Der Prophet Amos (2)
Kapitel 2

Henry Allen Ironside

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Die Anklage gegen die Nationen (2)

Verse 1-3

Amos 2,1-3: 1 So spricht der HERR: Wegen drei Freveltaten von Moab und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen: Weil es die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt hat, 2 so werde ich ein Feuer senden nach Moab, und es wird die Paläste von Kerijot verzehren; und Moab wird sterben im Getümmel, unter Kriegsgeschrei, unter Posaunenschall; 3 und ich werde den Richter ausrotten aus seiner Mitte und alle seine Fürsten mit ihm umbringen, spricht der HERR.

Moab andererseits wird nicht wegen seiner Grausamkeiten Israel gegenüber belangt, sondern weil sie es übernahmen, an Edom Gericht zu üben, wo sie doch selbst schwerwiegendster Vergehen schuldig waren. Deshalb würde „der Richter aus seiner Mitte ausgerottet und alle seine Fürsten mit ihm umgebracht werden“.

Verse 4.5

Amos 2,4.5: 4 So spricht der HERR: Wegen drei Freveltaten von Juda und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen: Weil sie das Gesetz des HERRN verworfen und seine Satzungen nicht bewahrt haben und ihre Lügen sie verführten, denen ihre Väter nachgewandelt sind, 5 so werde ich ein Feuer senden nach Juda, und es wird die Paläste Jerusalems verzehren.

Bis hierher richteten sich die prophetischen Botschaften gegen die Völker, die das Land Israel umgaben. Die Geschichte bezeugt ihre Erfüllung. Gaza, Tyrus, Edom, Ammon und Moab sind jetzt nur noch Namen. Ihre Herrlichkeit ist schon lange vergangen. Damaskus existiert noch immer, aber seine Einwohner wurden in die Gefangenschaft geführt und Muslime bewohnen jetzt die Paläste der Stadt. So haben sich die Prophezeiungen des Hirten-Propheten als Wort des HERRN erwiesen.

Aber Amos erhob sein Wort nicht nur gegen die Heiden. Wegen ihrer unheiligen Wege hatte er auch über Juda und Israel das Kommen des lang hinausgeschobenen Gerichtes zu verkündigen.

Juda, bevorrechtigt unter allen anderen, hatte das Gesetz des Herrn verachtet und sich geweigert, seinen Geboten zu gehorchen. Die Lügen seiner falschen Lehrer hatten Juda in die Irre geführt; sie zogen die Propheten den vom Himmel gesandten Botschaftern des Gottes ihrer Väter vor. Ihre Väter hatten sich von ihrem Felsen [Gott] abgewandt, und die Kinder folgten in ihren Wegen. Deshalb würden, so wie bei den Nationen, die Paläste Jerusalems mit Feuer verbrennen, und der Ort, an den der HERR seinen Namen gesetzt hatte, würde in die Hände der Feinde fallen.

Verse 6-16

Amos 2,6-16: 6 So spricht der HERR: Wegen drei Freveltaten von Israel und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen: Weil sie den Gerechten für Geld und den Armen für ein Paar Schuhe verkaufen; 7 sie, die danach lechzen, den Staub der Erde auf dem Haupt der Geringen zu sehen, und den Weg der Sanftmütigen krümmen; und ein Mann und sein Vater gehen zu derselben Hure, um meinen heiligen Namen zu entweihen; 8 und neben jedem Altar strecken sie sich hin auf gepfändeten Mänteln, und im Haus ihres Gottes trinken sie Wein von Strafgeldern. 9 Und doch habe ich den Amoriter vor ihnen vertilgt, dessen Höhe wie die Höhe der Zedern war, und er war stark wie die Eichen; und ich habe seine Frucht vertilgt von oben und seine Wurzeln von unten. 10 Und doch habe ich euch aus dem Land Ägypten heraufgeführt und euch vierzig Jahre in der Wüste geleitet, damit ihr das Land des Amoriters in Besitz nähmet. 11 Und ich habe Propheten erweckt aus euren Söhnen und Nasiräer aus euren Jünglingen. Ja, ist es nicht so, ihr Kinder Israel?, spricht der HERR. 12 Aber ihr habt den Nasiräern Wein zu trinken gegeben und den Propheten geboten und gesagt: Ihr sollt nicht weissagen! 13 Siehe, ich werde euch niederdrücken, wie der Wagen drückt, der voll Garben ist. 14 Und dem Schnellen wird die Flucht entschwinden; und der Starke wird seine Kraft nicht befestigen und der Held sein Leben nicht erretten; 15 und der den Bogen führt, wird nicht standhalten; und der Schnellfüßige wird nicht entkommen, und der auf dem Pferd reitet, wird sein Leben nicht erretten; 16 und der Beherzteste unter den Helden wird nackt fliehen an jenem Tag, spricht der HERR.

Die Anklage gegen Israel ist die längste von allen. Dem stolzen Königreich im Norden wird Habgier, Zügellosigkeit und Götzendienst vorgeworfen. Und dennoch waren sie absolut unbekümmert über das Unheil, das sie angerichtet hatten. Sie verkauften den Gerechten für Silber und den Bedürftigen für ein Paar Schuhe. Der gewöhnlichste Gegenstand des Handels war in ihren gierigen Augen von größerem Wert als das Los der Armen. Und während sie schändlichste Unreinheit auslebten, nannten sie sich dennoch bei dem heiligen Namen des Herrn und entweihten auf diese Weise seinen Namen in den Augen der Heiden. Sie waren entflammt vom Götzendienst, und „im Haus ihres Gottes trinken sie Wein von Strafgeldern“. Sie benutzten die gepfändeten Kleidungsstücke der Armen, um sich neben jedem Altar niederzulegen. Das Gesetz verbot es, das Gewand eines Armen über Nacht als Pfand einzubehalten. Aber sie verachteten nicht nur das Gesetz, sondern sie benutzten die Gewänder auch noch in aller Öffentlichkeit für die Anbetung ihrer Götzen. Entgegen jedem Gesetz benutzten auch die Richter die Strafgelder der Verurteilten, um Wein für ihre Götzenfeste zu kaufen. Das war der „Wein der Verurteilten“. So wurde der Heilige Israels von denen entehrt, die sich seines Namens rühmten.

Und doch hatte Er, wie Er sie in rührender Weise erinnert, die Ammoniter vor ihnen vertrieben, als Er sie aus Ägypten herausführte, und hatte sie vierzig Jahre durch die Wüste geleitet. Aus der Mitte ihrer Söhne hatte Er Propheten gerufen und Nasiräer, die Ihm geweiht waren. Aber sie führten die Abgesonderten durch Wein in die Irre und weigerten sich, auf die Warnungen der Propheten zu hören. Es ist ein trauriges und erbärmliches Bild, doch wie oft hat es sich seither wiederholt! Die, denen die größten Vorrechte gehören, sind oft auch die größten Übeltäter.

Schlussendlich waren ihre Gräueltaten zur Vollendung gekommen. Die letzte Garbe wurde auf den Wagen geworfen, und die Gnade des Herrn war zu Ende gekommen. Darum würde niemand zu stehen vermögen „an diesem Tag“ – dem Tag des Zornes des Herrn.

Wie ernst sind doch die Anschuldigungen, die hier aufgezeichnet sind! Und wie durchdringend sind diese Worte aus längst vergangener Zeit. Mögen wir, die wir heute beim Namen des Herrn genannt sind, sie wohl bedenken!

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Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Amos“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909

Übersetzung: Anne Brust

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