Der Prophet Amos (6)
Kapitel 6

Henry Allen Ironside

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Sorglos in Zion!

Vers 1

Amos 6,1: Wehe den Sorglosen in Zion und den Sicheren auf dem Berg von Samaria, den Vornehmen der ersten der Nationen, zu denen das Haus Israel kommt!

Es war nicht nur das Haus Joseph, das den Herrn herausgefordert hatte. Wie wir schon zuvor festgestellt haben, bezieht sich Israel durchgehend auf die gesamte Nation, nicht nur auf die zehn Stämme. Darum schließt dieser Abschnitt der Prophezeiung mit einem ergreifenden Wort an die Sorglosen in Zion und die, die ihr Vertrauen in den Berg Samaria setzten. Im Südreich schien die Gefahr, die das Nordreich bedrohte, weit weg, und so tröstete man sich mit dem Gedanken, dass Samaria, so dachten sie, der Belagerung lang genug widerstehen würde, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich auf den Feind vorzubereiten, sollte er doch näher kommen. Daher machten sie sich keine Sorgen und gehorchten Gottes Stimme nicht, die sie zur Umkehr rief; ebenso wenig trauerten ihre Seelen über das Leid ihrer Brüder.

Verse 2-6

Amos 6,2-6: 2 Geht hinüber nach Kalne und seht, und geht von dort nach Hamat, der großen Stadt, und steigt hinab nach Gat der Philister: Sind sie vorzüglicher als diese Königreiche, oder ist ihr Gebiet größer als euer Gebiet? 3 Ihr, die ihr den Tag des Unglücks hinausschiebt und den Thron der Gewalttat nahe rückt; 4 die auf Polstern aus Elfenbein liegen und auf ihren Ruhebetten sich strecken und Fettschafe von der Herde essen und Kälber aus dem Maststall; 5 die zum Klang der Harfe faseln, sich wie David Musikinstrumente ersinnen; 6 die Wein aus Schalen trinken und sich mit den besten Ölen salben und sich nicht grämen über die Wunde Josephs.

„Sorglos in Zion“ – das spricht sehr wohl auch zu uns im Blick auf den unbeteiligten Zustand, in dem sich so viele der bekennenden Gotteskinder gegenwärtig befinden, die der besonderen Botschaft für das Jetzt und Heute kein Gehör schenken und nicht Sorge tragen, in der Kraft der Wahrheit zu wandeln. Aber wenn dem Volk Gottes die Dinge egal sind, die in Gottes Augen wichtig sind, braucht es nicht zu erwarten, dass Er für sie handelt, wenn Schwierigkeiten und Bedrängnisse kommen.

Die Philister-Städte, die einst prächtig und herrlich waren, waren zerstört worden. Kalne, Hamat und Gat waren jetzt nur noch Ruinen, Erinnerungen an vergangenen Ruhm. War Israel etwa besser als diese Königreiche? Sie schoben den Tag des Unglücks weit von sich weg, während Gewalt und Korruption innerhalb ihrer Grenzen überhandnahmen. Auf Elfenbeinbetten und geschnitzten Sofas ausgestreckt, labten sie sich ohne Furcht an dem Besten der Herde und des Viehs. Sie sangen zum Klang von Musikinstrumenten, tranken Wein und liebten teure Salben. Aber Gott beendet die ernste Anklage, indem Er ihnen vorwirft, dass sie „sich nicht grämen über die Wunde Josephs“. Und sollte das nicht auch von jedem Kind Gottes heute gehört werden? Laufen nicht auch wir Gefahr, nur für uns selbst zu leben, uns an unseren Besitztümern zu freuen und die Wunde Josephs zu ignorieren – indem wir den unglücklichen Zustand der Versammlung vergessen und gleichgültig sind gegenüber den Wunden, die unser Eigenwille geschlagen hat, der so sehr das verherrlichte Haupt der Gemeinde, unseren Herrn, verunehrt? Ganz sicher wird echte Liebe zu Ihm unsere Seelen bezüglich des gegenwärtigen Zustands üben, all dessen, was in seinen Augen so kostbar ist. Solche Übung wird dazu führen, dass man die Schrift erforscht und alles in ihrem Licht beurteilt; dass man persönlich danach trachtet, „in den alten Wegen“ zu gehen, in denen die Männer Gottes gingen, selbst wenn das bedeutet, dass man allein gehen muss. Dabei wird sich jedoch notwendigerweise „die Liebe zu allen Heiligen“ zeigen, die jeden charakterisieren sollte, der in irgendeinem Maß die Wahrheit erfasst hat, dass „es einen Leib und einen Geist gibt“.

