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Leitverse: Hiob 16,10-11.16-17.20-21
Hiob 16,10-11.16-17.20-21: Ihr Maul haben sie wider mich aufgesperrt, mit Hohn meine Backen geschlagen;
allzumal verstärken sie sich wider mich. Gott gab mich preis dem Ungerechten,
und in die Hände der Gesetzlosen stürzte er mich … Mein Angesicht glüht vom
Weinen, und auf meinen Wimpern ist der Schatten des Todes — obwohl keine
Gewalttat in meinen Händen, und mein Gebet lauter ist … Meine Freunde sind
meine Spötter: Zu Gott tränt mein Auge, dass er schiedsrichterlich entscheide
Gott gegenüber für einen Mann, und für einen Menschensohn hinsichtlich seines
Freundes.
Diese Vorstellung von dem leidenden Gerechten, umringt von Feinden und
Spöttern, erinnert uns in lebendiger Weise an die Psalmen, besonders an Psalm
22. Auch die Übereinstimmung einiger Ausdrücke überrascht uns (16,10 und Ps
22,13). Psalm 22 ist eine prophetische Darstellung des Leidens Christi am Kreuz.
Wir haben schon darauf hingewiesen, wie Hiob in mancher Hinsicht in seinen
Umständen ein Vorbild des Herrn Jesus ist. Aber wie ganz anders ist seine
Haltung inmitten dieser Umstände als die des Heilandes! In Hiobs Mund wird nicht
gefunden: »Doch du bist heilig« (Ps 22,3), womit der Heiland alles Leiden, auch
vonseiten der Menschen, aus der Hand des Vaters annahm. Gegenüber der
Vollkommenheit Christi zeigt Hiob — in gleichen Umständen —, was menschliche
Schwachheit ist. Er beschuldigt Gott, und die natürliche Folge ist Verbitterung.
Der Seelenzustand eines Menschen wird bestimmt durch sein Verhältnis zu Gott.
Wie äußerst wichtig ist es dann, dass wir die rechte Erkenntnis von Gott
besitzen und uns in Ihm erfreuen, wie Er wirklich ist! Wenn wir uns auch selbst
verurteilen müssen, bei Ihm ruht unsere Seele voll Vertrauen auf Seine Liebe.
Und nur wenn wir uns so von ganzem Herzen in Seiner Liebe erfreuen, können wir
anderen Liebe erweisen.
Wunderbar sind jedoch die gnadenreichen Wege Gottes mit dem leidenden Hiob
gewesen! Je weiter wir in diese an Inhalt und Belehrung so reiche Geschichte
eindringen, um so lebendiger wird uns bewusst, dass die schlagende Hand des
Herrn für die Seinen eine Hand der Liebe ist. Was wir als Wahrheit aus dem
schönen zwölften Kapitel des Hebräerbriefes kennen, sehen wir hier sozusagen vor
unseren Augen geschehen, und zwar so, dass wir uns immer wieder bewusst werden:
Dieser Hiob ist keine rätselhafte, vielleicht legendäre Gestalt aus grauer
Vorzeit, in die wir schwerlich vordringen können. Nein, er ist ein lebendiger
Mensch, ein Mensch, der gelebt hat und dessen Wege und Leiden durch Gottes
vorsorgliche Weisheit für uns in der Schrift aufbewahrt worden sind, sodass wir
ihn nahe bei uns haben und ihn deutlich erkennen als einen von uns. Sein Leiden
ist im Grundsatz auch das unsere. Der Gott, der es ihm sandte, ist auch unser
Gott. Und die herrlichen Lektionen, die er unter Seufzen und mit Bitterkeit der
Seele durch Gottes Gnade lernte, dürfen auch wir verstehen.
aus Ermunterung und Ermahnung
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