlichen Menschen unerreichbar ist, erfüllt jene, die durch ihr Vertrauen auf Christus als Erlöser neues Leben und eine neue Natur empfangen haben. Keine widrigen Umstände können die Gelassenheit derer stören, die den Herrn kennen und seine Autorität über ihr Leben anerkennen.
Jeder vernünftige Mensch muss zugeben, dass die Gerechtigkeit, die unser Herr in dieser unvergleichlichen Rede fordert, deren Weisheit überall Bewunderung erfährt, ein Maßstab ist, der weit über das hinausgeht, was der natürliche Mensch erreichen kann. Nur ein Wiedergeborener kann auf dieser hohen Ebene leben. Wenn Menschen sagen, dass ihnen die Bergpredigt als Religion ausreicht, zeigt dies, wie wenig sie die Bedeutung der Worte unseres Meisters verstehen. Er beschreibt ein übernatürliches Leben, das nur durch übernatürliche Kraft gelebt werden kann – die Kraft, die der Heilige Geist den Gläubigen schenkt.
Originaltitel: „Chapter Five The Principles Of The Kingdom Part One“
in Matthew, 1948.
Quelle: https://plymouthbrethren.org
Übersetzung: Samuel Ackermann