Verse 7.8

Amos 6,7.8: 7 Darum werden sie nun weggeführt werden an der Spitze der Weggeführten, und das Gejauchze der träge Hingestreckten wird aufhören. 8 Der Herr, HERR, hat bei sich selbst geschworen, spricht der HERR, der Gott der Heerscharen: Ich verabscheue den Stolz Jakobs und hasse seine Paläste; und ich werde die Stadt preisgeben und alles, was sie erfüllt.

Wegen dieser mangelnden Besorgnis um das Leiden oder die Übertretung Josephs konnte sich der Herr an ihnen nicht mächtig zeigen, sondern Er würde den Stolz Jakobs verabscheuen und sogar die Stadt Davids dem heidnischen Unterdrücker übergeben.

Verse 9.10

Amos 6,9.10: 9 Und es wird geschehen, wenn zehn Männer in einem Haus übrig bleiben, so werden sie sterben. 10 Und hebt einen der Gestorbenen sein Onkel und sein Bestatter auf, um die Gebeine aus dem Haus hinauszuschaffen, und spricht zu dem, der im Innern des Hauses ist: „Ist noch jemand bei dir?“, und dieser sagt: „Niemand!“, so wird er sagen: „Still, denn der Name des HERRN darf nicht erwähnt werden!“

Als schließlich die Vernichtung kam, verschloss die schreckliche Wahrnehmung des Zornes des Herrn ihren Mund, sogar als sie ihre Toten begruben, denn der Name des Herrn wäre für ihre leugnenden Lippen unpassend gewesen. Es ist in der Tat traurig, unter der Zuchtrute zu sein und doch völlig unfähig zu bleiben, mit demjenigen in Kontakt zu treten, der sie führt. Das bewirkt die verhärtende Kraft des Betrugs der Sünde!

Verse 11-14

Amos 6,11-14: 11 Denn siehe, der HERR gebietet, und man schlägt das große Haus in Trümmer und das kleine Haus in Splitter. 12 Rennen wohl Pferde auf Felsen, oder pflügt man darauf mit Rindern, dass ihr das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut verwandelt habt, 13 die ihr euch über Nichtiges freut, die ihr sprecht: Haben wir uns nicht durch unsere Stärke Hörner erworben? 14 Denn siehe, ich werde gegen euch, Haus Israel, eine Nation erwecken, spricht der HERR, der Gott der Heerscharen; und sie werden euch bedrücken vom Eingang Hamats an bis zum Bach der Ebene.

Die Verse 11 bis 14 betrachtet die babylonische Gefangenschaft, die über ein Jahrhundert später stattfand, nämlich nach der assyrischen Invasion des Nordens. Als die Chaldäer wie eine Flut hereinbrachen und das ganze Land füllten, passierte es auf direkten Befehl des Herrn, als seine Zuchtrute, da Juda das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut verwandelt hatte. Der Heilige muss sich gegen die Seinen stellen, wenn sie seine Wahrheit in eine Lüge verwandeln und in Unreinheit wandeln. So ist es auch heute noch. „Der gerechte Herr liebt die Gerechtigkeit“ und wird seinen Namen nicht mit Widersprüchlichem verbinden.

Mit dieser Botschaft endet der zweite Teil unseres Propheten.

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Originaltitel: „Notes on the Prophecy of Amos“
aus Notes on the Minor Prophets, 1909

Übersetzung: Anne Brust

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